Mein Standardprogramm für das Wochenende sieht derzeit so aus: Am Freitag die sehr gemütliche BBC Runde, am Samstag Grundlagenausdauer- und Stabitraining und am Sonntag ist Ruhetag. Nur auf diese Art und Weise bin ich in der Lage beim RCB Training am Montag teilzunehmen.
Nachdem es die letzten drei Montage ausgiebig geregnet hatte, war heute mal wieder gutes Wetter und entsprechend viele Fahrer waren zum Treffpunkt nach Borgfeld gekommen. Während im Frühling Pollenflug Allergien verursacht, bekam ich heute fast eine Adrenalin oder Testoronallergie – die Ungeduld aller lag spürbar in der Luft: Es würde schnell, dreckig und brutal werden, auf jeden Fall in der Heizdüsengruppe.
Jede Menge bekannte und berüchtigte Gesichter. Ich habe leider keine Photos gemacht. Selbst wenn ich welche gemacht hätte, wären nur verschwommene Schatten erkennen zu gewesen, so schnell war das Tempo und so gesättigt die Luft mit Adrenalin. Aber ich habe heute eins im Web gefunden, das den nach der Geburt getrennten Zwillingsbruder von Stefan Schnippowski zeigt der heute auch dabei war.
Uwe Schnippowski
Die Einsteiger sollten sich hinten auf dem Parkplatz sammeln, die Heizdüsen mitten auf der Strasse. Alle andere blieben stehen wo sie waren. Dann ging es los und innerhalb von 300 Metern waren wir zu Viert vorne und hatten die anderen bereits verloren. Wir waren eine recht große Truppe bei den Heizdüsen heute, vielleicht so um die 20 Fahrer, die dann wieder Anschluss fanden.
Das Tempo war…schnell. Als ich wieder zuhause war und auf meinen GPS Datenlogger schaute, zeigte dieser einen Schnitt von 35 km/h – inklusive der getrödelten An- und Abfahrt durch die Stadt. Und hatte ich den nicht auch an, als ich bei Rewe Riegel kaufen ging und verträumt an den Regalen vorbei schlenderte? Mir kam es so vor, als wenn wir überwiegend mit 40+ durch die Gegend gerast wären.
Quasi an jedem Ortsschild gab es einen Sprint, angefangen in Quelkhorn, und dann in Ottersberg, Ottersstedt, Otterswerk, Ottershorn, Ottersthal und sogar in Ottersfeld. Ich hielt mich taktisch zurück, da ich nicht wusste, ob ich nicht doch irgendwann einmal herausfallen würde. Aber als wir fast wieder zurück und ich noch gut in Schuss war, dachte ich mir, ich könnte ja auch einmal ein paar sinnlose Attacken fahren. Also begann ich Ortsschilder anzutäuschen.
„Los, da vorne ist Quelkhude“ murmelte ich, beschleunigte wie ein Blöder und musste feststellen, dass sich eine ganze Truppe hinter wir dranhielt, die alle den Sprint nach Quelkhude, respektive Borgstedt oder Dogrepel für sich gewinnen wollten. Man, waren die gut. Ich nahm wieder Tempo raus und schaute mir die Sache von hinten an. Vorne wurde es ja auch wieder langsamer, wenn nach exzessivem Sprinten kein Ortschild in Sicht kam.
Wir waren also irre schnell zurück. Noch weit vor dem Sonnenuntergang.
Borgstedter Deich Richtung Hühnersiel
Da gab es dann endlich mal die Gelegenheit etwas zu reden, denn beim Fahren war daran nicht zu denken. Das war definitiv härter und schneller, als der Velothon in Berlin vor zwei Wochen. Zum Glück konnte ich den als Vorbereitung für das Montagstraining mitnehmen.
Nach dem Training war ich ziemlich müde. Da aber diese Woche kein Body Attack stattfindet, da die Trainerin in Urlaub ist und zudem mal wieder mieses Wetter nach Bremen zieht, fuhr ich noch ein wenig an Wümme und kleiner Wümme lang, um mir die Füsse zu vertreten und noch ein paar Kilometer zu sammeln. Denn in 2 Wochen bin ich wieder in den Dolomiten, das könnte dann tatsächlich etwas härter werden, als ein RCB Montagstraining. Auch wenn man sich das noch nicht vorstellen kann.
Hannes und ich hatten gemeinsam in den letzten Wochen einen CIÖCC Rahmen aufgebaut. Das Resultat war ein ansehliches Reiserad mit Schutzblechen, Nabendynamo und Lampe, dass nicht unbedingt schnell, aber geradeaus fährt. Es fehlte nur noch ein Gepäckträger.
Bis der perfekte Gepäckträger gefunden ist, wird es noch etwas dauern, denn der muss erst noch gebaut werden in Kooperation mit dem letzten Gepäckträgerbauer Bremens. Bis dahin muss es zunächst ein Tubus Fly tun, denn die ersten, längeren Ausfahrten stehen im Juli an.
Den Tubus Fly wird oben an dem Bolzen der Hinterradbremse befestigt, ist so etwas nicht vorhanden oder geht dies an anderen Gründen nicht, so gibt es Adapter für eine Seitenbefestigung an den Sitzstreben. Während der Gepäckträger selber in verschiedenen Finishes angeboten wird, gibt es den Adapter nur in schwarz. Das ist, angesichts der Mühe, die das CIÖCC erfahren hat, absolut unbefriedigend.
Zum Glück gibt es die „Metaller“, die nun eine sehr schöne und elegante Lösung dafür gezaubert haben.
Die Hilfe der Metaller werden wir bei unserem nächsten gemeinsamen Projekt, einem alten MTB, das im Hinterhof einer sozialen Einrichtung in Bremen gefunden wurde, bestimmt wieder brauchen. Ich wünschte, es gäbe dort auch „Lackierer“.
„Rennen werden am Berg entschieden.“ Sagt man. In Berlin gilt das nicht, da werden Rennen morgens im Bett entschieden. Kommt man raus, oder nicht? Und vor allem: Wann endlich?
Ich lag im angebauten Wintergarten von Kathrin und Fabian. Der hat riesige Fenster, und nur ein paar wenige Vorhänge, so dass einem nichts vor dem Sonnenaufgang um kurz vor 5 am fast längsten Tag des Jahres schützt. Umdrehen, prüfen ob beide Beine noch vorhanden sind, unter dem Bett liegen auch keine Nordkoreaner, die einem noch in ihr Heimatland verschleppen wollen; es gibt einfach keine Ausrede nicht aufzustehen und sich fertig zu machen. Ein paar Zimmer wacht Fabian gerade auf und denkt vermutlich dasselbe.
Sogar die Auswahl an Riegeln und die guten Pistazientartuffos von Bio Lüske liegen noch auf dem Frühstückstisch – bei uns zuhause hätten irgendwelche hungrigen Nachtmonster alles weggefuttert. Wieder kein Grund nicht zu gehen.
Dabei war ich gut trainiert, mit noch besseren Vorsätzen und vollmundigen Versprechungen nach Berlin gekommen. Ich hatte bereits deutlich mehr als 6.000 km dieses Jahr (Das Jahr fängt Weihnachten des Vorjahrs an und zwar wegen der Rapha Festive 500) trainiert, fühlte mich gut, hatte bei der Anmeldung zum Velothon 43 km/h als Durchschnittsgeschwindigkeit angegeben, um auf jeden Fall in Startblock A zu kommen und allen die es hören wollten oder nicht gesagt, dass ich mit in ca 1:39 hr die 66 km fahren wollte. Was mir dann einen Platz innerhalb der ersten 25 meiner Altersklasse garantiert hätte. Ich hatte sogar einer meiner Studentinnen, die in Berlin arbeitet, gesagt, dass sie doch zum gucken kommen möge. Es stand also nicht nur persönliche Befriedigung, sondern auch Respekt und professorale Authorität auf dem Spiel. Also an sich ein guter Grund doch zuhause zu bleiben.
Kurz vor Sieben kamen wir an Fabians Büro in der Innenstadt an. Das liegt ganz in der Nähe der Kneipe Kumpelnest 3000, ehemals Kumpelnest 2000, wo um diese Zeit immer noch der Bär tobte.
Das ist nicht unser Rad vor dem Kumpelnest 3000.
Wir freuten uns schon darauf nach dem Rennen dort einzukehren und unsere Erfolge zu feiern. Aber erst einmal fuhren wir zum Start.
