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Alle Touren an denen Freunde der Cyclitis teilnehmen.

Ansicht von Delft, 1660/61

Gestern hatten wir uns zum Radeln um 18:30 am HaW verabredet.

Die Wettervorhersage sagt im wesentlichen, dass das Wetter unvorhersehbar ist und mit allem gerechnet werden sollte. Meine Arbeitskollegen schauten mich kopfschüttelnd an, als ich das Büro voll ausgerüstet verliess. Ich hatte zur Sicherheit eine Regenjacke an und eine Regenhose dabei.

Am HaW wartete niemand. Ich war fünf Minuten vorher da, wartete pflichtschuldig meine fünf Minuten und fuhr pünktlich um 18:30 Uhr am Kuhgraben lang los zum Kuhsiel. Velosport hatte endlich mein Steuersatzproblem an meinem Union Fixie gelöst und so konnte ich nun endlich wieder fixed fahren.

Ich peste die erste Bergprüfung an der Autobahnbrücke am Platzhirsch hoch und als ich mit 40 Sachen runter fuhr kam ich auf die tolle Idee einmal die Füsse von den Pedalen zu nehmen. Schon mal gemacht? Das wird eine extrem wackelige Angelegenheit. Bei 40 km/h ist es auch fast unmöglich die Füße wieder auf die sich drehenden Pedalen zu bekommen, aber bei knapp unter 35 km/h bekommt man das irgendwie wieder hin.

Ich fuhr Richtung Dammsiel und der Himmel war wirklich phantastisch. Eigentlich war alles phantastisch: Der Himmel war gerade so blau mit ein paar dicken grauen Wolken, es war gerade noch hell bevor die Dämmerung einsetzt und die Temperaturen waren gerade noch so, dass man ohne Jacke fahren konnte; kurz: Es war gerade genau richtig.

Der Himmel war aber besonder spektakulär, wie aus dem Ölgemälde eines alten holländischen Meisters, sagen wir mal: Jan Vermeer, „Ansicht von Delft“ 1661.

In diesem Moment war ich mir sicher, dass Vermeer den Himmel am 25. September 1661 gemalt hat; das passt einfach perfekt.

Weiter richtig Dammsiel wurde es richtig nass auf der Straße, ein Schauer war wohl kurz vor mir runtergekommen und ich fuhr durch die Pfützen aber zum Glück prasselten nur wenige Tropfen auf mich herunter. Ich fuhr bis zum Ende der Straße, bog am Melkhuis ein und fuhr auf der anderen Seite der Wümme wieder zurück Richtung Bremen. Ich mag diese Seite der Wümme eigentlich noch lieber. Sie ist etwas rauher, aber auch etwas kurviger und viel leere. Richtige Rennradfahrer fahren hier nicht, weil es auch ein ca 2,5 km langes gepflastertes Stück kurz hinter Lilienthal gibt aber mich stört das überhaupt nicht.

Der Himmel wurde nun roter und dunkler und die Stimmung war immer noch spektakulär und leicht melancholisch. Das sind Momente, die ich so nur in meinem Leben auf dem Rad erlebe. 30 km fahren ist nicht besonders lang, deswegen wird auch dieser Eintrag eher kurz.

 

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Die Weser runter

Herbst stimmt mich melancholisch: „You can get addicted to a certain kind of sadness“ heißt es in dem Lied „Somebody I used to know“ von Goyte. Dies is nun „A song I used to hear“, nachdem meine Tochter das mit ihrer Grundschulklasse eingeübt und vorgeführt hat, sind  die Erinnerungen beim hören nun andere.

Bevor mich die ganze Melancholie nicht mehr aus den Federn kommen läßt, habe ich mich an diesem schönen Spätsommertag nachmittags auf mein Rad gesetzt und bin losgefahren. Tobias hatte mir erzählt, dass seine Lieblingsstrecke an der Weder lang hinter dem SWB Kraftwerk nach Achim ist – das wollte ich einmal ausprobieren aber in umgekehrter Richtung.

Kaum war ich am Platzhirsch und wollte die erste Bergprüfung nehmen, kam mir auch schon Harald entgegen. Er sagte einige sehr liebenswürdige Dinge zu mir („Eigentlich siehst Du aus wie Vierzig…“ und verschwand dann auf dem Weg nach Hause. Ich fuhr weiter über Fischerhude und Sagehorn nach Oyten und Bassen und durch die Felder Richtung Achim. Durch Achim ist es dann ein wenig schwierig den Weg zur Weser zu finden, aber ich friemmelte mich durch …. nur das war überhaupt kein Weg auf der rechten Weserseite.

