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Fuchs Metal Jacket. Teil II: Haare in die Hosen.

Wir haben alle Kleidungsstücke an denen wir hängen und die wir einfach nicht wegwerfen können, obwohl sie nicht mehr „funktionieren“. So besitze ich mindestens drei schöne Krawatten mit Flecken japanischer Nudelsuppenküchen, zwei zu kleine, herzallerliebste T-Shirts, eine schwarze Röhrenjeans aus den Achtzigern die ich schon damals nur flach auf dem Boden liegend anziehen konnte und diverse Radhosen mit Löchern. Nichts von dem trage ich. Andere schon.

Aber alles der Reihe nach. Wo war ich? Ach ja, beim roten Fuchs, bei der ersten Verpflegungsstation: Gummibärchen und Lachsbrötchen. Hier wurde richtig reingehauen, verdientermasen, denn mehr als 25 km waren bereits geschafft. Während die anderen noch an ihren Lachsbrötchen kauten, beschlossen Torsten und ich uns heimlich davonzustiebitzen – eine Taktik die zumindest ich dann zu meiner allgemeinen RTF Strategie machte. Die Abfahrt runter bot dazu die perfekte Gelegenheit.

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Dieses Photo ist nicht etwa verwackelt, sondern gibt der Dynamik Ausdruck, mit der Torsten und ich uns vom Feld heimlich entfernen. Schnippo kam dann doch nicht mit.

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Tschüss Tschnippo!

Nach der Abfahrt folgte eine Menge flacher Strecke, so dass wir auch als erste an dem zweiten Verpflegungspunkt in Wenzen vor dem Bremer Feld waren. Mittlerweile war das Feld (155 bzw. 113 km)  auch geteilt und wir befanden uns mit deutlich weniger Fahrern auf der 155er Runde. Der 2. Verpflegungspunkt war eine ziemlich Katastrophe, das offizielle Bild des TSV Giesen vermittelt einen sehr guten Eindruck von der Versorgungssituation.  Jetzt verstehe ich Flüchtlinge aus Afrika, die in ihrer maroden Nußschale nach Lampedusa kommen und dann ungläubig feststellen, dass sie bei der Ankunft nicht mit einem Glas Martini und einer Portion Spaghetti Vongole von den lokalen Honoratioren begrüßt werden – so uns die Bildzeitung Glauben machen will. Als Radfahrer hat man halt so seine Ansprüche. Übrigens genau wie mein Sohn, der auf dem ersten Heimflug von Japan nach Deutschland den wir selber bezahlen mussten (daher Economy Class)  und der nicht vom Unternehmen gesponsort wurde (daher Business Class) mich entsetzt anguckte als wir einstiegen und stammelte „Was…. nach hinten ????????“. Vielleicht lag es auch nur am Kontrast zum ersten V-Punkt. Wie dem auch sei, zur Entspannung rief ich „Was? Ich hab‘ bezahlt!“ Genau, immerhin acht Euro, dafür könnte ich beim Velothon in Berlin vermutlich gerade mal eine Veranstaltertoilette benutzten und mir den Kopf über Matze zerbrechen ….woher kenne ich den noch mal??? Jedenfalls, wie das immer so ist, kaum hatte ich meiner Entrüstung Ausdruck verliehen, rief die Frau hinterm Tisch (die übrigens bereit war ihr persönliches Butterbrot zu verteilen!) „Ah, da ist ja noch eine Dose Schwarzbrot!“ Und alle riefen: „Ooohhhhh! Aahhhhh! Ein Wunder!“ – wie im Leben des Brian (etwa ab 2:25)

Mittlerweile waren wir am südlichsten Punkt der RTF angekommen. Sehr weit südlich, denn erstens waren wir ja bereits eine ganze Ecke gefahren, hatten Kilometer um Kilometer gefressen, und zweitens sichteten wir die ersten Zebras die im Unterholz das Schwarzbrot gerochen hatten und nun die Straße kreuzten.

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Einem Zebra auf der Suche nach Schwarzbrot sollte man besser nicht in die Quere kommen.

Es gibt in der Gegend zwei Arten von Zebras: Die mit weißen Streifen auf schwarzem Untergrund (Flachzebras) und die mit schwarzen Streifen auf weißem Untergrund (Bergzebras). Ist jedenfalls meine Interpretation, denn bei der nächsten Steigung, als ich ein Flachzebra überholte, fragte ich es ordentlich aus, warum sie denn zwei verschiedene Trikots trügen. Die Antwort war natürlich die, die man von einem Zebra erwarten kann, oder schon mal versucht mit einem Tier zu sprechen? Das Leben ist kein Ponyhof, und eine RTF kein König der Löwen Disney Film.

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Heimlich stahl ich mich dann wieder mal weg nur um festzustellen, dass ich alleine auf weiter Flur war. Endlich sah ich einen anderen, einzelnen Fahrer etwa 500 Meter vor mir auf einem längeren, geraden Stück und arbeitete mich an ihn heran. Fast war ich dran….

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Mein potentieller Windschatten

Da fiel mir etwas seltsames auf. Dieser Mann musste seine Assoshose wirklich sehr lieb haben. Oder genauer gesagt, was von seiner Assoshose noch übrig war, denn die war ungefähr so durchsichtig wie ein paar schwarze Nylonstrümpfe. Ja, kann man jetzt einwenden, das hast Du Dir ja schön ausgedacht! Aber da mir schon schwante, dass solche Einwände kommen würden, habe ich sicherheitshalber per Zoom noch einmal voll drauf gehalten um das ganze Grauen festzuhalten.

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Das Grauen geht auf große Fahrt.

Ich bin erstens schon mal ganz froh, dass das Funktionsunterhemd einen Teil des Anblickes erspart. Zweitens aber, ergibt sich hier eine neue Fragestellung im Rennradsport, nämlich die, ob man sich neben den Beinen auch noch den Arsch rasieren sollte. Ich hatte mich letztens ausführlichst über das Thema Beinrasur ausgelassen und was, bzw. wer mich motiviert hatte dies einmal zu versuchen. Dies führte zu einer kontroversen Diskussion in den sozialen Netzwerken. Also um genauer zu sein schrieb Sylvia: „Rasiere die Stelzen!“. und das war’s. Ich brauche keine Arschrasur, denn Klamotten die ich wirklich liebe, und seien es auch teure Assoshosen werden von mir mit der Schere bearbeitet. Ich schneide ein kleines Stück hinaus, klebe es in ein Album, so dass ich die Erinnerung weiter in mir trage und dann fühle ich mich moralisch OK, das Teil in den gelben Eimer zu schmeißen. Funktioniert perfekt und definitiv besser als zwangsweise ohne Hintermann alleine durch die Gegend zu radeln.

Zum Glück überholte mich das Bremer Feld dann kurz danach, so dass ich wieder guten, wenn vermutlich auch unrasierten  Anschluss fand. War aber auch deutlich schneller. Blitzrad hatte dann mal wieder ’ne Panne, kennt man ja schon aus anderen Veranstaltungen und dann muss man ihn wieder bis zum nächsten Bahnhof nach Wernigrode schieben. Bzw. musste man, da er damals noch nicht so schnell unterwegs war, heute ist er vermutlich auch ohne Kette schneller als ich.

Das Problem war aber technisch ganz interessant, denn  sein Vorderrad hatte eine Höhenunwucht. Das Bremsen wurde ganz merkwürdig und bei höherer Geschwindigkeit fing der Rahmen an zu flattern. Es lag definitv am Laufrad, denn ausgebaut konnte man den Schlag  beim rotieren des Rades in der Hand gut fühlen. Die Felge selber wies aber keinen Schlag auf. Musste also irgendwie am Reifen oder am Schlauch liegen, da war aber absolut nichts sichtbar. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was die Ursache sein könnte, aber bei mir tritt dann häufig das „Amazonas Syndrom“ auf, vor allem wenn es sich um das Rad einer  Frau handelt:

Amazonas Syndrom

Ein amerikanischen Forschungsteam hat  zwei zufällig ausgewählte Personen, einen Mann und eine Frau auf offener Straße entführt, betäubt, ihnen die Augen verbunden und die Ohren zugestopft und dann in ein Flugzeug verfrachtet. Das Flugzeug flog nach Brasilien und warf die beiden irgendwo im Amazonasbecken ab, immer noch in voll betäubtem Zustand. Aus den Aufzeichnungen konnte man später feststellen, dass das erste, was der Mann tat, als er aufwachte, war in eine willkürliche Richtung zu zeigen und “Hier entlang” zu sagen. Diese göttliche Fügung den Weg zu weisen, ist einfach unsere männliche Bestimmung, besser bekannt als das „Amazonas Syndrom“.

Auf gut Glück schlug ich vor, die Luft rauszulassen und dann wieder neu aufzupumpen, vielleicht hatte sich der Schlauch durch die Hitzeentwicklung irgendwie komisch gelegt. Erstaunlicherweise behob dies das Problem – kein Höhenschlag mehr. Keine Ahnung warum. Aber manchmal zeigt man eben auch im Becken des Amazonas zufällig in die richtige Richtung.

An den nächsten Verpflegungspunkt kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Jedenfalls fuhr ich als Karnickel wieder vorne weg und wurde vor dem nächsten V-Punkt von den Bremer Füchsen wieder eingeholt. Der letzte V-Punkt nach 130 km in Holtensen befindet sich traditionsgemäß auf der rechten Seite der Strasse und ein paar Meter vorher feiert die Feuerwehr des Dorfes auf der linken. Mancher Fahrer verirrt sich auf die linke Seite, denn das Angebot vom Grill und Fass ist deutlich attraktiver als das der RTF.

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Noch nicht mal mehr ne Dose Schwarzbrot da. Und deshalb auch keine Zebras.

Da haben die 79 und 113 km Fahrer ordentlich abgeräumt. Hier trafen wir auch wieder einmal auf die Triathleten von Hannover 69 (wird „Hannover Sixtyniners“ ausgesprochen).

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Triathletin von den Sixtyniners hinten, Björn vorne. Sie hat das Trikot spiegelverkehrt angezogen, er nicht.

Die waren am Anfang recht flott, aber nachher gar nicht mehr so, denn wir hatten viel Zeit bei der Panne verloren. Auf den letzten 25 km ins Ziel verloren die Sixtyniners wiederum viel Zeit auf uns und kamen ins Ziel, als wir uns auf den Weg zum Bahnhof machten.

