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Die unerträgliche Gemütlichkeit eines Dienstagsabends

Zu den unerklärlichen Phänomenen des Alltags, die sich mit der klassischen Physik nicht erklären lassen, gehören alte Omas die mit einer Geschwindigkeit auf Hollandrädern fahren, bei denen sie eigentlich umkippen müßten. Zentrifugalkräfte, Massenträgkeit und Corioliskraft haben schon mal Tschüss gesagt und sind einen trinken gegangen. Trotzdem kippen die Omas mit ihren Kisten nicht um und bewegen sich im Babykrabbeltempo durch die Straßen. Ungefähr diese Art der Fortbewegung schwebte mir vor, als zu einer gemütlichen Ausfahrt am Dienstag Abend eingeladen wurde.

An der Bank (also, daß ich nicht die gute Bank an der Wehrstrasse, sondern die andere Bank am Haus am Walde warteten schon eine Menge Mitfahrer als ich endlich ankam. Ich hatte mich extra schicke gemacht mit „Negativ-Weltmeistertrikot“, da es ja gemütlich werden sollte und da zählt ja wohl Stil. Zum Circletraining zieht man ja auch keinen Frack an. Außerdem kam ich auf meinem Union Fixie (es sollte ja gemütlich werden) und hatte zusätzliche Ballast am Oberrohr befestigt (15er Schlüssel für das Hinterrad, Bleiakku für die Vordersonne, Stahlpumpe). Es waren jede Menge Bianchis, Olmos, Colnagnos und Cervelos da und seit langem auch wieder das rote Olmo von Gerhard, das meine immer noch akute Olmoitis initierte. Es gab viele hallos und hey, lange nicht gesehen, kurz es war schon sehr gemütlich aber irgendjemand kam auf die uncoole Idee jetzt doch mal loszufahren. Schon auf dem Weg zum Platzhirsch fuhren wir mit über 30 durch die Gegend (Grundlagen-Ausdauer Bereich 1; GA1). Jochen versuchte uns dann alle loszuwerden in dem er die Straße vor dem Platzhirsch querte und „frei“ rief, wohl sehend, dass die größte Autokarawanne seit dem legendären Sommerferienstau auf der A2 im Juli 2008 in beiden Richtungen auf uns zuraste. Wir überlebten.

Die erste Bergprüfung über die Autobahn wurde dann schon mit vollem Tempo gefahren. Ich hing nur noch irgendwie an meinem Fixie und hoffte, daß ich irgendwie durchhalten möge. Zwar fing ich jede Menge Unterhaltungen mit meinen Mitfahrern an, aber nur in dem verzweifelten Bemühen sie durch mein Gequatsche davon abzubringen schnell zu fahren. Aber einen Trumpf hatte ich noch in der Tasche: Ich drückte meinen geheimen Schleckomatic Knopf der einen beliebigen Defekt an meinem Rad auslöst und zupp ging die Luft aus dem Vorderreifen und wir mußten alle eine Pause einlegen damit ich das reparieren konnte. Blöh lieh mir freundlicherweise eine Druckluftkartusche, mit der ich aber nicht den Reifen aufpumpte, sondern die ich mir direkt in die Lunge pustete, um wieder zu Atem zu kommen.

Dann reparierte ich das Rad.

Es ging weiter durch Wiesen und Wälder.

Jetzt wo ich auf der Couch liege, ein Becks in der einen, ein Blutdruckmesser in der anderen Hand, kommt langsam die Erinnerung wieder. In meiner Jugend schaute ich auf eine Fernsehserie namens „Time Tunnel“. Eine Gruppe von Wissenschaftler reist durch die Zeit und stellt allerlei Unfug mit bekannten Persönlichkeiten an (Heute würde man so etwas vermutlich ein Bildungsprogramm nennen). Wenn Sie so durch die Zeit reisten, dann fielen sie so eine endlose drehende Spirale lang und genauso kommt mir in der Erinnerung der Teil der gemütlichen Runde bei Sagehorn vor. „Hey, Du hast denselben Tacho wie ich!“ – ein blondes Mädchen taucht neben mir auf und verschwindet wieder im schwarz-weiß der Spirale. „Trobbing Gristle – Die tödliche Doris – Einstürzende Neubauten“, sind das Worte die ich gehört habe und war es der Soundtrack der Geschwindigkeit? Sven rast an mir vorbei und murmelt monoton vor sich hin:

Ich bin dieses Jahr noch keine 100km radgefahren. Ich bin dieses Jahr noch keine 100km radgefahren. Ich bin dieses Jahr noch keine 100km radgefahren. Aber 1.000 km geschwommen. Ich bin dieses Jahr noch keine 100km radgefahren. Ich bin dieses Jahr noch keine 100km radgefahren. Ich bin dieses Jahr noch keine 100km radgefahren. Aber 1.000 km geschwommen. Ich bin dieses Jahr noch keine 100km radgefahren. Ich bin dieses Jahr noch keine 100km radgefahren. Ich bin dieses Jahr noch keine 100km radgefahren.“

Endlich erkenne ich wieder vertrautes Terrain, Borgfeld, Perle Bremer Vororte.

„Du bist keine Kleinstadt / auf deiner Hauptstrasse finden keine / Kohlfahrten statt / Hier wo das Land noch zählt / nicht das große Geld / wer wohnt schon in Schwachhausen“

(„Borgfeld“, von Herbert Böhrnsemeyer aus dem Album „2800 Bremen“)

Als wir wieder auf dem Deich sind setze ich mich heimlich ab. Eine kleine Seitenstrasse zum Horner Freibad bietet mir die günstige Gelegenheit noch ein halblautes „Tschüss dann“ zu rufen und weg bin ich. Nun freue ich mich auf Samstag, wo ich eine gemütliche 216km Runden beim Bremer Radmarathon fahren möchte. Wer kommt mit?