Dort mussten wir uns ganz hinten im Startblock A einreihen, denn der war eine halbe Stunde vor dem Anpfiff bereits gut gefüllt. Es zeigte sich, das Rennen eben im Bett entschieden werden: wer früh aufsteht und zum Start fährt kommt nach vorne, sonst muss man sich eben hinten einreihen und das ist für hoch-ambitionierte und leistungsschwache Fahrer wie mich nicht optimal.
In Teamfarben: Links Team Rapha, rechts Team Postivo Espresso -Louis Vuitton. Hinter uns Block B.
Ich war übrigens über das qualitative Aussehen der anderen Starter im Block A überrascht. Erwartet hätte ich junge, schlanke Menschen in den Farben bekannter Teams wie Merkur Druck oder Eisenschweinekader und den einen oder anderen verbissenen Midlife-Chrysler. Stattdessen sahen die meisten wie du und ich aus. OK, ich habe keine Ahnung wie du gerade aussiehst, aber wenn Du besser aussehen solltest als wir, dann schick bitte ein Foto. Vor uns majestätisch die Siegessäule mit der Goldelse oben drauf.
Finisher Trikot am Start. Cool.
Zum Glück auf dem Foto nicht bei einem von uns auf dem Kopf, denn sonst hätten wir ausgesehen wie Sheldon Brown.
Bartmäßig vor allem Fabian.
Nachdem der VIP Block auf die Reise geschickt wurde, der in erster Linie aus Klappradfahrern bestand, ging es recht pünktlich um 7:41 hr los. Ein letztes „頑張れ!“ an Fabian und wir fuhren los. Bei Rennen fahre ich grundsätzlich SPD Pedale, denn die Sekunden die ich damit beim Einklippen am Start spare kann ich im Rennen nie wieder aufholen. Jedermannrennen laufen ja bekannterweise andersrum wie Profirennen ab. Die ersten 10 bis 20 Kilometer haut man rein wie ein Blöder, um den Rest dann, unabhängig von der Distanz in der Gruppe locker ausrollen zu lassen. Und es ganz wichtig sich dann entsprechend aggressiv nach vorne zu pfuschen ohne auf die Fresse zu fallen. Ich fuhr etwas unter dem Leistungsmaximum, da ich meine Körner nicht komplett zu Beginn verschleudern wollte und arbeitete mich nach vorne. Das klappte sehr gut und ich überholte bestimmt so um die 100 Mitfahrer, damit war ich ganz zufrieden. Bereits nach 7 km war das Feld schon so weit auseinander gezogen, dass ich auf die Mithilfe von anderen angewiesen war, um in eine der vorderen Gruppen zu springen. Dummerweise musste ich jetzt in der Gruppe die Führungsarbeit machen, als wir auf den Ernst-Reuter Kreisel einbogen.
Vor uns kam nun die erste leichte Steigung am Spanndauer Damm und ich sah eine größere Gruppe vor mir. Dummerweise hatte ich nun gar keine Körner mehr im Köcher, um mal ein paar gängige Klischees und Metaphern zum besten zu geben (Kurzer Exkurs: richtig gute Anwendung von Metaphern und Klischees beherrschen die Texter des neuen Rose Katalogs: „Sophie Irgendetwas ist bildhübsch und pfeilschnell – sie sprengt alle gängigen Schubladen!„). Die Gruppe vor mir war so nah, und doch so fern. Ich hätte jetzt auch gerne eine Schublade gesprengt um da rein zu kommen, aber alleine springen ging nicht und meine Gruppe wurde langsamer und langsamer. Das ist bei Flachlandfahrern dummerweise so, sie sehen eine Steigung und in dem Moment funkt das Hirn „Kräfte sparen!“, und so ist man gerade noch mit 40 unterwegs und auf einmal nur noch mit 35, obwohl die Steigung noch gar nicht begonnen hat. Vor uns fuhr die Gruppe davon und ich wusste in dem Moment, dass das heute nichts richtig gutes geben würde. Aber vielleicht würde ich am Wannsee noch eine Chance haben.
Im Prinzip hätte man hier das Ziel aufbauen können, denn die Fahrer meiner Gruppe kam dann mehr oder minder geschlossen 50 km später so ins Ziel. Da war der dicke, riesige Wikingerdäne, der zackige Fixiefahrer, die lange Bohne mit der durchsichtigen weißen Assoshose und die beide Gesellen von Malerbetrieb Strechow – keinen von denen wurde ich los. Das wusste ich aber in diesem Moment noch nicht.
Ich möchte jetzt hier nicht angeben mit meiner Power, denn schließlich habe ich auch nicht so viel, als wenn es dazu reichen würde im Solo davon zu sprinten und Anschluss an die Gruppe vor mir zu finden, aber ich war jetzt erst einmal ein wenig gelangweilt und der Puls hing bei 120 bis 130. Wir daddelten so mit 35 bis 37 durch die Gegend und so manche RTF und Montagstrainings habe ich als wesentlich härter in Erinnerung. Am Wannsee, bei den welligen Steigungen dachte ich, dass ich es noch einmal versuchen sollte, denn ich war vorne in der Gruppe, man fährt etwas langsamer und ich bin am Berg an sich ganz gut. So zog ich an und machte mich den Hügel hoch nur um festzustellen, dass meine Gruppe quasi stehen geblieben war. „Kräfte sparen!„. Wie jedes Jahr gab es hier auch mal wieder einen Sturz. Das passiert immer dann, wen eng in der Gruppe gefahren wird und der Fahrer vor einem aus dem Sattel in den Wiegetritt geht. dann wird das Rad einen Moment langsamer und der hintere fährt auf. Jedes Jahr mit ziemlicher Sicherheit.
Es half alles nichts. Ich nahm wieder Power raus und ließ mich in die Gruppe zurückfallen. Da ging es dann mit 35 weiter. Meine einzige Hoffnung war, dass von hinten eine Spurtstarke Gruppe aus dem B Block, der 2 Minuten nach uns gestartet war, kommen würde, an der ich ich ranhängen konnte. Am botanischen Garten stand Kathrin und mit der hatte ich mich abgesprochen, dass Sie mir zuschreien sollte, in der wie vielten Gruppe von vorne ich wäre. „Dritte!“ hörte ich. Das war gut, aber nur dann wenn der B Block auch schnell wäre.
Meine Gruppe. Hinter mir der zackige Fixiefahrer.
Fabian, ein paar Minuten später.
Gemütlich ging es nun die nächsten 10 km bis zur Einfahrt zum ehemaligen Flughafen Tempelhof. In den letzten Jahren wehte da immer ein fieser Wind, und zwar immer von vorne, aber diesmal war da absolut nichts.
Das letzte Stück, besonders das durch Kreuzberg mag ich am liebsten. Ich hatte die Hoffnung auf den B Block aufgegeben und dachte OK, fahr halt so weit wie es geht nach vorne und versuch wenigstens einen ordentlichen Sprint auf der langen Zielgeraden hinzubekommen. Ich blieb weit links, damit ich die Linkskurven schnell durchfahren konnte und platzierte mich ca 6 km vor dem Ende nach der Kurve an dem kurzen Anstieg zur Karl-Liebknecht-Straße gut. Unsere Gruppe war aber auch verdammt groß und so schnell wie ich wollte kam ich nicht nach vorne. Und da war ja schon die Goldelse wieder.
Es half wieder nichts, ich war eingeklemmt zwischen Massen von Fahrern, die einfach nicht schnell fahren wollten und rollte mit ihnen durch das Ziel. Da war erst einmal ein Gefühl von totaler Enttäuschung und erstaunlicher Frische. 1:44 hr und ein Schnitt von 38,3 km/h sind ja nicht wirklich schlecht – aber eben auch nicht wirklich gut. Zum Glück war meine Studentin nicht da, so dass mir die ultimative Peinlichkeit erspart blieb.
Ja, das war peinlich. Aber was macht man, wenn man sich so richtig dreckig fühlt? Man hält Ausschau nach Menschen, denen es scheinbar noch dreckiger geht. Das ist ja das Prinzip vieler Sendungen auf RTL. Und es dauerte keine 5 Minuten, bis ich jemanden gefunden hatte, der noch peinlicher war als ich – wenn auch schneller. Mann, bin ich froh, das ich nicht hinter dem herfahren musste.
Fünf weitere Minuten stellte ich fest, dass ich ans ich ein recht glücklicher Mensch bin, denn meine Familie lässt mir die Freiheiten meinen Hobbies nachzugehen. Das ist nicht immer und bei jedem so.
„So jetzt bist du dran. schon den ganzen Morgen pass ich auf die Göre auf. Jetzt mach auch mal was du Spree-Armstrong!
