Archiv der Kategorie: 2017

OBKM Rennen Vier. Platz Eins.

Während irgendwo in Frankreich sich die Profis die Lunge aus dem Leib fahren und deutsche Hoffnungen eben diese gerade begraben, fand in Bremen der 4. Lauf der Offenen Bremer Kriteriumsmeisterschaft teil, bei dem sich junge Talente auf die Tor vorbereiten können.

Mit der deutschen Hoffnung meine ich Emanuel Buchmann, der aus unerfindlichen Gründen bei der ARD als Tour-Favorit gehandelt wird und vermutlich selber am meisten erstaunt ist, dass er regelmäßig nach dem Rennen interviewt wird.

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Yeah – und auf zum Sachsenring!

Mit jungen Talenten meine ich die vier Fahrer, die sich gestern auf dem legendären Sachsenring in Heilshorn einfanden, um wie jeden Monat im Sommer unter sich den besten und härtesten Seniorenfahrer (bzw. die härteste Frau) im fairen Kampf herauszufinden. Doch alles in der Reihe nach.

Ich fahre ja echt gerne Rad – aber nie die ersten zehn Kilometer. Bis ich mich umgezogen habe, auf die Kiste geschwungen und dann vor mich hin eiere, das kostet jedesmal so viel Willen und Durchhaltevermögen – vor allem nach einem langen Tag an der Hochschule, wo man so ziemlich das Gegenteil von Radfahren macht. Und zwar versucht Studis Spaß und Abenteuer am Hedging von Fremdwährungsrisiken beizubringen. „Im Gegensatz zum Surrealismus der Grundmetapher. Bäh, der Tod ist noch zu gut für sie.“

Ich war spät dran und von Westen zogen zudem auch noch Unwetter Richtung Bremen. Letztens, am 22. Juni gab es ja die selbe Situation als ich gerade Frau und Tochter zum Flughafen nach Hamburg fuhr, damit sie die Sommerferien in Japan verbringen konnten. Meine Frau hörte die Nachrichten im Auto und meinte „Fahr schneller, da ist bereits ein Hurricane in Scheeßel„. Ja, ja, und da im Norden brennen bereits die Deiche.

Am Haus am Walde traf ist Thomas V2 auf dem falschen Rad, aber ich musste mich beeilen, um noch rechtzeitig zu kommen. Und ich kam wirklich auf den letzten Drücker. Tim und Caro hatten sich heute heimlich zu einem Date in Zivil verabredet; zuerst habe ich die beiden nicht erkannt da sie sich extra auffällig in neon-gelb und rot verkleidet hatten. Aber dann sah ich das Canondäl Mars Hi Mod Schrott Evo Six Rad von Caro, auch kurz „Schrotti“ genannt.

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A girl and her machine – Schrotti.

Ein Rad das immer noch bei weitem nicht so alt ist, wie die Teilnehmer die heute im Rennen fuhren. Leider sollte das auch das einzige Bild bleiben, was ich an diesem Tag machte, ich muss mich also aus dem reichhaltigen Fundus des www bedienen, um die Eindrücke einigermaßen korrekt wiederzugeben.

Am Start waren heute die üblichen Verdächtigen die immer fahren: Wolfgang, der im Regelfall gewinnt; Kai, mit dem ich immer um Platz vier kämpfe; Marc, der … äh … mitfährt und ich.

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Start: Kai, Wolfgang, Marc und ich (v.l.n.r.)

Wegen des bevorstehenden Regens wurde das Rennen von 25 auf 20 Runden verkürzt. Aber es gab die gleiche Anzahl von Punktwertungen, nämlich fünf, also alle vier Runden.

Da vorne im Wind nicht mehr so oft gewechselt wird war klar, dass das Tempo heute ein wenig langsamer werden würde, zumal das Wetter auch recht drückend war. Wolfgang versuchte es bei der ersten Sprintwertung erfolgreich mit einem Ausreißversuch auf der Gegengerade. Ich versuchte hinterher zu powern, kam aber nicht mehr in seinen Windschatten. Kai jedoch kam in meinem und überholte mich kurz vor dem Ziel, also nur ein dritter Platz. Marc habe ich seitdem nicht mehr gesehen – bis zum Ende des Rennens, also ging es zu dritt weiter, was noch einmal anstrengender werden sollte.

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Der erste Print (also so in etwa)

Die Erholungsphasen sind ja dann auch kürzer, da wir ja nur vier Runden zwischen den Sprints hatten und ja auch noch dazu oft Führungsarbeit machen mussten. So kamen wir relativ langsam auf die Gegengerade in der letzten Runde und ich befand mich vorne, was immer eine ungünstige Position ist, da man von dort nicht sehen kann, ob einer der Hintermänner den Sprint anzieht. Ich entschloss mich relativ früh den Sprint selber zu beginnen, um nicht überrascht zu werden. Das klappte auch gut, ich kam als erster durch die Kurve auf die Zielgerade und konnte meinen Vorsprung bis zur Linie halten.

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2. Sprint, gefühlt etwa so.

Im sechsten Punkterennen, an denen ich bislang teilgenommen habe, war das das erste Mal, dass ich einen Sprint gewonnen hatte. Es war auch da erste Mal in 22 Sprints, dass ich Wolfgang schlagen konnte. Das lief also heute ganz gut.

Natürlich klappt da nicht immer. Beim dritten Sprint war ich auf der Gegengerade relativ lange vorne und machte innen auf. In der Kurve zogen Kai und Wolfgang an mir vorbei und ich war zu langsam, um an ihnen dranzubleiben. Zwar machte ich auf der Zielgeraden noch jede Menge Meter gut und am Ende war es knapp, aber es blieb wieder nur der dritte Platz.

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Der dritte Sprint: Knapp für alle.

So langsam wurde es eng. Es blieben jetzt noch zwei Sprints, der vorletzte in der Runde 16 und der letzte, der doppelt gewertet wird, in der 20. und letzten Runde. Zumindest hatte ich jetzt jede Menge Selbstvertrauen, da ich wusste, dass ich jeden schlagen konnte.

Ich habe keine Erinnerung mehr, was da genau passiert ist, aber es gelang mir den vierten Sprint wieder zu gewinnen. Das sah jetzt sehr gut aus, wenn ich den letzten Sprint auch noch für mich entscheiden könnte, dann hätte ich auch das Rennen gewonnen.

Mittlerweile fuhren wir echt langsam. Während das Durchschnittstempo sonst so zwischen 38 und 40 km/h liegt, waren wir jetzt bei 35 oder so. In der letzten Runde zog Wolfgang ähnlich wie in der ersten Runde den Sprint sehr früh auf der Gegengerade an, vielleicht 350 Meter vor dem Ziel. Ich war aber vorne, konnte relativ schnell reagieren und mir gelang es mich an ihn zu hängen, während Kai hinter mir erst einmal abreißen lassen musste. Durch die letzte Kurve kam ich auch sehr gut und konnte früh anfangen wieder zu treten so dass ich nicht viel Geschwindigkeit verlor und auf den letzten Meter dann Wolfgang überholen konnte. Wieder Erster. Nicht schlecht. Gesamt Erster. Noch besser.

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Zielfoto des Rennens – letzter Sprint mit Händen und Füssen

Irgendwie auch ungewöhnlich, denn in der letzten Zeit bin ich eher weniger Rad gefahren und fühlte mich nicht besonders fit. Aber um das mal hirstorisch richtig einzuordnen: Das war das erste Mal überhaupt in meiner Rennsportkarriere, dass ich ein Rennen gewonnen hatte. OK, da waren auch nur vier Teilnehmer, einerseits. Aber andererseits hat das auch fast 12 Jahre gedauert. Das erste Radrennen an dem ich jemals teilnahm war der Bike-Navi Grand Prix in Ashigara, Japan im November 2005.  Wie man auf dem nächsten Foto erkennen kann, war ich schon damals der Profi, der ich all die Jahre geblieben bin.

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Meine unglaubliche Leistungsstärke brachte die zuschauenden Frauen am Streckenrand fast um ihren Verstand.