Also fuhr ich weiter durch die Achimer Marsch bis ich zu einem Restaurant kam und dahinter begann dann endlich der Deich. Und hörte dann auch schon gleich wieder auf. Auf dem Deich war eine Schranke und dahinter nur noch ein Grassweg. Nun war ich aber zum Glück zwei Wochen vorher mit Harald im Harz gewesen, so dass mich weder Schranken noch Grasswege in irgendeiner Weise davon abhalten können weiterzufahren.

Ja, Harald hat mich ganz schön hart gemacht. Blitzrad hätte auf den nächsten 500 Meters wahrscheinlich drei Platten gehabt, nach 760 Metern wäre sein Rahmen in der Mitte gebrochen als sich das Schaltwerk um die Kettenstrebe wickelte und bei 944 Meter hätte dann seine Freundin mit ihm Schluss gemacht. Aber seitdem wir mit Harald im Sprenggebiet des Harzes waren ist uns eigentlich alles egal, wir hängen nur noch an dem nackten Leben.

Endlich begann wieder eine Strasse, die dann auch gleich wieder aufhörte und es begann ein noch extremeres Stück Rasendeich.

Zum Glück hatte aber das auch irgendwann einmal ein Ende, die Durchschnittsgeschwindigkeit war aber allemal versaut. Und dann kam auch endlich wieder eine normale Straße, die mich prompt in dem Hemmelinger Hafen führte. Da kannte ich mich wieder aus und nahm den schnellsten Weg nach Hause.

Wie Tobias da mit seinem Single Speed Rad fährt wird mir zumindestens für heute ein Rätsel bleiben.

 

 

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Selber eingebrockt

Was bisher geschah:

Sieben Männer verschiedener Altersgruppen wollen ein wenig Radfahren im Harz. Sie vertrauen dem selbsternannten Führer und landen so tief im Wald, dass Hänsel und Gretel dort wohl Selbstmord begannen hätten. Zum Glück landen Sie nachdem Sie ein Sprenggebiet durchquert hatten wieder an einer Straße.

Sie genau nach Torfhaus führte und zwar immer schön hoch. In meinem Elternhaus gab es einen kleinen Garten. Mein Vater bestimmte welche Blumen gepflanzt wurden und meine Mutter richtete sie dann hin, wie Edmund Stoiber einmal so passend ausdrückte. Dazu hatten wir immer einige Ballen Torf zuhause, die in großes, gelbes Plastik gewickelt waren. So ungefähr stellte ich mir Torfhaus vor: Eine Hütte aus Torfballen, in der man sich versteckt und heimlich die guten, starken englischen Zigaretten aus Papas Bar raucht. Leider ist Torfhaus ein wenig anders: Unter 1.200 cm3 und schwarze Lederjacke braucht man da gar nicht auf den Parkplatz zu fahren. Es waren Unmengen Motorräder da, die deutlich jünger waren als ihre Besitzer aber älter ausssehen (Harleys). Sogar der Mann an der Toilette hatte eine Lederjacke, LemmyMotorhead-Kotletten und jede Menge Tätowierungen („Sanifair Hells Angels“).

Das ist alles ganz gut und schön, aber wenn man da auf der Straße fährt auch recht laut – eben ganz anders als im Wald. Und was passierte als wir dort losfuhren? Innerhalb weniger Minuten hatten wir die halbe Truppe verloren – auf einer riesigen Strasse, wo das extrem schwierig war. Wenn wir so diszipliniert im Wald gefahren wären, denn hätten sich sogar unsere Atome gleichmäßig in der Wildnis verteilt.

Aber so kamen wir dann doch runter nach Braunlage und dann nach Elend („Willkommen in Elend“) und nicht nach Sorge („Willkommen mit Sorge“). Und dann ging es hoch nach Schierke, dem einzigen Ort im Harz der einen gewissen Charme hat, man fühlt sich zurückversetzt in die Zwanziger Jahre, fast wie auf dem Zauberberg von Thomas Mann. Vom Ort aus schaut man Richtung Brocken hoch und fühlt sich dann auch gleich schon wie in der Lungenheilsanstalt. Jeglicher Mut geht verloren.