OK, also die letzten 25 km: Ich fuhr wieder vorneweg, die anderen holten mich ein. Caro überholte mich ein letztes Mal bei dieser RTF. Sie machte das wirklich gemeinerweise  an jedem Hang und wenn sie an mir vorbeizog, dann streckte sie die Zunge raus und tat so, als wenn sie das wahnsinnig anstrengen würde. War sie aber erst einmal vorbei, war die Zunge wieder drinnen und die Geschwindigkeit noch einen Zacken höher.

Und dann war es vorbei. Ortseingang Giesen, links tauchte die Sporthalle auf und es gab endlich Kuchen, Kaffee und eine Zigarette für mich. Fast alle Bremer 155er (wird „Bremen hundredfiftyfivers“ ausgesprochen kamen mehr oder minder gleichzeitig ins Ziel, bis auf ein paar wenige die aber auch nur Minuten später folgten. Es gab nicht viel Zeit zum Essen, der Druck war da den Zug nach Hause von Sarstedt zu erreichen und so machten wir uns doch (leider) recht zügig auf den Weg.

Die Zugfahrt zurück war recht lustig, ich sass zusammen mit JJ, Cobra und Didi und wir fachsimpelten unseren Weg nach Hause (Amazonas). Hinter uns hatte Silke zum Glück eine Tüte Haribo Colorado und eine weitere mit Weingummi dabei, denn sonst hätten wir es ohne Insulinschock nicht nach Bremen geschafft. Leberkäs in Hannover half auch.

Und dann war es wirklich vorbei. Das geht dann immer ganz schnell – es liegt vermutlich daran, dass man nun mehr als 12 Stunden unterwegs war und dem Tag gegenüber ein schlechtes Gewissen hat. Man hätte so viel machen können, aber stattdessen sitzt man den ganzen Tag nur auf dem Rad oder im Zug. Mein schlechtes Gewissen, was ich alles hätte schaffen können beruhigte sich aber, als ich nach Hause kam und mir in Form meines Sohnes offenbart wurde was er alles geschafft hatte: Geschlafen bis 17:00 Uhr, kam gerade aus der Dusche nach ’ner Stunde etwa.. Also. Geht doch. Auch nicht.

Es ist aber nun doch der allerbeste Sohn, den man sich wünschen kann, auch wenn ich bislang versucht habe einen gegenteiligen Eindruck zu erwecken. Nur beste Söhne bestellen ihren Vätern bei Lieferheld nach einem nutzlosen Tag auf dem Rad und im Zug ein dickes Rollo.

Insgesamt nutzlos aber schön – danke an alle Nutzlosen und Schönheiten die dabei waren.

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Fuchs Metal Jacket. …. Nein Hose. Teil I

Roter Fuchs in Giesen – das heißt früh aufstehen, auf den guten Willen der deutschen Bahn vertrauen, Lachsbrötchen, Gummibärchen und ambivalente Wetterverhältnisse. Alles wichtige wurde bereits berichtet; hier nur eine Kurzfassung der Ereignisse. Und auch nur deswegen, weil ich mehrfach darauf hingewiesen wurde diesen Post schreiben zu müssen mit dem Unterton ernsthaft sozial-radtechnischer Konsequenzen im Nichterfüllungsfall, mit anderen Worten: Androhung von mob-mobbing.

Und so sitze ich hier, wie weiland Emilie Zola als er zur Feder griff um „J’accuse“ zu formulieren, unter ungeheurem Druck ein Meisterwerk schreiben zu müssen, dass dennoch Fakten und Realität exakt beschreibt und die Menschen aufrüttelt an den Grenzen der Normalität zu zweifeln. OK, genug des Quatsches: Ich wachte um 4:30 Uhr auf als mein virtueller Handywecker klingelte.

Fünf Uhr hätte vielleicht auch gereicht, aber ich brauche ja morgens vor einer RTF oder einem Rennen immer mindestens eine halbe Stunde. um die richtige Radmütze auszuwählen. Was Schuhe für Frauen sind, sind Radmützen für mich; ich bin sozusagen die Imelda Marcos der Radmützen.

Jetzt bitte statt Schuhen, sich Mützen vorstellen: voila!

Noch gerade ein paar Tage vorher hatte ich vom Zoll in Bremen eine Ladung neuer, exquisiter Mützen von Mash-Cinelli nach Hause gebracht. Die waren so exquisit, dass die Louis Vuiton und Chanel Variationen bereits ausverkauft sind, alleine die „Full Metal Jacket“ Kappe ist weiterhin erhältlich.

FULL METAL JACKET CYCLING CAP

LOUIS VUITTON CYCLING CAP

CHANEL CYCLING CAP

War das jetzt ein überzeugendes Plädoyer für die Radmütze? Ich denke schon, und es wird auch klar, warum die Auswahl so schwer fällt und so viel Zeit braucht. Das ist übrigens ein interessanter Trend beim Radfahren; einerseits kauft man Material, dass einem immer schneller macht, so dass man möglichst wenig Zeit auf dem Rad verbringt; andererseits kauft man sich immer mehr Zeugs, um das man sich vor dem fahren kümmern muss: Radkleidung, Radschuhe, Funktionsunterwäsche, Wasserflasche, Pulsgurt., jede Menge elektronische Geräte, Energieriegel; bis man das zuhause alles gefunden, entschieden, montiert, verpackt und angezogen hat, sind andere schon mit ihrem Klapprad in Alltagsklamotten von der Wilstedtrunde zurück. Also weniger Zeit auf dem Rad, und mehr davor und danach über das Rad. So ein bißchen wünsche ich mir die Zeit zurück, wo ich mein rechtes Jeanshosenbein hochgekrempelt habe, mich auf das Vaterlandrad setzte und losfuhr.

Bevor es kompliziert wurde. Übrigens: Mein Vater war außerhalb des Hauses niemals ohne Anzug und Krawatte anzutreffen und meine Schwester hat eine Frisur und keinen Helm.

In der gezeigten Version war es noch nicht einmal notwendig ein Hosenbein hochzukrempeln, da man ja Strümpfe trug, die heute sogar die UCI verboten hat und keiner mehr trägt außer Björn in neon-orange. Das hochkrempeln hing aber im wesentlichen damit zusammen, dass Jeans in den Siebzigern etwa so aussahen:

Wie gemacht, um sich zwischen Kette und Kettenblatt zu schlängeln. Aber auch sehr umkrempelfreudig.

Worum ging es noch mal? Ach ja, der rote Fuchs! Nachdem ich mich angezogen hatte und, zu allerletzt die Radmütze auf den Kopf setzte und ins Esszimmer ging, stellte ich fest, dass im angrenzenden Wohnzimmer Licht brannte. Dort traf ich auf meinen Sohn, der gerade Level 527 bei irgendeinem Online-Ballerspiel erreichte, nachdem er die ganze Nacht durchgezockt hatte. Oh, mein Sohn wohnte noch zuhause; das hatte ich irgendwie verdrängt nachdem ich ihn in der letzten Zeit recht selten gesehen hatte. Irgendwie hatte ich die Vorstellung, dass er eines Tages aus seinem Zimmer kommt, ein Blatt Papier hochhebt, sagt: „Hey, ich hab das Abi“ und dann auszieht. In dreißig Jahren sehen wir ihn dann wieder, wenn er uns an den Ehrentagen im Altersheim besucht und uns Diabetikern heimlich Schokolade in den Nachttisch legt.

Nachdem ich dann meine väterlichen Rolle verkörperte („Spinnst Du? Geht überhaupt nicht..“ usw.), vor Wut die Radmütze auf den Boden warf und darauf rumtrampelte, fiel mir ein, dass es für mein (und auch sein) Leben viel sinnvoller wäre, sich nun auf den Weg zum Bahnhof zu machen. Auf dem Weg dorthin begegnete ich am Stern Caro auf ihrem Rad. Und als wir am Bahnhof ankamen, trafen wir dort, lustigerweise, direkt am Eingang Caro’s Tochter! In diesem Moment war ich eigentlich ganz zufrieden, dass unser Sohn zwar wach, aber eben auch zuhause ist. Ich glaube, so etwas nennt man „Relativitätstheorie“.

Die Bahnhofsvorhalle wiederum war bevölkert von Menschen, die man grob in drei Gruppen aufteilen konnte: Radfahrer auf dem Weg nach Sarstedt von denen ich auch viele kenne, junge Menschen auf dem Weg von der Clubnacht nach Hause in ihr Dörfchen mit angeschlossenem Bahnhof (Mahndorf, Achim, Verden, etc.), die man nicht kennenlernen muss (es sei denn es handelt sich um die eigene Tochter) und der Bruchteil an armen Schweinen, die an einem Feiertag um 6 Uhr morgens zur Arbeit müssen. Die Radfahrer schienen mir in der Mehrzahl. Es ist eigentlich daher auch unverständlich, warum die rote Fuchs RTF so weit weg in Giesen stattfindet, wenn die gefühlte Mehrheit der Teilnehmer aus Bremen kommt. Da die Radfahrer nicht so aussehen wie die Menschen der anderen beiden Gruppen, werden sie gerne von leicht alkoholisierten Mitgliedern der rückkehrenden Clubtruppe angesprochen („Hey Alter, ich fahr‘ auch Rennrad, ist voll geil, blablbla…“) Diesmal war einer dabei, der wirklich nett versuchte Konversation zu machen allerdings so aussah, als wenn seine Stimmung jeden Moment kippen könnte und wir es dann alle 20 ordentlich auf die Fresse kriegen.  Seine Kumpels sahen schon den Ärger heraufdämmern und versuchten ihn von uns zu entfernen, ich lächelte unentwegte und sendete non-verbale Signale der Zustimmung, des Wohlwollens und der „Du bist ja wirklich der Größte – schmacht!“ Art, nur damit die Stimmung nicht kippte. Bis wir dann endlich in den Zug durften. Das Radabteil unten war voll von unserem Equipment und oben sassen wir in Gruppen zusammen, einzelne Plätze zwischen uns besetzt von den Clubbern auf dem Weg nach Hause. Oft mit etwas essbarem in der Hand, und wir hatten schon oft genug gesehen, dass das erst im Magen verschwindet und dann noch ein zweites Mal, mehr oder weniger im Aschenbecher.