Ich hatte nicht so viel Ahnung von Rennen und ich hatte auch gar keine Ahnung, dass das keine gute Idee ist ohne Peloton alleine in der Gegend rumzueiern. Letzter bin ich da zwar nicht geworden, aber großartig war es sicher auch nicht. Ich kaufte mir dann ein neues Rad (das macht man immer so, wenn es nicht klappt) und drei Jahre später war ich japanischer Meister in der D Klasse des JCRC (Japan Racing Cycling Club Association).

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Das klingt toll, aber ich glaube meine beste Platzierung in einem Rennen war da vielleicht ein 10. Platz. Die Meisterschaft schafft man vor allem durch viele Rennteilnahmen, nicht unbedingt nur durch gute Platzierungen.

Und in Deutschland kann man ja bei den Jedermannrennen nichts gewinnen. Beim Velothon in Berlin wurde ich einmal 21. in meiner Altersklasse (das war dieser Velothon der total verregnet war vor drei, vier Jahren) und das fand ich super. Dieses Jahr war ich 51. Gähn. Erster werden ist halt doch besser.

Nach uns starteten dann direkt die „Jedermänner“. Dieses Renn ist auch wegen der großen Teilnehmerzahl und deren Leistungsstärke deutlich schneller als unser Seniorending. Wie gesagt, es drohten Unwetter und ich machte mich auf den Weg, um schnell nach Hause zu kommen. Dort erzählte ich dann jedem in meiner Familie von meinem ersten Platz. So Opamässig – am Ende waren alle etwas genervt, aber ich war irgendwie … glücklich.

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31 Stunden Bahn. 50 km Radfahren.

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Ende letzten Monats habe ich meinen Job als „Professor“ an einer privaten Hochschule in Bremen aufgegeben und arbeite seitdem, für ein paar Monate, als …hm… „Junior Mechaniker“  im Radladen Wiegetritt in Lilienthal. Am Wochenende konnte ich mit Matthias, dem Besitzer, nach Österreich fahren um die neuen Cannondale Räder für 2018 zu testen.

Cannondale organisierte in Brand, südlich des Bodensees, ein Summer Camp für ihre Händler. Neben einer Ausstellung mit dem gesamten Angebot für 2018 gab es Produktschulungen und die Möglichkeit etwa 60 verschiedene Räder auf der Straße oder im Bikepark zu testen. Doch zunächst muss man da erst einmal hin.

Darf ich mal wieder das hohe Lied auf die Deutsche Bahn singen? Wenn alles gut gelaufen wäre, hätte ich in zehn Stunden in Österreich sein können. Tja, allerdings hatte mein Zug nach Stuttgart Verspätung, so dass ich nicht mehr den Anschluss nach Lindau bekam. Und von dort aus den letzten Zug nach Bludenz verpasste. Konsequenz: Ungeplante teure Übernachtung in Friedrichshafen und weiter am nächsten Morgen. Insgesamt 21 Stunden unterwegs für 830 km. Ein Sparangebot der Deutschen Bahn. Man spart wirklich alles: Spaß, Freizeit, Abenteuer, Gelassenheit, nur kein Geld.

Im Brandner Tal regnete es, das Wetter erinnerte mich an Bremen: Kalt, Nieselregen, windig und graue Wolken in den Bergen in Österreich. Kalt, Nieselregen, windig und graue Wolken in Bremen. Also erst einmal in die Ausstellung und Räder anschauen.

Das ist hier ja keine Werbeseite für Cannondale und soll auch nicht den vollen Umfang von deren Programm darstellen, das ja sehr, sehr breit ist. Stattdessen möchte ich lieber einige Räder zeigen, die meiner Ansicht nach gut aussehen und/oder technisch interessant waren.

Die Crosser

SuperX Force 1 SE. Carbon Rahmen mit einfacher, 11 Speed Force Gruppe. Sah farblich sehr gut aus. Schaut man beim fahren runter Richtung Tretlager, sieht das Oberrohr mächtig breit aus.

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SuperX Force 1.

Sehr ähnlich, andere Lackierung.

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Die Vernunft

Synapse Disc 105 SE

Alurahmen mit 105er Ausstattung und hyd. Scheibenbremsen. Soweit, so normal. Aber auch Aufnahmen für Schutzbleche hinten und vorne sowie einen Gepäckträger. Das Rad für das tägliche schlechte Wetter und den Weg zur Arbeit, wenn….

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….es doch nur diese Farbe hätte.

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Erinnerte mich in der Farbgebung stark an Canyon. Ein sehr guter Rahmen (siehe Fahrbericht weiter unten), wie gemacht für eine Campa Chorus mit Scheibenbremse.

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Am Nachmittag regnete es immer noch, aber egal, Lisa und ich machten uns auf , um Rad zu fahren. Wir bekamen ein Synapse H-Mod Disc Red eTap. Das Synapse ist das „Komfort Rad“ von Cannondale; die Hi Mod Version verwendet leichtere Carbonfaser und ist an dem Loch über dem Tretlager erkennbar.

Wir fuhren am Bike Park erst einmal um die Hügel, bevor wir uns auf die Abfahrt nach Bürs wagten. Ich war sehr angetan von der Leistung der hyd. Scheibenbremsen im Regen die im Regenwetter und im Gegensatz zu Felgenbremsen, direkt anfangen zu bremsen. Außerdem lassen sie sich auch besser modulieren als Felgenbremsen; ich war nur sehr unsicher wann die blockieren würden. Und deshalb fuhr ich da sehr langsam und vorsichtig den Berg runter.

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Hinter Bürs fuhren wir die alte Poststrasse auf der anderen Seite des Tales zurück nach Brand. Das Synapse fuhr sich sehr leicht, vor allem in Kombination mit der Kompaktkurbel vorne und der 11/32 Kassette hinten. Die eTap finde ich vorne super: Es ist viel einfacher und zuverlässiger vorne das Kettenblatt zu wechseln. Am Schaltwerk fehlt mir die Rückmeldung der Campa Schaltung. Ich möchte den Wechsel irgendwie mehr spüren, bei Campa gibt es da einen Ruck und richtig Krach.

Aber natürlich ist das ein sehr schönes Rad, keine Frage.

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Am zweiten Tag morgens hatte ich noch Zeit ein Super Six Evo Hi Mod (ohne Loch) mit Ultegra Di2 zu fahren. Ich wollte wissen, wie sich die Rahmen vom Fahrgefühl her unterscheiden, also ein Komfortrahmen, wie der Synapse, im Vergleich zu einem Rennrahmen wie dem Super Six Evo. IMG_1058

Zusammen mit Tobi aus Singen bin ich dann, diesmal bei trockener Strasse, die Abfahrt nach Bürs und wieder die alte Poststrasse nach Brand gefahren. Ich fand das deutlich schwieriger als mit dem Synapse. Das liegt aber vermutlich nicht am Rahmen, sondern an der Kombination von 52/36 vorne und 11/28 hinten. Komfortabel ist das Super Six Evo aus, ich sehe da nicht viel Unterschied um Synapse, auch von der Sitzposition her.

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Fazit: Scheibenbremse super, elektrische Schaltung eher nicht, aber wenn dann die eTap, die mir vor allem von der Bedienung deutlich besser gefallen hat als die Ultegra Di2. Synapse und Super Six Evo, sehr stabile Rahmen, die ich gerne noch etwas länger ausgetestet hätte. Kaum Unterschiede im Fahr- und Sitzverhalten.

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Dann, gleich im Anschluss wieder mit der deutschen Bahn zurück nach Bremen. Noch einmal zehn Stunden Fahrt, bei denen es zum Glück auch bleibt. In Hannover bietet die Deutsche Bahn ein umfangreiches Sportprogramm an: Ein ICE aus Berlin wird dort geteilt, die eine Hälfte geht nach Köln, die andere nach Hamburg. Nur leider ist der Zug nach HH nicht vorne, sondern ausnahmsweise mal hinten und der nach Köln nun vorne statt hinten. Massen von Menschen sprinten von vorne nach hinten, in der Mitte kommen ihnen die anderen Reisenden im Sprint entgegen, die von hinten nach vorne wollen. Kinderwagen kollidieren mit Koffern, Kinder schreien und Männer motzen. Medaillen werden heute nicht verliehen.

