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Giro Dolomiti Day 1: Mummy you’re not watching me

Drei Tage Höhentraining in Wolkenstein, zwei Tage absolutes Nichtstun, der Familie gegenüber als „Regenerationsphase“, bzw. „Stabilisationsmigration“ verkauft. Heute dann der Start des Giro Dolomiti mit einer Transferetappe.

Mit Transfer ist hier gemeint, dass nun langsam der Transfer von einen normalen Leben in eins, dass sich komplett dem Radfahren unterordnen muss, stattfindet. Es gibt keine Mahlzeiten mehr, sondern nur noch „Verpflegungspausen“ oder „Zeit für einen Riegel“; es gibt keine Freizeit und keinen Müßiggang mehr, sondern nur noch erschöpftes einschlummern gefolgt von hektischem Vorbereiten auf den nächsten Tag.

Ich machte mich um 6:30 Uhr auf den Weg von Wolkenstein in das 50 km entfernte Bozen; es war Sonntag und die Straßen leer. Um Zeit zu sparen frühstückte ich im Auto, sobald ich unten im Tal fuhr und hörte dazu Sade, TV Personalities und Natalie Imbruglia und noch schlimmer, Alvaro Soller [den wir als Kind von der Deutschen Schule in Yokohama kennen] , also die perfekte Mischung zwischen purer Freude und leichter Genervtheit, um wach zu bleiben. Dazu hatte ich das perfekte Gerät dabei, meinen ipod shuffle von 2005 mit unglaublichem 512 MB Speicher. Das ist übrigens das einzige Apple Geär, das ich besitze; nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil es sich so ergeben hat.

Parkplätze gab es genug an der Messe, ich parkte neben einem Bus in dem sich minderjährige Pfadfinder fertig für die Fahrt in die Berge machten. Am Start traf sich mehr oder weniger die Bremer Fahrer, es blieb gerade noch Zeit für ein Photo vor der grünen Wand und dann ging es schon auf die Strecke.

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(c) Andis Dolomiten Photo (ADP)

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Es war sehr nostalgisch einerseits, denn es gab viele Jerseys aus dem Vorjahr zu sehen – von den etwas mehr als 500 Startern waren ca. 532 vom RSC Niddatal in der markanten Ketchup/Senf Montur, dazu Winterthur, Pedali Bolognese, Hövelshof, Erkelenz und viele mehr – es gab einige Wiedersehen vom letzten Jahr – der Zwerg war wieder dabei, Rapunzel ebenso wie die rosa Socken aus Maschsee und den Rest habe ich wohl nicht erkannt, da er gerade das falsche Trikot anhatte. Und irgendwie war ich auch ein wenig traurig gestimmt, denn Silvia, Thomas, David und Jochen fehlten mir doch am Start.

Gewohnt gut organisiert wurden wir durch Bozen und dann auf die Landstraße an de Eisack in Richtung Brenner geführt. Diese war in beide Richtungen für uns gesperrt, es war noch etwas kühl am Morgen und das Tempo eigentlich gemütlich. Trotzdem kam es zu zwei Stürzen, beide Male in einem Tunnel; am ersten Tag kochen die Hormone halt noch ordentlich hoch, aber Körper, Alter und Natur tun im weiteren Verlauf das ihrige, um den Pegel auf Normalniveau zu bringen.

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So ging es die ersten 26 Kilometer langsam hoch durch das Tal bis nach Waidbrück, wo wir von der Hauptstraße abbogen und uns auf den Anstieg nach Barbian machten. Das waren die ersten 350 Höhenmeter des Giros, bei denen das Berggefühl aufkam. Ich passte auf, das ich da in meinem Tempo gleichmäßig hoch fuhr, denn ich wollte mich ja nicht vor der gestoppten Strecke verausgaben. Dabei unterhielt ich mich ein wenig mit Dietmar, der wie ich aus Mönchengladbach kommt. Na ja, eigentlich aus der Nähe von Mönchengladbach, aber zum Glück nicht aus Rheydt. wie überhaupt das Rheinland beim Giro immer gut vertreten ist: Erkelenz, Brühl und natürlich jede Menge Holländer.

Die übrigens nicht nach 31 km in Barbian begann, sondern etwa 3 bis 4 km später. Da gab es eine schöne, schmale Abfahrt, eine enge Kurve und dann war da auf einmal dieses Tor für den Beginn der Zeitnahme. Ups. Das ging mir aber zu schnell,  ich drehte um, fuhr den Hügel wieder ein Stück hoch und machte mich (geistig) fertig.

Dann los, den Hügel runter, mit Schwung durch die Zeitaufnahme und gleich gebremst von der Gravitation und einem Mini Stau. Vor mir rosa Socken aus Maschsee, das sollte für die nächsten Kilometer erst einmal mein Orientierungspunkt sein. Durch den Ministau wurde meine Übermotivation erst einmal gebremst und dann war es ohnehin erst einmal so steil, dass es an sich nur noch ums Überleben ging. Dann kam nach ca. 3 km eine kurze Abfahrt und ich war mir unsicher, ob dies nun bedeutete, dass wir doch das 14 km lange Original fahren würden, denn ich dachte dass das 9 km Stück komplett ohne Abfahrt wäre. Das machte mich nun doch etwas unsicher und ich hielt mich etwas mehr zurück für den Fall, dass ich doch noch länger fahren müsste. Irgendwo überholte mich Andi, was von ihm phototechnisch ausführlichst festgehalten wurde.

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(c) ADP

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(c) ADP

 

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(c) ADP

Kann auch sein, dass das alles vor dem Rennen war, aber so genau bekam ich das nicht mehr mit.

Es folgte eine weitere Abfahrt und das Schild „3 km bis zum Ziel“. Cool. Dann noch ein paar kurze Aufstiege und das Schild „1 km bis zum Ziel“. Noch eine Abfahrt und dann war es auch schon zu Ende. Andi stand bereits am Ziel mit der Kamera in der Hand.

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Silke im Ziel

Kurz hinter dem Ziel lag die Verpflegungsstelle, bei der es den üblichen dolomitischen Misch aus Keksen, Marmeladenkuchen und Bananen gab. Nachdem die harte Arbeit vorbei war, wurde die Stimmung auch deutlich entspannter.

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Hilde (c) ADP

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Silke van der Kitten  [CN] (c) ADP

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(c) ADP

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(c) ADP

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(c) ADP

Zeit also, sich einmal nach dem bestaussehenden Sportler des Tages umzuschauen. Schon auf der Fahrt hoch nach Barbian war mir „Die Mumie“ aufgefallen. Wie würde man so eine Hose bezeichnen: Dreiviertel-lang? Siebenachtel-lang? Hochwasserhose?

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Trikot des Tages: Die Mumie (2. von rechts)

Mal was anderes. Jedenfalls anders, als die vielen, vielen bunten ALE jerseys mit love bubbles, siehe Big Mistake von Natalie Imbruglia. Trikotdesign und Leistung haben übrigens nichts miteinander zu tun. Heute wurde ich von zwei älteren Frauen überholt, die Trikots anhatten, die ausssahen wie rosa Unterhemden und darüber blaue Hosenträger. Davon muss ich unbedingt noch ein Photo machen.

Nach der Pause musste noch ein wenig geklettert werden, bis wir schließlich durch Oberinn kamen,

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und dann begann auch schon die schöne,lange Abfahrt zurück nach Bozen. Der obere Teil war etwas kurviger und der untere Teil war nicht mehr sonderlich steil, aber schnell, schnell, schnell und durch jede Menge Tunnel.

Nach 79 km war alles vorbei und wir waren zurück an der Messe in Botschaft. Ich musste mich etwas beeilen, da meine Familie wieder etwas von mir haben wollte und machte mich relativ zügig auf den Weg zurück nach Wolkenstein.

Der Rest des Tages: Einschlummern bein anschauen der Tour de France, hektisches Vorbereiten auf den nächsten Tag. Nudeln en masse. Morgen die erste Königsetappe von sechs weiteren.

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RCB Montagsvelothon.

Mein Standardprogramm für das Wochenende sieht derzeit so aus: Am Freitag die sehr gemütliche BBC Runde, am Samstag Grundlagenausdauer- und Stabitraining und am Sonntag ist Ruhetag. Nur auf diese Art und Weise bin ich in der Lage beim RCB Training am Montag teilzunehmen.

Nachdem es die letzten drei Montage ausgiebig geregnet hatte, war heute mal wieder gutes Wetter und entsprechend viele Fahrer waren zum Treffpunkt nach Borgfeld gekommen. Während im Frühling Pollenflug Allergien verursacht, bekam ich heute fast eine Adrenalin oder Testoronallergie – die Ungeduld aller lag spürbar in der Luft: Es würde schnell, dreckig und brutal werden, auf jeden Fall in der Heizdüsengruppe.

Jede Menge bekannte und berüchtigte Gesichter. Ich habe leider keine Photos gemacht. Selbst wenn ich welche gemacht hätte, wären nur verschwommene Schatten erkennen zu gewesen, so schnell war das Tempo und so gesättigt die Luft mit Adrenalin. Aber ich habe heute eins im Web gefunden, das den nach der Geburt getrennten Zwillingsbruder von Stefan Schnippowski zeigt der heute auch dabei war.

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Uwe Schnippowski

Die Einsteiger sollten sich hinten auf dem Parkplatz sammeln, die Heizdüsen mitten auf der Strasse. Alle andere blieben stehen wo sie waren. Dann ging es los und innerhalb von 300 Metern waren wir zu Viert vorne und hatten die anderen bereits verloren. Wir waren eine recht große Truppe bei den Heizdüsen heute, vielleicht so um die 20 Fahrer, die dann wieder Anschluss fanden.

Das Tempo war…schnell. Als ich wieder zuhause war und auf meinen GPS Datenlogger schaute, zeigte dieser einen Schnitt von 35 km/h – inklusive der getrödelten An- und Abfahrt durch die Stadt. Und hatte ich den nicht auch an, als ich bei Rewe Riegel kaufen ging und verträumt an den Regalen vorbei schlenderte? Mir kam es so vor, als wenn wir überwiegend mit 40+ durch die Gegend gerast wären.

Quasi an jedem Ortsschild gab es einen Sprint, angefangen in Quelkhorn, und dann in Ottersberg, Ottersstedt, Otterswerk, Ottershorn, Ottersthal und sogar in Ottersfeld. Ich hielt mich taktisch zurück, da ich nicht wusste, ob ich nicht doch irgendwann einmal herausfallen würde. Aber als wir fast wieder zurück und ich noch gut in Schuss war, dachte ich mir, ich könnte ja auch einmal ein paar sinnlose Attacken fahren. Also begann ich Ortsschilder anzutäuschen.

„Los, da vorne ist Quelkhude“ murmelte ich, beschleunigte wie ein Blöder und musste feststellen, dass sich eine ganze Truppe hinter wir dranhielt, die alle den Sprint nach Quelkhude, respektive Borgstedt oder Dogrepel für sich gewinnen wollten. Man, waren die gut. Ich nahm wieder Tempo raus und schaute mir die Sache von hinten an. Vorne wurde es ja auch wieder langsamer, wenn nach exzessivem Sprinten kein Ortschild in Sicht kam.

Wir waren also irre schnell zurück. Noch weit vor dem Sonnenuntergang.

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Borgstedter Deich Richtung Hühnersiel

Da gab es dann endlich mal die Gelegenheit etwas zu reden, denn beim Fahren war daran nicht zu denken. Das war definitiv härter und schneller, als der Velothon in Berlin vor zwei Wochen. Zum Glück konnte ich den als Vorbereitung für das Montagstraining mitnehmen.

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Nach dem Training war ich ziemlich müde. Da aber diese Woche kein Body Attack stattfindet, da die Trainerin in Urlaub ist und zudem mal wieder mieses Wetter nach Bremen zieht, fuhr ich noch ein wenig an Wümme und kleiner Wümme lang, um mir die Füsse zu vertreten und noch ein paar Kilometer zu sammeln. Denn in 2 Wochen bin ich wieder in den Dolomiten, das könnte dann tatsächlich etwas härter werden, als ein RCB Montagstraining. Auch wenn man sich das noch nicht vorstellen kann.

Strava

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Warten auf Bumsfidel. Quatsch, Schnippo! Nein, Silke!