Ach so, auf dem Rückweg hatte ich dann noch einen zweiten Platten, ohne den Schleckomatic Knopf gedrückt zu haben. Ich glaube das ist der Fluch des Weltmeistertrikots. Da ich aber ein Negativ-Weltweistertrikot trage hatte ich eigentlich geglaubt, den Fluch in Glück umwandeln zu können.

Ich konnte übrigens heute keine Fotos machen. Wäre sowieso nicht gegangen, da ein Photon aus der Kamera ja bei unserer Geschwindigkeit nie ein anfokusiertes Ziel erreicht hätte. Es gibt aber ein Video von der Ausfahrt:

http://www.dailymotion.com/embed/video/xd7ttg
Course de porteurs de journaux au Palais de… von <a

Sorry, geht nur mit Werbung.

Trotzdem Dank an alle die heute beim Ausflug des Tripple-A (Altenheim auf Amphetaminen) mitgefahren sind.
Hat Spaß gemacht. Trotzdem oder deswegen.

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Giro heute: Königsetappe im Syker Vorharz

Auf dem Weg von Dänemark nach Italien machte der Giro heute Station in Syke. 

So etwa begann mein Traum, als mich die Stimmen meiner Kinder aufschrecken liessen. Warum waren die süßen Blagen (Junge, 15, voll in der Pubertät und Mädchen 10, voll in der Zickität) schon auf? Vermutlich weil es bereits elf Uhr war, so daß das geplante Rollen um 10 Uhr mit dem TCB heute wohl ausfiel. Egal, Hobbit hatte ja angekündigt, daß er heute jeden Höhenmeterrekord im Süden Sykes brechen wollte. Mehr als 400 Höhenmeter hatte er sich vorgenommen ein e geradezu unglaubliche Zahl. Dazu war es wohl erforderlich jeden Hügel und jedes Hügelchen um Syke anzufahren, damit man überhaupt eine Chance hat diese quasi alpine Leistung zu vollbringen.

Viele Menschen im Forum kennen ja leider die Bank nicht. Letztens mußte ich ja voll Einsetzen feststellen, daß es sich noch nicht einmal bis Neapel rumgesprochen hat, wo denn die Bank genau ist. Deshalb fühle ich mich hier aufgefordert im Sinne der Gemeinschaft einige Dinge zu erklären.

Erstens, die Bank an der wir uns immer treffen ist eine gute Bank. Hier sind einige Beispiele von nicht guten Banken:

Bad Bank Beispiel.

Weiteres Bad Bank Beispiel.

Auch hier, ganz klar, eine Bad Bank.

Im Gegensatz dazu ist dieses hier unsere gute Bank an der Wehrstrasse. Man erkennt sie an ihrer gelassenen Haltung, dem Understatement in ihrer Schönheit und den muskulösen Beinen. Hir beginnt nun die Geschichte unserer Bank von heute:

Dieses Foto zeigt unsere Bank um 14:25hr. Kurz danach, um 14:28hr passierte folgendes:

Blöh machte sich auf der Bank breit. Obwohl er ausreichend Platz für weitere Mitfahrer läßt ist er nun erst einmal alleine. Um 14.29 h sieht es allerdings schon wieder anders aus:

Hobbit macht sich sehr auf dr Bank breit. Zu ihrer Freunde erkennen sie einen weiteren Mitfahrer in der Ferne….

… der aber an dieser Stelle nicht genannt sein möchte und wie immer zu spät eintrifft. Man wartet eine weitere Stunde auf Mitfahrer, denn im Forum haben sich ja 27 weitere angekündigt .

Zwischennotiz: Irgendwo in dem Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams, gibt es eine Erklärung über den unwahrscheinlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive mit dem in der Zukunft Raumschiffe betrieben werden. Das theoretische Prinzip dahinter ist, dass der Rechnungsbetrag  in einem Pizzarestaurant in keiner Relation zu dem steht, was man gegessen und getrunken hat, wieviele Personen man war  oder in welcher Währung man bezahlt. Es ist einfach SEHR unwahrscheinlich, ja unmöglich, daß man den Rechnungsbetrag ausrechnen kann.
Eine ähnliche Unwahrscheinlichkeit gibt es bei verabredeten Ausfahrten im Forum: Die Anzahl der Mitfahrer die am geplanten Treffpunkt zur geplanten Zeit (und am geplanten Tag) mit Rädern erscheint und mitfahren möchte steht in keiner Relation zu der Summe der vorherigen Ankündigungen im Forum. Es ist daher barmherzige Pflicht:

  • Mindestens eine Stunde zu warten,
  • danach an allen weiteren üblichen Treffpunkten vorbeizufahren und
  • am nächsten Tag die letzten Wartenden einzusammeln.

15:35. Die Bank ist nun leer, denn die drei Mitfahrer sind nun längst im Syker Vorharz unterwegs.

Langsam beginnt die Bank nun unruhig zu werden, es ist 17:02 h und aus der Ferne hört sie das Geräusch von schmalen Reifen auf blättrigem Asphalt und leises Fluchen.

17:06 h, die drei Mitfahrer sind wieder da. Atemlos berichten sie von erlebtem und sehnen sich schon voller Tatendrang nach der nächsten gemeinsamen Tour.

20:57 h. Keine weiteren Mitfahrer sind zwischenzeitlich eingetroffen. Es wird zeit für die Bank schlafen zu gehen.

Soweit die Geschichte der Bank.