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Das Quiz. Die Gewinner.

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Puh, das muss ja schwierig gewesen sein, dieses Quiz, denn insgesamt gibt es nur drei Gewinner in der folgenden Reihenfolge.

Jörg

Konnte tatsächlich alle fünf Kultorte im Süden Bremens finden. Sogar die Bäckerei Hasselmann. Was am Heimvorteil lag, denn früher ging er um die Ecke zum Frisör. Herzlichen Glückwunsch zum ersten Platz.

Philipp

Auch bekannt als Lalle, Lulle, Blitzrad etc. – jedenfalls zu dem Zeitpunkt, als ich ihn kennenlernte. Und das war zu einer Zeit, als in Bremen Verabredungen zum gemeinsamen Rennradfahren noch mit Brieftauben über das Rennrad News Forum verschickt wurden und man froh sein konnte ein Treffen in der Woche zustande zu bekommen, bei denen dann fünf Leute mitfuhren. Heute kann ich ja alleine am Montag zwischen drei Ausfahrten wählen. Na ja, theoretisch zumindest, wenn die nicht alle so furchtbar schnell wären. Vier Richtige, Glückwunsch zum zweiten Platz.

Torsten Achtervogel

Fragte nach, ob es einen Trostpreis für drei Richtige gibt OHNE auch nur anzugeben, was er denn richtig hätte beantworten können. Das gibt auf jeden Fall einen Trostpreis, herzlichen Glückwunsch.

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Das Quiz.

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Heute gibt es etwas zu gewinnen; Einen wertlosen Preis, den ich noch nicht ausgesucht habe für denjenigen, der die Radpfade in den Süden Bremens am besten kennt.

Zur Einstimmung der Romantiker, von Hello Saferide: The Quiz.

Ich fuhr heute Nachmittag bei schönstem Kaiserwetter Richtung Süden. Es ist erst der 9. Juli und noch nicht der 30. Juli; an diesem Tag verstarb der Meiji-Kaiser 1912 in Japan und meine japanische Vermieterin, Morimoto-San erzählte mir einmal, dass seitdem an jedem 30. Juli, soweit sie sich erinnern kann, immer das schönste Wetter war. Heute war es auch nicht schlecht, vermutlich ist irgendein anderer Kaiser heute geboren worden oder verstarb.

Am Osterdeich waren Scherben ohne Ende; Hamburg mag sein G20 haben, Bremen hat die Breminiale. Echte Bremer, so erfuhr ich letztens, gehen da ohnehin nur am Mittwoch und Donnerstag hin. Am Freitag ist Friseusen und Spediteurstag und am Samstag und Sonntag fallen die Jugendlichen aus den umliegenden Dörfern dort ein.

Weiter draußen ging es aber. Ich fuhr zunächst nach Barrien, dann weiter über Okel nach Bruchhausen-Vilsen, eine Standardstrecke. In Bruchhausen fuhren zwei Triathleten von den Tri-Wölfen Stuhr vor mir; er dünn, sportlich, gute Waden aber keine Ahnung wo er war; sie im Triathlon Radoutfit mit Radhose ohen Träger, ärmelloses Trikot, Bauch- und Hüftfrei.

Ich fuhr relativ lange hinter den beiden und hatte Zeit und Muße Sie vor mir anzuschauen. Das Jersey war von Castelli und hatte hinten in der Mitte einen kleinen Aufdruck „Body Paint“. Kurz darunter schaute ein Ring nackter Haut hervor und exakt in der Mitte war ein kleines Muttermal. Keine Ahnung, wie die Frau sonst aussah, aber an dem Muttermal würde ich sie auch nicht in Radklamotten immer wieder erkennen.

Der Typ vorne machte gutes Tempo und sie gab die Kommandos wo er langfahren sollte. Sie schrie „Rechts“ und er drehte sich um und fragte „Was?“ „REECCCHHHHHTSSSS“. Als sie langsamer wurden dachte ich, OK, jetzt kannst Du ja auch mal vorne Dampf machen, aber die hingen sich nicht an mich ran, so dass ich nach kurzer Zeit schon einen guten Vorsprung herausgearbeitet hatte. Ich hatte aber keine Lust alleine zu fahren und mich von denen jagen zu lassen also bog ich schnell mal rechts ab, versteckte mich hinter einem Plakat und ließ die beiden Ahnungslosen vorbeifahren.

Über Schwarme, Morsum, Intschede und Daverden ging es auf die andere Weserseite und von dort über Etelsen und Achim nach Oyten und zurück nach Bremen. Schöne und relativ schnelle 115 km.

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Das Quiz

Ich fotografierte so einiges am Straßenrand, Dinge die ich schon immer interessant bis lustig fand, aber bislang nie abgelichtet hatte. Das brachte mich auf die Idee, daraus ein Quiz zu machen. Also, es geht um die folgenden Photos:

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Tja, keine gute Idee die Öffungszeiten eines Imbiß mit feurigem Hintergrund zu hinterlegen. Da ich Sonntags da war brannte es zum Glück nicht.

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Bäckerei und Kolonialwarenladen Hasselmann. Schon immer geschlossen.

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Wo hat da jemand dick und fett „Slut“ auf die Straße geschrieben?

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Hier ist die Weser am allerschönsten.

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Das beste Eis im Süden gibt es bei Mel…. in …..

OK, das sind fünf Aufnahmen die ich heute unterwegs auf der Tour gemacht habe. Der erste, der mir die Google Map Links von mindestens vier dieser Orte schickt, hat die Chance etwas tolles zu gewinnen. Wie gesagt, ich weiß noch nicht was, aber es wird „phantastic“. „Huge“.

Viel Glück.

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Nach dem Regen.

Während die Tour de France heute auf der 2.Etappe von Düsseldorf nach Lüttich durch meine Heimatstadt Mönchengladbach fuhr, hörte es in Bremen endlich auf zu regnen.

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Ich hatte Tränen in den Augen, als das Peloton in Mönchengladbach nach der Sprintwertung die Hermann-Piecq-Allee langfuhr, maximal 100 Meter von meinem Elternhaus entfernt. Sogar meine Eltern konnte ich motivieren sich an den Streckenrand zu stellen. Der englische Eurosport Kommentator sprach von der „Kaiser Freidrich Hall“, gemeint war die Kaiser-Friedrich-Halle, die ich vor allem deswegen in Erinnerung hatte, weil sie ständig brannte und ich dort mein erstes Rockkonzert gesehen habe: Wallenstein. Später dann die Popfestivals sah ich einige andere Bands der Siebziger, wie die Ramblers, die Lilac Angels und 1980 konnten wir auf dem Frühlings Festival mit EA80 mit Pavillon hinter der Halle spielen und durften genau ein Lied spielen: Gladbach soll brennen.

Auch Lüttich, wo ich ja noch im April in miesestem Ardennenwetter war, zeigte sich heute irgendwie freundlich.

Der Regen in Bremen hörte auf, die Sonne kam etwas heraus und ich schwang  mich auf mein Rennrad. An so einem Tag konnte ich einfach nicht zuhause bleiben. Ich wollte nicht nachdenken wohin und fuhr die klassische Südrunde nach Riede, Dibbersen, Eißel, Uesen und weiter nach Embsen und Sagehorn, zurück über den Hodenberger Deich.

Die Wiesen waren wegen des vielen Regens wieder mit Wasser vollgelaufen, etwas dass man hier an sich nur im Winter sieht.

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Was für ein Tag.

Strava.

 

 

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Am letzten Junitag.

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Jennifer Beals in Flashdance (1983)

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Ein Kommentar

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50 grey shades of Ostfriesland. RTF Leer.

FiftyShadesOfGreyBereits beim Aufstehen sorgte das Geräusch von Regen für schlechte Laune und der Himmel hatte in etwa die Farbe von #919191. Wenig später in der Neustadt, wo langsam die Samstagabend Parties ausliefen, war es zumindest #787878. Egal, für den Großraum Leer sollte es recht gut aussehen und so machten sich Silke, Andi und ich auf den Weg. 

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Der Himmel über der Neustadt am Sonntag Morgen.