Mittlerweile hatten Fabian und ich uns auch wieder gefunden, wir tranken ein Alkoholfreies Paulaner und bummelten noch ein wenig durch die Radshoppingmeile. Am Oakleystand kommte man 1:1 auf der Rolle gegeneinander antreten. Fabian bequatschte mich, dass wir das mal machen sollten, aber als ich mich gemeldet hatte hielt er sich gschickt im Hintergrund und ich musste dann gegen so einen Typen mit Jeans und Sonnenbrille fahren.
Was ich nicht wusste war, dass genau der Type der Schnellste am Vortag war. Und schnell zu treten ist ja so gar nicht mein Ding. Also rennmäßig eine weiter Enttäuschung.
Aber egal, es war gerade einmal halb elf und fast ein ganzer Tag in Berlin lag vor uns. Das war viel besser als das Rennen. Wir fuhren zurück zum Büro, vorbei am Kumpelnest 3000 wo jetzt endgültig Schluss war und machten uns dann auf den Weg zum japanischen Restaurant Udagawa.
Dort platzierten wir die japanische Flagge vor uns und stimmten die japanische Nationalhymne an.
Doch das ist eine andere Geschichte, die in Teil 3 erzählt werden wird. Oder auch nicht.
„Ich wusste nicht mehr, ob ich wachte oder schlief, die Augen verquollen von tausend Tränen, auch wenn sie doch endlich einen Sinn bekämen.“
(HH Milch, „Fräulein Meier“, 1984)
Ich quälte mich morgens ganz früh aus dem Bett, fühlte mich lyrisch und machte mich auf den Weg in die Küche.Das war gar nicht so einfach, denn seitdem mein Sohn Abitur hat, hängt er mit seinen Kumpels im Esszimmer rum und zockt Nächtelang online „League of Legends“. Und so kämpfte ich mich durch leere Pizzapackungen, vorbei an Bierkästen und leeren Energiedrinkdosen zum Toaster durch. Man, hatte ich so überhaupt keine Lust!
Aber ich hatte ja dooferweise auf fb gepostet, dass ich alle heute nach Barrien zur RTF leiten würde. Meine Laune wurde auch nicht besser als ich, vorbei an Gummibärchentüten, Chipspackungen und Kartoffelsalatdosen die Strasse erreichte. Graue Wolken überall, vor allem am Himmel über einem, was schlecht ist, denn von da aus fällt vertikal der Regen auf einen runter, zunächst noch in tröpfelnder Form. Dabei hatte ich mich extra schick gemacht für dieses Event und mein TSV Barrien Vereinstrikot von 1991 angezogen.
Die klassische Mondrian-Version, heute in diesen Farben (stehen auf der Verbotsliste der Genfer Konvention) und Mustern (Gegenstand der START Abrüstungsverhandlungen zwischen Russland und den USA) fast nicht mehr zu bekommen.
Warten auf Bumsfidel- denkt man.
Zum Glück warteten schon die ersten Mitfahrer auf mich am Treffpunkt Bank Wehrstrasse.: Klaus, nein Friedel, nein doch Klaus, Benjamin, Caro, Silvia, Jörg, Christian und er kamen auch immer mehr, jetzt fehlte an sich nur noch Bumsfidel, auf den wir ja bereits letztes Jahr vergeblich gewartet hatten. Allmählich wurde die Stimmung aggressiv: „Wo ist denn dieser Bumsfidel schon wieder?“ „Alle sind da – und wer fehlt – der Bumsfidel natürlich!“ Ich ließ die Stimmung erst einmal köcheln, denn ich war der einzige der wusste, dass Bumsfidel gar nicht kommen würde. Das hatten wir nicht so abgemacht, um alte Traditionen zu wahren, sondern Bumsfidel wollte mit der BBC (Big Black Cog) Gruppe erst um 8:30 in Barrien sein und später losfahren. Da ich den ganzen Tag heute keinen einzigen BBCler gesehen habe, gehe ich davon aus, dass Bumsfidel heute Abend um 20:30 Uhr meinte, wenn die Strassen leer sind und Deutschland gegen die Ukraine bei der EM spielt.
Na dann warten wir doch auf Schnippo!
Schnippo, bürgerlicher Name Stephan-Cevin Graf zu Schnippowitsch, sollte uns nach Barrien führen, da er der einzige mit Ortskenntnis des Bremer Süden ist. Auf den mussten wir nun warten. Unglücklicherweise fährt Schnippo, im Gegensatz zu vielen Anderen von uns, nicht nur Rad sondern geht einer weitgehend ungeregelten Arbeit, und einem überhaupt nicht geregelten Lebensstil nach. Nachdem wir also ausreichend gewartet hatten sagte jemand, das Schnippo nicht kommt, was schlecht ist, denn Barrien liegt ja nicht gerade um die Ecke und ist im Prinzip nur auf Feldwegen zu erreichen.
Also, auf wen sollen wir nun warten? Silke! Denn jemand berichtete, dass Silke munter und fröhlich „Legat. Illegal. Scheißegal“ von Slime vor sich hinflötend am Straßenrand saß und versucht mit Andi zusammen einen Platten zu reparieren. Als die beiden dann endlich kamen ging es endlich auf Richtung RTF. Und zwar für ca. 4 km, bevor der zweite Platten Silke stoppte. Tobi führte die Gruppe weiter nach Barrien, während ich umkehrte um Silke und Andi nach Barrien zu fahren. Andi war nirgendwo zu sehen und Silke fuhr in die falsche Richtung – nämlich nach Hause. Ich konnte sie nicht überzeugen ihr schlechtes Kharma herauszufordern und mit nach Barrien zu kommen und musste mich so alleine auf den Weg machen. Fazit: Alles organisiert und dann doch alleine gefahren.
In Barrien waren schon jede Menge Leute, allerdings wegen dem schlechten Wetter auch deutlich weniger als in den letzten Jahren. Obwohl in Barrien ist an sich immer schlechtes Wetter. Fremde Frauen lächelten mich an – war es wegen meinem TSV Barrien Trikot? Nein, es war Corinna, die mich anstarrte, die ich 5 Minuten nicht erkannte, bevor endlich der Groschen fiel. Es gab Kuchen und Kaffee, belegte Brote und wie immer hatte der Verein, d.h. seine Mitglieder und davon vermutlich überwiegend die weiblichen, großartiges an der Kuchen- und Brötchenfront geleistet. Es ist wirklich irre, was so die Dorfvereine zustande kriege. Würde ich, zum Beispiel einer Gruppe von Studenten die Aufgabe geben so etwas zu organisieren, so kämen sie mit einer Flasche Cola an und hätten sich heillos zerstritten.
Gespräche rechts und links. Das hat sich schon sehr geändert im Vergleich zu vor sechs Jahren als ich aus dem Ausland nach Bremen kam und keinen Menschen kannte. Norddeutsche sind ja nicht für ihre Offenheit bekannt; sprach ich damals einen ein, dann sagte er mir. „Hau ab, ich kenn‘ schon einen anderen Menschen!“ und machte ein Gesicht wie Thorsten. Heute ist das komplett anders. Auch und gerade wegen dem cyclyng Blog werde ich mit Respekt behandelt was mir fürchterlich peinlich ist. Manchmal werde ich sogar nach meiner Meinung zu radtechnischen Dingen befragt was noch peinlicher ist, da ich dann so tun muss, als wenn ich davon Ahnung hätte, wobei mein eigentliches Fachgebiet ja die Optimierung von Festigkeits- und Wärmedämmungseigenschaften von Hochlochziegeln ist – aber dazu stellt natürlich nie jemand eine Frage! Zudem wird angenommen, dass ich bestimmte Dinge mache, weil sie einen Sinn haben, wo ich doch einfach nur zu doof bin. Beispiel von heute:
Lasierte Beine.
Diese braunen Flecken sind nicht etwa Desinfektions- oder andere Wundermittel, um meine Leistung zu verbessern, sondern Lasur. Warum Lasur? Hatte ich meine japanische Frau um eine Rasur meiner Beine gebeten und sie hatte das nicht mißverstanden wegen akuter R/L Schwäche? Nein. Das mit dem R/L ist übrigens wirklich schwierig. Kazuko sagt auch immer „Früchtling“ und „Früchtlingsunterkunft und ich denke an eine Scheune in der sich Orangen und Mangos vor dem Regen schützen. Fairerweise muss man natürlich auch sagen,dass es uns auch schwer fällt in der japanischen Aussprache zwischen „つ“, “す“ und „ず“ zu unterscheiden. Oder zwischen „紅葉“ und “工場“, fast identische Aussprache, das eine heißt aber „gelbe und rote Blätter im Herbst, die die Herzen der Menschen berühren in ihrer Pracht“ und das andere „Fabrik“.
