Archiv der Kategorie: Freunde
Adler und Vische.

Am Freitag raus nach Goslar mit Kai, am Samstag 150 km (Kai 225 km) Adlerrunde des RSV Adler-Goslar. Am Sonntag morgen raus nach Visbek, 115 km RTF.
Kai und ich sassen am Bahnhof in Goslar an der Döner Bude, tranken zwei Bier und quatschten über Gott und die Welt. Um uns herum kamen Menschen mit Rädern aus Zügen, tätowierte Mädels aus dem McDonalds und Typen mit Baseballmützen und antrainierten Muskeln aus der Dönerbude. Nebenan im Celtic Pub spielte dazu eine irische Band deren Mitglieder so aussahen wie aus dem Stamm von Mad Max II. Kein Mensch weiß, was die Beziehung zwischen Goslar und Irland ist, aber immer wenn Kai und ich dort auftauschen werden wir gezwungen irischen Weisen zu lauschen.
Es wurde dunkel, wir hatten zwei Bier getrunken und ein wenig geraucht und gingen nun durch die Stadt Goslar. Goslar war für mich bislang immer nur der Startpunkt wichtiger und vor allem anstrengender Radtouren. Zu Beginn ist man nervös und möchte richtig schnell raus in die Berge, am Ende, wenn man wieder reinkommt ist man fertig und will eigentlich nur noch schnell nach Hause. Oder eben noch ein Döner. So richtig hatte ich die Stadt daher noch gar nicht gesehen. Das war ein Fehler, denn was ich sah gefiel mir gut. Eine schmucke Einkaufsstrasse mit Eiscafe, viele alte Fachwerkhäuser, ein wenig Jugendstil und ein Marktplatz voller dichtstehender Leute die in den zahlreichen Restaurants bessere und teurere Dinge aßen als die Looser am Bahnhof.
Minuten später kamen wir an unserem Hotel an, der exklusiven Harz Lodge. Die Lodge ist deswegen exklusiv, weil sie exklusiv von Bikern benutzt wird. Beim Frühstück sah ich noch ein paar andere verirrte Radfahrer; dennoch, 99% aller Kleidungsteile sind hier aus schwarzem Leder, Lycra kommt nur in Spurenelementen vor. Auch die Mannschaft der Lodge ist ähnlich gekleidet; der Rezeptionist machte eher den Eindruck eines Türstehers und auf seinen Ober- und Unterarmen rankten sich die Namen seiner Freundinnen: Schantal, Djaklin, Peggi, Dennis …. na ja, vielleicht waren es doch die Namen seiner Gang. Kai wollte früh raus und los, da der Marathon bereits um 7 Uhr startete, so dass wir fragten, ob wir gleich am Abend bezahlen konnten? Das konnte der Freund von Schantal, Djaklin, Peggi und Dennis nicht beantworten und holte daher seine Chefin; ein ganz harter Keks in ganz hartem schwarzem Leder, oben an der Brust eine „Jenny“ Tätowierung. „Nein“. Die Antwort und der Keks liessen keine weitere Diskussion zu. Wir gingen zu Bett.
Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg in den Frühstücksraum. Sechs einsame Biker, nicht besonders gesprächig. Dann auf das Rad zum Start. Obwohl ich mir das vorher alles gut angesehen hatte, verfahre ich mich total und komme fünf Minuten vor dem Start am Schulzentrum B-Geige an. Schnell anmelden, Hannes und Eddie treffen. Zum Glück bin ich schon gut angefahren und muss nicht aus dem Stand starten. Hannes kündigt schon an, dass er am Start nicht voll auf die Tube drücken möchte. Ich schon, denn erstens habe ich meiner Familie versprochen um 18:00 Uhr zurück in Bremen zu sein, und zweitens ist sinnlos schnelles losfahren zu Beginn einer RTF ein integraler Bestandteil des Spaßes: Das Adrenalin kocht im Blut, wahllos und gefährlich fährt man an den anderen Teilnehmern vorbei bei dem Versuch nach vorne zu kommen und gibt Körner ohne Ende, die einem am Ende fehlen werden. Das macht aber nichts, denn das macht alles sinnlos viel Spaß.
Und so bin ich dann auch schnell weg, ziehe an anderen vorbei aber ganz nach vorne komme ich nicht mehr, daran hindern mich auch diverse Ampeln im Goslaer Stadtgebiet. Dan führt die Strecke vorbei an den Osterfelder Tongruben sehr schnell in das Gelände; ein schöner Wald, ein schöner asphaltierter, schmaler Weg und ein erster, harter Anstieg. Da muss man den Veranstaltern wirklich ein Kompliment machen, die Streckenführung dieser RTF ist exzellent. Fast alle Anstiege sind auf kleinen Wegen im Wald oder wenig befahrenen Straßen, bei den schnellen Abfahrten wiederum sind die Straßen breit genug um richtig gut Geschwindigkeit zu bekommen. Mittlerweile haben sich Gruppen gebildet und ich bleibe in einer die nun auf der Bundestraße zur Okertalsperre hoch fährt. Es geht über die Staumauer am See entlangt und dann den kleinen Weg hoch Richtung Torfhaus. Hier bin ich schon ein paar Mal gefahren und ich setze mich erst einmal an die Spitze, gehe dann aber den Anstieg ruhig an. Die ersten 100 Höhenmeter läuft es recht gut, dann wird es steiler und jede Menge Teilnehmer ziehen an mir vorbei, es ist fast so, als wenn ich stehen würde. Ich lasse mich davon aber nicht irritieren und halte mein Tempo bei. Auf den letzten 100 Höhenmetern hole ich wieder einige von den Eifrigen ein, nicht zuletzt auch deswegen, weil die am Straßenrad stehen und eigentlich kotzen möchten, aber Pannen am Rad oder Warten auf Teamkollegen vortäuschen. Richtig schnell war ich wohl nicht, aber ich habe noch Kraft für den weiteren Anstieg auf der etwas langweiligen Bundesstraße auf der es nun erst einmal weiter geht. Am Oderteich geht es nach rechts und ich denke die Abfahrt beginnt, haue voll rein und werde prompt mit einem Anstieg überrascht. Mist, bei der Hitze viel Kraft zu vergeuden ist wirklich nicht gut. Zumal nach recht wenigen Kilometers bereits fast die Hälfe aller Höhenmeter erledigt sind. Und endlich kommt auch der erste Kontrollpunkt in Sieber. Das ist die Kontrolle wo der Chefmechaniker vom RSV Adler mir letztes Jahr meine gebrochene Sattelstützenschelle repariert hatte. Die hielt dann genau 800 Meter, bevor ich wieder mit gefühlter Rahmenhöhe 50cm weiter- und zuende fahren durfte. Ich habe nur eine Wasserflasche dabei, das war keine gute Idee. Es ist wahnsinnig heiss und ich trinke wie ein Verrückter. Zum Glück bin ich wieder in einer Gruppe und wir machen gutes Tempo bis nach Herzberg und Osterrode. Hier beginnt ein schöner Anstieg nach Clausthal-Zellerfeld den ich mehr oder minder alleine fahre. Einige aus der Gruppe sind vor mir, andere hinter mir, es hat sich gelohnt nicht allzu viel Energie bei den Anstiegen zuvor zu verschwenden. Gab es dort eine Kontrollstation? Habe ich nicht mitbekommen, fahre einfach allein weiter und irgendwo in der Wildnis halte ich an einer alten Tankstelle und fülle meine Wasserflasche nach. Bei Lauthenthal gibt es dann noch einmal einen fiesen Anstieg. Zum ersten Mal unterhalte ich mich länger mit einem anderen Teilnehmer, irgendwie ist das auch eine sehr einsame RTF.
Dann bin ich wieder zurück in Clausthal. Ich fahre durch die ganze Stadt, stelle dann fest, dass ich unten im Tal falsch bin, muss wieder die ganze Strasse hoch und zurück, bevor ich die richtige Abzweigung Richtung Okertalsperre gefunden habe. Da gibt es noch einmal einen völlig sinnfreien Anstieg nach Schulenberg, der letztendlich auf die selbe Strasse an der Talsperre zurückführt, von der man aus gestartet ist. Tja, hätte ich die Strecke vorher richtig studiert, hätte ich mir das gespart.Außerdem brauche ich so eine weitere Pause am Kiosk an der Staumauer, um meine Wasserflasche noch einmal zu füllen. Der Rest ist dann recht einfach, es geht auf dem gleichen Weg wieder rein nach Goslar auf dem wir rausgefahren sind.