Wir fuhren zur Fehn-Routen RTF in Leer; für mich war es das erste Mal. Olli meinte, dass diese eine sehr schnell RTF sei. Und da ich eher selten in Ostfriesland bin, mal eine neue RTF fahren wollte und neugierige auf ostfriesische Feen war, dachte ich OK, da musste mal hin. Als wir ankamen sah es so aus und es fing relativ schnell an zu nieseln. Ich denke, dass ist da normal, kein Mensch würde das dort als Regen bezeichnen.

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Über Leer sah das ganze schon viel besser aus.

Ich war überrascht wie viele Bremer den Weg nach Leer gefunden hatten, ich hatte das in den sieben Jahren in Bremen noch nie geschafft. Ein Student bei mir hatte bei seiner eidesstattlichen Erklärung der Bachelorarbeit mal  bei Ort (und Datum) geschrieben „Leer“; das hatte ich dick rot angestrichen und daneben geschrieben, er soll das nicht leer lassen, sondern gefälligst eine Stadt oder sein Dorf angeben.

Aber das ist tatsächlich eine Stadt oder grauem Himmel. Ein paar RCBler waren da, BBCler, einige Rot-Goldene, eine Truppe mit Olli aus Stuhr und dann die üblichen Gestalten aus den Nachbardörfern, die man immer wieder trifft und von denen ich immer noch nicht weiß wie sie heißen. Denen geht es umgekehrt mit mir wohl genauso.

Wir hatten nicht viel Zeit denn pünktlich um 10 ging es los. Zusammen mit Andi machte ich mich auf an die Spitze des Feldes zu fahren. Das klappte gut und das Tempo war RTF gerecht hoch, trotz Nieselregen und vielen kleinen Feldwegen, auf denen wir fuhren.

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Allerdings war das auch sehr furchteinflössend. Ich musste extrem konzentriert fahren, da das Feld recht unruhig war und immer wieder steil abgebogen wurde in neue Feldwege. Das war wie Intervalltraining: Rollen im Feld, dann bremsen, abbiegen, sprinten um die Lücken zuzufahren….in den Kurven fühlte ich mich auch nicht besonders sicher, vor allem dann, wenn das Geräusch von Split unter Reifen zu hören war. 80% meiner Energie brauchte ich, um zu treten, die restlichen 50% um meine Angst zu bekämpfen. IMG_1023

In diesem Zustand irgendetwas von der Schönheit der Landschaft wahrzunehmen war nicht möglich, ganz zu schweigen davon irgendwelche Feen zu sehen, die am Waldesrand standen. Zum Glück ging es nach einer Weile dann eher auf Landstraßen weiter. Das nahmen einige zum Anlass noch einmal zu beschleunigen und vorne weg zu fahren, Andi und ich blieben im Feld, auch wenn wir jetzt auf nasser Straße den Seich von den Hinterrädern unserer Vordermänner ins Gesicht bekamen.

Die Situation war so angespannt, dass ich den ersten Kontrollpunkt nach ca. 35 km verpasst. Nach weiteren 20 km und einem Feldweg voller breiter und tiefer Pfützen war es dann soweit: Ich wollte vorne eine Lücke zusprinten, schaffte dies aber nicht und dann hatte ich keine Kraft mehr im Feld zu bleiben und fiel hinten alleine raus. Vor mir fuhren Torsten, Matthias und ein Mädel mit einem POC Typen auf die ich aufschließen wollte – aber auch dafür langte die Kraft nicht und der Wind kam dazu auch noch recht fies. Also fuhr ich erst einmal alleine weiter.

Ich holte dann einen anderen Fahrer ein, der mit einem platten Hinterrad fuhr und lieh ihm eine CO2 Kartusche. Nett von mir, denn nun fuhr ich ohne weiter, aber ich kannte ja genug Fahrer die hinter mir waren und mir dann hätten helfen können. Nicht so nett finde ich dann, wenn derjenige (oranges Müssing) am Ziel nicht auf mich wartet und mir Geld für eine neue Kartusche gibt. Nicht wegen dem Geld, aber einfach um danke zu sagen, denn der wäre ja sonst entweder 50 km mit plattem Reifen unterwegs gewesen oder hätte die RTF abkürzen müssen oder einen anderen Doofen finden müssen.

Egal. Nach einer Abzweigung standen Matthias und Thorsten am Straßenrad, die waren wohl auch dem Tempo erlegen und warteten auf die nächste Gruppe. Ich sagte, komm‘ lass uns zu dritt fahren und das passte dann auch ganz gut, obwohl wir nun ziemlich lahm unterwegs waren. Aber es brachte uns zum nächsten Kontrollpunkt.

Als wir dort Pause machten am eine weitere Gruppe mit Bellinis und Andi rein. Zu zehnt oder so fuhren wir dann weiter, wobei Andi und ein gewisser grauhaariger Hermann aus Papenburg vorne im Wind fuhren und brutal Tempo machten. Hermann verschliss neben sich einen Fahrer nach dem anderen.

Als wir wieder so auf einem total verlassenen Feldweg mit 35 km/h gegen den Wind an-eierten und ich die Schönheit der ostfriesischen Landschaft bewunderte (Grauer Himmel, links grüne Wiesen mit schwarz.weiß gefleckten Kühen, recht grüne Wiesen mit schwarz.weiß gefleckten Kühen und das alle Kilometerlang) passierte es:

Ich fuhr in der Gruppe in zweiter Position hinter Hermann und hörte nur noch das Krachen hinter mir. Als ich mich umdrehte und zurückfuhr lag Matthias in Seitenlage mitten auf der Straße und ein anderer Fahrer sass im Gras daneben. Thorsten war etwa auf gleicher Höhe und meinte, dass es Matthias den Lenker bei einer Bodenwelle aus der Hand geschlagen hatte und der daraufhin gefallen wäre. Dabei riss er seinen Nebenmann um und Thorsten, der hinter ihm fuhr konnte gerade noch ausweichen und vorbeifahren.

Während der andere Fahrer da im Gras sass und sein Schicksal und demoliertes Rad bedauerte, sah es für Matthias gar nicht gut aus. Er lag regungslos auf der Straße, unter seinem Helm eine große Blutlache. Schwer abzuschätzen, woher die nun genau kam. So langsam kam er wieder zu sich und wir drehten ihn auf den Rücken. Dann zogen wir ihm erst einmal den Helm aus und die Handschuhe. Ja, soll man ja an sich nicht machen, aber das das ganze Ding voll mit Blut war, ich machte mir auch ein wenig Sorgen was wohl darunter zu finden wäre. Ich sag mal, zum Glück war da nichts am Schädel, sondern die gesamte rechte Gesichtshälfte hatte ein paar Wunden und das rechte Auge war gut zugeschwollen. Von dem Fall war die Brille kaputt gegangen und hatte sich ins Gesicht gebohrt. Ehrlich gesagt beruhigte mich das ein wenig.

In der Zwischenzeit hatte Hermann Notarzt und Krankenwagen gerufen. Hermann wusste sogar den Namen von dem Feldweg wo wir waren, ich hatte so überhaupt keine Ahnung. Das beste was ich dem Notarzt hätte sagen können wäre gewesen „Fahren Sie zum Start der RTF und dann immer den Pfeilen der 117 km Strecke lang, nach 60 km oder so finden sie uns dann!“ Das hätte aber verdammt lang gedauert.

Matthias fragte bestimmt drei Mal, ob er gestürzt sei? Und wo es ihm überall weh tut. Er war ganz klar unter Schock und desorientiert, vermutlich von einer Gehirnerschütterung. Ich fragte Andi nach seiner Regenjacke und zusammen mit meiner deckten wir ihn erst einmal etwa zu, denn so richtig warm war es ja auch nicht.

