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Giro Dolomiti Day 1: Mummy you’re not watching me

Drei Tage Höhentraining in Wolkenstein, zwei Tage absolutes Nichtstun, der Familie gegenüber als „Regenerationsphase“, bzw. „Stabilisationsmigration“ verkauft. Heute dann der Start des Giro Dolomiti mit einer Transferetappe.

Mit Transfer ist hier gemeint, dass nun langsam der Transfer von einen normalen Leben in eins, dass sich komplett dem Radfahren unterordnen muss, stattfindet. Es gibt keine Mahlzeiten mehr, sondern nur noch „Verpflegungspausen“ oder „Zeit für einen Riegel“; es gibt keine Freizeit und keinen Müßiggang mehr, sondern nur noch erschöpftes einschlummern gefolgt von hektischem Vorbereiten auf den nächsten Tag.

Ich machte mich um 6:30 Uhr auf den Weg von Wolkenstein in das 50 km entfernte Bozen; es war Sonntag und die Straßen leer. Um Zeit zu sparen frühstückte ich im Auto, sobald ich unten im Tal fuhr und hörte dazu Sade, TV Personalities und Natalie Imbruglia und noch schlimmer, Alvaro Soller [den wir als Kind von der Deutschen Schule in Yokohama kennen] , also die perfekte Mischung zwischen purer Freude und leichter Genervtheit, um wach zu bleiben. Dazu hatte ich das perfekte Gerät dabei, meinen ipod shuffle von 2005 mit unglaublichem 512 MB Speicher. Das ist übrigens das einzige Apple Geär, das ich besitze; nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil es sich so ergeben hat.

Parkplätze gab es genug an der Messe, ich parkte neben einem Bus in dem sich minderjährige Pfadfinder fertig für die Fahrt in die Berge machten. Am Start traf sich mehr oder weniger die Bremer Fahrer, es blieb gerade noch Zeit für ein Photo vor der grünen Wand und dann ging es schon auf die Strecke.

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(c) Andis Dolomiten Photo (ADP)

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Es war sehr nostalgisch einerseits, denn es gab viele Jerseys aus dem Vorjahr zu sehen – von den etwas mehr als 500 Startern waren ca. 532 vom RSC Niddatal in der markanten Ketchup/Senf Montur, dazu Winterthur, Pedali Bolognese, Hövelshof, Erkelenz und viele mehr – es gab einige Wiedersehen vom letzten Jahr – der Zwerg war wieder dabei, Rapunzel ebenso wie die rosa Socken aus Maschsee und den Rest habe ich wohl nicht erkannt, da er gerade das falsche Trikot anhatte. Und irgendwie war ich auch ein wenig traurig gestimmt, denn Silvia, Thomas, David und Jochen fehlten mir doch am Start.

Gewohnt gut organisiert wurden wir durch Bozen und dann auf die Landstraße an de Eisack in Richtung Brenner geführt. Diese war in beide Richtungen für uns gesperrt, es war noch etwas kühl am Morgen und das Tempo eigentlich gemütlich. Trotzdem kam es zu zwei Stürzen, beide Male in einem Tunnel; am ersten Tag kochen die Hormone halt noch ordentlich hoch, aber Körper, Alter und Natur tun im weiteren Verlauf das ihrige, um den Pegel auf Normalniveau zu bringen.

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So ging es die ersten 26 Kilometer langsam hoch durch das Tal bis nach Waidbrück, wo wir von der Hauptstraße abbogen und uns auf den Anstieg nach Barbian machten. Das waren die ersten 350 Höhenmeter des Giros, bei denen das Berggefühl aufkam. Ich passte auf, das ich da in meinem Tempo gleichmäßig hoch fuhr, denn ich wollte mich ja nicht vor der gestoppten Strecke verausgaben. Dabei unterhielt ich mich ein wenig mit Dietmar, der wie ich aus Mönchengladbach kommt. Na ja, eigentlich aus der Nähe von Mönchengladbach, aber zum Glück nicht aus Rheydt. wie überhaupt das Rheinland beim Giro immer gut vertreten ist: Erkelenz, Brühl und natürlich jede Menge Holländer.

Die übrigens nicht nach 31 km in Barbian begann, sondern etwa 3 bis 4 km später. Da gab es eine schöne, schmale Abfahrt, eine enge Kurve und dann war da auf einmal dieses Tor für den Beginn der Zeitnahme. Ups. Das ging mir aber zu schnell,  ich drehte um, fuhr den Hügel wieder ein Stück hoch und machte mich (geistig) fertig.

Dann los, den Hügel runter, mit Schwung durch die Zeitaufnahme und gleich gebremst von der Gravitation und einem Mini Stau. Vor mir rosa Socken aus Maschsee, das sollte für die nächsten Kilometer erst einmal mein Orientierungspunkt sein. Durch den Ministau wurde meine Übermotivation erst einmal gebremst und dann war es ohnehin erst einmal so steil, dass es an sich nur noch ums Überleben ging. Dann kam nach ca. 3 km eine kurze Abfahrt und ich war mir unsicher, ob dies nun bedeutete, dass wir doch das 14 km lange Original fahren würden, denn ich dachte dass das 9 km Stück komplett ohne Abfahrt wäre. Das machte mich nun doch etwas unsicher und ich hielt mich etwas mehr zurück für den Fall, dass ich doch noch länger fahren müsste. Irgendwo überholte mich Andi, was von ihm phototechnisch ausführlichst festgehalten wurde.

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Kann auch sein, dass das alles vor dem Rennen war, aber so genau bekam ich das nicht mehr mit.

Es folgte eine weitere Abfahrt und das Schild „3 km bis zum Ziel“. Cool. Dann noch ein paar kurze Aufstiege und das Schild „1 km bis zum Ziel“. Noch eine Abfahrt und dann war es auch schon zu Ende. Andi stand bereits am Ziel mit der Kamera in der Hand.

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Silke im Ziel

Kurz hinter dem Ziel lag die Verpflegungsstelle, bei der es den üblichen dolomitischen Misch aus Keksen, Marmeladenkuchen und Bananen gab. Nachdem die harte Arbeit vorbei war, wurde die Stimmung auch deutlich entspannter.

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Hilde (c) ADP

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Silke van der Kitten  [CN] (c) ADP

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(c) ADP

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(c) ADP

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(c) ADP

Zeit also, sich einmal nach dem bestaussehenden Sportler des Tages umzuschauen. Schon auf der Fahrt hoch nach Barbian war mir „Die Mumie“ aufgefallen. Wie würde man so eine Hose bezeichnen: Dreiviertel-lang? Siebenachtel-lang? Hochwasserhose?

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Trikot des Tages: Die Mumie (2. von rechts)

Mal was anderes. Jedenfalls anders, als die vielen, vielen bunten ALE jerseys mit love bubbles, siehe Big Mistake von Natalie Imbruglia. Trikotdesign und Leistung haben übrigens nichts miteinander zu tun. Heute wurde ich von zwei älteren Frauen überholt, die Trikots anhatten, die ausssahen wie rosa Unterhemden und darüber blaue Hosenträger. Davon muss ich unbedingt noch ein Photo machen.

Nach der Pause musste noch ein wenig geklettert werden, bis wir schließlich durch Oberinn kamen,

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und dann begann auch schon die schöne,lange Abfahrt zurück nach Bozen. Der obere Teil war etwas kurviger und der untere Teil war nicht mehr sonderlich steil, aber schnell, schnell, schnell und durch jede Menge Tunnel.

Nach 79 km war alles vorbei und wir waren zurück an der Messe in Botschaft. Ich musste mich etwas beeilen, da meine Familie wieder etwas von mir haben wollte und machte mich relativ zügig auf den Weg zurück nach Wolkenstein.

Der Rest des Tages: Einschlummern bein anschauen der Tour de France, hektisches Vorbereiten auf den nächsten Tag. Nudeln en masse. Morgen die erste Königsetappe von sechs weiteren.

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Velothon Berlin 2016. Teil 2: Das Rennen

Rennen werden am Berg entschieden.“ Sagt man. In Berlin gilt das nicht, da werden Rennen morgens im Bett entschieden. Kommt man raus, oder nicht? Und vor allem: Wann endlich?

Ich lag im angebauten Wintergarten von Kathrin und Fabian. Der hat riesige Fenster, und nur ein paar wenige Vorhänge, so dass einem nichts vor dem Sonnenaufgang um kurz vor 5 am fast längsten Tag des Jahres schützt. Umdrehen, prüfen ob beide Beine noch vorhanden sind, unter dem Bett liegen auch keine Nordkoreaner, die einem noch in ihr Heimatland verschleppen wollen; es gibt einfach keine Ausrede nicht aufzustehen und sich fertig zu machen. Ein paar Zimmer wacht Fabian gerade auf und denkt vermutlich dasselbe.

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Sogar die Auswahl an Riegeln und die guten Pistazientartuffos von Bio Lüske liegen noch auf dem Frühstückstisch – bei uns zuhause hätten irgendwelche hungrigen Nachtmonster alles weggefuttert. Wieder kein Grund nicht zu gehen.

Dabei war ich gut trainiert, mit noch besseren Vorsätzen und vollmundigen Versprechungen nach Berlin gekommen. Ich hatte bereits deutlich mehr als 6.000 km dieses Jahr (Das Jahr fängt Weihnachten des Vorjahrs an und zwar wegen der Rapha Festive 500) trainiert, fühlte mich gut, hatte bei der Anmeldung zum Velothon 43 km/h als Durchschnittsgeschwindigkeit angegeben, um auf jeden Fall in Startblock A zu kommen und allen die es hören wollten oder nicht gesagt, dass ich mit in ca 1:39 hr die 66 km fahren wollte. Was mir dann einen Platz innerhalb der ersten 25 meiner Altersklasse garantiert hätte. Ich hatte sogar einer meiner Studentinnen, die in Berlin arbeitet, gesagt, dass sie doch zum gucken kommen möge. Es stand also nicht nur persönliche Befriedigung, sondern auch Respekt und professorale Authorität auf dem Spiel. Also an sich ein guter Grund doch zuhause zu bleiben.

Kurz vor Sieben kamen wir an Fabians Büro in der Innenstadt an. Das liegt ganz in der Nähe der Kneipe Kumpelnest 3000, ehemals Kumpelnest 2000, wo um diese Zeit immer noch der Bär tobte.

Das ist nicht unser Rad vor dem Kumpelnest 3000.

Wir freuten uns schon darauf nach dem Rennen dort einzukehren und unsere Erfolge zu feiern. Aber erst einmal fuhren wir zum Start.

Dort mussten wir uns ganz hinten im Startblock A einreihen, denn der war eine halbe Stunde vor dem Anpfiff bereits gut gefüllt. Es zeigte sich, das Rennen eben im Bett entschieden werden: wer früh aufsteht und zum Start fährt kommt nach vorne, sonst muss man sich eben hinten einreihen und das ist für hoch-ambitionierte und leistungsschwache Fahrer wie mich nicht optimal.

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In Teamfarben: Links Team Rapha, rechts Team Postivo Espresso -Louis Vuitton. Hinter uns Block B.

Ich war übrigens über das qualitative Aussehen der anderen Starter im Block A überrascht. Erwartet hätte ich junge, schlanke Menschen in den Farben bekannter Teams wie Merkur Druck oder Eisenschweinekader und den einen oder anderen verbissenen Midlife-Chrysler. Stattdessen sahen die meisten wie du und ich aus. OK, ich habe keine Ahnung wie du gerade aussiehst, aber wenn Du besser aussehen solltest als wir, dann schick bitte ein Foto. Vor uns majestätisch die Siegessäule mit der Goldelse oben drauf.