Also, warum Lasur? Weil ich zusammen mit meinem Sohn den Gartenzaun gestrichen habe und wir uns beide total versaut haben. Ich quatschte sehr viel und verpasste prompt den Start.
Zum Glück kam gleich hinter mir eine Gruppe mit Steen, Thorsten und anderen Wiegetrittlern und wir machten uns daran das Feld von hinten aufzurollen. Thorsten machte sehr viel Führungsarbeit vorne und ich beteiligte mich auch aus Dankbarkeit sporadisch. Wir überholten eine Reihe von Gruppen, aber irgendwann ist auch einmal Schluss damit. Das Tempo war aber immer noch gut hoch im 35-40 Bereich und so kamen wir dann bereits nach 30 km oder so an die erste Verpflegungsstation. Wo dann alle bis auf einen und mich rausfuhren, um den legendären Butterkuchen zu tanken, nachdem diese RTF benannt ist. Ich fuhr einfach durch, zusammen mit dem Lotto Typen, der mir aber etwas zu schnell war. Stattdessen fand ich zwei weitere Mitfahrer, von denen der eine ein wunderschönes Basso Fiore di Loto hatte. Ich musste relativ viel vorne fahren, um das Tempo hoch zu halten. Da änderte sich, als Andi mit einer Gruppe von 5-6 Fahrer kam und wir uns teilweise daran hängten. Teilweise, denn die fiesen kleinen Anstiege sorgten dafür, dass hinten noch einige rausfielen. So ging es dann in gutem Tempo weiter zur zweiten Verpflegungsstation die ich ebenfalls ausließ. Diesmal musste ich ganz alleine weiterfahren und verirrte mich prompt. Zum Glück fand ich eine Strasse, auf der ein Paar Gruppen fuhren und hängte mich dran. Und zum Glück waren das auch Gruppen auf der 113er Runde.
Diese Gruppe war nun richtig flott und wir fuhren quasi ständig im 40er Bereich. Besonders fies waren die Abzweigungen – an jeder wurde arg schnell beschleunigt und ich musste mich mit 45 Sachen richtig reinhängen, um nicht den Anschluss zu verlieren. So langsam merkte ich, dass mir der Saft ausging und irgendwann würde ich wohl aus de Truppe rausfallen. aber da kam auch schon die dritte und letzte Station und die ganze Gruppe blieb stehen um zu essen. Ich war auch total überrascht wie viele Fahrer da standen, nach dem Tempo bislang hatte ich geglaubt ganz vorne zu sein. Auch hier fuhr ich durch und wurde dann relativ schnell von einer weiteren Gruppe eingeholt die etwas langsamer unterwegs war. Unter anderem waren da auch Fahrer aus Bruchhausen-Vilsen und Nienburg dabei.
Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr auf der Autobahn fahrt und vor euch wird eine LKW-Zugmaschine abgeschleppt? Also so, dass die Fahrerkabine nach hinten zeigt und man das Gefühl hat, da kommt einem ein LKW auf der falschen Spur entgegen und gleich kracht man zusammen? Dieses Gefühl hab heute das Mädel vor mir, durch die Kombination aus geflochtenen Zöpfen und Brille.
Zugmaschine
Hey, und wie man einen Helm richtig rum aufsetzt, darüber kann man durchaus in Bremen auch geteilter Meinung sein. Ich fühlte mich die ganze Zeit peinlich angestarrt und versuchte nicht auf die Banane zu gucken. Insgesamt war das aber eine gute Truppe, die mich schnell ins Ziel brachte.
Norddeutschland
Schau mir in die Augen…
Insgesamt bin ich heute auf 114 km fast einen 36er Schnitt gefahren, und habe in mehr als drei Stunden gerade mal 2 Minuten Pause gemacht. Also eine gute Vorbereitung für den Velothon in Berlin am nächsten Wochenende. Und ich war echt froh, als es vorbei war und ich wieder chillen und quatschen konnte.
Das ist ja nach den RTFen immer viel zu kurz, weil alle gleich wieder zurück nach Bremen wollen. Und da alleine zurückzufahren ja so gar keinen Spaß macht, schloss ich mich einer Gruppe mit Andi, Andres, Caro, Tanja, Tobi und einigen anderen an. Kurz vor 13:000 Uhr war ich wieder zuhause, mein Bett und seine Freunde lagen jetzt gerade mal im Bett.
Zu einem perfekten Wettkampf gehört unbedingt im Anschluss noch einmal richtig Stabi Training zu machen, um den Körper perfekt auszubalancieren. Hier empfiehlt es sich mit Gewichten und Partnern zu arbeiten, notfalls tut es auch ein etwas älteres und schwereres Handy.
Vor dem Stabi Training
Nach dem Stabi Training
Danke an Caro für die Assistenz beim Stabi Training. Nach dem Stabi Training fühlte ich mich auch wieder so richtig frisch. Den Tag anschließend verbrachte ich aber dann doch erst einmal im Bett und dann auf der Couch – und jetzt denke ich so ganz langsam an Fußball.
Danke an alle die heute mitgefahren sind und auf die wir warten oder nicht warten mussten. Und an den TSV Barrien für die gute RTF und den vielen Kuchen etc., auch wenn ich kein einziges Jersey heute von dem Verein gesehen habe.
Heute kam erst einmal ein langer Aufbau für und mit Hannes zum Abschluss. Na ja, so richtig werden die Dinger ja nie fertig ehrlich gesagt. Aber sein CIÖCC ist nun fahrbar, funktioniert fast perfekt und kann seiner Rolle als Pendel/Touren/Regenrad gerecht werden.
Mit Hannes schraube ich gerne zusammen, weil er ebenso wie ich sehr detailverliebt und überlegt ist und uns gemeinsam beim schrauben immer wieder gute, neue Ideen kommen. Außerdem stehen hinter Hannes seine „Metaller“, also Menschen an seinem Arbeitsplatz, die uns zur Hilfe eilen können – wie auch hier bei diesem CIÖCC.
Wir wollten zusammen etwas bauen, was sich ähnlich schnell wie ein Rennrad, sich bei jedem Wetter und bei Tag und bei Nacht fahren lässt und mit dem man auch einmal länger auf Tour gehen könnte. Im Prinzip also sehr ähnlich wie mein Panasonic FRC37 von 2014, das ich mittlerweile wieder auseinander genommen und größtenteils verkauft habe. Einige Teile von dem Panasonic finden sich nun an dem CIÖCCwieder.
Den Rahmen habe ich mehr oder minder bei Ebay UK zufällig erstanden als ich einen (wie ich fand) sehr niedrigen Preisvorschlag bei einem Verkäufer einreichte und der wohl doch zu hoch war – zum Glück mochte Hannes den Rahmen auf Anhieb.
Auch das Vorderrad kommt nicht von ungefähr – das hatten Hannes und ich letzten Winter aufgebaut mit einem Shutter Precision Nabendynamo und einer Mavic Open Pro Felge. Eigentlich sollte es in seinem Rennrad Dienst tun, aber fest verbaut im CIÖCC passt es zusammen mit der festmontierten B&M Lampe viel besser.
Shutter Precision Nabendynamo – die bessere Alternative zu SON und Shimano
Für Touren ist der Velo Orange Randonneur Lenker gut geeignet. Wir haben lange gemessen und eingestellt, aber jetzt sind wir relativ sicher, dass die Fahrposition nun eine bequeme ist.
Campagnolo Ergopower Athena 8-fach Hebel – sehr hoch montiert macht die Position entspannter.
Velo Orange Randonneur Lenker
Der Antrieb ist übrigens überwiegend Campagnolo. Athena 8-fach Ergos, Athena Umwerfer, Athena Compact Power Torque 11-fach Kurbel 172,5mm 50/34Z, Campagnolo Record RD-31RE Umwerfer und dazu eine 8-fach Kassette 13-28.
Die 14er Inbusschraube ist nur deswegen so groß auf der hinteren Seite, damit man durch die Kurbelachse schauen kann.
Ganz schwach steht auf dem Schaltwerk Campagnolo geschrieben, das kann man nur leider auf dem Foto nicht mehr sehen.
Bei den Bremsen mussten wir überraschenderweise auf sehr, sehr lange Tektros ausweichen, selbst die sehr langen passten nicht.
Tektro Bremse hinten – und die Sattelstütze wird getauscht.
Tektro Bremse vorne. Kürzeres Schenkelmass notwenig, aber immer noch zu lang.
