Archiv des Autors: bikesnob28hb
Alles was man über Delmenhorst wissen muss. Und Angst hat zu fragen.
„Und hier“, so klären mich meine beiden Begleiter aus Delmenhorst auf, „hat man vor ein paar Wochen eine Leiche im Bach gefunden.“ Einige hundert Meter weiter gibt es eins von drei Hochhäusern in der Stadt; und von diesem ist vor kurzem jemand gesprungen ist. Vorher gab es noch einen Häuserblock mit abgebranntem Dachstuhl, alle dort lebenden Familien mussten evakuiert werden. Willkommen in Delmenhorst.
Ganz so schlimm ist es dann doch nicht, wie man im Stadtführer über Delmenhorst nachlesen kann. Kein Vergleich zu Emden … oder gar Wilhelmshaven.
So wundert es nicht, dass die RTF Delmenhorst direkt und schnell aus der Stadt führt. Diesem Umstand ist es dann auch zu verdanken, dass diese RTF eine der schönsten Strecken überhaupt hat und eine recht clevere Streckenführung; also schnell raus aus dem Stadtgebiet bevor die Gangs die Räder unterm Sattel wegklauen bis nach Colnrade zum einzigen Verpflegungspunkt und von dort aus entweder gleich zurück in die Favelas der norddeutschen Tiefebene (80 km) oder aber eine weitere Schleife drehen (120 km), oder noch eine weitere und andere Schleife um den Verpflegungspunkt fahren (155 km). So kann man ganz entspannt losfahren und sich beim fahren überlegen, welche Strecke man zurücklegen möchte. Das ist gut, insbesondere dann wenn für den nachmittag Regen angesagt ist.
Zusammen mit Tobi(Live) bin ich bislang nur einmal die RTF Delmenhorst gefahren, das war 2012. Damals fuhren wie die sehr seltene 138 km Strecke, die es offiziell an sich nicht gibt. Im wesentlichen handelt es sich dabei um die 120 km Strecke die man dann durch verfahren geschickt um 18 km verlängern kann.
Für eine RTF muss natürlich gut trainiert werden, damit der Körper die Belastung von 80 oder 155 km Fahrt gut durchsteht. Am besten fängt man damit nicht zu früh an, denn dann ist die Motivation zum trainieren bereits lange vor der RTF aufgebraucht und man kommt letztendlich ohne Power zum Start. Ich denke ein guter Trainingsbeginn ist etwa drei Tage vorher, da kann so ein Mißgeschick nicht passieren. Und so machte ich mich drei Tage vorher nach der Arbeit mehr oder minder in Arbeitsklamotten auf die Fahrt durch das Blockland. Ich kam an der Straße nach Ritterhude an, machte ein paar Photos von meinem Basso Fixie und mir und wollte gerade rechtswümmig zurückfahren, als eine ganze Truppe von Rennradfahrern von Ritterhude kommend auf den Deich einbog. „Prima“, dachte ich, „trainiert hast Du ohnehin schon mehr als genug, da hängst du dich jetzt dran und lässt dich nach Hause ziehen.“ Ich machte also mächtig Dampf und als ich dann dran war fragte mich gleich einer aus der Gruppe: „Kommst Du mit?“ „Klar“, antwortete ich, das waren ja nette Leute. Dieser Eindruck korrigierte sich aber schnell und auf der nach unten offenen Norddeutschen Nettigkeitsskala wurde in den folgenden Minuten eine „minus drei“ abgelesen.
„Ach so, ich dachte Du gehörst zu uns und kommst bei dem Tempo nicht mit.“
„Nö, das Tempo ist schon OK“
„Kannst gerne mit uns mitfahren.“
„Prima, Danke“
Einige Sekunden später.
„Du hast keinen Helm. Du kannst nicht bei uns mitfahren. Das sind die Regeln im Verein. Fahr raus.“
„Von welchem Verein seit ihr?“
„Von therafit. Fahr jetzt raus.“
„OK, Tschüss.“
Na ja, ich hatte halt keinen Helm, weil ich direkt von der Arbeit kam. Und Helm mit weißem Hemd und Krawatte sieht soooooooo 1990 aus. Also ich finde das schon OK mich dann aus der Gruppe rauszuschmeißen. Nun war aber die allgemeine Erwartung an mich, dass ich mich zurückfallen lasse und brav hinter denen herfahre, bevor die Therafitgruppe dann irgendwann am Horizont vor mir verschwindet. Das wiederum fand ich eine sehr doofe Idee. Ich ließ mich zurückfallen um aus der Lücke in der Gruppe rauszukommen, dann stieg ich in die Fixieeisen und trat so gut wie ich konnte mit meinen spitzen Lederschuhen in die Pedale bis ich an dem gesamten Feld vorbeigezogen war. Mit Hemd und Krawatte wäre das noch cooler gewesen, aber mit Poloshirt war das sicherlich auch sehr eindrucksvoll.
Nun fuhr ich mit 35 km/h und gefühlter 120er Trittfrequenz etwa 20 Meter vor dem Feld her. Das war nun wirklich lustig. Also für etwa 35 Sekunden. Dann merkte ich, dass die Therafittruppe auch fast einen 35er Schnitt fuhr und drauf und dran war mich wieder einzuholen. Mit anderen Worten: Die hatten Blut gerochen, denn eigentlich war das ja, wie sich später herausstellte, nicht die 30+, sondern die langsamere 25+ Gruppe von Therafit. Das ging ja nun gar nicht. Ich musste also nun richtig reinhauen, alles geben und mich aus Coolnessgründen auf keinen Fall umschauen. Und dann hoffen, dass irgendjemand in der Gruppe „Langsamer!“ schreit, weil er nicht mehr mitkommt. Mann, war das anstrengend, so hatte ich mir trainieren an sich nicht vorgestellt. Mit konstant hohem Tempo ging es dann an der Wümme lang bis zum Kuhsiel. Dort ging mir nun endgültig die Puste aus uns so fuhr ich geradeaus weiter, in der Hoffnung dass die Truppe rechts Richtung Platzhirsch abbiegen würde. Was sie denn auch tat. Lässig lehnte ich an dem Geländer, nahm eine Schluck Wasser aus der Flasche und blickte ihnen nach.
Damit war das Delmenhorst Training beendet.
Am RTF Tag selber hatte ich Sportverbot von meinem Zahnarzt. Am Tag vorher hatte er mir zwei Backenzähne gezogen und dafür eine Packung Paracetamol in die Hand gedrückt.
„Und die nächsten drei Tage kein Sport.“
„Was ist mit Radfahren?“
„Na ja, schon OK, aber nicht Rennrad auf Zeit nach Wilhelmshaven!“
Wilhelmshaven? Emden? Bin ich lebensmüde, in diese Brutstätten des Verbrechens (siehe oben) wollte ich auf keinen Fall. Ich interpretierte die Aussage des Arztes so, dass nach Norden auf Zeit nicht OK ist, nach Süden aber schon. Und so kam ich am Morgen doch noch rechtzeitig nach einem Platten zum Treffpunkt an der Pappelstraße/Langemarckstrasse. Insgesamt, so hörte ich nachher, hatten sich 38 Teilnehmer aus Bremen dort getroffen, darunter auch einige die ich kannte. Philipp war da, sowie Jonas, Tobias, Torben, Silke und und und. Auf der Fahrt nach Delmenhorst hatte ich Zeit mich mit Silke zu unterhalten und gemeinsam bestaunten wir die Hazienda des kolumbianischen Drogenbarons, die er sich vor einiger Zeit an den Grenzen der Stadt Delmenhorst errichten ließ. Schlimm, wie sich das Verbrechen in der Stadt auch architektonisch manifestiert! Ich vermute übrigens, dass es sich um denselben Drogenbaron handelt, der auch in Japan am Rande des Tsukui Sees eine Villa mit Landrover besitzt.