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Finisher Trikot am Start. Cool.

Zum Glück auf dem Foto nicht bei einem von uns auf dem Kopf, denn sonst hätten wir ausgesehen wie Sheldon Brown.

Sheldon Brown

Bartmäßig vor allem Fabian.

Nachdem der VIP Block auf die Reise geschickt wurde, der in erster Linie aus Klappradfahrern bestand, ging es recht pünktlich um 7:41 hr los. Ein letztes „頑張れ!“ an Fabian und wir fuhren los. Bei Rennen fahre ich grundsätzlich SPD Pedale, denn die Sekunden die ich damit beim Einklippen am Start spare kann ich im Rennen nie wieder aufholen. Jedermannrennen laufen ja bekannterweise andersrum wie Profirennen ab. Die ersten 10 bis 20 Kilometer haut man rein wie ein Blöder, um den Rest dann, unabhängig von der Distanz in der Gruppe locker ausrollen zu lassen. Und es ganz wichtig sich dann entsprechend aggressiv nach vorne zu pfuschen ohne auf die Fresse zu fallen. Ich fuhr etwas unter dem Leistungsmaximum, da ich meine Körner nicht komplett zu Beginn verschleudern wollte und arbeitete mich nach vorne. Das klappte sehr gut und ich überholte bestimmt so um die 100 Mitfahrer, damit war ich ganz zufrieden. Bereits nach 7 km war das Feld schon so weit auseinander gezogen, dass ich auf die Mithilfe von anderen angewiesen war, um in eine der vorderen Gruppen zu springen. Dummerweise musste ich jetzt in der Gruppe die Führungsarbeit machen, als wir auf den Ernst-Reuter Kreisel einbogen.

Vor uns kam nun die erste leichte Steigung am Spanndauer Damm und ich sah eine größere Gruppe vor mir.  Dummerweise hatte ich nun gar keine Körner mehr im Köcher, um mal ein paar gängige Klischees und Metaphern zum besten zu geben (Kurzer Exkurs: richtig gute Anwendung von Metaphern und Klischees beherrschen die Texter des neuen Rose Katalogs: „Sophie Irgendetwas ist bildhübsch und pfeilschnell – sie sprengt alle gängigen Schubladen!„). Die Gruppe vor mir war so nah, und doch so fern. Ich hätte jetzt auch gerne eine Schublade gesprengt um da rein zu kommen, aber alleine springen ging nicht und meine Gruppe wurde langsamer und langsamer. Das ist bei Flachlandfahrern dummerweise so, sie sehen eine Steigung und in dem Moment funkt das Hirn „Kräfte sparen!“, und so ist man gerade noch mit 40 unterwegs und auf einmal nur noch mit 35, obwohl die Steigung noch gar nicht begonnen hat. Vor uns fuhr die Gruppe davon und ich wusste in dem Moment, dass das heute nichts richtig gutes geben würde. Aber vielleicht würde ich am Wannsee noch eine Chance haben.

Im Prinzip hätte man hier das Ziel aufbauen können, denn die Fahrer meiner Gruppe kam dann mehr oder minder geschlossen 50 km später so ins Ziel. Da war der dicke, riesige Wikingerdäne, der zackige Fixiefahrer, die lange Bohne mit der durchsichtigen weißen Assoshose und die beide Gesellen von Malerbetrieb Strechow – keinen von denen wurde ich los. Das wusste ich aber in diesem Moment noch nicht.

Ich möchte jetzt hier nicht angeben mit meiner Power, denn schließlich habe ich auch nicht so viel, als wenn es dazu reichen würde im Solo davon zu sprinten und Anschluss an die Gruppe vor mir zu finden, aber ich war jetzt erst einmal ein wenig gelangweilt und der Puls hing bei 120 bis 130. Wir daddelten so mit 35 bis 37 durch die Gegend und so manche RTF und Montagstrainings habe ich als wesentlich härter in Erinnerung. Am Wannsee, bei den welligen Steigungen dachte ich, dass ich es noch einmal versuchen sollte, denn ich war vorne in der Gruppe, man fährt etwas langsamer und ich bin am Berg an sich ganz gut. So zog ich an und machte mich den Hügel hoch nur um festzustellen, dass meine Gruppe quasi stehen geblieben war. „Kräfte sparen!„. Wie jedes Jahr gab es hier auch mal wieder einen Sturz. Das passiert immer dann, wen eng in der Gruppe gefahren wird und der Fahrer vor einem aus dem Sattel in den Wiegetritt geht. dann wird das Rad einen Moment langsamer und der hintere fährt auf. Jedes Jahr mit ziemlicher Sicherheit.

Es half alles nichts. Ich nahm wieder Power raus und ließ mich in die Gruppe zurückfallen. Da ging es dann mit 35 weiter. Meine einzige Hoffnung war, dass von hinten eine Spurtstarke Gruppe aus dem B Block, der 2 Minuten nach uns gestartet war, kommen würde, an der ich ich ranhängen konnte. Am botanischen Garten stand Kathrin und mit der hatte ich mich abgesprochen, dass Sie mir zuschreien sollte, in der wie vielten Gruppe von vorne ich wäre. „Dritte!“ hörte ich. Das war gut, aber nur dann wenn der B Block auch  schnell wäre.

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Meine Gruppe. Hinter mir der zackige Fixiefahrer.

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Fabian, ein paar Minuten später.

Gemütlich ging es nun die nächsten 10 km bis zur Einfahrt zum ehemaligen Flughafen Tempelhof. In den letzten Jahren wehte da immer ein fieser Wind, und zwar immer von vorne, aber diesmal war da absolut nichts.

Das letzte Stück, besonders das durch Kreuzberg mag ich am liebsten. Ich hatte die Hoffnung auf den B Block aufgegeben und dachte OK, fahr halt  so weit wie es geht nach vorne und versuch wenigstens einen ordentlichen Sprint auf der langen Zielgeraden hinzubekommen. Ich blieb weit links, damit ich die Linkskurven schnell durchfahren konnte und platzierte mich ca 6 km vor dem Ende nach der Kurve an dem kurzen Anstieg zur Karl-Liebknecht-Straße gut. Unsere Gruppe war aber auch verdammt groß und so schnell wie ich wollte kam ich nicht nach vorne. Und da war ja schon die Goldelse wieder.

Es half wieder nichts, ich war eingeklemmt zwischen Massen von Fahrern, die einfach nicht schnell fahren wollten und rollte mit ihnen durch das Ziel. Da war erst einmal ein Gefühl von totaler Enttäuschung und erstaunlicher Frische. 1:44 hr und ein Schnitt von 38,3 km/h sind ja nicht wirklich schlecht – aber eben auch nicht wirklich gut. Zum Glück war meine Studentin nicht da, so dass mir die ultimative Peinlichkeit erspart blieb.

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Ja, das war peinlich. Aber was macht man, wenn man sich so richtig dreckig fühlt? Man hält Ausschau nach Menschen, denen es scheinbar noch dreckiger geht. Das ist ja das Prinzip vieler Sendungen auf RTL. Und es dauerte keine 5 Minuten, bis ich jemanden gefunden hatte, der noch peinlicher war als ich  – wenn auch schneller. Mann, bin ich froh, das ich nicht hinter dem herfahren musste.

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Fünf weitere Minuten stellte ich fest, dass ich ans ich ein recht glücklicher Mensch bin, denn meine Familie lässt mir die Freiheiten meinen Hobbies nachzugehen. Das ist nicht immer  und bei jedem so.

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„So jetzt bist du dran. schon den ganzen Morgen pass ich auf die Göre auf. Jetzt mach auch mal was du Spree-Armstrong!

Mittlerweile hatten Fabian und ich uns auch wieder gefunden, wir tranken ein Alkoholfreies Paulaner und bummelten noch ein wenig durch die Radshoppingmeile. Am Oakleystand kommte man 1:1 auf der Rolle gegeneinander antreten. Fabian bequatschte mich, dass wir das mal machen sollten, aber als ich mich gemeldet hatte hielt er sich gschickt im Hintergrund und ich musste dann gegen so einen Typen mit Jeans und Sonnenbrille fahren.

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Was ich nicht wusste war, dass genau der Type der Schnellste am Vortag war. Und schnell zu treten ist ja so gar nicht mein Ding. Also rennmäßig eine weiter Enttäuschung.

Aber egal, es war gerade einmal halb elf und fast ein ganzer Tag in Berlin lag vor uns. Das war viel besser als das Rennen. Wir fuhren zurück zum Büro, vorbei am Kumpelnest 3000 wo jetzt endgültig Schluss war und machten uns dann auf den Weg zum japanischen Restaurant Udagawa.

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Dort platzierten wir die japanische Flagge vor uns und stimmten die japanische Nationalhymne an.

Doch das ist eine andere Geschichte, die in Teil 3 erzählt werden wird. Oder auch nicht.

Danke an Kathrin, Fabian, Pina und Lucie.

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Warten auf Bumsfidel. Quatsch, Schnippo! Nein, Silke!

„Ich wusste nicht mehr, ob ich wachte oder schlief,
die Augen verquollen von tausend Tränen,
auch wenn sie doch endlich einen Sinn bekämen.“
(HH Milch, „Fräulein Meier“, 1984)

Ich quälte mich morgens ganz früh aus dem Bett, fühlte mich lyrisch und machte mich auf den Weg in die Küche.Das war gar nicht so einfach, denn seitdem mein Sohn Abitur hat, hängt er mit seinen Kumpels im Esszimmer rum und zockt Nächtelang online „League of Legends“. Und so kämpfte ich mich durch leere Pizzapackungen, vorbei an Bierkästen und leeren Energiedrinkdosen zum Toaster durch. Man, hatte ich so überhaupt keine Lust!

Aber ich hatte ja dooferweise auf fb gepostet, dass ich alle heute nach Barrien zur RTF leiten würde. Meine Laune wurde auch nicht besser als ich, vorbei an Gummibärchentüten, Chipspackungen und Kartoffelsalatdosen die Strasse erreichte. Graue Wolken überall, vor allem am Himmel über einem, was schlecht ist, denn von da aus fällt vertikal der Regen auf einen runter, zunächst noch in tröpfelnder Form. Dabei hatte ich mich extra schick gemacht für dieses Event und mein TSV Barrien Vereinstrikot von 1991 angezogen.

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Die klassische Mondrian-Version, heute in diesen Farben (stehen auf der Verbotsliste der Genfer Konvention) und Mustern (Gegenstand der START Abrüstungsverhandlungen zwischen Russland und den USA) fast nicht mehr zu bekommen.

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Warten auf Bumsfidel- denkt man.

Zum Glück warteten schon die ersten Mitfahrer auf mich am Treffpunkt Bank Wehrstrasse.: Klaus, nein Friedel, nein doch Klaus, Benjamin, Caro, Silvia, Jörg, Christian und er kamen auch immer mehr, jetzt fehlte an sich nur noch Bumsfidel, auf den wir ja bereits letztes Jahr vergeblich gewartet hatten.  Allmählich wurde die Stimmung aggressiv: „Wo ist denn dieser Bumsfidel schon wieder?“ „Alle sind da – und wer fehlt – der Bumsfidel natürlich!“ Ich ließ die Stimmung erst einmal köcheln, denn ich war der einzige der wusste, dass Bumsfidel gar nicht kommen würde. Das hatten wir nicht so abgemacht, um alte Traditionen zu wahren, sondern Bumsfidel wollte mit der BBC (Big Black Cog) Gruppe erst um 8:30 in Barrien sein und später losfahren. Da ich den ganzen Tag heute keinen einzigen BBCler gesehen habe, gehe ich davon aus, dass Bumsfidel heute Abend um 20:30 Uhr meinte, wenn die Strassen leer sind und Deutschland gegen die Ukraine bei der EM spielt.