„Ich wusste nicht mehr, ob ich wachte oder schlief,
die Augen verquollen von tausend Tränen,
auch wenn sie doch endlich einen Sinn bekämen.“
(HH Milch, „Fräulein Meier“, 1984)

Ich quälte mich morgens ganz früh aus dem Bett, fühlte mich lyrisch und machte mich auf den Weg in die Küche.Das war gar nicht so einfach, denn seitdem mein Sohn Abitur hat, hängt er mit seinen Kumpels im Esszimmer rum und zockt Nächtelang online „League of Legends“. Und so kämpfte ich mich durch leere Pizzapackungen, vorbei an Bierkästen und leeren Energiedrinkdosen zum Toaster durch. Man, hatte ich so überhaupt keine Lust!

Aber ich hatte ja dooferweise auf fb gepostet, dass ich alle heute nach Barrien zur RTF leiten würde. Meine Laune wurde auch nicht besser als ich, vorbei an Gummibärchentüten, Chipspackungen und Kartoffelsalatdosen die Strasse erreichte. Graue Wolken überall, vor allem am Himmel über einem, was schlecht ist, denn von da aus fällt vertikal der Regen auf einen runter, zunächst noch in tröpfelnder Form. Dabei hatte ich mich extra schick gemacht für dieses Event und mein TSV Barrien Vereinstrikot von 1991 angezogen.

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Die klassische Mondrian-Version, heute in diesen Farben (stehen auf der Verbotsliste der Genfer Konvention) und Mustern (Gegenstand der START Abrüstungsverhandlungen zwischen Russland und den USA) fast nicht mehr zu bekommen.

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Warten auf Bumsfidel- denkt man.

Zum Glück warteten schon die ersten Mitfahrer auf mich am Treffpunkt Bank Wehrstrasse.: Klaus, nein Friedel, nein doch Klaus, Benjamin, Caro, Silvia, Jörg, Christian und er kamen auch immer mehr, jetzt fehlte an sich nur noch Bumsfidel, auf den wir ja bereits letztes Jahr vergeblich gewartet hatten.  Allmählich wurde die Stimmung aggressiv: „Wo ist denn dieser Bumsfidel schon wieder?“ „Alle sind da – und wer fehlt – der Bumsfidel natürlich!“ Ich ließ die Stimmung erst einmal köcheln, denn ich war der einzige der wusste, dass Bumsfidel gar nicht kommen würde. Das hatten wir nicht so abgemacht, um alte Traditionen zu wahren, sondern Bumsfidel wollte mit der BBC (Big Black Cog) Gruppe erst um 8:30 in Barrien sein und später losfahren. Da ich den ganzen Tag heute keinen einzigen BBCler gesehen habe, gehe ich davon aus, dass Bumsfidel heute Abend um 20:30 Uhr meinte, wenn die Strassen leer sind und Deutschland gegen die Ukraine bei der EM spielt.

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Na dann warten wir doch auf Schnippo!

Schnippo, bürgerlicher Name Stephan-Cevin Graf zu Schnippowitsch, sollte uns nach Barrien führen, da er der einzige mit Ortskenntnis des Bremer Süden ist. Auf den mussten wir nun warten. Unglücklicherweise fährt Schnippo, im Gegensatz zu vielen Anderen von uns, nicht nur Rad sondern geht einer weitgehend ungeregelten Arbeit, und einem überhaupt nicht geregelten Lebensstil nach. Nachdem wir also ausreichend gewartet hatten sagte jemand, das Schnippo nicht kommt, was schlecht ist, denn Barrien liegt ja nicht gerade um die Ecke und ist im Prinzip nur auf Feldwegen zu erreichen.

Also, auf wen sollen wir nun warten? Silke! Denn jemand berichtete, dass Silke munter und fröhlich „Legat. Illegal. Scheißegal“ von Slime vor sich hinflötend am Straßenrand saß und versucht mit Andi zusammen einen Platten zu reparieren. Als die beiden dann endlich kamen ging es endlich auf Richtung RTF. Und zwar für ca. 4 km, bevor der zweite Platten Silke stoppte. Tobi führte die Gruppe weiter nach Barrien, während ich umkehrte um Silke und Andi nach Barrien zu fahren. Andi war nirgendwo zu sehen und Silke fuhr in die falsche Richtung – nämlich nach Hause. Ich konnte sie nicht überzeugen ihr schlechtes Kharma herauszufordern und mit nach Barrien zu kommen und musste mich so alleine auf den Weg machen. Fazit: Alles organisiert und dann doch alleine gefahren.

In Barrien waren schon jede Menge Leute, allerdings wegen dem schlechten Wetter auch deutlich weniger als in den letzten Jahren. Obwohl in Barrien ist an sich immer schlechtes Wetter. Fremde Frauen lächelten mich an – war es wegen meinem TSV Barrien Trikot? Nein, es war Corinna, die mich anstarrte, die ich 5 Minuten nicht erkannte, bevor endlich der Groschen fiel. Es gab Kuchen und Kaffee, belegte Brote und wie immer hatte der Verein, d.h. seine Mitglieder und davon vermutlich überwiegend die weiblichen, großartiges an der Kuchen- und Brötchenfront geleistet. Es ist wirklich irre, was so die Dorfvereine zustande kriege. Würde ich, zum Beispiel einer Gruppe von Studenten die Aufgabe geben so etwas zu organisieren, so kämen sie mit einer Flasche Cola an und hätten sich heillos zerstritten.

Gespräche rechts und links. Das hat sich schon sehr geändert im Vergleich zu vor sechs Jahren als ich aus dem Ausland nach Bremen kam und keinen Menschen kannte. Norddeutsche sind ja nicht für ihre Offenheit bekannt; sprach ich damals einen ein, dann sagte er mir. „Hau ab, ich kenn‘ schon einen anderen Menschen!“ und machte ein Gesicht wie Thorsten. Heute ist das komplett anders. Auch und gerade wegen dem cyclyng Blog werde ich mit Respekt behandelt was mir fürchterlich peinlich ist. Manchmal werde ich sogar nach meiner Meinung zu radtechnischen Dingen befragt was noch peinlicher ist, da ich dann so tun muss, als wenn ich davon Ahnung hätte, wobei mein eigentliches Fachgebiet ja die Optimierung von Festigkeits- und Wärmedämmungseigenschaften von Hochlochziegeln ist – aber dazu stellt natürlich nie jemand eine Frage! Zudem wird angenommen, dass ich bestimmte Dinge mache, weil sie einen Sinn haben, wo ich doch einfach nur zu doof bin. Beispiel von heute:

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Lasierte Beine.

Diese braunen Flecken sind nicht etwa Desinfektions- oder andere Wundermittel, um meine Leistung zu verbessern, sondern Lasur. Warum Lasur? Hatte ich meine japanische Frau um eine Rasur meiner Beine gebeten und sie hatte das nicht mißverstanden wegen akuter R/L Schwäche? Nein. Das mit dem R/L ist übrigens wirklich schwierig. Kazuko sagt auch immer „Früchtling“ und „Früchtlingsunterkunft und ich denke an eine Scheune in der sich Orangen und Mangos vor dem Regen schützen. Fairerweise muss man natürlich auch sagen,dass es uns auch schwer fällt in der japanischen Aussprache zwischen „つ“, “す“ und „ず“ zu unterscheiden. Oder zwischen „紅葉“ und “工場“, fast identische Aussprache, das eine heißt aber „gelbe und rote Blätter im Herbst, die die Herzen der Menschen berühren in ihrer Pracht“ und das andere „Fabrik“.

Also, warum Lasur? Weil ich zusammen mit meinem Sohn den Gartenzaun gestrichen habe und wir uns beide total versaut haben. Ich quatschte sehr viel und verpasste prompt den Start.

Zum Glück kam gleich hinter mir eine Gruppe mit Steen, Thorsten und anderen Wiegetrittlern und wir machten uns daran das Feld von hinten aufzurollen. Thorsten machte sehr viel Führungsarbeit vorne und ich beteiligte mich auch aus Dankbarkeit sporadisch. Wir überholten eine Reihe von Gruppen, aber irgendwann ist auch einmal Schluss damit. Das Tempo war aber immer noch gut hoch im 35-40 Bereich und so kamen wir dann bereits nach 30 km oder so an die erste Verpflegungsstation. Wo dann alle bis auf einen und mich rausfuhren, um den legendären Butterkuchen zu tanken, nachdem diese RTF benannt ist. Ich fuhr einfach durch, zusammen mit dem Lotto Typen, der mir aber etwas zu schnell war. Stattdessen fand ich zwei weitere Mitfahrer, von denen der eine ein wunderschönes Basso Fiore di Loto hatte. Ich musste relativ viel vorne fahren, um das Tempo hoch zu halten. Da änderte sich, als Andi mit einer Gruppe von 5-6 Fahrer kam und wir uns teilweise daran hängten. Teilweise, denn die fiesen kleinen Anstiege sorgten dafür, dass hinten noch einige rausfielen. So ging es dann in gutem Tempo weiter zur zweiten Verpflegungsstation die ich ebenfalls ausließ. Diesmal musste ich ganz alleine weiterfahren und verirrte mich prompt. Zum Glück fand ich eine Strasse, auf der ein Paar Gruppen fuhren und hängte mich dran. Und zum Glück waren das auch Gruppen auf der 113er Runde.

Diese Gruppe war nun richtig flott und wir fuhren quasi ständig im 40er Bereich. Besonders fies waren die Abzweigungen – an jeder wurde arg schnell beschleunigt und ich musste mich mit 45 Sachen richtig reinhängen, um nicht den Anschluss zu verlieren. So langsam merkte ich, dass mir der Saft ausging und irgendwann würde ich wohl aus de Truppe rausfallen. aber da kam auch schon die dritte und letzte Station und die ganze Gruppe blieb stehen um zu essen. Ich war auch total überrascht wie viele Fahrer da standen, nach dem Tempo bislang hatte ich geglaubt ganz vorne zu sein. Auch hier fuhr ich durch und wurde dann relativ schnell von einer weiteren Gruppe eingeholt die etwas langsamer unterwegs war. Unter anderem waren da auch Fahrer aus Bruchhausen-Vilsen und Nienburg dabei.

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr auf der Autobahn fahrt und vor euch wird eine LKW-Zugmaschine abgeschleppt? Also so, dass die Fahrerkabine nach hinten zeigt und man das Gefühl hat, da kommt einem ein LKW auf der falschen Spur entgegen und gleich kracht man zusammen? Dieses Gefühl hab heute das Mädel vor mir, durch die Kombination aus geflochtenen Zöpfen und Brille.

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Zugmaschine

Hey, und wie man einen Helm richtig rum aufsetzt, darüber kann man durchaus in Bremen auch geteilter Meinung sein. Ich fühlte mich die ganze Zeit peinlich angestarrt und versuchte nicht auf die Banane zu gucken. Insgesamt war das aber eine gute Truppe, die mich schnell ins Ziel brachte.

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Norddeutschland

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Schau mir in die Augen…

Insgesamt bin ich heute auf 114 km fast einen 36er Schnitt gefahren, und habe in mehr als drei Stunden gerade mal 2 Minuten Pause gemacht. Also eine gute Vorbereitung für den Velothon in Berlin am nächsten Wochenende. Und ich war echt froh, als es vorbei war und ich wieder chillen und quatschen konnte.

DSCF2573 Das ist ja nach den RTFen immer viel zu kurz, weil alle gleich wieder zurück nach Bremen wollen. Und  da alleine zurückzufahren ja so gar keinen Spaß macht, schloss ich mich einer Gruppe mit Andi, Andres, Caro, Tanja, Tobi und einigen anderen an. Kurz vor 13:000 Uhr war ich wieder zuhause, mein Bett und seine Freunde lagen jetzt gerade mal im Bett.

Zu einem perfekten Wettkampf gehört unbedingt im Anschluss noch einmal richtig Stabi Training zu machen, um den Körper perfekt auszubalancieren. Hier empfiehlt es sich mit Gewichten und Partnern zu arbeiten, notfalls tut es auch ein etwas älteres und schwereres Handy.