Immerhin machten wir uns alle dann in unserem eigenen Tempo hoch auf den Gipfel des Brockens und jeder in seinem eigenen Tempo. Philipp-HB mit ruhigem Tritt, Don Torsten noch voll mit dem Adrenalin der Hinfahrt (war dann auch prompt als Erster oben), und Andreas.HB mit leicht wabbeligen Knien. Die Strasse beginnt ja ganz nett, nicht zu steil und im Wald und wird dann erst etwas unangenehm, als sie aus dem Wald herauskommt und es steil nach oben geht. Ich fahre ja lieber Serpentinen hoch, weil man da nicht sieht wie weit man fahren muss (Ausnahme: Stelvio). Hier sah ich nicht nur das Stelvio von Andreas.HB, sondern auch noch verdammt weit und hoch nach vorne weg. Aber auch da kommt man rüber UND überholt immer noch Fußgänger. Radfahrer leider nicht. Von oben fliegen die MTBler und Rennradfahrer auf einen zu  und man fängt an sich zu freuen wie ein eine aufgezogene Gummiente. Dann erreicht man die letzte Überquerung der Brockenbahn. Bei unserer letzten Fahrt im Harz begann dort das Schotterstück, voll mit Spaziergängern und das zu fahren machte gar keinen Spaß. Karin hatte aber auf dem Weg nach Indonesien den Brocken überflogen, geschaut und bereits mitgeteilt, dass nun die Strasse bis nach oben geteert war. So war es auch, ich überholte noch kurz Harri.HB, der am Wegesrand eine Powerstulle aß und schon war ich oben (Harri.HB überholte mich aber noch einmal auf den letzten Metern). Oben waren bereits Philipp.HB und Don Torsten, Blitzrad heute mal mit einem heilen Rad. Das war aber auch egal denn fast jeder von uns hatte diesmal einen Kettennieter mit, falls uns wieder das gleiche Schicksal wie im Juni drohen sollte.

Team Wiegetritt überall

Team Expendables Two

Ups, da fehlt doch einer? Richtig, Andreas.HB, der zum ersten Mal mit in den Bergen war. Er hatte sich ja ein paar Tage vorher bei mir erkundigt wie und was wir so fahren. Ich weiß nicht mehr genau, was ich geschrieben hatte, aber es schloss in etwa mit den Worten: „Du wirst es nicht bereuen, wenn Du mitkommst.“ Horrorfilme fangen mit solchen Monologen an. Wir vermuteten eigentlich alle, dass Andreas entweder irgendwo im Wald lag und bereute, dass er je geboren wurde, oder sich einen faulen Lenz auf der Achterbahn („Harzer Roller“) unten in Schierke machte. Völlige Fehleinschätzung, als wir nach kurzer Pause zur Abfahrt nach unten ansetzten, kam er uns etwa auf Höhe der letzten Brockenbahnquerung entgegen. Noch einen Kilometer mehr und auch er wäre oben gewesen: Respekt!

Aber jetzt im Sausewind runter – ui macht das Spaß. Ups warum fährt denn dieser hochkommende MTBler Schlangenlinien? Und warum fährt der immer genau da, wo ich ausweichen will? „Heeeyyyyyyyy“. Ich komme so gerade noch einmal an dem vorbei, aber da sass mir die Angst schon sehr tief in den Knochen.

Andere Hindernisse: Im wesentlichen Planwagen, Pferdeäpfel in der Mitte von Spitzkehren und einige Fußgänger. Kurzes Annicken von Radfahrern die hoch fahren: Same tribe. Und viel zu schnell ist man wieder unten in Schierke.

Eigentlich hatten wir ja gedacht, dass wir um 5 oder 6 mit dem Zug von Bad Harzburg wieder zurück nach Bremen fahren. Wir waren aber jetzt total neben der Zeit. Jetzt ging nur noch Schnitzel in Wernigerode und dann auf den kürzesten Weg zurück nach Bad Harzburg.

Die Abfahrt von Schierke nach Wernigerode machte seeeehrr viellll Spass. „Wie schnell warst du? „68,2 km/hr, und du?“ 67,6 km/hr und du?“ „62,3 km/h!“ „OK, Du zahlst!“ Erst mal was zu trinken.

 

Wir hatten die Spur der Schnitzel wiedergefunden und fanden uns nun an der „All you can Schnitzel Bude“ ein. Im Harz ist einfach alles groß: Die Berge, die Getränkekrüge, die Schnitzel, selbst die Frauen die sie uns an den Tisch bringen. Diese nun hatte eine besondere Eigenschaft. Sie war nicht nur groß, sondern auch jegwelcher Humor prallte von ihr ab wie Regentropfen auf Goretex. Ich wünschte ich hätte ein Photo gemacht. Aber selbst Lichtstrahlen wäre von der abgeprallt und am Boden verreckt. Harri.HB versuchte es zwar immer wieder, aber nicht jeder kann so erfolgreich sein wie Don Torsten, da fehlt halt auch ein wenig der Charme des Südens (oder liegt Delmenhorst im Westen?).