Schutzbleche anzubringen ist eine wahnsinnige Frickelei – eigentlich immer. Und wenn man die Dinger dann dran hat, dann haben die ja nur eine Funktion wenn es regnet, sonst hängen die einfach nur im Rahmen rum. Irgendwie unbefriedigend. Beim CIÖCC hätten wir das auch nicht gut hinbekommen, wenn uns nicht die Metaller mit einer Lasche geholfen hätten.
Lasche rechts, links 14er Inbusschraube.
Ist es ein guter Aufbau geworden? Wird er seine Funktion erfüllen? Das müssen Hannes und sein CIÖCC jetzt erst einmal über einen längeren Zeitraum selber herausfinden.
Heute also großer Renntag auf den Straßen von Mallorca. Gleich um sieben Uhr ging es schon los. Also, für die anderen, nicht für mich, denn ich fuhr die Mallorca 90 und die starteten erst am Nachmittag. Zeit, morgens für das Rennen zu trainieren. Ich fuhr ziemlich genau 3,2 km, bevor mir der Nieselregen total den Spaß verdarb. Zurück nach Alcudia, Cafe im Dorfcafe zwischen alten Frauen und enttäuschten Radfahrern. Wieder ins Bett gekuschelt, Wäsche gewaschen, eingekauft und dann ganz langsam Richtung can Picafort um auf Silvia, Tanja und Bo zu warten, die von der 167er Runde nun einlaufen sollten. Das taten sie auch. Sahen auch aus, als wenn sie noch mehr hätten vertragen können.
Ich wartete auf Thomas und Tobi, die die 312er Runde in Angriff genommen hatten. Thomas war letztes Jahr einen Schnitt von 30,7 km gefahren – da ging der Kurs aber ach noch einmal rund um Malle und war teilweise recht flach. Das hatte sich dieses Jahr sehr verändert. Also, ich dachte, so gegen 14:30 Uhr müssten die am Hotel vorbeikommen un dann ziehe ich sie die letzten 90 Kilometer ins Ziel. Meine persönlichen Mallorca 90 – nur trockenes Wetter, kein Anmeldungsstress, keine besonderen Ziele. Gegen 15:00 Uhr rief Schröder an und sagte, dass sie noch 30 km vom Hotel entfernt sind. Um 16:15 Uhr ging es dann endlich los auf der dicken, komplett gesperrten Küstenstrasse Richtung Arta.
Ich muss sagen, es macht ziemlich viel Spaß mit den beiden zu fahren, wenn die bereits 220 km in den Beinen haben und ich noch total frisch bin (abgesehen von gestern). In der Ebene ist das alles noch relativ ausgeglichen, aber an den Steigungen bin ich dermassen viel schneller – ein völlig neues Gefühl. Da blieb den beiden nichts übrig als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
Am Montag hängen wir den Typen wieder kurz vor Wilstedt ab.
Schön war auch, dass wir kein einiziges Mal überholt wurden, selber aber jede Menge Einzelfahrer und auch eine Gruppe stehen liessen. dabei war auch ein Fahrer mit Beinprothese – Respekt.
Die Strassen nach Arta rein waren ziemlich wellig. Es gab jede Menge schneller Abfahrten, ein paar fiese Steigungen und Wellen, Wellen und Wellen. Und so waren wir dann a uch wirklich schnell unterwegs und glücklich an der Verpflegungsstelle in Arta. Von dort aus ging es in einer größeren Gruppe auf der Küstenstrasse Richtung Can Picafort. Zunächst einmal setzten wir unser freundlichsten lächeln auf und machten vorne Führungsarbeit.
Hallo Gruppe!
Dann machten wir richtig Druck und wollten de Gruppe auseinanderfahren, in dem wir uns vorne mit der Führungsarbeit abwechselten. Das nützte aber nix, nur einmal nachdem es schnell den Berg runter ging (an der Respol Tankstelle für Kenner) und dann wieder hoch, hätten wir es fast geschafft, aber eben auch nur fast. Jedenfalls haben wir bestimmt 30 Leute in der gruppe gesammelt und dann schnell ins Ziel gebracht.
Am Hotel klinkte ich mich aus, jetzt mit beiden daumen nach oben durch das Ziel zu fahren wäre vielleicht doch etwas zu viel des guten gewesen. Jedenfalls hatten wir alle viel Spaß. Verstehe nur noch, warum wir morgen nicht gemeinsam nach Sa Calobra radeln wollen.
RSC Rot Gold, RRG, RCB, BBC, Tetrisfit, Bremer Rennradfront, Rennradfront Bremens … es ist wirklich schwierig den Überblick über alle Bremer Radsportvereine zu behalten, auch wenn man alle 24 Fahrer persönlich kennt, die dort engagiert sind.
Zum Glück macht man ab und zu etwas auf Mikro-level gemeinsam; dieses Jahr entschlossen sich Mitglieder von RCB, Manta Squad, Pedalos, Randsportgruppe der freiwilligen Feuerwehr Tenever und dem RoCB (Roller Club Bremen) gemeinsam nach Mallorca zu fliegen, dort zu trainieren und als Höhepunkt an dem Jedermannrennen Mallorca 312 teilzunehmen.
Heute das letzte Training vor dem Start morgen. Herrliches Wetter – ganz im Gegensatz zu gestern, wo man nichts machen konnte, außer in Palma zu shoppen und den Rapha Pop-up Store in der Kunstgasse zu besuchen: Erinnert stark an einen Party/heizungskeller der Siebziger, es fehlte lediglich Alufolie an den Wänden und eine Diskokugel. Ich probierte ein Jersey für €140 und es gefiel mir nicht. Palma ist ohnehin nicht gut für Männershopping. Dafür gibt es nette Cafes und guten Kaffee; Milchcafe z.B. schmeckt gut und heißt auf Spanisch „Cafe con lecce“, während man nach normalem Kaffee mit „Cafe sin lecce“ verlangen sollte.
Heute ging es um 10:00 Uhr los in Can Picafort. 6 Rennräder und ein e-bike. Das geht übrigens sehr gut, so lange man etwa BBC Freitagsrundentempo fährt. Auf den Steigungen sowieso.
Erste Pause bei Petra (Ohren).
Während die Mädels und Bo dort bleiben, machen Tobi, Thomas und ich uns auf zur Ermita de Bonany hochzufahren. Nachdem wir bislang mit angezogener Handbremse unterwegs waren, brennen wir jetzt an der ersten, ernsthaften Steigung total durch. Also, ich zumindest. Sofort setze ich mich von den beiden ab und fliege die Steigung hoch. Prima, mein Puls geht auch wieder richtig hoch, jetzt auf 174, das war im Winter in Bremen nicht drin, noch nicht einmal in Okel. Ich gebe alles, als Thomas nonchalant a mir vorbeizieht, als wenn er mich nicht kennen würde und es irgendwie peinlich ist mit mir gesehen zu werden. Ein paar Minuten macht Tobi das gleiche mit mir; das immer näher kommende Kloster rettet mich.
Oben vor der Kirche gibt es einen tiefen Brunnen, der mit einem Metalldeckel verschlossen ist. Tobi und ich verletzten uns beide schwer am Kopf, als wir versuchen beide gleichzeitig hereinzuschauen. Dann machen wir Photos von der Reflektion unserer Gesichter auf dem Brunnengrund.
So etwas gruseligeres habe ich nicht gesehen, seitdem ich die letzte Folge X-Files schaute.Ah Moment, die Mathenoten meines Sohnes waren auch etwa so gruselig.
Wir fahren wieder zurück nach Petra und dann gemeinsam über kleine Strassen nach Can Picafort.
Die Wiesen blühten am Strassenrand, die Ziegen grassten vor sich hin und es wurde jetzt auch richtig gut warm. So warm, dass sich die Knielinge auf einer Minimalhöhe einpendelten.
Girlie Knielinge
Und dann waren wir auch schon da. Mit 25 in der Gruppe kann man quasi endlos lange fahren, irgendwann wird es dann schwierig, weil Schulter, Hals, Po, oder Arme weh tun, aber Beine, Herz und Lunge lächeln nur vor sich hin. Die anderen waren nervös wegen morgen und wollten es nicht übertun, aber ich hatte mich nicht rechtzeitig angemeldet und kann morgen tun und lassen was ich will.Früher, als Coppi, Motta und Harald L noch die Mallorca 312 fuhren, ging das Rennen noch einmal rund um die Insel. Damit ist es heute vorbei – einmal hoch in die Transmuntana, dann an der Flanke wieder zurück und ab nach Arta und wieder zurück. Erinnert mich an die Triathlonstrecke in der Bremer Überseestadt, ist halt nur länger.