Neben mir sassen Wolferine aus X-Men (die Version für das Kinderprogramm, FSK 12) und der Bassist meiner japanischen Lieblings Rock’n’Rolltruppe Kishidan (ganz rechts im mittleren Bild).

Kann man sich nicht vorstellen? Einer wirren Phantasie entsprungen? Doch geht:

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Kishidan (links), Wolferine (rechts). Burger King Zeug: überall.

Beschützt von diesen Superhelden moderner Popkultur sollte uns also nichts passieren (Zugstreiks, Anschläge auf RTFs mit islamischem Hintergrund etc.) und wir ließen uns beruhigt auf die samtenen Sitze der Deutschen Bahn nieder, zogen die purpurnen Brokatvorhänge zu und läuteten die Glocke nach Bedienung und Unterhaltung.

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Ich saß zusammen mit Matze und Cobra und wir führten eine intensive und spannende Unterhaltung über R. Lee Ermey, der in Full Metal Jacket den Drill Instructor spielt (und selber einer war) bis zu dem Moment wo Matze auf Toilette ging, zurückkam und zu mir bemerkte: „Hey, beim kacken ist mir jetzt eingefallen woher ich Dich kenne!“ Das ist zwar ehrlich, aber in der Gesprächsführung etwas ungeschickt. Ich habe auch gute Ideen auf der Toilette, allerdings noch viel bessere beim duschen und Cobra bemerkte, dass ihr die besten Ideen vor dem Einschlafen kommen, so dass sie ein Notizbuch neben dem Bett hat um all diese schnell zu notieren. Danach fiel es mir dann deutlich schwerer mich mit jemandem zu unterhalten dem ich beim kacken eingefallen war. Aber wir waren ja auch schon schnell in Hannover und dann in Sarstedt, wo wir die letzten sechs Kilometer nach Giesen radelten. Letztes Jahr ging das in einem Wahnsinnstempo, so dass ich schon am Start komplett kaputt war, aber dieses Mal war es eher gemächlich.

In Giesen, an der Turnhalle trafen wir dann den Rest der bremischen Bevölkerung der nicht mit dem Zug gekommen war. Wir machten dann erst einmal ein paar schicke Bilder von uns, die bereits in vielen Varianten im Netz kursieren.

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Wie gesagt, es waren eigentlich nur Bremer da und ein Baum. Und natürlich waren wir mit dem Foto spät dran und konnten uns nicht mehr richtig sortieren, als auch schon der Startsschuß fiel.  Wir waren natürlich ganz hinten im Feld.

Es weiß, dass es taktisch totaler Quatsch ist, aber zu Beginn einer RTF hat man die Illusion, weil das ja eigentlich kein Renne ist, das man da die ganze Zeit vorne mitfahren könnte. Das mag zu Beginn der RTF Zeit auch so gewesen sein, aber heutzutage ist das Tempo vorne im Feld schon ganz ordentlich schnell. Zudem habe  auch den Verdacht, dass jeder so denkt. Also ist das Tempo einer RTF zu Beginn recht flott, bis alle ihr Mütchen gekühlt, und sich die Gruppen gleicher Geschwindigkeit gefunden haben. Ich bin dann in der Regel übermotiviert und versuche mich durch das Feld nach vorne zu fahren. Das macht auch Spaß, Alain Rapois hat mir in Japan mal beigebracht wie man das am besten macht und Alain ist wirklich der König der Durchdrängler weil er keinerlei Angst vor Berührungen hat. Ich wünschte ich wäre öfters mit ihm gefahren, aber wie das in Japan so ist, man lernt nette Leute kennen die genau wie einer selber von reichen Unternehmen dort hingeschickt wurden, und ein paar Wochen schickt das Unternehmen die gleichen Leute dann nach Rio oder Kampela.

Ich kam ganz gut voran, aber dann stoppte eine geschlossene Bahnschranke die gesamte RTF. Keiner wollte den TGV machen.

Und so standen wir alle da, bis es wieder los ging. Bis jetzt ging es, wenna uch gegen den Wind, leicht abwärts, aber so langsam kamen wir an die ersten Anstiege. Ich war zwischenzeitlich im Niemandsland zwischen zwei Gruppen gelandet und mühte mich die Anstiege hoch. Was aber prinzipiell Spaß machte, den ich liebe diese hügelige Gegend dort mit den Rapsfeldern in der Blüte, den schattigen Wäldern und den kurzen aber knackigen Ansteigen. Nach dem zweiten Anstieg kamen wir an die erste Verpflegungsstation die von dem Luxushotel Luisenhof betrieben wird. Hier gibt es die traditionell gute Verpflegung, die den roten Fuchs bekanntgemacht hat, und unter der die Bewertung aller weiteren Verpflegungspunkte extrem leidet. Man erwartet weitere Lachsbrötchen, wird aber mit Blut, Schweiß und Tränen abgespeist.

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[wird fortgesetzt]

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Gierige Räder: Cannondale Track

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1995 Cannondale Track via pedal consumption

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Blaues Cannondale Track via Radavist mit Kirschblüte

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Leader Renovatio Track via pedal consumption

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Sancineto, nackt, Bahn via Cicli Berlinetta

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Cross branding: van Hulsteijn x Paul Smith via Fixed gear girl Taiwan

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Klein Y-Foil 1995 via Milano Fixed

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Colnago Shopping Fixie via Ciclisimo Espresso

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Moulton TSR9 T61 Teil I

Moulton Räder haben einen ganz eigenen Kultstatus bei Rennradfahrer. Bromptons, Rise&Müller und andere Klappräder sind irgendwie uncool – es sei denn man fährt bei der World Klapp mit und hat etwas ganz primitiv-cooles, aber Moultons sind irgendwie OK. Ich denke das liegt daran, das sie sehr teuer und sehr selten sind und der Gitterrohrrahmen eine seltsame Faszination auf Menschen ausübt, die sich mit Mechanik und insbesondere Statik in ihrem Leben auseinandersetzen mussten; oftmals weil sie Ingenieur wurden.

Die vermutliche Inspiration für ein Moulton TSR Bike.

 

Die Geschichte der Moulton Bikes geht zurück in die Fünfziger Jahre, Alex Moulton, ein Ingenieur, der in die Entwicklung des BMC Minis (heute BMW Mini) involviert war, machte sich Gedanken über die Neukonstruktion eines Fahrrades und konstruierte das erste Moulton bike, das Standard M1.

Moulton_Bicycle_Diagram

Revolutionär dabei waren vor allem zwei Aspekte, einmal die Vorder- und Hinterrad-federung bzw. -dämpfung, die recht kompakt in das Rad integriert war und dann die sehr kleinen Laufräder, damals noch mit 16 Zoll. Das Rad wurde ein Erfolg und zu einer Ikone der Sechziger Jahre; Moulton wurde kurzfristig zum größten Radhersteller in Großbritannien.

Das Unternehmen machte dann eine Unternehmensübliche wechselhafte Geschichte durch, 1967 wurde Moulton von Raleigh übernommen, 1980 kaufte Alex Moulton die Rechte zurück und tat sich 1992 mit Pashley Cycles zusammen; zusammen mit Moulton wurde das TSR entwickelt und verkauft, eine moderne Variation mit 20“ Reifen. Seit 2008 werden die Räder wieder von Moulton gefertigt. Hier einpaar interessante Links für diejenigen, die sich damit mehr auseinandersetzen wollen:

Moultons sind übrigens keine Klappräder. Das TSR kann allerdings in zwei Teile geteilt werden, es ist sozusagen nicht untrennbar.

Ich sah zum ersten Mal ein echtes Moulton in Tokyo auf der Nakahara Kaido in Tokyo. Dort gibt es einen Radladen, Koohoo, der sich zum Teil auf Moultons spezialisiert hat. Die Moultons dort sind extrem aufwändig, teuer und schick. Hier mal ein Beispiel von einem TSR Aufbau:

Und zwei weitere Beispiele von noch teurerem und AM und Double Pylon Aufbauten.

Für mich kam nur ein TSR in Frage, der einzige Moultonrahmen der noch einigermaßen in finanzieller Reichweite war. Neu wollte ich mir den nicht kaufen und der Gebrauchtmarkt in Deutschland ist fast nicht existent. Obwohl, wo ich gerade so schaue ist was ganz schickes auf ebay dabei:

Es hatte dann auch lange gedauert aber wie das so ist, unverhofft kommt oft und schnell und auf einmal hatte ich ein komplettes TSR9 auf ebay erstanden. Es war nicht billig, es war nicht ganz das was ich wollte, aber es war OK und es hatte genug Potential, um neu aufgebaut zu werden. Schön.

Danach wurde es leider sehr unangenehm. Der Verkäufer überzeugte mich, dass es schon OK ist, das Rad mit Hermes und Komplettkondom zu verschicken. Das Rad kam an, ich baute es zusammen und musste erst einmal den Schaltwerkadaptor gerade biegen, der war wohl beim Transport beschädigt worden. Dann die erste Probefahrt – das Rad zog extrem nach links, es war völlig unmöglich auch nur eine Hand vom Lenker zu nehmen.

Ich brachte es zu dem Radhändler meines Vertrauens und der stellte fest, dass der Rahmen verzogen war. Richten konnte er ihn nicht. Also schickte ich das Teil zu dem Moulton Importeur, der zu dem gleichen Ergebnis kam und ihn auch nicht richten konnte. Hermes zahlte dann die maximale Deckung der Transportversicherung aus, die aber auf € 1.000 beschränkt war. Das reichte nicht für einen neuen Rahmen. Nach Diskussionen etc. mit dem Verkäufer und dem Importeur übernahmen beide einen Teil der Kosten beziehungsweise gaben mir Discount auf einen neuen Rahmen, so dass der Schaden nicht ganz so groß wurde. Trotzdem wurde es klar, dass dies kein billiger Aufbau wird.

Die Anbauteile an dem Moulton waren wirklich alles andere als prickelnd. Hinten eine SRAM 9-Gang Schaltung, ein paar billige Avid Single Digit V- Bremsen, eine Sturmey Archer Kurbel, also für ein Rad was neu deutlich mehr als €2.000 kostet darf man schon ein wenig mehr verlangen. Vor allem an besseren Laufrädern. Das waren so Quando Dinger, kenne ich nur von ganz billigen Fixie/Singlespeed Rädern – völlig indiskutabel. Schän war eigentlich nur der Rahmen und der Brooks Sattel.