Wo blieben nur unsere Schnitzel? „Schnitzel Flat Rate gibt es heute nicht!“ Außerdem war der Koch baden mit seiner Freundin (die Küchenhilfe) und musste erst einmal angerufen werden. All das dauerte, aber man hat ja Zeit im Osten. Endlich kam der Koch und endlich kamen auch unsere Schnitzel.

Aha, sehr übersichtlich (2:56 min).

Endlich sind wir nun bei der Qualität japanischer Blogs! Denn egal über was Japaner bloggen, und da gibt es viele, viele Themen auf die wir so nicht gekommen wären (Strommasten, Frettchen, fliegende Mädels, um nur einige zu nennen) und viele auf die wir ohnehin gekommen wäre (Carbonräder, Aluminiumräder, Stahlräder), also noch einmal: Egal über welches Thema gebloggt wird, man sieht eigentlich immer nur eins: Essen. Das wird mir nicht geglaubt?

Dann bitte einmal hier schauen, das Blog eines befreundeten jap. Radfahrers, Goro-San.

oder hier, das Blog der japanischen Raumfahrtbehörde. Essen ist einfach wahnsinnig wichtig. Ich amche oft mit Studenten eine Übung, bei der sie sich vorstellen sollena uf dem Mond zu sein und eine Reihe von Dingen nach ihrer Wichtigkeit für das Überleben einordnen sollen: Wasser, Sauerstoff, Kettennieter, Pokemonkarten, Essen, Kompass, etc. Japanische Studenten sind die einzigen die ab und an Essen vor den Sauerstoff setzen.

Ich bin von so etwas geprägt und deswegen war es mir auch verdammt wichtig ein ordentliches Schnitzel von Miss Goretex zu bekommen. Die anderen waren von so etwas nicht geprägt, aber auch froh ein Schnitzel zu haben. Mittlerweile war es nach Sechs. Bis zum Brocken hoch waren wir gerade Mal 61 km in 5 Stunden gefahren und nun war es wirklich höchste Zeit wieder nach Hause zu kommen.

Natürlich passierte jetzt erst einmal Murphys Law: „Whatever can go wrong, will go wrong„. Der Harz wollte uns mit all seiner Magie behalten. Zunächst einmal hatte Philipp.HB einen Platten. Dann hatte Olli.fast.HB nicht fast einen Platten sondern einen Platten. Dann machten wir uns auf den Weg nach Bad Harzburg und Andreas.HB hatte wieder einen Kettendefekt (Der Harz frisst Ketten). Dummerweise war Harri.HB mit dem Schlüssel zum Schließfach am Bahnhof bei ihm und wir machten uns Sorgen, dass die es noch rechtzeitig bis zum Bahnhof schaffen würden. Machten Sie aber locker. Jede Menge Zeit, aber mittlerweile auch Viertel vor Acht. Husch, husch in den Zug. „Steht auf Gleis Fünf“, ruft Don Torsten noch. So ein schöner Zug, so ganz leer mit jede Menge Platz. Leider aber auch ein wenig dunkel. Und warum steht auf dem Zug der gerade auf dem Nebengleis hereinkommt groß „Hannover Hbf“ drauf? Weil wir im falschen Zug sitzen, unserer fährt erst um 20:45 Uhr und dann auch noch nach Halle. Raus, raus in den nächsten Zug.

Prima, nun sind wir endlich auf dem Heimweg. Leider spinnt die Zugdurchsage. Nein, nicht so wie auf Youtube, das ist ja nur ein Automat. Unsere Zugdurchsage ist leider manuell und offesichtlich besoffen. Wir hoffen nur dass die Sparmaßnahmen der DB nicht dafür gesorgt haben, dass der Zugführer auch die Durchsagen macht:

„Es fährt und saust  die Deutsche Bahn / wo Harri sonst nur sausen kann“

In Hannover in den nächsten Zug. Don Torsten findet ein neues Flirtopfer. Alle anderen hängen mehr oder minder tot in den Seilen. Die Unterhaltungen drehen sich um Döner und Singlespeedräder. Die braucht man nicht in den Bergen. Olli.HB meinte am letzten Hügel vor Bad Harzburg: „Jetzt reicht es aber auch!“

Genau.

von Andreas.HB

Danke an Alle die dabei waren, da war wirklich eine tolle Tour von der wir noch erzählen werden oder dies bereits tun.