Natürlich sind wir auch Rad gefahren. Das Tempo war sehr gut. Wir waren pfeilschnell.

http://maps.google.de/?q=http:%2F%2Fshare.abvio.com%2Ff8d8%2F33a8%2F4dfe%2F19eb%2FCyclemeter-Cycle-20120506-1429.kml&ie=UTF8&ll=52.960584,8.851126&spn=0.178001,0.1151&t=m&output=embed
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Es machte Spaß hinter Hobbit herzufahren, der sich dankenswerterweise voll in den Wind stellte. Zack war ich an ihm vorbei und zug den Hügel hoch. Ui, der war aber lange. Zunächst überholt mich Blöh, dann Hobbit und zump, war ich 30 Meter hinter den anderen….was war los….. sechs Monate Trainingspause konnten doch nicht so einen Leistungsabfall bewirken? Nachher fand ich auch raus, warum. Mein Vorderrad hatte heftigst Luft verloren. Kein Wunder, dass dem Rad nun der benötigte Auftrieb fehlte, den man nun einmal braucht, um Berge hochzufahren. Ich fühlte mich wie die Hindenburg kurz nach dem Andocken in Lakehurst.
Der Antrieb war also alle mal OK. Hobbit führte uns über sehr schöne kleine Wege die oftmals mit Rollsplitt und anderen Applikationen schön verziert waren in immer kleiner werdenden Spiralen rund um Syke. Das Wetter war nicht gut, aber die Rapsfelder blühten und die Kirschblüten waren von den Bäumen gefallen und bildeten einen schönen Kontrast mit dem Raps.

Wir kamen an dem Syker Drachenflugplatz vorbei, wo gerade einige interessante Wettkämpfe stattfanden.

Lustig flatterten die Drachen über uns im Himmel. Bis auf die, die in Bäumen gelandet waren und nun mit Hilfe von extra angefahrenen langen Leitern entfernt werden mußten.

Und so fuhren wir durch die Landschaft. Am Ende des Tages hatten wir dann, je nach Gerät, 250 bzw. 350 Höhenmeter zurückgelegt – mörderisch!

Und wenn wir nicht mal nach Hause müßten, dann führen wir noch heute. Ja, wir hatten es geschafft, wir fuhren auf der Kante des Ruhmes nach Hasue und deswegen hatte ich dieses Lied auch die ganze Zeit im Ohr:


Danke an Blöh und Hobbit für diese schöne Tour.

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Von Triathleten

Über Triathleten hört man merkwürdige Dinge. 

Angeblich lassen sich diese zu Steigerung ihrer Leistunsgfähigkeit Schwimmhäute zwischen die Finger plantieren, laufen während der Arbeitszeit das Trepenhaus rauf und runter oder, und da find ich wirklich völlig unglaublich, tragen angeblich Schuhe von Nike beim Radfahren. Mein guter Freund David aus Tokyo, mit dem ich noch letztes Jahr zusammen 1.000 km über die Alpen innerhalb einer Woche gefahren bin, ein ganz normaler Mensch also, ist jetzt auch einer von denen geworden. Zunächst fuhr er immer längere Strecken mit dem Rad. 100, 200, 300 dann 600km und dann von Paris nach Brest und zurück. Gerade heute hat er sich auf den Weg von Tokyo nach Akita gemacht, schlappe 600 km, die aber nur der Auftakt für weitere 1.000km sind die dann bis Freitag abgeschlossen sein müssen. Ok, ein wenig viel, aber man wird halt besser auf dem Rad wenn man viel trainiert und dann fährt man halt ein wenig länger. Aber letztens war er zum erstenMal bei einem Triathlon auf Ishigaki.

Es zerreist einem das Herz, es ist so, als wenn der beste Freund, mit dem man zusammen vor 20 Jahren in der Oberschule Findorff war plötzlich sagt: „Du, ich bin jetzt Fan von  Bayern München/ziehe nach Hamburg/habe Lungenkrebs/ziehe mit Deiner Frau zusammen/habe gerausgefunden das Shimano und Campagnolo gleich gut sind!“ Man suche sich heraus, was für einen persönlich das Schlimmste wäre. Und ich komme noch nicht einmal aus Bremen.

Sonntags Morgens um 10 lungert immer ein Haufen Triathleten an der Erdbeerbrücke herum. Manchmal sind sogar Frauen dabei. Unser Treffpunkt ist eine Bank weiter die Weser hoch, weil es einfach zu gefährlich ist sich in deren Nähe zu lange aufzuhalten. Wir  demonstrieren damit auch unsere Überlegenheit, denn WIR müssen weiter zu unserem Treffpunkt fahren. Oft genug, wie zum Beispiel vor 2 Wochen, kommt es zu Verwechslungen. Ich werde an der Ampel am Autohaus Weller herzlichst von zwei Rennradlern gegrüßt, die denken ich gehöre zu ihrem Verein TCB  (Teeny Club Bremen), aber bei Ihrem Treffpunkt fahr ich ganz cool weiter, denn ich bin ja vom TCC (Tokyo Cyclyng Club). Die ideologischen Unterschiede zwischen uns sind in etwas so groß wie zwischer der judäischen Volksfront und der Volksfront von Judäa.

Leider ist es so dass wesentlich mehr Leute zu Treffpunkt des TCBs erscheinen als zu dem des TCCs, bzw. des Weserexpresses. Heute waren wir nur zwei, nämlich der Blöh und der Mob. Und es war zwar gutes Radwetter, aber doch sehr windig. Ich weiß nicht mehr, wer von uns auf diese verwegene Idee gekommen ist, aber schliesslich als keiner mehr dazu kam beschlossen wir, uns der Truppe vom TCB anzuschliessen. Und da kamen sie schon, ich fragte ob wir mit dürften, zu meinem Erstaunen sagten die auch schnell ja.  Alle hatten Helmen auf, so daß ich nicht prüfen konnte, ob die tatsächlich ein Loch für einen abnehmbaren Schnorchel auf dem höchten Punkt des Kopfes haben. Ich fuhr neben Olli und erstaunlicherweise konnten wir uns ganz normal unterhalten. Wir benutzten sogar das gleiche Vokabular, wie „Mavic Cosmic Carbon SL“, „Carbonfaser“, „windschnittiger Rahmen“ oder „Geometrie des Radabstandes“. Und was noch mehr unglaublich war, war, daß wir auch demselben Glauben beziehungsweise Irrglauben angehören: „Hochprofilfelgen aus Carbon bringen noch mal mindestens 200 Gramm Gewichtsersparnis“ oder „dieser Rahmen wurde aerodynamisch optimiert und man muß nachweislich bei der gleichen Geschwindigkeit 4,2 Watt weniger Leistung treten.“ Irrglauben, weil leider wurde dieser Körper noch nicht aerodynamisch optimiert.