Als wir an der Schule in Delmenhorst ankamen, waren bereits eine Menge Leute da, insgesamt sollen es über 300 Teilnehmer gewesen sein – Rekord für diese RTF. Jörg war da, wollte aber nicht fahren, Andreas, Karin, Torsten und und und.
Andreas, wie man ihn kennt und mag.
Jörg und ich und ein halber Kaffee. Die andere Hälfte hatte ich bereits einem Mädel…äh..geschenkt.
Schnell war die Zeit um und ich hatte gerade noch Zeit einem Mädel meinen Kaffee auf die weißen Bibshorts zu schütten. Zum Glück sehe ich zu alt aus, als wenn das als Anmache gedeutet werden könnte. Diesmal wollten wir kein Erinnerungsphoto machen und so mogelte ich mich recht weit nach vorne am Start, um mit der ganz schnellen Truppe fahren zu können. Sicher wollten die mich mitnehmen, denn ich hatte ja nun einen Helm (Hallo Willi!).
Genau, so weit vorne war ich! Beste Platzierung dieses Jahr. Aber nur beim Start.
Und dan ging es auch schon los, nachdem der Mann mit der roten Fahne durch das Feld ging und die Gruppe neutralisierte, was immer das heißt.
Die ersten drei Kilometer fuhr ein Rennleitungswagen vorweg. Prima, da kann man ja locker warm werden, dachte ich mir. Allerdings fuhr dieser Wagen dann wohl mit 50 Sachen vorweg, so das sich Schwierigkeiten hatte in der Truppe zu bleiben. Nach etwa 5 km gab ich dann auf, ließ mich zurückfallen und war nun erst einmal allein zwischen Feldern. Aber zum Glück raus aus der Stadt! Ich holte einige andere Rausgefallene ein, aber die waren nun noch langsamer als ich und so war ich wieder alleine. Zum Glück kam dann die nächste große Gruppe, angeführt von Philipp, Jonas, Torben und Tobias von hinten und ich konnte mich dort einreihen. So fuhren wir einige Kilometer, bis Tobias dann seinen ersten Platten hatte. Es war nicht sein letzter heute: Drei Stück! Etwas asozial, aber vielleicht auch geprägt von den Eindrücken Delmenhorsts fuhr ich mit der Gruppe weiter, da waren jetzt vielleicht 20 Fahrer drinnen, unter anderem auch ein paar Triatathleten mit Lenkerausfsätzen und hohen Zipp Felgen. Dabei waren auch die Armstrong Brüder, Lance, Neil und Louis, die nun eine Fabrik für Bodenbeläge aufgemacht haben. Die Trikots sahen aus wie aus Bodenbelägen gemacht und eigentlich sollte es Unternehmen heute doch klar sein, welche Bedeutung es hat, wenn Sie einen Kreis um das A in ihrem Firmennamen machen, auch wenn das sooooooo 1980 ist. Aber fahren konnten die.
Die Disziplin insgesamt in der Truppe war etwas locker und so klappte es nicht so gut mit den Wechseln vorne. Eigentlich war ich ganz froh, als wir dann am Verpflegungspunkt in Colnrade ankamen und sich die Truppe auflöste. Einige fuhren sowieso gleich durch, andere machten lange Pause und ich hängte mich an das Hinterrad des Erstbesten der wieder das Weite suchte. Der fuhr auch gut schnell. Es war trotzdem ein Fehler, denn er fuhr nur schnell die 80er Runde. An der Abzweigung zur 120er Schleife fuhr er geradeaus und ich alleine weiter. Aber zum Glück schlossen gleich zwei Triathleten zu mir auf, einer vom RCB. Mit den beiden ging es dann weiter. Machen die Triathleten die Führungsarbeit auf ebener Strecke geht es echt schnell, am Berg und auf Pflaster musste ich dann übernehmen. Gesprächig waren die auch nicht, aber es ging doch gut und schnell durch die Felder.
Bis es plötzlich zisch machte und mein Hinterreifen platt war. Ich hatte insofern Glück, als dass ich gerade Führungsarbeit machte. Einer der beiden Anderen fragte mich dann „Alles OK?“ und ich fragte „Hast Du einen Schlauch?“, weil ich meinen bereits auf der Anfahrt verbraucht hatte. Ich konnte ihm aus dem Gesicht ablesen, dass er erstens, einen Schlauch hatte und zweitens so gar keine Lust ihn mir zu geben, aber der Ehrenkodex der Radfahrer lässt einem da recht wenig Wahl. Zumal ich ihm auch 10 Euro für seinen Schlauch gab und ihm wünschte, dass er keinen Platten haben möge als er wieder losfuhr.
Ich traf dann zwei lustige Typen die auf Tourenrädern unterwegs waren und mir ihre Pumpe borgten. Noch besser, als ich wieder anfuhr gaben Sie mir Windschatten UND stoppten durch ihre bescheuerte Fahrtweise eine andere Truppe, so dass ich mich an die dranhängen konnte. Auf diese Art und Weise kam ich dann zum zweiten Mal zum Verpflegungspunkt.
Die beiden Triathleten waren schon weg, aber auch sonst war noch viel Männlichkeit vorhanden.
Ich vermute mal, dass das irgendwas mit dem Hells Angels Logo Verbot zu tun hat.
Also fuhr ich wieder alleine los auf die letzte 155er Schleife. Das Wetter war ja immer noch gut zum Glück, kein Regen in Sicht. Alleine war ich nun recht langsam, aber bald holten mich ein Südschwede (siehe Startphoto) , ein Vegesacker und ein weiterer Teilnehmer ein und so fuhren wir zu viert weiter. Und so kamen wir zum letzten Mal an den Kontrollpunkt. Ich machte mich wieder auf den Weg, aber schon bald holten mich ein Südschwede (siehe Startphoto) , ein Vegesacker und ein weiterer Teilnehmer ein und so fuhren wir zu viert weiter. Kennen wir schon. Und täglich grüsst das Murmeltier.
Wie man sieht, alleine auf der 155er Schleife.
Aber nicht nur das, etwa 20 km vor dem Ende der RTF fing es nun richtig an zu schütten. Endlich, ich konnte mich einfach nicht an den Gedanken gewöhnen, dass ich mal eine RTF trocken fahren sollte nach den Erfahrungen beim Roten Fuchs und beim Velothon dieses Jahr. Ich wurde also richtig nass. Und während der Südschwede, der Vegesacker und noch einer erst einmal Unterschlupf an einer Lebkuchenhütte im Wald nahe der Stadtgrenze von Delmenhorst suchten, fuhr ich einfach weiter, über die Panzerstrasse bis in Delmenhorst wieder die Sonne schien und ich am Zielpunkt angekommen war. Eine sehr schöne RTF und mit An- und Abfahrt fast 195 km lang.
Am Ziel waren noch Torsten, Karin und Andreas; ich holte mir ein Brot und etwas zu trinken und wir hingen dort locker ab.
Später kam auch noch die Truppe um Philipp, die wohl dieses Mal die Seiche am Hinterrad kleben hatten.
Tolle RTF wirklich. Ich kam sogar noch getrocknet und trocken nach Hause und am Abend fing es dann wie verrückt an zu regnen. Zum Glück sass ich zu diesem Zeitpunkt wieder in Bremen, der sichersten Stadt im Universum jenseits von Betageuze.
Danke an alle die da waren. Photos werden noch nachgeliefert. Hier ist ein repräsentative Auswahl von offiziellen Photos. Wenn die Benutzung nicht OK ist bitte ich um Nachricht.
Die Jäger hetzen die Beute.
Hat so einen Feldmarschallmäßigen Schritt, ist mir gleich aufgefallen.
Bananen teilen – habe ich als Teenie auch gemacht. Banana Split. Obwohl Ahoi Brause ist besser. Aber soooo 1970.
Super: Aero in der Boxengasse – da wird keine Sekunde verschenkt!
Äh, nicht zu verwechseln mit den Armstrongs, die haben auch ein umkreistes „A“.