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Na dann warten wir doch auf Schnippo!

Schnippo, bürgerlicher Name Stephan-Cevin Graf zu Schnippowitsch, sollte uns nach Barrien führen, da er der einzige mit Ortskenntnis des Bremer Süden ist. Auf den mussten wir nun warten. Unglücklicherweise fährt Schnippo, im Gegensatz zu vielen Anderen von uns, nicht nur Rad sondern geht einer weitgehend ungeregelten Arbeit, und einem überhaupt nicht geregelten Lebensstil nach. Nachdem wir also ausreichend gewartet hatten sagte jemand, das Schnippo nicht kommt, was schlecht ist, denn Barrien liegt ja nicht gerade um die Ecke und ist im Prinzip nur auf Feldwegen zu erreichen.

Also, auf wen sollen wir nun warten? Silke! Denn jemand berichtete, dass Silke munter und fröhlich „Legat. Illegal. Scheißegal“ von Slime vor sich hinflötend am Straßenrand saß und versucht mit Andi zusammen einen Platten zu reparieren. Als die beiden dann endlich kamen ging es endlich auf Richtung RTF. Und zwar für ca. 4 km, bevor der zweite Platten Silke stoppte. Tobi führte die Gruppe weiter nach Barrien, während ich umkehrte um Silke und Andi nach Barrien zu fahren. Andi war nirgendwo zu sehen und Silke fuhr in die falsche Richtung – nämlich nach Hause. Ich konnte sie nicht überzeugen ihr schlechtes Kharma herauszufordern und mit nach Barrien zu kommen und musste mich so alleine auf den Weg machen. Fazit: Alles organisiert und dann doch alleine gefahren.

In Barrien waren schon jede Menge Leute, allerdings wegen dem schlechten Wetter auch deutlich weniger als in den letzten Jahren. Obwohl in Barrien ist an sich immer schlechtes Wetter. Fremde Frauen lächelten mich an – war es wegen meinem TSV Barrien Trikot? Nein, es war Corinna, die mich anstarrte, die ich 5 Minuten nicht erkannte, bevor endlich der Groschen fiel. Es gab Kuchen und Kaffee, belegte Brote und wie immer hatte der Verein, d.h. seine Mitglieder und davon vermutlich überwiegend die weiblichen, großartiges an der Kuchen- und Brötchenfront geleistet. Es ist wirklich irre, was so die Dorfvereine zustande kriege. Würde ich, zum Beispiel einer Gruppe von Studenten die Aufgabe geben so etwas zu organisieren, so kämen sie mit einer Flasche Cola an und hätten sich heillos zerstritten.

Gespräche rechts und links. Das hat sich schon sehr geändert im Vergleich zu vor sechs Jahren als ich aus dem Ausland nach Bremen kam und keinen Menschen kannte. Norddeutsche sind ja nicht für ihre Offenheit bekannt; sprach ich damals einen ein, dann sagte er mir. „Hau ab, ich kenn‘ schon einen anderen Menschen!“ und machte ein Gesicht wie Thorsten. Heute ist das komplett anders. Auch und gerade wegen dem cyclyng Blog werde ich mit Respekt behandelt was mir fürchterlich peinlich ist. Manchmal werde ich sogar nach meiner Meinung zu radtechnischen Dingen befragt was noch peinlicher ist, da ich dann so tun muss, als wenn ich davon Ahnung hätte, wobei mein eigentliches Fachgebiet ja die Optimierung von Festigkeits- und Wärmedämmungseigenschaften von Hochlochziegeln ist – aber dazu stellt natürlich nie jemand eine Frage! Zudem wird angenommen, dass ich bestimmte Dinge mache, weil sie einen Sinn haben, wo ich doch einfach nur zu doof bin. Beispiel von heute:

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Lasierte Beine.

Diese braunen Flecken sind nicht etwa Desinfektions- oder andere Wundermittel, um meine Leistung zu verbessern, sondern Lasur. Warum Lasur? Hatte ich meine japanische Frau um eine Rasur meiner Beine gebeten und sie hatte das nicht mißverstanden wegen akuter R/L Schwäche? Nein. Das mit dem R/L ist übrigens wirklich schwierig. Kazuko sagt auch immer „Früchtling“ und „Früchtlingsunterkunft und ich denke an eine Scheune in der sich Orangen und Mangos vor dem Regen schützen. Fairerweise muss man natürlich auch sagen,dass es uns auch schwer fällt in der japanischen Aussprache zwischen „つ“, “す“ und „ず“ zu unterscheiden. Oder zwischen „紅葉“ und “工場“, fast identische Aussprache, das eine heißt aber „gelbe und rote Blätter im Herbst, die die Herzen der Menschen berühren in ihrer Pracht“ und das andere „Fabrik“.

Also, warum Lasur? Weil ich zusammen mit meinem Sohn den Gartenzaun gestrichen habe und wir uns beide total versaut haben. Ich quatschte sehr viel und verpasste prompt den Start.

Zum Glück kam gleich hinter mir eine Gruppe mit Steen, Thorsten und anderen Wiegetrittlern und wir machten uns daran das Feld von hinten aufzurollen. Thorsten machte sehr viel Führungsarbeit vorne und ich beteiligte mich auch aus Dankbarkeit sporadisch. Wir überholten eine Reihe von Gruppen, aber irgendwann ist auch einmal Schluss damit. Das Tempo war aber immer noch gut hoch im 35-40 Bereich und so kamen wir dann bereits nach 30 km oder so an die erste Verpflegungsstation. Wo dann alle bis auf einen und mich rausfuhren, um den legendären Butterkuchen zu tanken, nachdem diese RTF benannt ist. Ich fuhr einfach durch, zusammen mit dem Lotto Typen, der mir aber etwas zu schnell war. Stattdessen fand ich zwei weitere Mitfahrer, von denen der eine ein wunderschönes Basso Fiore di Loto hatte. Ich musste relativ viel vorne fahren, um das Tempo hoch zu halten. Da änderte sich, als Andi mit einer Gruppe von 5-6 Fahrer kam und wir uns teilweise daran hängten. Teilweise, denn die fiesen kleinen Anstiege sorgten dafür, dass hinten noch einige rausfielen. So ging es dann in gutem Tempo weiter zur zweiten Verpflegungsstation die ich ebenfalls ausließ. Diesmal musste ich ganz alleine weiterfahren und verirrte mich prompt. Zum Glück fand ich eine Strasse, auf der ein Paar Gruppen fuhren und hängte mich dran. Und zum Glück waren das auch Gruppen auf der 113er Runde.

Diese Gruppe war nun richtig flott und wir fuhren quasi ständig im 40er Bereich. Besonders fies waren die Abzweigungen – an jeder wurde arg schnell beschleunigt und ich musste mich mit 45 Sachen richtig reinhängen, um nicht den Anschluss zu verlieren. So langsam merkte ich, dass mir der Saft ausging und irgendwann würde ich wohl aus de Truppe rausfallen. aber da kam auch schon die dritte und letzte Station und die ganze Gruppe blieb stehen um zu essen. Ich war auch total überrascht wie viele Fahrer da standen, nach dem Tempo bislang hatte ich geglaubt ganz vorne zu sein. Auch hier fuhr ich durch und wurde dann relativ schnell von einer weiteren Gruppe eingeholt die etwas langsamer unterwegs war. Unter anderem waren da auch Fahrer aus Bruchhausen-Vilsen und Nienburg dabei.

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr auf der Autobahn fahrt und vor euch wird eine LKW-Zugmaschine abgeschleppt? Also so, dass die Fahrerkabine nach hinten zeigt und man das Gefühl hat, da kommt einem ein LKW auf der falschen Spur entgegen und gleich kracht man zusammen? Dieses Gefühl hab heute das Mädel vor mir, durch die Kombination aus geflochtenen Zöpfen und Brille.

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Zugmaschine

Hey, und wie man einen Helm richtig rum aufsetzt, darüber kann man durchaus in Bremen auch geteilter Meinung sein. Ich fühlte mich die ganze Zeit peinlich angestarrt und versuchte nicht auf die Banane zu gucken. Insgesamt war das aber eine gute Truppe, die mich schnell ins Ziel brachte.

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Norddeutschland

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Schau mir in die Augen…

Insgesamt bin ich heute auf 114 km fast einen 36er Schnitt gefahren, und habe in mehr als drei Stunden gerade mal 2 Minuten Pause gemacht. Also eine gute Vorbereitung für den Velothon in Berlin am nächsten Wochenende. Und ich war echt froh, als es vorbei war und ich wieder chillen und quatschen konnte.

DSCF2573 Das ist ja nach den RTFen immer viel zu kurz, weil alle gleich wieder zurück nach Bremen wollen. Und  da alleine zurückzufahren ja so gar keinen Spaß macht, schloss ich mich einer Gruppe mit Andi, Andres, Caro, Tanja, Tobi und einigen anderen an. Kurz vor 13:000 Uhr war ich wieder zuhause, mein Bett und seine Freunde lagen jetzt gerade mal im Bett.

Zu einem perfekten Wettkampf gehört unbedingt im Anschluss noch einmal richtig Stabi Training zu machen, um den Körper perfekt auszubalancieren. Hier empfiehlt es sich mit Gewichten und Partnern zu arbeiten, notfalls tut es auch ein etwas älteres und schwereres Handy.

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Vor dem Stabi Training

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Nach dem Stabi Training

Danke an Caro für die Assistenz beim Stabi Training. Nach dem Stabi Training fühlte ich mich auch wieder so richtig frisch. Den Tag anschließend verbrachte ich aber dann doch erst einmal im Bett und dann auf der Couch – und jetzt denke ich so ganz langsam an Fußball.

Danke an alle die heute mitgefahren sind und auf die wir warten oder nicht warten mussten. Und an den TSV Barrien für die gute RTF und den vielen Kuchen etc., auch wenn ich kein einziges Jersey heute von dem Verein gesehen habe.

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Das Rennen: Mallorca 312…oder 167 oder 90.

Heute also großer Renntag auf den Straßen von Mallorca. Gleich um sieben Uhr ging es schon los. Also, für die anderen, nicht für mich, denn ich fuhr die Mallorca 90 und die starteten erst am Nachmittag. Zeit, morgens für das Rennen zu trainieren. Ich fuhr ziemlich genau 3,2 km, bevor mir der Nieselregen total den Spaß  verdarb. Zurück nach Alcudia, Cafe im Dorfcafe zwischen alten Frauen und enttäuschten Radfahrern. Wieder ins Bett gekuschelt, Wäsche gewaschen, eingekauft und dann ganz langsam Richtung can Picafort um auf Silvia, Tanja und Bo zu warten, die von der 167er Runde nun einlaufen sollten. Das taten sie auch. Sahen auch aus, als wenn sie noch mehr hätten vertragen können.

