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Peak Bike 2016.

Peak Oil ist eine Theorie die kurz beschrieben, besagt, dass die Ölförderung und -produktion bereits lange vor der endgültigen Erschöpfung der Ölreserven aufgrund von mehreren Faktoren ein historisches Maximum erreichen wird und die Produktion danach irreversibel abfällt. Eine umgekehrte Situation haben wir gerade in der Radwirtschaft errreicht: Obwohl wir technisch in der Lage sind noch deutlich mehr Räder zu produzieren, hat die Nachfrage gerade Ihr Maximum erreicht. Von nun an geht es nach unten.

Die Zeichen, dass der Radboom zu einem Ende kommt sind in kleinem und im großen überall zu erkennen. Der Zweiradindustrie-Verband berichtet,  dass der Verkauf von Rädern in Deutschland in der ersten Hälfte 2016 um 5 bis 8% zurückgegangen ist. Der Umsatz von Shimano ist im gleichen Zeitraum im Radsegment sogar um fast 19% gefallen, ähnliche Zahlen werden auch von Händlern in den USA berichtet.

Im kleinen klagen Freunde, die sich im Radgeschäft selbstständig gemacht haben, über ein schlechtes Jahr, in den einschlägigen Internetforen sind deutlich weniger Teilnehmer aktiv und die Anzahl an Verkaufangeboten geht zurück. Auch dieses Blog wird am Ende des Jahres etwa 10 – 20% weniger Leser haben als im Jahr zuvor. „Winter is coming„.

Nun kann man dies alles auf schlechtes Wetter, Brexit, Donald Trump oder die AfD schieben und darauf hinweisen, dass sich e-bikes ganz hervorragend verkaufen und auch Lastenräder immer mehr im kommen sind. Das mag alles stimmen, doch das ändert nichts an der Statistik, denn e-bikes and Lastenräder sind mehr oder minder große Nischenprodukte. Letztens, als ich über die Dörfer fuhr und mir ein Opa auf seinem Velosolex entgegenraste fiel mir auf, wie lange ich bereits kein Mofa mehr gesehen hatte. Ein e-bike ist vielleicht eher ein Mofasubstitut für viele Käufer, als ein Rad.

Und Lastenräder? ich würde einmal schätzen, dass auf hundert Räder die ich sehe ein Lastenrad kommt. Würde man ein deutsches Standardrad entwerfen, so wäre es ein schweres Alu-Trekkingrad mit Federgabel vorne, Komfortlenker und jede Menge Anbauteilen, die das Gewicht auf 20 kg hochtreiben.

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Ich wage einmal zu behaupten, dass der statistisch durchschnittliche Deutsche keine besondere Liebe und Zuneigung zu seinem Rad entwickelt, so wie er es jahrelang für sein Auto getan hat. Letztens sprach ich mit jemandem, der mir erzählte wie er stundenlang mit einem Autoverkäufer durch die Ausstattungslisten gegangen ist, um seine neue Karre zu spezifizieren. Oder so wie Franzosen Wein, Amerikaner Hamburger oder Japaner Nudelsuppe lieben und somit eine konstante Nachfrage durch ihre Neugier aufrecht erhalten.

Vor einiger Zeit schrieb mir Yuji von Klovesradeln aus Berlin (leicht editiert):

„Es ist zudem extrem ernüchternd, wie in Deutschland mit Fahrrädern umgegangen wird. So ziemlich null Gefühl haben meisten Menschen. Für sie ist ein Fahrrad wie ein Staubsauger oder ein Kühlschrank, höchstens ein Modeobjekt. Hobby-Rennradfahrer wie Radreisende sind fast nur Technik-orientiert. Also für mein Empfinden ist Deutschland eine Pampa der Fahrradkultur(abgesehen von einer  Handvoll von Enthusiasten und Fahrradverrückten).“

Yuji und ich haben eine sehr ähnliche Idee von der Arbeit mit Rädern. Uns geht es um die Kombination von gutem Design, guter Funktion und akzeptabelen Kosten. Wobei wir das Design und somit die Geschichte und die Individualität eines Rades in den Vordergrund stellen. Yuji macht das vorwiegend mit Rädern aus England und Frankreich – ich mit solchen aus Italien.

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Wir sind nicht diejenigen, die ein Rad „Gruppenrein“ oder „Epochenrein“ aufbauen wollen, uns dagegen stemmen, dass an alten Rädern neue Teile verbaut werden. Uns geht es auch nicht in erster Linie um die Technik oder das Gewicht von Komponenten.

Während es dem Normalradkäufer total egal ist, wie sein Rad aussieht, Hauptsache es ist günstig, hält tausend Jahre und man hat Halterungen für drei Bügelschlösser, ist die Gruppe der Interessierten viel zu viel Technik verliebt.Diese Menschen achten meiner Meinung nach viel zu sehr darauf, was ein Rad hat (Gewicht, Tretlagerteifigkeit, Carbonrahmen oder aerodyamische Laufräder) und nicht was es kann: schnell beschleunigen, stabil in Kurven sein, oder komfortabel zu fahren. Dazu gibt es eine sehr gute Zusammenfassung. Äh, von mir.

Das ist schade und da hilft kein lamentieren, dass müssen wir so akzeptieren, wie wir das Wetter in Bremen oder Berlin akzeptieren müssen. In der Konsequenz heißt es allerdings auch, dass wir unser Hobby nicht zum Beruf machen können. Schon gar nicht nach peak bike.

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Velotörn Bremen. Teil II: World of Lauenau.

Von allen RTFs in Norddeutschlands die ich bislang gefahren bin, ist mir die in Lauenau die herzallerliebste: Jede Menge Hügel und Wellen, schnelle Abfahrten, ein großartiger Blick in die Landschaft und das alles extrem gut von Victoria Lauenau seit 1921 organisiert. Kommt noch das gute Wetter wie dieses Jahr dazu möchte man fast 150 km lang nur weinen vor Freunde. Deswegen bin ich am Sonntag nach Lauenau gefahren, anstatt am Velotörn Rennen in Bremen teilzunehmen.

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Leider gab es auch einen Wehmutstropfen, oder wie mein Opa zu sagen pflegte, „einen Wehrmachtstropfen“: Kein einziger Bremer war dieses Jahr mitgekommen; die meisten fuhren beim Velotörn, der Rest war irgendwo unterwegs oder schaute sich in Augsburg die Puppenkisten an, während Augsburg in Bremendie Puppen tanzen ließ.

Die beste aller Frauen hatte nichts dagegen, dass ich unser Auto am Sonntag fuhr und so machte ich mich gegen kurz vor sieben auf den Weg: Die A7 zeigte sich um diese Zeit von ihrer schönsten Seite: komplett leer und fast ohne Baustellen, so dass ich durch wildes Rasen bereits um acht am Mineralbad in Lauenau ankam. Anmelden, fertig machen und als ich so hochschaue sehe ich einen blau-weißen Zug von Hamelern losziehen. Ich schwang mich auf das Rad, aktivierte die sehr müden Beine und raste hinterher, in der Hoffnung möglichst lange an denen dranzubleiben. Von dem Fixierennen am Vortag beim Velotörn war ich immer noch sehr müde, das merkte ich dann den ganzen Tag.

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Müde Beine

Die Tatsache, dass ich die Gruppe recht schnell eingeholt hatte, hätte mir gleich zu denken geben sollen: Die fuhren wirklich sehr gemütlich, vor allem am Berg. Ein Mädel mit langen, roten Haaren zu einem Zopf gebunden, pedalierte sehr unsicher und der Anführer der Hameler, ein älterer, graumelierter Herr, schob sie ab und an die Hügel hoch. Nach 9 km beschloss ich mich in Antendorf abzusetzen und zu versuchen in einen neue Gruppe zu fahren. Im Nachhinein war das eine gute Idee: Wie ich später hörte, gab es einen Sturz in der Gruppe, wobei man da immer einfach schreiben kann, dass man hofft es sei nichts passiert und froh ist, dass man nicht dabei war.

Ich überholte in der Folge den einen und den anderen Einzelfahrer und grüßte immer nett mit „Moin“. Resonanz? Fast keine. Wer am Sonntag um Neun bei einer RTF alleine unterwegs ist, der will auch alleine bleiben. Keiner hatte Interesse daran viele Einzelfahrer zu einer Gruppe zusammenzufahren. In Langenfeld, auf dem letzten Hügel östlich der Weser, begann die schnelle Abfahrt nach Hessisch Oldendorf, dem ersten richtigen Highlight. Am Ende muss man nur wissen, dass die Abfahrt sehr abrupt an einer T-Mündung endet, sonst landet man da in den Büschen.

Immer noch keine Gruppe in Sicht. Beim ersten Verpflegungspunkt nach ca. 25 km hatte ich so gar keine Lust anzuhalten – das war mir noch viel zu früh und so fuhr ich einfach weiter. Jetzt wurde ich auch zum ersten Mal von zwei Fahrern überholt, der eine mit Lightweight Laufrädern –  am Berg waren sie schnell, in der Ebene wieder langsamer; dann hing ich aber wieder dran. Dummerweise war kurz danach der zweite Verpflegungspunkt in Volksen nach 51 km erreicht.

Hier gab es nicht nur etwas zu essen und zu trinken, es standen dort auch einige schöne Räder rum, so ein altes Chesini in den Farben der italienischen Trikolore und ein Che, eine kleine und relativ unbekannte Rahmenmanufaktur aus dem Kuba der Sechziger.

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Früher hingen diese Che Logos ja recht häufig in den Wohnzimmern dieser Welt über Flokati Teppichen und selbst lackierten Hartholztischen. Ich habe auch so eins in meiner Sammlung.

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Ms. Che

Von Volksen aus fuhr ich dann zusammen mit dem Lightweightfahrer (ich nenne ihn mal Racer Z). weiter. Der war gut in Form, wir unterhielten und nett und kamen trotzdem gut voran. In der Abfahrt hinter Laßbruch bekamen wir auch richtig gut Geschwindigkeit drauf, die wir dann auf dem flacheren Stück gut halten konnten. Das machte jetzt richtig Spaß und zwar so viel, dass wir die Kontrolle in Thevenhausen verpassten. Allerdings war nach 20 km bereits wieder Schluss: Wir hatten gerade Anschluss an eine größere Gruppe gefunden, als die an der Streckenteilung (rechts 118, links 148 und 225 km) fast komplett nach rechts abbog.

Das gefiel Racer Z wohl recht gut, denn er rief mir zu: „Ich fahr die 120er!“. Ich nicht. Also fuhr ich mit den einzigen beiden anderen Fahrern, die links abgebogen waren weiter. Das war ein sehr schmächtiger und leichter Typ, der vermutlich am Berg alles konnte und sein bärtiger Freund in Rapha Austattung mit Trek Rad. Als die mir am Berg zu langsam waren zog ich vorbei in Richtung Osterhagen.