Schöner: Nagasawa Special
Above Bike ist einkleiner, sehr spezialisierter Radladen in Kawasaki in unmittelbarer Nähe der Brücke nach Futagotamagawa. David hat dort seinen Yamabushi Eigenbau lackieren lassen und ich fand dort einen wunderschönen Nagasawa Keirin Rahmen, als ich im April zu Besuch in Tokyo war.
Above Bike hat eine Menge Rahmen und Komponenten nach denen sich europäische Enthusiasten die Finger lecken würden, vor allem wenn es um Fixies, Keirin und NJS geht. Ganz hinten durch gibt es einen Aufbau, auf dem ca. 20 Rahmen, von Cyclo Cross bis Keirin gelagert sind und dort stach mir der metallisch-blaue Nagasawa Rahmen ins Auge: „Wow, der könnte meine Größe haben!“
Rahmen die bei japanischen Keirin Rennen benutzt werden dürfen, werden nur von einer Handvoll japanischer Rahmenbauer gefertigt die eine NJS Zulassung haben. Zu den bekanntesten Marken gehören Panasonic, Bridgestone, Samson, Nagasawa, Kalavinka, 3Rensho und Makino. Nicht alle Rahmenbauer sind noch aktiv, ab und an verliert einer auch seine Zulassung wie im Falle von Vivalo. Das Angebot wird daher eher geringer, einen guten Überblick kann man sich auf der NJS Export Website verschaffen. Da die Rahmen in der Regel für japanische Keirin Pros gefertigt werden und diese eben Japaner sind, sind die Rahmengrößen etwa zwischen 50 und 56 cm; es ist relativ schwierig einen größeren Rahmen zu finden. Der Nagasawa Rahmen bei Above Bike war 60cm – sah gut aus und ich hatte das Gefühl dass ich ihn haben sollte.
Nagasawa ist ein Ein-Mann-Betrieb in Osaka. Mr. Nagasawa, mittlerweile 66 Jahre alt, baute zum Beispiel die Rahmen für Nakano Koichi der darauf 10 aufeinander folgende Weltmeisterschaften im Sprint gewann.
Koichi Nakano mit Nagasawa Keirin Rahmen
So etwas kann also nicht wirklich schlecht sein. Leider gehörte der Nagasawa Rahmen nicht dem Laden. Er war von einem Kunden dort platziert worden der sich nicht entscheiden konnte, ob er ihn umrüsten oder verkaufen wollte. Above Bike wollte sich erkundigen, ob der Rahmen zum Verkauf steht, wenn ein unwiderstehliches Angebot kommen sollte.
Ich machte mich mit David auf dem Weg zu einem anderen Laden, C Speed, der von unserem gemeinsamen Freund Hiroshi geführt wird. Zum Glück hatte ich meinen Helm bei Above Bike vergessen und als ich zurück kam und ihn abholen wollte sagte mir die Frau des Besitzers, dass der Eigentümer einem Verkauf zugestimmt hatte, zu einem gerade noch nicht unverschämtem Preis. Ich machte eine Anzahlung, später eine weitere und den Rest übernahm die japanische Post und der deutsche Zoll. Ein paar Wochen später war der Rahmen in Bremen.
Dadurch war genug Zeit vorhanden zu überlegen wie das Teil aufgebaut werden sollte. Der allererste und naheliegendste Gedanke ist: Alles komplett NJS, am besten auch noch Gruppenrein Shimano Dura Ace oder Suntour, oder irgendetwas exotisches wie Suzue. Da die Chance den Rahmen aber intensiv zu fahren ohnehin wegen mangelnder Funktionalität und hohem „da darf nix passieren mit dem Rad“ Angstfaktor nicht gerade hoch ist, kam die zweite Alternative zum tragen: Schauen was im Keller ist, was könnte vom Design her gut passen und den Rest passend dazu kaufen.
Der Rahmen ist in einem sehr schön glänzenden blau lackiert mit sehr wenigen Beschädigungen. Neben den orangen Schriftzügen am Unterrohr sind die Muffen gelb ausgelegt. Noch viel mehr orange machte da wenig Sinn. Da ohnehin die viel zu guten Laufräder meines Bassos zum Einsatz kommen würden war das Thema in der Kombination „Schwarz/Silber“ quasi vorgegeben und so schaute ich mich nach entsprechenden Komponenten um.
Im Keller hatte ich seit einiger Zeit eine Rino Aero Kurbel mit den charakteristischem schwarz-silbernen gelöcherten Kettenblättern. Und dazu auch ein Rino Leader Sattelstütze in der passenden Größe (27,0 mm). Die gravierten Rino Logos lassen sich prima mit der Rahmenfarbe ausmalen. Das alles passt überhaupt nicht zum Thema „Keirin“ und gut zum Rad.
Am Freitag Abend war endlich alles aufgebaut, das vorläufige Endergebnis heute photographiert:
von der Seite
von seitlich vorne
von hinten
und, wer hätte das gedacht, von halbschräg-hinten unten
Ein paar Details.
San Marco Supercorsa Sattel aka „Geierschnabel“ auf rot und blau ausgelegter Rino leader Stütze über Nagasawa Muffe. Nicht NJS und trotzdem schön.
San Shunen Logo des alten Besitzers. Basiert auf einem sehr kompliziertem japanischen Witz, den ich selber nicht verstanden habe noch erklären könnte und kopiert charmant das 3Rensho Logo. Dahinter links ein Kashimax Five Star Gold Top Tube Protector. Ja, so etwas braucht man an einem Bahnrad, vor allem dann, wenn sich der Steuerkopf (Hatta Swan) fast ohne jeden Widerstand drehen lässt – das habe ich noch nirgendwo so gesehen. Wie alles von Kashimax einfach sündhaft teuer und NJS. Rechts davon ein kurzer Nitto NJS Vorbau aus dem Positivo Laden von Nagai-San. Der Vorbau ist Keirin-spezifisch kurz, denn obwohl der Rahmen eine Größe von 60 cm hat, ist das Oberrohr nur 56 cm lang – das ist klassische Keiringeometrie, klein und gedrungen.
Nitto B125 Lenker von dem blauen Basso mit orangen Track Grips.
Gelb ausgemalte Muffen, bahnradtypischer Minifreiraum zwischen Reifen und Gabelkrone. Die Reifen sind Tufo S3 Schlauchreifen, für die Bahn ginge das natürlich noch filligraner und dünner.
Ausfallenden von Nagasawa mit MKS NJS Kettenspannern. Funktioniert gut, könnte aber sein, dass ich übertrieben und zuviel Spannung auf die Kette gebracht habe.
Absolut unmöglich Bremsen anzubringen – bis auf Dia Compe Trackbremsen, dafür ist die Gabel auch vorbereitet. Aber richtig bremsen tut das auch nicht. Japanische Flagge mit Weltmeisterstreifen, in Referenz an Nakano Koichi.
Der Laufradsatz: Ticino Sheriff Stern Kopie Naben mit DT Swiss Revolution Speichen und Mavic SSC Roubaix Schlauchreifenfelgen. Wie gesagt, passt nicht zu einem Bahnrad und sieht trotzdem gut aus.
Rino Aero Kurbel, Campagnolo Kurbelschrauben und Izumi (non-NJS) Kette, alles irgendwie silber-schwarz abgestimmt. Auch die Pedalen: MKS RX-1 mit MKS Alu Haken und schwarzen Christophe Pedalriemen.
Hier noch eine Detailaufnahme von den Pedalen. Hochglanzpoliert, extrem leichtgängig und mit sehr sehr kurzer Pedalplatte vorher. Die Muttern zur Befestigung der Haken sind eigentlich annötigt, denn die Bohrungen in der Pedalplatte sind mit Gewinden versehen. Muttern mit integrierter Unterlegscheibe passen wegen der Platzverhältnisse ohnehin nicht rein.
Wie fährt sich das ganze denn nun?