Insgesamt habe ich wohl etwa 6:15 für die 147 km gebruacht, damit bin ich ganz zufrieden. Kai ist da noch unterwegs auf seiner 225 km Runde und Hannes und Eddi sind ebenfalls noch nicht zurück am Start. Ich mache mich auf zum Bahnhof, kaufe fast das ganze Kiosk an Getränken leer und bin dann mit dem Zug zurück auf dem Weg nach Bremen. Penne ein. Zum Glück so gerade vor 18 Uhr in Bremen zurück. Familie happy.
Leider keine Bilder, zu viel Stress, zu schlechte Organisation.
Räder für 1.200 km
David nahm letzte Woche an dem Hokkaido 1200 Audax in Japan teil, 1.200 km quer durch die relativ wenig besiedelte Gegend der großen nördlichen Insel. Irgendwann wurde der Audax abgebrochen, da letzte Woche auch einer der stärksten Taifune des Jahres seine Kurs auf Japan legte und starke Regenfälle und Wind, hauptsächlich natürlich entgegen der Fahrtrichtung, verursachte. Es macht keine Spaß 1.200 km im Regen gegen den Wind zu fahren; d.h. mir würde es sogar keinen Spaß machen überhaupt 1.200 km an einem Stück zu fahren. Interessant ist allerdings zu sehen, was für Räder Menschen fahren, die 1.200 km an einem Stück fahren. Hier kommt es auf die Kleinigkeiten an: Wenn ich die falschen Socken anhabe und dann 60 km an einem Wochentags Abends nach der Arbeit fahre sind die Konsequenzen ein paar rote Stellen am Fuß, bei 1.200 km hätte ich dann eine Menge Blasen und könnte kaum noch laufen und nur unter Schmerzen treten. Oder Schutzbleche, braucht man das für 1.200 km Radfahren, oder eher nicht? Was ist mit STI/Ergo Hebeln? Wie hoch ist das Risiko, dass diese versagen, so dass es besser ist von vorne her gleich Bar-End Shifters zu verwenden?
Auf dem Google Plus Account von David gibt es eine Reihe von Fotos die eben diese Räder zeigen.
Eingeordnet unter 2014, David, Gierige Räder, Japan, Mob
Alles in Butter. Kuchen: RTF Barrien
An einem Dienstag in Duisburg: Hatte ich mich in einem der letzten Posts irgendwie abfällig über Magdeburg geäußert? Das tut mir nun leid.
Der IC kommt um 9:10 Uhr im Hauptbahnhof in Duisburg pünktlich an. Das ist schlecht, denn ich hatte mich darauf verlassen, dass mich die Deutsche Bundesbahn mit mindestens einer Stunde Verspätung ans Ziel bringen würde. Aber selbst auf die Unzuverlässigkeit der Bahn kann man sich nicht verlassen. Dem Taxifahrer sage ich, dass ich es nicht eilig habe. „Prima, dann kann ich Ihnen ja noch etwa von Duisburg zeigen“! OK, was zum Beispiel? Es folgt eine gefühlte Viertelstunde des Schweigens. „Den Puff?“ Nein Danke, es ist Dienstag morgen, ich habe gerade einmal eine Stunde Zeit bis zu meinem Termin und möchte nicht völlig dearrangiert aussehen. Und das sind nur einige Gründe die mir spontan einfallen.
Zu Mittag gibt es zumindest Schnitzelparade im Casino Bliersheim.
An einem Sonntag in Barrien. Vor einer halben Stunde haben wir uns in Bremen am Weserwehr getroffen und sind zusammen nach Barrien geradelt. Erstaunlicherweise konnte ich das Tempo der Gruppe nicht mithalten, zunächst dachte ich, dass es einfach meine Kondition nach der RTF gestern in Bramsche war. Dann stellte ich fest, dass meine Hinterradbremse zu fest eingestellt war und sich das Hinterrad nicht richtig drehen konnte. Nachdem die Bremse gelöst war, ging es wieder gut weiter. Nur die Gruppe war weg und ich musste allein meinen Weg nach Barrien finden. Kein Mensch auf den Strassen in dieser gottverlassenen Gegend. Könnte natürlich auch was damit zu tun haben, dass es kurz nach sieben Uhr morgens an einem Sonntag Morgen ist. Irgendwie komme ich dann doch nach Barrien rein, bin aber der in einem total verlassenen Einfamilienhausgebiet. Kurz danach finde ich den Sport- und Startplatz. Silke fragt mich: „Warum hast Du nichts gesagt?“ Na ja, da ich ja dachte, dass es an meiner Kondition liegen würde, hätte ich da schreien sollen: „Hey, nicht so schnell, ich kann nicht mehr!“ oder „Wartet ihr Ssssschweine?“ Nein, all dies verstößt leider eklatant gegen die ungeschriebenen Gesetze des Radsports.
Trotz Rhönmarathon und Elfstädtetour sind jede Menge Freunde und Bekannte aus Bremen da. Olli und Corinna seit langer Zeit mal wieder, Jörg, Johannes, Sebastian, Silke, Philipp, Andreas, Axel, Nils, Alfred, Ralf … eine RTF ist da Äquivalent von als Sechsjähriger die Strasse hochgehen, bei seinen Freunden klingeln und schauen wer da ist. Ich denke, dass ist der größte Verlust überhaupt wenn man „erwachsen“ wird, die Möglichkeit zu verlieren seine Freunde einfach sofort zu sehen. Heute muss ich mich zwei Wochen vorher zum Essen verabreden oder zehn Messages auf facebook oder Whatsapp schicken.
Am Start stehen Axel und Nils und seine Fotografin ganz vorne. Es wird die beste Platzierung sein, die sie im Verlaufe der RTF erreichen werden.
Eine kurze, motivierende Ansage des Veranstalters folgt. Ich gebe dies hier nicht wortgetreu wieder, aber in etwa die gefühlte Lage:
„Ihr fahrt nach Straßenverkehrsordnung und auf eigene Gefahr und Rechnung. Die ganze Strecke ist abgeschottert (ich hatte irrtümlich verstanden „abgeschottet“ und mich schon wie blöde gefreut), also irrsinnig gefährlich. Außerdem gibt es mindestens zwei Schützenfeste und sowieso überall Pfingsten. Die Schützen schießen schon mal ganz gerne ein paar Radler ab. Ein paar ganz schlechte Stücke haben wir auch drin gelassen, die werden jedes Jahr noch schlechter, aber uns ist nichts besseres eingefallen. Hinter Bokel laufen blutgierige Zombiebären auf der Strasse rum, vor Gessel haben sich einige afghanische Freischärler verschanzt. In Bruchhausen-Vilsen wird der Ausbruch mehrerer extrem ansteckender Seuchen vermeldet und für 11: 11 Uhr ist der Weltuntergang vorhergesagt. Ach so ja, und wenn ihr, wieder allen Erwartungen überleben solltet, dann macht euch darauf gefasst, dass euer Rad dann geklaut wird. „
Es ist diese klassische Situation, die danach schreit die Frage zu stellen: „Ist das auch alles, oder verschweigen Sie uns etwas?“ Stattdessen bleiernes Schweigen interpunktiert von nervösem Lachen. Eigentlich wollen alle wieder nach Hause, aber die ungeschriebenen Gesetze des Radsports verlangen ……
Ready to go? Fire it up!, so etwa hatte ich mir Motivation beim Radrennen vorgestellt.
Ich hänge mich an die erste Gruppe ran. Wir kämpfen so ungefähr fünf Minuten, aber mir ist eher nach Kaffee- und Butterkuchenfahrt als nach Rennen zu Mute. Rausfallen lassen. Vor mir ist ein Mädel vom TCB. Ich hole sie ein und wir fahren gemeinsam bis wir noch einen anderen Fahrer eingeholt haben. Dann kommt auch schon eine größere Gruppe mit Philipp, Silvia und Andreas in der wir bis zur ersten Kontrollstation bleiben. Die ist etwas chaotisch, zudem gibt es da einen Organisator, der uns zu vernünftiger und disziplinierter Fahrweise anleiten will. Das will zumindest ich nicht. Möchte ich diszipliniert fahren, fahre ich im Verein. Mache ich aber nicht.
Kurze Pause, noch zu früh für Butterkuchen. Irgendwie schaffen wir es einen neue Gruppe zu organisieren. Allerdings ohne Andreas der eine klassischen „Wardrobe Malfunction“ Janet Jackson’schen Ausmasses erlebt und den wir erst am nächsten Kontrollpunkt wiedertreffen. Bei der Ausfahrt ist rechts ein Stück Wiese abgezäunt, ein Schild weist auf die Verwendung hin „Pissoir“.
Wir fahren los, gleich eine Steigung hoch und oben überhole ich noch so gerade einen gelben Kugelblitz. Nette Gruppe, nette Strassen, Tempo ist nicht zu hoch und an der Steigungen wird trotzdem gut gebolzt. So macht das Spaß. Man kann sich unterhalten, aber auch schnell fahren. Eins von den TCB Mädels fährt extrem kraftvoll und bolzt jede sich auf tuende Lücke zu.