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Langsam hoch nach Osterhagen.

Oben wartete ich dann wieder auf sie, denn so ganz alleine machte das wenig Spaß. Wir bleiben dann zusammen, bis wir zum zweiten Mal den Kontrollpunkt in Thevenhausen anliefen. Ich bin ja bereits einmal 2014 zusammen mit Hannes die RTF Lauenau gefahren und wir hatten damals eine längere Pause in Thevenhausen eingelegt. Ich kann daher wohl behaupten, dass ich erstens Thevenhausen ganz gut kenne (also besser als 90% aller Deutschen) und zweitens, dass sich in den letzten beiden Jahren nichts in der Metzgerei Goksch getan hat – sogar die Auslagen sind noch dieselben (und nicht die gleichen).

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Gocksch in Thevenhausen

Die Verpflegung ist nicht so gut wie am legendären, ersten Verpflegungspunkt der RTF „Roter Fuchs“, an dem Lachsschnittchen und Sekt gereicht werden, aber es reicht und alle sind nett und man kommt ins Gespräch.

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Ganz links meine beiden Begleiter am Kontrollpunkt in Thevenhausen

Ich wäre ja gerne in einer Gruppe gefahren, aber der Betrieb am Kontrollpunkt war sehr mau. Und Schmächtig & Rapha waren mir nicht schnell genug. Also machte ich mich alleine auf den Weg und bog in Langenholzhausen auf die Trasse Richtung Ziel ab so wie eine Runde vor mir die 118er Truppe. Man fährt über den „Felsenkeller“ den Kirchberg hoch nach Varenholz und dann eine wunderschöne Abfahrt runter nach Stemmen.

Der Asphalt schien brandneu, das Spätsommersonnenlicht brach gefiltert durch die Bäume hier und da stärker durch als Anderswo, ein paar Blätter fielen im Rand zu Boden und es war so still, man hätte Atombomben fallen hören können. Es gab einen Augenblick, wo es so schön war, dass dieser „Ich mach jetzt alles anders in meinem Leben“ Gedanke aufpoppte. Ich kenne den ganz gut, weiß dass es Quatsch ist, sagen wir mal nicht mehr zu arbeiten und nur noch radzufahren; sich scheiden zu lassen und eine der Studentinnen zu ehelichen; oder Carbonfasertechnik an der Uni zu studieren, aber einen Moment darf man sich der Illusion hingeben, dass wieder alles möglich ist.

Ich fuhr weiter allein im Prinzip parallel zur Weser weiter in Richtung Hohenrode und träumte vor mich hin. Ganz schlechte Idee bei einer RTF, denn beim träumen verpasst man häufig die Ausschilderung und somit die eine oder andere Abzweigung. Nicht so bei der RTF Lauenau, hier ist die Beschilderung vorbildlich, die Schilder selber farblich markant und jedes Mal wenn man sich fragt „Bin ich hier noch richtig?“ – taucht unmittelbar danach ein rot-gelb-blauer Pfeil am Straßenrad auf.

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Jetzt war ich ja schön schnell bis zur Weser gefahren, als ich dort ankam war jedoch die Fähre gerade auf der anderen Seite und wartete auf Kunden. Ich wollte schnell rüber und weiter und ärgerte mich ein wenig. Ich meine die Weser ist ja an dieser Stelle nicht breit wie die Wolga und die Fähre nicht ein Tragflächenboot, dass über die Wellen hüpft. Also machte ich das, was mir vernünftig erscheint in einer solchen Situation von  a) warten und b) ärgern, und zwar eine Zigarette zu rauchen. Als ich da so stand kamen auch Schmächtig&Rapha rein. Und dann auch die Fähre und setzte uns über, mittlerweile waren wir zu fünft.

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Hightec Weserfähre mit Smartkasse

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Im Hintergrund der Kontrollpunkt auf der westlichen Weserseite

Dabei waren Rapha&Schmächtig, der Gelb-blaue aus Altwarmbüchen (AWB), einer mit einem Ötztaljersey von 2008 und ich, heute komplett in Q36,.5. ich fragte mich dann die ganze Zeit, ob „Altwarmbüchen“ der Name eines Ortes, oder ein Lebensmotto ist: „Alt, warm und büchen“ – also etwa wie „Männlich, verrückt und Medizinstudent“ oder „Jung, wild und schmittig“. Wiki sagt es ist ein Ort in Niedersachsen, schade eigentlich.

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Jung und wild, oder alt und warm?

Wir blieben zusammen, bis kurz nach Welsede der Anstieg zur Schaum- bzw. Paschenburg begann. Gleich zu Beginn setzte sich AWB ab, während Ötzi, Schmächtig und ich in eienr Gruppe zusammenblieben. Rapha blieb hinten. AWB war bald außer Sicht und auch Ötzi machte ordentlich Druck während Schmächtig dann verlangsamte um auf Rapha zu warten. ich war als Dritter oben an der Paschenburg, aber in der Ebene hatte ich dann sehr schnell Ötzi eingeholt, der nicht mitziehen konnte oder wollte. Und ein paar Minuten später hatte ich auch AWB eingefangen und wir fuhren zusammen die Abfahrt runter. Da machte wieder ehr viel Spaß und eh wir uns versahen waren wir in Pohle. Hier ging AWB nach vorne und brachte uns die letzten Meter nach Lauenau, bevor er dann, geradezu klassisch verkündete: „Ich fahr‘ hier weiter geradeaus – Tschüss!“ Es war genauso wie mit Racer Y bei der Weserrunde am Wochenende zuvor – diese RTF Fahrer sind doch arge Eigenbrötler.

An der Einfahrt zum Mineralbad standen zwei leicht beschädigte Autos, es gab Gerüchte, dass ein jüngerer Bremer Fahrer etwas riskant unterwegs gewesen wäre und dabei mehrere Unfälle verursacht habe. Man weiß nichts genaues.

Insgesamt bin ich die 148 km in 5:52 hr gefahren und habe dabei 24 Minuten gestanden. Die Hälfte davon vermutlich an der Weserfähre.

Strava

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Im Mineralbad bekam ich das Pfand für meine Startnummer wieder und war nun voll  in der Stimmung diese €5 voll auf den Kopf zu hauen. Bei RTFs bekommt man ja für wenig Geld sehr viel Kuchen, Kaffee und Grillwürstchen und so war es auch hier. Und um 14:30 Uhr konnte ich mich bereits wieder auf den Weg nach Hause machen.

So fuhr ich die A7 von Hannover hoch in Richtung Bremen , als mir zum x-ten Mal ein Schild „Gedenkstätte Bergen-Belsen“ ins Auge fiel. Ich wollte da schon immer mal hin und da ich in der Abfahrt letztens ohnehin mein Leben komplett zu ändern andachte,  dachte ich, dass dies doch ein guter, erster Schritt wäre.  Dieses Schild ist eine Mogelpackung, denn kommt man am Ende der Ausfahrt an steht dort eine wichtige, zweite Information: „30 km“. Aber 30 km mehr kann ja nicht der Grund sein nicht sein Leben zu ändern.

Die Gedenkstätte ist genau das, von den Bauten des Konzentrationslagern ist nichts mehr übrig. Stattdessen gibt es Gedenksteine hier und dort, einen Wald mit Lichtungen und Birken und ein Museum mit viel Sichtbeton und Glas, so Tadao-Ando mässig.

Die Dokumentation ist gut, das Konzept Standard, etwa so wie beim Denkmal der ermordeten Juden Europas in Berlin. Ich dachte ich wüsste schon recht viel über Bergen-Belsen, insbesondere hatte ich vor einige Jahren Videos über die Befreiung des KZs durch die britische Armee gesehen. Es gab noch so viel interessante Dinge, die ich nicht gewusst hatte; z.B. dass dies erst ein Baulager für den Ausbau eines Truppenuübunsgplatzer und dann ein Kriegsgefangenenlager für russische Soldaten war und erst 1943 dann ein Teil zum KZ wurde. Und dass es nach dem Ende des Krieges zum Rückführungslager von in erster Linie Polen und Juden in ihre Heimat, wurde.

Der Gedanke, der mich am meisten umtrieb war, dass es ist aus heutiger Perspektive nicht zu begreifen, warum in einem KZ ein großer bürokratischer und organisatorischer Aufwand getrieben wird, um Häftlinge zu photographieren, zu impfen, ihre Personalien aufzunehmen und in Arbeitskolonnen zu organisieren, wenn das einzelne Menschenleben dort nichts wert ist und willkürlich beendet werden kann.

Auch heute gibt es noch einen großen Truppenübungsplatz ganz in der Nähe. Man verbindet die Begriffe Krieg-Militär-Nazi-KZ doch in einer historischen Kette miteinander und ich empfinde es als unglücklich, dass nun direkt neben einer KZ Gedenkstätte Krieg gespielt oder geübt wird. Jedenfalls brachte mich der Weg über die Panzerringstrasse relativ schnell nach Hause.

Zuhause angekommen, ergab sich folgender Dialog zwischen meiner Frau und mir:

„Du kommst aber spät nach Hause!“
„Entschuldigung, ich war noch im Konzentrationslager.“
„Und, hattest Du Spaß?“

Na ja, ging so. Im Gegensatz zu der RTF Lauenau, deren Organisatoren hier noch einmal überschwänglich gedankt sein.In den letzten vier Wochen hatte ich nun über 1.600 km zurückgelegt. Am Sonntag war ich noch ganz OK, aber am Montag war ich dann einfach nur noch platt und hatte keine Lust zu gar nichts mehr.

Noch nicht einmal zum bloggen, was wirklich selten ist.

Damit ist die Saison auch fast zu Ende – Mitte September bereits mehr als 10.000 km von den geplanten 12.000 zurückgelegt, zum Abschluss den Münsterlandgiro mitnehmen und im Dezember noch einmal mit dem Sohn nach Malle. Und Punkt.

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Velotörn Bremen. Teil I: World of Fixedcraft.

Anstatt schon wieder ein recht normales Rennradrennen von 100km auf der sehr langweiligen Strecke in der Überssestadt in Bremen zu fahren, entschloss ich mich beim Velotörn am Fixie Rennen teilzunehmen. 30 Runden gegen den Wind, über Kopfsteinpflaster, haarscharf an Barrieren vorbei und das Ganze auf einem scheiß-unbequemen Rad.

Ich weiß auch nicht, warum ich mir das alles in meinem Alter noch antue. Ich könnte ja auch Samstags lange schlafen, ein Auto waschen und dabei Bundesliga im Radio hören, und dann im Garten grillen. Stattdessen mache ich mich am Samstag Morgen auf den Weg in die Überseestadt, um die Rennstrecke de Velotörns zu erkunden. Zum Glück zeigt sich Bremen an diesem Wochenende von seiner allerschönsten Seite.