Unaufgeregt schön, wäre vielleicht eine gute Umschreibung. Heute mit Bremse in die Stadt (aufregend) und ohne Bremse zurück (noch aufregender). Die Bahngeometrie fährt sich ganz normal, das Rad ist nicht nervöser, wendiger, Spurtreuer oder sonstwie anders als andere gute Stahlrahmen. Es ist nur schöner.
Und hat einen stolzen Besitzer der nun auf Sonnenschein auf Dauer in Bremen hofft.
Danke an Harald für die Photos heute. Harald hatte mich nicht nur trotz Urbancamoflage erkannt, sondern blieb auch noch stehen und machte Photos.
Upgrade durch Downgrade
In der Evolution des Aufbaus von Rädern kommt es zu einem Punkt, an dem das Rad nicht mehr fahrbar ist.
Ok, jetzt noch einmal langsam an einem Beispiel: Dieses blaue Basso habe ich letzten Winter aufgebaut. An dem Rad sind eine Menge Komponenten, die mir lieb und teuer sind. Und am teuersten dabei sind die Ticino Sheriff Stern Naben (Nach Campa Vorbild) mit eingespeichten Mavic SSC Roubaix Schlauchreifenfelgen. Das weiße Bartape und das allgemein schlechte Wetter in Bremen tun ihr übriges dazu, dass das Basso nicht bewegt wird.
Schade, denn das Rad fährt sich sehr gut. Ich weiß auch nicht warum, aber neben meinem Carbon Canyon ist es das agilste Rad, das ich besitze (und das sind einige). Man geht aus dem Sattel und beschleunigt und das Ding geht ab nach vorne wie kein zweites Rad.
Aber ich fuhr es halt nicht. Nun kommen die Laufräder an einen anderen, noch hochwertigeren Rahmen, so dass ich an das Basso einen anderen Laufradsatz montieren kann, den ich vorher an meinem Union Fixie benutzt habe. Und siehe da, ich traue mich wieder mit dem Basso raus und die Agilität hat das Teil auch nicht eingebüßt.
Downgrades können so entspannend sein.
Bremen. (Magdeburg). Berlin. Bremen. Teil I: (Magdeburg) Berlin
Der Schäferhund eines Punkmädchens leckte mit die linke Hand ab, als ich ihr mit der rechten eine Zigarette gab.
Ein prosaisches Intro (Radsportinteressierte mögen bei „Das Rennen“ weiterlesen)
Magdeburg, so werde ich Dich diesmal in Erinnerung behalten. Ich war auf dem (Um)weg nach Berlin und hatte eine Stunde Aufenhalt in der Stadt. Meine Laune war auf dem Tiefpunkt, denn ich wusste, dass ich frühstens um zehn Uhr bei meinen Freunden ankommen würde. Gerade genug Zeit um etwas zu sprechen, etwas zu essen und dann kurz zu schlafen. Um morgens um 5:30 Uhr aufzustehen und zum Velothon zu fahren; der kündigte sich bereits als verregnet an.
Der Regionalexpress RE1 hatte bereits eine Verspätung aufgrund einer „vorhergehenden Verspätung“, wie die verquere Logik der Deutschen Bahn entschuldigend feststellte. Einen Moment überlegte ich, ob ich in Magdeburg bleiben sollte. Ich könnte das Punkmädel heiraten, mir einen Schäferhund anschaffen und am Bahnhof rumlungern und Fremde nach Zigaretten fragen. Samstags dann ins Stadium und den 1. FC Magdeburg anfeuern. Nein, dann doch lieber Werder und in Berlin durch den Regen fahren.
Biederitz, Gerwisch, Möser was klingt wie eine Aufzählung ostdeutscher Schimpfworte sind die Namen von Stationen entlang der Linie RE1 an denen selten heute selten Menschen ein und aussteigen. Ich sass links, rechts ging jetzt die Sonne unter und ich schaute ihn mir quer durch den Zug an: Der Sonnenuntergang war spektakulär: dunkle, schmale Wolkenbänder im Wechsel mit roten Streifen Restsonne. Ich lächelte vor mich hin, ein Mädel dass zwischen mir und der Restsonne sass lächelte zurück.
Groß Kreutz, Golm, Potsdam, es ging nun so langsam nach Berlin herein. Berlin ist rauher als Bremen, bereits bei der Anfahrt bekommt man sukzessive einen Geschmack davon. Eine Familie steigt ein, Vater und Mutter je mit einer Flasche Bier in der Hand, die ca. 10 bis 12 jährigen Töchter noch nicht. Der Vater sagt zu ihnen. „Wenn der Schaffner kommt: Lauf!“
Berlin-Wahnsee. Raus aus dem RE, rein in die S-Bahn und dann wieder raus in West-Lichterfelde. Ich komme aus dem Zug und es regnet bereits, ein Vorgeschmack auf morgen. Kathrin, Fabian und die ganze Familie nehmen mich wie immer herzlich auf. Letztens Jahr bin ich nicht zum Velothon gefahren, so dass es nun zwei Jahre her ist, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben … oder war da irgendeine Konferenz auf Mallorca?
Es bleibt wirklich nur wenig, viel zu wenig Zeit und ich bin um Bett und schlafe gut. Am nächsten Morgen sind wir schnell fertig, fahren mit Auto und Rädern im Regen zur Lützowstrasse, dem Geheimtip zum parken für den Velothon und versuchen Herrn K anzurufen, den wir konspirativ vor der russischen Botschaft treffen wollen. Herr K will zum ersten Mal den Velothon mitfahren und übernachtet in der City in einem Hotel.
Später stellt sich heraus, dass neben Herrn K noch viele weitere Teilnehmer am Velothon im Hotel übernachtet haben. Am Morgen stehen sie in der Lobby und schauen aus dem Fenster. Schnell machen dramatische Nachrichten die Runde: Der Velothon soll vielleicht abgesagt werden, die Kopfsteinpflaster sind glatt wie Schmierseife, immer wieder ist es in der Vergangenheit zu schrecklichsten Stürzen im Regen gekommen und am besten sollte man dann auch nicht teilnehmen. Man unterschätze nie die Stimmung der Masse. Nach einiger Zeit kommt Herr K, wie viele andere zu der Erkenntnis, dass es besser ist jetzt erst einmal in Ruhe Kaffee zu trinken, lang aufgeschobene Emailkorrespondenz zu erledigen und dann nach Hause zu fahren. Oder nach Magdeburg um einen Schäferhund zu heiraten.
Das gibt uns noch eine Stunde Zeit im Auto mit Standheizung über unser Schicksal zu hadern. wir haben aber einfach nicht genug Masse und fahren durch den Regen zum Start. Als wir da ankommen bin zumindest ich schon total nass. Fabian hat zumindest Überzieher über den Radschuhen, so dass seine Füsse zunächst trocken bleiben.
Das Rennen (diesmal die 60km Runde)
Das ist meine dritte Teilnahme am Velothon nach 2010 (120 km flott mit dem Rennrad), 2011 (120 km mit Unfall) und 2012 (120km mit dem Fixie). Diesmal und nach der RTF am Vortage nur 60 km.
Ich war für Startblock G gemeldet, denn ich hatte mich sehr spät angemeldet und alle schludrigen Teilnehmer kommen eben in den letzten Startblock. Fabian war in Startblock B, was nicht bedeutet, dass es sich bereits 1984 angemeldet hat. Die Startblocks A bis F werden nach Vorjahresdurchschnittsgeschwindigkeit bzw. eigener Eigen- oder Selbstüberschätzung vergeben. Für Startblock B reicht im Regelfall die Angabe „Schallgeschwindigkeit“. Nun starten die Startblocks aber im Abstand von 3 bis 5 Minuten, in jedem Block sind etwa 1.000 Teilnehmer. Ich hatte nun gar keine Lust weitere 20 Minuten im Regen zu warten und so fuschte ich mich mit einem freundlichen Lächeln neben Fabian in den Block B, meine Startnummer war ohnehin unter der Regenjacke unsichtbar. Ich hätte auch ganz ohne Meldung fahren können. All dies würde dann vermutlich zu einer Disqualifikation führen, aber das war mir auch egal, ich kam ja nicht zum Gewinnen nach Berlin. da hätte ich wohl alleine kommen müssen.