Krankenwagen und Notarzt waren sehr schnell da, das dauerte keine zehn Minuten. Das waren Profis, die kannten ihr Geschäft. Sie fragten Matthias was heute für ein Tag wäre: „Sonntag“. Das war schon mal gut. Und welches Jahr? Keine Antwort. Und welche Jahreszeit? „Frühjahr!“ Klar, von der Stimmung her schon, aber in Ostfriesland nennt man das Sommer. Ein erster Check ergab jetzt nichts gebrochenes oder so, also wurde Matthias auf die Bahre verfrachtet, in den Krankenwagen gebracht und dann in ein Krankenhaus in Leer gefahren. Linda vom RSV Leer kam und packte sein Rad ein. Das sah übrigens deutlich besser als Matthias aus.

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So schlimm das alles aussah, ich fand dass Matthias da noch sehr viel Glück gehabt hatte. Klar, das halbe Gesicht war im Eimer und Knie und Hände waren, aber sonst funktionierte ja erst einmal alles. Bis auf den Schädel, aber das würde sich schon wieder geben.

Entsprechend gedrückt war die Stimmung.

In so einem Moment überlegt sich natürlich jeder erst einmal, dass es einen auch selber hätte treffen können. Und wie scheiße das ist, bis das alles wieder verheilt ist und man wieder vernünftig Sport machen kann. Und was die Frau und die Kinder dazu sagen werden und wie sie dann in der Tür stehen und zittern, wenn man selber mit dem Rad wegfährt. Das ist etwas egoistisch, weil einen selber hat es ja nun einmal nicht erwischt und man sollte daran denken, wie scheisse das für den anderen ist. Aber das ist dann nur der zweite Gedanke.

Als wir dann weiterfuhren, stand als allen die Angst im Gesicht geschrieben. Bei jeder Unebenheit auf der Strasse wurde geschrieen „Bodenwelle!“ oder „Schienen“ oder „Schotter!“, auf einmal erschien die ostfriesische Umwelt so Angsteinflössend  und aggressiv.

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Angst.

Mich erinnerte das an Führerscheinverlängerung in Japan. Alle fünf Jahre oder so muss man in Japan zur Verkehrserziehung wenn man seinen Führerschein verlängern lassen will. Insgesamt ist das relativ langweilig, aber auch irgendwie bizarr und interessant. Teil des Programms ist es sich einen Verkehrspädagogischen Film anzusehen, meiner hiess: „Mörder ohne Absicht„.

Die Geschichte ist etwa so, dass ein Mann mit seinen Betriebskollegen in einer Kneipe feiert und schon was getrunken hat. Dann ruft sein Chef an und bittet ihn eine Klimaanlage bei einem Kunden zu reparieren. Er will natürlich nicht, aber da er ja ein guter japanischer Arbeitnehmer ist lässt er sich doch bequatschen und fährt los.

Schnitt. Ein kleines Mädchen mit Großmutter, beide im Kimono laufen fröhlich vergnügt auf dem Rückweg vom Jahrmarkt an einer Straße lang. Ist schon klar was jetzt passiert, die Details spar ich mir, aber im Film wird einem da absolut nichts erspart: Kind tot, Oma im Krankenhaus.

Jetzt beginnt das Drama aber erst richtig. Der Mann verliert seinen Job und als er zu der Familie des Kindes geht, um sich zu entschuldigen wird er nur angeschrien „Geben sie uns unser Kind zurück!“ Dann muss er ins Gefängnis. Seine Familie muss ihr schönes, westliches Haus verkaufen und wohnt dann in einer fiesen, alten japanischen Hütte direkt an der Bahnstrecke. Die Mutter hat einen harten und schlecht bezahlten Job auf einer Baustelle, der Sohn nimmt Drogen, die Tochter geht nicht mehr zur Schule und ist zickig. Eines Tages sagt die Mutter nur: „Ich bin so müde!“ und man sieht wie Sie auf die Bahnschranke zu geht;  quietschende Zugbremsen, dann wieder jede Menge Details.

In der letzten Szene des Filmes sieht man dann wie der Mann, aus dem Gefängnis entlassen, im Regen auf den Stufen vor dem Eingang des Hauses des Kindes sitzt, an die Tür trommelt und schreit: „Verzeiht mir! Verzeiht mir!“ Die Kamera schwenkt dann weg von ihm zu einer Straße mit viel Autoverkehr.  Die unausgesprochene Botschaft zum Schluss ist: „Siehst Du, da fährst Du gerade in Deinem Auto, aber schon morgen könntest Du an diese Tür hämmern und um Verzeihung bitten.

Von den ca. anderen 30 Japanern, die mit mir den Film gesehen haben, war etwa die eine Hälfte am pennen und die andere am flennen. „Ist schon etwas übertrieben“, dachte ich mir und setzte mich dann in mein Auto um ca. 10 km nach Hause zu fahren.

Für diese 10 km habe ich wohl so 2 Stunden gebraucht. Ich war so unter Schock, ich konnte einfach nicht schnell fahren. Überall, so schien es mir, lauerten die Gefahren und wenn ich nur ein klein wenig unaufmerksam wäre, dann wäre es mit meinem Leben, dem meiner Frau und meiner Kinder zu Ende. Ich bin noch nie in meinem Leben so vorsichtig und mit so viel Angst Auto gefahren.

Allerdings war das am nächsten Tag auch schon wieder vorbei und ich raste wieder durch Tokyo.

Bei dieser Gelegenheit lernte ich auch Thomas aus Aachen und seine Kollegen von der SiG kennen und wir fahren dann in einer kleinen Truppe unter Anleitung von Reiner weiter an die dritte Kontrolle und dann in Richtung Ziel.

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Ich fragte Reiner: „Weisst Du wo das Borromäus Krankenhaus in Leer ist?“ Und er sagte: „Keine Ahnung, ich bin nicht aus Leer sondern aus Westerstede.“ Was ja von Leer mal definitiv weniger entfernt ist als Köln von Düsseldorf oder Hamburg von Bremen. Geistig scheinen da aber riesige Lücken zu klaffen, ich denke ich bin da in ein riesiges ostfriesisches Fettnäpfchen getreten. Dann fragte ich ihn (er war ja Mitveranstalter der RTF): „Warum heisst die RTF eigentlich Fehntour?“ „Keine Ahnung!“.

Später bekam ich dann aber raus, dass Fehn keine Feen sind, sondern Dörfer da in der Gegend wie Elisabethfehn, Idafehn oder Rhabarberfehn. Die Namen sind da sowieso ganz lustig, klingen alle wie Rip-offs aus Bremen und umzu.

Oder wie chinesische Elektronikgeräte zweifelhafter Herkunft. 1994, als ich in China auf dem Land einen sehr schicken damm bauen durfte (also ich und 30.000 Chinesen), da kaufen wir in der nächsten Stadt Fernseher, Staubsauger etc. für unsere Hütte. So hatten wir einen Fernseher, nicht von Sony, sondern von Tony. Und unser Kühlschrank war von International Panasonic (was ja deutlich besser ist als National Panasonic). Meine Frau hatte übrigens Hautcreme von „Oil of Olaf„.

Wir kamen so durch einen Ort, der hiess „Potshausen“ – das war bestimmt eine Kopie von Posthausen in der Nähe von Bremen. Bestimmt gibt es in Potshausen auch ein Dodnehof Einkaufzentrum. Und dann kam das beste: Wir kamen an eine handbetriebene Fähre und wollten dort über den Fluss setzen.

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Und ich fragte Rainer, wie der Fluss da hieß. Und der wusste tatsächlich die Antwort, obwohl dieser Fluss durch Leer und nicht durch Westerende fließt. Es war die… jetzt haltet euch mal alle fest…die Jümme! Ha, ha, was ist das denn? Ist das eine schlechte Kopie der Wümme, der was?

Am Ende und nach ca. 117 km sassen wir etwas bedrückt am Ziel herum. Jörg, Thorsten und Tesla begnügten sich mit einer Cola und kleinen Häppchen, während Jessica zehn Waffeln vor sich liegen hatte, die ihr angeblich von Harald aufgedrängt worden waren.

Hm. Kein schöner Sonntag, alles in allem.

An dieser Stelle alles Gute an Matthias, der hoffentlich in der Zwischenzeit das Krankenhaus wieder verlassen durfte, damit es bleibt wie wo es hingehört: leer.

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Bahn.Blau.

