Sales: Centurion Super Elite RH49

Ein Rennrad schlummert fast dreißig Jahre lang in einem gut durchlüfteten Keller in Barrien in der Nähe von Bremen. Dann bittet mich die Tochter der Besitzerin das Rad zu verkaufen. Erstaunlicherweise hat es eine Campagnolo Super Record Gruppe – die wurde erst einmal zu Geld gemacht, um den Umbau zu finanzieren.

Da es sich um einen recht kleinen Rahmen mit einer Größe von 49 cm handelt, wollte ich ein Rad für eine Frau damit aufbauen. Meinentwegen auch für Kinder, aber meine Erfahrung mit den eigenen ist, dass dünne Rennradreifen fast monatlich von Papa repariert werden müssen. Kinder brauchen mentale Fatbikes.

Und dann bitte nicht noch ein Rennrad, sondern etwas für eine relativ aufrechte Sitzhaltung, das sich flink und wendig durch die Bremer Innenstadt fahren lässt.

Der Rahmen selber ist gut erhalten und die Lackierung glitzert in einem Titan-ähnlichem silbergrau. Darauf heben sich die blauen Centurion Logos gut ab. Dazu passen nur silberne Komponenten, aber sonst gibt es viel Freiheit den Rahmen nach eigener Vorstellung farblich abzustimmen. Ich habe mich dabei für zwei und nicht nur eine Farbe entschieden: Rot als Hauptfarbe kommt durch die Griffe, den Sattel, die Schaltzüge und die Reifen gut zum tragen. Blau als Nebenfarbe wird durch die Logos, die Bremszüge und einige Tupfer hier und dort unterstützt.

Es ist ein buntes, irgendwie fröhliches Rad geworden, was aber nicht wie das Stadtrad eines Clowns aussieht.

Das ist nun dabei herausgekommen.

VHB €500
Standort Bremen

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Rahmen

Die Marke Centurion wurde 1969/70 in Kalifornien gegründet, ein Ami sich um Marketing und Verkauf, ein Japaner („Cozy Yamakoshi“) um Design und Material – deshalb sind die Rahmen aus dieser Zeit auch überwiegend aus japanischen Rohren vom Typ Tange Champion gebaut worden. Später gründeten die Besitzer die Diamondback Mountain Bike und BMX Marke, die sich als so erfolgreich erwies, dass alle Räder ab 1990 unter Daiamondback verkauft und Centurion eingestellt wurde. Dieser Super Elite Rahmen datiert mit einiger Sicherheit von 1983, also aus dieser Periode (Sheldon Brown, Wiki). Das Super Elite war nicht das Top Modell von Centurion (Turbo und Comp TA), sondern im Mittelfeld. Also etwa das 105er und Centaur Modell von Centurion (Weitere Kataloge).

Die Marke Centurion wurde 1991 von Wolfgang Renner, einem ehemaligen deutschen Crosser gekauft und existiert bis heute (14. August 2016; 19:55 man weiß ja nie). Es gibt ein breites Programm an MTBs und Rennräder. Vor einigen Jahren bin ich auf Mallorca ein Centurion Gigadrive von einem großen schweizer Verleiher gefahren – ich fand das nicht so doll, aber das soll jetzt nichts über die gesamte Marke aussagen.

Der Rahmen ist ein typischer Achtziger Stahlrahmen: Schöne Muffen, die Schaltzugführung unter dem Tretlager, der Bremszug läuft durch Ösen auf dem Oberrohr zu Bremsen, die mit Inbusschrauben am Steg bzw. an der Gabelkrone festgeschraubt werden.

Das Rad wiegt mit allem ziemlich genau 10 kg. Klar, das ist immer noch schwer im Vergleich zu einem modernen Rennrad, aber gut für einen Stahlrahmen der nicht mit extrem teueren und leichten Komponenten aufgebaut wurde.