Ich wartete auf Thomas und Tobi, die die 312er Runde in Angriff genommen hatten. Thomas war letztes Jahr einen Schnitt von 30,7 km gefahren – da ging der Kurs aber ach noch einmal rund um Malle und war teilweise recht flach. Das hatte sich dieses Jahr sehr verändert. Also, ich dachte, so gegen 14:30 Uhr müssten die am Hotel vorbeikommen un dann ziehe ich sie die letzten 90 Kilometer ins Ziel. Meine persönlichen Mallorca 90 – nur trockenes Wetter, kein Anmeldungsstress, keine besonderen Ziele. Gegen 15:00 Uhr rief Schröder an und sagte, dass sie noch 30 km vom Hotel entfernt sind. Um 16:15 Uhr ging es dann endlich los auf der dicken, komplett gesperrten Küstenstrasse Richtung Arta.

Ich muss sagen, es macht ziemlich viel Spaß mit den beiden zu fahren, wenn die bereits 220 km in den Beinen haben und ich noch total frisch bin (abgesehen von gestern). In der Ebene ist das alles noch relativ ausgeglichen, aber an den Steigungen bin ich dermassen viel schneller – ein völlig neues Gefühl. Da blieb den beiden nichts übrig als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

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Am Montag hängen wir den Typen wieder kurz vor Wilstedt ab.

Schön war auch, dass wir kein einiziges Mal überholt wurden, selber aber jede Menge Einzelfahrer und auch eine Gruppe stehen liessen. dabei war auch ein Fahrer mit Beinprothese – Respekt.

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Die Strassen nach Arta rein waren ziemlich wellig. Es gab jede Menge schneller Abfahrten, ein paar fiese Steigungen und Wellen, Wellen und Wellen. Und so waren wir dann a uch wirklich schnell unterwegs und glücklich an der Verpflegungsstelle in Arta. Von dort aus ging es in einer größeren Gruppe auf der Küstenstrasse Richtung Can Picafort. Zunächst einmal setzten wir unser freundlichsten lächeln auf und machten vorne Führungsarbeit.

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Hallo Gruppe!

Dann machten wir richtig Druck und wollten de Gruppe auseinanderfahren, in dem wir uns vorne mit der Führungsarbeit abwechselten. Das nützte aber nix, nur einmal nachdem es schnell den Berg runter ging (an der Respol Tankstelle für Kenner) und dann wieder hoch, hätten wir es fast geschafft, aber eben auch nur fast. Jedenfalls haben wir bestimmt 30 Leute in der gruppe gesammelt und dann schnell ins Ziel gebracht.

Am Hotel klinkte ich mich aus, jetzt mit beiden daumen nach oben durch das Ziel zu fahren wäre vielleicht doch etwas zu viel des guten gewesen. Jedenfalls hatten wir alle viel Spaß. Verstehe nur noch, warum wir morgen nicht gemeinsam nach Sa Calobra radeln wollen.

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The hardest race in the world: RRG Einzelzeitfahren Seehausen

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Am Vorabend war ich der Suche nach einem Wetterbericht, der keinen Regen für heute versprach. Ich wurde fündig bei Kachelmannwetter.de und glaubte ihm, schließlich wurde der Mann ja von allen Vorwürfen freigesprochen. Das hätte ich mal besser nicht getan, ist aber ohnehin egal.

RRG Bremen und RCB hatten sich zusammengetan, um ein 13,5 km Einzelzeitfahren in Seehausen (zwischen Grasberg, Worpswede und Adolphsdorf) auszurichten. Für Seehausen ist das etwa ein Event wie die Cyclassics für Hamburg, die Eurobike für Friedrichshafen oder die Zubehörmesse Ober Westfalen (ZOW) für Bad Salzufelen. Die ZOW ist übrigens von den drei genannten, die einzige Veranstaltung an der ich jemals teilnahm – und dann auch noch zwei Mal.

Schon als ich rausfuhr wusste ich, dass das nicht besonders lustig werden sollte. Zwar überholte mich ein Zirkuskonvoi, aber ich war zu spät dran, musste powern, um überhaupt rechtzeitig zum Start zu kommen, dann fing es auch noch an zu regnen und zu guter letzt legte ich mich am Ende von Lilienthal noch fast hin ,da dort der Bürgersteig mit komischen Plastikgraten gepflastert ist. All dies sind Vorboten eines schlechten Kharmas, das man erst nehmen sollte.

Als ich die Stadtgrenze von Seehausen passierte, kam mir schon der erste Starter entgegen. Und dann der zweite. Wären jetzt sieben Starter weniger am Start gewesen, hätte ich dann gleich los fahren können; so konnte ich mich in die wartende Gruppe einreihen. Zufrieden stellte ich fest, dass fast die gesamte Elite des Bremer Radsports vollständig angetreten war und sich nicht von dem Wetter liess abschrecken. Ich meine damit, dass die wirklich guten Fahrer an der Zeitnahme sassen, die der ausrichtende Verein stellte. Am Start waren die üblichen Luschen, Lutscher, Versager und Männer in der Midlifecrisis, mich selber eingeschlossen. Um keinen direkt zu beleidigen, habe ich alle Namen geändert (bis auf den meinen, da hilft’s ja nix).

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Die beiden Fahrer im Vordergrund links zogen dann richtig an und wurden nie wieder vom Feld gesehen.

Insgesamt war es aber die richtige Strategie gewesen kurz vor dem Start aufgewärmt anzukommen, wenige Minuten zu warten und dann gleich loszubrettern.

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Lars O, dessen Leben in den Siebzigern verfilmt wurde, und Schnippo Lühmann dessen Leben aus Altersgründen erst 2010 verfilmt wurde, waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Strecke. Oder eben nicht mehr, doch dazu später.

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So langsam kamen wir dran, aber so richtige Nervösität kam da nicht auf. Ich ging als Letzter auf die Strecke, direkt hinter Medi „Night“ Wick, den ich nur noch als Punkt auf der geraden Strasse vor mir erkennen konnte. Von links motivierte mich das Gekreische der weiblichen Fans.

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Familie Wick, der der Rad fährt ist 8. von links.

Ich wollte mich nicht direkt am Start so total verausgaben und liess es ruhig im 36 – 40 km/h Bereich angehen, bis in nach ca. 2 km an die erste Abbiegung kam. Dort stand ein Streckenposten und lotste uns in den Schwerverkehr Richtung Worpswede ein. Das Stück auf der Landstrasse hier war relativ lang, bis dann Jochen Bee (Bruder von Dagi Bee) uns wieder von der Landstrasse in Richtung Adolphsdort lotste. Das war nun gegen den Wind und im Regen und machte da nicht so viel Spaß. Nach ein paar Kurven, auf dieser technisch sehr anspruchsvollen Strecke, bei der Medi immer nur ein schwarzer Punkt vor mir bleib, kamen wir dann wieder auf die Zielgrade nach Seehausen zurück und nach 13,5 km und etwas mehr als 22 Minuten war für mich alles vorbei. Fand ich gut, dass das nicht so lange gedauert hat denn auf viel mehr hätte ich auch keine Lust gehabt.

Gewonnen hatte übrigens mit neuem Streckenrekord Lars O. Nach eigenen und geschätzten Angaben, fuhr er 20 km auf dem 13,5 km Rundkurs, während sich alle anderen Fahrer mit 13,5 km den zweiten Platz teilen. Da kann man nur gratulieren, was aber dann nicht der Verein tat: Entgegen jeder Vernunft wurde nicht die längste Strecke, sondern die schnellste Zeit gewertet. Neumodischer Ideenkrams – nicht alles was neu ist, ist gut. Vor allem nicht, wenn man über 50 ist. Ich denke das folgende trifft gut, wie sich die  Geisteshaltung mit dem Alter ändert:

„Alles was man zwischen der Geburt und dem 20. Lebensjahr kennen lernt ist normal und kann nicht anders sein; alles was man dann bis zum dreißigsten Lebensjahr neues kennen lernt ist aufregend und verspricht eine Karriere im Beruf. Allles was man dann später als 30 kennen lernt stört im Prinzip den natürlichen Lauf der Dinge.“

Wie dem auch sei, hier sind die Ergebnisse, so wie der Verein das eben sieht (Namen geändert, um die Schuldigen zu schützen):

  1. Leo. B. Alzheimer 19:44 min
  2. Mario Pegel 20:09 min
  3. John von Lübeck 20:38 min
  4. Sorsten Stiel 20:48 min
  5. Hans Meier 21:01 min
  6. Ma RCB 21:06 min
  7. Medi Night Wick 22:11 min zeitgleich mob
  8. Schnippo Lühmann 22:13 min
  9. Klaus Meier 23:13 min
  10. Lars O. Kam an, als keiner mehr da war

Anschließend gab es eine schöne, aber kurze Feier in in der Mehrzweckhalle von Seehausen. Zu meiner Freudne entdeckte ich, dass dort „mein Bier“ und zwar Hannen Alt aus Mönchengladbach bzw. Korschenbroich ausgeschenkt wird.

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Wow, das Zeuch habe ich getrunken als ich 14 oder 15 war, da war das sehr cool. Am besten in Der Meisengeige oder in der Kiste auf der Waldhausener Strasse, das waren so die unglaublich progressiven Läden damals. Schmeckte mir überhaupt nicht, da zu bitter, aber bitte, als Teeny macht man so was ja ohne mit der Wimper zu zucken durch.

Alles da war sehr gut organisiert und mit viel Mühe gemacht. Das fand ich sehr schön und verdient Dank, denn das alles ist nicht selbstverständlich. Wenn es vielleicht etwas zu bemerken gibt, dann nur, das die Innendekoration der Mehrzweckhalle so aussah, als wenn der Raum, vor 50 Jahren zugemauert und dann erst vor kurzem wieder zufällig entdeckt wurde. Aber das sind wirklich Kleinigkeiten.

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Der Herbst kommt. Die meisten Gartenzwerge wurden bereits ins Trockene geholt…..

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.. während Schweine-teure Räder draußen stehen müssen.

Irgendwie habe ich mich verquatscht und bin dann alleine nach Hause gefahren – ne, eigentlich gekrochen. Bei dieser Gelegenheit bin ich auch den 10.000 Kilometer für dieses Jahr gefahren. Alles in allem dann doch ein sehr netter  Tag, Danke an die RRG und den RCB für das Ausrichten und die Einladung.

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Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: Schluss. Aus. Und vorbei.

So, der letzte Renntag des Giros. Danach sollte es dann nun wirklich Schluss, Aus und vorbei….. sein, wie Space Kelly ankündigte; hing mir ohnehin schon die ganze Zeit in den Ohren.

Aber vorher noch ein Etäppchen: 102 km, 565 Höhenmeter, ein lächerlicher Rennteil von 1,4 km Länge und 165 Höhenmetern. Es ging diesmal durch das Bozener Tal an der Etsch entlang Richtung Süden bis zur italienischen Sprachgrenze nach Salurn/Salorno. Diesmal ohne David, der zwar netterweise noch mit uns frühstückte, sich aber dann auf zum Flughafen machte und mit dem Leihwagen von dort aus nach Verona fuhr.

Wir anderen fuhren zum Start, wo wir uns mal wieder perfekt und stylisch gekleidet, wohltuend abhebten.

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Silviajochenmobsilkeandere: Silke mit neuem, schicken Q36.5 Jersey.