 

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Der längste Tag

..ist eigentlich ein alter Kriegsfilm mit John Wayne, Robert Mitchum, Richard Burton und, erstaunlicherweise Loriot (bei 2:36 min). Er handelt von der Landung der Allierten am 6. Juni 1944 in der Normandie (das ist da, wo Joerg mit einem deutschen Motorrad am Bunker steht). Am Ende des Tages sind viele Menschen auf beiden Seiten tot und der Rest ist ziemlich müde. So ungefähr erging es den meisten von uns gestern, nachdem wir aus dem Harz zurück kamen. Zum Glück waren wir alle nur müde und nicht tot. Obwohl, viel hätte auch nicht gefehlt. Ich denke aber, dass wir mehr Spaß im Harz hatten als die Menschen 1944 in Cherbourg.

Um 7 Uhr versammelten wir uns am Hauptbahnhof, in letzter Minute konnte noch ein alternder Jungprofi des bekannten Bremer Radteams „Biegetritt“ (Namen wurden von der Redaktion geändert) für den Ausflug gewonnen werden: Harri.HB. Daneben kamen die üblichen Verdächtigen: Blitzrad-HB, Joerg-HB, Andreas-HB, Olli-neben-HB und Don Torsten del Menhorst (alter spanischer Adel). Die Mädels hatten alle gekniffen: Karin-HB war die Flucht über die Grenze nach Indonesien gelungen (ihr Standort war uns allerdings jederzeit bekannt und wurde viertelstündig mitgeteilt) und Silke-HB befand sich in Gastritistan.

Die Reise in den Harz ist eine lange und mal braucht viel Geduld. Von Hannover ging es weiter auf der nicht elektrifizierten Strecke bis nach Bad Harzburg. Wir dachten an alles andere, nur nicht an Radfahren. Manche von uns flirteten hemmungslos mit den Zufallsbekanntschaften, die man nun einmal bein einer 14-stündigen Zugfahrt mit der DB in den Harz macht. Schließlich sind Harz und Herz nur einen Buchstaben entfernt….

Endlich kamen wir in Bad Harzburg an, machten uns fertig und rollten in Position für das „vorher“ Bild.

VORHER

Wie man gut sehen kann, sind wir hier noch alle guter Dinge. Das sollte sich aber schnell ändern: Wir fuhren los und verloren bereits an der ersten Ampel Harri-HB. Das machte allerdings nichts, weil wir ohnehin in die falsche Richtung gefahren waren, wendeten und wieder an Harri-HB vorbeikamen, der all dies nicht mitbekam und sich wieder einreihte. Und so ging es den ersten Berg hoch Richtung Oker. Ehrlich gesagt, ich hasse den ersten Berg, vor allem wenn er gleich nach dem Losfahren kommt. Ich bin dann noch nicht warm, fahre verkrampft und langsam und finde mich schnell am Schluss des Feldes. Das gefällt mir gar nicht. Zum Glück sind wir ja nicht immer geteerte Strassen gefahren.

In Oker ging es links rum in Richtung Okeltalsperre. Eine schön langanhaltende, nicht so steile Steigung bei der es die ersten Opfer zu verzeichnen gab. Andreas lernte bei dieser Gelegenheit, dass bei einer Berührung von Hinter- und Vorderrad IMMER der Fahrer des Vorderrades zu Boden geht, auch wenn er noch im Umfallen versucht durch Berührung eines zweiten Hinterrades zumindestens einen Teilumfallerfolg zu erzielen. Prima, damit hatte Andreas das auch gelernt (meiner Ansicht nach ist das etwa so wie, dass man einmal mit Clippedalen umfällt). Blitzrad, der alte Unglücksrabe (eine Metaphor die ich sonst nicht so gerne verwende, auch Schattenmann nicht) wurde zwischenzeitlich von einer Bremse gestochen (Shimano Ultegra Ice-metal grey). Aber ansonsten lagen wir voll im Zeitplan und erreichten schnell die Talsperrenmauer. Von hier aus, so war der eigentliche Plan, hätte es nun weitergehen sollen nach Clausthal-Zellerfeld, denn die direkte Verbindung nach Torfhaus über die Weiswasserbrücke an der Okertalsperre ist wegen Sanierungsabeiten erst einmal gesperrt (man wagt nicht daran zu denken, wie lange das wieder dauern wird – Baufirmen!). Ja,das war der Plan. Jemand aus unserer Gruppe hatte aber die Idee eine Abkürzung direkt durch den Wald zu nehmen. Dort gab es, seines Wissens, eine geheime Reichsautobahn die vom Bund deutscher Mädels in den letzten Kriegstagen angelegt wurde (Mittellinien mit gepunkteten Herzen, Stoppschilder in Form von Hello Kitty Köpfen, Raststätten mit wilden Erdbeerfeldern etc.) und danach in Vergessenheit geriet. „Er“ war diese Strecke schon x-mal gefahren (x ist eine natürliche, positive, einstellige Zahl, die sich nur durch Eins teilen läßt) und sie würde uns sicher zur B4 nach Torfhaus führen. Das überzeugte uns natürlich sofort.