Durch den neuen Ersatzrahmen hatte ich nun die Möglichkeit einen mit Aufnahmen für Felgenbremsen zu bekommen (also nicht Cantileveraufnahmen für V-Bremsen). Das war Glück, denn die Kombination von Ergopower Hebeln mit V-Bremsen wäre vermutlich etwas komplizierter geworden. Die ganzen Teile habe ich verkauft, bzw. bin noch dabei diese loszuwerden in der kleinen Moulton Welt. Der Rahmen kam.

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Zeitsprung, ein paar Monate später.

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Details zum Aufbau und zu den ganzen speziellen Dingen die man dabei bedenken muss im nächsten Teil.

 

 

 

 

 

 

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Extreme Positionen.

David Etxebarria via Fabbrica delle Bici

Teams: Once, Euskaltel, Liverty Seguros, Astana … is there a dotted line?

Non-aero position via Milano Fixed.

via Milano Fixed

David Leopold, 1985 in New York


Messengers, Japan 2014

 

 

 

 

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Daccordi UNDZ

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Daccordi ist einer dieser kleinen Stahlrahmenhersteller in Norditalien, der es nie zu wirklicher Berühmtheit a la Bianchi, Colnago, Pinarelli, Gios oder Masi gebracht hat. Es gibt viele Daccordis in Oberitalien: Olmo, Moser, Vetta, Romani, Dancelli, Basso  und Vicini zum Beispiel. Ich liebe sie alle.

Mal ehrlich. Ein Rad aufbauen nach seinen eigenen Wünschen macht Spaß; man wägt ab was gut aussieht, was gut funktionieren könnte und was das dann alles kostet. Sinn macht das alles nur, wenn das Resultat dann auch gefahren wird. Aussehen ohne Funktion macht keinen Spaß. Aussehen und Funktion auf Kosten von sehr, sehr viel Geld macht auch keinen Spaß und jeder kann’s. Funktion ohen Aussehen ist auch Mist.

Und da kommen die Oberitaliener ins Spiel: Tolles Aussehen, gute Funktion und nicht teuer: Eine gute Balance, die dann auch bei der Ausfahrt Spaß macht. Daccordi wurde 1937 in einem Städtchen zwischen Florenz und Livorno gegründet. Das Unternehmen existiert heute noch als unabhängige Firma (wie z.B. auch Tommasini) , ist also nicht wie so viele italienische Rahmenbauer irgendwann einmal von einem Konzern aufgekauft worden, der dann prompt die Produktion nach Taiwan oder China verlegt oder direkt dort einkauft, und nur noch die Marke am Leben hält.

Es gibt einige markante, hochpreisige  Daccordi Modelle, zunächst fällt mir da das „Griffe“ und das „Mitico“ aus den Achtziger/Neunzigern ein. Und die 50 Jahre Edition. Auch in Bremen werden Daccordis gefahren, Torsten hat eins und das gleiche Modell fährt auch Marco, ich glaube es heißt Sansone und fällt durch die ungewöhnliche Form des Oberrohrs auf.

Ich bin mir nicht sicher warum das Teil so aussieht, es gibt bestimmt einen sehr guten Grund (15% mehr Steifigkeit bei 3,7% Gewichtseinsparung oder so), aber wenn ich das sehr, stelle ich mir immer vor, dass die Kette im Wiegetritt reist, mein Oberkörper auf das Oberrohr fällt und ich durch die Messerscharfe Form des Rahmens in exakt zwei gleichgroße Hälften gespaltet werde. Ist sozusagen klonen auf einer sehr primitiven Stufe.

Torsten hat das, soweit ich weiß, gekauft, weil er irrtümlich geglaubt hat, dass der Rahmen „Samson“ heißt, ein biblischer Held mit dem er sich sehr stark identifiziert. Karin ist seine Delilah und kleine Löwen rennen ja ohnehin zu Hauf in der Wohnung der beiden rum. Erklärt übrigens ganz nebenbei auch seinen Haarschnitt.

Die Achtziger und Neunziger sind, meiner Ansicht nach, die interesante Daccordi Zeit. Sehr schicke, mittelpreisige Rahmen, mit jede Menge Pantos, wo eine Unifork auch mal gut aussieht, ähnlich wie bei dem Moser Leader AX Evolution und megamässiger Einsatz der italienischen Nationalfarben.

Ein wichtiges Merkmal der Daccordis dieser Zeit ist, dass die Decals von sehr bescheidener Qualität waren und oftmals nicht mehr komplett vorhanden sind, ähnlich wie bei Pinarello. Vielleicht muss ich diese Aussage aber noch einmal überdenken, denn gerade auf der Suche nach einer Referenz dafür auf dem Web konnte ich so gar kein Beispiel finden.

Das Daccordi, dass ich erworben hatte war komplett und in einem bescheidenen Zustand.

ebay daccordi

Positiv ist allerdings zunächst zu vermerken, dass das Rad anscheinend weitgehend original von 1989 komplett mit einer Shimano 6400er Trikolore Gruppe ausgerüstet war. Die Kiste war unglaublich dreckig und versypht, hatte jede Menge unnötiger Teile an sich kleben (Klingel! Tacho! Aufkleber von Head etc.!) und dazu völlig unpassende blaue Reifen. Die Farbenkombination gefiel mir gar nicht, die weißen Decals schrien mich gerade zu an „Weg mit dem schwarzen Zeuch!“ und außerdem wollte ich ohnehin etwas mit Schaltbremshebeln bauen und ohne Schalthebel am Unterrohr.

Also zunächst einmal alles auseinander nehmen und reinigen. Erstaunlicherweise war ein sehr schöner Primax Nadellager Steuersatz vorne verbaut, der war zwar auch schwarz, aber so ein Primax ist ja quasi erstens heilig, und zweitens unglaublich hoch, so dass man dann den Gabelschaft kürzen muss, was kein vernünftiger Mensch bei alten Rädern wirklich will. Die Alternative wäre ein häßlicher Spacer. Das Innenlager war auch nicht uninteresant, natürlich Shimano 600 mit ITA Gewinde, aber mit einer 68mm Achse ausgestattet – normal ist 70. Das passte zwar, aber im Hinblick auf die Zuverlässigkeit habe ich ein normales Neco Patronenlager verbaut. Die halten ewig, vor allem dann, wenn das Innenlagerrohr mal wieder irgendwelche Löcher zur Gewichtserleichterung besitzt.

Ich weiß immer noch nicht, um welches Modell es sich handelt, einen 90er Daccordi Katalog konnte ich bislang noch nicht auftreiben (einen 89er aus den USA schon, aber da ist das Rad nicht drinnen) 89 waren die Designs ähnlich, aber der Bremszug war noch offen auf dem Oberrohr montiert und es gab noch keine Unifork.

Bei Daccordi wurde er Modellname schon mal ins Tretlagerrohr geritzt, hier ein Beispiel von dem Modell „Turbo“

Bei diesem Rad steht „UNDZ“ im Tretlager pantographiert. Zuerst dachte ich entweder, die Arbeiter dort hatten Mittags schon zuviel Lambrusco gekippt und irgendeinen Quatsch da rein gehämmert. Oder hatten sich einen Spaß daraus gemacht, was wohl Sammler später daraus machen würden. Aber dann sah ich im Netz noch eine Reihe anderer komischer Pantos wie „SUUZ“ oder „ISZO“ und ich vermute mal , dass dies doch eine andere Bedeutung haben muss. Seriennummer? Die Initialien der Macher? Ein geheimer Code der Illuminaten?

Wenn etwas an dem Rad schön ist, dann ist es die Gabel vorne, man bezeichnet so etwas auch als „Unifork“, die Gabel hat keine Brücke. Ähnliche Gabeln wurden auch oft bei MTBs verbaut und sind eigentlich ein Zeichen von minderer Qualität (behaupte ich jetzt einfach mal). Aber diese Daccordi Unifork, voll verchromt, mit Panto und dann so schick geformt, dass ist eine ganz andere Qualität, das ist einfach oberitalienische Handwerkskunst, wie sie eben nur zwischen Florenz und Livorno existiert. Gleichfalls behaupte ich immer noch, dass die nicht vernünftigt Decals kleben und lackieren können.

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Unifork mit neu in rot ausgemalten Pantos. Original waren die mal gold, aber das hebt sich leider vom silber der Gabel nicht gut ab.

 

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Ist bei italienischen Produkten übrigens häufig so. Diese Welt der Unterschiede eröffnete sich mir, als mein Studienfreund Christian Cordes in den Achtzigern einmal die Motorklappe seines Opel Kadetts hochklappte und ich ein unförmiges Stück Stahl sah. Und dann klappt er die Klappe seines Fiat 128 hoch (Rallye Ausführung mit Überrollbügel und so, fuhr aber langsamer als jeder Sprinter heute) und man sah ein filigranes Stück….Kunst. Das rostete und nicht lange hielt, aber egal, hier waren noch echte, kreative Ingenieure an der Arbeit, die hohe Technik produzierten, scheiß egal ob die Kunden das fahren, warten oder reparieren konnten.

Das Problem hat man bei Campagnolo ja auch ständig. Bremszug an die Delta Bremsen klemmen? Kein Problem, reich‘ mir mal den 3,5 mm Innensechskantschlüssel. Den ich seitdem nie wieder gebraucht habe. Staubkappen an einer 90er Campa Record Kurbel festschrauben? Klar, vorausgesetzt man hat einen sieben Millimeter Sechskant. Zum Glück hatte mein Baumarkt einen. Und bei der aktuellen Veloce Gruppe hat die Kurbel diese Power Torque Aufnahme. Erst macht Campa ein riesen Bohai, dass ja nix über eine normales Vierkantachse geht (stimmt ja auch irgendwie für alte Räder) und dann bringen sie endlich Powertorque und Ultratorque auf den Markt. Mit Ultratorque hatte ich noch nicht das Vergnügen, aber Powertorque ist einfach wahnsinnig umständlich und von der Funktion ja eigentlich total gleich mit Shimano, Rotor etc. Und was braucht man da, um die linke Kurbel festzumachen? Einen 14er Sechskant! Zum Glück gab es den noch beim Baumarkt, ich erwischte das letzte Exemplar. Wir sonst nur im Stahlbau auf der Werft verwendet. Aber die bringen bald bestimmt noch was auf den Markt, wo man einen 21er Sechskant braucht. Die aktuelle Veloce ist echt Mist, aber da lass ich mich an anderer Stelle drüber aus.