Lustigerweise ging es nun auf der Straße nach St. Jakob direkt an unserem Hotel vorbei, d.h. den Weg zur Messe hätten wir uns eigentlich sparen können. Ich dachte, David würde uns vielleicht bemerken und auf unserem Mini-balkon stehen, uns zuwinken, aber vermutlich war er gerade andersweitig beschäftigt. Wir fuhren indessen weiter, überwiegend im flachen, bis nach Laimburg. Dort sollte nun nach 21 km die Zeitnahme des Rennens beginnen. Ich war voll motiviert, nachdem ich, wie ich fand, am Vortag eigentlich ganz gut drauf war. Und als das Tor der Zeitnahme in Sicht kam, spurtete ich dann auch gleich richtig los und überholte den einen und den anderen. Die Steigung zog leicht an und da Tempo wurde ein wenig langsamer, aber da war ja auch schon das Schild „1 km to the finish“ – so „piece of cake (Kuchenstück). Dann wurde die Steigung aber sehr schnell sehr viel steiler. Selbst mit Kompakt 34/28 Übersetzung ging es einfach nicht schneller als mit 7,8 km den Berg hoch. Und es wurde noch steiler. Ich bin beim Stelvio nicht abgestiegen und auch nicht bei der Sella Runde, also Etappen in denen wesentlich länger gefahren wurde und wesentlich mehr Höhenmeter zurückgelegt werden mussten – aber dieser Anstieg killte mich gerade. Ich war kurz vorm aufgeben, was mir aber weniger als einen Kilometer vor dem Ziel irgendwie bescheuert vorkam.  Mühsam klammerte ich mich am Lenker fest und trat mich Stück für Stück den Berg hoch. Da, endlich war das Ziel in Sicht. Ich war nicht in der Lage da noch zu sprinten, es war wirklich nur noch ein Kampf um das Ankommen. Das ganze dauerte noch nicht einmal acht Minuten, aber ich war wirklich total fertig. Sicher, wenn das die erste Etappe, und ich frischer gewesen wäre, ja wenn, dann wäre das alles viel einfacher gewesen. Aber wirklich, so einen Anstieg habe ich noch selten erlebt, vielleicht Kazahari Rindo in Tokyo. Man muss aber auch sehen, dass ich da mit 21 Höhenmeter /Minute hoch bin, das ist auch nicht ohne. Die schnellen Jungs und Mädels schaffen das in weniger als viereinhalb Minuten (ca. 37 Hm/min).

Kazahari Rindo in Tokyo (Ausschnitt). Die Mutter aller Anstiege.

Man, war ich froh, als ich oben war. Und da die Ulmis gerade um uns herum standen, fragten wir sie, ob sie ein Foto von uns machen wollten. Sie wollten.

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Immer noch gut gestylt, aber nicht mehr ganz so frisch: Silkemobsilviajochen

So, damit war dann morgens vor 10 das Rennen beenden, jetzt hieß es noch 80 km durch die Gegend gurken. Nachdem wir von dem Hügel wieder unter waren ging es erst einmal im Flachen weiter Richtung Süden, durch Salurns bis nach Mezzolombardo, wo wir Pause in einer riesigen Kellerei machten. Das muss man sich jetzt nicht so mit Holzfässern und Zwergen vorstellen, sondern wie eine moderne Fabrik mit viel rostfreiem Stahl.

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Jochen dehnt sich für die letzten Kilometer

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Danach ging es auf der Westseite der Etsch wieder zurück Richtung Bozen, zunächst flach, so dass ich Zeit hatte mich im Feld etwas umzuschauen und über generelle Stylefragen nachzudenken. Ich muss sagen, dass ich vielleicht nicht den Namen, aber die Jerseys der „Eindhoven Pinguins“ sehr schick fand.

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Es waren übrigens ein Haufen Holländer und Belgier da. Ein paar Belgier hatten auch sehr schicke Jerseys vom „Royal Antwerp Bicycle Club„, einem Club der bereits 1822 gegründet wurde, mit anderen Worten, außer Mario Cippolini und Helmut Schmidt war da noch keiner von uns geboren. Das schickste überhaupt ist natürlich ein Q36.5 Jersey getragen von „Ihr“.

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Anhand der Ergebnislisten kann man ja relativ leicht checken, wer „Sie“ ist. Ups, „Sie“ war 26 Minuten schneller den Stelvio hoch, 8 Minuten schneller im ultimativen Tal und fast 1 1/2 Minuten schneller bei diesem Killeranstieg. Ist definitiv nicht meine Gewichtsklasse.

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Letztes rumradeln in der Gegend.

Nach dem flachen Stück ging es eine letztes Mal den Berg nach Kaltern hoch, die Strecke die wir als Vorbereitung vor dem Giro gefahren sind. Ich kam auf die Idee hier auch mal pinkeln zu müssen, war aber recht weit hinten, fuhr dann eine Strasse rein, die rechts und links Wohnbebauung hatte, musste dann weiter runter bis zum See und mich anschließend durch die Schlange von genervten Autofahrern wieder in den Peloton zurückkämpfen. Der letzte Anstieg, danach ging es dann nur noch runter nach Bozen. An der Messe war alles vorbei, die Stimmung entspannt.

Strava der Etappe

 

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Hier werden jetzt nur noch die Lachmuskeln gedehnt.

Dort gab es übrigens jetzt auch was zu essen (Pasta) und wir reihten uns in die Schlange ein.

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Die letzte Schlange. Der kleine Gelbe ist aus Hövelshof.

Wir kamen da ins Gespräch mit dem kleinen Gelben aus Hövelshof. Und der berichtete, dass dieses Jahr der Giro zum vorletzten Mal stattgefunden habe. 2016 noch ein letztes Mal, und dann ist Schluss. Aus. Und vorbei. Grund: die Freiwilligen sind alle alt geworden nach 39 Ausgaben und es gibt zu wenig junge Leute die nachrücken und zudem wird auch einer der Hauptsponsoren sein Engagement einstellen. Also, wer noch teilnehmen möchte sollte sich auf das nächste Jahr einrichten. Wir können es nur empfehlen.

Im Hintergrund war eine Bühne aufgebaut und jede Menge Preise warteten darauf verteilt zu werden. Die Preisverleihung begann, als wir noch beim Essen waren und einige der geehrten schleppten wirklich erstaunliche Dinge aus der Halle: Ich glaube in der Teamwertung gab es einen Parmesan Käse als Preis, der war so groß und schwer, dass er nur mit Hilfe eines Holzgestells überhaupt transportiert werden konnte. Wer den gewonnen hatte, der brauchte nie mehr in seinem Leben wieder an Parmesan kaufen zu denken.

Jochen wurde dann im Nachhinein auch geehrt für den dritten Platz  in seiner Altersklasse bei dem zweiten Teil des Giros.

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Er bekam vielleicht nicht genug Parmesan für’s Leben, aber genug für den Rest des Jahres mit Sicherheit. Wir warten noch auf die Einladung zur Käsefondue Party

Am nächsten Tag ging es nach Hause.

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Dauerte ätzend lange, da relativ viel Staus in Österreich und Bayern uns aufhielten. Und dann war auch noch die Strasse nach Hude gesperrt! Und das letzte, nicht asphaltierte Stück zu Silvias Haus kann man ja auch nicht schneller als mit 20 km/h fahren. All dies trug dazu bei, dass wir erst nach 14 Stunden wieder zuhause waren. Hier warteten nun weder EPO-Dirndl Barbie, noch Mademoiselle Jeanne auf uns, um uns zu verwöhnen, sondern Menschen (im Sinne von : Nicht-Radfahrer) denen wir bitte in aller Kürze unsere Reise schildern, damit wir uns dann umgehenst um die in der Zwischenzeit angelaufenen Probleme kümmern. In meinem Fall: Terrasse lasieren, Glühbirnen austauschen, Drucker einrichten, Mathe Nachhilfe geben etc..

Bleibt abschließend noch doof zu fragen:
Hat es sich gelohnt?
Würdest Du das noch einmal machen?
Wie ist das im Vergleich zur Transalp? 

Ich denke die Antwort ist ja, ja und ja.

 

 

 

Na gut, dann doch etwas ausführlicher. Ich denke vorher waren wir alle etwas nervös, weil wir ja nicht alle Tage 700 km in sechs Tagen in den Bergen fahren. Und dann auch noch in einer Truppe, in der man mindestens einen nicht besonders gut kennt. Aber, es passte alles, wir waren durchaus jeder für sich fähig den Giro zu überleben und wir harmonierten auch gut miteinander. Im Nachhinein fand ich das super; aber man muss sich eben doch im Vorfeld immer wieder motivieren an so etwas teilzunehmen und dann auch zu organisieren. Es wäre so viel einfacher gewesen wie letztes Jahr wieder am Rad am Ring teilzunehmen (und 2014 hat das auch richtig Spaß gemacht), aber das zusätzliche Risiko zu übernehmen hat sich ausgezahlt.

Würde ich es nochmal machen? Klar, aber wenn dann nächstes Jahr.

Im Vergleich zu der Transalp ist der Giro wesentlich stressfreier, aber auch nicht ohne. Die Transalp ist halt zeitlich länger, von der Distanz her ebenfalls und auch die Höhenmeter sind mehr. Das ist aber nicht der große Unterschied. Der große Unterschied ist, dass man auf der Transalp quasi keine freie Zeit zur Disposition hat: Ortswechsel an jedem Tag, nach dem Rennen massieren lassen, dann zur Unterkunft, duschen, auspacken, Wäsche waschen, dann zur Pasta Party und dann ist es auch wieder so spät dass man besser schläft um fit für den nächsten Tag zu sein. Und das ganze an sieben Tagen hintereinander strengt schon sehr an. Und macht geistig mürbe. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ja das harte Turnhallenpaket bei der Transalp hatte. Wenn ich duschen wollte, dann wollten das auch 200 Andere in einer Turnhalle mit 5 Duschen; wenn ich Wäsche waschen wollte, dann auch die Anderen. Wen ich schnarchte, dann taten das auch die anderen, und davon wachte ich auf.  Da war immer Kampf ums überleben außerhalb des Radrennens selber.

Die Transalp ist ja beileibe keine schlechte Veranstaltung, aber wenn ich neben Radfahren noch etwas anderes machen möchte ist der Giro die bessere Wahl. Persönlich fand ich auch die Teilnehmer beim Giro etwas angenehmer, viele von den Transalpmenschen waren doch sehr sehr sehr auf Radfahren fixiert und zu sozialen Kontakten nur noch sehr eingeschränkt fähig („Hey, Deine Sattelstütze ist zu niedrig eingestellt!“).

So, und damit sind hoffentlich alle Fragen, die irgendjemand zum Giro Dolomiti haben könnte beantwortet. Mein Dank geht an Silke, Silvia, David, Jochen und Thomas, mit denen ich gemeinsam fahren, und sie dann in der Konsequent besser kennenlernen durfte. Nichts wird mehr so sein wie vorher.

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Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: La valle ultimo, il giorno ultimo

Am 5. Tag des Giro Dolomiti warteten noch einmal besondere Herausforderungen auf uns: Eine fahrt in das allerletzte Tal und eine Etappe, die wie ein Witz aussah, aber keiner war.

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Mit 123 km stand eine mittellange Etappe am 5. Renntag auf dem Programm mit einem interessanten Profil. Statt brutalen, kurzen Anstiegen über 600 Höhenmeter und 6 km Länge (inkl. Mittelstück, das es nicht so ins sich hat), war heute eine sehr lange Strecke (18 km) mit einem Profil, dass sich ähnlich wie die Verbreitungsrate von Ebola oder facebook entwickelte: Flach und leicht stetig zu Beginn, und dann immer rasanter.