Nächster Kontrollpunkt. Mehr Butterkuchen.
Mehr Arme die gierig nach Butterkuchen greifen.

Unsere Gruppe bleibt in der Kernmannschaft zusammen. Es folgt „das schlechte Stück“. Andreas und ich sind gerade vorne und verschleppen das Tempo. Andreas ruft noch: „Vor….“ und das „…sicht“ folgt als er bereits mit dem halben Oberkörper über dem Lenker ist. So ein Cervelo Rad ist halt brutal hart und nicht für solche Strecken geeignet. Nächster Kontrollpunkt. Drei Stück auf 115 km Strecke ist sehr großzügig. Noch mehr Butterkuchen.
Der erfahrene Butterkuchen-RTF Fahrer nimmt zwei Stücke und klappt diese mit den zuckrigen Seiten aufeinander um sich die Hände nicht schmuddelig zu machen. Man kann dann auch noch eine halbe Banane dazwischenlegen. Die andere Hälfte hatte ich mit einem Mädel geteilt.
Sehnsucht (links) nach Perfektion (rechts)
2008 Japan Cycling Racing Club Champion Jersey. Plus weiße Bibshorts in Erwartung heißestem Wetter. Nachdem mein Sohn mich gestern nervte „Boh – Du bist voll rot!“ War heute das Design Thema polnisches Nationalteam.
Noch 20 Kilometer bis zum Ziel. Entspannt plaudern Silke und ich. Ortsschildsprint nach Barrien rein. Ich fahre ein wenig bescheuert und haue fast jemanden raus. Einlauf auf dem Sportplatz. Es gibt eine Hüpfburg und unglaubliche Massen von Menschen. Wohnen die wirklich alle in Barrien? Und wo sind die, wenn man sonst so durch den Ort fährt?
Lockeres Ausklingen, ja, nächste Woche ist RTF in Goldenstedt. Wenn das Wetter gut ist sollten 208 km OK sein. Plus 2 x 12 km hin und zurück vom Bahnhof in Barnstorf. Ganz so locker ist es nicht, die Gewitterwolken stehen bereits fast über uns.
Wir fahren in einer größeren Gruppe zurück Richtung Bremen. Zunächst ist alles fein, aber denn beginnt es zu regnen. Und dann auch noch zu blitzen und zu donnern. Silke ist zu Glück einigermaßen betrunken und merkt nicht, was um sie herum so passiert. Einige von uns kugeln raus oder werden vom Blitz getroffen, wer weiß das schon. Ich habe jetzt irgendwie Lust auf das Freibad Horn, aber Silke meint, dass die Leitung bei Gewitter alle aus dem Becken holt, denn wenn der Blitz da einschlägt ist das wie eine Riesengroße Fritteuse. Mehr Blitze, mehr Donner. Weltuntergang doch nicht um 11:11 Uhr, sondern etwas später, vermutlich weil organisiert von der Deutschen Bahn. In Bremen hört es dann wieder auf. Nass zuhause aber glücklich.
Fazit: sehr gut organisierte RTF auf sehr schönen Strecken. Hat richtig viel Spaß gemacht. Bis nächste Woche.
Alles was man über Delmenhorst wissen muss. Und Angst hat zu fragen.
„Und hier“, so klären mich meine beiden Begleiter aus Delmenhorst auf, „hat man vor ein paar Wochen eine Leiche im Bach gefunden.“ Einige hundert Meter weiter gibt es eins von drei Hochhäusern in der Stadt; und von diesem ist vor kurzem jemand gesprungen ist. Vorher gab es noch einen Häuserblock mit abgebranntem Dachstuhl, alle dort lebenden Familien mussten evakuiert werden. Willkommen in Delmenhorst.
Ganz so schlimm ist es dann doch nicht, wie man im Stadtführer über Delmenhorst nachlesen kann. Kein Vergleich zu Emden … oder gar Wilhelmshaven.
So wundert es nicht, dass die RTF Delmenhorst direkt und schnell aus der Stadt führt. Diesem Umstand ist es dann auch zu verdanken, dass diese RTF eine der schönsten Strecken überhaupt hat und eine recht clevere Streckenführung; also schnell raus aus dem Stadtgebiet bevor die Gangs die Räder unterm Sattel wegklauen bis nach Colnrade zum einzigen Verpflegungspunkt und von dort aus entweder gleich zurück in die Favelas der norddeutschen Tiefebene (80 km) oder aber eine weitere Schleife drehen (120 km), oder noch eine weitere und andere Schleife um den Verpflegungspunkt fahren (155 km). So kann man ganz entspannt losfahren und sich beim fahren überlegen, welche Strecke man zurücklegen möchte. Das ist gut, insbesondere dann wenn für den nachmittag Regen angesagt ist.
Zusammen mit Tobi(Live) bin ich bislang nur einmal die RTF Delmenhorst gefahren, das war 2012. Damals fuhren wie die sehr seltene 138 km Strecke, die es offiziell an sich nicht gibt. Im wesentlichen handelt es sich dabei um die 120 km Strecke die man dann durch verfahren geschickt um 18 km verlängern kann.
Für eine RTF muss natürlich gut trainiert werden, damit der Körper die Belastung von 80 oder 155 km Fahrt gut durchsteht. Am besten fängt man damit nicht zu früh an, denn dann ist die Motivation zum trainieren bereits lange vor der RTF aufgebraucht und man kommt letztendlich ohne Power zum Start. Ich denke ein guter Trainingsbeginn ist etwa drei Tage vorher, da kann so ein Mißgeschick nicht passieren. Und so machte ich mich drei Tage vorher nach der Arbeit mehr oder minder in Arbeitsklamotten auf die Fahrt durch das Blockland. Ich kam an der Straße nach Ritterhude an, machte ein paar Photos von meinem Basso Fixie und mir und wollte gerade rechtswümmig zurückfahren, als eine ganze Truppe von Rennradfahrern von Ritterhude kommend auf den Deich einbog. „Prima“, dachte ich, „trainiert hast Du ohnehin schon mehr als genug, da hängst du dich jetzt dran und lässt dich nach Hause ziehen.“ Ich machte also mächtig Dampf und als ich dann dran war fragte mich gleich einer aus der Gruppe: „Kommst Du mit?“ „Klar“, antwortete ich, das waren ja nette Leute. Dieser Eindruck korrigierte sich aber schnell und auf der nach unten offenen Norddeutschen Nettigkeitsskala wurde in den folgenden Minuten eine „minus drei“ abgelesen.
„Ach so, ich dachte Du gehörst zu uns und kommst bei dem Tempo nicht mit.“
„Nö, das Tempo ist schon OK“
„Kannst gerne mit uns mitfahren.“
„Prima, Danke“
Einige Sekunden später.
„Du hast keinen Helm. Du kannst nicht bei uns mitfahren. Das sind die Regeln im Verein. Fahr raus.“
„Von welchem Verein seit ihr?“
„Von therafit. Fahr jetzt raus.“
„OK, Tschüss.“
Na ja, ich hatte halt keinen Helm, weil ich direkt von der Arbeit kam. Und Helm mit weißem Hemd und Krawatte sieht soooooooo 1990 aus. Also ich finde das schon OK mich dann aus der Gruppe rauszuschmeißen. Nun war aber die allgemeine Erwartung an mich, dass ich mich zurückfallen lasse und brav hinter denen herfahre, bevor die Therafitgruppe dann irgendwann am Horizont vor mir verschwindet. Das wiederum fand ich eine sehr doofe Idee. Ich ließ mich zurückfallen um aus der Lücke in der Gruppe rauszukommen, dann stieg ich in die Fixieeisen und trat so gut wie ich konnte mit meinen spitzen Lederschuhen in die Pedale bis ich an dem gesamten Feld vorbeigezogen war. Mit Hemd und Krawatte wäre das noch cooler gewesen, aber mit Poloshirt war das sicherlich auch sehr eindrucksvoll.
Nun fuhr ich mit 35 km/h und gefühlter 120er Trittfrequenz etwa 20 Meter vor dem Feld her. Das war nun wirklich lustig. Also für etwa 35 Sekunden. Dann merkte ich, dass die Therafittruppe auch fast einen 35er Schnitt fuhr und drauf und dran war mich wieder einzuholen. Mit anderen Worten: Die hatten Blut gerochen, denn eigentlich war das ja, wie sich später herausstellte, nicht die 30+, sondern die langsamere 25+ Gruppe von Therafit. Das ging ja nun gar nicht. Ich musste also nun richtig reinhauen, alles geben und mich aus Coolnessgründen auf keinen Fall umschauen. Und dann hoffen, dass irgendjemand in der Gruppe „Langsamer!“ schreit, weil er nicht mehr mitkommt. Mann, war das anstrengend, so hatte ich mir trainieren an sich nicht vorgestellt. Mit konstant hohem Tempo ging es dann an der Wümme lang bis zum Kuhsiel. Dort ging mir nun endgültig die Puste aus uns so fuhr ich geradeaus weiter, in der Hoffnung dass die Truppe rechts Richtung Platzhirsch abbiegen würde. Was sie denn auch tat. Lässig lehnte ich an dem Geländer, nahm eine Schluck Wasser aus der Flasche und blickte ihnen nach.