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Bremen, wo die Weser wie ein richtiger Fluss aussieht (also fast so wie der Rhein)

Die Strecke führt auf der Konsul-M-Schmitt-Strasse die Weser runter, macht dann eine S-förmige Linkskurve über recht fieses Kopfsteinpflaster und läuft dann parallel über die Kaje am Hafenbecken in die entgegengesetzte Richtung. Es gibt dann wieder eine schnell durchfahrbare S-Kurve auf die Konsul-M-Schmitt-Strasse, dann ca.200 Meter Gerade zum sprinten, bevor es nach ca. 1,1 km wieder ins Ziel geht. Wäre dies eine Autorennstrecke, dann vielleicht Daytona im 18.Jahrhundert – wegen  dem Kopfsteinpflaster.

Ich habe Familie, einen Job und wenn ich mich mit dem Rad hinlege, dann dauert es eine Weile, bis wieder alles verheilt ist. Konsequenterweise hat mein Fixie Bremsen. Was aber bei diesem Rennen nicht erlaubt ist. Auch sind keine Kurbeln an nicht-Bahnrahmen mit einer Kurbelarmlänge von mehr als 165mm erlaubt. Überhaupt gibt es viele Regeln, was nicht dem kulturellen Anspruch des Rennens entspricht: „die jungen Wilden“; „Fixie-Subkultur“ etc. Es erinnert mich an eine Online-Anzeige von zwei sehr coolen Typen in Hamburg, die einen neuen Mitbewohner für ihre WG suchten. Zunächst einmal beschrieben sie sehr schön,wie locker und gechillt das Leben mit ihnen ist, um am Ende Interessenten zu bitten, Ihnen „ihr aktuelles Lieblingslied und ein polizeiliches Führungszeugnis“ zuzusenden.

Die richtige Antwort auf das Lieblingslied ist natürlich sehr simpel.

Jedenfalls hatte das zur Folge, dass ich mein japanisches Nagasawa Bahnrad reaktivieren musste, das nun seit 2 Jahren als Weihnachtsschmuckadapter an der Wohnzimmerwand verstaubt. Erst einmal andere Laufräder rein, damit wenigstens die teuren Mavic SSC überleben werden. Und dann kam ein anderer Lenker und Vorbau ran, denn dieser NJS Vorbau der an Keirin Bahnrädern quasi Standard ist bringt das Kinn knapp über die Höhe des Vorderrads. Ist man nicht rasiert, kann man nur noch maximal 20 mm Reifen montieren, sonst ist da einfach kein Platz mehr.

Wegen dem Kopfsteinpflaster hatte ich dann doch noch ein Lenkerband gewickelt, damit es ein wenig bequemer wird. Dafür opferte ich mein sehr schickes George Sorell Korkband, das ich 2011 zusammen mit David in Ravenna im Radladen Sambi gekauft hatte. So jetzt noch abnehmbare Bremsen dran, damit ich zum Rennen komme und los.

In der Überseestadt tummelte sich die Creme de la Creme des bremischen Radsportes. In  früheren Berichten habe ich immer jeden einzelnen mit Namen aufgeführt den ich kannte, heute ist das nicht mehr möglich (Sorry, Silke, Silvia, Caro, Linda, Jessica, Maren, Jörn, Andreas, Andi, Thomas, Jan, Philipp, Schnippo, Marc, Matthias, Christian, Benjamin, Tim, Harald, Didi…) Es ist ein sehr schönes Gefühl von vielen netten Menschen erkannt und gegrüßt zu werden und dazu zu gehören. Vor allem, nachdem ich vergleichsweise nach 12 Jahren Leben in Japan gerade einmal vier japanische Freunde hatte – die ich jeweils ein bis zweimal pro Jahr traf. Mit den Ausländern dort lief es wesentlich besser, das hatte nur den Nachteil, dass das japanische Haltbarkeitsdatum eines typischen Ausländers etwa drei Jahre ist – danach geht es wieder zurück in die Heimat oder in das nächste Land. Zum Gefühl der Zughörigkeit später mehr.

So standen wir also an der Rennstrecke und schauten uns das Rennen von Linda an.

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Die creme de la creme des bremischen Radsports

Linda war bei den Frauen zusammen mit den U17 Fahrern gestartet, insgesamt etwa 16 Fahrer. In den ersten Runden hielt sie sich gut im Hauptfeld, aber dann fuhren vorne 8 Fahrer das Feld zu Klump und büxten aus. Danach war sie ein wenig verloren und zu zweit oder zu dritt unterwegs und es wurde sehr anstrengend. Dementsprechend  schnell muss das Rennen gewesen sein, denn Linda ist wirklich nicht gerade langsam (das ist eine klassische Umschreibung von: „Linda ist deutlich schneller als ich.“ Von den acht blieben sieben vorne und gewannen nach 30 Runden das Rennen. Linda wurde Zweite bei den Frauen.

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Im übrigen konnte man hier wieder beobachten, dass bei großer Anstrengung nach dem Rennen die Birne rot anfängt zu glühen, und zwar nach der Formel: „Je jünger der Fahrer, desto roter die Birne.“ Ist mir bereits beim OBKM aufgefallen, wo der 70-jährige Zweite der Meisterschaft kalk-weiß war, geradezu Mumienhaft, während Linda (Kolibri) rot strahlte wie ein schmelzender Reaktorkern in Fukushima. Was aber immer noch nichts gegen Schnippo nach dem Rennen war, der rot strahlte wie ein tätowierter, russischer Mafia-Reaktor. Doch dazu später.

Darauf folgte das Derny Rennen. Ein paar Runden fährt der eine auf einem enthemmten e-Bike und der Andere hinterher, dann wurde gewechselt und es werden ein paar Runden umgekehrt gefahren. Am Start waren Schnippo und Philipp, sowie Marc und [vergessen].

Sportlich war das, na ja, aber sonst war es der Höhepunkt des Tages. Beim Wechsel mussten auch die Schuhe getauscht werden. Wir erwarteten am Streckenrand, irgendetwas in der Geschwindigkeit eines Triathlonwechsels. Stattdessen lief das ganze in erschreckender Zeitlupe ab. Schnippo und Philipp beim Wechsel zu beobachten war etwa so schnell und spannend wie die Ziehung der Lottozahlen im Fernsehn zu schauen. Und als dann  Schnippo auf dem e-Bike vor Philipp fuhr tat er das genau zwei Runden. Dann war es Philipp zu langweilig und er überholte Schnippo  auf der Zielgeraden. Denn das E-bike war nicht so richtig enthemmt – Philipp allerdings schon.

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Nachdem ich mich also gut amüsierte hatte war jetzt leider Schluss damit, denn nun musste ich auf die Strecke. Was ist bislang gesehen hatte, machte mir Angst. Da waren Fixiefahrer, die aussahen wie Simon Geschke und Frauen auf Fixies die….nun,  ebenfalls aussahen wie Simon Geschke. Andreas meinte treffend, dass das keine Radkuriere sind, sondern welche vom Radpaketdienst. Zack, vier Waschmaschinen unter den Arm und dann ab ausfahren zu den Kunden. Zum Glück gab es nur 19 davon. Und Philipp und Schnippo. Und mich. Alle fuhren auf Rahmen mit nach hinten offenen Ausfallenden; es gab viele Tätowierungen zu sehen, Piercings und Totenköpfe etc. auf den Jerseys. Da gehörte ich nun definitiv nicht rein. Erstens nicht von der Leistung, zweitens nicht vom Alter und dann auch wegen ein noch ein paar anderer offensichtlicher Mängel an Muskeln, Barthaar, Street Credibility und Geldknappheit. ich fühlte mich da sehr falsch. Wann hatte ich das letzte Mal dieses Gefühl? Vermutlich als ich 1990 versehentlich in einem heißen Quellenbad in Japan in die Damenumkleide ging, da dort keine Symbole, sondern chinesische Schriftzeichen an die Tür gemalt waren.

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Ich bin eben Rennradfahrer und fahre Radrennen. Bei so etwas habe ich keine Chance. Also nicht, dass ich sonst eine hätte. Meine Taktik war daher etwa wie die von Steven Bardbury  im Short Track bei den olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City: Hinten fahren und hoffen, das sich vorne alle auf die Fresse legen. Dann non-chalant vorbeiziehen. Nein -zu gemein, ich fuhr wieder mit meiner Standardtaktik: Versuche irgendwie zu überleben und nicht zu bescheuert auszusehen.

Aber da ich da schon einmal stand konnte ich ja ein paar Bilder machen und mitfahren.

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Und dann ging es auch schon los. Alle meine Sorgen waren umsonst, die erste Runde konnte ich echt gut mithalten! Leider stellte sich dann heraus, dass dies nur die neutralisierte Einführungsrunde war und wir am Start wieder stehen blieben. Trotzdem, eine gute Idee, um warm zu werden. Und zum Glück wurde das Rennen auch von 30 auf 20 Runden verkürzt.

Die zweite, also die nun eigentlich erste Runde, war schon deutlich schneller.  Am Anfang war es sehr nervös und ich machte mir da auch ein wenig Sorgen im Feld zu fahren, aber nach zwei Runden war ich da quasi draußen und in einer Dreiergruppe. Die Kurve mit Kopfsteinpflaster nahm irre viel Geschwindigkeit weg und es war extrem hart, dann wieder gegen den Wind zu beschleunigen. Nach 5 Runden hatte ich nur noch wenig Lust und überlegte aufzugeben. Das ist ja immer so, weil ich mich noch nicht warm gefahren habe und es dann am meisten weh tut -später wird es besser.

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Feuerwerk der Radkunst

Dann war ich mit einem der Mädels in dem Rennen zusammen. Ich wollte Sie animieren, dass wir auf die Gruppe der drei Männer vor uns auffahren. Sie sagte ja, ich machte Tempo, und als ich dann wechseln wollte blieb sie hinter mir. Für die nächsten drei Runden. Da ich alleine ohnehin nicht aufholen konnte wurde ich erst einmal wieder etwas langsamer.

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Lutscher !

In der S-Kurve zum Zielsprint drehte ich dann auf, als ich eine weitere, überrundete Fahrerin vor mir sah und setzte mich ab. An die hängte ich mich erst einmal dran und dann gab ich ihr Windschatten. Dann fuhr sie wieder vorne und erstaunlicherweise hatte sie noch gut Power und zog davon. Ehrlich gesagt lag das auch an der Technik, die fuhr die Kurven einfach viel besser als ich. Und als es dann in einer der beiden Kurven einen Sturz gab und ich langsamer wurde und die Richtung wechselte, war sie fast weg. Zwei der schnellen Fahrer waren zu schnell in die Kurve gegangen und matzten in die Barrieren.