Also machte ich mich auf nach Alcudia, dann weiter nach Port de Pollenca und hoch die schöne Steigung Richtung Cap Formentor. Das ging erstaunlich gut, aber am Leuchtturm dort ging mir Proviant und fast auch das Wasser aus. Irgendwie langte es dann aber doch bis zurück nach Port d’Alcudia. 150 km für den Tag, das war jetzt auch genug. Ich sass am Hafen, aß eine Pizza und schaute den Kindern beim Fussballspielen zu. Der n+nte Tag kann kommen.
Die erste RTF der Saison wurde von meinem Verein ausgerichtet: die Landesverbandszielfahrt des Radsportclub Bremen, kurz LVZTRCB – das musste in der Überschrift so abgekürzt werden, denn eine Blogsoft die in den USA entwickelt wurde kann mit der Länge deutscher Worte, wie z.B. „Benzinwolkenvaterbeschämung“ nicht umgehen.
Als Startpunkt wurde ein berüchtigtes Jugendhaus auf dem Gelände der Gesamtschule Ost in Tenever ausgewählt; als ich dort mit Mark und Dr. Rad aus Weimar um 9 Uhr morgens ankam hing bereits das übliche Gesocks vor dem Eingang rum: Rose Räder, Shimano Schaltungen, Rapha Kleidung und gefakte Carbonräder aus China, schlimm, schlimm was die Jugend heute so treibt. Dealer befüllten Benzinkanister in denen nun Drogen transportiert wurden, vermutlich Methylalkohol oder sonstiges Teufelszeug und mit denen die umliegenden Dörfer wie Wilstedt und Seslingen versorgt wurden. Obwohl es noch so früh war, rauchten bereits die ersten Fahrer in der glühenden Sonne; mindestens 32 Grad im Schatten waren es da schon. Also, das hätte man zumindest denken können, wenn man sah, wie viele Mitfahrer in kurz-kurz angetreten waren. OK, also an sich nur einige. Hm, wenn ich noch einmal darüber nachdenke, lief dort eigentlich nur Matt Schmitt in kurz-kurz rum, alle anderen in Jacke und Schals.
Boys and Girls in the Tenever Hood
Von drinnen dröhte aggressive Musik von Haftbefehl die uns auf die bevorstehende Landesverbandszielfahrt des Radsportclub Bremen scharf machen sollte:
Denn ich rolle mit mei’m Besten Denn ich rolle mit mei’m Besten Denn ich rolle mit mei’m Besten Ich und er sind jede Zeit bereit für Action
Ich bin high und ich rolle tief Ich bin high und ich rolle tief Ich bin high und ich rolle tief Ich bin high und ich rolle tief
Der Sozialarbeiter drinnen machte Zicken und wollte nicht die Landesverbandszielfahrtskarten des Radsportclub Bremen rausrücken, so dass wir ihm zunächst eines auf die Fresse drohten und dann acht Euro abdrückten. Überhaupt: drinnen! – doch dazu später.
Draußen war mittlerweile die gesamte RCB Szene Bremens versammelt, viele bekannte Gesichter, Jörg zum Beispiel hatte ich lange nicht mehr gesehen, mit Andreas länger nicht gesprochen, Thomas, Philipp, Stefan, Silvia, Didi – das ist mittlerweile ganz anders, als auf meiner allerersten RTF in Bremen 2010. Ehrlich gesagt war es auch nicht viel anders als eine RCB Montagsausfahrt, deren Startpunkt ja mittlerweile auf den Dorfkrug in Borgfeld verlegt wurde, da die Kundschaft von Jacques Weindepot, wo wir uns bislang trafen, auch keine Lust mehr hat sich durch schwitzige hundert Körper zu winden, um ’ne gute Flasche Rose zu kaufen. So ein Gemenge ist eine gute Gelegenheit ein paar Fachgespräche zu führen. Andreas vermutete, dass die Lager in den Naben seines Rades kaputt sind, da er beim fahren öfters das Gefühl hat, „als würde mich jemand von hinten festhalten“, dieses Gefühl ist mir, vor allem nach der Winterpause ebenfalls gut bekannt und hat dummerweise leider gar nichts mit den Lagern zu tun.
Sebasatian hat seine Igelhaare mit einem Stirnbandunterm Helm gesichert, da ist quasi wie eine Sprungfeder, die jeden Moment damit droht den Helm zu durchstossen. Dann, wir waren gerade so nett am quatschen und irgenwie hatte ich mich schon mit dem Gedanken angefreundet jetzt gleich nach Hause zu fahren und auf der Couch zu pennen,trat Schröder nach vorne und begann zu organisieren. Neben Schröder stand ein blonder Junge und Silke vorne und alle hielten Schilder mit 120+ (Schröder) 75+ (Junge) und Silke (50+) hoch – da analog zu den Schildern auch eine signifikante Änderung der Körpergröße von Schröder in Richtung Silke erkennbar war, glaubte ich zunächst, dass wir nun nach Körpergröße sortiert würden; also mit Schröder kommt alles was zwischen 2,20m und 1,75m ist, mit dem Jungen zwischen 1,75m und 1,50m und bei Silke alles war unter einem Meter fünfzig durchkommt.
Es handelte sich aber doch um die Streckenlängen. Die 120er Gruppe war zunächst relativ groß, aber nun wurde jede Gruppe noch einmal in „ambitioniert“ und „gechillt“ aufgeteilt. In der ambitionierten 120er Gruppe bleiben dann noch so ca. 25 Fahrer. Ich stellte mich auch mit dazu, denn erstens ist dazustellen relativ einfach und cool (im Gegensatz zu mitfahren) und zweitens war es ohnehin mein Plan mit der schnellen Truppe rauszufahren, irgendwo eine längere Pause zu machen und zu warten bis die gechillten kommen und mit denen dann gemeinsam den Rückweg zu vergeigen.
Ich hätte gerne mal die ambitionierte 50er Truppe gesehen. Schnitt 35 km/h, nach 1 1/2 Stunden wieder zurück – da kann man mit dem Tag noch etwas anfangen.
Los ging’s dann auch schon.Mit Rückenwind und hohem Tempo. Meistens war es allerdings auszuhalten, schwierig wurde es erst einmal nur dann, wenn der Wind von der Seite kam. Es ist an sich ja kein Problem 40 km/h in der Gruppe zu fahren, wenn der Wind von hinten kommt, man in der Mitte fährt, die Leute kennt und sich auf die verlassen kann und die Hosen vor einem nicht komplett durchgescheuert sind. dann kann mana uch ein wenig quatschen, so wie Thomas und ich das gemacht haben. Das Problem fängt an, wenn die Gruppe immer noch 40 km/h einen leichten Hügel mit heftigem Seitenwind hochfährt. Das kostet Körner und kann man halt nicht so häufig mitmachen. So war ich ganz froh, dass wir relativ zackig in Wilstedt waren. Was keine Überraschung ist, denn in den Regelungen des Deutschen Radsportbundes heisst es eindeutig über das Ziel einer Landesverbandszielfahrt: „Wird eine Landesverbandszielfahrt in Norddeutschland durchgeführt, so muss eines ihrer Ziele Wilstedt sein.„. Überhaupt, ich kann mich auch gar nicht erinnern, dass ich jemals von Bremen aus irgendwo hingefahren wäre und dabei nicht durch Wilstedt gekommen wäre. Wilstedt ist wie das Schloß von Franz Kafka,nur umgekehrt.
Auf der langen Straße an den Windkrafträdern vorbei Richtung Wilstedt musste ich dann auch in die Führungsarbeit gehen. Neben mir eine graue Heißdüse. Wir fahren den letzten Hügel zum Ortsschild hoch. Hier wird bei der Montagsausfahrt immer gesprintet. Der ist neben wird immer schneller, will nicht sprinten, aber definitiv als erster am Ortsschild sein. das geht natürlich gar nicht, ich halte mit und ziehe dann ganz fies an – schwierig ist es dabei das Ganze so aussehen zu lassen, als wenn das ganz locker und unbeabsichtigt wäre – dieser Ortsschildsprint geht an mich. Danach ist dann auch schon die erste Pause am MTV Wilstedt (letztens 3:4 rausgeflogen nach 1:1 Hinspiel gegen Liverstedt im Kreisligapokal).
Links mit Helm der Ortschildsprinter in Wilstedt. Unter dem Tisch verdächtiger Kanister.