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For Sale now: The Bomberdrome Bicycle Wall of Death

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Auf Ebay.uk wird gerade dieses großartige Minivelodrome verkauft, die Versteigerung endet am 25. Juni um 21:11 hr.

Dokumentation dazu auf You Tube

Beschreibung

Here is your once in a life time chance to own the one and only legendary* Bomberdrome.

Based on the granddaddy of The Wall of Death, The BD is I believe the only example in the UK.
We built it in 2012, which was a real labour of love, and over the last five years we have taken it to festivals including The Trip Out and Skegvegas VW show and countless other events, where we have entertained (sort of) and taught many hundreds of people how to ride it, it is a real joy bringer, countless people have come away with massive smiles on their faces and the best facebook profile picture they will ever have.
It has been featured in numerous publications including Boneshaker Magazine and Hayburner. It even has it’s own documentary about it being built.
The wall dimensions are roughly, 18′ in the center, 26′ externally, the height is roughly 5′.
It comes in eight panels that lock together via spigots and bolts, a couple of the spigots could do with looking at in the near future and possibly need a touch of welding and they could all do with being re-tapped for the bolts, there are three steel ropes to hold it altogether and we often run a large ratchet strap around the center for added stability, there are no external supports.
Due to the curvature of the individual panels, they WILL NOT fit in a van, luckily it comes with it’s own VERY dubious trailer, which as yet has never let us down.
The sale is for the wall only, bikes and riders are not included in the sale I’m afraid.
Thrills and Spills with large helpings of Mild Peril are thrown in for free.

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Berlin Velothon 2017. Kann sein, dass scheiße wird.

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Man, war ich gespannt auf den Velothon dieses Jahr! Nicht auf das Rennen, daran habe ich schon sechs Mal teilgenommen. Aber allein die Frage, ob es mir gelingen würde rechtzeitig und mit Rad per Bahn anzureisen, war schon irre aufregend.

Achtung: Wem außer Rennradrennen nichts interessiert, fange nach 1637 Worten weiter bei „Staccato“ an zu lesen.
Sicherheitshalber rechnete ich noch einmal nach: Bei der Rückfahrt von der Tecklenburgrundfahrt nach Bremen brauchten wir letztens für etwa 144 km Strecke insgesamt fünf Stunden Zeit. Das ist etwa eine Stunde länger, als der schnellste Fahrer am Sonntag für die 180 km des Velothons benötigte. Mal sehen, die Deutsche Bahn käme mit so einer Leistung auf den 363. Platz von 505 Teilnehmern, direkt vor dem sympathischen Teilnehmer aus Samoa.

Das machte umgerechnet für die 398 km von meinem Haus zum Brandenburger Tor etwa 13:49 h. Und da die Entfernung ja wesentlich länger ist, ein IC benutzt werden muss und es in die Hauptstadt der bösen Bahn gehen sollte, kommt da noch ein Risikofaktor von 1:x drauf, eine riesige Standardabweichung und überhaupt: also meiner Schätzung nach sollte ich am Freitag um 14 Uhr in Bremen losfahren, damit ich pünktlich am Sonntag um 7:30 Uhr am Start stehen konnte ohne ein Risiko einzugehen.

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Overtüre: Kann sein, dass scheisse wird.

Und so stand ich an der Bahnsteigkante in Bremen, stieg in den Zug und kam pünktlich um 18:27 h in Berlin an. Also, sogar am gleichen Tag! So ein Mist, wer konnte denn mit so etwas rechnen? Ich hatte Decken, genügend Wasser, Trockenkekse für drei Tage, Malariatabletten, meine drei Lieblingsbücher und eine Kettensäge dabei, nichts davon wäre nötig gewesen.

Ja, manch einer mag hier lachen. Also wegen der Kettensäge, meine ich. Aber im Januar 2007, als sich der Orkan Kyrill formierte und Deutschland für 24 Stunden lahmlegte, da sass ich im letzten IC aus Magdeburg Richtung Hannover, als dieser etwa bei Helmstedt mitten in der schwarzen Nacht stehenblieb und sich nichts mehr tat. Nach ca. 30 Minuten machte der Zugführer endlich eine Durchsage und klärte die Fahrgäste darüber auf, dass Bäume auf der Strecke liegen, und nun die lokale Feuerwehr gerufen würde, um diese zu entfernen. Erstaunlich kurze Zeit später fuhr der Zug jedoch wieder, um dann nach 5 Minuten erneut zum Halten zu kommen. Darauf folgte die nächste Ansage des Zugführers:

„Wir bitten den Fahrgast mit der Kettensäge, noch einmal zur Spitze des Zuges zu kommen.“

Seitdem, habe ich zumindest immer ein Schweizer Messer dabei, wenn ich mit der Deutschen Bahn fahre.

Ich hätte nun mit meinen Freunden und Mark, einem Amerikaner, der nicht nur Architekturprofessor in Harvard ist und seit mehr als 25 Jahren Kathrin und Fabian, meine Gastgeber, kennt, sondern auch noch, wie wir erst kurz vorher herausfanden, mit David von Positivo Espresso in Tokyo zusammen ins College ging, in die Berliner Philharmonie gehen können um Strawinsky, Berlioz und Ravel zu hören. ich wollte die maximale Strapazenbelastung an einem Wochenende nicht unnötig erhöhen; schließlich sollte ich noch auf das Konzert der Fundamentals gehen und dann auch noch am Sonntag 60 km Radfahren. Da darf man kein Risiko eingehen.

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Fabian, Mark und ich. Nur David fehlt.

Fabian hatte dieses Jahr übrigens echt hart trainiert für den Velothon. Er ist extra nach Japan geflogen, um mit David zusammen die klassische Positivo Espresso Strecke am Tsukui See zu fahren.

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Architekturelles Preludio

Also verbrachte ich den Abend zuhause und nach einem guten Frühstück am nächsten morgen machten Fabian, Mark und ich uns auf unseren Rädern auf eine architektonische Kreuzfahrt durch Berlin. Ich weiß nicht mehr genau worum es ging, da ich ja nur Bauingenieur und kein Architekt bin, aber wir stoppten vor einem Haus und Fabian sagte: „Rate mal von wem das ist? Das ist ein spätes Werk von?“ Mark sagte dann ein paar Namen, die für mich klangen wie die Bandmitglieder von Electric Light Orchestra aber alle falsch waren und dann sagte Fabian „Peter Cook!“ Worauf beide dann anfingen zu stöhnen:
Nein, echt jetzt? Das ist doch nicht wahr!“ „Leider doch!“ „Sad. Loser. Very confused.

Peter cook

Sad. Loser. Very confused.

„Confused“ ist übrigens das Lieblingswort von Architekten, wenn es gilt schlechte Gebäude aus den Achtzigern abzustrafen. Ich sah da bestenfalls den Bauch eines Architektens. Dann kreuzten wir zu einem Gebäude von Zaha Hadid, weltbekannte Architektin, Mutter von Gigi und Bella Hadid und, seit neustem jetzt auch tot. Das hatte eine rostfreie Fassade. Gute Idee. Allerdings auch nur so lange, wie die Schrauben, mit denen die Fassadenplatten befestigt sind, ebenfalls aus rostfreiem Material bestehen. Also, denke ich mal so als Bauingenieur. Die Architekten freuten sich jedenfalls und riefen abwechselnd „Ah“, „Oh“ und „Pure Genius“

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Pure Genius Schrauben

Anschließend kreuzten wir zum Anhalter Bahnhof und dem neuen Park am Gleisdreick über den ich auch mit viel Sarkasmus nicht mehr sagen kann, als dass er wirklich sehr gelungen ist. Und so viel besser als den einzigen anderen Park in Berlin den ich kenne, und zwar den aus Görlitz.

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Trasse nach Görlitz

Dort gibt es einen roten Wohnblock von einem Berliner Architekten, Robert Neun. Verzweifelt versuchte ich ein Muster in der Fassade auszumachen. Sie sah aus wie ein großes Tetrisspiel, in dem alle Steine die gleiche rote Farbe haben und trotzdem nicht zusammenpassen. Neben mir wieder jede Menge Ahs und Ohs.

robert neun

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Dann durften wir endlich zur Rennanmeldung am Brandenburger Tor fahren, vorbei an der britischen Botschaft. Ich schlug vor, dass den Briten dieses Botschaftsgebäude nach vollzogenem Brexit entzogen werden sollte; sie könnten zum Beispiel die Gebäude mit der Botschaft von Mazedonien tauschen.