Wenn man da eine gute Figur machen will, dann muss man vor allem gut aussehen, dachte ich mir am Morgen und zog das beste und schönste an, was mir Silvia noch erlaubt hatte zu tragen: Orange SIDI Schuhe mit Streichelzarten Socken, orange Q36.5 Bibshorts zum ersten Male, mein Fyxo Jersey (das den eindruck erwecken sollte ich würde die Strecke mit dem Fixie fahren), Campa Mütze und Rayban Aviator Sonnenbrille. Ich sah super aus, soweit die Rahmenbedingungen super aussehen zu lassen und Silke, Silvia, Jochen und David auch.

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Rad und Unterkörperdesign in fast perfekter Harmonie

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mob. since forever.

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Bestangezogendste Truppe aus dem Giro: Mobdavidjochensilkesilvairgendjemand

Ich könnte ja hier stundenlang über modische Aspekte des Giros oder EPO-Dirndl schreiben, will aber langsam doch einmal zum Rennen kommen. Zunächst ging es also raus aus Bozen auf flachen Wegen durch das Tal Richtung Meran. Links und rechts wie immer Berge, Wein, Äpfel, Wiesen und blauer Himmel.

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Nach 25 km kam der erste Anstieg über ca. 400 m nach St. Pankratz, aber so richtig anstrengend war das nicht. Es blieb genug Zeit das Feld zu beobachten: Keine Rapunzel, keine Sie. Dafür aber andere, interessante Erscheinungsformen, die mir in den ersten vier Tagen entgangen sind. Hier sehen wir jemanden in blau, der sich, wie es sich für Radprofis gehört, die Haare auf den Beinen rasiert hat – exakt bis zu den Kniekehlen. darüber tobt der Bär.

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Es war fast unmöglich Fotos von der Landschaft zu machen ohne einen Pinkler am Wegesrand aufzunehmen.

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Jochen im stylischen RRG Outfit vor mir

Sorry, ich schweifte wieder ab in Stilfragen, aber im Rennen war gerade nicht so viel los. Man fuhr halt so durch die Gegend.

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Genauer gesagt, Silke fährt hier so durch die Gegend. Ein Gelber pinkelt in der Gegend rum.

Nach der Durchfahrt durch St. Walburg begann dann das Rennen. Hinter mir waren die Ulmis und eine größere Gruppe von Scuderia Südstadt. Und da es ja erst einmal flach zur Sache ging, dachte ich, dass es eine gute Idee wäre sich erst einmal an Scuderia Ulm ranzuhängen. Wir fuhren also so mit 40 Sachen durch das Tor der Zeitnahme, unglücklicherweise beschleunigten die dann auf 50 Sachen, so dass ich ca. 100 Meter nach Beginn des Rennens allein auf weiter Flur war. Hm, so hatte ich mir das nicht gedacht. Ich machte aber trotzdem guten Speed alleine, immer im 35-40 km/h Bereich und den einen oder anderen Alleinfahrer konnte ich so einholen. Ich wurde aber auch von ein paar Gruppen eingeholt, die einfach zu schnell waren, als dass ich mich hätte dranhängen können. Es wurde jetzt auch sukzessive steiler und die Geschwindigkeit sank.

In St. Gertruden war dann Schluss mit lustig. Es kam eine Verpflegungsstation wo Getränke angeboten wurden, aber auf den Trick mit dem kalten Tee falle ich ja nicht mehr rein. Und dahinter begannen die sehr steilen Serpentinen in den Anstieg der letzten 6 km. Ui, das war hart. Ich strengte mich richtig an, aber es wurde immer härter. Zum Glück war es nun im Wald etwas schattiger, aber ich hatte große Lust das Rad an einem Baum zu lehnen und erst einmal Pause zu machen. Jetzt überholten mich auch mal wieder die Melody Farmers. Der Gradient wurde noch steiler, später auf Strava las ich etwas von 30% Steigung. Das glaube ich jetzt mal nicht, aber einige Stücke waren mit Sicherheit steiler als 20%. Ich fühlte mich wie in einem Looping. Keine Ahnung mehr von oben oder unten ist. Das erinnerte mich sehr stark an „Action Park“.

The action never stops – at action park. And also never at the Giro.

Hm. Das war hart. Aber da kam auch schon die 1 km Anzeige. Und nachdem mich die Melody Farmer gerade überholt hatten, holte ich sie wieder ein. Doch dann kam der Zwerg von hinten und holte mich ein. Hatte ich schon von dem Zwerg erzählt? Nein? Dann ist es jetzt auch zu spät.

Jedenfalls reichte es noch für einen Sprint ins Ziel – wo Jochen bereits seit längerem stand.

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Da hatte mich der Zwerg mal wieder überholt … und das 100 Meter vor dem Ziel.

Nach und nach kamen auch Silke, Silva und David ins Ziel. Cool, alle zusammen und nun erst einmal die Landschaft bewundern, chillen und Essen fassen.

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Als wir dann zurückfuhren wurde mir erst einmal klar, wie steil die letzten sechs Kilometer waren. Nach dem ganzen rumfahren in der Gegend verlernt man ein wenig das Gefühl für Steigung. Man wundert sich, ist doch eigentlich flach hier, warum geht das nicht schneller? Aber es ist nicht flach, man zieht gerade eine 8% Steigung hoch. Aber umgekehrt? Ich hing die ganze Zeit in den Bremsen und freute mich auf die ersten 12 km der Rennstrecke mit einer technisch deutlich weniger anspruchsvollen Abfahrt.

Irgndwann einmal auf der Rückfahrt, in Lana, etwa 25 km vor dem Ende, wurde der ganze Pulk gestoppt und sollte sich wieder sammeln, um gemeinsam durch den Verkehr geleitet zu werden. David und ich hatten darauf wenig Lust und wir machten uns alleine auf dem Weg. Und irgendwann dachten wir, hey, warum eigentlich auf dieser langweiligen Landstrasse fahren? Da unten geht doch ein Radweg am Fluß entlang! Also mussten wir uns nur durch die Apfelplantagen zum Fluss aufmachen und den Weg finden. Gesagt, getan. Leider war das nicht ganz so einfach. Wir verirrten uns fürchterlich zwischen den Äpfelbäumen und hätten wohl nie den Weg wieder zurück nach Hause gefunden, wenn wir nicht einem einheimischen MTB Fahrer begegnet wäre, der uns auf den Radweg lotste.

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Der Lotse.

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Erster Platter.

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Die Alternative zur Landstrasse.

Ich kann gut verstehen, dass man nicht 500 Teilnehmer über diesen Radweg lotsen kann, aber für David und mich alleine war das eine sehr gute Alternative. Noch ein Stück durch die Stadt und wir kamen dann tatsächlich auch später als die anderen an.

Das war dann auch der letzte Renntag von David, der sich die sechste Etappe schenkte und am Tag darauf nach Verona fuhr, um dort seine Familie zu treffen. 14  Tage später startete er bei Paris – Brest – Paris und fuhr die 1.200 km in weniger als 90 Stunden. Unglaublich.
David und ich kennen uns nun seit 10 Jahren. Wir trafen uns das erste Mal, als wir zusammen mit Juliane 2005 von Atami nach Shimoda geradelt sind, ein sehr legendärer Trip.

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Wir müssen da hin wo Julianes linke Hand ist und haben in den ersten beiden Stunden gerade mal die Distanz zwischen meinen Finger geschafft. In der Zwischenzeit sind wir echt viel mit einander gefahren und haben eine Menge zusammen erlebt.

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Für uns war es dann nur noch ein weiterer Renntag, bevor wir uns dann einen weiteren Tag später auf den langen Weg nach Hause machen sollten. Wir machten und zurück auf den Weg zum Hotel, wo ich den Sohn der Besitzerin mal wieder überzeugte, dass die Mädels mal wieder einen Zimmerwechsel brauchten. Nachdem nach hinten raus nicht OK war (Partylärm), nach vorne aber nach weniger (Verkehr), kamen Sie wieder nach hinten, konnten aber dort nicht bleiben und mussten wieder nach vorne, was aber nicht ging wegen „starkem Geruch von Männerurin im Zimmer“. Mindestens eine Nacht hatten sie mal zwei Zimmer, so verzweifelt war das Hotel bemüht ihren Ansprüchen gerecht zu werden. The action never stops.

Strava

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Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: Die Tage vergehen wie im Flug. Nein, eher wie im Wiegetritt bergauf.

Der heutige Teil der Giro Analogie beschreibt die Fahrt hoch zum Stelvio. Dieser Beitrag liest sich leicht schneller als die Fahrt dauerte.

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Jochen in the house: Davidjochensilviasilkemob : A Short history of Bremen cycling jerseys

Ehrlich gesagt, nach drei Tagen Rennen passiert am 4., 5. und 6. Tag auch nicht mehr so viel außergewöhnliches. Sicher, man fährt durch andere Landschaften, hat neue Herausforderungen – aber im im Prinzip erlebt man immer die gleichen Dinge: Thomas steht oben am Ziel und wartet schon auf uns, auch wenn Thomas jetzt Jochen ist; Rapunzel fährt vor mir und ich bewundere ihre goldenen Extensions; die Ulmis fahren hinter Silke und Silvia und trauen sich nicht sie anzuquatschen; ich überhole die Männer aus Erkelenz und die Scuderia Südstadt überholt mich. Zu Mittag gibt es Pasta, basta.

Am 4. Tag war der Stelvio angesagt und zum ersten mal war der Start nicht an der Messe in Bozen, sondern bei Prato di Stelvio.

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Etwa 1.850 Höhenmeter auf 25 km erwarteten uns. Immer noch besser als bei der Transalp 2011, wo wir in Naturns starteten, denn da muss man noch mal 400 m extra hoch. 2011 bin ich da nicht hoch gekommen ohne abzusteigen, abe dieses Mal war ich mir sehr sicher, dass das kein Problem sein dürfte. Die Steigungen sind ja auch, im Gegensatz zu dem, was wir an den ersten Tagen erlebt hatten, sehr moderat. Das Ding ist halt nur verdammt lang.

 

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Hinter Gomagoi zweigt übrigens eine Straße nach Sulden ab und nach Informationen unserer Hoteliers machte dort im letzten Haus an der Straße gerade zu diesem Zeitpunkt Angela Merkel, (Gewinnerin der Friedensfahrt 1989, wie man an der Brille unschwer erkennen kann) Urlaub.

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Angela Merkel, created by Jenza (Danke!)

Wir fuhren also nach dem Frühstück (wie gehabt) mit dem Teambus raus nach Prato di Stelvio und bauten unseren Kram zusammen un machten uns auf den Weg zum Start. Dort standen quasi bereits alle und wir reihten uns ganz hinten ein. Es gab auch mal wieder ein paar lustige Jerseys.

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Am Start. Ganz hinten.

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Wie immer, perfekt organisiert und dann viel zu früh ging es auch schon los. Ich mag da ja nicht so unaufgewärmt gleich den Berg hochzufahren, aber hier hatte ich keine Wahl – es ging direkt in den Rennmodus. Dachte ich. War aber falsch, denn etwa ein Kilometer später kam dann das bekannte aufblasbare Tor der offiziellen Zeitnahme und hier ging es erst los. Ich war ja schon im Rennmodi und versuchte mein eigenes Tempo den Berg hochzufahren. Das klappte ganz gut und am Anfang überholte ich mal wieder die üblichen Verdächtigten und wurde selber auch ganz gut überholt.