Damit war das Delmenhorst Training beendet.
Am RTF Tag selber hatte ich Sportverbot von meinem Zahnarzt. Am Tag vorher hatte er mir zwei Backenzähne gezogen und dafür eine Packung Paracetamol in die Hand gedrückt.
„Und die nächsten drei Tage kein Sport.“
„Was ist mit Radfahren?“
„Na ja, schon OK, aber nicht Rennrad auf Zeit nach Wilhelmshaven!“
Wilhelmshaven? Emden? Bin ich lebensmüde, in diese Brutstätten des Verbrechens (siehe oben) wollte ich auf keinen Fall. Ich interpretierte die Aussage des Arztes so, dass nach Norden auf Zeit nicht OK ist, nach Süden aber schon. Und so kam ich am Morgen doch noch rechtzeitig nach einem Platten zum Treffpunkt an der Pappelstraße/Langemarckstrasse. Insgesamt, so hörte ich nachher, hatten sich 38 Teilnehmer aus Bremen dort getroffen, darunter auch einige die ich kannte. Philipp war da, sowie Jonas, Tobias, Torben, Silke und und und. Auf der Fahrt nach Delmenhorst hatte ich Zeit mich mit Silke zu unterhalten und gemeinsam bestaunten wir die Hazienda des kolumbianischen Drogenbarons, die er sich vor einiger Zeit an den Grenzen der Stadt Delmenhorst errichten ließ. Schlimm, wie sich das Verbrechen in der Stadt auch architektonisch manifestiert! Ich vermute übrigens, dass es sich um denselben Drogenbaron handelt, der auch in Japan am Rande des Tsukui Sees eine Villa mit Landrover besitzt.
Als wir an der Schule in Delmenhorst ankamen, waren bereits eine Menge Leute da, insgesamt sollen es über 300 Teilnehmer gewesen sein – Rekord für diese RTF. Jörg war da, wollte aber nicht fahren, Andreas, Karin, Torsten und und und.
Andreas, wie man ihn kennt und mag.
Jörg und ich und ein halber Kaffee. Die andere Hälfte hatte ich bereits einem Mädel…äh..geschenkt.
Schnell war die Zeit um und ich hatte gerade noch Zeit einem Mädel meinen Kaffee auf die weißen Bibshorts zu schütten. Zum Glück sehe ich zu alt aus, als wenn das als Anmache gedeutet werden könnte. Diesmal wollten wir kein Erinnerungsphoto machen und so mogelte ich mich recht weit nach vorne am Start, um mit der ganz schnellen Truppe fahren zu können. Sicher wollten die mich mitnehmen, denn ich hatte ja nun einen Helm (Hallo Willi!).
Genau, so weit vorne war ich! Beste Platzierung dieses Jahr. Aber nur beim Start.
Und dan ging es auch schon los, nachdem der Mann mit der roten Fahne durch das Feld ging und die Gruppe neutralisierte, was immer das heißt.
Die ersten drei Kilometer fuhr ein Rennleitungswagen vorweg. Prima, da kann man ja locker warm werden, dachte ich mir. Allerdings fuhr dieser Wagen dann wohl mit 50 Sachen vorweg, so das sich Schwierigkeiten hatte in der Truppe zu bleiben. Nach etwa 5 km gab ich dann auf, ließ mich zurückfallen und war nun erst einmal allein zwischen Feldern. Aber zum Glück raus aus der Stadt! Ich holte einige andere Rausgefallene ein, aber die waren nun noch langsamer als ich und so war ich wieder alleine. Zum Glück kam dann die nächste große Gruppe, angeführt von Philipp, Jonas, Torben und Tobias von hinten und ich konnte mich dort einreihen. So fuhren wir einige Kilometer, bis Tobias dann seinen ersten Platten hatte. Es war nicht sein letzter heute: Drei Stück! Etwas asozial, aber vielleicht auch geprägt von den Eindrücken Delmenhorsts fuhr ich mit der Gruppe weiter, da waren jetzt vielleicht 20 Fahrer drinnen, unter anderem auch ein paar Triatathleten mit Lenkerausfsätzen und hohen Zipp Felgen. Dabei waren auch die Armstrong Brüder, Lance, Neil und Louis, die nun eine Fabrik für Bodenbeläge aufgemacht haben. Die Trikots sahen aus wie aus Bodenbelägen gemacht und eigentlich sollte es Unternehmen heute doch klar sein, welche Bedeutung es hat, wenn Sie einen Kreis um das A in ihrem Firmennamen machen, auch wenn das sooooooo 1980 ist. Aber fahren konnten die.
Die Disziplin insgesamt in der Truppe war etwas locker und so klappte es nicht so gut mit den Wechseln vorne. Eigentlich war ich ganz froh, als wir dann am Verpflegungspunkt in Colnrade ankamen und sich die Truppe auflöste. Einige fuhren sowieso gleich durch, andere machten lange Pause und ich hängte mich an das Hinterrad des Erstbesten der wieder das Weite suchte. Der fuhr auch gut schnell. Es war trotzdem ein Fehler, denn er fuhr nur schnell die 80er Runde. An der Abzweigung zur 120er Schleife fuhr er geradeaus und ich alleine weiter. Aber zum Glück schlossen gleich zwei Triathleten zu mir auf, einer vom RCB. Mit den beiden ging es dann weiter. Machen die Triathleten die Führungsarbeit auf ebener Strecke geht es echt schnell, am Berg und auf Pflaster musste ich dann übernehmen. Gesprächig waren die auch nicht, aber es ging doch gut und schnell durch die Felder.
Bis es plötzlich zisch machte und mein Hinterreifen platt war. Ich hatte insofern Glück, als dass ich gerade Führungsarbeit machte. Einer der beiden Anderen fragte mich dann „Alles OK?“ und ich fragte „Hast Du einen Schlauch?“, weil ich meinen bereits auf der Anfahrt verbraucht hatte. Ich konnte ihm aus dem Gesicht ablesen, dass er erstens, einen Schlauch hatte und zweitens so gar keine Lust ihn mir zu geben, aber der Ehrenkodex der Radfahrer lässt einem da recht wenig Wahl. Zumal ich ihm auch 10 Euro für seinen Schlauch gab und ihm wünschte, dass er keinen Platten haben möge als er wieder losfuhr.
Ich traf dann zwei lustige Typen die auf Tourenrädern unterwegs waren und mir ihre Pumpe borgten. Noch besser, als ich wieder anfuhr gaben Sie mir Windschatten UND stoppten durch ihre bescheuerte Fahrtweise eine andere Truppe, so dass ich mich an die dranhängen konnte. Auf diese Art und Weise kam ich dann zum zweiten Mal zum Verpflegungspunkt.
Die beiden Triathleten waren schon weg, aber auch sonst war noch viel Männlichkeit vorhanden.
Ich vermute mal, dass das irgendwas mit dem Hells Angels Logo Verbot zu tun hat.
Also fuhr ich wieder alleine los auf die letzte 155er Schleife. Das Wetter war ja immer noch gut zum Glück, kein Regen in Sicht. Alleine war ich nun recht langsam, aber bald holten mich ein Südschwede (siehe Startphoto) , ein Vegesacker und ein weiterer Teilnehmer ein und so fuhren wir zu viert weiter. Und so kamen wir zum letzten Mal an den Kontrollpunkt. Ich machte mich wieder auf den Weg, aber schon bald holten mich ein Südschwede (siehe Startphoto) , ein Vegesacker und ein weiterer Teilnehmer ein und so fuhren wir zu viert weiter. Kennen wir schon. Und täglich grüsst das Murmeltier.
Wie man sieht, alleine auf der 155er Schleife.
Aber nicht nur das, etwa 20 km vor dem Ende der RTF fing es nun richtig an zu schütten. Endlich, ich konnte mich einfach nicht an den Gedanken gewöhnen, dass ich mal eine RTF trocken fahren sollte nach den Erfahrungen beim Roten Fuchs und beim Velothon dieses Jahr. Ich wurde also richtig nass. Und während der Südschwede, der Vegesacker und noch einer erst einmal Unterschlupf an einer Lebkuchenhütte im Wald nahe der Stadtgrenze von Delmenhorst suchten, fuhr ich einfach weiter, über die Panzerstrasse bis in Delmenhorst wieder die Sonne schien und ich am Zielpunkt angekommen war. Eine sehr schöne RTF und mit An- und Abfahrt fast 195 km lang.