In Wilstedt hätte ich nun in den Zirkus Eldorado (Motto: erfolg ist kein Zufall!“) der Familie Thiel (Deswegen sind wir auch in Wilstedt!) gehen können, aber die Pause ist nur kurz und am Kreisel kreisen bereits die Ungeduldigen. Weiter geht es mit 35 bis 40 und mir wird langsam klar, dass das mit mir nicht ewig so weitergehen wird. Zwischen Kirchtimke und Rhadereistedt (Immer noch Partyalarm in der Zeltdisco am 8.April) falle ich raus. Philipp und ein weiterer wollen mich noch schieben, aber da geht nicht mehr viel und bis zur nächsten Pause in Selsingen ist es noch weit und so mache ich mich alleine auf den Weg. Die Gruppe ist auch ganz schön klein geworden, in Wilstedt sind da schon eine menge ausgestiegen.
Das klappt ganz gut, nur habe ich von der Strecke dummerweise so gar keine Ahnung und muss mich anhand der Landesverbandszielfahrtswertungskarte orientieren. Das bedingt eine menge Pausen, denn nun kommen die ganzen „Stedts“ und ich kann einfach nicht behalten, in welcher Reihenfolge die abgefahren werden sollen: Rockstedt, Granstedt, Glinstedt, Hanstedt, Hepstedt, Tarmstedt, bis der Weg wieder zurück nach Wilsedt führt.
Wofür steht eigentlich dieses „Stedt„? Stadt kann das ja wohl nicht heißen, den diese gottverlassenen Flecken im Norden weisen ja keine signifikanten Einwohnerzahlen auf. Am besten gefällt mir da noch Rockstedt (ursprünglich „Rockstedty“), denn erstens hat es ein cooles Wappen,
Wappen von Rockstedt: von lauter Musik aufgescheuchter Vogel irgendwo im Grünen
und zweitens wurde der Ort auch von No Doubt besungen.
Ja, jetzt wird es wirklich langsam und mühsam. Und verdammt, die chillige 120er Gruppe will einfach nicht kommen. In Glinstedt finde ich endlich einen weiteren Radfahrer, der sich mit mir duelliert. Fies schleicht er von rechts auf dem Radweg heran und überholt mich. Ich ziehe an, aber er bleibt dran, setzt noch einmal zum überholen an, bis ich ihn kurz vor Tarmstedt aus den Augen verliere. Ich sollte noch erwähnen, dass der nicht bei der Landesverbandszielfahrt mitfuhr und auf einem Trekingrad mit zwei Packtaschen sass.
In Wilstedt mache ich mir gar nicht die Mühe auf dem Rückweg beim Verpflegungspunkt zu halten. Immer weiter gegen den Wind, bloss nicht nachdenken was ich hier mache und den Tag kann ich vermutlich auch tutto completto abhaken wenn ich erst einmal wieder zuhause bin. Wenn.
Es folgt das altbekannte Stück durch Buchholz nach Quelkhorn und Sagehorn, immer noch sehr langsam aber man kennt die Straßen und Abzweigungen und weiß wie weit es bis nach Hause ist. Es sind relativ viele Autos auf der Straße und es wird aggressiv gefahren und gehupt. Plötzlich quietschen Bremsen und Reifen auf , ich drehe mich um und sehe, dass knapp zwei Meter hinter mir ein alter Benz zum stehen kommt. Das war sehr knapp. Ein Busfahrer hupt, zeigt mir den Vogel und schneidet mich, ich bin froh, als ich ab Sagehorn wieder über Nebenwege fahre.
Ankunft in Tennever am Jugendheim.Thomas ist natürlich schon da, er hat bis zum Schluß in der schnellen Gruppe mithalten können. Ich dachte ich bin der letzte der eintrudelt, aber dann kommt plötzlich Schnippo und ein Teil der schnellen Truppe rein.Er hatte Pech mit seinem Rad heute, es gab viele und lange Pausen. Und als mein Würstchen schon lange fertig ist, kommen auch die gechillten 120er rein.
Ich denke ich werde diese Saison ein Problem haben. Für die gechillten bin ich einfach zu schnell. Das merke ich ja auch bei den regelmässigen RCB und BBC Runden, das ist ganz nett aber nicht wirklich fordernd. Es macht Spaß zu quatschen, aber so richtig weiter bringt mich das nicht. Einerseits. Für die schnellen bin ich allerdings zu langsam, da kann ich so 40 km mithalten, aber dann geht mir die Puste aus. Klar, über den Verlauf der Saison werde ich besser, schneller und ausdauernder werden, die aber auch.
Baum in voller Blütenpracht
Ich sollte unbedingt noch etwas anderes machen, nachdem ich ja jetzt erst einmal „Body Attack“ Verbot habe. Auf der Rückfahrt kommt mir die Idee: erst in die erste Etage und dann auf in das Erdgeschoss.
Zum Ende hin hänge ich noch ein wenig im Jugendheim rum. Es gibt ein paar schicke Photowände aus der Geschichte, so erfahren wir, dass hier irgendwelche Jugendliche den dritten Platz beim Fußballtunier „Rote Socke“ 2003 gemach haben, organisiert vermutlich von der KPD/ML. Es gibt eine Zusammenstellung mit Schnappschüssen der „Mädchenrunde“ und ich hoffe und bete, dass das Jugendheim in dem ich mich früher aufgehalten habe, Haus Zoar in Mönchengladbach nicht etwas ähnliches besitzt. Und dann heisst es Tschüss sagen.
Das fällt nicht so schwer, denn erstens schreit die Couch zuhause nach mir und zweitens wird am Montag Abend ja ohnehin wieder gerast wie blöde. Oder eben gechillt.
Landesverbandszielfahrten, wie viele andere angenehme Dinge im Leben sind nicht einfach da sondern entstehen, weil sich ein paar nette Menschen aufraffen und das ganze organisieren, wobei sie vermutlich dabei dann den wenigsten Spaß haben. Das ist im Prinzip wie Parties zuhause machen, wenn die Eltern weg sind: Da werden auch Jugendliche schnell zu Spiessern im Angesicht der drohenden Zerstörung. Mein Dank an die Leute vom RCB die heute ihren Beitrag geleistet haben. Insbesondere für die Erfindung des Wortes Landesverbandszielfahrt.
Ich wollte ja eigentlich nicht mehr Radfahren und hatte mir bereits einen schicken Motorroller zugelegt. Leider war der nun erst einmal in der Werkstatt und wurde zu einem Fixieroller umgebaut: Bremsen weg, Getriebe weg und Spielkarten auf die Felgen geklebt.
Und zudem hatte ich noch keine neuen Rollerfreunde, also entschloss ich mich schwerzen Herzens am Samstag mal wieder Rad zu fahren mit der BBC Runde. Das war doch eigentlich ganz nett, die Strecke war sehr gut ausgewählt und führte mehrheitlich über Straßen die ich bislang wenig oder noch gar nicht gefahren war, das Tempo war sehr moderat, so dass ich ziemlich viel gequatscht habe, mit Freunden, aber auch mit neuen Mitfahrern. Ich schätze so Gelegenheiten ja sehr. Benjamin zog ab und zu Sprints an und so konnte ich mich an der einen oder anderen Stelle gut verausgaben. Leider fehlt heute die Zeit viel darüber zu schreiben, deshalb nur ein paar Bilder und ein paar kurze Beschreibungen.
Irgendwo, irgendwann mit irgendwem (aber nicht Erdogan).
Erzwungene Pause, da wir zu fünft vorne weggesprintet waren.
Die Pausen bei dieser Tour waren etwas sporadisch unerklärbar. Nach ca. 45 km machten wir mitten im nirgendwo die erste Pause, es gab kein Eis, keinen Kuchen – nichts. Die zweite war dann erzwungen. Es gab aber auch nichts.
Hier starten Benjamin, Bo und ich gleich zu unserem Ortsausgangssprint: Härtester Gang rein und stehender Start. Definitiv unter 30 km/h.
BBC Granden.
Die zweite Pause: Vor dem Nagelstudio von Tim in Adolfsdorf.
Musste heute dummerweise arbeiten, denn ich war offensichtlich in der Woche vorher zu faul: Na gut da fehlte ja auch der Montag. Um 13:30 Uhr traf ich mich im Hannes, es war bitterkalt. Sibirische Winde fegten durch die Fischerhuder Steppe und wir hatten Mühe alle unsere Glieder warm zu halten. Ab und zu überholten wir ein Räumfahrzeug der Sagehorner Verkehrsbetriebe und überall waren bereits Warnschilder aufgestellt.