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Cockpit und Bremsen

Für kurze Touren, Fahren im Verkehr in der Stadt und eine bequeme Sitzposition ist meiner Ansicht nach ein gerader Lenker für Anfänger besser geeignet, als ein Rennradlenker. Und so wurde ein Charge Straw mit nur 460 mm Breite mit einem hoch bauendem No-Name Vorbau kombiniert, um schnelles und bequemes durch das Strassenchaos rasen zu können.

Das Problem bei geraden Lenkern ist leider oft der Lenkerdurchmesser von 22,2 mm (Rennradlenker meist 23,8 mm) der es nicht erlaubt z.B. Rennradbremsen zu montieren (es gibt allerdings einige Moustachelenker mit 23,8 mm Durchmesser). An diesem Lenker kamen zunächst einmal Oury Griffe, die es in vielen knalligen Farben gibt dran; alternativ gab es auch sehr griffschöne ESI Chunky zur Auswahl. Die Oury Griffe überdecken komplett die konischen Endkappen des Charge Lenkers. Zusammen mit den Zugfarben, ließ sich damit das rot/blaue Grunddesign des Rades gut abstimmen.

Für die Stadt braucht man natürlich auch gute Bremsen und deshalb habe ich dem Centurion zwei Campagnolo Athena Dual-Pivot spendiert. Das sind mit die besten Bremsen die ich kenne, haben aber den Campa-typischen Nachteil, dass man sie nicht an der Bremse öffnen kann, um das Laufrad herauszunehmen. Werden Campa STI Hebel benutzt ist das alles kein Problem, dann kann man die Bremse am Bremshebel öffnen. Mit den verwendeten Tektro Quartz Hebeln ist das auch kein Problem, denn diese haben eine Zugentspannung die technisch ähnlich wie die von Campagnolo funktioniert.

Bei dünnen Reifen (hier 700 x 23C) ist es aber sowieso kein so großes Problem die Laufräder auch bei geschlossenen Bremsen zu entfernen, da der Reifen nicht viel breiter ist als die Felge. Bei 700 x 30C zum Beispiel wäre das unmöglich. Also dachte ich mir, warum nicht andersrum einsetzen, also im entspannten (oder geöffneten Zustand) der Bremshebel wird gefahren und im gespannten (oder geschlossenen Zustand) sind die Bremsbeläge knirsch an die Felgen gedrückt? Versucht jetzt jemand in einem unbeobachtetem Moment mit dem Rad abzuhauen, so wird er nicht weit kommen, denn fahren kann er damit auf keinen Fall – er muss das Rad schon tragen. Das ist vielleicht in einer Stadt wie Bremen (Nummer 2 in Deutschland in Raddiebstählen nach Leipzig) schon einmal eine Überlegung wert.

Auf der rechten Seite befindet sich ein einzelner nostalgischer Suntour „Daumy“ Schalthebel, um das hintere Schaltwerk mit 6 Gängen zu bedienen. Es wäre nun einfach gewesen, mit einem weiteren Daumy einen Umwerfer anzusteuern, aber ich habe aus Prinzip und aus Bremen auf einen Umwerfer verzichtet: Das versaut nur das Gesamtbild, kostet Geld und macht das Rad schwerer. Und mehr als 6 Gänge braucht man in Bremen ohnehin nicht. So sieht es vorne übersichtlich aus.

Gesessen wir auf einem roten Fabric Scoop Sattel – das ist im Prinzip der alte Charge Spoon Sattel mit einem neuen Label. Ich fahre eine blaue Version bereits seit einigen Jahren an meinem Umberto Dei Crosser und finde den Sattel sehr bequem. Gehalten wird der Sattel von einer schönen, altmodischen SR Laprade Sattelstütze mit Flutungen.

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Charge Straw Bar, blau eloxiert. Campagnolo Athena Dual Pivot vorne.

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Hier kann man die Entspannung an den Tektro Quartz Hebeln sehen.

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Ein alter Suntour Daumy.

Sattel

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Fabric Scoop Sattel  mit SR Laprade Stütze. Die könnte man auch noch rot/blau ausmalen.