Am Ziel waren noch Torsten, Karin und Andreas; ich holte mir ein Brot und etwas zu trinken und wir hingen dort locker ab.
Später kam auch noch die Truppe um Philipp, die wohl dieses Mal die Seiche am Hinterrad kleben hatten.
Tolle RTF wirklich. Ich kam sogar noch getrocknet und trocken nach Hause und am Abend fing es dann wie verrückt an zu regnen. Zum Glück sass ich zu diesem Zeitpunkt wieder in Bremen, der sichersten Stadt im Universum jenseits von Betageuze.
Danke an alle die da waren. Photos werden noch nachgeliefert. Hier ist ein repräsentative Auswahl von offiziellen Photos. Wenn die Benutzung nicht OK ist bitte ich um Nachricht.
Die Jäger hetzen die Beute.
Hat so einen Feldmarschallmäßigen Schritt, ist mir gleich aufgefallen.
Bananen teilen – habe ich als Teenie auch gemacht. Banana Split. Obwohl Ahoi Brause ist besser. Aber soooo 1970.
Super: Aero in der Boxengasse – da wird keine Sekunde verschenkt!
Äh, nicht zu verwechseln mit den Armstrongs, die haben auch ein umkreistes „A“.
Bremen. (Magdeburg). Berlin. Bremen. Teil I: Bremen (Magdeburg)
Dies ist kein Bericht über ein ca. 750 km langes Randonneurrennen.
Bremen an einem Samstagmorgen. Das Wetter ist so la la gut und das alljährliche Heimatrennen des RSC Rot-Alt-Gold steht da: Die Bremer RTF bzw. der Bremer Radmarathon. Heute ist meine dritte Teilnahme nach 2010 (Marathon mit dem Cervelo und Streckenrekord von 261 km), 2011 (Marathon, Bemerkungslos) und 2012 (Marathon mit dem Fixie). Was war 2013? Irgendwie konnte ich da nicht. Aber dieses Jahr wollte ich unbedingt wieder fahren.
Da ich am Nachmittag mit dem Zug weiter nach Berlin wollte hatte ich mich entschieden nur die 120km Strecke in Angriff zu nehmen und zusätzlich mit den Marathonfahrern bereits um 9 Uhr zu starten, während der Rest des Feldes erst ab 10:00 Uhr auf die Piste ging. Deutsche RTFs sind prima, hinfahren, anmelden, Startnummer, Sicherheitsnadeln die mit Sicherheit aus dem 20. Jahrhundert stammen in Empfang nehmen und raus an den Start. Kein Risiko von hohen Startgebühren gepaart mit schlechtem Wetter.
Es waren einige Teilnehmer da, aber nach meinem Gefühl auch nicht mehr als 2012. Einige hatten sich für die ganz lange Distanz angemeldet: Bremen – Quaanaaq – Bremen. Jedenfalls waren deren Räder so ausgerüstet.
Da war’s noch nebelig. Da dieses Rad allerdings mit Bodenradar und Funkleitsystem ausgerüstet ist, kann man damit auch bei völliger Dunkelheit und ohne Brille mit 145 m/h durch Gröpelingen fahren.
Eigentlich nur dann und so.
Am Start traf ich Don Seba der auch recht gut trainiert aussah. Dies so erklärte er mir hatte vor allem mit dem Umstand des Wechsel des Arbeitsplatzes (im Einzelhandel), aber nicht des Arbeitsortes (Gröpelingen)zu tun hat. Und dann stieß, zu meiner großen Freunde auch noch Kaipi zu uns. Wir waren jetzt ein echt starkes Quartett! Eine Sache gab mir allerdings doch zu denken: Kaipi hatte die Startnummer 444! Vier wird im japanischen „shi“ ausgesprochen (四) und somit die selbe Aussprache wie „shi“ (ist ja klar), was aber leider nun einmal sterben (死) bedeutet. Dreimal vier wäre dann nich 12 sondern entsprechend „tausend Tode sterben“. Von solchen Teilnehmern sollte man sich eigentlich fernhalten. Ich hoffe Kaipi hat es auch überlebt, denn seit Samstag hatte ich keine Kontakt mehr zu ihm.
Bei der Anmeldung war das Minarett der großen bremischen Akademikermoschee Bremia Sophia am Start noch in Nebel getauscht; beim Start hob sich nun schon die Spitze gegen den grauen Himmel an und außen krabbelte wie ein kleines Insekt der studentische Mitarbeiter an einem alten Tau hoch, um die Gläubigen des Technologieparkes zum Morgensabbatical zu rufen.
Wie gesagt, das Minarett (links oben) war noch nicht ganz sichtbar. Don Seba (ebenfalls links, aber bunter) schon.
Und schon ging es los. Kaipi war übrigens mit einem Freund da, den ich bislang auch jedes Mal beim Radmarathon getroffen hatte. Wir fangen dann immer in der Mitte der RTF an zu reden und dann stellen wir (bislang dreimal) fest, dass wir beiden lange in Japan gearbeitet haben. Ich als Manager, er im Zoo glaube ich. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, wo man mit so einem Schnauzer sonst arbeiten könnte.

Kaipi’s Freund aus Peterswerder (durch Statisten nachgestellt).
Egal auch, wir treffen uns ja bestimmt 2014 wieder (und vermutlich bekomme ich dann eins auf die Schnauze).
Kaipi erzählte mir noch am Start, dass er bald zum Urlaub nach Barcelona fliegt, dann drei Wochen in und um die Pyrenäen fährt und dann vielleicht auch noch, wo er eh dabei ist, dann gleich zurück nach Bremen. Während wir uns so unterhielten, wurde der Start freigegeben und es ging in recht gemütlichem Tempo Richtung Platzhirsch, dem ersten Etappenziel. Hier konnte aussteigen und sich ausruhen, wer nun überfordert war. Nach dem Platzhirsch beginnt sofort eine extrem fiese Steigung die kein Mensch in normalem Tempo hochfahren kann. Und als wir oben auf dem Scheitel waren sahen wir, dass sich das Feld bereits recht lang auseinandergezogen hatte. Kaipi und ich beschlossen von unserer Gruppe auf die nächste aufzuschliessen. Ein weiterer Fahrer hatte die gleiche Idee und preschte voran, wir hinterher. Die Distanz war allerdings recht lang und unser unvermittelter Helfer war auch schneller ausgepowert als eine Silvesterrakte vom Baumarkt. Zum Glück sprang dann gleich Kaipi als zweiter ein, der etwa eine Ausdauer hat wie Voyager One. Mit seiner Hilfe schafften wir es fast bis auf die Gruppe (wir heisst nun nur noch Kaipi und ich) und das letzte Stück musste ich noch ziehen. Es half aber, das wir da schon am Kuhsiel waren und in die Kurve mussten – ich hatte aber auch richtig Körner gelassen.
Nun ging es weiter auf dem Deich und irgendwann kommt man dann zur Kreuzung mit der Borgfelder Heerstrasse. die Ampel ist dort immer auf Rot. Man wartet dann an der Strasse und bekommt relativ mißlaunig mit, dass nun von hinten die stehengelassene Gruppe wieder aufschliesst und der ganze vorherige Aufwand umsonst war. Diesmal aber nicht, wir kamen recht schnell rüber und so ging es nun weiter Richtung Wilstedt ud Zeven. Wir waren eine gute Truppe, vielleicht ca. 30 Fahrer, wechselten uns an der Spitze ab und machten so 35 – 40 km/h Tempo. Beim ersten Verpflegungspunkt in Neubühlstedt nach ca 35 km fuhren einige durch, aber wir pausierten kurz und waren immer noch genug für ein schnelles Tempo. In meiner Strategie für den Tag hatte ich allerdings nicht bedacht, dass meine 120 km Runde bereits nach 45 km von der Marathonstrecke abzweigt. Ich rief noch mal „Kaipi“, der hörte nichts und dann bog ich ab. Die nächsten Kilometer waren von Einsamkeit geprägt. Kein anderer Fahrer war auf meiner Strecke und ich machte mich so im 30er Tempo auf den langen Weg nach Hause. So ein Mist, daran hatte ich bei meiner Vorbereitung einfach nicht gedacht.
Dazu kam, dass die nächste Kontrollstelle in Hetzwege nach ca 90 km noch gar nicht besetzt war, da ich ja mit gutem Tempo eine Stunde vor dem eigentlichen 120er Rundenstart losgefahren war. Ich ging so langsam auf dem Zahnfleisch und die letzte Verpflegung war nun auch weg.