Ich hätte vielleicht doch etwas skeptisch sein sollen, denn die Auskunft war auch, dass es nun die nächsten 10 km mit 10% Steigung hochgehen würde. Da wir bereits auf mehr als 400m ü NN waren und 10km x 10% uns auf 1.400 m ü NN bringen würden, hätte das ja bedeutet, dass wir irgendwann einmal die Bodenhaftung verloren hätten! Leider wurde uns in diesem Moment nicht klar, dass „Er“ bereits jetzt jegwelche Bodenhaftung verloren hatte.

Wir fuhren also die „Harzer Autobahn (durch den) Reichs- Apfel Landstrich Deutschlands“ (abgekürzt HARALD) hoch, die sich zunächst noch in einem bescheidenem Zustand (schlecht geteerte Straße) befand aber irgendwie Spaß machte. Sie führte am „Zentrum für Waldpädagogik“ vorbei (DDR Slang für „Baumschule, vermutlich) bis zu einer ersten Gabelung, bei der wir uns neu gruppierten.

Nun hieß die entscheidende Frage: Geradeaus oder Links? Schnitzel lagen keine rum, die uns den Weg gewiesen hätten. Links sah aber einfach zu einfach aus und so entschieden wir uns für geradeaus. Goldrichtige Entscheidung! Die Strassen wurden immer besser. Na ja, also ehrlich gesagt wurden sie zunächst einmal ziemlich mies. Aber über so über eine Wiese zu fahren macht doch auch richtig Spaß!

Blitzrad auf der Reichsautobahn HARALD

„Äh, noch alle da, oder schon jemand abgehauen?“

Na gut, die Tatsache, dass hier nur verfallene und gesprengte Jägerhochsitze als einzige Zeichen menschlicher Zivilisation rumstanden und sonst nur Wildschweine hier gesuhlt hatten, hätte uns etwas skeptisch machen müssen. Auch die Tatsache dass es am Ende der Wiese keinen offensichtlichen Weg mehr gab, hätte Grund zur Skepsis sein sollen. Nicht aber für „Ihn“.  Hatte nicht Moses die Israeliten ins gelobte Land geführt (Israel)? Kolumbus den zweiten Seeweg nach Indien gefunden (durch die Hintertür)? Reinhold Messner den K2 ohne Sauerstoff und Deodorant bestiegen? Und so konnte auch „Ihn“ nichts aufhalten. Während die anderen unschlüssig herumstanden und nicht wußten wie es weiter gehen sollte, da zeigte „Er“ uns den Weg und vor seinen Augen teilte sich das Gras und eine Spur aus Feuer wurde erkennbar, die direkt bis an die B4 führte. Na ja, wir sahen die Spur ja ehrlich gesagt nicht, aber „Er“ war sich doch ziemlich sicher.

Gottseidank gibt es auf der Autobahn keine Geschwindigkeitsbeschränkungen und so konnten wir vor allem bergab powern was die Beine hergaben. Durch fahren in der Gruppe und den entstehenden Windschatten kann man da auch noch ein bisschen mehr rauskitzeln. Don Torsten war aber am schnellsten, da er unter diesen Bedingungen die volle Aerodynamik seiner Hochprofil Campagnolo Felgen ausspielen konnte.

Zum Glück wurde nun die Straße besser, wenn auch etwas steiler.

Mittlerweile hatten wir alle ziemlich gelitten. Am meisten Olli. Quiz: Welches der folgenden Bilder zeigt die Beine von Johnny Hoogerland nach seinem Unfall auf der TdF 2011 und welches die von Olli?