Ich durfte ja auch mal eine Zeit damit verbringen Möbelbeschläge in Japan zu verkaufen, unter anderem von italienischen Herstellern. Ich erinnere mich da an Caimi. Das Zeuch sieht ja schön aus, aber selbst ein Profi kann das ohne zehnjähriges Training in einem Dorf zwischen Florenz und .. ist schon klar, oder?

Jetzt habe ich aber ein wenig zu viel gelästert und die Zeit aus den Augen verloren. Zeit auf die Details des Rades einzugehen.

Rahmen

Könnte man als klassisch für Anfang der Neunziger bezeichnen, aus Oria Geröhr für eine 26,8 mm Sattelstütze, also eher Mittelklasse. Gabel und Hinterbau sind verchromt, ich vermute aber dass es nicht der ganze Rahmen ist. Es gibt relativ wenig und nur wenig tiefe Fehlstellen und aus denen kann man nicht schließen, ob da überall Chrom sein sollte.

Die Gabel vorne öffnet 100 mm der Hinterbau 126 mm, verbaut sind vorne wie hinten Campagnolo Ausfallenden.

Pantos gibt es an der Gabel, an den Sattelstreben und am Tretlager (siehe oben). Der Bremszug wird mit der kompletten Hülle durch das Oberrohr geführt; die Schaltzüge laufen klasssich außen, statt derbeiden Schalthebel am Unterrohr sitzt dort nun eine Dura Ace Schaltzugführung, die die Züge von den Schaltbremshebeln aufnimmt. Die Schaltzüge laufen dann klassisch weiter unter dem Tretlager und unterhalb der Kettenstrebe. Ist daher ein Rahmen mit vielen typischen Merkmalen der späten Achtziger, frühen Neunziger. Hatte ich schon geschrieben, dass die Decals schlecht aufgeklebt sind? Und davon gibt es jede Menge, nicht nur am Steuer- und am Unterrohr, sondern auch am Oberrohr, an der Kettenstrebe  und am Sattelrohr.

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Bremsen, Schaltung und Antrieb

Im Original war eine komplette Shimano 600EX 6401 Gruppe verbaut: Bremshebel, Schalthebel, Umwerfer, Kurbel, Schaltwerk und Sattelstütze. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Zuerst mussten die Bremshebel weichen. ich hatte noch ein Paar Campagnolo Mirage 8-fach im Keller und die wurden angebaut, ja ohne recht zu wissen, wie ich das mit der Schaltung genau regeln wollte. Kurbel und Umwerfer bleiben dran, aber wie nun udn welches Schaltwerk hinten ansteuern? Kurze Diskussion im Forum. Ergebnis, Shimano 7 fach Uniglide hat Ritzelabstände von 5 mm, genau wie Campagnolo 8-fach. Ich könnte also die Original Laufräder und Kassette verwenden, vorausgesetzt, ich baue ein Campagnolo Schaltwerk ein, dass auf Mirage 8-fach passt. Also, dass bei dem Seilzug der Mirage Ergopower, genau 5 mm am Schaltwerk nach innen geht. Ich habe das mal lustigerweise mit dem Shimano 6401 Schaltwerk ausprobiert und es klappt nicht, hat einfach eine andere Geometrie, oder anderes ausgedrückt, bei gleichem Seilzug geht das Teil deutlich weniger als 5 mm nach innen, so dass die Kette  dann nicht auf dem nächsten Ritzel zum liegen kommt. Und wenn man vom kleinsten ausf das größte Ritzel schaltet, summieren sich natürlich diese Abweichungen auf.

Ich hatte aber noch ein Campagnolo Record 8-fach Schaltwerk zuhause, sieht aus wie dieses hier von Velobase aber in deutlich besserem Zustand. Man darf ja nie irgendwo behaupten, dass etwas von Campa aus der Serie „Record“ ist, vor allem wenn man sich nicht 100% sicher ist. Dann kommen gleich die Stimmen aus den Untiefen des Netzes und schreien: „Bist Du sicher, dass das ein Record Schaltwerk ist? Sieht mir eher aus wie ein 1987er Athena in der Spezialausführung für den Prinzen von Monte Cassane.“ Und schon steht man wieder als kompletter Idiot da. Hier kann ich aber zumindest behaupten, dass ich das Schaltwerk als „Record“ gekauft habe, aber vielleicht bin ich eben auch betuppt worden.

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Campagnolo Schaltwerk hinten. Der Kenner bemerkt Finish, Einstellschraube und Zugklemmschraube und kann daraus die Gruppe, das Jahr und den Namen der Monteuse herleiten.

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Vorne Shimano 600 komplett in 52/39 Abstufung hinten Campa auf Shimano Hyperglide Kassette.

 

Fazit. Schaltet ausgezeichnet, überhaupt kein Problem, auch mit der verbauten Standard KMC8 /32er Kette.

Jetzt noch mal ein Wort zu den Campa Mirage Ergopower Hebeln. Mirage ist ja nun die günstigste Campa Gruppe gewesen, echte Fantaiker fassen ja so etwas nicht an und lassen es von ihren Azubis an der Winterschlampe montieren. Tatsache ist aber, das die astrein schaltet und gut in der Hand liegt. Im Vergleich dazu sind die aktuellen 2014er Ergos der Veloce Gruppe echter Schrott. Hier ist es nicht möglich in einem Vorgang mehr als einen Gang hochzuschalten (in Richtung kleinerer Ritzel). Warum nur Campa, warum????? Das konntest Ihr doch alles schon vor 20 Jahren! Und die kleinen Schalthebel (um runter zu schalten) liegen auch nicht wirklich gut am Daumen. Die Zeit schreitet voran, aber das ist ein echter Rückschritt vom römischen Imperium ins Mittelalter.

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Campaganolo Mirage Ergopower Hebel aus dem römischen Imperium. Lenkerband Ich weiß schon, Danke.

 

Die Tricolore Komponenten haben ja so ein spezielles, graues Finish (Bremshebel, Bremsen, Schaltwerk), die Kurbel aber nicht, die ist klassisch silber und durfte deswegen dran bleiben. Die Bremsen aber mussten weg und wurden durch die älteren Shimano 600 6208 ersetzt, die schön chromig funkeln. Eigentlich fidne ich ja, dass an ein Rennrad Zweiachsbremsen gehören, aber die 600er sind so schön, da darf Aussehn mal vor Funktion kommen.

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Das Cockpit: Lenker, Vorbau, Steuersatz

Vorbau von 3ttt mit 110mm Länge, vermutlich Record 84; Lenker ebenso von 3ttt, Model Racing Team SL, 42cm Breite. Klassisch gekrümmt, zwei Rillen für die Verlegung von Brems- und Schaltzug auf jeder Seite. Das ganze Verpackt mit Fizik Microtex Lenkerband in weiß glänzend. Ich bin kein Freund von dem Microtex Lenkerband, es gut zu wickeln ist nicht einfach da es sich nicht richtig „zieht“ und schnell Falten wirft. Das beste Lenkerband  zum wickeln ist meiner Ansicht nach das BBB Speed Ribbon. Allerdings gibt es das nicht in weiß glänzend. Weiß glänzend muß aber an das Daccordi, nicht nur weil da so viel Chrom dabei ist sondern weil die Farbabstimmung rot/weiß/silber ist, also roter Rahmen, weiße Decals, Sattel, Lenkerband und Züge dazu chromige Komponenten.

Und glänzend muss das Lenkerband sein, damit man es leicht säubern kann, denn weiße Lenkerbänder sehen zwar gut aus aber werden auch schnell dreckig – das glänzende bekommt man schnell wieder saubergewischt. Bei den anderen geht das auch…irgendwie…dauert aber deutlich länger.

Steuersatz ist ein hoch bauender, schwarzer und heiliger Primax mit Nagellagern.

Sattel, Sattelstütze und Pedale

Hier sind ein paar Teile montiert, die ich mal an anderen Rädern angebaut hatte, die mich aber nicht richtig befriedigen. Der Sattel ist ein sehr gut aussehender Selle San Marco Regal mit weiß perforiertem Leder, aber bequem finde ich den nicht (genauso wie den Turbo und den Rolls). Da müsste also vielleicht noch etwas bequemeres in Weiß drauf. Sattelstütze ist die Original Aerostütze von Shimano 6400. Und die Pedale sind von KKT aus Japan, an sich sehr schön, haben aber den Nachteil, dass diese, wie alle alten Rennpedale, nur einseitig fahrbar sind. Von daher sind MKS Stream eine langweilige, aber funktionell gute Alternative.

Laufräder

Shimano 6401 Naben mit 7-fach Uniglide Naben. Naben sind auch sehr chromig und passend funkelnd gut zu den anderen Komponenten. Die Kassettenabstufung muss ich noch einmal nachschauen, für Bremen und Umgebung reicht das aber alle Mal. Die Felgen sind Mavic MA40 dunkelgrau eloxiert, aber an den Flanken silbern abgebremst mit grün/gelben Labeln (sogenannte Anti-Tobias Ausführung). Waren in einem guten Zustand und mussten nur ein wenig nachzentriert werden. Felgenband, Schläuche und Conti Ultrasport sind alle neu aufgezogen.

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Fazit

Habe es mal gewogen, mit Pedalen ist das ganze Teil etwas schwerer als 10kg, was für ein Mittelklasse Rennrad in dieser Größe aus den Neunzigern eher normal ist. Es fährt sich aber trotzdem zackig, nimmt gut die Beschleunigung an und hält in den Kurven die Spur, so wie das alles sein soll. Für relativ wenig Geld ein sehr schöner , aber auch gut funktionierender Aufbau.

Aussehen

Da lasse ich die Bilder sprechen:

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Bereit zur Ausfahrt.

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Einen Korb bekommen: Shopping blockade runner.


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Beim Aufbauen von Rädern ist meist der Rahmen die Basis oder der Nukleus. Man kauft einen Rahmen und stellt sich vor, welche Komponenten und Laufräder gut daran passen würden. Der Rahmen ist oftmals die teuerste Investition, die nur manchmal von den Laufrädern oder der Gruppe geschlagen wird. Aber es muss nicht immer der Rahmen sein, mit dem man beginnt: Gute Ideen beginnen manchmal mit exzellenten kleinen Ideen. Dieser Aufbau begann mit einem Korb.