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Vor dem Stabi Training

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Nach dem Stabi Training

Danke an Caro für die Assistenz beim Stabi Training. Nach dem Stabi Training fühlte ich mich auch wieder so richtig frisch. Den Tag anschließend verbrachte ich aber dann doch erst einmal im Bett und dann auf der Couch – und jetzt denke ich so ganz langsam an Fußball.

Danke an alle die heute mitgefahren sind und auf die wir warten oder nicht warten mussten. Und an den TSV Barrien für die gute RTF und den vielen Kuchen etc., auch wenn ich kein einziges Jersey heute von dem Verein gesehen habe.

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LVZTRCB 2016: Kreuz und quer durch Tenever und Wilstedt

Die erste RTF der Saison wurde von meinem Verein ausgerichtet: die Landesverbandszielfahrt des Radsportclub Bremen, kurz LVZTRCB – das musste in der Überschrift so abgekürzt werden, denn eine Blogsoft die in den USA entwickelt wurde kann mit der Länge deutscher Worte, wie z.B. „Benzinwolkenvaterbeschämung“ nicht umgehen.

Als Startpunkt wurde ein berüchtigtes Jugendhaus auf dem Gelände der Gesamtschule Ost in Tenever ausgewählt; als ich dort mit Mark und Dr. Rad aus Weimar um 9 Uhr morgens ankam hing bereits das übliche Gesocks vor dem Eingang rum: Rose Räder, Shimano Schaltungen, Rapha Kleidung und gefakte Carbonräder aus China, schlimm, schlimm was die Jugend heute so treibt. Dealer befüllten Benzinkanister in denen nun Drogen transportiert wurden, vermutlich Methylalkohol oder sonstiges Teufelszeug und mit denen die umliegenden Dörfer wie Wilstedt und Seslingen versorgt wurden. Obwohl es noch so früh war, rauchten bereits die ersten Fahrer in der glühenden Sonne; mindestens 32  Grad im Schatten waren es da schon. Also, das hätte man zumindest denken können, wenn man sah, wie viele Mitfahrer in kurz-kurz angetreten waren. OK, also an sich nur einige. Hm, wenn ich noch einmal darüber nachdenke, lief dort eigentlich nur Matt Schmitt in kurz-kurz rum, alle anderen in Jacke und Schals.

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Boys and Girls in the Tenever Hood

Von drinnen dröhte aggressive Musik von Haftbefehl die uns auf die bevorstehende Landesverbandszielfahrt des Radsportclub Bremen scharf machen sollte:

Denn ich rolle mit mei’m Besten
Denn ich rolle mit mei’m Besten
Denn ich rolle mit mei’m Besten
Ich und er sind jede Zeit bereit für Action

Ich bin high und ich rolle tief
Ich bin high und ich rolle tief
Ich bin high und ich rolle tief
Ich bin high und ich rolle tief

Der Sozialarbeiter drinnen machte Zicken und wollte  nicht die Landesverbandszielfahrtskarten des  Radsportclub Bremen rausrücken, so dass wir ihm zunächst eines auf die Fresse drohten und dann acht Euro abdrückten. Überhaupt: drinnen! – doch dazu später.

Draußen war mittlerweile die gesamte RCB Szene Bremens versammelt, viele bekannte Gesichter, Jörg zum Beispiel hatte ich lange nicht mehr gesehen, mit Andreas länger nicht gesprochen, Thomas, Philipp, Stefan, Silvia, Didi – das ist mittlerweile ganz anders, als auf meiner allerersten RTF in Bremen 2010. Ehrlich gesagt war es auch nicht viel anders als eine RCB Montagsausfahrt, deren Startpunkt ja mittlerweile auf den Dorfkrug in Borgfeld verlegt wurde, da die Kundschaft von Jacques Weindepot, wo wir uns bislang trafen, auch keine Lust mehr hat sich durch schwitzige hundert Körper zu winden, um ’ne gute Flasche Rose zu kaufen. So ein Gemenge ist eine gute Gelegenheit ein paar Fachgespräche zu führen. Andreas vermutete, dass die Lager in den Naben seines Rades kaputt sind, da er beim fahren öfters das Gefühl hat, „als würde mich jemand von hinten festhalten“, dieses Gefühl ist mir, vor allem nach der Winterpause ebenfalls gut bekannt und hat dummerweise leider gar nichts mit den Lagern zu tun.

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Sebasatian hat seine Igelhaare mit einem Stirnbandunterm  Helm gesichert, da ist quasi wie eine Sprungfeder, die jeden Moment damit droht den Helm zu durchstossen.  Dann, wir waren gerade so nett am quatschen und irgenwie hatte ich mich schon mit dem Gedanken angefreundet jetzt gleich nach Hause zu fahren und auf der Couch zu pennen,trat Schröder nach vorne und begann zu organisieren. Neben Schröder stand ein blonder Junge und Silke vorne und alle hielten Schilder mit 120+ (Schröder) 75+ (Junge) und Silke (50+) hoch – da analog zu den Schildern auch eine signifikante Änderung der Körpergröße von Schröder in Richtung Silke erkennbar war, glaubte ich zunächst, dass wir nun nach Körpergröße sortiert würden; also mit Schröder kommt alles was zwischen 2,20m und 1,75m ist, mit dem Jungen zwischen 1,75m und 1,50m und bei Silke alles war unter einem Meter fünfzig durchkommt.

Es handelte sich aber doch um die Streckenlängen. Die 120er Gruppe war zunächst relativ groß, aber nun wurde jede Gruppe noch einmal in „ambitioniert“ und „gechillt“ aufgeteilt. In der ambitionierten 120er Gruppe bleiben dann noch so ca. 25 Fahrer. Ich stellte mich auch mit dazu, denn erstens ist dazustellen relativ einfach und cool (im Gegensatz zu mitfahren) und zweitens war es ohnehin mein Plan mit der schnellen Truppe rauszufahren, irgendwo eine längere Pause zu machen und zu warten bis die gechillten kommen und mit denen dann gemeinsam den Rückweg zu vergeigen.

Ich hätte gerne mal die ambitionierte 50er Truppe gesehen. Schnitt 35 km/h, nach 1 1/2 Stunden wieder zurück  – da kann man mit dem Tag noch etwas anfangen.

Los ging’s dann auch schon.Mit Rückenwind und hohem Tempo. Meistens war es allerdings auszuhalten, schwierig wurde es erst einmal  nur dann, wenn der Wind von der Seite kam. Es ist an sich ja kein Problem 40 km/h in der Gruppe zu fahren, wenn der Wind von hinten kommt, man in der Mitte fährt, die Leute kennt und sich auf die verlassen kann und die Hosen vor einem nicht komplett durchgescheuert sind. dann kann mana uch ein wenig quatschen, so wie Thomas und ich das gemacht haben. Das Problem fängt an, wenn die Gruppe immer noch 40 km/h einen leichten Hügel mit heftigem Seitenwind hochfährt. Das kostet Körner und kann man halt nicht so häufig mitmachen. So war ich ganz froh, dass wir relativ zackig in Wilstedt waren. Was keine Überraschung ist, denn in den Regelungen des Deutschen Radsportbundes heisst es eindeutig über das Ziel einer Landesverbandszielfahrt: „Wird eine Landesverbandszielfahrt in Norddeutschland durchgeführt, so muss eines ihrer Ziele Wilstedt sein.„. Überhaupt, ich kann mich auch gar nicht erinnern, dass ich jemals von Bremen aus irgendwo hingefahren wäre und dabei nicht durch Wilstedt gekommen wäre. Wilstedt ist wie das Schloß von Franz Kafka,nur umgekehrt.

Auf der langen Straße an den Windkrafträdern vorbei Richtung Wilstedt musste ich dann auch in die Führungsarbeit gehen. Neben mir eine graue Heißdüse. Wir fahren den letzten Hügel zum Ortsschild hoch. Hier wird bei der Montagsausfahrt immer gesprintet. Der ist  neben wird immer schneller, will nicht sprinten, aber definitiv als erster am Ortsschild sein. das geht natürlich gar nicht, ich halte mit und ziehe dann ganz fies an – schwierig ist es dabei das Ganze so aussehen zu lassen, als wenn das ganz locker und unbeabsichtigt wäre – dieser Ortsschildsprint geht an mich. Danach ist dann auch schon die erste Pause am MTV Wilstedt (letztens 3:4 rausgeflogen nach 1:1 Hinspiel gegen Liverstedt im Kreisligapokal).

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Links mit Helm der Ortschildsprinter in Wilstedt. Unter dem Tisch verdächtiger Kanister.

In Wilstedt hätte ich nun in den Zirkus Eldorado (Motto: erfolg ist kein Zufall!“) der Familie Thiel (Deswegen sind wir auch in Wilstedt!) gehen können, aber die Pause ist nur kurz und am Kreisel kreisen bereits die Ungeduldigen. Weiter geht es mit 35 bis 40 und mir wird langsam klar, dass das mit mir nicht ewig so weitergehen wird. Zwischen Kirchtimke und Rhadereistedt (Immer noch Partyalarm in der Zeltdisco am 8.April) falle ich raus. Philipp und ein weiterer wollen mich noch schieben, aber da geht nicht mehr viel und bis zur nächsten Pause in Selsingen ist es noch weit und so mache ich mich alleine auf den Weg. Die Gruppe ist auch ganz schön klein geworden, in Wilstedt sind da schon eine menge ausgestiegen.

Das klappt ganz gut, nur habe ich von der Strecke dummerweise so gar keine Ahnung und muss mich anhand der Landesverbandszielfahrtswertungskarte orientieren. Das bedingt eine menge Pausen, denn nun kommen die ganzen „Stedts“ und ich kann einfach nicht behalten, in welcher Reihenfolge die abgefahren werden sollen: Rockstedt, Granstedt, Glinstedt, Hanstedt, Hepstedt, Tarmstedt, bis der Weg wieder zurück nach Wilsedt führt.

Wofür steht eigentlich dieses „Stedt„? Stadt kann das ja wohl nicht heißen, den diese gottverlassenen Flecken im Norden weisen ja keine signifikanten Einwohnerzahlen auf. Am besten gefällt mir da noch Rockstedt (ursprünglich „Rockstedty“), denn erstens hat es ein cooles Wappen,

Wappen von Rockstedt: von lauter Musik aufgescheuchter Vogel irgendwo im Grünen

 und zweitens wurde der Ort auch von No Doubt besungen.

Prompt verpasse ich den Verpflegungspunkt in Selsingen und dann geht es auch schon voll gegen den Wind zurück. Hm, das ist nun echt hart. Ich fahre so mit 20 bis 25 km/h und trotzdem habe ich einen Puls von 140 bis 150. Das ist nicht so anders als bei Mat Haymann, als er dieses Jahr Paris-Roubaix gewann, nur dass er mit diesem Puls und der etwa gleichen Trittfrequenz im Durchschnitt 44 km/h über Kopfsteinpflaster fährt.

Ja, jetzt wird es wirklich langsam und mühsam. Und verdammt, die chillige 120er Gruppe will einfach nicht kommen. In Glinstedt finde ich endlich einen weiteren Radfahrer, der sich mit mir duelliert. Fies schleicht er von rechts auf dem Radweg heran und überholt mich. Ich ziehe an, aber er bleibt dran, setzt noch einmal zum überholen an, bis ich ihn kurz vor Tarmstedt aus den Augen verliere. Ich sollte noch erwähnen, dass der nicht bei der Landesverbandszielfahrt mitfuhr und auf einem Trekingrad mit zwei Packtaschen sass.

In Wilstedt mache ich mir gar nicht die Mühe auf dem Rückweg beim Verpflegungspunkt zu halten. Immer weiter gegen den Wind, bloss nicht nachdenken was ich hier mache und den Tag kann ich vermutlich auch tutto completto abhaken wenn ich erst einmal wieder zuhause bin. Wenn.

Es folgt das altbekannte Stück durch Buchholz nach Quelkhorn und Sagehorn, immer noch sehr langsam aber man kennt die Straßen und Abzweigungen und weiß wie weit es bis nach Hause ist. Es sind relativ viele Autos auf der Straße und es wird aggressiv gefahren und gehupt. Plötzlich quietschen Bremsen und  Reifen auf , ich drehe mich um und sehe, dass knapp zwei Meter hinter mir ein alter Benz zum stehen kommt. Das war sehr knapp. Ein Busfahrer hupt, zeigt mir den Vogel und schneidet mich, ich bin froh, als ich ab Sagehorn wieder über Nebenwege fahre.