Wir wollten nur schnell ein paar technische Probleme beheben und mussten dazu zum Stadler Stand die uns wirklich sehr schnell, nett und effektiv halfen. Dann kurz zur Anmeldung, um die Startnummern einzusacken. Ich hatte ja 52 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit angegeben, um auf jeden Fall in Block A zu landen. Umso größer war meine Überraschung, als ich auf meine Startnummer schaute und dort „G“ stand. Das G steht nicht für „Ganz Vorne“ sondern für „Ganz hinten“, wie sich dann herausstellte der letzte aller Blöcke. Warum nur, warum? Jetzt durfte ich mich erst einmal schlecht gelaunt in die Schlange am Helpdesk einreihen. Nach einer halbe Stunde des Wartens wurde mir dann erklärt, dass ich mich zu spät angemeldet hätte und dass alle Teilnehmer, die die Deadline versäumt hätten in den Block G kommen würden (Der dann auch deutlich voller war, als die Blöcke davor.),

Plädoyer an die Eisenmänner

OK und also: Liebe Velothon-Macher. Ja, ich weiß, dass stand alles im Kleingedruckten auf der Website und ihr seit euch keiner Schuld bewusst, da ihr genau nach Vorschrift gehandelt habt. Und es ist ja auch klar, dass der Velothon eine kommerzielle Veranstaltung der IRONMAN Germany GmbH ist und damit Geld verdient werden muss. Deshalb müssen die Angestellten da auch keinen Kuchen backen und den für einen Euro verkaufen, so wie das die Dorfvereine bei einer RTF machen. Alles klar. Aber deswegen müsst ihr auch mehr Kritik vertragen, als ein Dorfverein bei dem alle freiwillig mitmachen und kein Geld verdient wird.
Ich zahle euch 90 € um 60 km Rad zu fahren, ihr bekommt von mir mehr Geld pro Kilometer als der öffentliche Nahverkehr, UBER und genauso viel wie ein Taxi in Berlin wenn es mehr als 7 km fährt. Und dafür, finde ich, kann ich auch einen gewissen Service verlangen. Zum Beispiel, dass ihr in der Lage sein solltet, wenn sich jemand drei Wochen vor dem Rennen angemeldet hat, ihm den gewünschten Startblock zu verpassen. Und wenn ich 52 km/h angebe, dann ist ja wohl klar, dass ich in den Startblock A möchte, oder muss ich erst Schall- oder Lichtgeschwindigkeit schreiben damit das klar wird?

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Gähnende Leere

Übrigens bin ich nicht der einzige, der euer Preis/Leistungsverhältnis nicht so toll findet. Ich habe gerade mal in den Ergebnislisten nachgeschaut, wie viele Teilnehmer dieses Mal auf der 60er, 120er und 180er Strecke insgesamt angetreten sind, und zwar etwa 7.600. Klingt ja erst einmal gut, aber letztes Jahr waren es noch über 9.000. Und 2012 sogar fast 12.000 Teilnehmer. Da läuft was falsch, wenn ihr innerhalb von fünf Jahren ein Drittel eurer Kunden verliert.

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Rennvorbereitung mit Kathrin.

Furioso

Ich befand mich in einem seltsamen Zustand aus Schock, Enttäuschung und Motivation. Ich war gut in Form, wollte ganz vorne mitschwimmen und das geht nun mal nur im A-Block und jetzt G??? Dafür war ich nach Berlin gekommen? Sollte ich nun trinken gehen, mein Leben beenden, oder jetzt erst recht „against all odds“ einfach durch nach vorne fahren? Oder, hatte ich ja auch schon gemacht, mich einfach in Block A stellen, um dann im nachhinein disqualifiziert zu werden? Oder Fabians Startblock A Startnummer nehmen und ihm eine Superzeit verpassen?

Aber nach einer Weile freundete ich mich mit der Idee aus Block G zu starten an. Ganz hinten zu starten hat nämlich einen großen Vorteil: Man kann jede Menge anderer Teilnehmer überholen. Block A ist eher wie eine RTF, die ersten 10 km voll ballern, aber spätestens am Anstieg des Spanndauer Damms haben sich dann die Gruppen gefunden und es ist nicht mehr möglich alleine von einer Gruppe in die nächst-vordere zu sprinten. Man fährt das Ding dann in seiner Gruppe zu Ende, am Schluss darf man noch ein wenig sprinten. Sad. Loser. Covfefe. Mit viel Glück kommt eine schnellere Gruppe von hinten vorbei, man hängt sich dran und fährt dann das Ding zu Ende, aber es ist relativ langweilig, da man nicht mehr gewinnen kann, sondern nur noch verlieren – nämlich wenn man aus der Gruppe herausfällt.

Aus Block G heraus ist das komplett anders, man kann quasi bis zum Ende andere Teilnehmer überholen. Ich möchte ja sogar behaupten, dass das Überholen das Beste am Rennen ist (und das schlechteste überholt zu werden), ganz egal wievielter man wird. Das weiß man ja erst nach dem Rennen. Aber das Gefühl, dass man im Rennen hunderte von anderen Menschen (die jünger sind, bessere Räder haben, besser aussehen oder irgendwie anders unfair sind) überholt hat, das baut sich beim Rennen auf und macht den Spaß bei der Sache aus.

Ich hatte meinen inneren Frieden gefunden.

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Nun ging es aber auch schon zum nächsten Höhepunkt in die Likörfabrik und Weinhandlung Leydicke in der Mansteinstrasse, dem Berghain der Ü50. Dort sollten „The Fundamentals“ zum Tanz aufspielen. Fabian spielt dort Bass und hält die Truppe zusammen mit Charly, dem Schlagzeuger auf Kurs. Der Rest schrammelt auf Gitarren und Keyboards oder singt. ich wünschte, ich würde in Berlin wohnen, könnte das mein Wohnzimmer nennen und mich jeden Abend hemmungslos amüsieren, ohne am nächsten Morgen Radfahren zu müssen.

Staccato

Wir fuhren von Fabians Büro, vorbei am Kumpelnest 3000, wo noch die letzten Kumpels mit der Flasche in der Hand standen, zum Start. Vorbei am A, B und C Block, dann um die Ecke, vorbei am D, E und größtenteils leeren F Block und kamen am letzten, dem G Block an. Obwohl wir sehr früh da waren, war der so voll, dass wir gar nicht in den Block herein konnten, sondern uns auf die Straße zwischen Block und dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas stellten.

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Dort mussten wir – Fabian, Anselm, Johannes und ich – dann ziemlich lange warten; der Plan war dass Block G um 7:50 Uhr auf die Reise geht, tatsächlich ging es dann erst um 8:05 h los. Das ist immer derselbe Mist, man steht lange im Block, bewegt sich kaum und ist nicht genug aufgewärmt, um nun gleich volle Power zu leisten. Das muss man aber, am ganz schnell aus dem Gedränge im Block wegzukommen und eine schnelle Gruppe zu erwischen. Obwohl, in Block G ist das nicht unbedingt nötig. Wie ich das bei Alain Raposo gelernt hatte drängelte ich mich bereits vor dem offiziellen Start so schnell wie möglich nach vorne, Fabian in meinem Schlepptau. An der neuen Nationalgalerie hatten wir dann schon ein gutes Tempo drauf, waren alle Grüppchen zu langsam und so ballerte ich immer schön weiter; neben Fabian hatten sich nun auch ein paar andere an mich rangeklemmt. Am Ernst-Reuter-Platz ging mir so langsam die Puste aus und ich kommandierte den Hamburger hinter mir nach vorne. Allerdings war auch der zu langsam, so dass ich auf dem Spandauer Damm wieder selber nach vorne ging. Normalerweise versuche ich das ja zu vermeiden, auch wenn wir das von Menschen die mich nicht kennen (Elise) Kritik einbringt. Aber es ist nun einmal so, dass ein Rennen bein Einzelzeitfahren ist und wenn man sich vorne alleine im Wind kaputt macht dankt einem das niemand später: „Hey, lass mal beim Sprint auf den MOB warten, der kommt gerade nicht mehr mit.