 Und so fuhren wir in Zweierreihen durch die Landschaft, in einem sehr angenehmen konstanten Tempo und unterhielten uns gut. Wo wir jetzt genau waren habe ich natürlich wieder vergessen, irgendwie kamen wir nach Bramstedt und dann ging es wieder Richtung Neubruchhausen und plötzlich waren wir in Bruchhausen-Vilsen. Dort wurde erst einmal Kaffee getrunken. So etwas hatte ich ja noch nie gemacht. Wir fahren ja schließlich nicht raus um uns zu amüsieren, sondern um knallhart die Leistung zu trainieren, die uns dann in Beruf und Familie fehlt. Aber es war nett, muß ich wirklich sagen. Hier haben ja zum ersten mal alle die Helme und Sonnenbrillen abgesetzt und ich persönlich finde das ja immer einen sehr spannenden Moment. Man fährt also so gemeinsam 50km durch die Landschaft, unterhält sich gut, und stellt dann plötzlich bei Abnahme fest, dass der nette Mitfahrer der nervige Stadtbeamte ist, der einem letztens die Lizenz zum Erdbeerverkauf  auf dem Markt verweigert hat. Oder diese Student aus der ersten Reihe, der immer kurz vorm einschlafen ist. Oder der langvermisste Neffe aus Venezuela. Man muß aber auch 50km zurück, und, wie gesagt, alle sind sehr nett und so kommt man dann gut zuhause und zusammen an.

Die meisten haben übrigens Kaffee bestellt, aber es wurden auch größere Stücke von Erdbeer- und Apfelkuchen gesichtet. Erdbeerkuchen  ind wie Eisberge, da muß man vorsichtig sein, denn nur 6% des Gesamtvolumens liegen auf dem Teller, der Rest verbirgt sich darunter.  Und natürlich ist es auch einigen peinlich Erdbeeerkuchen zu essen. „Wer hatte Erdbeeerkuchen mit Milchkaffee bestellt?“ Fragte die Bedienung. Alle schweigen, schauen in die Hecke, einer sagt zögerlich „Äh, ich hatte eine Milchkaffee“.  „Dann nehmen Sie diesen hier der Erdbeerkuchen mensch wird sich schon finden und wenn nicht…“ Eine unausgesprochene, schreckliche Drohung liegt in der Luft. Wir sind weit von der großen Stadt und Zivilisation Bremen weg, hier ist Niedersachsen, hier ist es ländlich mit alten Kulturen und Gebräuchen und Ehrenschuld und Blutrache sind noch fest in den Köpfen der Menschen tätowiert.

Wie sitzen also da und trinken Kaffee und unterhalten uns über das, was man so als Radfahrer zu besprechen hat: Besoffene Finnen, Druckausgleich bei Espressomachinen, Bikehotels im Harz oder Laufbergwandern in Norwegen. Plötzlich wagt es jemand die schrecklichen Worte zu sprechen: „Sollen wir mal nicht mal langsam…?……“ Zurück in die Einöde von Beruf und Familie, dort wo wir nur ein Rädchen im Getriebe eienr gigantischen Maschine sind, deren Meister uns auswechselt und in die gelbe Tonne wirft wenn unsere zuverlässige Haltbarkeit überschritten ist? Ja.

Also noch einmal so 50km zurück. Es wird ein wenig windiger, ein wenig hügeliger und ein wenig ruhiger. Ich mag das, wenn die Gruppe harmoniert und man einen guten Vordermann hat, der gleichmässig fährt und an den man sichgut dranhängen kann ohne nervös zu werden. Ich höre zum ersten mal über Hochseekajaken. 200Meter vor uns fahren drei Rennradler in einer Gruppe, zwei von uns lösen sich und schliessen zu denen auf. Danch wird es wieder ruhiger und wir kommen nach Dreye rein. Gleich der Deich, die Erdbeerbrücke und nach 92 km ist alles zu Ende.

Sehr erfreulich alles, wir sind da soetwas wie die „Vereinigte judäische Volksfront vonJudäa“ geworden für einen Sonntag. Kann man aber gerne wiederholen

Strecke von heute (Danke Andre). Dank an den TCB.

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Fred Perry Einkaufslust

Fred Perry- eine Marke aus der Kindheit.

Ich bin in einer anglophilen Familie aufgewachsen. Meine Eltern haben sich in den Fünfzigern kennengelernt, als sie beide zum Aupair in Bradford/England waren. Meine Tante hat fast 50 Jahre bei der britischen Rheinarmee als Sekretäterin gearbeitet, ganz in der Nähe meiner Heimatstadt gab es das Joint Headquarter.  Sie hat dann am Ende Ihrer Karriere ein MBE vom englischen Botschafter überreicht bekommen . Damit ist sie nun auf der gleichen Stufe wie John Lennon, Ringo Starr und Mark Cavendish.

Kleine Geschichte am Rande: Bei den Englisch-Hausaufgaben im Gymnasium bestand Sie darauf, daß ich in dem Lückentext: „Help, the house is …. fire!“ das Wort „under“ und nicht „on“ eintragen sollte.