Ankunft in Tennever am Jugendheim.Thomas ist natürlich schon da, er hat bis zum Schluß in der schnellen Gruppe mithalten können. Ich dachte ich bin der letzte der eintrudelt, aber dann kommt plötzlich Schnippo und ein Teil der schnellen Truppe rein.Er hatte Pech mit seinem Rad heute, es gab viele und lange Pausen. Und als mein Würstchen schon lange fertig ist, kommen auch die gechillten 120er rein.

Ich denke ich werde diese Saison ein Problem haben. Für die gechillten bin ich einfach zu schnell. Das merke ich ja auch bei den regelmässigen RCB und BBC Runden, das ist ganz nett aber nicht wirklich fordernd. Es macht Spaß zu quatschen, aber so richtig weiter bringt mich das nicht. Einerseits. Für die schnellen bin ich allerdings zu langsam, da kann ich so 40 km mithalten, aber dann geht mir die Puste aus. Klar, über den Verlauf der Saison werde ich besser, schneller und ausdauernder werden, die aber auch.

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Baum in voller Blütenpracht

Ich sollte unbedingt noch etwas anderes machen, nachdem ich ja jetzt erst einmal „Body Attack“ Verbot habe. Auf  der Rückfahrt kommt mir die Idee: erst in die erste Etage und dann auf in das Erdgeschoss.

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Zum Ende hin hänge ich noch ein wenig im Jugendheim rum. Es gibt ein paar schicke Photowände aus der Geschichte, so erfahren wir, dass hier irgendwelche Jugendliche den dritten Platz beim Fußballtunier „Rote Socke“ 2003 gemach haben, organisiert vermutlich von der KPD/ML. Es gibt eine Zusammenstellung mit Schnappschüssen der „Mädchenrunde“ und ich hoffe und bete, dass das Jugendheim in dem ich mich früher aufgehalten habe, Haus Zoar in Mönchengladbach nicht etwas ähnliches besitzt. Und dann heisst es  Tschüss sagen.

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Das fällt nicht so schwer, denn erstens schreit die Couch zuhause nach mir und zweitens wird am Montag Abend ja ohnehin wieder gerast wie blöde. Oder eben gechillt.

Strava

Landesverbandszielfahrten, wie viele andere angenehme Dinge im Leben sind nicht einfach da sondern entstehen, weil sich ein paar nette Menschen aufraffen und das ganze organisieren, wobei sie vermutlich dabei dann den wenigsten Spaß haben. Das ist im Prinzip wie Parties zuhause machen, wenn die Eltern weg sind: Da werden auch Jugendliche schnell zu Spiessern im Angesicht der drohenden Zerstörung. Mein Dank an die Leute vom RCB die heute ihren Beitrag geleistet haben. Insbesondere für die Erfindung des Wortes Landesverbandszielfahrt.

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Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: Schluss. Aus. Und vorbei.

So, der letzte Renntag des Giros. Danach sollte es dann nun wirklich Schluss, Aus und vorbei….. sein, wie Space Kelly ankündigte; hing mir ohnehin schon die ganze Zeit in den Ohren.

Aber vorher noch ein Etäppchen: 102 km, 565 Höhenmeter, ein lächerlicher Rennteil von 1,4 km Länge und 165 Höhenmetern. Es ging diesmal durch das Bozener Tal an der Etsch entlang Richtung Süden bis zur italienischen Sprachgrenze nach Salurn/Salorno. Diesmal ohne David, der zwar netterweise noch mit uns frühstückte, sich aber dann auf zum Flughafen machte und mit dem Leihwagen von dort aus nach Verona fuhr.

Wir anderen fuhren zum Start, wo wir uns mal wieder perfekt und stylisch gekleidet, wohltuend abhebten.

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Silviajochenmobsilkeandere: Silke mit neuem, schicken Q36.5 Jersey.

Lustigerweise ging es nun auf der Straße nach St. Jakob direkt an unserem Hotel vorbei, d.h. den Weg zur Messe hätten wir uns eigentlich sparen können. Ich dachte, David würde uns vielleicht bemerken und auf unserem Mini-balkon stehen, uns zuwinken, aber vermutlich war er gerade andersweitig beschäftigt. Wir fuhren indessen weiter, überwiegend im flachen, bis nach Laimburg. Dort sollte nun nach 21 km die Zeitnahme des Rennens beginnen. Ich war voll motiviert, nachdem ich, wie ich fand, am Vortag eigentlich ganz gut drauf war. Und als das Tor der Zeitnahme in Sicht kam, spurtete ich dann auch gleich richtig los und überholte den einen und den anderen. Die Steigung zog leicht an und da Tempo wurde ein wenig langsamer, aber da war ja auch schon das Schild „1 km to the finish“ – so „piece of cake (Kuchenstück). Dann wurde die Steigung aber sehr schnell sehr viel steiler. Selbst mit Kompakt 34/28 Übersetzung ging es einfach nicht schneller als mit 7,8 km den Berg hoch. Und es wurde noch steiler. Ich bin beim Stelvio nicht abgestiegen und auch nicht bei der Sella Runde, also Etappen in denen wesentlich länger gefahren wurde und wesentlich mehr Höhenmeter zurückgelegt werden mussten – aber dieser Anstieg killte mich gerade. Ich war kurz vorm aufgeben, was mir aber weniger als einen Kilometer vor dem Ziel irgendwie bescheuert vorkam.  Mühsam klammerte ich mich am Lenker fest und trat mich Stück für Stück den Berg hoch. Da, endlich war das Ziel in Sicht. Ich war nicht in der Lage da noch zu sprinten, es war wirklich nur noch ein Kampf um das Ankommen. Das ganze dauerte noch nicht einmal acht Minuten, aber ich war wirklich total fertig. Sicher, wenn das die erste Etappe, und ich frischer gewesen wäre, ja wenn, dann wäre das alles viel einfacher gewesen. Aber wirklich, so einen Anstieg habe ich noch selten erlebt, vielleicht Kazahari Rindo in Tokyo. Man muss aber auch sehen, dass ich da mit 21 Höhenmeter /Minute hoch bin, das ist auch nicht ohne. Die schnellen Jungs und Mädels schaffen das in weniger als viereinhalb Minuten (ca. 37 Hm/min).

Kazahari Rindo in Tokyo (Ausschnitt). Die Mutter aller Anstiege.

Man, war ich froh, als ich oben war. Und da die Ulmis gerade um uns herum standen, fragten wir sie, ob sie ein Foto von uns machen wollten. Sie wollten.

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Immer noch gut gestylt, aber nicht mehr ganz so frisch: Silkemobsilviajochen

So, damit war dann morgens vor 10 das Rennen beenden, jetzt hieß es noch 80 km durch die Gegend gurken. Nachdem wir von dem Hügel wieder unter waren ging es erst einmal im Flachen weiter Richtung Süden, durch Salurns bis nach Mezzolombardo, wo wir Pause in einer riesigen Kellerei machten. Das muss man sich jetzt nicht so mit Holzfässern und Zwergen vorstellen, sondern wie eine moderne Fabrik mit viel rostfreiem Stahl.

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Jochen dehnt sich für die letzten Kilometer

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Danach ging es auf der Westseite der Etsch wieder zurück Richtung Bozen, zunächst flach, so dass ich Zeit hatte mich im Feld etwas umzuschauen und über generelle Stylefragen nachzudenken. Ich muss sagen, dass ich vielleicht nicht den Namen, aber die Jerseys der „Eindhoven Pinguins“ sehr schick fand.

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Es waren übrigens ein Haufen Holländer und Belgier da. Ein paar Belgier hatten auch sehr schicke Jerseys vom „Royal Antwerp Bicycle Club„, einem Club der bereits 1822 gegründet wurde, mit anderen Worten, außer Mario Cippolini und Helmut Schmidt war da noch keiner von uns geboren. Das schickste überhaupt ist natürlich ein Q36.5 Jersey getragen von „Ihr“.

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Anhand der Ergebnislisten kann man ja relativ leicht checken, wer „Sie“ ist. Ups, „Sie“ war 26 Minuten schneller den Stelvio hoch, 8 Minuten schneller im ultimativen Tal und fast 1 1/2 Minuten schneller bei diesem Killeranstieg. Ist definitiv nicht meine Gewichtsklasse.

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Letztes rumradeln in der Gegend.

Nach dem flachen Stück ging es eine letztes Mal den Berg nach Kaltern hoch, die Strecke die wir als Vorbereitung vor dem Giro gefahren sind. Ich kam auf die Idee hier auch mal pinkeln zu müssen, war aber recht weit hinten, fuhr dann eine Strasse rein, die rechts und links Wohnbebauung hatte, musste dann weiter runter bis zum See und mich anschließend durch die Schlange von genervten Autofahrern wieder in den Peloton zurückkämpfen. Der letzte Anstieg, danach ging es dann nur noch runter nach Bozen. An der Messe war alles vorbei, die Stimmung entspannt.

Strava der Etappe

 

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Hier werden jetzt nur noch die Lachmuskeln gedehnt.

Dort gab es übrigens jetzt auch was zu essen (Pasta) und wir reihten uns in die Schlange ein.

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Die letzte Schlange. Der kleine Gelbe ist aus Hövelshof.

Wir kamen da ins Gespräch mit dem kleinen Gelben aus Hövelshof. Und der berichtete, dass dieses Jahr der Giro zum vorletzten Mal stattgefunden habe. 2016 noch ein letztes Mal, und dann ist Schluss. Aus. Und vorbei. Grund: die Freiwilligen sind alle alt geworden nach 39 Ausgaben und es gibt zu wenig junge Leute die nachrücken und zudem wird auch einer der Hauptsponsoren sein Engagement einstellen. Also, wer noch teilnehmen möchte sollte sich auf das nächste Jahr einrichten. Wir können es nur empfehlen.

Im Hintergrund war eine Bühne aufgebaut und jede Menge Preise warteten darauf verteilt zu werden. Die Preisverleihung begann, als wir noch beim Essen waren und einige der geehrten schleppten wirklich erstaunliche Dinge aus der Halle: Ich glaube in der Teamwertung gab es einen Parmesan Käse als Preis, der war so groß und schwer, dass er nur mit Hilfe eines Holzgestells überhaupt transportiert werden konnte. Wer den gewonnen hatte, der brauchte nie mehr in seinem Leben wieder an Parmesan kaufen zu denken.

Jochen wurde dann im Nachhinein auch geehrt für den dritten Platz  in seiner Altersklasse bei dem zweiten Teil des Giros.

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Er bekam vielleicht nicht genug Parmesan für’s Leben, aber genug für den Rest des Jahres mit Sicherheit. Wir warten noch auf die Einladung zur Käsefondue Party

Am nächsten Tag ging es nach Hause.

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Dauerte ätzend lange, da relativ viel Staus in Österreich und Bayern uns aufhielten. Und dann war auch noch die Strasse nach Hude gesperrt! Und das letzte, nicht asphaltierte Stück zu Silvias Haus kann man ja auch nicht schneller als mit 20 km/h fahren. All dies trug dazu bei, dass wir erst nach 14 Stunden wieder zuhause waren. Hier warteten nun weder EPO-Dirndl Barbie, noch Mademoiselle Jeanne auf uns, um uns zu verwöhnen, sondern Menschen (im Sinne von : Nicht-Radfahrer) denen wir bitte in aller Kürze unsere Reise schildern, damit wir uns dann umgehenst um die in der Zwischenzeit angelaufenen Probleme kümmern. In meinem Fall: Terrasse lasieren, Glühbirnen austauschen, Drucker einrichten, Mathe Nachhilfe geben etc..

Bleibt abschließend noch doof zu fragen:
Hat es sich gelohnt?
Würdest Du das noch einmal machen?
Wie ist das im Vergleich zur Transalp? 

Ich denke die Antwort ist ja, ja und ja.