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Bremsen
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Antrieb und Schaltung

Warum ein Rad unnötig schwer und schwergängig machen mit Funktionen die sein Fahrer nicht braucht? Diese Frage stelle ich mir immer, wenn ich das typisch deutsche Stadtrad sehe: eine schwere Federgabel vorne, alle möglichen Anbauten (aber keine Klingel) die das ganze dann schnell auf über 15 kg bringen. Das Centurion Super Elite hat dagegen nur das nötigste – und dazu gehört auf keinen Fall ein Umwerfer vorne. Sechs Gänge hinten reichen für 80% Norddeutschlands und für Bremen allemal. Eine filigare Ofmega Strada Kurbel mit einem 51er Blatt (und der obligatorischen andersfarbigen Kettenblattschraube); dazu ein wartungsarmes und orginales Vierkanttretlager. Nicht das es viele Alternativen gegeben, aber den Ärger und Aufwand den man mit außenliegenden Lagerschalen (SRAM GPX – ein Alptraum!) oder Pressfit (dem Hörensagen nach) hat, kann man sich sparen.

Trotzdem – alles ist da um ein zweites Kettenblatt vorne, einen Umwerfer und einen Schalthebel dafür am Oberrohr zu montieren falls es nötig sein sollte.

Beidseitig fahrbare silberne Pedale.

Am Hinterrad ein fein abgestufter 6-fach Schraubkranz, der von einem formschönen Suntour Cyclone 7000Schaltwerk bedient wird. Dieses wird über den Daumy am Lenker angesteuert. Damit die Zugführung gut aussieht und keine engen Radien hat, wurde der Zugegenhalter auf der linken Seite des Oberrohrs montiert. Der Schaltzug kreuzt dann auf die rechte Seite durch die Führung unter dem Tretlager.

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Laufräder

Shimano 105er Naben (Typ 1050) eingespeicht mit einer Ambrosio 19 Extra Elite Felge.Es ist gar nicht so einfach flach bauende, silberne Felgen zu finden, oftmals sind die Felgen aus dieser Zeit schwarz, grau oder braun eloxiert. Das bringt dann zusätzliche Unruhe in die Farbkomposition – so bleibt alles schön filligran und silber glänzend. Auf den Laufrädern sind schwarz/rote neue Schwalbe Lugano Reifen 700x25C aufgezogen. Durch den nicht übertriebenen roten Seitenstreifen tragen auch sie zum rot/blauen Gesamtbild bei.

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Teilekatalog

Cockpit und Business Class

Steuersatz Tange Original
No Name Gewindevorbau
Charge Straw Lenker, 460 mm breit
Oury Grips neu
Fabric Scoop Sattel neu
SR Laprade Sattelstütze

Bremsen

Tektro Quartz Hebel
Campagnolo Athena Dual Pivot Bremsen
Neue Zughüllen und Züge.

Schaltung und Antrieb

Suntour Accushift Daumy (Reibung)
Shimano Dura Ace Zuggegenhalter links
Original Shimano Tretlager
Ofmega Strada Kurbel 51Z, 170 mm Kurbelarm
Neue No-name Pedale
Suntour Cyclone 7000 Schaltwerk
6-fach Schraubkranz Abstufung 13-23
Neue KMC Kette
Neue Zughüllen und Züge.

Laufräder

Shimano 105er Naben
Ambrosio 19 Extra Elite Felgen
Neues Schwalbe Felegenband, neue Schläuche
Neue Schwalbe Lugano Reifen 700x25C

Etwas gefällt nicht? Kann gerne im Gespräch diskutiert und verändert werden.

 

3 Kommentare

Eingeordnet unter 2016, Centurion Super Elite, Mob, Sales

3 Antworten zu “Sales: Centurion Super Elite RH49

  1. Mal so rein aus Neugier: Hat es schon einen Besitzer gefunden, das fröhliche Rad?

  2. Mal rein so um Deine Neugier zu befriedigen: Es wartet immer noch fröhlich auf seine neue Besitzerin. Gut, oder?

  3. Pingback: 12.000 km 2016. | there is no "I" in cyclyng

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