Deshalb war es klar,  daß ich ein Fred Perry Poloshirt tragen mußte also ich mit zehn von meinen Eltern zum Tennisspiel gezwungen wurde. Ich war kein guter Spieler, aber irgendwie kann ich mich noch an dieses klassische, weiße Fred Perry Shirt erinnern.

Meine zweite Brührung hatte ich Anfang der Achtziger mit Fred Perry. Ich war des Punkrocks müssig und ich suchte etwas neues. Aus welchen Gründen auch immer, ich kam auf die Idee das Mods cool sind (das kam nicht durch den Film Quadrophenia!). Ich kann das heute nicht mehr nachvollziehen. Jedenfalls war ich in Kontakt mit anderen Mods und die meinten, dass ich mir unbedingt Fred Perry Zeug kaufen sollte. Habe ich aber nicht. Diese Mod Liason hörte auch ganz schnell wieder auf. Obwohl wenn ich daran zurückdenke gibt es immer noch einen Song der mir gleich wieder durch die Synapsen schießt.

Ach so, normalerweise würde ich ja immer das Orginal eines Songs hier einstellen, aber seit dem You Tube/Gema Urteil letztens läuft da ja gar nichts mehr in Deutschland. Ich mag das nicht, diese Opas auf der Bühne die eigentlich einmal sehr coole Typen waren. So wie ich als Mod

Danach waren das für mich eigentlich nur noch völlig undiskutable Skinheadtextilien. Konnte ich mir in meinem revolutionären Eifer wirklich weder kaufen noch leisten.

Aber ich muß schon zugeben, daß ich Marken mag. Ich habe zum Beispiel einen Armani Pullover im Schrank. Und ein paar sehr coole Sachen von G Star. Ein paar Marken mag ich gar nicht. Ich würde mir nie etwas von Tommy Hilfinger kaufen. Und ungern von Paul Lauren. Ich weiß, das ist Quatsch, das Produkt von gutem oder schlechtem Marketing. Aber ich muß mir das ja schon mein ganzes Leben lang anhören. In der Schule waren zum Beispiel Jeans von Wrangler, und Levis cool. Lee, Mustang und Lucky waren OK. Und Jinglers von C&A waren völlig indiskutabel. Wer das trug hatte verloren und das war schon von weitem zu hören, denn die Dinger hatten einen riesigen Schlag der das anbringen von Glöckchen erlaubte.

Diesel, Replay, G Star oder Karl Kani gab es natürlich noch nicht.

Ich glaube ich höre jetzt besser auf, sonst schreibe ich noch modisch uncoole Sachen.

Indifferent bin ich Paul Smith gegenüber. Auf der einen Seite sind seine Sachen schön bunt, aber auf der anderen sagen die mir nichts. Und das ganze Gedöns mit Rapha….. .

Jedenfalls sah ich heute diese Sachen bei Fred Perry:

Mal wieder Crossbranding, diesmal sogar ausgeschrieben.

fred perry cycling blank canvas championship stripes front

fred perry cycling blank canvas 2012 stripes front

fred perry cycling blank canvas blue front

fred perry cycling blank canvas jersey kom 2012 back

fred perry cycling blank canvas black jacket back

fred perry cycling blank canvas messenger bag

fred perry cycling blank canvas 2012 shoes

Wow. Ich konnte nicht mehr an mich halten und zückte meine Kreditkarte.

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Amstel Gold und Syke Silber

„Hallo, ich bin der Norbert.“ Hände wurden geschüttelt.

Da werden ja heute eine Menge Jungs mitfahren dachte ich, als ich an der Ampel vor der Erdeerbrücke stand und gleich zwei neue Gesichter mit Jerseys des TCB (Teeny Club Bremen) neben mir warteten.  So langsam ging mir auf, daß ich vielleicht neben der Konkurrenz stehen würde.

„Äh, seit ihr vom Club Bremer Triathleten?“ 
„Was???? Natürlich nicht, wir sind vom Triathleten Club Bremen!“

Ein Tag der anfängt wie ein nie gedrehter Radsportfilm von Monty Python kann kein schlechter Tag werden. An der Weserbank (die Bank mit der Hausnummer Wehrstraße 1) warteten schon eine Menge Mitfahrer, insgesamt wurden es mit mir sechs heute: (Namen geändert): Onne, Aufdi Hügel, Drücker, Jan (Nachname) und Godzilla. Gerhard Polt, ein Name bei dem ich mir nicht sicher bin ob er überhaupt in Norddeutschland zitiert weden darf, hat zu so einer Ansammlung von potentieller Kraft einmal gesagt: „Wir waren ein Haufen PS.“

Und schon ging es los. Leider bin ich völlig überfordert hier wiederzugeben wohin wir denn gefahren sind. Wenn ich fragte, dann hieß es „südlich von Syke“, was nach allgemeinem Verständnis etwas anderes bedeutet als „südlich von Bremen.“ Als ich nach Hause kam, hatte ich aber mehr als 300 Höhenmeter auf dem Tacho, und das ist bei 76 km Strecke insgesamt doch eine ganze Menge. Teile der Strecke waren die schwierigsten Teilstücke aus dem Frühjahrsklassiker „Barrien Butterkuchen RTF“.

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Wir kamen nach Heiligenfelde. „Ist nicht hier die Mühle, wo wir letztes Wochenende waren?“ „Nein, das ist Heiligenberge.“ „Was, ist das hier schon Sudwehye?“ „Nein, das ist hier Sudwalde.“  „Wistedt oder Wilstedt?“ „Nein, Ristedt.“ Irgendwie hatte ich das Gefühl, noch nicht in der Heimat angekommen zu sein. Als ich nach 12 Jahren Tokyo im Mai 2010 nach Bremen mit meiner Familie zurückkehrte, hätte ich vielleicht doch das Angebot meines Arbeitgebers für ein sechsmonatiges Resozialisierungstraining im Auffanglager Friedland annehmen sollen. In Japan hießen die Orte durch die ich fuhr etwa Higashimatsubara (Östlicher Kiefernhain), Yamabushitoge (Pass der kriegerischen Mönche) oder Okutamakoeki (Bahnhof am inneren Juwelensee), also einfach merkbare Namen mit assozierbaren Begriffen. Aber hier? Okel? Neu-Bruchhausen? Riede? Felde?