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Erst überholen und vorweg …

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….und dann ein paar Runden später den Anschluss verlieren

Nach jeder Kurve musste ich erst einmal die Lücke wieder zu sprinten und das kostete viel Kraft. Aber jetzt war ich zumindest ganz gut dabei. Auch wenn die Spitzengruppe mich in der Zwischenzeit zwei Mal überrundet hatte. Dann sah ich kurz vor Ende Schnippo vor mir, den ich nun überrunden würde. Was er nicht wollte und ihm frische Power gab.

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Prima, mit Schnippo war das jetzt natürlich wieder viel besser und so kamen wir in die letzte Runde und dann auf die Zielgerade. Schnippo fragte mich:,“Wollen wir zusammen ins Ziel fahren, oder das ausfahren?“ „Ausfahren!“ Und so legte wir einen guten Spurt und Bike-throw zum Schluss hin. Nun hatte ich wirklich keine Lust mehr. Allerdings auch keine Bremsen, um zu stoppen.

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Strava

Am Ende wurde es ein 12.Platz von 23 Teilnehmern, von denen wiederum 17 ins Ziel kamen und sechs aufgaben (zwei glaube ich wegen Sturz). Hinter mir nur Frauen. Und Schnippo (Rennen drei). Vor mir eine Frau, und zwar die, deren Trikot so aus sah wie ein Mosaik-gefliestes Badezimmer auf den Bahamas.

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v.l.n.r : Das bahamische Badezimmer; gut getarnte Norddeutsche; meine Begleiterin für ein paar Runden am Start vor mir.

Das hat jetzt nix mit: Ich bin besser als Frauen oder so zu tun, sondern ist einfach meine Erfahrung in den typischen Platzierungen meiner Karriere: Zweitstärkste Frau.

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Hier sieht man noch einmal einen der gestürzten. Fiese Delle am Oberrohr des Standaert Rad.

Prima, ich hatte überlebt, ein Top-12 Finish und war fix und fertig.  Und neben mir glühte Schnippo. Eigentlich keine so gute Idee, denn er fährt morgen das 100 km Rennen beim Velotörn und ich die 150 km der RTF Lauenau. Und dann kam noch einer der schnellen Fixiefahrer und gab mir die Hand – eine Welle von Zusammenhalt wallte in mir auf.

Es ist übrigens keine gute Idee mit wenig gefahrenem, bzw. wenig  getestetem Gerät ins Rennen zu gehen. Der Vorbau fixierte den Lenker nicht gut und da ich fast auschließlich im Unterlenker fuhr, drückte ich im Verlauf des Rennens den Lenker nach vorne und oben. Das war am Ende sehr unbequem. Und sah auch echt scheiße aus.

Und ganz zum Schluss löste sich auch noch ein Kurbelarm vom Vierkanttretlager. Ich fuhr zu Matthias, aber der hatte auch kein passendes Werkzeug (8mm Inbus) dabei. Dafür aber Carolin Schiff, die ich fast übersehen hätte. Ich hatte Sie ja nur einmal im Rennen gesehen und war mir nicht sicher, ob sie es wirklich war. Die Beine schienen mir ein wenig dünn (vor allem nach dem was ich da im Fixie Rennen gesehen hatte), aber dann gab es auf dem Schienbein ein paar markante Narben und ich dachte ich frage sie mal, ob sie es ist. Bingo. Taktisch wollte ich nur beweisen, das ich netter bin, als dass was ich schreibe und wir unterhielten und über das, worüber sich erwachsene Menschen so unterhalten: Radrennen, Motorboote auf dem Gardasee, über die Unsinnigkeit in Bremen zu wohnen und so weiter.

Das waren ja für einen Tag mit so herrlichem Wetter recht wenig Kilometer, diese aber sehr intensiv. Insgesamt war die Veranstaltung gelungen, mit €20 auch nicht zu teuer und spaßig. Zum Glück habe im Rennen ich nicht geschmittet (Bremer Fachwort für „sich auf die Fresse legen“).

Allerdings ist da auch kein großer Unterschied zu den Bremen Challenge Veranstaltungen mit Streckenführung in der Überseestadt zu spüren. Aber trotzdem, danke für die Mühe der Organisation. Danke auch an Silke, Harald und Linda für die Fotos.

Wir sehen uns dann total platt beim RCB Montagstraining.

 

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Specialized Red Hook Track

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via Tracko

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Team Sauce. Japan.

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So funktioniert Japan:

  1. Ein Radclub nennt sich „Team Sauce“. Keiner denkt sich etwas dabei.
  2. Beim Entwurf der Teamtrikots lässt man sich von den Farben von Barbecue- und Ketchup Sauce inspirieren. Keiner denkt sich etwas dabei.
  3. Das Teamwappen wird von Campagnolo „übernommen“.
  4. Es wird viel gequatscht.

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Im Weserlabyrinth 2016.

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Die Weser, mythischer Urfluss Norddeutschlands, gespeist aus rein deutschen Wässern, zieht sich von seiner, äh, Quelle, in Hannoversch Münden durch die Tiefebene nach Bremen und fließt, unter Umgehung von Hamburg in die Nordsee. Seit 2010 kann man bei der RTF „Große Weserrunde“ auf der östlichen Seite von Rinteln etwa 150 km weit zur, äh, Quelle, fahren und auf der westlichen Seite wieder zurück.

Ich hatte das 2014 einmal gemacht, zusammen mit Philipp, Tobias, Jan, Jonas und Sebastian. Genauso hätte ich das gerne dieses Jahr wiederholt; aber zwei von uns Sechsen fahren gerade nicht viel Rad und bei zwei weiteren funktionierte die Organisation über Facebook nicht. So lange man am Sonntag 60 km von zuhause aus in die Gegend fährt, gibt es eine realistische Chance über fb Mitfahrer zu finden, aber selbst da –

„Können wir nicht eine halbe Stunde früher fahren?“
„Der Schnitt von 29,3 km/h ist mir zu hoch, dachte an 29,1.“
„Übermorgen wäre besser.“ 
„Wie wär’s mit schwimmen stattdessen?“
„Weiß jemand wo ich weiße Hoodys für meine 88er Campagnolo Chorus Bremshebel herbekomme?“


ist es schwierig alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. Wenn es darum geht Auto, Zug, Unterkunft etc. für eine 300 km Tour zu organisieren ist es fast unmöglich. Es deutete sich am Donnerstag letzter Woche ab, dass ich mich vermutlich alleine auf den Weg machen musste und das tat ich dann auch direkt nach der Arbeit.

Von mir zuhause in Bremen bis nach Rinteln sind es ziemlich genau 125 km. Das könnte ich an sich locker fahren, aber nicht wenn ich am nächsten Tag auf die 300 km Strecke muss.
Letztens bin ich eine Dienstreise nach Hamburg mit dem Rad gefahren, das waren auch genau 125 km und dafür habe ich 5 Stunden gebraucht. Das hätte auch schneller gehen können, wenn ich die Strecke gekannt hätte, aber so musste ich immer wieder absteigen und auf meine ausgedruckten Karten schauen. Und in gruseligen Gegenden wie Hamburg Neugraben brauchte ich viel Zeit um meinen Besitz im Auge zu gehalten und zu verteidigen.

Also mit der Bahn. Damit habe ich 3 1/2 Stunden gebraucht, gar nicht einmal so viel schneller wie mit dem Rad und kam gegen 20 Uhr in Rinteln an. Rinteln ist recht schmuck und hat ein Freibad in der Stadtmitte an der Weser. Leider wurde die Universität Rinteln bereits 1810 geschlossen, junge Menschen habe ich entsprechend wenig gesehen. Ich fuhr vom Bahnhof in die Stadt und kam an „Kuddels Grillbude“, „Döner Klaus“ und anderen Kultur-Establishments vorbei. Die Versuchung das Nachtleben zu genießen hielt sich also in Grenzen und so konnte der Wecker am nächsten Morgen um 5:15 hr  klingeln.

Als ich aufwachte und aus dem Fenster schaute, stellte ich etwas überraschendes fest:

So etwa sah es aus.

Manchmal begreift man ja logisch Dinge, verkennt aber deren Konsequenzen. So ist mir zum Beispiel völlig klar, dass „Sommerzeit“ nicht bedeutet, dass die Sonne eine Stunde länger scheint, sondern genauso lang, nur eben in versetztem Zeitraum. Allerdings, dass es morgens dann eine Stunde später hell wird, daran habe ich nie gedacht. Das liegt daran, dass ich um 5 Uhr morgens nicht denke, sondern schlafe.

Jedenfalls hatte ich kein Licht dabei als ich zum Start fuhr und mir bereits die ersten Gruppen der 300er Fahrer entgegen kamen. Alle mit Supernoven an den Rädern und teilweise an den Helmen, fuhren die Richtung Weser, während ich möglichst unauffällig auf dem Fußweg vorbei schlich.

Die Weserrunde wird in Gruppen von ca. 10 Fahrern alle 2 Minuten gestartet. Ich melde mich an, bekam meine Startzeit 5:58 hr für die letzte 300er Gruppe und aß noch ein paar Brötchen. Dann verhandelte ich über das Depot meines Gepäcks, und bis ich dann am Start war war es 6 und ich pfuschte mich  in die erste 250er Gruppe rein. Nun hätte ich ja schön schnell fahren müssen, um ein paar 300er einzuholen, aber ich musste erst einmal in der Gruppe bleiben, damit ich überhaupt etwas sah. Denn: Kein Licht. Und außerdem ist diese RTF so gar nicht beschildert. Ohne Garmin oder Karte läuft da nichts. Klar, irgendwie geht es immer die Weser lang Richtung Süden, aber der Weg ist nicht gerade selbsterklärend. Und so hatte ich am Ende 320 km auf dem Tacho, weil ich die sehr seltene 320er Streckenvariation gefahren bin mit kurzen Ausflügen in Sackgassen, Schotterwege und andere Labyrinthe. Das ist keine RTF, sondern eigentlich eine Landesverbandzielfahrt.

Viele andere hatten das gleiche Problem. Und fluchten auf ihren Garmin, da der die Strecke nicht fand, oder wieder abgestürzt war, oder ihm am Ende der Saft ausging. Ich habe gerade noch einmal meinen Bericht von 2014 gelesen. Im Prinzip das gleiche Problem. Die Benutzung eines Garmins ist immer noch mit extrem vielen Risiken verbunden, warum ist das nicht so einfach wie bei einem Tomtom im Auto? Warum braucht man immer noch eine dreijährige Ausbildung zur IT-Fachkraft, um so ein Ding bedienen zu können? Ich hätte ja schon ganz gerne eins, die Aussicht bei MS-DOS wieder anfangen zu müssen schreckt mich ab. Ich fahre Rad weil ich eben nicht noch mehr Zeit am PC etc. verbringen will um den Garmin einzustellen oder ein Update auf die Di2 zu spielen.