Ich sag‘ noch zu Hannes: „Mensch pass auf, hier ist ’ne Glatteiswarnung!„, aber da war es schon zu spät, unkontrolliert rutschten wir beide weg und kamen auf der Strasse zu liegen. Zum Glück war nichts passiert. Bis wir ein paar Passanten fragen konnten ein Photo zu machen hatte es bereits wieder angefangen zu tauen.
Scheisswetter heute!
Free Tibet of Glatteis now!
Hannes zupfte sich sein Free Tibet zurecht, ich setzte meine Coco Chanel Mütze wieder fesch auf und weiter ging es. Ohne schöne Unterbrechung der etwas monotonen Arbeit- mein Dank an Hannes.
Insgesamt an vier Tagen ca. 270 km – der Dynamo läuft wieder.
„Es wäre doch nett“, dachte ich mir, „mal wieder zusammen am Wochenende zu fahren und nicht alleine mit schlechter Laune und Form gegen den Wind zu fahren.“
Zum Glück ist die Rennradbegeisterung ja gerade so, dass man in Bremen über die fb Gruppe jeden Tag mindestens drei Touren zur Auswahl hat, denen man sich anschliessen kann. Vor die Wahl gestellt morgens um Neun 150 km mit den Cracks, um Zehn 123 km mit Radler die ich nicht kenne (aber vermutlich auch teuflisch schnell sind) zu fahren, oder um Zwölfe zu Dritt mit Schnippo und Helge eine gemütliche 60 km Runde zu drehen entschied ich mich für das letztere. Obwohl mir klar war, dass das niemals gemütlich werden würde. Und später wurde mir auch klar, dass wir alles andere als zu dritt fahren würden, weil ca. 15 andere ebenfalls zu dritt unterwegs sein wollten.
Schnippo traf ich bereits an der Ampel der Erdbeerbrücke. Zuerst erkannte ich ihn nicht, da er vermummt war. Ich hatte lange keinen so vermummten mehr gesehen, der letzte vor Schnippo war Thomas, der im Sommer 1980 in Berlin aus Kreuzberger Seitenstrassen heraus Bullenwannen mit Farbbeuteln bewarf. Der Unterschied zwischen politisch motivierter Vermummung und radfahrtechnischer ist im wesentlich einen Frage der Mode: In den Achtzigern waren schwarze Baumwollvollmützen und Arafat-Feudel angesagt, heute sind es Textilien aus sogenannten Funktionsmaterialien (als wenn ein Material nicht immer irgendeine Funktion hätte, sogar Bibis Tasty Donut Duschschaum hat vermutlich eine) und neonfarbene Sonnenbrillen, die auch auf dem Spring Break in Mexiko ganz nett ankommen würden.
Radfahrerinnen mit Funktionsbrillen
Am Weserwehr wartet dann eine ziemlich große und bunte Truppe. Viele kannte ich wie Enno, Silvia, Thomas, Benjamin, Tim, Tanja oder Linda, viele waren mir neu. Das ist aber heute egal, denn hinterher kann man ja dann auf Strava nachschauen mit wem man gefahren ist und sich gegenseitig Kudos geben. Von Anfang an war klar, dass es innerhalb der Gruppe ein ganz erhebliches lila-schwarzes Leistungsgefälle geben würde. Da das ganze aber als gemütlich angekündigt war, sieht man darüber hinweg und brettert los.
Auf zur Sonne, zur Freiheit nach Okelweyhe.
Der Himmel über Bremen zeigte sich heute von seiner besten Seite: Strahlend blau, dazu aufgrünende Wiesen und Felder, wenig Verkehr und hier und dort die ersten Osterblumen und Krokusse. Nach dem Salalom auf dem Deich, ging es ab dat Autohaus auf normalen Straßen und Rückenwind schnell Richtung Süden über Kirchweyhe, Südweye und Sudweyhe nach Okelweyhe oder so. Hinter Okel erhebt sich majestätisch der Okeler Berg. Man fährt in den Ort herrein, dreht ein paar Kurven und dann plötzlich hinter den in der Sonne glitzernden Bürotürmen Okels taucht der Okeler Berg in seiner vollen, angsteinflössenden Größe an. Man hat vielleicht schon einmal den Nanga Parbat oder das Stilfser Joch im Fernsehen gesehen, hat von den Verrückten gehört die dort hochgekraxelt sind und von den Vernünftigen die dort starben, und all das kommt einem gleich in den Sinn gleich hinter Okel. Nebenbei gibt es dort auch einen Strava KOM zu knacken, so dass das Tempo dann gleich mächtig anzieht. Das Feld reißt es dann gleich auseinander, rot-schwarz ganz weit vorne, lila-schwarz ganz weit hinten und dazwischen recht bunt. Ich quäle mich hoch und denke an Yabitsu-Toge oder Matsuhime Toge in Japan, ähnlich anspruchsvolle Gipfel. Oben warten wir in der eisigen Umklammerung der Gipfelkälte, bis alle aufgeschlossen haben.
Gipfelkreuz auf dem Okeler Berg
Warten in der Eiseskälte
Von dort aus geht es zackig weiter richtig Gödestorf und Wachendorf bevor wir uns dort wieder auf in Richtung Bremen machen. Eine größere Gruppe verlässt uns, um mehr als 60 km zu fahren. Wir machen uns weiter auf den Weg Richtung Schnepke. Trotz Pause und Verletzung bin ich ganz gut drauf, versuche jede Steigung schnell zu fahren und auch vorne Tempo zu machen.
Unten: Richtung Schnepke. Oben: Richtung Malle vermutlich.
Es fällt auf das Schröder fehlt. Gerüchte kursieren, dass er krank ist, oder Feuer löschen muss. Vorne singen wir gemeinsam die Ode auf Schröders Tasche. Also was für den richtigenSchröder seine Kuscheldecke ist, ist für den wahren Schröder seine Mammut Hüfttasche.
Das Ding ist winzig, zuerst denkt man, das ist eine SD-Karten Aufbewahrungstasche, und ich rede hier von Micro SDs. Aber dann holt Schröder beim fahren was dabei heraus. Und noch was. Und noch was und noch was und noch was. Unglaublich, Mitfahrer berichteten. dass er angeblich erst eine Standpumpe, anschliessend einen Doppel Whopper und dann noch ein Elektroschweißgerät aus dieser Tasche zauberte. All dies ist übrigens nicht neu, natürlich gibt es da alles bereits in Japan. Dort gibt es einen Comicfilm Doraemon, in dem eine blaue Roboterkatze und ihr jugendlicher Freund Nobita die Hauptrollen spielen:
Doraemon, Mammut Hüfttasche nach vorne gedreht.
Der blaue Roboter Doraemon hat ein katzenähnliches Aussehen. Er wiegt 129,3 Kilogramm, ist 129,3 cm groß, kann 129,3 cm hoch in die Luft springen und rennt bis zu 129,3 km/h schnell. Am Bauch trägt er eine Tasche, die Yojigen-Poketto, auf Deutsch vierdimensionale Tasche, die in ein anderes Raumkontinuum mündet und deshalb unendlich viel Platz bietet. Aus der Tasche holt er bei Bedarf allerlei Gegenstände aus der Zukunft, etwa eine Überall-Tür und diverses anderes technisches Spielzeug.
Es gibt einige Toyota Commercials in denen, man glaubt es kaum, Jean Reno den Doaremon spielt und die Dokodemo Door hervorzaubert.
Am besten daran gefällt mir ja wirklich die Überall-Tür, auf japanisch die „Dokodema Door“. Doaremon halt diese Tür aus seiner Tasche raus, man sagt wo man hin möchte, macht die Tür auf und schon ist man da: „Syke!“. Na bitte, klappt doch.
Schröder zieht daher seine Mammut Hüfttasche auch niemals aus. Er trägt Sie unter dem Jacket bei der Arbeit, beim schwimmen im Horner Freibad und auch nachts unterm Schlafanzug. Also, das hört man so.
Wir fuhren derweil von Syke den Berg zum Golfkurs hoch und wieder zurück nach Okel. An jedem Ortschild wurde gesprintet, meist waren Schnippo, Benjamin und Carlos Estobar vorne. Und ehe wir uns versahen waren wir dann auch schon wieder am Weserwehr nach ziemlich genau 60 km (Strava).
Eine schöne Tour an einem schönen fast-Frühlingstag – Danke an alle die mitgefahren sind. Die Gruppe zusammenzuhalten hat auch gut geklappt, allerdings muss man dann auch irgendwann so ehrlich sein und den Stecker ziehen, wenn es wirklich nicht geht. Aber das klappte ja auch gut.