Ich muß gestehen, dass ich trotz aller Liebe für feine und tiefsinnige Details und Schnelligkeit Rädern mit Körbern mag. Dass muss eine unterbewußte japanische Prägung sein, denn in Japan haben quasi drei von vier Rädern mindestens einen Korb.

Ich hatte vor zwei Jahren bereits einmal ein Rad mit Korb gebaut, aber damit war ich überhaupt nicht zufrieden und habe nach und nach die Teile dafür verkauft. Das sah alles sehr schick aus, aber der verbaute Copenhagen Bike Porter ist meiner Meinung nach eine Fehlkonstruktion. Dadurch, dass der Schwerpunkt des Gepäcks weit vor der Lenkerklemmung ist, besteht nicht nur das Risiko, dass sich diese verdreht oder gar aufreisst; nein auch der Hebel ist so stark, dass jede Unebenheit auf der Strasse den Korb in unkontrollierbare Schwingungen versetzt. Man braucht also auf alle Fälle etwas wie ein Netz über dem Korb, um zu verhindern dass das Gepäck heraus katapultiert wird. Und wegen der unsicheren Lenkerklemmung fährt die Angst immer mit. Obwohl, das Teil sieht schick aus, hat etwas, was ikonische Teile wie Campa Delta Bremsen, Ofmega Mistral Kurbeln oder Cinelli Laser Rahmen eben so haben und ist jetzt erst einmal für die nächsten zwanzig Jahre eingelagert, dann wird es auf ebay oder wo auch immer verschleudert.

Aber die Idee des Korbes ließ mich nicht los und als ich zufällig bei ebay wieder Mal so ein Teil günstig erstehen konnte schlug ich zu.

Manche Leute sehen da nur Holzdielen oder eine Haufen Metallschrott. Ich aber sah die Zukunft, und die Zukunft war bullig, verchromt und relaxt. Eine Mischung aus Easy Rider, Hummer und Mad Max Teil II. Als der Korb dann zuhause ankam, konnte man schon seine Herkunft erahnen: Das musste eine Requiste aus Mad Max II gewesen sein., etwas was vielleicht in einem dieser Autos verbaut worden war.

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Ein Rad, dass ich wie ein Auto seinen Weg mit brutaler Gewalt bahnt oder dem Vorwand zum einkaufen zu fahren. Ein Rad wie ein respekteinflössender Geländewagen, aber mit völliger politischer Korrektheit.

Hummer H2 with GM Accessories - Grill, 2003, 1024x768, 3 of 6

Nun hatte ich den Korb und der Rest musste folgen. Eine gute Quelle für alle möglichen Basisteile zum Aufbau abstruser und ungewöhnlicher Räder ist „Bankrupt bike parts“ auf Ebay. Sollte ich eigentlich nicht verraten, denn das ist meine Top Secret Quelle. Bei denen hatte ich schon einmal einen pinken Raleigh Damenrahmen gekauft und auch gerade, als ich ihre Website gecheckt habe, sind wieder ein paar außergewöhnliche Dinge im Angebot.

Jedenfalls gab es bei Bankrupt Bike Parts den perfekten Rahmen zu dem Korb. Ich musste noch ein paar Tage darüber nachdenken, ob ich wirklich so bescheuert sein sollte und ein Rad um einen Korb baue, aber dann gab endlich die Vernunft nach und der Wahnsinn verschaffte sich seinen verdienten Raum. Ich mochte den Rahmen, weil er erstens total verchromt war, also aus etwa gleichen Designelementen wie der Korb bestand, recht niedrig war, so dass die Lenkerposition nicht allzu hoch ausfallen würde und ich im Gegenzug mit einer langen Sattelstütze den Fahrer über das Niveau der Lenkerstange hieven konnte. Und dann war der Ramen auch nicht so irrsinnig teuer (die Grenze für „nicht so irrsinnig teuer“ liegt exakt bei 100€).

Ich mag Komponenten und Rahmen die nicht irrsinnig teuer sind. Ich habe mir eine Menge teures Zeug gekauft, sagen wir mal z.B. eine komplette Serie von jeder Campa Monoplaner Bremse die jemals gebaut wurde, ein paar Campa Deltas (einen Satz habe ich dann wieder verschenkt), eine Campa Record Sattelstütze etc. aber es macht einfach keinen Spaß diese Teile zu verbauen und damit zu fahren. Vieles von dem Zeug ist ja auch rein design-ikonisch und die Funktion ist wie in einem Architekten-Design Haus: An den Außenwändern läuft nach dem Regen die Szuppe runter und es gibt fiese, graue Schlieren, aber der Designarchitekt konnte sein künstlerisches Gewissen nicht kleinreden und überzeugen, das überhängende Gauben eine gute Idee sind. Sattdessen sieht das Haus wie ein weißer Klotz mit schwarzen Ausschnitten aus, durch das Flachdach dringt die Feuchtigkeit nach innen und außen jauchst der Chor der Puristen: „Ikonisch! Pur! Rein!“. Oder, wie es einmal Peter Eisenmann sagte:

„Die syntaktische Bedeutung, wie sie hier definiert ist, berührt die Bedeutung nicht, die Elementen oder tatsächlichen Relationen zwischen Elementen zuwächst, sondern die Relation von Relationen untereinander.“

(nachzulesen in: Tom Wolfe „Mit dem Bauhaus leben“ Rowohlt 1986, oder zum Beispiel hier; das ist eines von den 111 Büchern, die ich mit auf die einsame Insel nehmen würde).

Was mit Eisenmann Gebäuden passiert, kann man hier sehr gut sehen, am Beispiel des Nunotani Buildings in Tokyo.

Schweifte ich etwas ab? Gut. Wo waren wir denn? Ach ja, Korb und Rahmen harmonisieren prächtig, der Rest findet sich irgendwie. Wichtig ist auf jeden Fall die Wahl der passenden Laufräder. Ich hatte nicht vor eine Schaltung zu verbauen, denn Schaltungen und deren Verkabelung stören nur die Designlinien und sind bei so einem Rad funktionell nicht notwendig. Ein Gang reicht ja wohl zum einkaufen. Also entschied ich mich für einen günstigen 26er Laufradsatz mit Shimano Kassette von Rose, Deore Naben und darauf wurden sehr bullige Schwalbe Kojaks 26 x 2,00 montiert, die dem ganzen die nötige Wucht verlangen. Der Korb mit schmalen Rennradreifen – das geht doch gar nicht. Und bitte keine zusätzliche Farbe, der Chrom muss für sich selbst sprechen und alles spiegeln was er trifft. Akzente sind OK, schwarz ist immer OK, da keine Farbe, aber bitte keine Smartieseffekte an den Laufrädern.

Auf die Kassette kam ein 18Z Ritzel, vorne ein 53er Kettenblatt an einer Sturmey Archer Kurbel (das häßliche Logo habe ich wegpoliert), so dass die Übersetzung etwas weniger als 3:1 ist – mit 26er Reifen ist das gut fahrbar. Ich teste so etwas immer an der Fußgängerbrücke um die Ecke, und wenn ich die Rampe hochfahren kann bin ich zufrieden.

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Verchromte Sturmey Racher Kurbel vorne, mit 53Z Kettenblatt und Hosenschutz. Wäre schön, wenn der auch chromig glänzen würde, aber wichtig ist erst mal die Funktion.

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MKS BM-7 Pedale, heisst das eigentlich Bärentatzen oder Bärenfalle. Auf jeden Fall sind die zweiseitig fahrbar und haben diese bullige Optik die zum Gesamtbild passt.

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Ein Schaltwerk könnte montiert werden, alles dafür da. Ebenso die Ösen für Schutzbleche und Gepäckträger.

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Günstig erworbene Singlespeed Umbauoption für die Shimano Kassettennabe. Zwei weitere Ritzel gibt es umsonst dazu. Die horizontalen Ausfallenden bieten Platz die Ritzel ohne Austausch der Kette zu montieren.

Fährt da Teil einmal los, ist es schwierig es wieder zum stoppen zu bekommen. Ich meine das Ding soll ja auch nicht stoppen, es ist ein Blockadebrecher. Es soll einfach von seinem Fahrer auf eine Umlaufbahn geschossen werden und dort kreisen. Na gut, aber Bremsen braucht man halt doch. Hier stellen sich zwei Probleme, erstens gibt es Halterungen für Cantilever oder V-Bremsen, und aufgrund der Reifenbreite hat man sowieso keine andere Möglichkeit. OK, also V Bremsen aus dem Bestand (Avid Single Digit 1 in schwarz). Und zweitens, ist die Krümmung des Lenkers etwas ungünstig. Die Bremsgriffe müssen daher relativ nah am Ende montiert werden, es bleibt deutlich weniger als normal (120 mm) Platz für den Plastikgriff. Und auch die Führung des Bremskabels ist etwas tricky. Zum Glück hatte ich noch ein paar modularisierte Bremsgriffe von Starfucker aus Japan. hatte ich im April bei Above Bike in Kawasaki gekauft und mit nach Hause genommen. Das sind Silikonringe, die man in beliebiger Anzahl hintereinanderstecken kann, so dass quasi jede Griffbreite realisierbar ist. Theoretisch könnte man auch einen Rennradlenker damit komplett verbauen, das wird aber recht teuer. Dazu dann unauffällige Tektro 750er Bremsgriffe, aber in der Canti Version, denn bei den „normalen“ FL reicht der Hebel nicht aus, um die Bremsen angemessen in Bewegung zu versetzen.

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Starfucker Silikongriffe, sechs Module (ein Set = 14 Module)

 

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Satttel ist übrigens ein Brooks Colt, Sonderedition in Raspberry. Den Colt muss man wirklich mögen – bzw. den passenden Hintern dafür haben. Für mich fühlt der sich ähnlich an wie ein Selle Italia Turbo – also wer auf einem Turbo bequem sitzt st entweder ein total harter oder hat den passenden Arsch. In habe den nicht.

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Donuts am Bremskabel nach hinten

Noch einmal ein paar Korb Bilder

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So, wie ist nun der Gesamteindruck?

Thema Eins. Frisch aus der Garage.

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Thema Zwei: Vor den roten Zacken

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Thema Drei: Vor der Villa Psycho.