Fabian und ich sprachen uns ab, dass wir das alles ruhig und, den Umständen entsprechend, locker angehen. Und als der Startschuss dann fiel fuhr ich auch locker mit dem B Block mit. dann allerdings wurde ich von hinten überholt. Und ich weiß nicht warum, aber ich mag das nicht. Das reizt mich, vor allem dann wenn es Menschen sind die weniger sportlich aussehen als ich oder mein Rad. Ich muss dann einfach mir und so hängte ich mich an den nächsten Zug dran. Und dann wieder an den nächsten und bald war ich schon wieder im gewohnten Velothon Tempo. Das war aber diesmal etwas langsamer als sonst. Und alle fuhren sehr vorsichtig, das kannte ich so auch nicht vom Velothon. Ich vermute, dass dies auch etwa mit der Vorauswahl durch den regen zu tun hat: Die nicht so guten Fahrer bleiben ohnehin im Hotel, die besseren ließen sich durch das Wetter nicht abschrecken.
Später habe ich einmal den Müller und den Schmidt Test gemacht: Man gebe auf der Website des Velothons in den Ergebnislisten für 60km, „Müller“ ein: 61 Müller waren gemeldet, 24 davon sind nicht gestartet. Und bei den Schmidts? 49 gemeldet, 17 nicht gefahren. Also ich denke überschläglich kann man schon feststellen, dass ein Drittel der Teilnehmer des 60 km Rennens gar nicht am Start erschienen ist.
Und so kam ich ganz gut durch das Feld nach vorne, denn viele Müllers und Schmidts waren ja gar nicht da, um mir den Weg zu versperren. Und eigentlich machte es jetzt, wo man nicht mehr in der Kälte bibbern musste, auch Spaß. Berlins Strassen sind nicht die besten, teilweise hatte ich das Gefühl durch einen Fluß zu fahren auf deren Grund sich Walrösser oder Alfred hätte verstecken können, ohne dass man den Schnäuzer an der Oberfläche sieht. Das machte nun richtig Spaß, die Pfützen bremsten ein wenig das Tempo und rechts und links spritzte das Wasser.
Als wir in den Grünewald kamen waren wir immer noch eine recht große Gruppe von vielleicht 70 Fahrern. Nun kamen hie ein paar Anstiege und das führte dazu, dass immer mehr Fahrer hinten aus dem Feld rausfielen. Ich hatte wenig Mühe in der Gruppe zu bleiben und auch wenig Ambition daraus auszureissen. Die Gruppen vor uns waren einfach zu weit weg und wir überholten ohnehin schon die eine oder andere Truppe aus dem Startblock A der 3 Minuten vor uns gestartet war.
Es passierte dann herzlich wenig. Ein paar Positionskämpfe im Feld, sehr vorsichtiges Fahren in den Kurven und absolut keine Stürze. Der sicherste Velothon bislang. bald waren wir auch wieder in der Stadt Berlin und zwei Fahrer aus dem C Feld zogen an uns vorbei. Ich hängte mich an die dran und das brachte mich zur Spitze unserer Gruppe. Dort hingen die aber dann auch erst einmal fest und es ging nicht weiter, also machte ich keine Anstalten da jetzt Führungsarbeit zu übernehmen. Zumal mir die RTF vom Vortag auch noch in den Knochen sass und ich das so langsam immer mehr spürte.
Einfahrt auf den Flughafen Tempelhof. Hier ist es immer windig, deshalb muss man besonders konzentriert fahren und darf nicht hinter der Gruppe bleiben. Das klappte sehr gut, aber die Gruppe zerriss es fast komplett, aus der ehemaligen Grünewaldgruppe von 70 Fahrern waren jetzt vielleicht noch zehn übrig, ein paar andere hatte sich dann noch beim überholen angeschlossen.
Noch ein wenig durch die Stadt und dann ging es schon auf die Zielgerade. Das man jetzt beim Velothon weder durch das Brandenburger startet, noch am Ende dort durchfährt ist schade. die Zielgrade ist trotzdem schön. Fast kein Publikum da, wie überhaupt diesmal am Straßenrand. Noch nicht einmal Peter Fox vor Bio Lüske.
Ich habe noch ein paar Energiereserven, hänge ich an die ran die nach vorne am Feld vorbei ziehen und 200 Meter vor dem Ziel ziehe ich den Endspurt an. Das klappt richtig gut und ich komme ganz vorne in unserem Feld an. Lohn der Mühe. Disqualifikation.
Aber: Dankeswerterweise gibt der Veranstalter trotzdem die Durchschnittsgeschwindigkeit an:36,33km/h. Damit kann man sich ja selber klassifizieren: Das hätte gereicht für Platz 164 der Gesamtwertung Männer oder sogar zweiter Platz bei den Frauen. Cool, nächstes Jahr lass ich mir einen Bart wachsen und starte als Michi Wurst. Und in meiner Altersklasse wäre es sogar der 20. Platz geworden. Das ist schon cool so alt zu sein, wäre ich zwei Jahre jünger, wäre ich nur 53. in meiner Altersklasse geworden. Aber all dies ist ja nur theoretisch, denn ich wurde ja disqualifiziert.
Fabian kam ebenfalls gut durch und wir waren beide froh wieder im Auto zu sitzen und auf dem Weg zu einer Dusche und einem Bett zu sein. Danach haben wir dann, sehr zu unserem Erstauen erst einmal Monopoly gespielt, bevor wir beim Japaner essen gegangen sind und uns DANN hingelegt haben.
Einen Höhepunkt des Berlin Aufenthalts gab es dann nach dem Aufstehen, als wir bei der unvergleichlichen Christine (zweite von links, ganz rechts Kongo Bob) zum Kaffee eingeladen waren.
Abends kam dann auch wieder die Sonne raus. Berlin war wieder einmal Klasse, was insbesondere an Kathrin, Fabian und den Kindern lag. Danke für dieses Superwochenende und bis bald in Bremen, Mallorca, Hamburg oder Diemitz.
(to be continued)
PS Es gibt keine Bilder in diesem Post.
Bremen. (Magdeburg). Berlin. Bremen. Teil I: Bremen (Magdeburg)
Dies ist kein Bericht über ein ca. 750 km langes Randonneurrennen.
Bremen an einem Samstagmorgen. Das Wetter ist so la la gut und das alljährliche Heimatrennen des RSC Rot-Alt-Gold steht da: Die Bremer RTF bzw. der Bremer Radmarathon. Heute ist meine dritte Teilnahme nach 2010 (Marathon mit dem Cervelo und Streckenrekord von 261 km), 2011 (Marathon, Bemerkungslos) und 2012 (Marathon mit dem Fixie). Was war 2013? Irgendwie konnte ich da nicht. Aber dieses Jahr wollte ich unbedingt wieder fahren.
Da ich am Nachmittag mit dem Zug weiter nach Berlin wollte hatte ich mich entschieden nur die 120km Strecke in Angriff zu nehmen und zusätzlich mit den Marathonfahrern bereits um 9 Uhr zu starten, während der Rest des Feldes erst ab 10:00 Uhr auf die Piste ging. Deutsche RTFs sind prima, hinfahren, anmelden, Startnummer, Sicherheitsnadeln die mit Sicherheit aus dem 20. Jahrhundert stammen in Empfang nehmen und raus an den Start. Kein Risiko von hohen Startgebühren gepaart mit schlechtem Wetter.
Es waren einige Teilnehmer da, aber nach meinem Gefühl auch nicht mehr als 2012. Einige hatten sich für die ganz lange Distanz angemeldet: Bremen – Quaanaaq – Bremen. Jedenfalls waren deren Räder so ausgerüstet.