Update: Danke an Enno für die Daten der Runde:
http://www.sports-tracker.com/#/workout/enno/d2blse5ggrufm067

Ein Haufen PS fuhr also willen- und orientierungslos, aber schnell durch die Gegend. Mit Drückerwind ging es ganz gut raus und wir machten schön unsere Kilometer. Aufdi Hügel ging fast an jedem Berg in die Eisen und der Rest von uns hatte Mühe ihm zu folgen. Danach fanden wir uns als Gruppe aber immer wieder zusammen. Insgesamt war es deutlich anstrengender als das letzte Wochenende, auch wenn wir am Ende weniger Kilometer in den Beinen und auch einen langsameren Schnitt gefahrenn sind. Am Ende mussten wir danna uch gegen den Wind fahren, aber ich will nicht motzen, Aufdi machte viel Arbeit an der Spitze und das Wetter blieb zum Glück trocken.

Nach 2 1/2 Stunden waren wir wieder zurück an der Bank und konnten nun nach Hause fahren, um den eigentlichen Wochenendtätigkeiten nachzugehen: Terassen bauen, Kaffee trinken, Sesselförmige Ansehstücke im Wohnzimmer bewundern und vor allem wohl duschen und schlafen. Ich setzte mich vor den Fernseher und schaute mir das Amstel Gold Race an. Das einzige große Radrennen das klingt wie eine Biersorte. Erstaunlich wie viele Berge es in Holland gibt, aber erstens sind darüber ja schon Lieder darüber  geschrieben worden und zweitens habe ich ja doch den Verdacht, daß es sich um ein und denselben Berg handelt. Ich bin mal mit Muckel und Rote Zora in einem Wohnviertel in Ritterhude rumgefahren auf der verzweifelten Suche nach Bergen als Vorbereitung für die Transalp. Das war durchaus ähnlich. Außerdem konnte ich feststellen das im Gegensatz zu der Tour de France, die Kühe mit dem Peloton über das Feld laufen. Und dieser junge Franzose, Bradet war sehr mutig aber noch besser hat mir Skysurfer5, auch bekannt unter dem Namen Oscar Freire gefallen.

Der hatte sich ja heute morgen um 4 oder 4 aus Bremen weggeschlichen, angeblich um in den Harz zu fahren und Höhenmeter zu sammeln. Das war aber kein Harzer, sondern Limburger Käse was er schrieb, denn er fuhr direkt nach Holland und fast hätte er es auch geschafft das Rennen zu gewinnen. Das war wirklich spannend.

Zeit die Dienstagsbank wieder zu beleben (Dienstags, 19 Uhr Haus am Walde). Oder die Donnerstagsbank.


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Union Sapporo Tobi Spezial

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Wurde auch schon bereits von Tobi verkauft und befindet sich nun im Besitz von Fräulein Rosa.

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Motobecane 1989 Tobi Speciaal

Das Fahrad im Fritten Speciaal Design (unten gelbe Pommes, oben orang/rotes Kectchup) wurde erfolgreich von Tobi dem Verkaufsgenie verkauft.

SOLD

Motobecane Aufbau von Tobi, heute fertig geworden und zu verkaufen – wenn nicht schon weg.

Motobecane Stahlrahmen in typischer Achtziger/Neunziger Farbgebung mit durchluafendem Schlitz im Oberohr zur Verlegung des hinteren Bremszuges. Komplett Shimano Exage RX100 ausgestattet. Sehr schöner Brooks Sattel. ITM Lenker, alles sehr klassisch und ein gutes Rad für den Frühling. Orange Phase.

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Olmo aus dem Eis

In der großen Olmokaufverzweiflungswoche 2011 kaufte ich zwei Olmo Rahmen: Einen blauen und einen weißen.

Der blaue war etwas jüngeren Datums in gutem Zustand und etwas zu groß. Das weiße war älteren Datums, leicht rostig und etwas zu klein. Durch den Kauf von beiden erhoffte ich mir das ideale Rad im Mittel, aber darüber habe ich auch schon geschrieben.

Das weiße Olmo schickte ich zu Uwe Scheufen von Studio Brisant, der nach einigem hin un dher und zögern eine sehr sehr schöne elfenbeinweiße Lackierung organisierte. Ich organisierte mir zusätzlich einigermaßen passende Olmo Decals bei Cyclomondo in Australien für viel Geld. Die Richtung war klar, daß würde alles nicht billig werden. Ich wollte das perfekte Olmo Traumrad mit den perfekten Komponenten. Ich hatte keine Gruppitis und keine Epochitis, also Shimano 600AX Bremsen mit Campagnolo Ergopower wären für mich vollkommen OK gewesen. Oh, die naive Jugendzeut, irgendwann wird man erwachsen, die Vorstellungen und Ideen verhärten sich und die Unbeschwertheit der Jugend ist dahin.

Ich fing also an die schönsten Komponenten auf ebay zu kaufen. Zunächst einmal kaufte ich eine komplette 600AX Gruppe. Das war ein riesiger Fehlkauf, denn von der sind nur die Bremsen richtig schön, alles andere ist, na ja. Für das Schaltwerk muß der Zug frei über der Kettenstrebe laufen, damit das richtig angesteuert wird und diese Kurbel mit den 1 Zoll Pedalgewinden ist ja nun wirklich nicht besonders schön.