Kurz danach kamen die Strecken der 81er und der 120er Runde zusammen. So schnell, dass ich die 39 zusätzlichen Kilometer innerhalb einer Stunde zurückgelegt hätte, war ich nun auch nicht und so fan dich mich auf einmal vor einer größeren Gruppe mit TCB Trikots wieder. da ich mich noch gut fühlte, fuhr ich vor der Truppe bis zum nächsten Kontrollpunkt in Otterstedt vor. Eine Taktik die ich ein paar Tage später wiederholen sollte und die a) wahnsinnig motivierend und b) wahnsinnig anstrengend ist.
In Ottersberg traf ich dann Niels, Harald, Gerhard und diese beiden Mädels die ich auch immer sehe … wow, das fand ich nun richtig gut. das ist eben das schöne an dem Heimatrennen, man sieht so viele bekannte Gesichter. aber auch nur dann wenn man sozusagen Urbremer ist. dafür reichen übrigens vier Jahre. In Hamburg braucht man sogar fünf!
Nun wollten wir ja eigentlich gemeinsam zum Ziel radeln; ich fuhr an der Spitze mit Gerhard und Jan? und auf einmal waren wir nur noch zu dritt. Die beiden wollten auf die anderen warten, ich wollte zum Zug nach Berlin und so setze ich mich ab bis ich nach Borgfeld reinkam. Dann überholte mich Harald von hinten mit 40 Sachen und forderte mich auf mich an ihn zu hängen. Das habe ich dann auch gemacht, bis ich ihn an der besagten Ampel an de Borgfelder Heerstrasse in eine Konversation verwickeln konnte und wir nun dem Ziel entgegentuckelten. Harald erzählte mir von seinem Krankenhausaufenthalt auf Malle – nicht so schön. Um ihn aufzuheitern erzählte ich von einem Bewerber an unserer Hochschule, der auf meine Frage, in welchen Ländern der Welt er schon war u.a. antwortete:
„Auf Spanien!“
„Auf welchem Spanien waren Sie denn?“
„Ich war schon auf beiden Spanien: Mallorca und Ibizza!“
Und dann waren wir auch schon im Ziel, 122 km in etwa 3:45 h ist ja auch ganz OK, vor allem wenn mehr als die Hälfte davon solo war. Und so hatte ich ein wenig Zeit mich hinzusetzen und zu quatschen und Harald ein Stück Kuchen zu kaufen, damit er wieder bessere Laune bekam und sich des Lebens freute. Zum dank machte er dieses Photo von mir, das aussieht, als wenn ich schlechte Laune hätte und nicht er!
Am Ziel waren wieder ein ganzer Haufen Leute die ich kannte, u.a. Hannes mit Freund Eddi (der könnte übrigens der Zwillingsbruder sein von meinem Studienfreund Ekki). Na ja, vielleicht wie ich Ekki in Erinnerung habe, bevor er geo-thermisch wurde. Bernd, mit dem ich bis 2011 bei RCB gefahren bin war auch da. Die Marathonfahrer waren da noch auf der Strecke, das sollte noch mindestens eineinhalb Stunden dauern bevor die eintrafen.
Hannes ist der Schwarm aller Frauen, da er seine Startnummer nicht mit Sicherheitsnadeln an seinem Trikot befestigt, sondern mit kleinen, runden Magneten von denen einer unter dem Trikot und einer außen über Startnummer und Trikot platziert wird. Das erregt garantiert die Aufmerksamkeit des weiblichen Geschlechts und führt mit an Langweiligkeit grenzender Sicherheit dazu, dass man von Blondinen mittleren Alters angesprochen wird.
Wir konnten aber nun nicht länger warten. Ab nach Hause, duschen Zeuch packen und auf dem Rad zum Bahnhof. Ich wollte um 20:00 Uhr bei meinen Freunden in Berlin sein, früh ins Bett geben und dann morgen ausgeruht beim Velothon starten. Mieses Wetter hatte sich ohnehin in der Zwischenzeit angekündigt, aber anders als bei einer RTF hatte ich bereits eine Menge Geld in Form von Startgebühren und Zugkosten vorab bezahlt.
Zunächst stand ist auf dem falschen Bahnssteig, denn mein IC nach Hannover wurde kurzfristig auf einen anderen verlegt. Der IC kam sogar pünktlich, fuhr aber dann mit 20 Minuten Verspätung los. Das bedeutet sofort, das ich meinen Anschluss in Hannover nicht bekommen würde; nach meinem IC fuhren nur noch ICEs von Hannover nach Berlin an diesem Tag. Was tun? „Bleiben Sie einfach sitzen und fahren Sie nach Magdeburg.“ sagte die Schaffnerin, und nehmen Sie dann einen Regionalzug nach Berlin.
Und so kam ich um 19:12 in Magdeburg an. Der Regionalzug nach Berlin, d.h. eigentlich nach Frankfurt an der Oder, war gerade weg (19:08) da der IC immer noch zu spät war und ich musste eine Stunde in Magdeburg auf den nächsten Zug warten. In Magdeburg, Zunächst einmal wurde ich auf Zigaretten angeschnorrt. Dann kam der Regionalzug noch einmal zehn Minuten später.
Das ist aber auch immer noch alles besser als mein letzter Besuch in Magdeburg. Das war am 18. Januar 2007, als ich eine Vorlesung an der Uni Magdeburg mit dem Orkan Kyrill teilte. Ich kam gerade noch mit dem letzten IC aus Magdeburg raus bevor der Zugverkehr eingestellt wurde. Mitten in de Dunkelheit, irgendwo bei Helmstedt blieb der Zug dann stehen. Da war es schon klar, dass er ohnehin nur bis Braunschweig fahren würde und nicht weiter bis nach Hannover.
Es passierte das, was immer passiert wenn Züge der DB unvermittelt anhalten:
Nichts.
Nach einer halben Stunde gab es dann endlich eine Durchsage:
„Durch den Orkan sind Bäume auf die Strecke gefallen. Wir warten nun auf die Feuerwehr, damit diese enternt werden.“
Danach wieder:
Nichts.
Allerdings begann sich nach relativ kurzer Zeit der Zug wieder zu bewegen. Um dann abrupt wieder anzuhalten.
Erneute Durchsage:
„Wir bitten den Reisenden mit der Motorsäge noch einmal zur Spitze des Zuges zu kommen.“
Und so schaffte ich es an diesem Tag, dank dem Reisenden mit der Motorsäge noch nach Braunschweig. Aber jetzt sass ich erst einmal in Magddeburg (to be continued).

RTF Roter Fuchs: No dogs allowed
Wir waren also nun in der Ortschaft Flecken Greene im voll erschlossenen Neubaugebiet.
„No dogs allowed.“ (Tom Hanks ab etwa 08:58)
Und machten uns weiter auf den Weg, denn wir hatten noch gut 100km vor uns. Zusammen mit Racer X bildeten Hannes und ich eine richtig gute Truppe. Racer X mit Cervelo und Zeitfahraufbau zog uns überwiegend durch die flachen Stücke, von denen es leider viel zu wenige gab. An der nächsten Steigung zum Wenzer Berg zog es uns davon und wir dachten, dass dies das Ende unserer Freundschaft mit Racer X wäre. Aber er wartete bei der Abfahrt auf uns. Dann ging es, unvergesslich durch Grünenplan, eine Ortschaft die ich mir aus verschiedenen Gründen gemerkt habe. Die Streckenführung führte uns zunächst über wenig sinnvolle und im Kreis führende Steigungen und Abfahrten die sich im wesentlichen auf und um das Gelände der Firma Schott konzentrierten. DAS erfuhr sich in etwa wie eine Werksbesichtigung. Trotz aller Umwege, wir verbrachten viel zu wenig Zeit in Grünental. Wer hätte z.B. gewußt, dass hier einst Ludwig Ruhe eine Tierhandlung unterhielt, die sich zur größten Kanarienvogelhandelsfirma der Welt entwickelte (1993 dann pleite durch den Markteintrii von Tamagotchis)? Ich denke, wir in Deutschland können stolz auf unsere leistungs- und konkurrenzfähige Industrie sein, auf die Pioniere der früher Wirtschaftsjahre und dass was wir erschaffen haben, auch wenn es dann Grünental heisst.
Dem Labyrinth Grünenplans entkommen hatte ich die Gelegenheit hatte mich beim Anstieg auf den roten Fuchs abzusetzen. Oben am Kontrollpunkt machten wir eine längere Pause und füllten unsere leeren Batterien mit Bananen, Rosinenbutterstullen und Multivitaminsaft auf, den Lachsbrötchen waren hier weit und breit nicht zu sehen. Der rote Fuchs ist tatsächlich eine Waldgaststätte von der jede Menge Wanderer ihre Wanderung beginnen oder enden oder gleich sein lassen, um dort Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen.