Da war’s noch nebelig. Da dieses Rad allerdings mit Bodenradar und Funkleitsystem ausgerüstet ist, kann man damit auch bei völliger Dunkelheit und ohne Brille mit 145 m/h durch Gröpelingen fahren.
Eigentlich nur dann und so.
Am Start traf ich Don Seba der auch recht gut trainiert aussah. Dies so erklärte er mir hatte vor allem mit dem Umstand des Wechsel des Arbeitsplatzes (im Einzelhandel), aber nicht des Arbeitsortes (Gröpelingen)zu tun hat. Und dann stieß, zu meiner großen Freunde auch noch Kaipi zu uns. Wir waren jetzt ein echt starkes Quartett! Eine Sache gab mir allerdings doch zu denken: Kaipi hatte die Startnummer 444! Vier wird im japanischen „shi“ ausgesprochen (四) und somit die selbe Aussprache wie „shi“ (ist ja klar), was aber leider nun einmal sterben (死) bedeutet. Dreimal vier wäre dann nich 12 sondern entsprechend „tausend Tode sterben“. Von solchen Teilnehmern sollte man sich eigentlich fernhalten. Ich hoffe Kaipi hat es auch überlebt, denn seit Samstag hatte ich keine Kontakt mehr zu ihm.
Bei der Anmeldung war das Minarett der großen bremischen Akademikermoschee Bremia Sophia am Start noch in Nebel getauscht; beim Start hob sich nun schon die Spitze gegen den grauen Himmel an und außen krabbelte wie ein kleines Insekt der studentische Mitarbeiter an einem alten Tau hoch, um die Gläubigen des Technologieparkes zum Morgensabbatical zu rufen.
Wie gesagt, das Minarett (links oben) war noch nicht ganz sichtbar. Don Seba (ebenfalls links, aber bunter) schon.
Und schon ging es los. Kaipi war übrigens mit einem Freund da, den ich bislang auch jedes Mal beim Radmarathon getroffen hatte. Wir fangen dann immer in der Mitte der RTF an zu reden und dann stellen wir (bislang dreimal) fest, dass wir beiden lange in Japan gearbeitet haben. Ich als Manager, er im Zoo glaube ich. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, wo man mit so einem Schnauzer sonst arbeiten könnte.

Kaipi’s Freund aus Peterswerder (durch Statisten nachgestellt).
Egal auch, wir treffen uns ja bestimmt 2014 wieder (und vermutlich bekomme ich dann eins auf die Schnauze).
Kaipi erzählte mir noch am Start, dass er bald zum Urlaub nach Barcelona fliegt, dann drei Wochen in und um die Pyrenäen fährt und dann vielleicht auch noch, wo er eh dabei ist, dann gleich zurück nach Bremen. Während wir uns so unterhielten, wurde der Start freigegeben und es ging in recht gemütlichem Tempo Richtung Platzhirsch, dem ersten Etappenziel. Hier konnte aussteigen und sich ausruhen, wer nun überfordert war. Nach dem Platzhirsch beginnt sofort eine extrem fiese Steigung die kein Mensch in normalem Tempo hochfahren kann. Und als wir oben auf dem Scheitel waren sahen wir, dass sich das Feld bereits recht lang auseinandergezogen hatte. Kaipi und ich beschlossen von unserer Gruppe auf die nächste aufzuschliessen. Ein weiterer Fahrer hatte die gleiche Idee und preschte voran, wir hinterher. Die Distanz war allerdings recht lang und unser unvermittelter Helfer war auch schneller ausgepowert als eine Silvesterrakte vom Baumarkt. Zum Glück sprang dann gleich Kaipi als zweiter ein, der etwa eine Ausdauer hat wie Voyager One. Mit seiner Hilfe schafften wir es fast bis auf die Gruppe (wir heisst nun nur noch Kaipi und ich) und das letzte Stück musste ich noch ziehen. Es half aber, das wir da schon am Kuhsiel waren und in die Kurve mussten – ich hatte aber auch richtig Körner gelassen.
Nun ging es weiter auf dem Deich und irgendwann kommt man dann zur Kreuzung mit der Borgfelder Heerstrasse. die Ampel ist dort immer auf Rot. Man wartet dann an der Strasse und bekommt relativ mißlaunig mit, dass nun von hinten die stehengelassene Gruppe wieder aufschliesst und der ganze vorherige Aufwand umsonst war. Diesmal aber nicht, wir kamen recht schnell rüber und so ging es nun weiter Richtung Wilstedt ud Zeven. Wir waren eine gute Truppe, vielleicht ca. 30 Fahrer, wechselten uns an der Spitze ab und machten so 35 – 40 km/h Tempo. Beim ersten Verpflegungspunkt in Neubühlstedt nach ca 35 km fuhren einige durch, aber wir pausierten kurz und waren immer noch genug für ein schnelles Tempo. In meiner Strategie für den Tag hatte ich allerdings nicht bedacht, dass meine 120 km Runde bereits nach 45 km von der Marathonstrecke abzweigt. Ich rief noch mal „Kaipi“, der hörte nichts und dann bog ich ab. Die nächsten Kilometer waren von Einsamkeit geprägt. Kein anderer Fahrer war auf meiner Strecke und ich machte mich so im 30er Tempo auf den langen Weg nach Hause. So ein Mist, daran hatte ich bei meiner Vorbereitung einfach nicht gedacht.
Dazu kam, dass die nächste Kontrollstelle in Hetzwege nach ca 90 km noch gar nicht besetzt war, da ich ja mit gutem Tempo eine Stunde vor dem eigentlichen 120er Rundenstart losgefahren war. Ich ging so langsam auf dem Zahnfleisch und die letzte Verpflegung war nun auch weg.
Kurz danach kamen die Strecken der 81er und der 120er Runde zusammen. So schnell, dass ich die 39 zusätzlichen Kilometer innerhalb einer Stunde zurückgelegt hätte, war ich nun auch nicht und so fan dich mich auf einmal vor einer größeren Gruppe mit TCB Trikots wieder. da ich mich noch gut fühlte, fuhr ich vor der Truppe bis zum nächsten Kontrollpunkt in Otterstedt vor. Eine Taktik die ich ein paar Tage später wiederholen sollte und die a) wahnsinnig motivierend und b) wahnsinnig anstrengend ist.
In Ottersberg traf ich dann Niels, Harald, Gerhard und diese beiden Mädels die ich auch immer sehe … wow, das fand ich nun richtig gut. das ist eben das schöne an dem Heimatrennen, man sieht so viele bekannte Gesichter. aber auch nur dann wenn man sozusagen Urbremer ist. dafür reichen übrigens vier Jahre. In Hamburg braucht man sogar fünf!
Nun wollten wir ja eigentlich gemeinsam zum Ziel radeln; ich fuhr an der Spitze mit Gerhard und Jan? und auf einmal waren wir nur noch zu dritt. Die beiden wollten auf die anderen warten, ich wollte zum Zug nach Berlin und so setze ich mich ab bis ich nach Borgfeld reinkam. Dann überholte mich Harald von hinten mit 40 Sachen und forderte mich auf mich an ihn zu hängen. Das habe ich dann auch gemacht, bis ich ihn an der besagten Ampel an de Borgfelder Heerstrasse in eine Konversation verwickeln konnte und wir nun dem Ziel entgegentuckelten. Harald erzählte mir von seinem Krankenhausaufenthalt auf Malle – nicht so schön. Um ihn aufzuheitern erzählte ich von einem Bewerber an unserer Hochschule, der auf meine Frage, in welchen Ländern der Welt er schon war u.a. antwortete:
„Auf Spanien!“
„Auf welchem Spanien waren Sie denn?“
„Ich war schon auf beiden Spanien: Mallorca und Ibizza!“
Und dann waren wir auch schon im Ziel, 122 km in etwa 3:45 h ist ja auch ganz OK, vor allem wenn mehr als die Hälfte davon solo war. Und so hatte ich ein wenig Zeit mich hinzusetzen und zu quatschen und Harald ein Stück Kuchen zu kaufen, damit er wieder bessere Laune bekam und sich des Lebens freute. Zum dank machte er dieses Photo von mir, das aussieht, als wenn ich schlechte Laune hätte und nicht er!