 

 

 

Na gut, dann doch etwas ausführlicher. Ich denke vorher waren wir alle etwas nervös, weil wir ja nicht alle Tage 700 km in sechs Tagen in den Bergen fahren. Und dann auch noch in einer Truppe, in der man mindestens einen nicht besonders gut kennt. Aber, es passte alles, wir waren durchaus jeder für sich fähig den Giro zu überleben und wir harmonierten auch gut miteinander. Im Nachhinein fand ich das super; aber man muss sich eben doch im Vorfeld immer wieder motivieren an so etwas teilzunehmen und dann auch zu organisieren. Es wäre so viel einfacher gewesen wie letztes Jahr wieder am Rad am Ring teilzunehmen (und 2014 hat das auch richtig Spaß gemacht), aber das zusätzliche Risiko zu übernehmen hat sich ausgezahlt.

Würde ich es nochmal machen? Klar, aber wenn dann nächstes Jahr.

Im Vergleich zu der Transalp ist der Giro wesentlich stressfreier, aber auch nicht ohne. Die Transalp ist halt zeitlich länger, von der Distanz her ebenfalls und auch die Höhenmeter sind mehr. Das ist aber nicht der große Unterschied. Der große Unterschied ist, dass man auf der Transalp quasi keine freie Zeit zur Disposition hat: Ortswechsel an jedem Tag, nach dem Rennen massieren lassen, dann zur Unterkunft, duschen, auspacken, Wäsche waschen, dann zur Pasta Party und dann ist es auch wieder so spät dass man besser schläft um fit für den nächsten Tag zu sein. Und das ganze an sieben Tagen hintereinander strengt schon sehr an. Und macht geistig mürbe. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ja das harte Turnhallenpaket bei der Transalp hatte. Wenn ich duschen wollte, dann wollten das auch 200 Andere in einer Turnhalle mit 5 Duschen; wenn ich Wäsche waschen wollte, dann auch die Anderen. Wen ich schnarchte, dann taten das auch die anderen, und davon wachte ich auf.  Da war immer Kampf ums überleben außerhalb des Radrennens selber.

Die Transalp ist ja beileibe keine schlechte Veranstaltung, aber wenn ich neben Radfahren noch etwas anderes machen möchte ist der Giro die bessere Wahl. Persönlich fand ich auch die Teilnehmer beim Giro etwas angenehmer, viele von den Transalpmenschen waren doch sehr sehr sehr auf Radfahren fixiert und zu sozialen Kontakten nur noch sehr eingeschränkt fähig („Hey, Deine Sattelstütze ist zu niedrig eingestellt!“).

So, und damit sind hoffentlich alle Fragen, die irgendjemand zum Giro Dolomiti haben könnte beantwortet. Mein Dank geht an Silke, Silvia, David, Jochen und Thomas, mit denen ich gemeinsam fahren, und sie dann in der Konsequent besser kennenlernen durfte. Nichts wird mehr so sein wie vorher.

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Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: Die Tage vergehen wie im Flug. Nein, eher wie im Wiegetritt bergauf.

Der heutige Teil der Giro Analogie beschreibt die Fahrt hoch zum Stelvio. Dieser Beitrag liest sich leicht schneller als die Fahrt dauerte.

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Jochen in the house: Davidjochensilviasilkemob : A Short history of Bremen cycling jerseys

Ehrlich gesagt, nach drei Tagen Rennen passiert am 4., 5. und 6. Tag auch nicht mehr so viel außergewöhnliches. Sicher, man fährt durch andere Landschaften, hat neue Herausforderungen – aber im im Prinzip erlebt man immer die gleichen Dinge: Thomas steht oben am Ziel und wartet schon auf uns, auch wenn Thomas jetzt Jochen ist; Rapunzel fährt vor mir und ich bewundere ihre goldenen Extensions; die Ulmis fahren hinter Silke und Silvia und trauen sich nicht sie anzuquatschen; ich überhole die Männer aus Erkelenz und die Scuderia Südstadt überholt mich. Zu Mittag gibt es Pasta, basta.

Am 4. Tag war der Stelvio angesagt und zum ersten mal war der Start nicht an der Messe in Bozen, sondern bei Prato di Stelvio.

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Etwa 1.850 Höhenmeter auf 25 km erwarteten uns. Immer noch besser als bei der Transalp 2011, wo wir in Naturns starteten, denn da muss man noch mal 400 m extra hoch. 2011 bin ich da nicht hoch gekommen ohne abzusteigen, abe dieses Mal war ich mir sehr sicher, dass das kein Problem sein dürfte. Die Steigungen sind ja auch, im Gegensatz zu dem, was wir an den ersten Tagen erlebt hatten, sehr moderat. Das Ding ist halt nur verdammt lang.

 

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Hinter Gomagoi zweigt übrigens eine Straße nach Sulden ab und nach Informationen unserer Hoteliers machte dort im letzten Haus an der Straße gerade zu diesem Zeitpunkt Angela Merkel, (Gewinnerin der Friedensfahrt 1989, wie man an der Brille unschwer erkennen kann) Urlaub.

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Angela Merkel, created by Jenza (Danke!)

Wir fuhren also nach dem Frühstück (wie gehabt) mit dem Teambus raus nach Prato di Stelvio und bauten unseren Kram zusammen un machten uns auf den Weg zum Start. Dort standen quasi bereits alle und wir reihten uns ganz hinten ein. Es gab auch mal wieder ein paar lustige Jerseys.

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Am Start. Ganz hinten.

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Wie immer, perfekt organisiert und dann viel zu früh ging es auch schon los. Ich mag da ja nicht so unaufgewärmt gleich den Berg hochzufahren, aber hier hatte ich keine Wahl – es ging direkt in den Rennmodus. Dachte ich. War aber falsch, denn etwa ein Kilometer später kam dann das bekannte aufblasbare Tor der offiziellen Zeitnahme und hier ging es erst los. Ich war ja schon im Rennmodi und versuchte mein eigenes Tempo den Berg hochzufahren. Das klappte ganz gut und am Anfang überholte ich mal wieder die üblichen Verdächtigten und wurde selber auch ganz gut überholt.

Zunächst ist die Steigung ja relativ lasch und es geht durch ein paar bewaldete Ecken – nicht schlecht wenn das Wetter mal wieder saugut und sauheiss ist.

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Nach ca. einer Stunde war es dann aber erst einmal vorbei mit Rennmodi und es ging in den Survival Mode: Hinten auf das 28er Ritzel und dann relativ alleine weiter. Jetzt überholte ich ab und zu mal einen Fahrer, aber von hinten kam nicht mehr viel. Meine Taktik ist die Kurven sehr weit innen anzufahren, das ist zwar steiler, man kommt aber mit guten Schwung raus und macht so Meter um Meter gut. Und da kam auch schon der Serpentinenanzeiger: noch 46 Kurven bis nach oben.

Es kommt dann so  eine Stelle, wo man zum ersten mal ahnen kann, wie weit man noch hochfahren muss. Ich dachte ich könnte so etwa 900 Höhenmeter in der Stunde machen und rechnete so mit 2 Stunden Fahrzeit. Das war aber etwas optimistisch. Egal, die Landschaft ist einfach großartig.

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Dummerweise war aber mittlerweile auch wieder Verkehr auf der Strecke und die Autos schoben sich an mir vorbei. Dabei waren auch ein paar Busse, und die behindern die Rhythmus des Fahrens doch erheblich. Und die Abgase sind auch etwas nervig, vor allem dann, wenn man in die Situation kommt, dass man nach Entschuldigungen für’s absteigen sucht. Es war nicht so, als wenn ich das Gefühl hatte ich könnte es nicht schaffen, aber nach fast zwei Stunden radeln merkte ich, dass ich zwischendurch vielleicht weniger an „Rennen“ und mehr an „Essen“ hätte denken sollen, denn so langsam ging mir der Saft aus.

Einerseits. Aber andererseits sieht man auch das Ziel, weiß dass man gleich da ist und das beruhigt auch. Jetzt überholte mich noch ein alter Ami Jeep, in den Alpen fahren ja Unmengen von diesen Klassikmöhren rum. Noch ein paar Höhenmeter, da die Anzeige, dass es nur noch 1 km weit weg ist. Und da ist das Tor in Sicht, also noch einmal rein in die Eisen, sprinten, alles geben, denn bald ist alles vorbei.

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Jochen stand schon ’ne gefühlte Stunde oben und fotographierte uns einzeln ab, wie wir ins Ziel kamen.

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Silke, hinter ihr mal kein Ulmi.

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Cool, geschafft, wie sich nachher heraustellt in 2:18 r, also 13,4 Höhenmeter/Minute, vermutlich meine schwächste Leistung im ganzen Giro, aber andererseits auch erfolgreiche Revanche für die Transalp 2011.

Oben auf dem Pass war ganz schön viel Trubel und zum Glück war eine erste Verpflegungsstation aufgebaut bei der ich mich alleine versorgen konnte; Jochen wartete ja noch am Ziel auf die anderen. Auf einmal wurde es da ganz hektisch. Wir wurden alle aufgefordert sofort auf der anderen Seite in Richtung Umbrai Pass runter zu fahren; was ich dann auch tat. Später stellte sich heraus, dass ich noch so gerade da runter kam, kurz nach mir wurde die Abfahrt gesperrt und alle die noch oben waren mussten auf der gleichen Seite den Pass wieder runter, die sie hochgefahren waren. Silke, Silvia, Jochen und David waren davon betroffen.

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Oben, wie gesagt ein wenig rummelig.

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.. und wieder runter auf derselben Seite für Davidsilkesilviajochen.

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Oben. Jochensilvia.

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Oben: Silviasilke.

Davon bekam ich allerdings nichts mit, denn ich hatte mich schon auf die Abfahrt in die Schweiz gemacht. Ich bin mir nicht sicher, aber auf dem Weg nach unten kam ich an einem gestürzten Fahrer vorbei und vielleicht war es deswegen, dass, die Rennleitung entschieden hatte die Abfahrt zu sperren. Ich persönlich fand die auch nicht anders als die Strecke hoch, viele Kurven, die Strasse vielleicht etwas weniger breit abe auch deutlich weniger Verkehr.

Es machte mal wieder sehr viel Spaß da runter zu brettern und am vierten Tag klappt das abfahren auch ganz gut. In den ersten Tagen regiert oft die Angst, aber nach der Anstrengung den Stelvio hochzufahren ist einem eigentlich alles egal und man fährt als wenn es kein morgen geben würde.

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Auf der Abfahrt war ich größtenteils alleine, fast keine Autos, einfach super. Die Dörfer hier sehen etwas ärmer aus, so als wenn die Menschen dort im Schatten der Berge gelebt hätten. Unten, als es wieder flacher wurde, wurde die Gruppe wieder durch einen Konvoi langsam geführt, so dass wir alle aufschliessen konnten und gemeinsam zum Start zurückfuhren. Dort warteten auch schon die anderen auf mich in der Schlange der Essensausgabe. Es gab mal wieder Pasta.

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Noch früh am Tag, und die Arbeit ist bereits geschafft. Beim Essen fiel mir auf, dass ich den ganzen Tag Rapunzel nicht gesehen hatte, sie hatte sich wohl nur für die ersten drei Tage des Giros angemeldet. Aber dann sah ich ……. sie.

Sie

Sie.

Wow. Q36.5 Jersey. Ganz alleine. So hübsch, dass sich der Nerd links neben ihr nicht traut sie anzusprechen. Allerdings auch so hübsch, dass sich des Nerd, der das hier schreibt auch nicht traute. Sicherheitshalber erzählte ich den anderen erst mal nichts, aber jetzt nachdem alles vorbei ist und ich im sicheren Schoß der Familie gelandet bin darf dies zu Dokumentationszwecken erwähnt werden.

Da der Tag so schön war, und vor allem quasi vorbei, fuhren wir nach Naturns, wo David und ich mal eine Nacht auf der Transalp verbracht hatten. Eigentlich hatte ich ja so gedacht, mit dem Rad zurück nach Bozen zu fahren, aber ich war dann doch ganz glücklich im Bus zu sein. In Naturns kamen wieder die Erinnerungen hoch ….. gue und nicht so gute, aber die schlechten verschwanden schnell bei Apfelstrudel. Am nächsten Tag würde es weitergehen.

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Apfelstrudel in Naturns

Bald geht es weiter.

Strava

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Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: Kuh Sechsunddreissig Punkt Fünf.

Endlich – ein Reste Tag! Wir lagen aber nicht faul auf der Haut (doch) sondern machten uns auf zu Kuh Sechsunddreissig Punkt Fünf und hatten am Abend ein bemerkenswertes Essen im Barbiepuppenhaus bei Terlan.