Also blieb ich erst einmal in der Gruppe, die allerdings mit 28 bis 30 so vor sich hin kroch. Ich konnte aber nicht weg, denn: Kein Licht, kein Garmin. Das war  jetzt ganz anders, als 2014. Da hatten wir eine Reihe gut programmierter Garmins und schneller Jungs, so dass wir gut Strecke machten. Zum Glück ist wenigstens die Sonne nicht von Garmin Ingenieuren programmiert worden und langsam wurde es hell.

Eine schnellere Gruppe überholte uns und ich schloss mich dieser an. Das machte einige etwas riskante Rennmanöver erforderlich, sehr zum Unwillen einiger Frauen im Feld die gleich anfingen rumzuzicken, als ich sie schmitt-mäßig rechts überholte. Das brachte aber alles nichts, denn nach 2 km hatte jemand in der Gruppe einen Platten, die anderen warteten und ich kam wieder zurück in meine alte Gruppe. Mit der fuhr ich zusammen bis zum ersten Kontrollpunkt an diesem Campingplatz hinter der Gipsfabrik in Bodenwerder, die durch ein Zeitloch samt holländischen Campinggästen, aus dem Siebzigern gefallen ist.

Die Pause machte ich kurz, und ging dann mit einer schnelleren, kleineren Gruppe raus.

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Keiner hatte einen funktionierenden Garmin, aber einer, der rot-blaue, erzählte, dass er aus der Gegend kam und sich auskennen würde. Das stimmte so halb.Ich sag jetzt mal nicht, welche Hälfte. Wir blieben zusammen bis zum nächsten Kontrollpunkt in Holzminden an der Hafenbar.

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Und auch darüber hinaus, wobei sich in Holzminden ein weiterer Fahrer zu uns gesellte, der mir allerdings nicht seinen Namen verriet. Da er im weiteren Verlauf relevant wird, nenne ich ihn einmal Racer Y. Das ging jetzt gut vorwärts, bis nach Bad Karlshafen. Dort wollten Racer Y und ich an der Weser lang fahren und merkten nicht, wie die beiden anderen die richtige Straße nahmen. Unser Weserweg wurde immer enger und schmaler. wir überholten eine Gruppe von Rentnerradlern  und dann gab es eine Linkskurve, der Weg führte durch einen ca. 1,5 m hohen Tunnel unter der stillgelegten Bahn dann war da nur noch Schotter. Also zurück, vorbei an den Omas, zurück auf die richtige Straße. Und als wir nach einer Viertelstunde etwa wieder gut Strecke machten, wer tauchte da vor uns auf der Straße auf: Die Rentnerradler! Wären wir nämlich nur 50 m weiter den Schotterweg gegangen, so hätten wir auch die Hauptstraße erreicht.

Es gab noch ein paar weitere Schleifen, aber jetzt lief es, die Strecke war recht klar und Racer Y und ich machten ordentlich Tempo.So kamen wir nach Hemeln.

Hemeln, das wissen nicht viele, unterscheidet sich nicht großartig von Hameln. Im Namen nur ein Buchstabe und die Stadt hat sogar ihr eigenes Märchen, „Der Rettichfänger von Hemeln.“ Leider ist dieses Märchen sehr, sehr langweilig, denn wie man sich einfach vorstellen kann, ist es wesentlich aufregender Ratten zu fangen und die Stadt von dieser Plage zu befreien, als Rettiche, die eigentlich nur willenlos auf dem Feld rumliegen. Und so kommt es, dass Hameln heute berühmt ist und Hemeln niemand kennt. Außer natürlich Rettichfreunden.

Um Viertel vor 12 erreichten wir den Verpflegungspunkt am THW in Hanoversch Münden, der Hälfte der Strecke. Das Essen war von bekannter Güte und zugeschnitten auf Katastrophenopfer, deren Besitz gerade in Flammen aufging oder die Weser hinunter gespült wurde. Ich unterhielt mich mit Racer Y über die RTFs, die wir bislang so gefahren sind. Er: Ötztaler, ich: Transalp. Racer Y war übrigens ein guter Fahrer, sehr gleichmässig, schlank und drahtig und schnell am Berg. Unser Gespräch kam auf die Cyclassics, von denen er nur schlechtes gehört hatte. Es ist irgendwie lustig, diese RTF-kulturelle Voreingenommenheit gegen Rennen immer wieder zu hören: Keiner ist je mitgefahren, aber alle haben schon einmal von anderen gehört wie schlimm solche Rennen sind und welche Honks da mitfahren, das ist auch bereits anderen aufgefallen. Das ist ähnlich wie diese Geschichten über den Freund der von einer Spinne gebissen wurde, dann schwoll der Arm dick an und als der Arzt das aufschnitt, krabbelten ganz viele kleine Spinnen aus der Wunde. Habe ich bestimmt zehn Mal gehört von zehn verschiedenen Freunden, die alle schwörten, dass es jemandem passiert ist den sie kennen. Auf englisch nennt man so etwas „urban legend“.

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„Boh, die Cyclassics, da fahr ich nicht mit, ich bin ja nicht lebensmüde..:“

Dann kamen auch unsere beiden anderen Mitfahrer an, der eine erwischte mich auf der Toilette, schaute mich vorwurfsvoll an und meinte, ich wäre ja wohl nicht die korrekte Strecke gefahren. Er hatte so diesen Blick drauf, wie mein Vater, als ich ihm 1981 beichten musste, dass ich im Supermarkt beim klauen erwischt wurde. In diesem Moment hatte ich als RTF Fahrer in seinen Augen  versagt.

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Katastrophengeräte des THW

Wir machten uns dann zu zweit auf den Rückweg nach Rinteln auf der westlichen Weserseite. Das ging sehr gut, wir fuhren im 32-35 km/h Bereich, wechselten uns vorne ab und überholten die eine oder andere Gruppe. Da wir keinen Plan hatten, wie wir zurückfahren mussten blieben wir im wesentlichen auf der Bundesstrasse. Plötzlich wurden wir von einem deutschen U-Boot torpediert! Ich ahnte nichts böses, aber das Torpedo schoss um Haaresbreite links an mir vorbei. Als ich genauer hinsah, bemerkte ich, dass das kein Torpedo, sondern dieses Liegerad vom THW war. Es hätte aber auch ein Pokemon sein können. Oder sich bewegender Strassenbelag. Mein Gott, die Dinger sind schnell und geräuschlos. Am Berg holten wir es immer ein, in der Abfahrt schoss es an uns vorbei.

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Unterwegs mit Racer Y. Den dicken Rhein-Energie Fahrer vor uns haben wir gleich darauf abgehängt.

Die westliche Seite ist weniger schön, aber deutlich einfacher zu fahren. In Gieselwerder machten wir uns nicht die Mühe den Verpflegungspunkt zu suchen und fuhren die ersten 60 km durch bis nach Höxter, wo wir an einem Netto Pause machten.

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Kosumosu blühte bereits am Strassenrand

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Teilweise fuhren wir auf den Radwegen und wir hielten an allen roten Ampeln. So langsam ging mir dann die Luft aus; wir waren bereits 200 km unterwegs, hatten noch mindestens 110 vor uns und Racer Y fuhr jetzt deutlich mehr vorne als ich. 200 km ist für mich so eine Grenze, darunter macht es Spaß, darüber an sich nicht.

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Nachdem es jetzt definitiv nicht mehr dunkel war, fiel mir auf, dass ich noch etwas anderes komplett vergessen hatte: Sonnencreme. Daran ist natürlich dieser völlig bescheuerte Sommer Schuld. Ich hoffte, dass meine Haut das irgendwie abkönnen würde und lag damit auch nicht falsch.

In Polle verpassten wir die nächste Verpflegungsstation und damit vermutlich auch den leckeren Kuchen. Und in Hehlen stellten wir dann fest, dass wir die Abzweigung in die Berge verpasst hatten. Das war doof, denn die sogenannte „Alternativstrecke“ an der Weser ist ziemlich schlimm und außerdem auch länger als der Weg durch die Hügel.

Also versuchten wir irgendwie mit Racer Y’s Iphone herauszubekommen, wie wir wieder auf die Strecke kommen würden und bogen dann in Hehlen ab, um uns auf den Anstieg zu machen.

Auf einmal bekam ich einen Klaps auf den Hintern und erschrak total – Racer Y war wieder da :D. Ich hätte nicht gedacht, dass ich ihn nochmal sehe, bis ich ins Ziel komme. Jetzt ging es zu zweit weiter. Ich stöhnte bei jeder kleinen Steigung und ärgerte mich wahnsinnig, dass mir schon wieder etwas wehtat. Aber wenigstens hatten wir keinen Gegenwind mehr – das war schon mal was….

Racer Y versuchte glaube ich 2 Mal mit mir zu sprechen – Ich war aber schon in einem „Zustand“ in dem ich keine Lust mehr hatte zu sprechen. Ich sah nicht mehr viel von der Strecke. Ich konzentrierte mich nur noch auf die Hinterräder und den Popo von Racer Y.“

Ich habe das aus einem anderen Blog, äh, übernommen, weil mir jetzt auch nichts besseres zu schreiben einfällt.

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Oben auf dem Hügel war es aber Klasse. Wir thronten über dem Wesertal und unten dampfte das Atomkraftwerk Grohnde lustig vor sich hin. Das ist das zweite AKW an dem wir vorbeikamen, auf der anderen Weserseite befindet sich das bereits abgeschaltete AKW Würgassen. Ich hatte das des Namens (Würg Assen) immer in Baden-Würgenberg vermutet – auch dies ein Vorurteil.

Jedenfalls finde ich das AKW Grohnde richtig schick, denn mit seinem runden Kuppelbau und den beiden Kühltürmen sieht es aus wie ein klassisches, deutsches AKW meiner Jugend (und da denke ich automatisch an SYPH). Man wächst auf, sieht ein AKW und denkt: „Aha, so sieht also ein AKW aus!“. Oder Krankenhäuser: Krankenhäuser haben gefälligst so auszusehen, wie das Bethesda, das Maria Hilf, oder das Franziskushaus in Mönchengladbach. Oder ein Bahnhof muss irgendwie so eine klassische Front haben. Dann kam ich nach Japan. Dort sahen AKWs dann so ganz anders aus.

Richtig in Deutschland

Komplett falsch in Japan

Ich meine, das hätte ebenso gut eine Schuhfabrik sein können, oder ein Hochregallager für Tchibo. Und die japanischen Krankenhäuser?

Richtig. Alt und dann Anbau.

Falsch.Komplett falsch.

Sahen irgendwie aus wie Bürogebäude. Oder nehmen wir eine Uni – die Unis sahen auch aus wie Bürogebäude, teilweise auch die Hotels. Und sogar Bahnhöfe sahen aus wie Bürogebäude.