Am Ziel waren wieder ein ganzer Haufen Leute die ich kannte, u.a. Hannes mit Freund Eddi (der könnte übrigens der Zwillingsbruder sein von meinem Studienfreund Ekki). Na ja, vielleicht wie ich Ekki in Erinnerung habe, bevor er geo-thermisch wurde. Bernd, mit dem ich bis 2011 bei RCB gefahren bin war auch da. Die Marathonfahrer waren da noch auf der Strecke, das sollte noch mindestens eineinhalb Stunden dauern bevor die eintrafen.
Hannes ist der Schwarm aller Frauen, da er seine Startnummer nicht mit Sicherheitsnadeln an seinem Trikot befestigt, sondern mit kleinen, runden Magneten von denen einer unter dem Trikot und einer außen über Startnummer und Trikot platziert wird. Das erregt garantiert die Aufmerksamkeit des weiblichen Geschlechts und führt mit an Langweiligkeit grenzender Sicherheit dazu, dass man von Blondinen mittleren Alters angesprochen wird.
Wir konnten aber nun nicht länger warten. Ab nach Hause, duschen Zeuch packen und auf dem Rad zum Bahnhof. Ich wollte um 20:00 Uhr bei meinen Freunden in Berlin sein, früh ins Bett geben und dann morgen ausgeruht beim Velothon starten. Mieses Wetter hatte sich ohnehin in der Zwischenzeit angekündigt, aber anders als bei einer RTF hatte ich bereits eine Menge Geld in Form von Startgebühren und Zugkosten vorab bezahlt.
Zunächst stand ist auf dem falschen Bahnssteig, denn mein IC nach Hannover wurde kurzfristig auf einen anderen verlegt. Der IC kam sogar pünktlich, fuhr aber dann mit 20 Minuten Verspätung los. Das bedeutet sofort, das ich meinen Anschluss in Hannover nicht bekommen würde; nach meinem IC fuhren nur noch ICEs von Hannover nach Berlin an diesem Tag. Was tun? „Bleiben Sie einfach sitzen und fahren Sie nach Magdeburg.“ sagte die Schaffnerin, und nehmen Sie dann einen Regionalzug nach Berlin.
Und so kam ich um 19:12 in Magdeburg an. Der Regionalzug nach Berlin, d.h. eigentlich nach Frankfurt an der Oder, war gerade weg (19:08) da der IC immer noch zu spät war und ich musste eine Stunde in Magdeburg auf den nächsten Zug warten. In Magdeburg, Zunächst einmal wurde ich auf Zigaretten angeschnorrt. Dann kam der Regionalzug noch einmal zehn Minuten später.
Das ist aber auch immer noch alles besser als mein letzter Besuch in Magdeburg. Das war am 18. Januar 2007, als ich eine Vorlesung an der Uni Magdeburg mit dem Orkan Kyrill teilte. Ich kam gerade noch mit dem letzten IC aus Magdeburg raus bevor der Zugverkehr eingestellt wurde. Mitten in de Dunkelheit, irgendwo bei Helmstedt blieb der Zug dann stehen. Da war es schon klar, dass er ohnehin nur bis Braunschweig fahren würde und nicht weiter bis nach Hannover.
Es passierte das, was immer passiert wenn Züge der DB unvermittelt anhalten:
Nichts.
Nach einer halben Stunde gab es dann endlich eine Durchsage:
„Durch den Orkan sind Bäume auf die Strecke gefallen. Wir warten nun auf die Feuerwehr, damit diese enternt werden.“
Danach wieder:
Nichts.
Allerdings begann sich nach relativ kurzer Zeit der Zug wieder zu bewegen. Um dann abrupt wieder anzuhalten.
Erneute Durchsage:
„Wir bitten den Reisenden mit der Motorsäge noch einmal zur Spitze des Zuges zu kommen.“
Und so schaffte ich es an diesem Tag, dank dem Reisenden mit der Motorsäge noch nach Braunschweig. Aber jetzt sass ich erst einmal in Magddeburg (to be continued).

Ready to ride: MTB Vicini Pollock No. 8
Das nächstbeste Vater einer Tochter zu sein ist, der Tochter ein Rad zu bauen.
Räder für Söhne zu bauen ist auch nicht schlecht, Vater eines Sohnes zu sein an sich auch nicht. Mein Sohn hat fast aufgehört zu wachsen, besitzt bereits ein sehr schönes Chesini und wenn er, wie vor zwei Jahren nicht wieder einen Unfall baut, bei dem ein ganzes Rad zu Schrott wird, so dürfte er erst einmal versorgt sein. Hält das Chesini, so sind seine radtechnischen Ansprüche bis in das hohe Alter hinein abgedeckt.
Meine Tochter hingegen fährt ein ebenfalls sehr, sehr schönes Giant Alurad mit 24er Laufrädern, das sie von ihrem großen Bruder geerbt hat und nun langsam zu klein wird. Außerdem ist es nicht „Prinzessinhaft“ genug Ich hatte mal versucht das ganze mit rosa Oury Griffen aufzupeppen, was immerhin ein „süss“ als Reaktion hervorrief, aber eben nicht von nachhaltigem Erfolg war. Ein neues Rad musste also her.
Die Basis dazu wurde ein auf Ebay sehr billig erstandener alter Vicini MTB Rahmen. Ja, Vicini, eine alte Liebe, seitdem ich die Marke zum ersten Mal in Ravenna gesehen hatte. An dem Rahmen sind zwei Dinge besonders auf den ersten Blick: Die sehr gewöhnungsbedürftige Lackierung im Stile eines Jackson Pollock Gemäldes. Und die hochgelegten Kettenstreben, die beim Betrachter den Eindruck unglaublicher Offroadfähigkeiten implizieren.
Daneben gibt es eine Menge Kleinigkeiten, die dem Betrachter nicht gleich auffallen und ein heftiges Nachdenken beim Zusammenbauen erfordern. Hier ist vorne ein 1 1/4 Steuersatz verbaut, den man am besten schön und vorsichtig reinigt und wieder ans laufen bekommt, denn neue Steuersätze sind rar und tauer, genauso verhält es sich mit annehmbaren, passenden Vorbauten. Man braucht zum Einbau auch größere Maulschlüssel als für einen 1 Zoll Steuersatz.
Schon mal etwas von U-brakes gehört? Das sind Bremsen für Rahmen mit Aufnahmepunkten, die oberhalb der Felge liegen. Im Gegensatz zu V-brakes oder Cantilever Brakes, wo die Aufnahmepunkte höher als die Felge sind. Ich hatte ein Vicini aus dieser kurzen Epoche der U-Brake Renaissance erwischt – zum Glück war die Original Shimano Bremse beim Kauf dabei und zum weiteren Glück funktionierte auch alles. Die Zugführung um das Sattelrohr ist sehr … italienisch.
Das Tretlager war ITA Standard, zu noch größerem Glück bekam ich das aus dem Rahmen heraus, denn das alte war eingelaufen und nicht mehr zu benutzen. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, das Rad mit Alfine Getriebnabe und Gates Carbon Drive auszustatten. DAs geht bei diesem Rahmen, weil die „Kette“ nicht durch das Dreieck aus Kettenstrebe, Sattelstrebe und Sattelrohr geführt werden muss. Aber wie kann man den Gates Drive spannen, wenn die Ausfallenden extrem kurz sind? Dafür gibt es den Trickstuff Excenter, also ein Exzenter im Tretlager, mit dem man die Position der Tretlagerachse verändern, und somit Spannung aufbringen kann. Die guten Leute von Trickstuff führen das allerdings nur für BSA Lager, und somit war dieser Traum schnell ausgeträumt. Und viel Geld hätte er natürlich auch gekostet.