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Prima. Endlich mal wieder lange schlafen und endlich mal ein Tag ohne Radfahren. Konsequenterweise machten wir uns mit dem Bus auf in die Stadt. Sicher, wir hätten auch mit dem Rad fahren können, aber meine Mutter hatte mich extra noch angerufen, um mir mitzuteilen, dass nicht Neapel, Palermo oder Taranto die Stadt in Italien ist, in der die meisten Räder geklaut werden, sondern Bozen. Mütter können so fürsorglich sein – nach all‘ den Jahren.

Wir hatten einen Besuch bei Luigi geplant. Der Kontakt kam über David zustande, der vor einiger Zeit einige Radklamotten von Luigi bei David Marx in Japan gekauft hatte.

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Natuskashii: David Marx, Stephen & Ryoko, Andrew und ich auf der Tour de Noto 2006. Beim Schreiben stellte ich gerade fest, dass ich genau das T-Shirt auf dem Bild trage. Ich denke, dass ist ein Zeichen des Alters, wenn man zehn Jahre alte Klamotten immer noch trägt.

.David Marx war der Importeur von Assos in Japan, aber irgendwann orientierte sich Assos neu. Und Luigi war der Oberforscher bei Assos und irgendwann beschloss er sich selbstständig zu machen und seine eigene Kollektion auf den Markt zu bringen unter dem Motto:

An extreme vision of the future
of competitive cycling clothing

David war sehr angetan von den Klamotten; ich war ehrlich gesagt eher skeptisch nachdem ich seinen Blog Entry gelesen und vor allem David in den Klamotten gesehen hatte. Aber ich würde mich gerne vom Gegenteil überzeugen lassen.

Im italienischen Teil von Bozen (wir hatten jedenfalls den Eindruck, als wenn dort niemand deutsch sprechen würde), in einer kleinen Gasse, in einem sehr stylischen Haus drückten wir auf die Klingel von Q36.5 und fanden Einlass.

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Q36.5 Headquarters.

Luigi war sehr freundlich zu uns und machte und erst einmal Kaffee.

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Und dann schauten wir uns seine Kollektion an. Wir kamen uns so ein wenig vor, als wenn wir wahnsinnig wichtige VIPS aus der Modewelt wären und uns der Chef persönlich alles zeigt und erklärt – VIP Treatment.

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Im Gespräch mit Luigi. Der dezente Hinweis auf meinem T-Shirt: „Young male model looking for work“ wurde leider ignoriert.

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Und die Sachen waren auch teilweise sehr gut gestylt. Zusammen mit der technischen Erklärung von Luigi waren wir dann nach wenigen Minuten so weit, dass wir uns ein Leben ohne das Zeuch gar nicht mehr haben vorstellen können. Wir brauchten nun unbedingt Bibshorts, Jerseys, Socken, Ärmlinge, Jacken….ach eigentlich alles. Während David und ich mit Luigi quatschen, probierten Silke und Silvia die Jerseys aus. Die beiden waren auch ziemlich angefixt.

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Mit Luigi sprach ich darüber, wie er sein Unternehmen auf die Beine gestellt hat und welche Innovationen es auf dem Gebiet der Radkleidung gibt. Wird das geführt durch neue Designs oder Farben, Materialien, oder etwas anderes? Interessanterweise stellte sich heraus, dass es auch die Herstellungsmethoden bzw. Textilmaschinen sind, die hier eine große Rolle spielen. Kleidungsstücke kann man heute z.B. nahtlos herstellen – vorausgesetzt man hat Zugang zu den entsprechenden Herstellern. Zusammen mit seinen wenigen Angestellten (seiner Frau und einer Assistentin im Einteiler) macht Luigi Entwurf, Planung, Marketing und Vertrieb, aber die Herstellung der Kleidung ist outgesourct nach Italien oder zu anderen speziellen Herstellern. Ich fand das sehr spannend und zog im Kopf immer wieder Vergleiche zu der Geschichte von Abe Burmeister und seinem Unternehmen Outlier,  die ich auch sehr schätze (Outlier Shop).

Fazit: Silke, ein Jersey, Silvia eine Bibshort, ich eine Bibshort und wir alle ein paar Socken und eine Trinkflasche jeder. Das war wirklich total großzügig von Luigi. Die Bibshorts hatte ich noch beim Giro an und sie fühlten sich zunächst etwas ungewöhnlich an, aber, am Ende des Tages waren das die großartigsten Bibshorts, die ich je getragen habe und weiß Gott, ich hatte viele, unter anderem auch ein paar weiße. Und die Socken:

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OK, es ist schwierig sich über Socken in einen Orgasmus zu schreiben, aber diese Socken streicheln meine Füße. Hat man diese einmal getragen, so fühlen sich alle anderen Socken nur noch an wie um die Füße gelegte Bananenschalen.

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Das ist meine Q36.5 Bibshort. Es gibt viele Bibshorts, aber das ist meine. Weiter unten werden meine Füße gestreichelt.

Danke Luigi. Vacca Boia heißt übrigens:

“ Vàcca [‘vakka] – Kuh, bòia [‘bɔja] – Henker/Metzger. VACCABOIA! –nicht übersetzbarer, aus der Emilia Romana stammender Ausdruck, bedeutet soviel wie ‚verdammt!‘, oder ,also, los!‘

Jochen war in der Zwischenzeit angekommen und hatte sich dazu entschieden die erste Etappe auf die Schneiderwiesen zu fahren. Wir hatten also noch etwas Zeit zum shoppen und essen bevor wir uns wieder im Hotel trafen.

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Shoppen. Ich liebe es im Ausland in Supermärkte zu gehen und zu schauen was es da so gibt.

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Chillen

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Wir fragten dann den Sohn der Hotelbesitzerin, ob er uns ein gutes Lokal für das Abendessen empfehlen könnte. Am nächsten Tag stand der Stelvio auf dem Programm, und auf den wollten wir gut vorbereitet sein. Er empfahl uns ein Lokal in Terlan, seiner Heimatstadt, mit dem Auto etwa eine halbe Stunde auf der Mebo entfernt. Es hätte uns vielleicht etwas stutzig machen sollen, dass wir dort reservieren mussten – insbesondere was die Preise angehen sollte.

Worauf wir aber gar nicht gefasst waren war, dass wir dort von Barbie persönlich bedient wurden. Barbie hatte blonde Haare, war auffällig geschminkt und hatte Südtiroler technische Kellnerinnen Dirndl Funktionskleidung an. Sozusagen die Q36.5 Kleidung für die regionale Gastronomie. Ich kann das unmöglich beschreiben, aber es sah im Prinzip aus wie ein Dirndl dem EPO gespritzt worden war. Dieses Bild kommt dem noch am nächsten:

Barbie redete auch sehr viel und sehr ethusiastisch über das dargebotete Essen. Ich meine, Sie gab sich wirklich sehr viel Mühe sehr nett zu sein, aber auf uns wirkte das irgendwie komisch. Vielleicht hat das damit zu tun, dass wir in Norddeutschland leben, wo wir solche Freundlichkeiten im Dienstleistungsgewerbe nicht gewohnt sind: „Moin. Was willst Du?“

Barbie machte dann auch Fotos von uns:

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Ich war jedenfalls mächtig eingeschüchtert. Bei Jochen kommt im ersten Bild auch sehr gut dieser „Was passiert hier eigentlich?“ skeptische Gesichtsausdruck rüber. Das Essen war jedenfalls gut.

Zuhause wartete bereits Jeanne auf uns und versorgte uns mit den üblichen Absackern. Aber nicht zu lange, denn morgen sollten wir ja den Stelvio hoch.

Doch dazu ein anderes Mal.

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Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: Lieber kalter Kaffee als heißer Tee.

Da der Stelvio am 4. Tag auf dem Programm des Giro Dolomiti steht, könnte man denken, dass dies die Königsetappe ist. Aber der Stelvio ist relativ einfach: 30 km rauf, rauf rauf und dann 30 km runter, runter, runter. Die Sella Runde am 3. Tag ist sowohl in Punkto Höhenmetern, als auch Distanz weitaus länger und härter. Vor allem die Idee, die Teilnehmer zunächst einmal 100 km und 2.700 Höhenmeter radeln zu lassen, um dann das Rennen beginnen zu lassen ist schon eine besondere.

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Die Grafik kommt den Rennteil nicht richtig wieder: Es ist das Stück beginnend im Tal nach ca. 100 km hoch zum Passo Sella über 9 km und 600 Höhenmeter.

Am dritten Tag kennt man den Drill. Am Abend vorher wird alles gewaschen und  vorbereitet, pünktlich um 6:09 Uhr wird aufgestanden; die Tür zum Frühstückssaal wird pünktlich um 0&.30 Uhr geöffnet, ich esse wie jeden Morgen das gleiche und dann geht es ab zur Messe nach Bozen zum Start. Dort stehen wir alle gut gelaunt rum, Thomas zum letzten Mal, denn er hat nur den halben Giro gebucht und will in den nächsten Tagen noch einige andere Pässe im Alleingang fahren, unter anderem den Mortirolo.

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Perfekt organisiert geht es um 7:30 Hr im Pulk los durch abgesperrten Verkehr genau wie am Tag zuvor Richtung Norden entlang der Brennerautobahn. Die Strasse kennen wir nun und ich schaue, wer so dabei ist und wen ich auf den anderen Etappen bereits gesehen habe. Rapunzel fällt, wie immer, recht schnell auf, die Hardcoremänner vom Erkelenzer RSC auch. Und dann sind da die vielen Fahrer vom RSC Niddatal, die Amis aus Miami von „Lola“, die Melody Farmers und, zu meinem Erstaunen, Massen an Skandinavienern, die man an Jerseys erkennt, weil die ganzen Namen darauf viele durchgestrichene „O“s haben, wie z.B. Osterhus. Auf einem Jersey steht: „Smagelig. Sniffgert. Snutvermot“ Oder so ähnlich und ich frage mich bis heute, was das heißen mag, es klingt aber irgendwie sehr überzeugend. Zwei gutaussehende, schnelle Typen aus Ulm, die „Ulmis“ fahren hinter Silke und Silvia her, trauen sich aber nicht sie anzusprechen. Sie haben beide Cervelos (der eine mit Shimano, der andere mit Campa), beide den gleichen Helm, überhaupt sehen so aus wie richtig gute Freundinnen. Ich fahre an ihnen vorbei, bin parallel zu Silvia und spreche sie an: „Na? So alleine hier? Ich auch!“ Silvia lacht. Tja, Jungs, so geht das.

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Hinten in schwarz-weiß: Einer von den Ulmis aus dem Eis.

Bei Barbian beginnt der Anstieg in die Sella Runde. Von 500 geht es rauf auf 2.250 Meter über 37 hm. Macht aber Spaß, schöne Strassen, gutes Wetter, kontrolliertes Tempo. Ich bemühe mich schon schnell zu sein, will es aber auch nicht übertreiben, denn der Tag ist lang und oben angekommen sind das eben erste die Hälfte aller Höhenmeter die gefahren werden müssen heute. Langsam wird die Landschaft atemberaubend. Am Morgen sind die Wolken noch dicht und die Berge noch nicht richtig zu sehen, aber gegen Mittag lichtet sich der Dunst und die gewaltigen Felsformationen werden in ihrem ganzen Umfang sichtbar.

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Das ist nun mal wirklich ganz anders, als die Berge, die wir hier in Bremen zu sehen bekommen! Es mag vielleicht komisch klingen, da der Vergleich ja an sich eher anders rum sein müsste, aber die Formen erinnern mich an die Berge von Guilin in China.

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Und so gar nicht an dieses neue, runde Dolomiti Eis von Langnese, das durch seine Zacken auch seinen Charme verloren hat.

Soweit ist wirklich alles gut. Ich überhole mal wieder einen Haufen Leute, die ich alle schon in den letzten Tagen überholt habe – dann werde ich von anderen überholt, die mich auch bereits mehrmals zuvor haben stehen lassen. Da jeder, und so auch ich, am Berg sein eigenes Tempo fährt, komme ich alleine am Sella Pass an. Einer von drei Pässen ist im Sack.