Japanische Uni (Meiji, Tokyo)

Japanisches Hotel (Washington, Tokyo)

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Japanischer Bahnhof (Nagoya)

Mit anderen Worten, quasi jedes moderne, große Gebäude in Japan sah aus wie eine post-moderne Kiste mit ein paar angeflanschten anthroposophischen Rundungen. Man weiß ja heute, wo das alles herkommt: Aus Aachen, genauer gesagt von einem Aachener, Mies van der Rohe.

War im Bauhaus (ich meine jetzt nicht einen dieser Baumärkte) und emigrierte dann in die Staaten, wo ihm die Amerikaner zu Füßen lagen und er in der Folge eine postmoderne Schachtel nach der anderen hinsetzte: International Style (Lustigerweise interntional style. Diesen Begriff gab es in Japan schon im 19. Jahrhundert, für Häuser, die nicht im japanischen Stil gebaut wurden. Was Basil Hall Chamberlain in „Things Japanese“ 1890 zu der Bemerkung veranlasste: „It is called international style, because it is foreign to any national style.“)  . Setzte sich dann auch in Tokyo durch, oder vielleicht auch gerade, da man da nicht viel falsch machen kann, was gut ist für jeden extrem risiko-aversen Japaner. Das kann man alles im Detail bei Tom Wolfe: „From Bauhaus to our house“ nachlesen. Ganz ehrlich, das ist eines der besten Bücher aller Zeiten. Wirklich und ehrlich.

Seagram Building, Chicago 1958: Die allererste postmoderne Schachtel. Von Mies van der Rohe.

Und das schreibe ich jetzt nicht, weil ich mich als Bauingenieur über Architekten lustig machen will. Jetzt sollte ich deshalb an dieser Stelle, aber noch etwas gutes zum Ausgleich über die Architektur in Japan schreiben. Nachdem ich ja nun den Eindruck hinterlassen habe, dass alle Gebäude in Japan in etwa gleich aussehen (was in etwa stimmt), muss ich aber auch zugeben, dass es daneben in Japan die  irrwitzigsten modernen Gebäude überhaupt gibt.

Dies hier, ein sehr bekanntes Beispiel, ist keineswegs ein AKW, sondern das Gebäude von Fuji Television (etwa RTL aus japanisch).

Und das war hier einmal eine Bierhalle von Asahi Bier.

Und dieses tolle Kindermodengeschäft war so etwa 500 Meter von meiner Wohnung entfernt. Aber zurück nach Aerzen, wo wir in der Zwischenzeit angekommen waren.

Aerzen – nicht ganz so verrückt wie Tokyo.

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Hier ging es jetzt hoch und runter und so langsam dem Ziel entgegen. Und endlich hatten wir die Stadtgrenze von Rinteln erreicht.

Prima, jetzt endlich chillen, ein bißchen mit Racer Y über die Großartigkeit des gemeinsam Erlebten quatschen und dann ab in den Zug nach Hause. Wir fuhren die Einfallstrasse nach Rinteln rein und als wie links abbiegen mussten zum Start, da rief mir Racer Y zu, der vor mir fuhr: „Ich fahr weiter geradeaus zum Auto, Tschüss.“ Das war’s. Ich habe ihn nie wieder gesehen.

Jetzt könnte ich hier ja aufhören, aber so sind halt eine Menge RTF Fahrer – nicht besonders extrovertiert, bzw. an anderen Menschen interessiert. Er erinnerte mich an Klaus aus dem Bauingenieurstudium. Nun muss man wissen, dass die Bauingenieure sowie recht freudlose Gesellen sind. In den sieben Jahren in Aachen im Studium habe ich nur einen kennen gerlernt der lustig und kreativ war, Christian (wie der Entführte). Also im Prinzip sonst alle RTF tauglich. Jedenfalls nach einer Vorlesung gingen wir gemeinsam wieder Richtung Stadt und ich erzählte gerade den lustigsten Witz, den ich je gehört hatte. Ehrlich. Und ich war gerade bei der Pointe angekommen und schrie fast: „Und dann, dann sagt die Frau zum Arzt..“ Ich machte eine rhetorische Pause, und in dem Moment sagte Klaus: „Ich muss noch in die Mensa, Tschüss und bis morgen.“ Und weg war er.

Zugfahrt zurück? Lang. Müde. Dicke Beine. Diverse Stellen taten weh, von denen ich noch nicht einmal wusste, dass es dort Stellen gibt. Von Hannover bis Bremen sitze ich in einem Wagon mit ca. 20 jüngeren Punks. Deren Gequatsche ist ziemlich unerträglich, die Jungs sind besoffen und die Mädels sehen echt hässlich und fett aus. Sie machen die nicht- lustigsten Witze der Welt und ich bin zu müde um mir das Rad zu schnappen und durch den Zug zu gehen. Ich halte das tatsächlich die ganzen 90 Minuten zurück aus. Am Ende kocht das AAAdrenalin und ich habe seit langer Zeit mal wieder Lust auf eine Prügelei. Hm, die letzte liegt auch schon wieder fast zehn Jahre zurück. Doch davon ein anderes Mal.

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Summer fun is almost gone.

In der letzten Woche kam endlich der Sommer nach Bremen, nachdem die Wochen davor in erster Linie die Argumentation der Klimawandelverweigerer stützte.

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Ich fuhr am Samstag fast 100 km Richtung Süden, aber ich hatte Beine wie Pudding: Cyclassics, OBKM, Stabi Training- in dieser Woche hatte ich mich überanstrengt und wie mein Großvater sagte: „Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort“.

Das tolle am Bremer Sommer ist, dass man sich auf das Rad setzt, einfach 75 km fährt mit einem Schnitt von etwa 30 und damit nach weniger als 3 Stunden  bereits ordentlich Strecke gemacht hat. In Tokyo war das anders: Mit dem Zug raus, in den Bergen fährt man auch nicht schneller als einen Schnitt von 20 – 25 und so lohnt sich das ganze nur, wenn man den ganzen Tag unterwegs ist und 150er Touren fährt. Und damit ist der Tag dann auch komplett gelaufen, während ich hier um 14 Uhr wieder zuhause bin.

Heute ging es wieder in den Süden. Immer noch mit Puddingbeinen und immer noch im Sommer.

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Immer noch Pudding

Ich fuhr mal wieder da, wo ich am liebsten fahre: Auf der Strasse nach Dibbersen.

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Die alten Bäume spenden Schatten in der Sommerhitze, der Asphalt ist glatt und neu und kaum ein Auto zu sehen. Fährt man dann um die Ecke, kommt das Wahrzeichen von Dibbersen zum Vorschein: Ein Pferd auf dem Turm.

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Da vergesse ich dann auch leicht, das prinzipiell hier etwas fehlt: Berge.

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Über die Uesener Weserbrücke ging es rein nach Achim und von dort aus mit viel Rückenwind nach Embsen und Oyten. Auch ohne viel Anstrengung blieb der Schnitt hier über 40.

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Spaßeshalber versucht ich mich am Pestalozzihügel , aber da ging gar nichts. Zurück über den Hodenberger Deich überholte ich zwei Rennradfahrer, strengte mich an und kam schnell nach Borgfeld. Dort war gerade der Umzug der Schützengilde Borgfeld. Es sah nicht so aus, als wenn jemand der Beteiligten da Spaß dran gehabt hätte; der kommt erst dann wenn der Alkohol am Feuerwehrhaus fließt.

Zuhause angekommen, hatte ich gerade noch Zeit zu duschen bevor pünktlich am 16:32 Uhr das Ende des Bremer Sommers mit einem kräftigen Regenschauer eingeleitet wurde.

Danke Bremen für diese phantastische Sommerwoche.

Strava

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August Girls with Bikes.

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via Cycle Chic

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via Cycle Chic

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Humma

via Road Bike

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OBKM BKOM BOKM MOB K

OBKM ist die Abkürzung für „Offene Bremer Kriterium Meisterschaften“. Alle vier Buchstaben sind ebenfalls die Initialien meiner Vornamen und meines Nachnamens. Das nur so. Wichtiger: Heute fand der vierte Lauf in Heilshorn am Sachsenring statt.

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Den ersten Lauf hatte ich nicht mitbekommen, den zweiten vor einiger Zeit verpasst, weil ich bei der Arbeit sehr busy war. Den dritten Lauf vor zwei Wochen habe ich willentlich verpasst, denn das Wetter war echt mies. Aber heute war das Wetter großartig und im Büro war es extremst langweilig – es gab also leider keine Ausrede mehr nicht zum Rennen zu fahren.

Wie läuft so ein Kriterium- bzw. Punkterennen ab? Nun, zunächst es gibt einen technisch anspruchsvollen Rundkurs der in unserem Fall ein Viereck mit einem Umfang von 1,1 km war. Total flach, kaum Wind und die Kurven konnte man alle auch noch mit 40 Sachen durchtreten. Ein Kurs wie geschaffen für meine technischen Fähigkeiten. Der einzige Kurs auf der Welt der noch einfacher zu fahren ist dürfte Hitachi Naka sein; und da habe ich mal 2007 den sechsten Platz gemacht und bekam von einem japanischen  Busenwunder tolle Urkunden überreicht.

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Japanisches Busenwunder links, keine japanischen Busenwunder rechts davon.

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2007 in Japan kurz vor der Wiedervereinigung

Man fährt denSachsenringkurs in unserem Fall 25 Mal. Alle fünf Runden gibt es eine Punktewertung. Der erste Fahrer bekommt dann 5 Punkte, der zweite 3, der dritte 2 und der vierte einen Punkt; bei 25 Runden passiert das genau vier Mal. In der letzten Runde werden ebenfalls die besten vier Fahrer gewertet, allerdings gibt es dann die jeweils doppelte Punktzahl.

Meine bisherigen Erfolge in Punkterennen sind sehr, sehr bescheiden. 2008 war das erste Rennen der Saison in der JCRC Serie  (Japanese Cycle Racing Clubs Association) ein Punkterennen in Kawagoe und da machte ich den 30. Platz von 38 Fahrern. Und das letzte Rennen der Saison, NATS, war ebenfalls ein Punkterennen. An das Ergebnis kann ich mich nicht erinnern, es wird ähnlich gewesen sein. Ich bin zu schwer, um schnell zu beschleunigen und erreiche auch keine hohe Endgeschwindigkeit. Und meine Fahrtechnik ist auch nicht großartig, so dass ich nach Kurven oft Lücken zufahren muss, was wiederum Kraft kostet. Aber ich habe Ausdauer, bin zäh und ehrgeizig. Hoch motiviert und leistungsschwach fasst es zusammen.