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Und wie fährt es sich: Gut. Ewartungsgemäß ist das Teil nicht wirklich schnell und wendig, aber es liegt sicher in der Spur und walzt über alles rüber. Warum eigentlich Schlaglöchern ausweichen – mit dem Rad ist das nicht nötig. Ein großer Vorteil ist der kleine Rahmen. Ich kann das Rad genauso gut fahren mit meinen 1,86 m wie meine Tochter mit 1,45 m. Klar, sie hat die Hände viel höher am Lenker aber das geht auch prima.

Und dieses Rad verpasst Respekt. Kommt einem auf dem Radweg jemand entgegen macht er ziemlich sicher Platz. Vermutlich ist da Gefühl so, als wenn einem ein Hummer auf dem Radweg entgegenkommen würde. Passt. Und einkaufen kann man damit auch.

Mad Chrome

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Giant Cadex Revealed

Über die Weihnachtszeit hatte sich langsam und stetig eine reihe neuer Projekte im Keller angesammelt, sie nun langsam der Vollendung entgegensehen. Leider ist das Wetter nicht so, dass diese auch gefahren und fotographiert werden konnten. Heute war mir alles egal – raus auf dem Giant Cadex Revealed.

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Die Basis für diesen Aufbau war ein komplett fertiges Rad, das ich über Ebay gekauft hatte. Jemand hatte sich die Mühe gemacht einen Giant Cadex Rahmen, der im Original relativ langweilig aussieht, da er komplett lackiert ist, von allem Lack zu befreien und die sehr elegante Struktur aus Alumuffen und Carbonrohren freizulegen. Das ganze war mit Spinergy Laufrädern versehen worden, die den minimalistischen Eindruck, auf wenige Elemente fokusierten Ausdruck noch verstärkten.

Die Basis: Ein Cadex mit langweiliger Fernost Lackierung die keinem richtig weh tut.

Schon besser. So habe ich das Rad gekauft. Das hat aber Schwächen im Detail.

Das war Liebe auf den ersten Blick und hatte zugeschlagen, ohne lange zu überlegen (äh, also etwa drei Tage später). Da war jede Menge Potential und das sollte genutzt werden.

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An dem Rad waren keine Bremsen dran. OK, ich sehe ein, dass ein Fixie per Fixie-kultur Definition auch keine Bremsen haben darf. Und eigentlich sollte ich auch einen Vollbart tragen, wenn ich so ein bremsenloses Fixie fahre. Das ist mir aber alles egal; ich bin keine 22 mehr, habe eine Familie die ich ernähren muss und einen Körper, der nicht alles nahtlos wegheilt, wenn ich mich auf die Fresse lege. Aber zumindest habe ich den Ansatz eines Bartes, wenn auch nur temporär. Also Bremsen müssen dran.

An dem Rad war ein Bullhorn Lenker auf der Basis eines alten abgesägten und umgedrehten 3ttt Rennlenkers. Der liegt gut in der Hand und die Dia Compe Guidonnet Bremshebel konnten dazu passend sein, wenn sich die Form der Hebel der des Lenkers annähert. Das passt ganz hervorragend, man hat zwei Griffpositionen am Lenker zur Auswahl: Einmal können die Hände nah am Vorbau bleiben und die Bremsgriffe kurz fassen; andererseits kann man aber auch am Ende des Lenkers greifen und so noch gut das lange Ende der Bremsgriffe erreichen. Und ehrlich gesagt habe ich bislang auch so viele Tektro FL-750 und CL-750 Hebel verbaut, dass ich es langsam leid bin.

Gar nicht gefallen hat mir das schwarze, Kunstlederähnliche Lenkerband von Cincelli. Dickes Lenkerband lässt sich ohnehin bei Bullhornlenker nur schlecht vorne raus mit den Lenkerstopfen versenken und irgendeinen Farbakzent darf auch ein komplett schwarzes Rad haben. Nach einigem rumexperimentieren kam ich darauf, das rote VIVA Tape aus Japan zu verwenden. Das war mein erster Wickelversuch mit selbstklebendem Baumwollband und das Viva klebt noch einmal ganz besonders gut. Einfach ist das nicht und das Ergebnis ist auch nur mittelmässig gut geworden. Aber mal ehrlich, eine der schwierigsten und nevenaufreibenden Jobs beim Radbauen ist das perfekte Wickeln von Lenkerband.

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Giant Cadex Track Quadrat

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Festive 500 Day #4 und 5: Einzel- und Gruppentherapie

In der Gruppe ist es doch lustiger als alleine. Gestern quälte ich mich alleine Richtung Süden, heute erfreute ich mich am Windschatten in Richtung Westen.

So langsam gehen mir die Ideen aus, welche Straßen noch zu fahren sein könnten, und so machte ich mich auf den Weg nach Süden auf der linken Weserseite: Dreye, Riede, Thedinghausen – immer schön gegen den Wind und schön langsam. Lunsen, Werder und über die Brücke der Weser, dann einen Abstecher zum Hünenhügel, um wenigstens etwas anspruchsvolles mitzunehmen – dann hoch nach Achim.

Nachdem ich vor einigen Tagen von meinen Plänen durch eine dicke und fiese Regenfront abgehalten wurde weiter nach Norden zu fahren, machte ich nun ernst und fuhr weiter Richtung Uesen. An der Einfahrt zur Autobahn stand ein Tramper der nach Hannover wollte und sich die Beine in den Bauch stand und den Daumen raus hielt. Ich unterhielt mich mit ihm, einfach schon aus dem Grund, weil Tramper heute so selten sind. Warum eigentlich? Als Jugendlicher bin ich ab und an getrampt und habe selten schlechte Erfahrungen gemacht und später auch öfters Tramper mitgenommen. Nur einmal bin ich mit einem Betrunkenen nach West Berlin durch die Zone gefahren und da wurde mir schon mulmig als er die DDR-Grenzer anraunzte „Dauert das hier noch lange, ihr Pissbrüder?“ Die waren vermutlich aber an den speziellen Berliner Charme gewöhnt. Und im Vergleich zu dem was nachher in Berlin passierte war das alles sowieso harmlos. Ich sage nur. Hausbesetzerkampf, und klein-naiv Möbelchen mittendrin – aber das ist eine andere Geschichte.

Über die ich nachdachte, als ich weiter fuhr Richtung Posthausen, um zu sehen ob alles beim Dodenhof richtig läuft. Es war der erste Samstag nach Weihnachten und der Dodenhof hatte gleich bis 23:30 hr zum ultimativen Shoppingerlebnis auf, was in jeglicher Richtung kilometerlange Staus nach sich zog. Das ist schon ein Phänomen, dieser riesige, weiße Klotz mitten im Dorf. Ne, kann man eigentlich nicht so beschreiben, es ist mehr so, als wenn dieser riesige, weiße Klotz vom Himmel runtergefallen wäre und  alle Häuser an die Peripherie gedrückt hätte. Es gibt die ofizielle Dodenhof Seite zum Parkplatz hin, mit viel Glas, Reklame udn Eingängen geschmückt mit Buden und Firlefanz davor und es gibt die Seite, wo Dodenhof dem Dorf Posthausen seinen weißen Arsch zeigt. Man fährt hunderte von Meter an einer langweiligen, weißen Front lang, biegt um die Ecke und dann, ganz am Ende des Dorfes gibt es noch einen zweiten Dodenhof Laden. Wesentlich kleiner als das Einkaufszentrum, fast nur ein ehemaliger Dorfladen, der uns darüber Auskunft gibt, welche Kunden man nicht im Shopping Center sehen möchte: Dicke, fette Männer.

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Schlimm genug, dass Männer in Schuhgeschäften immer entweder in den Keller oder in die erste Etage müssen: Bei Dodenhof müssen dicke, fette Männer um die Ecke.

Politisch also völlig inkorrekt. Wie übrigens auch dieses Plakat, dass ich wenige Kilometer weiter in Ottersberg am Wegesrand sah. Tja, die Nachrichten verbreiten sich langsamer auf dem flachen Land.

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Zusatzkonzert wegen des sensationellen Erfolges ?

Das erinnerte mich an die erste Strophe des Songs Roadblock von Stan Ridgway.

Weiter ging es nach Quelkhorn, Buchholz und Wilstedt. Nun kam endlich und ich schöre, um ersten Mal an diesem Tag der Wind von hinten und blies mich zackig auf dem Achterdamm Richtung Huxfeld. Persönliche Bestzeit, obwohl ich mich gar nicht anstrengte und schon relativ kaputt war. (Strava). Dann weiter wie üblich, schmucklos ohne Variationen, ohne zu denken Richtung Borgfeld. Mittlerweile war es dunkel geworden, aber ich hatte imm ernoch Lust zu fahren und so machte ich mich noch mal auf den Wümmedeich, fuhr bis zum Dammsiel und dann an der kleinen Wümme zurück zum Unisee und nach Hause. Damit waren dann mehr als die zwei Drittel der Festive 500 für dieses Jahr nach vier von acht Tagen erledigt. Aber man muss fahren, wenn das Wetter OK ist, man weiß nie ob man morgen überhaupt noch raus kann.

Zuhause angekommen, am PC, sah ich dann, dass für heute um 11 Uhr etwas am HaW geplant war. Prima dachte ich mir, eine größere Gruppe, das macht bestimmt Spaß und da will ich mal wieder mit. Es hatten sich etwa 214 Rennradfahrer angemeldet, das war vermutlich die größte Truppe, die jemals vom HaW starten sollte, sozusagen der lange Marsch der Rennradfahrer. Leider war es aber so, dass über Nacht das Wetter dramatisch schlechter wurde. War am Abend vorher noch eine Bullenhitze und viele Bremer sassen mit Kind und Kegel im Garten oder auf dem Balkon und schmissen Steaks auf den Grill, war es am nächsten Morgen auf einmal und völlig unvorhersehbar minus sechs Grad. Dies führte dann in der Konsequenz zu einigen Absagen, und zwar genau zweihundert. Alle natürlich total fadenscheinig, ich zitiere und zittere hier einmal wahllos:

„Ich bin leider raus. Das Bein ist nicht wie geplant an den Körper drangewachsen. Aber das Wetter ist ja erste Sahne! Viel Spaß!!“

Hallo Leute, ich bin raus! -666°C da ist mir meine Gesundheit wichtiger, kann mir keinen Ausfall erlauben…….sorry.“

„Erkältung, Kälte und 80km vertragen sich bei mir noch nicht. Ich guck aus’m Fenster und beiß mir in Popo.“

Letzteres würde ich übrigens wirklich gerne einmal sehen. Wie viel kann man eigentlich vor sich sehen, wenn man sich gerade selber in den Po beisst? Und was sehen in diesem Moment die Nachbarn?