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Die folgende Abfahrt ist schnell und spektakulär. Noch besser als meine Lieblingsabfahrt überhaupt, Route 20 in Japan runter von Hakone nach Atami.  David erzählt mir später, das er ein Foto von mir gemacht hat, wie ich abfahre, siehe hier drunter. Man kann dem Foto allerdings nicht anhören, dass ich die ganze Zeit vor Glück schreie! „Yippie! Yeaahhhhh“ und wenn ich ganz übermütig drauf bin, dann singe ich „Yeah Yeah Yeah“ von den Rezillos.

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mob fährt total ab!….

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.. andere auch.

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Leider: Wie immer gibt es diese widerlichen Radpinkler an der Straßenseite, die die ganze Umwelt versauen.

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Danke, Mädels.

Es war aber spektakulär und für mich persönlich der Höhepunkt der Tour. Landschaft …wirklich überall.

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Und so ging es weiter, rauf und runter: den Pradoi Pass hoch, den Campolongo Pass hoch und dann in die letzte Abfahrt nach Corvara bevor der Rennteil der Etappe begann. Klar, ich war schon ziemlich müde, aber für den Rennteil hatte ich mir noch ein wenig Saft aufbewahrt.9 km mit 600 Meter Steigung waren im Vergleich zu den sehr steilen Anstiegen der ersten beiden Tage auch recht moderat. Tja, wäre man nicht schon 100 km in den Bergen gefahren.

Ich ga also ein wenig Gas, nachdem ich das Zeitmessungstor durchquert hatte und machte mich auf den Weg hoch zum Grödnerjoch. Leider hört dann auch das Betrachten der Landschaft völlig auf, ich kann mich überhaupt nicht mehr daran erinnern was um mich herum geschah. Nach etwa 2/3 der Strecke gab es eine Verpflegungsstation. Jemand rief „The caldo“ und da ich gerade nicht bei Sinnen war und mein italienisch ohnehin nicht so gut ist, dachte ich für einen falschen Moment, dass „Caldo“ kalt ist (Nein – ist warm) und das ein Tee jetzt gerade richtig wäre (Nein, auch das nicht). Ich nahm einen Becher und einen Schluck der augenblicklich meine Mundhöhle in eine überzuckerte, glühende Hölle verwandelte. Ich konnte das Zeuch gerade noch ausspucken, der Becher flog hinterher, aber den Geschmack konnte ich bis oben zum Pass nicht mehr los werden. Es war der Geschmack der Kindheit, wenn man mit Fieber im Bett liegt und die Mutter einem einen heißen Tee bringt, um wieder gesunde zu werden. Alleine die Erinnerung an die eigenen Kinderkrankheiten liess meine Leistung um 50% einbrechen. Na ja, oben reichte es doch noch für einen Spurt und dann ganz schnell runter nach Wolkenstein wo das Essen auf uns wartete.

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Es ging dann die Strasse zurück, die wir auch gekommen waren. Ich hatte keine Lust im Puk runter zu fahren und so machte ich mich heimlich nach dem Essen davon, umging die Streckenposten und fuhr im Verkehr die Strecke alleine zurück bis zum Beginn des flachen Stückes nach Bozen rein. Es war so gut wie kein Verkehr da und ich wurde belohnt mit einer herrlichen und schnellen Abfahrt. Ich war nicht der einzige, ich traf hier und dort auch noch ein paar andere Fahrer.

Dann ging es im Pulk und im gesperrten Verkehr, wieder perfekt organisiert nach Bozen rein. Ehrlich gesagt habe ich nicht die geringste Ahnung, was wir am Abend gemacht haben, vielleicht kann jemand aushelfen? Ah ja, wir waren Pizza essen in der Stadt und verabschiedeten Thomas, der am nächsten Tag durch Jochen ersetzt wurde.

Der nächste Tag war nun endlich ein Ruhetag und den hatten wir uns auch wirklich verdient.

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Demnächst mehr.

Strava

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Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: Culo rasato

In der Vergangenheit habe ich mich des öfteren abfällig über Menschen geäußert, die soooo alte Radhosen tragen, dass die Arschbehaarung sichtbar wird, wenn man in ihrem Windschatten fährt. Nachdem mich Silvia im Laufe der Etappe darauf aufmerksam machte, dass nagelneue, verschwitzte weiße Radhosen in etwa denselben Effekt erzielen tut mir dies sehr leid.

T02Egal, dazu später mehr. Oder auch nicht. Am zweiten Tag hatten die Mädels ausnahmsweise in ihrem Zimmr gut geschlafen, so dass  wiederum ausnahmsweise kein Zimmerwechsel verlangt wurde. Am zweiten Tag hat man den Drill auch schon ganz gut verinnerlicht. Man weiß wann man aufstehen muss, was vorbereitet sein will, was man zum Frühstück isst und wie man ann gemütlich zum Startpunkt, der Messe in Bozen, fährt. Wir waren vielleicht ein wenig nervöser als sonst, da heute wesentlich mehr Kilometer (143) als auch Höhenmeter (2.200) als gestern anstanden – der Rennteil selber waren aber wieder nur lächerliche  613 Höhenmeter auf 6,2 km Strecke, also etwa 2/3 von dem was wir gestern geleistet hatten.

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Am Start des 2. Tages. Silvia als Deutsche, ich als Holländer verkleidet.

Nach demStart ging es im abgesperrten Verkehr aus der Landstraße parallel zur Brennerautobahn raus aus Bozen Richtung Norden. Als wir aus der Stadt raus waren begann der Anstieg und wir fuhren direkt in einen sehr langen Tunnel. Das war nicht so gut gewählt, denn die Luft war recht stickig und von der Landschaft war natürlich nichts zu sehen. Einerseits. Andererseits erinnerte mich, dass an das 210 km Rennen 2008 auf Sadogashima, auf dem es auf 210 km immer und permanent geregnet hatte und ich froh war, dass ab und zu ein Tunnel kam und ich trocken blieb. Dort waren die Tunnels die Highlights der Tour! Eine gute Seite hatte der Tunnel ja schon: Die Männer hielten sich im Tunneln doch sehr mit dem pinkeln zurück, noch nicht einmal die BASF Fahrer kamen auf die Idee den Beton zu düngen.

David bemerkte dann auch, dass wir eine andere Strecke fuhren, als der Veranstalter Sie zuum Download für Navis zur Verfügung gestellt hatte. Das war übrigens am ersten Tag genauso, wo wir auf der dicken Landstraße blieben und nicht den kleinen Weg um den Kalterer See fuhren. Es ging aber trotzdem ständig bergauf und durch das kontrollierte fahren machte das auch sehr viel Spaß.

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Endlich aus dem Tunnel raus.

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Und jetzt wo der Tunnel weg ist, ist auch der Tunnelblick verschwunden.

Rechts und links gab es nun Landschaft noch und nöcher. Und da wir nun auch auf mehr als 1.000 Meter Höhe waren, wurden die Temperaturen auch ganz angenehm.

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Rapunzel, mit aus dem Jersey gefallenen, gold-blonden Extensions.

Und wem begegnete ich wieder direkt nach der Ausfahrt aus dem Tunnel?
Doch was war das? Auf einmal ging es links ab zum……Nein, ich wage es nicht zu schreiben, ein Pass mit einem politisch inakzeptablem, völlig inkorrektem Namen. Unglaublich, in welchem Jahrhundert leben wir denn hier in Norditalien? Ist da in den Bergen noch die Inquisition am Werke? Ich finde diesen Pass sollte man langsam mal umbenennen, also zum Beispiel in „Pass mit Migrationshintergrund“ oder ähnlich wohlklingenden, politisch korrekten Namen.

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Skandal !

Wir fuhren weiter in Richtung des politisch korrekten Karerpasses. Am Straßenrand gab es eine Pause auf dem höchsten Punkt und dann machten wir uns auf in eine schöne Abfahrt nach Pera die Fossa. Von der Hauptstraße aus zweigte eine steile, kleinere Strasse ab direkt auf eine bewaldete Felswand zu und dort stand nun auch das Tor der Zeitmessung, dass wir bereits von der ersten Etappe kannten. Ich zitiere hier einmal aus dem Beschreibung des Veranstalters über den nun folgenden Rennanstieg:

„Der Aufstieg, 6,2 km lang mit einem Höhenunterschied von 613 m, ist kurz aber anspruchsvoll wegen der Neigungen, die in einigen Strecken 20% erreichen. Die Route führt durch eine besonders eindrucksvolle Landschaft im Herzen des Rosengartens. Die schwierigsten Abschnitte begegnen uns in den ersten 1500 m und in den letzten 3 km. Die durchschnittliche Neigung ist 9,9%.“

OK. Also die schwierigen Teile sind die ersten 1,5 km und die letzten 3, dann sollten die 1,7 km in der Mitte ja recht einfach sein, immerhin. Die ersten 1,5 km waren extrem steil. Es war überhaupt nicht daran zu denken hier irgendein Rennen zu fahren, es ging um das pure überleben und auf dem Rad bleiben und weiter treten – Survivalmode von der ersten Minute an. Man kommt dann durch eine Ort, wo die Straße etwas flacher verläuft und teilweise auch abschüssig wird. Das sind die leichten 1,7 km, aber mir schienen die maximal 400 Meter lang. Und von dort aus ging es dann superbrutal durch den Wald hoch. Ich kann mich nicht erinnern, da irgendwie zweistellige Geschwindigkeiten gefahren zu sein – war sozusagen die Anti-Fuchsröhre.  Natürlich überholte ich trotzdem die gleichen Leute wie immer und wurde wie immer selber heftigst überholt. Silvia und Silke waren echt am fluchen. Einige Teilnehmer waren abgestiegen und gingen zu Fuß hoch. Ich könnte mir vorstellen, dass das schneller ist als Rad zu fahren. Thomas meinte er hätte jemand gesehen, der mit viel Schwung die Abfahrt runter kam, das Tor der Zeiterfassung und die Straße dahinter sah und gleich umkehrte und sich zur nächsten Pausenstation aufmachte. Kann ich nachvollziehen. Ich wollte aber ums verrecken nicht absteigen und quälte mich da mit 34/28 Übersetzung hoch. Jetzt wäre ich echt dankbar für ein 32er Ritzel hinten gewesen. Noch eine Kurve…und immer noch kein Ziel in Sicht….noch 500 Meter… immer noch kein Ziel zu sehen….noch ne Kurve… noch ’ne Kurve….ich steig ab…nein., doch nicht….weiter, komm, gleich in das Ziel da, nach der nächsten Ecke….Mist.. immer noch nicht…da! da! da!…die letzten 20 Meter noch Mal voll gespurtet und dann brach ich kurz hinter dem Ziel zusammen, ungefähr da wo Thomas gut gestylt und noch besser gelaunt stand und Fotos machte.

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„Na, so alleine hier?“

Kurz nach mir kamen Silke und Silvia rein und dann auch David. Zum Glück gab es jetzt Erfrischungen. Und da fiel uns auf, dass die Landschaft hier ja ziemlich beeindruckend war. Ich schwöre, ich habe davon absolut nichts im rennen gesehen.

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DHF: Deutsch-holländische Freundschaft: „Ich & die Wirklichkeit“

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11800533_10206458234152117_5343727631812843129_nNicht schlecht, oder?

Wir waren schon mächtig beeindruckt und mittlerweile konnten wir uns auch wieder bewegen trotz aller Erschöpfung un den Mund aufmachen und „Ahhhhh“ und „Oooohhh“ sagen. Nachdem nun alle Fahrer oben angekommen waren ging es wieder runter auf derselben Straße und dann nach Pozza die Fasso zum Mittagessen. Wie immer reichhaltig. Die anschließende Rückfahrt nach Bozen verzögerte sich dann erheblich. Wir mussten sehr lange warten, bis es dann im Gesamtpulk wieder losging.

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Das war aber auch der einzige Moment, wo ich von der Organisation etwas genervt war. Von etwa 140 km waren wir nun gerade einmal die Hälfte gefahren und eigentlich recht kaputt. Die nächsten 70 km waren aber quasi nur noch abwärts im Peloton. Man hätte auch ein wenig schneller fahren können, denn es drängte sich schon ganz ordentlich, aber es ging dann sehr, sehr zügig zurück nach Bozen. Das Fahren in der großen Gruppe machte mir bei den schnellen Abfahrten aber nicht so viel Spaß, deshalb überlegte ich mir schon, wie in dem in Zukunft entgehen könnte.