Doch dann kam eine Gruppe von zwei Berlinern Vereinsfahrern von hinten die ordentlich Tempo machten und ich klemmte mich an die ran; bei der Gelegenheit verlor ich vermutlich Fabian. Das war allerdings nicht so schlimm, denn er hatte schon einen neuen Berliner Freund, den Marco gefunden (dazu später mehr).
Wir waren nun ein Grüppchen von sechs bis acht Fahrern, definitiv schneller als alles was vor uns war und tauchten in den die Waldstraße am Wannsee ab.

Ich hatte recht viele Körner gelassen; über den ersten Hügel am Dachsberg kam ich noch gut, aber der Karlsberg war bereits deutlich schwieriger. Zum Glück habe ich in diesem Moment Alcides kennengelernt. Da wusste ich noch nicht, dass er Alcides heißt und gerade sein erstes Rennen fährt; für mich war das einfach ein Typ mit einem auffälligen roten Jersey, einem langen Bart und einer Tätowierung am Unterschenkel, der mich gerade mal wieder überholt hatte und richtig konnte.

Am Karlsberg fuhr ich vor ihm und mir ging die Puste aus „Hast Du noch Power?“ „Ja“ sagte Alcides, trat in die Pedale und fuhr so schnell vor, dass ich nicht dranbleiben konnte. Da aber auch vor ihm keine richtig schnellen Leute, und er auf sich allein gestellt war, holte ich ihn auf dem Konprinzessinnen Weg wieder ein, zusammen mit einem der Berliner Vereinsfahrer, einer Aspirinpille (Bayer Werksfahrer), einem MeckSeenPlatten und dem bunten Typen, der immer wieder freihändig fuhr.

Dort sah ich auch das erste Sturzopfer des Velothons am Straßenrand liegen, der RTW war bereits da und Streckenposten regelten den Durchfluss. Ich vermute einmal, dass dies wegen der Zeitmesspunkte passiert ist, ab und lagen abgedeckte Induktionsschleifen auf der Straße, um die Zwischenzeiten der Teilnehmer zu messen. Diese waren nicht oder nicht ausreichend ausgeschildert und wenn man ahnungslos über so ein Ding fährt und eine Hand an der Trinkflasche hat, dann kann es einem schon böse auf die Fresse werfen.

Drei, vier Fahrer wechselten sich nun vorne ab und wir machten gutes Tempo auf der Argentinischen Allee und der König-Luise-Strasse bis wir zum botanischen Garten kamen, wo Kathrin auf uns wartete.

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Mit Alcides beim Wechsel in der Führung am Botanischen Garten

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Vorne der Berliner Vereinsfahrer, dahinter Alcides und ich. Den Rest haben wir gerade überholt, bis auf den zweiten von hinten der kurz nach uns ins Ziel kam.

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Fabian mit Marco

Die Gruppe hielt weiter zusammen auf dem Steglitzer Damm und der Ringstraße und wir überholten Gruppe um Gruppe; an den Startnummern kann man ja sehen in welchem Block diese gestartet waren und wir hatten nun immer mehr in Block F und E eingegraben. Das hohe Tempo hatte allerdings zur Folge, dass immer mehr Fahrer auch aus unserer Gruppe herausfielen, so dass Alcides und ich quasi nur noch alleine vorne waren und Führungsarbeit leisteten. Nach dem Tempelhofer Flughafenparcour hatten wir es dann geschafft nur noch zu zweit zu sein. Schön, dass wir so stark waren, aber auch schön doof, dass wir nun alleine waren und auch noch gegen den Wind fahren mussten.

Die letzten 15 Kilometer durch Kreuzberg waren daher sehr anstrengend. Und zwar so anstrengend, dass ich überhaupt keine Chance hatte mir den Görlitzer Park anzusehen. Sowohl Alcides als auch ich waren ziemlich KO und das Tempo fiel teilweise auf 34 – 36 km/h; wir mussten jetzt schneller vorne wechseln, um das Tempo zu halten. Allerdings überholten wir nach wie vor jede Menge anderer Fahrer. Die Abzweigung für die 180er Farer habe ich gar nicht so richtig mitbekommen, und schon waren wir an der Siegessäule und bogen ein auf die Strasse des 17. Juni. Hier drehten einige langsamere Gruppen noch einmal das Tempo hoch, wir klemmten uns dahinter, spurteten 150 m vorher los und waren dann auch schon im Ziel.

Auf Strava. Schnitt etwa 39,5 km/h. Insgesamt Platz 301 von 3.756 angekommenen Teilnehmern und Platz 50 von 808 Teilnehmern in meinr Altersklasse (Panda Drei).

Ein sehr gutes Ergebnis, vor allem wenn ich daran denke, dass ich dieses Mal bestimmt ein Drittel der Strecke vorne gefahren bin.

Jetzt war es dann an der Zeit sich kennen zu lernen.

 

 

Da wir als Mini-team unheimlich gut zusammengearbeitet haben waren wir bester Laune, auch wenn wir durchaus unterschiedliche Vorstellung von der Schönheit von Männerbeinen haben.

Dann kam auch Fabian, aber ohne Marco. Marco war vor ihm gestürzt, Fabian konnte sehr plastisch schildern, wie sein Kopf mehrfach auf den Asphalt knallte, er nur ganz knapp nicht über ihn drüber fuhr und dann später, als er anhielt überall Blut war. Wir kennen Marco zwar nicht, aber von hier aus: Gute Besserung.

Später erwischt es übrigens auch noch Gregor, den Mann von Christine, der sich bei dem 120 km Rennen das Schlüsselbein brach.  So 30 km vor dem Ziel. Fuhr das dann aber doch zu Ende, mit 40er Schnitt. Was für ein Gemetzel dieses Jahr. Aber das ist eben Berlin, da geht es härter zur Sache als in Hamburg oder in Münster.

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Haus der Kulturen der Welt. Somewhat confused.

Wir sassen also am Haus der Kulturen rum, zusammen mit Johannes und Anselm. Der Vorletzte war jetzt echt müde.

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Auch für junge Menschen kann ein Radrennen sehr anstrengend sein.

Dazu kamen noch Christine und Kerstin (?). Fabian raunte mir öfters „Photo Gelegenheit!“ zu wenn jemand in bescheuerten Klamotten an uns vorbei lief oder mit einem zerbrochenen Laufrad in der Hand. Also so etwa wie da Mädel von der Post auf dem Bild weiter oben. Aber dieses Blog ist ja schon ein eher ästhetisches, daher habe ich dieses Mal auch Christine auf das Cover gesetzt.

und dann machten wir uns irgendwann auf, um wie immer im Udagawa gut zu essen. Das war aber leider zu, also ging nach einem Umweg durch die Dusche zu Frau Lüske.

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Und dann nahtlos weiter zum traditionellen Kaffetrinken im Garten. An dieser Stelle kann gar nicht genug betont werden, welch großartige Gastgeberin Kathrin ist. Nicht nur, dass Sie die ganze Familie in Schwung hält und sich ständig Gedanken darüber macht, was noch alles hier und da getan werden könnte, sie erträgt auch gleichmütig die Massen an Besuchern von Freunden und Verwandten die Tag für Tag, teilweise nur kurzfristig angemeldet, ihre Wohnung heimsuchen. Und dann kommt sie auch noch mit ins Leydicke! Und wofür das alles? Für eine Handvoll Tartuffos.

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Die dann auch noch in einem unbeobachteten Augenblick von der Verwandschaft weggefuttert werden.

Dann hieß es auch schon Abschied nehmen, Fabian brachte mich zum Bahnhof.

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Und die Bahn brachte mich dann, mit fünf Minuten Verspätung zurück nach Bremen.

Nichts ist sicher in dieser Welt, nicht, dass man heil aus einem Rennen in Berlin kommt, nicht das man pünktlich in Bremen mit der Bahn ankommt. Kann sein, dass scheisse wird.

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