Ich weiß nicht, warum diese Veranstaltung „Offene Bremer…“ heißt, denn Heilshorn liegt gefühlt in Norwegen. Ich musste erst mal 25 km mit dem Rad raus fahren. Als ich ankam, waren bereits 3/4 der Rennhasen vor Ort: Silke und Caro hatten sich als Streckenposten verdingt und Linda fuhr das Rennen mit. Organisiert wurde das ganze vom RSC Vegesack, der vor Ort mit professioneller Ausrüstung und Gerät vorgefahren kam.

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Voiture d’equipe

Kritisch muss ich hier allerdings anmerken, dass bereits zum Zeitpunkt des Startes die Lakritzdose verdammt leer war.

Ich fuhr noch ein paar Mal den Kurs ab. Von der letzten Kurve bis zum Ziel waren es etwa 180 Meter – zu kurz um den Sprint nach der Kurve anzuziehen für mich. Ich musste also auf der Geraden zuvor schauen, dass ich aktiv werde.

Das erste Rennen war dem jüngeren Nachwuchs vorbehalten: 15 Runden: ein Junge gegen ein Mädchen. Das Mädchen gewann die Frauenwertung, der Junge die der Männer, wenn ich das richtig behalten habe.

Ich quatschte gerade mit Linda über einkaufen in China und Mama-chari Grand Prix Rennen in Japan als wir auch schon an den Start mussten. Insgesamt waren wir acht Fahrer. Und ich wollte gerade den Faden der Unterhaltung mit Linda wieder aufgreifen, als der Rennleiter so beiläufig sagte: „Und los geht’s.“

Natürlich war ich kalt. Die anderen irgendwie nicht. Oder nicht so kalt wie ich. Jedenfalls ging es gleich ordentlich schnell los und ich dachte nur, hm, das wird gar nicht lustig heute. Ich hatte doch ziemlich Mühe dran zu bleiben und wurde nach hinten durchgereicht. Aber irgendwie ging es dann doch. Als die Glocke die 5. Runde einbimmelte wurde das Feld auf der Gegengerade langsamer. Ich hing so etwa in 4. Position und wartete darauf, dass jemand den Sprint anzieht hinter den ich mich klemmen konnte. Das passierte dann auch, aber es war keine gute Idee, denn da riss gleich eine riesige Lücke auf und ich kam erst als 5.und somit ohne Punkte ins Ziel.

Dann machte Frank Stephan (Name geändert), mit dem ich zwei Mal zusammen den Giro Dolomiti gefahren bin und mit dessen Familie ich in Eppan Abendessen war und der mich trotzdem nie grüßt, geschweige denn erkennt (das musste jetzt doch noch einmal gesagt werden) einen Ausreissversuch, als wir anderen gerade müde vom Sprinten waren. Eine clevere Idee, denn keiner von uns hatte Lust vorne Führungsarbeit zu machen und ihn einzuholen.  Nach drei Runden fuhr ich dann die Lücke zu ihm zu. In der letzten Runde wurde es wieder deutlich langsamer und als wir durch die vorletzte Kurve gefahren waren und so ca. 250 Meter vor dem Ziel zog ich kräftig an und links am Feld vorbei. Ich kam als erster aus der Kurve, sah aber auch die Schatten der anderen hinter mir. Dann flutschte mir der Gang raus, aber immerhin schaffte ich meinen ersten Punkt jemals auf dem vierten Platz. Es ging also doch.

In Runde 10 vor Schluss machte ich es ganz genau so noch einmal, zog aber den Sprint noch einmal 30 Meter früher an. Wieder kam ich als erster aus der Kurve und spurtete auf die Ziellinie zu und dieses Mal wurde ich nur noch von einem Fahrer überholt. Dabei hatte ich auch alles gegeben und als der nächste Ausreissversuch kam konnte ich nicht mehr parieren.

Runde 5 vor Schluss fuhr ich einen lustlosen Sprint. Am Ende versuchte ich es noch einmal halbherzig, aber da zwei Fahrer ohnehin bereits vorne weg waren machte das auch nur wenig Sinn. Aber immerhin, gesamt 4 Punkte. damit hätte ich nicht gerechnet.

Was habe ich daraus gelernt?

Nun in dieser Konstellation sind Kriteriumsrennen gut fahrbar. Die Teilnehmer waren alle technisch sicher und fuhren wenig aggressiv, ich hatte keine Angst da auf die Fresse fallen zu müssen. Je länger das Rennen dauerte umso mehr Kurven wurden auch bei höheren Geschwindigkeiten komplett durchgetreten. Oder anders ausgedrückt: das Rennen hätte ich auch auf einem Fixie ohne Bremsen fahren können.

Dadurch, dass das Feld auch wieder langsamer wird, kann wieder Anschluss gefunden werden, wenn man vorher rausgefallen war. Und hat somit immer wieder eine Chance am Sprinten teilzunehmen, was sehr motivierend ist. Ist eigentlich ein wenig ähnlich wie Intervalltraining und gut für die Tempohärte.

Übrigens, kurz nach dem Rennen konnte ich eine interessante Beobachtung bei den Teilnehmern machen: Je jünger der Fahrer, desto roter die Birne. Wolfgang „Tiger“ H., Baujahr 1943 war quasi kalkweiß, während Linda „Kolibri“ glühte wie fliessendes Lava.

Zuletzt und mit anderen Worten, ich hätte mal besser weniger Respekt davor gehabt. Insofern kann ich nur jedem empfehlen, der sich in etwa auf oder über meinem Niveau befindet (im Prinzip also 95% aller RCB Mitglieder, ach quatsch, der Menschheit!) da mitzufahren. im besonderen möchte ich das mal Thomas Voss ans Herz legen. Ich hätte schon viel früher damit anfangen sollen. Was Linda und ein paar andere getan hatten, denn es folgte die Siegerehrung für den Gesamtsieger der 4 Läufe. Und da fand sich Linda auf dem dritten Platz wieder.

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Es gab alkoholfreies Bier und Blumen.

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Gesamtsieger OBKM: Wolfgang H. (oder so), 2. Platz: Wolfgang H. (sind, glaube ich, Zwillinge.), 3. Platz: Linda Wolfgang

Ja, es hilft in Bremen ungemein, wenn man Wolfgang heißt. Übrigens genau wie mein Onkel, Wolfgang Adolf Krähe, geboren 1940. Mein Großvater erzählte ihm später, dass er seinen zweiten Vornamen von einem sehr entfernten Großonkel bekommen hat, der dann leider aber im Krieg verstarb. Im Prinzip ist das ja auch nichts anderes als der Kevin und Mandy Effekt heutiger Tage.

Danach fuhren dann die richtig guten Jungs. Und Carolin Schiff. Sie wird schon mal schnell übersehen. Das war ein sehr dichtes Feld mit ca. 30 Teilnehmern.

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Die richtig schnellen Jungs. Auf dem Foto ohne Carolin Schiff.

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Da gab es dann eine Dreiergruppe, die sich zunächst absetzte und dann das Feld überrundete. Sehr cool. Aber die Lakritzdose war leer, ich hatte Hunger, ich musste nach Hause. Bis zum nächsten Mal bzw. Jahr. I ‚ll be back.

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Ach so ja: Ich bin übrigens letzter geworden im 4. Lauf. Egal, ich war trotzdem zufrieden. Da nächste Mal versuche ich es mit dem Moulton TSR zu fahren, da könnte ich in Kurve und Beschleunigung einige Vorteile haben.

Ich hätte noch den Wunsch an die Organisatoren mich in der Gesamtwertung zu platzieren, damit meine drei Punkte aktenkundig werden.

Strava

Danke an die Organisatoren. Wir hätten nicht so viel Spaß im Leben, wenn es nicht Menschen gäbe, die uns das auf Kosten ihres eigenen Spaßes ermöglichen würden.

 

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Italien vs. Taiwan.

Noch ein sehr guter Artikel von Cycling Tips über das Rad-Business, wenn auch überlang. Das Wesentliche könnte auch gut in einem Drittel des Textes ausgedrückt werden. Es ist tatsächlich so, dass ich aus rein emotionalen, nicht logischen Gründen alte italienische Stahlrahmen von Basso, Olmo, Viner etc. toll finde und dass mich neuere Modelle der gleichen Marken nicht reizen. OK, vielleicht ein De Rosa King XS, weil es orange ist?

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Die Entscheidung etwa alle fünf Jahre ein neues Carbonrad zu kaufen mit dem ich dann mit Anstand die meisten Kilometer (wenn auch nicht die meisten Fahrten) im Jahr zurücklege ist eine der wichtigsten und eine der Vernunft. Und die Vernunft sagte das letzte Mal „Canyon“ und wird es dieses Mal wieder sagen. Die Emotion sagt dann „Bring’s zum Lackierer und mach was schickes draus“.

What does the future hold for Italian bike brands?

by Cam Whiting, August 22, 2016

It seems that whenever mainstream media talks about road bikes, Italian brands feature frequently as the ultimate representation of our aspirations while, in contrast, those from Taiwan are suggested as affordable stepping stones to something better.

But despite powerful brand narratives – spanning over 130 years in Bianchi’s case – virtually all famous Italian brands have pivoted to Taiwan (or further afield in Asia) for manufacturing purposes.

So here’s the question: can the premium coverage (and often premium prices) that Italian brands command over their Taiwanese counterparts be justified?

Of course, there’s much more to consider than simply where a bike is made. We take a closer look at the pillars on which the Italian brands’ narratives have been built, explore the rise of Taiwanese brands and talk to industry leaders on either side of the divide to see if there’s a clear answer.


THE THREE PILLARS OF LEGACY ITALIAN ROAD BIKE BRANDS

#1 – CRAFTMANSHIP

Italy’s proud tradition in manufacturing – it has for a long time been only second to Germany in terms of its contribution to European output – is a powerful, tangible, asset.

It certainly does no harm for a bicycle company to be based in a country awash with esteemed producers of wheel- and drivetrain-based performance brands like Ferrari, Ducati, Pirelli, Lamborghini, Maserati, Alfa Romeo, Aprilia, and so on.

To be ‘Made In Italy’, according to Italy’s official tourism body, is to “symbolize the excellence of Italian artisanship and manufacturing. Italian products bearing the prestigious Made in Italy title are highly-coveted the world over – for their integrity and durability, design originality and creativity.”

A sense of exclusivity also lifts the appeal of road bikes emblazoned with il Tricoloreand the words ‘Prodotto Italiano’. Using the basic metric of production output, it should logically be much harder to source a road bike bearing the Italian flag and ‘Made In Italy’ mark than one originating from Asia – even though legal use of both elements only means the bike has undergone “substantial transformation” in Italy.

#2 – PRO CYCLING CUSTODIANSHIP

An enduring relationship with professional road cycling lends heavily to the formidable appeal of Italian bicycle brands. Names like Bianchi, Bottecchia, Carerra, Colnago, De Rosa, Moser, Pinarello and Wilier have all enjoyed visibility in the world’s most prestigious races thanks to scrupulous attention to sports marketing.