Nachher an der Messe schaute ich auf die Ergebnisse: Wieder so Platz 300 irgendwas. Diesmal nur 16,2 Meter/Minute hoch, etwas langsamer als auf den Schneiderwiesen. Na ja, je steiler es wird umso mehr bin ich durch das Gewicht benachteiligt. Wir haben es dann nicht mehr raus in die Stadt geschafft zum Abendessen sondern sind zusammengesunken in unserem Hotel. Zum Glück wurden wir dort von Mademoiselle Jeanne verwöhnt:

“ Was willst Du? Noch ein Bier?“ (zu mir)

„Und was darf ich Madame bringen?“ (zu Silke)

Ja, Mademoiselle Jeanne vom Hotel Raffi hatte schon ihren besonderen Charme, den wir nun, wieder in Bremen angekommen sehr vermissen. Abends in unserem Zimmer packte ich meine weiße Radhose in die Wäschetüte und holte sie erst in Bremen wieder raus.

Strava.

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Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: Prato di Sarto

Eine Zeit lang, als unser Sohn noch sehr klein, und ich mal gerade wieder ganz gemein war, erzählte ich ihm im Vertrauen, dass ab und an der Schneider bei uns vorbeikommen, und kleinen, unartigen Kindern die Finger abschneiden würde. Lustigerweise kam einige Monate später ein Aupair namens Natascha Schneider, die dann zunächst Angst und Schrecken verbreitete. Und am ersten Tag des Giro ging es hoch auf die passend benannten Schneiderwiesen.

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Das Konzept des Giro Dolomiti ist ein sehr komfortables. Jede Etappe startet und endet in Bozen (mit Ausnahme der 4. Etappe, wo es den Stelvio hoch geht). Man fährt zunächst ein wenig und nicht so schnell durch die Gegend, um dann einen einzigen Anstieg im Renntempo zu erklimmen (der gelbe Teil der Grafik oben). Oben, oder kurz danach, gibt es dann ein gutes und umfangreiches Mittagessen und dann rollt man vom höchsten Punkt wieder zurück nach Bozen. Im Gegensatz zur Transalp muss man also nicht jeden Tag umziehen, Sachen packen etc., und man bekommt auch so recht viel von der Landschaft mit.

So weit so gut und zur Theorie. Am ersten Tag beim Frühstück vor Sieben sieht die ganze Sache dann aber doch wesentlich nervöser aus. Die Mädels hatten ihr Zimmer auf der lauten Straßenseite des Hotels gegen eins auf der Gartenseite getauscht (1. Zimmertausch), um besser schlafen zu können. Wenig konnten sie ahnen, dass im Garten nebenan die ganze Nacht Party war. Und so sahen sie am Frühstückstisch eher  etwas dünnlippig als gewöhnlich aus.

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Irgendwelche Schweizer Mädels die auch im Hotel übernachteten in wechselnden Zimmern.

Dann auf zum Start durch das pennende Bozen, im Hintergrund die Berge mal wieder.

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Silke und Silvia hatten sich als Schweizerinnen verkleidet. Sie wurden dann während des Rennens ständig auf schwyzerdütsch angequatscht. Also, eigentlich wurden sie immer angequatscht, im Gegensatz zu David oder mir. Selbst wenn sie Bärte und Kosakenuniformen getragen hätten, wären sie wohl auf russisch angequatscht worden. David und mich hätte man noch nicht einmal angesprochen, wenn wir dafür Geld gezahlt hätten.

Am Start an der Messe hatten sich bereits die gut 500 Fahrer der Tour versammelt und dann ging es auch schon mit Eskorte raus. Das war wirklich sehr gut organisiert, der Pulk blieb zusammen und der Verkehr draußen.

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11751867_10207960279071249_1268857610062596037_nIn sehr gemütlichem Tempo ging es nun über Eppan nach Kaltern. Es war schon fast zu langsam, mir juckte es in den Beinen und ich wollte endlich alles geben – ein Gefühl, das ich wirklich nur auf den ersten 40 km hatte und danach nie wieder. Zwei Dinge sind mir dann aufgefallen: Erstens sind viele Männer vor dem Start so aufgeregt, dass sie ihre Morgentoilette vergessen. Das holen sie dann auf der Tour nach und ich übertreibe sicherlich nicht, wenn ich schreibe dass ich an diesem Morgen mehr als 25% der männlichem Starter am Straßenrand zwischen Apfelbäumen und Weinreben pinkeln sah. Ich hatte keine Wahl, egal wo ich hinsah Äpfel, Weintrauben und pinkelnde Männer. Und mit geschlossenen Augen radelt es sich nun einmal sehr risikoreich. Es hatte den Anschein einer gigantischen, inszenierten, konzertierten Nitratdüngungsaktion. Ohne den Giro würden in Südtirol vermutlich gar keine Pflanzen wachsen die Früchte tragen! Besonders lustig wird das ganze, wenn man Radler sieht die Trikots von BASF tragen und düngen.

IMGP1400Oder ist das eine ganz geschickte Taktik um vor dem Rennen wirklich jedes unnötige Gramm Gewicht zu verlieren? Vielleicht sassen da ja noch andere Radler weiter hinten in den Apfelbaumplantagen und machten sich gerade einen Einlauf, um das optimale Bergzeitfahrgewicht zu erreichen.

Zweitens erkennt man die Mitradler in der Regel an der Kombination von Trikot und Rad. Oh, da ist wieder dieser „Eindhoven Penguin“ auf dem Pinarello. Oh, da ist wieder Rapunzel. Die erkannte man übrigens immer, aber weder an Rad nach an Trikot, sondern an ihren superlangen blonden Extensions deren Spitzen in den Trikottaschen verstaut waren. Haben die Leute dann am nächsten Tag ein anderes Jersey an, weiß man wieder mal nicht wer die sind. Und in der Stadt in Freizeitklamotten würde man keinen einzigen erkennen – mit Ausnahme von Rapunzel. Doch dazu später.

Wir fuhren über Auer nach Leifers und waren quasi wieder zurück am Hotel, als wenige Kilometer später eine Strasse nach rechts abzweigte, mitten auf eine Felswand zu. Dahinter gab es ein aufblasbares Tor mit Zeitmessung und das Rennen würde hier beginnen. 10,7 Kilometer lang, 1.087 Höhenmeter, also durchschnittlich mehr als 10% Steigung.

Ich drehte noch eine kurze Schleife, da ich auf dem 20% Anstieg der zum Start führte nicht in das kleine Kettenblatt vorne schalten konnte und machte mich dann im Rennmodus auf den Weg nach oben zum Ziel, hinter dem die legendären Schneiderwiesen liegen sollten. Die ganze Strecke nach oben war komplett frei von Verkehr und führte bei guten, aber heißem Wetter überwiegend durch schattiges Waldgebiet. Ich war relativ weit hinten im Feld gestartet, denn das gibt mir die Möglichkeit früher gestartete Fahrer zu überholen und möglichst wenig selber überholt zu werden. Ganz ehrlich – überholen ist das einzige was in meinem Alter, in dem man keinen Blumentopf mehr gewinnen kann, bei Rennen Spaß macht. Auf dieser ersten Etappe lernte ich dann die Fahrer kennen, die ich dann in den folgenden fünf Renntagen immer weider überholen würde, bzw. von denen ich immer wieder überholt werden würde. Da war so eine ledrige Frau mit kurzen Haaren die etwa auf demselben Niveau wie ich fuhr. Oder die Mannschaft vom RSC Erkelenz die ich fast jedes Mal komplett stehen ließ. Da die aus meiner Heimat kommen, feierte ich ab und an einzelne von denen mit einem „LOT JONN !“ an, aber das waren eher so introvertierte Machotypen, die nicht viel Spaß verstanden.

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Hoch auf die Schneiderwiesen, hier schon relativ weit oben.

Ich war im Rennmodus und nicht gerade langsam für meine Verhältnisse, wurde aber zu Beginn deutlich öfters eingheholt, als ich selber überholte. Mist. 8.000 km Training in den Bergen um Bremen umsonst! Warum bin ich denn 20 Mal hintereinander das Hohe Zeh, die Aalschleife und den Hünenhügel hier hochgefahren, bitte ???? Silvia uns später Silke bekam ich noch. An Silvia schlich ich mich heran, hauchte ein „Na, so allein hier? Ich auch…“ in ihr Ohr und bekam zur Antwort: „Fahr‘ ruhig weiter…“ Und habe bei bescheidenem Wetter die 150km der RTF Alpe de Seevetal zurückgelegt wo mehr Höhenmeter nicht gehen? Ganz am Ende wurde ich noch von so einer deutschen Zicke eingeholt (egal) und die letzten Meter wurden im Schlußspurt zurückgelegt.

Insgesamt braucht ich 1:04:50 hr für das Stück, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 10 km/h und 16,8 m/min Steiggeschwindigkeit entspricht, das ist für mich alles ganz OK. Thomas war der einzige von uns der das alles in weniger als einer Stunde schaffte und dann konsequenterweise gut frisiert oben auf uns wartete.

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Silvia im Ziel auf den Schneiderwiesen

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..wo Thomas schon lange wartet.

Oben gab es dann erst einmal zu trinken und … Apfelstrudel.

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Apfelstrudel vorne, Schweizerinnen hinten.

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Apfelstrudel everywhere …..

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…Niddataler auch überall. Rechts David, der auf Ranndoneur-Art pausiert.

War wirklich gut und die Aussicht von dort oben war auch schön.

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11760330_10206450469758012_3279661940692318272_nGanz oben traf ich auch Rapunzel wieder.

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Langsam kamen wir erste Zweifel an der Echtheit ihrer Haare und ehrlich gesagt auch ihrer Schönheit. Sie erinnerte mich mehr an mehr an die Rapunzel aus der „Gebrüder Grimm“ Verfilmung von Terry Gilliam, als an was mich sonst so normalerweise unter Rapunzel vorstellt. Meine Favoritin war, abgesehen von zwei Schweizerinnen, die mir bei der ersten Etappe auffielen und die ich dann lange nicht mehr wiedersah, eine sehr junge Italienerin, die mit ihrem ganzen Clan angereist war und wirklich schnell war.

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Mit Bruder, Cousin oder so, passte jedenfalls immer auf sie auf.

Nach einer sehr erfrischenden Pause ging es dann von den Schneiderwiesen dieselbe Straße runter auf die Hauptstraße, die wir gekommen waren. Jetzt gab es ein wenig Verkehr hier, zudem war die Straße sehr steil und kurvig, so dass ich ganz schön stark in den Bremshebeln hing – ich mag es ja lieber wenn es wenig technisch und schnell runter geht, so wie vom Pico de Valeta in der Sierra Nevada, wo man 2.700 Höhenmeter auf 43 km Strecke und breiten Straßen prima nach unten wegrollen kann.  Es gibt aber irre viele schnelle Abfahrer, die dort runterfuhren, als wenn es kein morgen mehr geben würde. Wir gehörten nicht dazu.

Noch ein kurzes Stück über abgesperrte Landstraßen und dann waren wir wieder an der Messe. Auf das essen dort verzichteten wir (kann mich nicht erinnern warum) und stattdessen fuhren David und ich mit dem Bus nach Bozen rein, um uns den Ötzi anzuschauen.

Der Ötzi. Erinnerte mich irgendwie an die Trikots der Erkelenzer.

Der Ötzi ist im Südtiroler Archäologiemuseum ausgestellt, in dem eine Etage mir zu Ehren benannt ist, wie ich erfreulicherweise feststellen durfte.

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Durchgang nur für den mob

Ehrlich gesagt, war da außer Radfahren, essen und schlafen auch die einzige kulturelle Aktion, die wir auf einem Renntag zustande bekommen haben, was damit zusammenhing, dass a) das der erste Tag und wir nicht frisch waren und b) die ganze Etappe recht kurz war. In den nächsten tagen sollte es immer härter werden, aber dazu später mehr.

Ergebnistechnisch war ich zufrieden. Ich war auf Platz 307 von ca. 450 gestarteten Teilnehmern, hatte also so etwa ein Drittel hinter mir gelassen. In meinem Alter schaut man ja eher nach hinten und nicht nach vorne.

Strava

 

 

 

 

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