Das war aber schon einmal eine gute Basis.  Ich habe mir dann neue Rigida DP18 Felgen in silber besorgt und diese mit den Shimano 600AX Naben eingespeicht. Die Bremsen konnten bleiben, ebenso die schöne aerodynamische Sattelstütze.

Die Rahmenschalthebel der 600AX finde ich sehr häßlich, da mußten dann sehr schöne Shimano 600 Arabesque her. Die find eich vom Design her mit die schönsten überhaupt, die haben so etwas barockes, überladenes, ansonsten würde ich ja auch immer die Golden Arrow vorziehen die etwas schlichter sind.

Bei dem Rest dachte ich dann nur noch „Campagnolo“. Ich hatte die Möglichkeit Olmo pantographierte Gran Sport Record (Dank an Sebastian) Bremshebel zu kaufen, die auch wunderbar zu dem ebenfalls Olmo pantografierten 3ttt Vorbau passten. Konsequenterweise gehörte hinten dann auch eine Nuovo Gran Sport Schaltung dran und eine Nuovo Gran Sport Kurbel ebenso wie ein passender Umwerfer. Per Zufall fand ich auch noch eine billigere Campagnolo Aero-Flache mit Halter. Schön, aber insgesamt auch sehr, sehr teuer.

Zur gleichen Zeit baute ich auch an dem Kotter Arabia, für das ich eine größere Bestellung bei Sella Berolinum aufgeben wollte, da kamen dann auch gleich ein paar Dinge für das Olmo dazu. erst einmal versuchsweise klassische Mikashima Pedale, mit passenden Haken und Riemen, dazu der sehr schöne Dia Compe Sattel  (ist quasi der Gyes G1). Jörg von Sella Berolinum war auch sehr kooperativ und hilfreich.

Der Lenke ist modern von Charge, Typ Bowl und sieht auf dem Rad sehr schön aggressiv aus.

So wurde dann langsam, also so wie die Teile kamen, das Rad zusammengebaut. Das war sehr unproblematisch, ich kann mich nicht daran erinnern, daß ich irgendwo Hilfe gebraucht hätte, bis auf die Montage des Steuersatzes, dazu habe ich noch nicht das richtige Werkzeug da. Ich denke aber, daß dies eine Arbeit ist, die ich auch in Zukunft dem Radhändler meines Vertrauens überlassen werde.

Ach ja, eine schwierige Sache gab es dann dennoch, ich wollte nämlich Ledergriffe selber um den Lenker nähne. Das hatte ich noch nie gemacht. Ich hatte das Leder in den USA bestellt, nachdem ich im Internet recherchiert hatte  und dann machte ich mich eines Tages im stillen Kämmerlein daran das ganze anzufangen. Das Leder war eingeweicht und ich dachte, dass es eine gute Idee wäre, die Naht auf der Innenseite (also da woe die engere Krümmung des Lenkers ist) laufen zu lassen, damit man sie weniger sieht. Schlechte Idee, die Naht muss da laufen, wo der längste Weg ist, so dass man das Leder dorthin ziehen kann. So sah das einfach nur mies aus und ich musste alles wieder abmachen, ausfädeln und wieder von vorne anfangen. Warum steht so etwas nicht in der Anweisung drin? Am Ende ist es nicht optimal geworden, aber auch nicht schlecht.

Die erste Probefahrt, der Moment der Wahrheit. Also, man kann noch so viele Pläne gemacht haben und noch so gut die Koponenten ausgesucht haben, aber ob das alles passt und stimmig ist zeigt sich erst auf der Probefahrt. Mein Peugeot Galibier zum Beispiel mit Bullhorn Lenker entpuppte sich als quasi nicht steuerbar. Mein blaues Olmo schleifte den Lack an der Kettenstrebe ab. Und das Kotter hatte ein Ritzel hinten da aus nicht klaren Gründen durchdrehte.

Das Olmo fuhr sich nett und schnell, aber leider war der Rahmen zu klein für mich. Den Charge Lenker kann man auch nur unten in den Griffen anfassen, so daß die Sitzposition sehr tief und für michs ehr ungemütlich ist. Ich wollte das Teil aber nicht noch einmal umbauen, oder die Komponenten an einen anderen Rahmen basteln. Ich mag den Rahmen sehr. Nur einfach nicht zum fahren.

Uns so entschloß ich mich dann schweren Herzens eines Tages das weiße Olmo zu meinen Eltern zu bringen, wo es nun neben einer anderen sehr schönen, aber leider nicht fahrbaren Möhre von früher steht. Verkaufen kann man es nicht, da es halt nicht „epochengerecht“ und „gruppenrein“ ist, aber ich laß es jetzt erst einmal weiter altern und dann schauen wir mal.

Alles über Olmo aus dem Eis hier.

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Niedersachsenrundfahrt

10 Uhr an der Bank Weserstrasse heute. Auf nach Niedersachsen, links-weserisch.

Seit langer Zeit wieder eine Ausfahrt mit Leuten aus dem Rennrad-Forum. Als Vorbereitung darauf bin ich am Abend um Acht Uhr ins Bett gegangen, küsste meine Tochter zum Abschied und hing mir eine Kopie des heiligen Christopheruses um, die Tom Boonen letztens von Tjörven Cleenewerck erhalten hatte. In völliger Überschätzung meines körperlichen Kampfkraft setzte ich mich auf mein Union Fixie und fuhr los. Einen Reifen habe ich mir allerdings nicht drangebunden, das macht man nur in Japan zum Training wenn man erstens früher Keirin gefahren ist und zweitens über 70 Jahre alt ist. Sonnig, kalt und windstill, besser kann es fast nicht sein. Doch ein bißchen wärmer, wegen der Füße.