Although a few French brands such as Gitane, Look and Time occasionally enjoyed similar levels of cachet, there was otherwise little competition at the top of the road bike food chain.

Visibility of Italian brands in pro cycling peaked in 2002 at the 89th Tour de France; of the 21 teams that started, nine were supplied by Italian firms – namely Pinarello (three teams), Colnago (two teams), De Rosa (two teams), Fondriest and Carrera (each with one apiece).

#3 – ‘ITALIANNESS’’

A strong ‘nation brand’ wields enormous influence over what consumers are prepared to pay for a given product, particularly in a luxury segment like high-end road bikes. Countries possessing and extolling what we believe to be desirable values are viewed favourably over those who do not.

History, style, passion and creativity are examples of characteristics associated with Italy that have been successfully translated into highly desirable objects for centuries.

But although ‘Italianness’ may be thought of in a proprietary sense, the values that typify Italian culture are also associated with other Latin European countries and can only be leveraged so much.

In summary, adroit leveraging of these three pillars has seen Italian road bike brands gain unrivalled levels of distinction amongst consumers and win fawning praise from media.

TAIWAN TAKES ON ITALY AT ITS OWN GAME

It wasn’t until the final decade of the 20th century that Italian ownership over the premium road bike segment started to appear vulnerable when Taiwanese entities started heavily investing in sports marketing and specialist manufacturing expertise.

Giant burst through the Euro-centric pro cycling bubble in 1997 with its sponsorship of the Spanish ONCE squad, following a pioneering half-million dollar deal struck between American brand Cannondale and Italy’s Saeco team the previous year.

Like Cannondale, Giant supplied its team with a lightweight aluminium bicycle that was also innovative. The sloping top-tube ‘compact’ design of Giant’s TCR was an affront to the horizontal double-triangle geometry promoted by the stubbornly-traditional Italian marques.

GT (Lotto – Adecco), Specialized (Festina – Lotus) and Trek (US Postal) all followed Giant’s push into the pro peloton, further ripping apart the status quo.

THE MANUFACTURING ‘A-TEAM’

As the brand optic within the pro cycling sphere was diversifying, the manufacturing frontier which fed into it was shrinking.

It started with American brands offshoring production of so-called entry-level road bikes to manufacturers in Taiwan. Factories with aluminium fabrication expertise, such as Giant, Hodaka (partially owned by Giant), Ideal and Merida were the main beneficiaries of this vast transfer of production.

To capitalise on the influx, Taiwan’s two biggest bicycle manufacturers, Giant and Merida, formed the ‘A-Team’ in 2002; the peak year of pro team sponsorship by Italian brands.

Along with 11 other parts suppliers with roots in the Taiwanese bicycle industry, the A-Team was established to ensure Taiwan would maintain its status as the preferred destination for ‘innovation value’; namely, advanced fabrication using high-end materials with production systems expertise borrowed primarily from the Japanese automotive sector.

Every benefit of the manufacturing ecosystem the A-Team oversaw – comparatively low labour cost, control over raw materials, proximity to parts suppliers, increasing expertise in composites – proved irresistible to US brands not already producing in Asia.

ITALIAN RESISTANCE WEAKENS

With a decades-long legacy of road bike manufacturing to preserve and protect, prestige Italian brands initially resisted offshore production, but their racing bikes were expensive and the Italian economy had been stagnant since the early 1990’s.

Colnago was the first to blink, at least publicly.

On 25 February 2005, Colnago issued a press release headlined ‘Colnago Chooses Dual Sourcing Strategy To Serve Global Markets’ which stated that “all high-end Colnago bicycles (were) to be Made in Italy” while “mid-range complete bicycles (were) to be produced in Taiwan for 2006 Model Year.” Furthermore, the Italian marque with 53 years of manufacturing history in Italy would join the A-Team as a “sponsor member”.

“This is a major step forward for the Italian bicycle industry”, stated company founder Ernesto Colnago in the communication. “At this point in time, in Italy, and in Europe it is unfortunately no longer feasible to cost-effectively manufacture mid and low end bicycles. At Colnago, we understand that it’s important for people who are buying their first racing bicycle, or don’t have a lot of money, that the bicycle they buy offers the best performance and value for their money. This is what our customers have been asking for.”

DEFEATED

Colnago’s founder continued to frame the announcement as a product of long-term planning rather than an admission his company felt there was no other option than to begin taking production offshore. The announcement shocked Colnago’s most die-hard fans, though nobody in the bicycle industry was surprised. To Ernesto Colnago’s credit, he was frank with his customers in a communiqué published only two months later.

“Of course, a few years ago, I would have never considered taking a partner in Taiwan,” he said in the Colnago April 2005 newsletter. “But now the time is right. I am the first Italian who has officially decided to move part of my production to Taiwan. So I’ve joined the A-Team because when I to do something, I always try to do it in the most serious and clearest way possible. I am not trying to hide anything here. Colnago wants to collaborate only with the very best Taiwanese companies.”

There was now no turning back and anyone in Italy who tuned into the Gran Galà Ciclistico Internazionale – Italian cycling’s version of the Oscars held every October since 1985 – on RAI Sport would have known it.

Though the Gala was conceived initially to celebrate Italy’s best professional cyclist, the Mondiale costruttori (World Manufacturer’s) prize was introduced in 2001. This was awarded to the bike manufacturer whose sponsorship across National and World Championships, Olympic Games and the WorldTour riders aggregated the most UCI points in one season.

In the first five years of the awards, Pinarello and Colnago each won the award twice, with Look winning once. Colnago’s last Mondiale costruttori win came in 2007 and Pinarello’s last in 2012 (ironically, courtesy of its sponsorship of British squad, SKY). North American brands Specialized and Cervélo won every other year until the final edition of the Gran Galà Ciclistico Internazionale in 2014.

ROMANTIC NOSTALGIA

In a little under two decades, two of the three important pillars of Italian bicycle manufacturing – endemic manufacturing expertise and sports marketing – had crumbled.

Bianchi (a long-time client of Giant and Hodaka who in 2012 also moved some of its production to Cambodia, beginning with a small trial order in November that year), Colnago and Pinarello (whose website once stated “Our frames are made in the Far East” in the now-absent FAQ section) were still present at last year’s Tour de France, but with one team apiece.

By comparison, five teams were supplied by US brands, while Giant and Merida (a relative newcomer to the WorldTour after squeezing out Wilier as supplier to the Lampre team) each supplied teams that they were co-headline sponsors for.

For those brands, it seems only Italianness remains – and few people are as unconvinced of its value as Merida’s VP William Jeng.

“It is just a perception, a romantic nostalgia,” states Jeng, when he’s asked to explain the perception that Italian brands are for the true cycling connoisseur. “The reality is whilst the brands may be Italian, the vast majority of product is Far Eastern.

“Looking at some of the scientific testing that Tour magazine in Germany do to discover the best performing bikes, the Italian brands are absent. Again, the issue (is) defining when a bike is Italian and when it simply wears an Italian name. Pricing of Italian brands in the market usually carries a premium for the nostalgia rather than the technical performance of the product. Value for money wise a Merida will offer much better performance.”

When asked exactly what Merida (which also holds a 35% stake in Specialized) does better than any Italian brand, Jeng pulls no punches: “Manufacture bikes.”

ITALIAN PRIDE

Unlike its fellow A-Team founding member Giant [CEO Tony Lo pulled out of a scheduled interview] Merida has nothing to lose from issuing such blunt assessments. It has no Italian clients.

“We respect everybody’s opinion, but we are not willing to judge other companies’ performances,” wrote Alex Colnago, when informed of Jeng’s comments. “We are proud of what we do, and keep doing it in the best possible way.”

Pressed further, Alex, Colnago’s Manager and nephew of Ernesto, politely declined to offer additional comments on the views of Merida’s VP; although he did respond to claims made online by several self-described industry commentators that Giant has a stake in Colnago, saying “Colnago is still fully owned by the Colnago family, and it will be like that for a very, very, long time.”

THE IMPORTANCE OF COMMUNICATION

Fortunately for the Italian road bike brands who have off-shored a significant portion of their production, Jeng’s hard-line views don’t resonate widely across major Asian markets where road cycling remains under-developed. Consumers in countries such as India, Indonesia and China may still be prepared to pay a premium for Fatto in Italiabicycles, however sentiment may turn as the conversation amongst enthusiasts about the products they use becomes more sophisticated and probing.

Italian brands who resisted offshoring are using their now uncommon status as a unique selling proposition, albeit with liberal amounts of rhetoric.

“Ask yourself; where did my bicycle frame come from?” reads a prominent passage on the home page of Tommasini’s website. “Did it come from a huge factory in a polluted Chinese city and by workers toiling for long hours at minimal pay? Or did your frame come from a small artisan shop where highly skilled craftsmen built your bicycle frame with care?”

Newcomers such as Scappa and Mario Cipollini’s eponymous brand MCipollini have avoided the generational change altogether, with both companies dedicating significant online copy to their domestic manufacturing approach. Scappa goes as far as re-producing its ‘100% Made in Italy’ certification – issued by the Institute for the Protection of Italian Manufacturers (partially funded by the Italian Ministry for Economic Development) – on its website.

For its part, Italy’s bicycle industry peak body appears to agree more communication is essential to preserve and protect an important economic asset, without explicitly stating what should be said.

“Besides its industrial value, the bicycle sector has great cultural importance. Our companies have written and keep writing cycling history at world level and we must narrate these success stories,” says Fulvio Acquati, of Italy’s National Association of Cycles, Motorcycles and Accessories (Confindustria ANCMA).

TIME TO CHOOSE?

For now, the only success stories are coming from Taiwan. Recent market reports from Italy showed that road bikes still accounted for 6% of the 1.6m bicycles sold in Italy in 2014, but imports from Taiwan have soared. In late 2015, Taiwan’s Ministry of Economic Affairs released Customs data showing that Q1-Q3 exports to Italy increased by more than 250% compared to the same period in 2014. It noted that Italy had become “a major potential market for the Taiwan bicycle industry.”

Keith Bontrager coined the phrase “Strong, light, cheap. Pick two” in the early 1990’s – ironically, when over-engineered (heavy) Italian bicycles were still apex products.

Bontrager’s ditty used to be regarded as a sacrosanct engineering truth but, thanks largely to the rise of Taiwanese brands, consumers are today able to secure all three elements in a much more competitive package than ever before.

Indeed, the road bike market has changed markedly in the past 20 years and most of the growth now accrues to Taiwanese producers.

Though opportunities still remain for legacy Italian road bike brands, it seems this depends on how far they’ve strayed from their heritage and whether or not they can recover an authentic narrative.

It might not be easy for the once-dominant Italians to take on giant Taiwanese manufacturers, but perhaps they can start by revisiting the three pillars – and pick two.

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