Lachs und Fuchs
Ganz am Anfang hatte ich einen anderen Fahrer in einem wahnsinnig häßlichem Outfit überholt. Nach dem ersten Kontrollpunkt passierten wir den wieder. Dachte ich, denn ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass es zwei Menschen auf der Welt gibt, sie sich so etwas antun. Mein Glaube an die Menschheit ist aber nun wirklich naiv. Hier stand nun eine ganze Truppe von diesen Blut/Eiter oder Ketchup/Senf Fahrern aus Obernkirchen: Weltbekannt durch seinen Sandsteinabbau; das weiße Haus in Washington ist zum größten Teil mit Oberkirchener Sandstein erbaut wurden. Hätte es en Oberkirchener Modedesigner entworfen hätte es vermutlich eine rot-gelbe Fassade.
I have nothing to offer but blood, sweat and tears (Winston Churchill, 1940)
Wir waren aber wegen dem Wetter doch recht nervös und machten uns auf den Weg zusammen mit einer anderen Gruppe von Triathleten. Einige hatten normale Rennräder, andere fuhren Zeitfahrräder mit hohen Carbonfelgen und Lenkeraufsätzen und dritte hatten wiederum orange Kompressionssocken an, die bis nach Giesen und Grünenplan strahlten. Mit dieser Gruppe zusammen fuhren wir etwa bis Bisperode, wo siich alle bis auf Racer X von Hannes und mir an einem Anstieg absetzten, um dann kurz danach und vor dem nächsten Kontrollpunkt eine Abzweigung zu verpassen, so dass wir dann doch vor ihnen an der Verpflegung waren. Wieder keine Lachsbrötchen.
Es waren jetzt nur noch 22 km bis zum nächsten Kontrollpunkt und wir fuhren jetzt wieder zu dritt auf eine ziemlich fiese Regenwand zu. Zwar achte die Strecke zweimal den Versuch vor der Regenfront nach rechts abzubiegen, aber es begann nun immer stärker zu tröpfeln und als wir schliesslich, Schieber überholend, am letzten Kontrollpunkt angekommen waren, begann es aus allen Eimern zu giessen bis nach Giesen. Es war nun klar, dass wir völlig durchnässt am Ziel ankommen würden.
Es ist nicht gerade hilfreich, wenn man dann an der Verpflegungsstation, aus einem Vorbaudach an einem Einfamilienhaus bestehend, das Essen unter, die Getränke weit vor dem Dach, steht und neben einem erzählt jemand davon, dass er nun aufhört und sein Rad in den großen weissen VW Transporter packt und zurück nach Giesen fährt. Unwillkürlich denkt man, wow, in diesem riesigen Transporter ist doch bestimmt ne Menge Platz, da passen doch locker das Rad von Hannes, Racer X und mir rein und .. tschüss Wetter, Sayonara Regen. Einerseits, anderseits mag es ja jeder denken, wenn man aber durch die Freundschaft in einer knallharten Männertruppe (Racer X, Hannes und ich) gebunden ist, dann mag es auch keiner aussprechen. Und so setzten wir uns wortlos und ohne Murren wieder auf die Räder und fuhren die recht unerfreulichen letzten 22 km zurück nach Giesen. Ich hatte zwar Schutzbleche am Rad montiert, da der Regen aber von überall kam brachte das Recht weg. Richtig gut war das nur für die, die in meinem Windschatten fuhren. Am letzten Anstieg packte Hannes noch das ganz große Kettenblatt aus und Racer X ging die Batterie aus. Er hing nun in den Seilen wie die Zink Kohle Konkurrenz des Duracell Hasen. Ich hing irgendwo dazwischen. Dan kamen wir gemeinsam in Giesen an, den Moment hat Karin großartig im Foto festgehalten.
Ankunft nass in Giesen
Und natürlich ist das wie jedes Mal: Die letzten Kilometer waren wirklich nicht spassig, aber wenn alles vorbei ist, ist alles toll und aufregend gewesen und man denkt nicht mehr an die Schmerzen. Ich habe aber am Samstag insofern weiter gedacht, als ich den Brooks Cambium C17 Sattel von meinem Rennrad abmontierte – das Teil ist über längere Distanzen einfach zu schmerzhaft, ich brauche etwas mit Loch in der Mitte.
War was?
Während Hannes und ich tief durchnässt und völlig aus der Facon ankommen, sieht Jonas mal wieder aus wie frisch von der Maniküre.
Die Zugfahrt zurück war wie immer lustig und ein wenig zu lang. Aber gearde noch lang genug um zwischen Sarstedt und Hannover komplett die Kleidung zu wechseln.
Willi, immer noch ohne Helm
Partyvolk
Neben allgemeinen renn- und radtechnischen Fragen, bietet die entspannte und unverkrampfte Atmospähre einer Zugfahrt die Möglichkeit auch einmal richtig interessante Fragen zu diskutieren, wie z.B. ob sich die anthroposophische Lehre Rudolf Steiners grundlegend verändert hätte, wenn es zur Zeit ihrer Entstehung bereits Masernimpfungen gegeben hätte. Die Bahn tut auch das ihrige dazu um die Zeit für solche Diskussionen bereitzustellen. Beide Züge waren verspätet, der letzte wegen eines Türdefekts, den die 54 jährige Schaffnerin und ihre 52 jährige Azubine vergeblich unter Kontrolle zu bekommen versuchten.
Epilog
Zwei Tage später wollten wir eigentlich in den Harz fahren, wenn ich mich richtig entsinne. Tobias, der sich listenreich durch eine Verletzung der Teilnahme entzog hatte eine Strecke vorgeschlagen (die er ja nun nicht mehr fahren musste) über 33 km und 45.400 Höhenmeter. Das gab dann den Ausschlag, dass ich nach und nach alle von der Idee verabschiedeten unter der Angabe verschiedener fadenscheiniger Gründe (Noch weiche Knie vom roten Fuchs, Minus Ein Grad auf dem Brocken zu kalt etc.). Nur ich musste dass nicht tun, denn es waren ja bereits alle draußen, was mir die Peinlichkeit eines Grundsuchens ersparte. Ich war dann aber doch ganz froh an dem bewussten Tag alternativ die Garage aufräumen zu dürfen.
Schön war’s und ich freu‘ mich auf das nächste Mal. Danke an alle Bremer und an Racer X, dessen Namen wir immer noch nicht kennen.
Rote Füchse, rosa Lachse. Teil I.
Ich hatte schon viel vom roten Fuchs gehört. Hört man „Fuchs“, so denkt man „Lachsbrötchen“.
Der typische Beginn einer RTF an einem Wochenende oder Feiertag: Abends wieder mal zu spät ins Bett, weil auf YouTube wieder bis in die Puppen wahnsinnig süße Robbenbabys beim abkalben und Tips wie man eine Shimano Di2 einstellt, angesehen. Nicht, dass ich so etwas hätte, weder eine Di2 noch ein Robbenbaby. Das abkalbt. Dann irrsinnig früh aus dem Bett, hastig gefrühstückt mehr recht als schlecht und ab zum Treffpunkt am Bremer Hauptbahnhof. Philipp, Thorben, Jonas und Willi (mit superschickem Rudy Helm!) waren schon da, später kam auch noch Hannes dazu. Ohne, dass jemand auf mich wartet käme ich nie aus dem Bett. Unglaublich, wie viel Volk sich morgens um 6 Uhr am Bremer Hauptbahnhof herumtreibt. Man sagt ja immer, vor allem wenn man älter wird, dass die jungen Leute von heute nur faul sind und im Bett lägen und Mortal Combat IV spielen, aber ich war erstaunt festzustellen wie viele junge Menschen beiderlei Geschlechts sich gut gelaunt am Morgen auf dem Weg zur Arbeit befanden – und das auch noch am 1. Mai – Respekt! Zunächst fand ich es etwas komisch, dass einige von denen ein Gyros Rollo zum Frühstück aßen, bzw. es wieder auskotzen während ihre Freunde relativ teilnahmslos weiter an ihrem Gyros aßen. Dann wurde ich aufgeklärt, dass die allgemeine Freude keineswegs von der Aussicht auf baldige Arbeit bestimmt war, sondern sich aus einer Mischung von Resteuphorie, Restalkohol und Restdrogen der verbrachten Nacht in den Bremer Clubs speiste. Diese junge Leute von heute: Faul, träge, zu nichts nütze und so weiter und so fort. Und Mortal Combat IV spielen’se auch nicht wirklich gut.
Nachdem Andreas dann auch zugestiegen war, reisten vier von uns mit dem Niedersachsenticket und die Herren Studenten umsonst.