Und was für Breiten haben eigentlich die Ausfallenden? Und was für einen Innenrohrdurchmesser das Sattelrohr – ui, deutlich über 27,2mm, ist also vermutlich aus Columbus SSSSSLXXXX Geröhr.
Am Vorbau gibt es eine sehr schöne und aufwändige Konstruktion für die Bremszugführung von Cantileverbremsen. Da an das Rad aber später vorne ein Licht dran soll und der Bremszug hier stören würde, habe ich mich für simple V-Brakes entschieden.
Fragen über Fragen, es gab also viel neues zu lernen. Und da bei anderen Projekten viele ähnliche Fragen zunächst falsch oder nur teilweise richtig beantwortet wurden, ist der Keller voll von Zeuch, das nicht verbaut werden konnte. Vieles von dem konnte ich nun hier benutzen: Die schicken lila Bremsgriffe, die ich für einen Euro mal auf Ebay erstanden hatte. Die Union Fröndenberg Colani 635 Pedale die, aus Gründen die mir nicht völlig klar sind, und keines meiner anderen Räder passen und, die ich mir, aus Gründen die mir völlig unklar sind, aber trotzdem gekauft habe. Oder diese alte Klingel..oder der schicke San Marco Sattel der nur leider und überraschenderweise in rosa war als er nach dem Kauf bei mir ankam.
Trotzdem, es bleibt dann immer noch eine Menge zu kaufen; auch wenn es kein zu anspruchsvolles Projekt sein sollte, Teile kosten Geld, und ein neuer Laufradsatz mit Reifen, Kassette, Felgenbänder, Schläuchen und Reifen der einigermaßen etwas taugt kostet auch schon mehr als 100 Euro.
Hier das Ergebnis:
Damit kann man auch über ehemals beste Freundinnen fahren….
...und nervige Jungs aus dem Weg räumen.
Sieben Gänge reichen für Bremen. Vorne moderne Indexschalthebel von Shimano – klappt prima. Hiten war eigentlich ein SRAM X3 Schaltwerk vorgesehen. Das hat diesen klobigen, brutalen Delrin (=Plastik) Look, der die Geländegängigkeit visuell eindrucksvoll unterstreicht. Läuft aber leider nicht mit Siebenfachindexierung. Also weg damit und in der Kiste gekramt, was ist noch an Schaltwerken da? Campa Super Record? Ich liebe meine Tochter, aber das wäre too much. Dura Ace 7401? Suntour VX? Shimano Golden Arrow? OK, mein heimliches Lieblingsschaltwerk: Suntour Cyclone Mark II. Leicht, schön und schaltet prima. Und liegt mir am Herzen wie meine Tochter.
Kein Rad ohne Anhänger. Hier Shizuka-Chan von Doraemon.
Vorne nur ein Zahnkranz, davor ein Kettenschutz.
Notfalls gibt es auch noch Ösen zur Aufnahme von Schutzblechen an der Gabel und am Hinterbau. Dort sind nun Spezialschrauben zur Aufnahme eines Gepäckträgers vorhanden. Dieser ist abnehmbar und wird an den Schrauben und mit einer Klemme an der Sattelstütze fixiert (Pletscher Quick Rack 4B). Dort kommt dann ein Korb mit Blümchen drauf oder so. Aber man kann die Prinzessinnenattitüde auch mal zuhause im Stall lassen und mit dem MTB die Sau rauslassen.
Noch zu verbessern: Kette muss gekürzt werden. Ach ja, und Sattelstütze muss auch gekürzt werden, damit meine Tochter überhaupt auf das Rad passt. So Nebensächlichkeiten halt. Vorne kommt dann irgendwann noch ein Nabendynamo in das Laufrad und dann hat sie ein Rad für’s Leben.
Obwohl, so wie ich meine Tochter einschätze, bekommt sie dies auch innerhalb von Jahresfrist klein.
Übrigens: verkaufe Giant 24 Zoll Kinderrrennrad. Interesse?
Eingeordnet unter 2014, Mob, Vicini Pollack No. 8
Vicini Pollack No. 8 in the making
Seit einiger Zeit steht ein alter Vicini MTB Rahmen bei mir herum, aus dem ich ein neues Rad für meine Tochter bauen möchte. Zurück aus Japan hatte ich mir einige Gedanken zum Aufbau gemacht und bin dann shoppen gegangen. Soweit ist der Aufbau erst einmal fertig, bis auf die Laufräder, die Rose nur mit Verspätung liefern kann. Das ist extrem ärgerlich, weil ich nach Hause kam, nachdem ich die DHL Benachrichtigung bekam und dachte ich könnte mich nun in aller Ruhe dem Zusammenbau widmen. Das Rose Paket war auch so klein … „Laufräder werden portofrei nachgeliefert.“. Kein Vorwurf an Rose, das kann halt schon mal dauern und ich bin sehr zufrieden mit den Produkten und dem Service aus Bocholt. Aber eine Mitteilung vorab wäre schon besser gewesen.
Es kommen eine Menge Komponenten aus den Teilekisten im Keller zum Einsatz. Die lila eloxierten Bremshebel zum Beispiel liegen bereits seit einer Ewigkeit bei mir rum. Die Oury Griffe ebenfalls, nur die Schaltung ist neu. 7-Gang indexiert Shimano, das reicht für Bremen.
San Marco Sattel mit erstaunlich passender Farbe. FSA Sattelstütze aus dem Unfall-Giant meines Sohnes. Shizuka-Chan von Doraemon.
Kurbel mit Kettenschutz, aber nur außen. Union Pedale von Colani mit Reflektoren. Dazu dann breite Cruiser Reifen für durch dick und dünn.
Unten bleibt alles simpel, um der besonderen Charakteristik des Rahmens, den hochgelegten Kettenstreben, besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn Rose, wie angekündigt, nächste Woche liefert dann mehr.
Eingeordnet unter 2014, Gierige Räder, Mob, Vicini Pollack No. 8
NJS
Bei meinem Besuch in Japan habe ich mir recht spontan und ohne groß zu zögern einen blauen Nagasawa Keirin Rahmen gekauft.
Sieht etwa so aus:
Seltene Gelegenheit, denn der Rahmen hat eine Größe von 60 cm und so etwas findet man recht schwer. Der Rahmen ist nun gerade mit der Post unterwegs nach Bremen und ich hoffe, dass er ohne größere finanzielle Blessuren durch den Zoll kommt. Da bleibt Zeit zu überlegen, was ich mit ihm machen werde. Zum fahren ist der leider zu schade, also kommt in erster Linie ein kompletter NJS genehmigter Aufbau in Frage und dann kommt es an die Wand im Wohnzimmer.
Ein Teil ist bereits da.
NJS Jaguar Vorbau, 80 mm kurz, passt gut zu dem sehr kurzen Oberrohr von 55 cm Länge. Konsequenterweise müssen dann Lenker und Sattelstütze auch von Nitto sein. Steuersatz und Tretlager sind bereits eingebaut von Tange; Sattel dann von Kashimax, Kurbel von Shimano, Kette von Izumi, Pedale und Spanner von MKS, Naben von Shimano oder Suntour, Felgen von Arraya, Reifen von Soyo … der Rest darf auch nicht japanisch werden.
Eingeordnet unter 2014, Gierige Räder, Mob




























































































































