Endlich sahen wir wieder die ersten Spuren menschlicher Zivilisation – leider von der falschen Seite. Wir befanden uns nämlich innerhalb eines abgezäunten Gebiets mit einem sehr seltsam gefärbten Tümpel auf dessen anderer Zaunseite sich ein gelbes Schild befand, das wir aber leider aus unserer Position nicht lesen konnten.Da hätte wirklich alles stehen können: „Mülldeponie für krass verstrahlte Teile“ oder „Bomberabwurfplatz der Luftwaffe“ oder „Achtung hier wurden Zombies gesichtet!“ aber zum Glück stand dort nur: „Vorsicht Sprengarbeiten“.

Merke: Hörst Du vor dir das Hupen der Motorräder auf der B4, sind es vielleicht keine Rowdies, sondern es wird zur Sprengung geblasen und gleich fliegt dir der Boden unter den Füßen weg.

Von dort aus schafften wir es dann innerhalb weniger Minuten zur B4. Leider wurde uns dann auch klar, dass wir nicht mehr so ganz im Zeitplan waren. Die Abkürzung hatte leider nur eine räumliche, keine zeitliche Dimension.

Morgen geht es weiter mit dem Teil 2 der Harztour: „Selber eingebrockt – wenn der Koch baden geht“

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Hier lang!

Ein zufällig ausgesuchter Mann und eine Frau werden aus einer  deutschen Großstadt entführt und mit Chloroform betäubt. Man packt sie in Säcke, befestigt Fallschirme daran und wirft diese über dem Amazonas aus großer Höhe mit dem Flugzeug ab. Mann und Frau wachen aus ihrer Betäubung auf und befreien sich aus den Säcken. In 97 von 100 Fällen sind dann die ersten Worte des Mannes: „Hier lang!“

Wohin das führen kann zeigt dieses Foto von der Harz Tour heute:

Morgen mehr, heute in ich einfach zu fertig.

Gruppenbild am Start (vlnr): Mob.tokyo, Joerg-HB, Harri-HB, Thorsten-DH, Philipp-HB, Olli-fast-HB und Andreas-HB

 

 

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HARZ III : Die Spur der Schnitzel

Update 8. September 2012

Treffpunkt

Bremen Hbf, City Eingang am Fahrkartenautomaten
9. September 2012, 07:00 Uhr

Zugverbindung

Bremen 07:19 Hannover 08:38
Hannover 08:55 Bad Harzburg 10:09

Niedersachsentickets

Erste Person 21 Euro, alle weiteren 4 € (bis zusammen maximal fünf Personen)
Plus Radfahrkarte, pro Person 5 €.
Also, bei 5 Personen: 21 + 4 x 4 + 5 x 5 = 62 € / 5 Personen: etwa 12,50 €

Bad Harzburg 

Schließfächer am Bahnhof – wir kommen hierhin zurück
Sehr, sehr bescheidene Auswahl an Essen und Trinken

Strecke

Bad Harzburg – Wernigerode: 23 km 

Wernigerode – Brocken: 28 km

Brocken – Elend: 15 km

Elend – Torfhaus: 18 km

Torfhaus – Okertal: 21 km

Okertal – Bad Harzburg: 7 km

132 km insgesamt, inklusive 20 km verfahren. Wir können das im Zug noch einmal besprechen, aber ich würde vielleicht doch lieber in umgekehrter Richtung fahren. Erst einmal alles geben, und dann Schnitzel essen und sich nach Bad Harzburg schleppen ist vielleicht doch besser als mit drei Schnitzeln im Bauch den Brocken hochzukriechen und nachher wie ein Stein runterzufallen.

Außerdem ist die Brücke über den Ockersee gesperrt, d.h. wir können dort nicht direkt nach Torfhaus fahren, sondern müssen einen Umweg übr Clauthal-Zellerfeld einplanen. Das sind auch weniger als 10 km mehr und sollte locker zu schaffen sein.

Ich bringe ausgedruckte Google Kartzen zur Orientierung mit..

Highlights

Sahnige Anstiege. Rasante Abfahrten. Lose Ketten. Ratternde Schaltwerke. Monarchie & Alltag.

„All-you-can-Schnitzel“ by special Blitzrad arrangement in Wernigerode.
Die allgemeine Erwartung ist, dass wir dort riesige Schnitzel und gleichgroße Rabatte bekommen!
Ich denke wir werden da etwa gegen 14:30 Uhr aufschlagen, wenn alles gut läuft.