Egal. Es war aber wirklich ein wenig kalt am heutigen Morgen. Als ich zur Garage ging, machten im Haus neben uns die Nachbarn gerade ihre Panzer klar für die Fahrt zur Arbeit.

Ich war also nicht so optimistisch, wie viele letztendlich am Treffpunkt am HaW auftauchen würden, war dann aber doch sehr angenehm überrascht Caro, Philipp, Jan, Benjamin, Detlef und noch viele mehr zu sehen. Und es wurden immer mehr. Und schon ging es los. An sich wollte ich ja nur lutschen, aber irgendwie fand ich mich schnell ganz vorne wieder und wurde dann gleich von Philipp ermahnt , doch bitte so zu fahren, dass wir als homogene Gruppe fahren können. Klar, das wollte ich ja auch, aber wenn neben mir Philipp, Jan und dann später auch Sebastian fahren ist es sehr selten, dass die Nadel unter dreißig fällt, nicht an jeder Autobahnüberführung ein Bergtrikot vergeben wird und Ortsschilder uns nur noch als verschwommenen Pfeil erkennen. Also haue ich immer erst mal rein, das ist vermutlich so ähnlich wie bei Pavlov und seinem Hund.

Über Borgfeld ging es nach Fischerhude und Quelkhorn und von da Richtung Buchholz. War ich teilweise also bereits an dem Tag davor befahren, machte in der Gruppe aber mehr deutlich mehr Spaß. Dann ein Abstecher nach Vorwerk.

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Strahlend blauer Himmel, perfekte Zweierreihe.

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..und perfekte Kurventechnik auf dem Weg nach Vorwerk.

 

 

Wie jedes Mal (also bislang zwei Mal), verfuhren wir uns in Dipshorn und landeten auf dem Crosserweg. Irgendjemand, der auch praktischerweise auf seinem Crosser mitfuhr, murmelte etwas von „ist doch nicht schlimm so ein wenig Feldweg…“, konnte aber keinen Nicht-crosser überzeugen.  Ich finde, das sollten wir auch weiterhin so machen, sozusagen ein traditionelles verfahren oder Verfahren. Bei meinem japanischen Club „Positivo Espresso“ hieß dass „the pointless ride“, und der absolut unsinnigste pointless ride war hoch zur Kabelbahnstation am Mitake Berg.

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The pointless ride – German version

 

Ich vermute, dass liegt daran, dass man rechts zum Friedhof abbiegen muss. Das will keiner, also fahren wir immer links. Zeit für ein paar Gruppenphotos.

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Philipp beim Gruppenfotographieren

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Die Gruppe beim gruppenfotographiert werden

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Und alles in einem Bild.

 

Schnell waren wir in Bühlsedt, Wilstedt, Huxfeld und dann ging es auch schon durch die Bremer Schweiß nach Timmensloh. Ich fuhr immer noch fast die ganze Zeit mit Philipp zusammen vorne. Es war nicht sooo anstrengend; schnell hatten wir uns auf ein gemeinsames Thema verabredet und brauchten unsere besten Stories: Die bescheuersten Dinge, die wir gemacht haben, als wir richtig betrunken waren. Die von Philipp will ich nicht erzählen, nur bemerken, dass seine besten Geschichten nicht so lange her sind wie meine besten Geschichten, die ich nicht vorenthalten möchte:

  • Ich fuhr betrunken mit dem VW Käfer von einer Probe unserer Band nach Hause (leider waren waren wir musikalisch nur betrunken zu ertragen) und kam an eine rote Ampel die nicht grün wurde. Und zwar sehr lange nicht. Irgendwann wurde ich nervös, dachte ich wäre auf einem schlechten Trip. Aber irgendwann merkte ich auch, dass ich vor der roten Lampe eines Nachtclubs gehalten hatte.
  • Mit dem gleichen Käfer, der ein Schiebedach hatte, sind wir an einem sehr langweiligen Freitag Abend in den Wald gefahren und dort auf eine große Wiese. Drei von uns setzten sich auf das Autodach und hielten sich irgendwie fest, der Vierte fuhr und hatte die Aufgabe uns alle vom Autodach fallen zu lassen. Wahnsinnig lustig. Keine Ahnung, warum wir das alle ohne Verletzungen überlebt haben.
  • Nach einer Party auf der es nur Wodka und Tri-top zu trinken gabund die erstaunlich schnell zu Ende war, konnten wir unser Auto nicht mehr im Parkhaus finden. Also haben wir uns einfach in die nächste Parkbucht zum schlafen gelegt – bis die Polizei kam. Die wollte uns dort vertreiben, aber mein Freund Peter sah in dem Moment auch wieder, zu seiner großen Freunde unseren Wagen und machte Anstalten damit loszufahren, weniger zur Freude der Polizei. Die uns dann den Schlüssel wegnehmen wollte, worauf Peter, der unter Alkohol zu größter Zuneigung allen Menschen gegenüber fähig war meinte: „Na gut, aber fahren Sie nicht so viel rum, da ist nur noch wenig Sprit drin.“

Es gibt noch jede Menge anderer Geschichten, aber die enden ja doch meist damit, wie man kotzend über der Kloschüssel hängt (oder über dem Aschenbecher im Zugabteil, wie es die heutige Jugend macht) oder sich bedusselt fremden Mädels in die Arme schmeißt und etwas von ewiger Liebe fasselt – Jürgen von der Lippe hat das mal telefonisch sehr schön dargestellt. Jdenfalls zeigt das auch wie schnell wir unterwegs waren. In Timmensloh angekommen hatte ich Lust auf einen Gin Tonic.

Von dort etwa an, fuhr jeder in seine Richtung nach Hause. Ich wollte noch ein paar Kilometer oben drauf legen und machte mich weiter am Wümme Damm auf, dort waren wir dann nur noch zu zweit. An der kleinen Wümme dann zurück bei einer Fotopause …

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Im Hintergrund, etwa 800 km weit südlich die Alpen. Im Vordergrund das Bremer Drama.

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… traf ich dann Caroline, die andersrum vom HaW die kleine Wümme lang fuhr. Lustig. So jetzt war aber genug und es ging ab nach Hause, wo ich vor dem Tankwagen mit dem wunderschönen japanischen Namen endlich einmal ein weiteres Foto machte.

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Danke an alle Mitfahrer. 400 km geschafft, noch 60 müssen es sein.

 

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Festive 500 Day #3: Back to the Positivo

Heute war es zwar kalt, aber der Himmel glänzte wunderschön blau, nur unterbrochen von vereinzelten Kondenstreifen der Flugzeuge. Ich hatte keine Lust mehr auf das Panasonic und da ich sicherlich keine Schutzbleche und Licht brauchen würde nahm ich das Canyon Positivo mit raus nach Bremen Nord.

Klassische Ausfahrt zum HaW und dann weiter zum Platzhirsch und Dammsiel. Auf dem Weg dorthin steht nun zweimal „Scheiß Radfahrer“ gesprüht. War das schon immer so oder nimmt das zu? Ich überlegte für einen Augenblick mir im Baumarkt eine Sprühdose zu kaufen und sinnvoll zu ergänzen „Scheiß E-bike Radfahrer“ oder „Scheiß Autofahrer – werde Radfahrer“.

Aber es lief gut heute und ich kam schnell voran. Auf dem Deich jede Menge Scheißrennradfahrer und kurz nachdem ich einen von denen überholt hatte, überholte mich ein anderer. Das machte Spaß – ich klemmte mich dran und wir fuhren gemeinsam durch Wasserhorst und Burg. Aber dann bog ich ab und fuhr einen der wenigen Hellinge Bremens in Lesum hoch zur St. Martini Kirche. Von da aus ging es irgendwie weiter Richtung Norden an der JU vorbei durch Lessum und durch Schwanende. Das Stück am Golfplatz vorbei ist sehr schön, das hatte ich bislang noch gar nicht auf dem Plan.

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Nordddeutschland – der eklatante Mangel an Bergen verdeckt durch blauen Himmel, Windmühlen und Kohlekraftwerk Farge

Das Stück Straße mit Schienen kannte ich schon, bin ich aber seit Ewigkeiten nicht mehr gefahren.

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Vereinzelte Kondensstreifen

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Von dort weiter nach Neuenkirchen, vorbei an meinem Lieblingsmongolen „Pacific“ (Mit Bundeskegelbahn!), Rekum und dann zurück Richtung Süden nach Farge. In Farge nahm ich am Kraftwerk die Fähre auf die andere Weserseite.

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Da war ich auch lange nicht mehr, kann gut sein, dass es bei der Festive 500 2013 zum letzten Mal war.

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Der Rest war dann easy, konzentriertes rollen geradeaus in den Süden. Man fährt zwar an der Weser lang, sieht die aber nicht weil komplett vom Deich verdeckt. In den Dörfern dort wie Motzen oder Lemwerder würde ich mir kein Haus kaufen wollen, wenn man sich da die Sturmflutmarkierungen ansieht.

Am Ende geht es noch einmal durch das GVZ. Ich pinkelte dort lustig am Wegesrand, als hinter mir eine Polizeistreife auftauchte. Normalerweise mache ich das etwas diskreter, wie z.B. hier auf dem Kand Pass in Japan (Foto von Ludwig).

1003 Kando Tour Kando Mob 1

Störte aber alles nicht. Jetzt noch schnell durch die Stadt, an der Schlachte entlang und die Weser hoch bis zum Stadium. Ich wollte ganz schnell nach Hause, um ein weiteres Highlight des Jahres zu Ende zu bringen:

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Endlich, der erste Band ist geschafft. Nur noch 19 weitere, ich schätze mal, das wird wesentlich anstrengender und länger dauern als die Festive 500. Die empfohlene Lesereihenfolge laut Wikipedia verlangt nun nach „Seine Exzellenz Eugene Rougon“, mal sehen ob das auch so spannend wird. Also den ersten band fand ich gut, so ungefähr nach Seite 150. Zunächst muss man sich durch die dreissig Seitige Beschreibung eines ehemaligen (!) Friedhofs kämpfen an dem die Geschichte beginnt und das Leben einer der Protagonisten endet. Aber dann wird es zunehmend spannender. Das Lesen von Zola ist wie Sex von Schnecken die auf einer Spur Amphetamine kriechen.

Strava von heute

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