Umbertoooooo !
Neben uns lagen zwei weibliche Eurphorieleichen auf ihren Plätzen und stiegen irgendwo in der Provinz zwischen Bremen und Hannover aus. Sie erreichten bei weitem nicht das Niveau der beiden russischen Mädels, die uns im altmodischen Abteil des Diesellokzuges in den Harz vor einiger Zeit beglückten. Auch flirteten die Mitreisenden nicht mit uns, was wohl daran liegt, dass keiner von uns auch nur annähernd die Charmestrahlkraft besitzt, die Torsten auf die Damenwelt abfeuert.
Noch vor der Ankunft in Hannover beginnt es draußen feucht und unangenehm zu werden. Weiterfahrt mit der verharzten Lok Richtung Goslar, raus in Sarstedt, Willi jetzt ohne Helm der sich, nach Auskunft der DB nun auf einem Abstellgleis in Hannover befindet. Sarstedt? Ein unbedeutenter Ort, der bislang nichts weiter als die Trashing Grooves hervorgebracht hat, die es immerhin einmal zur Vorgruppe von Jingo de Lunch gebracht haben. Ob das alles so stimmt? Egal, eine gute Möglichkeit ein wenig Musik zu hören und nicht an weiche Knie zu denken.
8 km bis nach Giesen auf dem Rad, zum Glück im trockenen aber schon stramm durchgezogen. Hannes und ich schauen uns an un denken: Das Tempo fahren wir heute aber nicht den ganzen Tag. Andreas würde uns auch gerne anschauen und das gleiche denken, ist aber am letzten Hügel kleben geblieben. Giesen sieht an sich aus wie Giessen, nur ein wenig kleiner, wie der Name an sich im Vergleich ja bereits andeutet. Wir schaffen es nicht einmal ins Zentrum, denn auf der Marginale links erscheint etwas was aussieht wie ein Haufen gestapelter Debeukelaer Kekse und eine Turnhalle ist. Der Startpunkt. Das übliche RTF Volk ist da, die Adler aus Goslar, viele gelb-schwarze Hildesheimer und ein Haufen Bremer, teils bekannt, teils weniger. St. Paulianer sind bestmmt auch da, aber wie immer gut getarnt. So ’ne typische St. Pauli Jacke habe ich jetzt auch, Dank Uniqlo in Tokyo. Triathleten tauchen auch immer öfters auf.
Ich mache erst einmal ein Foto von der Damenumkleide (in der sich die Herrentoilette befindet nach Auskunft Philipps) und deren wunderschöne Armaturen und Farbgestaltung mich so sehr an die Schule ca. 1979 erinnern. All das ist in Giesen noch alive and kicking! Im Foyer befindet sich ein Glaskasten voll mit Pokalen die von den stolzen Erfolgen vergangener Zeiten künden. Ein Aushang informiert stolz über den letzten Erfolg des Vereins: „1. Patz des Damenvolleyballteams beim Dorffest 2009“. All dies ist so…. 1979.
Das ist übrigens mein einziges Foto, was ich an dem Tag gemacht habe. Da mein rechter Daumen nass war, als ich versuchte mein iphone5 einzuschalten und nicht als mein rechter Daumen erkannt wurde, verlegte sich das iphone darauf den Code zu verlangen, den ich nie benutze und mir irgendwo aufgeschrieben, aber keinesfalls im Kopf hatte. An diesem Zeitpunkt hatte ich kein Smartphone sondern nur noch einen nutzlosen Elektronikkeks in der Rückentasche meines Jerseys. Genug des Müßigganges, es geht nun daran an den Start zu gehen und ein letztes Foto von den Bremern zu machen. Dies hat im Regelfall zwei Konsequenzen: Wir haben noch nie ein Foto hinbekommen, auf dem alle in die Kamera schauen. Und zweitens, wir machen immer Fotos gefühlte 30 Nanosekunden vor dem Start. Während einige von uns sich also in Positur bringen, schauen andere bereits wehmütig dem Feld nach, dass nun gerade zwischen blühenden Rapsfeldern auf noch trockenen Strassen Richtung Lachsbrötchen entschwindet. Unsere Chance sich in eine richtig schnelle Truppe zu mogeln sind dahin, und wir hoffen nur noch, dass die vor uns nicht die ganzen Lachsbrötchen (mit Kaviar obendrauf!) wegfuttern. Ist Schieber noch da? Gut, dann gesteht noch Hoffnung auf den Lachs.
Einklicken, Helm auf (bis auf Willi) und einige bereits in Positur, andere noch nicht…
…und da zieht das Feld schon wech – schade.
Einem ist das egal, der denkt ohnehin nur an den Lachs und andere Fischbrötchen.
Ein anderer hat wohl in den Wetterbericht geschaut.
Weg sind sie, weg!
Zum Glück ist es weiter trocken. Jetzt heisst es also dem Feld hinterher zu hecheln,; aber das aufrollen von hinten, macht ja im Gegensatz zu dem abrollen von vorne Spaß. Und so ist das Tempo auf den ersten zehn Kilometern bis zu den Anstiegen am Hildesheimer Wald viel zu schnell und unvernünftig. Wir arbeiten uns nach vorne durch, aber irgendwann sind die Gruppen zu weit auseinandergezogen und wir schaffen einer nach dem anderen nicht mehr den Sprung in die nächste Gruppe. An der alten Blaupunktfabrik (die bauten das erste Autoradio der Welt, das wegen seiner Größe gera denicht mehr in einem Anhänger gezogen werden musste) schaffe ich im Alleingang fast noch den Sprung, nur noch 30 Meter vielleicht fehlen, aber dann falle ich wieder zurück und bin alleine. So kämpfe ich mich dann den Berg hoch und dort warten nicht nu die schnellen Bremer (Philipp, Jonas und Thorben) sondern auch die versprochenen Lachsbrötchen, Negerküsse (Schokoküsse ist sooo 2013), Marmeladenbrote, Sekt und Riegel, alles Dank der netten Unterstützung des einzigen Fünfsternehotels in Hannover : Kastens Hotel Luisienhof. Ohne die, käme wohl nur die Hälfte der Teilnahmer zu dieser RTF, auf keinen Fall Schieber.
Ja, es gibt sie wirklich: Lachsbrötchen mit separatistischem Kaviar von der Krim und Gurken aus München (0:4).
Äußerst zufriedenes Verlassen des Kontrollpunktes
Man versteht nun warum. Philipp haute sich gleich drei Lachsbrötchen rein. Ich nur eins, denn da ads mein erster „Roter Fuchs“ war, dachte ich, dass dies an den anderen Kontrollpunkten so weiter geht. Die anderen Kontrollpunkte waren dann allerdings mehr vom Charme bröselnder Prinzenrollen geprägt, doch dazu später mehr. Bald waren alle da. Willi hatte immer noch keinen Helm, wurde angemacht deswegen und entschied sich mit Andreas für die 113er Runde.
Ich wartete auf Hannes, und dann fuhren wir zusammen weiter. Nachdem es bislang trocken geblieben war, entschieden wir uns die 152 km Runde zu fahren und nicht die luschigen 113. Und wir bekamen auch gleich Begleitung von drei weiteren Fahrern, unter ihnen einem, den ich der einfachheithalber von nun an als Racer X bezeichnen werde. Zwei der Fahrer zogen wir mit zu ihrer langsamen Gruppe, die früher vom Kontrollpunkt gestartet waren. Racer X blieb mit uns, wir zogen uns gegenseitig in gutem Tempo zum nächsten Kontrollpunkt, der in einem voll erschlossenen Neubaugebiet lag.
Ich habe zwar von bauen keine Ahnung, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Dinge wie Strom, Gas, Wasser, Strassen und deren Beleuchtung sowie etwas, was man unter dem Wort „Zufahrt“ kennt, zu einem voll erschlossenen Neubaugebiet gehört. Und nicht nur ein Kontrollpunkt mit Wasser, Bananen und Keksen. In der Ortschaft Flecken Greene.
Racer X und ich im voll erschlossenen Neubaugebiet. Seltenes Foto, Racer X ist publicityscheu, ich nicht.
Wir fuhren dann weiter, aber das ist eine andere Geschichte und die wird morgen weiter erzählt.
Danke an Karen, Hannes und Niels für die Fotos.





































































































































