Rückkehr

Ab Bahnhof Bad Harzburg:

Bad Harzburg 15:52    Bremen 18:40
Bad Harzburg 16:45    Bremen 19:40
Bad Harzburg 17:52   Bremen 20:40  

Wetter

Bremen hier

Braunlage hier

Torfhaus dort einfach gut.

Mitfahrer

Bloeh, Campadre, Blitzrad, Joerg_HB, mob: 5 Schnitzeljäger bis jetzt
Karin musste unbedingt mal kurz nach Indonesien und Silke hat leider jetzt schon die Infektion die Karin mitbringen sollte.

Erkenntnis des letzten Mal
Unbedingt Getränke und Essen im Schließfach deponieren für die Rückfahrt – wir treffen nicht jedes Mal im Zug auf eine Kindergeburtstagsparty die uns mit Möhren und Paprika durchfüttert.

Bitte Kleingeld mitnehmen für Fahrkarten und Schließfächer. Folgende Dinge nehme ich mit, daher bitte nicht unbedingt noch einmal notwendig:

–  Pumpe
– Minitool
– Reifenheber
– Park Tool Flickpatches
– Kettenieter für Blitzrad
– Einen Ersatzschlauch

Wetter auf dem Brocken morgen OK, 15 – 19 Grad. Kurzarmtrikot plus ein Underlayer plus evtl. Ärmlinge und Windjacke im Notfall sollte reichen.

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London Time Trial Training

Vorgestern: Wunderschöne Hochzeitsparty von Juliane und David. Das erste und vermutliche einzige Mal dass Teammember von Positivo Espresso heiraten werden. Gestern: Hangover und rumhängen. Langsames gewöhnen an die Realität mit zunehmend abnehmenden Dosen von Rotwein und Nikotin. Am Ende: Currywurst. Heute: Time Trial Training. Boris Bike an der Victoria Station mit meiner Kreditkarte angemietet und nach dem Buckingham Palace zweimal den Hyde Park umrundet. Total fertig. Liegestuhl geschnappt und Pause gemacht.

Längerer Londonbericht wird folgen.

 

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Positivo Tourmalet

Während ich hier in Bremen rumhänge und der Sommer langsam auf den Bremer Saisonhöhepunkt zusteuert (Bremen Challenge: 120 km durch die Stadt fahren) sind meine alten Radbuddies in den Pyrenäen unterwegs gewesen und machen mich mit Ihren Fotos neidisch. Na wartet – bald bin ich im Harz oder sogar auf Malle!

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Kasperl Theater

Nein, nicht in Hamburg bei den Cyclassics am Wochenende, sondern in Meck-Vorpom in Diemitz beim Dorffest.

Die Geschichte des „Höllentöpferers“, sehr schön in Szene gesetzt von Heike, Tobias und ihren Freunden.

Heike bekam ihr Kotter-Rad zum Geburtstag. Das ist eins der Räder, was ich vom Gesamteindruck und der Individualität her am schönsten finde – es ist einfach sehr gut gelungen.

Zusammen mit dem Kotter Rad von Tobias ist das nun ein hübsches Paar.

Ich hatte mein Canyon Plastikrad dabei und bin damit am Samstag einmal um die Mürritz gefahren, einer der Seen in der Gegend. Geniale Gegend, kaum Menschen, kaum Autos, sogar am heissesten Tag des Sommers. Nur Waren, ganz im Norden war ätzend voll. 125 km durch die Hügelchen mit 28er Schnitt fast ohne Pause und dann weiter Party.

Seit gestern wieder zurück in Bremen. Heute dienstlich zu einer Firma hinter der Waterfront mit dem Rad gefahren. Unten an der Weser (rechts-weserisch) hinter Cafe Sand war der Fußweg überflutet vom Weserwasser. Das hatte ich bislang noch nicht erlebt. Es scheint aber etwas mit Ebbe und Flut oder dem Weserwehr (?) zu tun zu haben, denn auf der Rückfahrt vier Stunden später war der Wasserspiegel deutlich gesunken. Aber das stand 30 cm tief das Wasser, ich hatte nicht gedacht, dass das so tief wäre, schön schnell mit dem blauen Olmo rein und brääätschtttttt war alles nass.

Sommer in Bremen.

 

 

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Donnerstag bis Sonntag: MeckVorpom Seenplate

Ein wenig feiern, ein bißchen quatschen und ab und an Radfahren. Eher weniger bloggen. Bis Montag dann.

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