Zunächst ist die Steigung ja relativ lasch und es geht durch ein paar bewaldete Ecken – nicht schlecht wenn das Wetter mal wieder saugut und sauheiss ist.

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Nach ca. einer Stunde war es dann aber erst einmal vorbei mit Rennmodi und es ging in den Survival Mode: Hinten auf das 28er Ritzel und dann relativ alleine weiter. Jetzt überholte ich ab und zu mal einen Fahrer, aber von hinten kam nicht mehr viel. Meine Taktik ist die Kurven sehr weit innen anzufahren, das ist zwar steiler, man kommt aber mit guten Schwung raus und macht so Meter um Meter gut. Und da kam auch schon der Serpentinenanzeiger: noch 46 Kurven bis nach oben.

Es kommt dann so  eine Stelle, wo man zum ersten mal ahnen kann, wie weit man noch hochfahren muss. Ich dachte ich könnte so etwa 900 Höhenmeter in der Stunde machen und rechnete so mit 2 Stunden Fahrzeit. Das war aber etwas optimistisch. Egal, die Landschaft ist einfach großartig.

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Dummerweise war aber mittlerweile auch wieder Verkehr auf der Strecke und die Autos schoben sich an mir vorbei. Dabei waren auch ein paar Busse, und die behindern die Rhythmus des Fahrens doch erheblich. Und die Abgase sind auch etwas nervig, vor allem dann, wenn man in die Situation kommt, dass man nach Entschuldigungen für’s absteigen sucht. Es war nicht so, als wenn ich das Gefühl hatte ich könnte es nicht schaffen, aber nach fast zwei Stunden radeln merkte ich, dass ich zwischendurch vielleicht weniger an „Rennen“ und mehr an „Essen“ hätte denken sollen, denn so langsam ging mir der Saft aus.

Einerseits. Aber andererseits sieht man auch das Ziel, weiß dass man gleich da ist und das beruhigt auch. Jetzt überholte mich noch ein alter Ami Jeep, in den Alpen fahren ja Unmengen von diesen Klassikmöhren rum. Noch ein paar Höhenmeter, da die Anzeige, dass es nur noch 1 km weit weg ist. Und da ist das Tor in Sicht, also noch einmal rein in die Eisen, sprinten, alles geben, denn bald ist alles vorbei.

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Jochen stand schon ’ne gefühlte Stunde oben und fotographierte uns einzeln ab, wie wir ins Ziel kamen.

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Silke, hinter ihr mal kein Ulmi.

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Cool, geschafft, wie sich nachher heraustellt in 2:18 r, also 13,4 Höhenmeter/Minute, vermutlich meine schwächste Leistung im ganzen Giro, aber andererseits auch erfolgreiche Revanche für die Transalp 2011.

Oben auf dem Pass war ganz schön viel Trubel und zum Glück war eine erste Verpflegungsstation aufgebaut bei der ich mich alleine versorgen konnte; Jochen wartete ja noch am Ziel auf die anderen. Auf einmal wurde es da ganz hektisch. Wir wurden alle aufgefordert sofort auf der anderen Seite in Richtung Umbrai Pass runter zu fahren; was ich dann auch tat. Später stellte sich heraus, dass ich noch so gerade da runter kam, kurz nach mir wurde die Abfahrt gesperrt und alle die noch oben waren mussten auf der gleichen Seite den Pass wieder runter, die sie hochgefahren waren. Silke, Silvia, Jochen und David waren davon betroffen.

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Oben, wie gesagt ein wenig rummelig.

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.. und wieder runter auf derselben Seite für Davidsilkesilviajochen.

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Oben. Jochensilvia.

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Oben: Silviasilke.

Davon bekam ich allerdings nichts mit, denn ich hatte mich schon auf die Abfahrt in die Schweiz gemacht. Ich bin mir nicht sicher, aber auf dem Weg nach unten kam ich an einem gestürzten Fahrer vorbei und vielleicht war es deswegen, dass, die Rennleitung entschieden hatte die Abfahrt zu sperren. Ich persönlich fand die auch nicht anders als die Strecke hoch, viele Kurven, die Strasse vielleicht etwas weniger breit abe auch deutlich weniger Verkehr.

Es machte mal wieder sehr viel Spaß da runter zu brettern und am vierten Tag klappt das abfahren auch ganz gut. In den ersten Tagen regiert oft die Angst, aber nach der Anstrengung den Stelvio hochzufahren ist einem eigentlich alles egal und man fährt als wenn es kein morgen geben würde.

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Auf der Abfahrt war ich größtenteils alleine, fast keine Autos, einfach super. Die Dörfer hier sehen etwas ärmer aus, so als wenn die Menschen dort im Schatten der Berge gelebt hätten. Unten, als es wieder flacher wurde, wurde die Gruppe wieder durch einen Konvoi langsam geführt, so dass wir alle aufschliessen konnten und gemeinsam zum Start zurückfuhren. Dort warteten auch schon die anderen auf mich in der Schlange der Essensausgabe. Es gab mal wieder Pasta.

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Noch früh am Tag, und die Arbeit ist bereits geschafft. Beim Essen fiel mir auf, dass ich den ganzen Tag Rapunzel nicht gesehen hatte, sie hatte sich wohl nur für die ersten drei Tage des Giros angemeldet. Aber dann sah ich ……. sie.

Sie

Sie.

Wow. Q36.5 Jersey. Ganz alleine. So hübsch, dass sich der Nerd links neben ihr nicht traut sie anzusprechen. Allerdings auch so hübsch, dass sich des Nerd, der das hier schreibt auch nicht traute. Sicherheitshalber erzählte ich den anderen erst mal nichts, aber jetzt nachdem alles vorbei ist und ich im sicheren Schoß der Familie gelandet bin darf dies zu Dokumentationszwecken erwähnt werden.

Da der Tag so schön war, und vor allem quasi vorbei, fuhren wir nach Naturns, wo David und ich mal eine Nacht auf der Transalp verbracht hatten. Eigentlich hatte ich ja so gedacht, mit dem Rad zurück nach Bozen zu fahren, aber ich war dann doch ganz glücklich im Bus zu sein. In Naturns kamen wieder die Erinnerungen hoch ….. gue und nicht so gute, aber die schlechten verschwanden schnell bei Apfelstrudel. Am nächsten Tag würde es weitergehen.

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Apfelstrudel in Naturns

Bald geht es weiter.

Strava

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Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: Kuh Sechsunddreissig Punkt Fünf.

Endlich – ein Reste Tag! Wir lagen aber nicht faul auf der Haut (doch) sondern machten uns auf zu Kuh Sechsunddreissig Punkt Fünf und hatten am Abend ein bemerkenswertes Essen im Barbiepuppenhaus bei Terlan.

Vacca Boia

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Prima. Endlich mal wieder lange schlafen und endlich mal ein Tag ohne Radfahren. Konsequenterweise machten wir uns mit dem Bus auf in die Stadt. Sicher, wir hätten auch mit dem Rad fahren können, aber meine Mutter hatte mich extra noch angerufen, um mir mitzuteilen, dass nicht Neapel, Palermo oder Taranto die Stadt in Italien ist, in der die meisten Räder geklaut werden, sondern Bozen. Mütter können so fürsorglich sein – nach all‘ den Jahren.

Wir hatten einen Besuch bei Luigi geplant. Der Kontakt kam über David zustande, der vor einiger Zeit einige Radklamotten von Luigi bei David Marx in Japan gekauft hatte.

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Natuskashii: David Marx, Stephen & Ryoko, Andrew und ich auf der Tour de Noto 2006. Beim Schreiben stellte ich gerade fest, dass ich genau das T-Shirt auf dem Bild trage. Ich denke, dass ist ein Zeichen des Alters, wenn man zehn Jahre alte Klamotten immer noch trägt.

.David Marx war der Importeur von Assos in Japan, aber irgendwann orientierte sich Assos neu. Und Luigi war der Oberforscher bei Assos und irgendwann beschloss er sich selbstständig zu machen und seine eigene Kollektion auf den Markt zu bringen unter dem Motto:

An extreme vision of the future
of competitive cycling clothing

David war sehr angetan von den Klamotten; ich war ehrlich gesagt eher skeptisch nachdem ich seinen Blog Entry gelesen und vor allem David in den Klamotten gesehen hatte. Aber ich würde mich gerne vom Gegenteil überzeugen lassen.

Im italienischen Teil von Bozen (wir hatten jedenfalls den Eindruck, als wenn dort niemand deutsch sprechen würde), in einer kleinen Gasse, in einem sehr stylischen Haus drückten wir auf die Klingel von Q36.5 und fanden Einlass.

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Q36.5 Headquarters.

Luigi war sehr freundlich zu uns und machte und erst einmal Kaffee.

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Und dann schauten wir uns seine Kollektion an. Wir kamen uns so ein wenig vor, als wenn wir wahnsinnig wichtige VIPS aus der Modewelt wären und uns der Chef persönlich alles zeigt und erklärt – VIP Treatment.

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Im Gespräch mit Luigi. Der dezente Hinweis auf meinem T-Shirt: „Young male model looking for work“ wurde leider ignoriert.

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Und die Sachen waren auch teilweise sehr gut gestylt. Zusammen mit der technischen Erklärung von Luigi waren wir dann nach wenigen Minuten so weit, dass wir uns ein Leben ohne das Zeuch gar nicht mehr haben vorstellen können. Wir brauchten nun unbedingt Bibshorts, Jerseys, Socken, Ärmlinge, Jacken….ach eigentlich alles. Während David und ich mit Luigi quatschen, probierten Silke und Silvia die Jerseys aus. Die beiden waren auch ziemlich angefixt.

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Mit Luigi sprach ich darüber, wie er sein Unternehmen auf die Beine gestellt hat und welche Innovationen es auf dem Gebiet der Radkleidung gibt. Wird das geführt durch neue Designs oder Farben, Materialien, oder etwas anderes? Interessanterweise stellte sich heraus, dass es auch die Herstellungsmethoden bzw. Textilmaschinen sind, die hier eine große Rolle spielen. Kleidungsstücke kann man heute z.B. nahtlos herstellen – vorausgesetzt man hat Zugang zu den entsprechenden Herstellern. Zusammen mit seinen wenigen Angestellten (seiner Frau und einer Assistentin im Einteiler) macht Luigi Entwurf, Planung, Marketing und Vertrieb, aber die Herstellung der Kleidung ist outgesourct nach Italien oder zu anderen speziellen Herstellern. Ich fand das sehr spannend und zog im Kopf immer wieder Vergleiche zu der Geschichte von Abe Burmeister und seinem Unternehmen Outlier,  die ich auch sehr schätze (Outlier Shop).

Fazit: Silke, ein Jersey, Silvia eine Bibshort, ich eine Bibshort und wir alle ein paar Socken und eine Trinkflasche jeder. Das war wirklich total großzügig von Luigi. Die Bibshorts hatte ich noch beim Giro an und sie fühlten sich zunächst etwas ungewöhnlich an, aber, am Ende des Tages waren das die großartigsten Bibshorts, die ich je getragen habe und weiß Gott, ich hatte viele, unter anderem auch ein paar weiße. Und die Socken:

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OK, es ist schwierig sich über Socken in einen Orgasmus zu schreiben, aber diese Socken streicheln meine Füße. Hat man diese einmal getragen, so fühlen sich alle anderen Socken nur noch an wie um die Füße gelegte Bananenschalen.