An der Bank warteten bereits die andren. Um ihre Identität geheim zu halten will ich ihnen einmal andere Namen geben: Brummifahrer, Will Work, Hobby und Don Carlos. Als sie mich mit dem Union und meiner flachen Landstraßenübersetzung 52/16 sahen, gab es großes he,he; und ene völlige Fehleinschätzung meiner Leistungsfähigkeiten. Ich war allerdings beeindruckt angesichts der Tatsache, daß Will Work keine Handschuhe anhatte und Hobby kurze Hosen – mir wäre das zu kalt. Später fand ich allerdings raus, dass Will Work sehr enge Lederhandschuhe mit Hautaufdruck von Chanel und Will Work hautfarbene Leichtpelzbeinlinge von Jack Wolfskin trug.

Wir einigten uns schnell auf eine ca. 100 km lange Runde nach Bruchhausen-Vilsen, der Stadt aus der das legendäre Vilsa kommt.

Vilsa Limette PET 12 x 1,0 l

Das Bild zeigt nicht, wie zunächst angenommen werden könnte, 12 Fahrer des Liquigas Teams die ich Dreierreihen durch einen Tunnel fahren, sondern eines der wunderschönen Produkte der Stadt Vilsa, die seit eh und je die Welt beglücken. 

Zunächst fuhren wir also auf dem Deich, bis wir recht fix abbogen und dann irgendwie auf die Straße Richtung Süden kommt, auf der man dann rechts nach Syke abbiegen kann, genau L331. Hobby und Will Work zogen den Rest der Truppe quasi die ganze Zeit. Meine Ortskenntnis war genau hier zu Ende. Zum Glück war es flach, windstil und die beiden machten vorne gut Tempo im 30/33er Bereich so daß wir gut durch die Dörfer kamen. Die Straßen waren auch genial leer, Niedersachsen war vermutlich im Garten und suchte Eier. Wir kamen dann durch weitere Dörfer mt Namen wie Tierfuttermittel bis wir recht fix in Bruchhausen-Vilsen waren. Brummifahrer verließ uns dann und wir fuhren zu viert weiter.

Wie bereits geschrieben, ich hatte nicht mehr die geringste Ahnung wo ich war. Es folgte ein Berg, ganz erstaunlich, bei dem ich völlig einsackte und mit Abstand als letzter den Pass erreichte. Will Work fragte schelmisch, ob wir Lust auf eienn Abstecher ind ie Heiligenfelder Geest hätten. Klar, hatten wir, das liegt übrigens auf der Niedersächsischen Mühlestraße. Also wenn man die Halmastraße immer gerade aus fährt, den Mikadoweg und die Schachallee hinter sich läßt und dann links abbiegt. Also, kam mir jedenfalls so vor. Vereinzelnte Sprachfetzen die ich hörte und die Kennzeichen gelegentlich vorbeifahrender Autos deuteten darauf hin, daß wir uns noch in Deutschland befanden.

Dann kam ein fieser Berg und zwar an der Klostermühle Heiligenberg. Mit meiner Übersetzung fuhr ich da mit 8 km/h im Zickzack hoch. Will Work erzählte mir, daß man dort lecker Kuchen essen kann, der Laden wird von zwei Östereicherinnen betrieben. Rechts sah ich ein blondes Madel im Dirndl. Ich hätte stehen bleiben soll. Habe ich aber nicht.

Es ging zurück nach Bruchhuasen-Vilsen und dann etwas gemütlicher zurück an die Weser. Als wir an der Bank ankamen hattenw ir 94 km hinter uns (ich etwas mehr wegen dem Zickzack am Berg). Don Carlos konnte zu den 26 km zur Bank noch einmal die gleiche Distanz nach Hause draufpacken, ich hatte es etwas weniger weit.

Ich kam nach Hause, aß zu mittag und sah dann dies:

Tom-Boonen-Paris-Roubaix-2012-winner.jpg

Dieser Mann hatte einen etwas härteren Tag hinter sich. 

Nach Paris, Roubaix und Dusche machte ich mich mit meinem Sohn an die Gartenarbeit, um endlich einmal andere Muskelgruppen als die Beine zu belasten. Die Idee kam mir im Gespräch mit Hobby, der so etwas ähnliches macht, aber in Ermanglung eines Gartens Hanteln benutzt.

Ich hasse Gartenarbeit. Als ich vor zwei Jahren aus Tokyo zurückkam und die Wohnung in Bremen gekauft hatte, sagte der Makler noch zu mir „Hier haben sie auch einen wundeschönen, großen Garten, da können sie auch draußen sitzen.“ Wenn man 12 Jahre in Tokyo gelebt hat, 12 Sommer dort mitgemacht hat (36-40 Grad, 99% Luftfeuchte), dann kann man in Bremen nur mit Chanel Handschuhen und Jack Wolfskin Beinlingen draußen sitzen. Habe ich noch nie gemacht. Nur zum rauchen oder Rad putzen. Wenn ein Makler heute so etwas zu mir sagt, dann klingt das wie: „Nebenan ist eine chemische Farbrik einer iranischen Firma, die geht irgendwann in die Luft oder sie bekommen vorher Lungenkrebs.“ Ja, das ist ungefähr gleich mit dem Charme der Gartenarbeit auf mich ausübt.Nie mehr will ich ein Haus, das irgendetwas organisches draußen hat.

Es war und ist aber ein schöner Tag gewesen und die Ausfahrt hat mir sehr viel Spaß gemacht. Das schöne daran mit Anderen zu fahren ist, daß man neue Straßen und Berge kennenlernt, sich unterhält und viele neue Dinge erfährt.

Und der Windschatten.

Fotos von Hobby.

Strecke von Don Sebastiano

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Zwei Mal Tom, Belgien

Sprint Spurt Ronde Vlaanderen

Tom Boonen, Gewinner der Ronde van Vlaanderen

Tom Wielrenner, Belgien und Japan.

 

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