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Das ist meine Q36.5 Bibshort. Es gibt viele Bibshorts, aber das ist meine. Weiter unten werden meine Füße gestreichelt.

Danke Luigi. Vacca Boia heißt übrigens:

“ Vàcca [‘vakka] – Kuh, bòia [‘bɔja] – Henker/Metzger. VACCABOIA! –nicht übersetzbarer, aus der Emilia Romana stammender Ausdruck, bedeutet soviel wie ‚verdammt!‘, oder ,also, los!‘

Jochen war in der Zwischenzeit angekommen und hatte sich dazu entschieden die erste Etappe auf die Schneiderwiesen zu fahren. Wir hatten also noch etwas Zeit zum shoppen und essen bevor wir uns wieder im Hotel trafen.

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Shoppen. Ich liebe es im Ausland in Supermärkte zu gehen und zu schauen was es da so gibt.

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Chillen

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Wir fragten dann den Sohn der Hotelbesitzerin, ob er uns ein gutes Lokal für das Abendessen empfehlen könnte. Am nächsten Tag stand der Stelvio auf dem Programm, und auf den wollten wir gut vorbereitet sein. Er empfahl uns ein Lokal in Terlan, seiner Heimatstadt, mit dem Auto etwa eine halbe Stunde auf der Mebo entfernt. Es hätte uns vielleicht etwas stutzig machen sollen, dass wir dort reservieren mussten – insbesondere was die Preise angehen sollte.

Worauf wir aber gar nicht gefasst waren war, dass wir dort von Barbie persönlich bedient wurden. Barbie hatte blonde Haare, war auffällig geschminkt und hatte Südtiroler technische Kellnerinnen Dirndl Funktionskleidung an. Sozusagen die Q36.5 Kleidung für die regionale Gastronomie. Ich kann das unmöglich beschreiben, aber es sah im Prinzip aus wie ein Dirndl dem EPO gespritzt worden war. Dieses Bild kommt dem noch am nächsten:

Barbie redete auch sehr viel und sehr ethusiastisch über das dargebotete Essen. Ich meine, Sie gab sich wirklich sehr viel Mühe sehr nett zu sein, aber auf uns wirkte das irgendwie komisch. Vielleicht hat das damit zu tun, dass wir in Norddeutschland leben, wo wir solche Freundlichkeiten im Dienstleistungsgewerbe nicht gewohnt sind: „Moin. Was willst Du?“

Barbie machte dann auch Fotos von uns:

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Ich war jedenfalls mächtig eingeschüchtert. Bei Jochen kommt im ersten Bild auch sehr gut dieser „Was passiert hier eigentlich?“ skeptische Gesichtsausdruck rüber. Das Essen war jedenfalls gut.

Zuhause wartete bereits Jeanne auf uns und versorgte uns mit den üblichen Absackern. Aber nicht zu lange, denn morgen sollten wir ja den Stelvio hoch.

Doch dazu ein anderes Mal.

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Giro Dolomiti – die achtbändige Ausgabe. Heute: Lieber kalter Kaffee als heißer Tee.

Da der Stelvio am 4. Tag auf dem Programm des Giro Dolomiti steht, könnte man denken, dass dies die Königsetappe ist. Aber der Stelvio ist relativ einfach: 30 km rauf, rauf rauf und dann 30 km runter, runter, runter. Die Sella Runde am 3. Tag ist sowohl in Punkto Höhenmetern, als auch Distanz weitaus länger und härter. Vor allem die Idee, die Teilnehmer zunächst einmal 100 km und 2.700 Höhenmeter radeln zu lassen, um dann das Rennen beginnen zu lassen ist schon eine besondere.

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Die Grafik kommt den Rennteil nicht richtig wieder: Es ist das Stück beginnend im Tal nach ca. 100 km hoch zum Passo Sella über 9 km und 600 Höhenmeter.

Am dritten Tag kennt man den Drill. Am Abend vorher wird alles gewaschen und  vorbereitet, pünktlich um 6:09 Uhr wird aufgestanden; die Tür zum Frühstückssaal wird pünktlich um 0&.30 Uhr geöffnet, ich esse wie jeden Morgen das gleiche und dann geht es ab zur Messe nach Bozen zum Start. Dort stehen wir alle gut gelaunt rum, Thomas zum letzten Mal, denn er hat nur den halben Giro gebucht und will in den nächsten Tagen noch einige andere Pässe im Alleingang fahren, unter anderem den Mortirolo.

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Perfekt organisiert geht es um 7:30 Hr im Pulk los durch abgesperrten Verkehr genau wie am Tag zuvor Richtung Norden entlang der Brennerautobahn. Die Strasse kennen wir nun und ich schaue, wer so dabei ist und wen ich auf den anderen Etappen bereits gesehen habe. Rapunzel fällt, wie immer, recht schnell auf, die Hardcoremänner vom Erkelenzer RSC auch. Und dann sind da die vielen Fahrer vom RSC Niddatal, die Amis aus Miami von „Lola“, die Melody Farmers und, zu meinem Erstaunen, Massen an Skandinavienern, die man an Jerseys erkennt, weil die ganzen Namen darauf viele durchgestrichene „O“s haben, wie z.B. Osterhus. Auf einem Jersey steht: „Smagelig. Sniffgert. Snutvermot“ Oder so ähnlich und ich frage mich bis heute, was das heißen mag, es klingt aber irgendwie sehr überzeugend. Zwei gutaussehende, schnelle Typen aus Ulm, die „Ulmis“ fahren hinter Silke und Silvia her, trauen sich aber nicht sie anzusprechen. Sie haben beide Cervelos (der eine mit Shimano, der andere mit Campa), beide den gleichen Helm, überhaupt sehen so aus wie richtig gute Freundinnen. Ich fahre an ihnen vorbei, bin parallel zu Silvia und spreche sie an: „Na? So alleine hier? Ich auch!“ Silvia lacht. Tja, Jungs, so geht das.

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Hinten in schwarz-weiß: Einer von den Ulmis aus dem Eis.

Bei Barbian beginnt der Anstieg in die Sella Runde. Von 500 geht es rauf auf 2.250 Meter über 37 hm. Macht aber Spaß, schöne Strassen, gutes Wetter, kontrolliertes Tempo. Ich bemühe mich schon schnell zu sein, will es aber auch nicht übertreiben, denn der Tag ist lang und oben angekommen sind das eben erste die Hälfte aller Höhenmeter die gefahren werden müssen heute. Langsam wird die Landschaft atemberaubend. Am Morgen sind die Wolken noch dicht und die Berge noch nicht richtig zu sehen, aber gegen Mittag lichtet sich der Dunst und die gewaltigen Felsformationen werden in ihrem ganzen Umfang sichtbar.

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Das ist nun mal wirklich ganz anders, als die Berge, die wir hier in Bremen zu sehen bekommen! Es mag vielleicht komisch klingen, da der Vergleich ja an sich eher anders rum sein müsste, aber die Formen erinnern mich an die Berge von Guilin in China.

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Und so gar nicht an dieses neue, runde Dolomiti Eis von Langnese, das durch seine Zacken auch seinen Charme verloren hat.

Soweit ist wirklich alles gut. Ich überhole mal wieder einen Haufen Leute, die ich alle schon in den letzten Tagen überholt habe – dann werde ich von anderen überholt, die mich auch bereits mehrmals zuvor haben stehen lassen. Da jeder, und so auch ich, am Berg sein eigenes Tempo fährt, komme ich alleine am Sella Pass an. Einer von drei Pässen ist im Sack.

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Die folgende Abfahrt ist schnell und spektakulär. Noch besser als meine Lieblingsabfahrt überhaupt, Route 20 in Japan runter von Hakone nach Atami.  David erzählt mir später, das er ein Foto von mir gemacht hat, wie ich abfahre, siehe hier drunter. Man kann dem Foto allerdings nicht anhören, dass ich die ganze Zeit vor Glück schreie! „Yippie! Yeaahhhhh“ und wenn ich ganz übermütig drauf bin, dann singe ich „Yeah Yeah Yeah“ von den Rezillos.

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mob fährt total ab!….

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.. andere auch.

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Leider: Wie immer gibt es diese widerlichen Radpinkler an der Straßenseite, die die ganze Umwelt versauen.

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Danke, Mädels.

Es war aber spektakulär und für mich persönlich der Höhepunkt der Tour. Landschaft …wirklich überall.

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Und so ging es weiter, rauf und runter: den Pradoi Pass hoch, den Campolongo Pass hoch und dann in die letzte Abfahrt nach Corvara bevor der Rennteil der Etappe begann. Klar, ich war schon ziemlich müde, aber für den Rennteil hatte ich mir noch ein wenig Saft aufbewahrt.9 km mit 600 Meter Steigung waren im Vergleich zu den sehr steilen Anstiegen der ersten beiden Tage auch recht moderat. Tja, wäre man nicht schon 100 km in den Bergen gefahren.

Ich ga also ein wenig Gas, nachdem ich das Zeitmessungstor durchquert hatte und machte mich auf den Weg hoch zum Grödnerjoch. Leider hört dann auch das Betrachten der Landschaft völlig auf, ich kann mich überhaupt nicht mehr daran erinnern was um mich herum geschah. Nach etwa 2/3 der Strecke gab es eine Verpflegungsstation. Jemand rief „The caldo“ und da ich gerade nicht bei Sinnen war und mein italienisch ohnehin nicht so gut ist, dachte ich für einen falschen Moment, dass „Caldo“ kalt ist (Nein – ist warm) und das ein Tee jetzt gerade richtig wäre (Nein, auch das nicht). Ich nahm einen Becher und einen Schluck der augenblicklich meine Mundhöhle in eine überzuckerte, glühende Hölle verwandelte. Ich konnte das Zeuch gerade noch ausspucken, der Becher flog hinterher, aber den Geschmack konnte ich bis oben zum Pass nicht mehr los werden. Es war der Geschmack der Kindheit, wenn man mit Fieber im Bett liegt und die Mutter einem einen heißen Tee bringt, um wieder gesunde zu werden. Alleine die Erinnerung an die eigenen Kinderkrankheiten liess meine Leistung um 50% einbrechen. Na ja, oben reichte es doch noch für einen Spurt und dann ganz schnell runter nach Wolkenstein wo das Essen auf uns wartete.

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Es ging dann die Strasse zurück, die wir auch gekommen waren. Ich hatte keine Lust im Puk runter zu fahren und so machte ich mich heimlich nach dem Essen davon, umging die Streckenposten und fuhr im Verkehr die Strecke alleine zurück bis zum Beginn des flachen Stückes nach Bozen rein. Es war so gut wie kein Verkehr da und ich wurde belohnt mit einer herrlichen und schnellen Abfahrt. Ich war nicht der einzige, ich traf hier und dort auch noch ein paar andere Fahrer.

Dann ging es im Pulk und im gesperrten Verkehr, wieder perfekt organisiert nach Bozen rein. Ehrlich gesagt habe ich nicht die geringste Ahnung, was wir am Abend gemacht haben, vielleicht kann jemand aushelfen? Ah ja, wir waren Pizza essen in der Stadt und verabschiedeten Thomas, der am nächsten Tag durch Jochen ersetzt wurde.

Der nächste Tag war nun endlich ein Ruhetag und den hatten wir uns auch wirklich verdient.

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Demnächst mehr.

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