Tagesarchiv: 23. Oktober 2012

Premium Rush

Jörg, Olli, Björn und ich machten heute mal was anderes als immer Rad zu fahren: Rad zu gucken.

Wir trafen uns am Kino am Hauptbahnhof und wollten uns Premium Rush ansehen – Jörg hatte alles prima organisiert.

Ich war ziemlich aufgeregt, denn die meisten Leute kannte ich ja nur in kurzen Hosen und Gesichtumfassenden Brillen plus Sturzhelm – würde ich Jörg überhaupt erkennen? Es war dann doch einfacher als gedacht.

Björn hingegen hatte ungewollt einig Szenen aus dem Film bereits vor dem Film nachgespielt und sich dabei das Jochbein an einem Fiesta gebrochen. Olli hingegen musste sich am Samstag gegen einen Strom von Gladbachaffen durch den Hauptbahnhof kämpfen und ich hatte eine Anzahl repräsentativer Mützen mitgebracht, denn so ganz normal konnte man ja nicht in diesen Film gehen.

Schließlich war die gesamte Bremer Fixieszene da – alle Sieben. Vor dem Kino fuhren unglaubliche Kisten auf und ab. Eine hatte sogar keine Bremsen, ich hab das genau gesehen. Olli kaufte uns allen ein Bier und schwupp waren wir drin und der Film ging los.

Ich kann mich nicht mehr genau an de Handlung erinnern, es war sehr kompliziert, etwa wie „Im Namen der Rose“ oder bei „Drowning by Numbers„. Normalerweise mag ich so intellektuelles Zeuch ja nicht, da aber eine Menge Räder drin vorkamen und wilde Verfolgungsjagden durch New York City etwa 95% des Filmes ausmachten war ich doch sehr angetan. Ich will nicht die Spannung verderben Leute, aber keine Sorge, am Ende geht alles gut aus.

Die Hauptdarsteller sind ein Typ auf einem Fixie („I like to ride / Steel Frame / Fixed Gear / No brakes“ ist sein Mantra), ein Typ auf einem Rennrad (nicht so netter Kollege), ein Typ auf einem Trekkingrad (Polizist) und ein Typ in einem Auto (fieser Cop). Daneben gibt es noch ein paar Frauen im Radsport, ist aber nicht sooo wichtig für de Handlung.

Der Film ist in Englisch. Es ist nicht mehr das Englisch, was ich vor langen Jahren einmal in der Schule gelernt habe und manchmal kommt es mir sehr chinesisch vor. Das chinesisch in dem Film ist allerdings perfektes Mandarin-chinesisch, wie es die Eunuchen am Hofe des letzten Kaisers sprachen. Könnte glatt aus dem Schulbuch sein.

Nach dem Film sollte man nicht mit dem Rad nach Hause fahren. Eigentlich hätte wie bei Jackass nach jeder Szene ein Hinweis kommen sollen: „Don’t try this at home.“.

Ein vergnüglicher Abend. Zum Glück bin ich heil ins Bett bekommen.

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Panasonic PR-4000

Es gab eine Zeit, da war Japan erstens cool und zweitens arrogant.

Da war so Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger. Wirtschaftlich ging es immer schneller immer besser und die Möglichkeiten, so glaubte man, waren grenzenlos. Ein paar Jahre noch vielleicht, dann würde man die Vereinigten Staaten links überholen. Der Kaiserpalast war bereits mehr wert als ganz Kalifornien, für Tokyo bekam man die USA und für Osaka wäre vermutlich England, Frankreich und Madagaskar drin gewesen. Ausländer dienten zur Belustigung im Fernsehen, als Hostessen und zum Beibringen von Englisch, oder wie jemand der das tat mal sagte: „English is taught in the presence of Japanese.“

Tokyo war schrill und faszinierend, Geld war im Überfluss da, guter Geschmack eher weniger. Mein Chef drückte mir einen Gutschein für ein Taxi in die Hand der mich 80 km weiter zum Forschungslabor in der Provinz brachte und ihn bzw. die Firma 300 Euro kostete. Einmal war ich in einer Bar und pinkelte in ein Pissoir, das mit verschieden eingefärbten Eiswürfeln gefüllt war. Neue Gebäude wurden zunehmend mit Marmor verkleidet. Kurz, die Zeichen standen bereits auf Dekadenz und Untergang und da sich Geschichte immer wiederholt, zuerst als Tragödie, dann a ls Komödie, wird man das dann lustigerweise auch mit China in Zukunft beobachten können.

Die Achtziger / Neunziger waren ohnehin schrill wenn es um Frisuren und Farben ging. Aus dieser Epoche stammt dieser Panasonic PR-4000 Rahmen der vermutlich ursprünglich  mit Shimano 105SC 7-fach ausgerüstet war (im Steuersatz kann man noch den Produktionscode „OK“ sehen, was November 1990 bedeuten würde).

Ich habe heute schon einmal daran geputzt und gebastelt, es ist aber gut möglich, dass sich hier noch einiges ändern wird.

Der Rahmen selber ist aus Tange CroMo Seamless Tubes Double Butted, man schaue einmal hier für die Specs. Der Zustand ist nicht großartig aber OK, es gibt eine Menge Kratzer und leider auch eine kleine Delle am Oberrohr.  Gar nicht gefällt mir diese Unifork die aussieht wie bei einem MTB; am liebsten würde ich da etwas verchromtes, klassisches sehen.

Schön ist aber der Startnummernhalter am Oberrohr, so etwas hatte ich bislang noch nicht. Und die Bremszugführung am Oberrohr die offen verläuft ist durchdacht und sinnig.

Ein weiteres Highlight ist die in den Sitzstreben integrierte Klemmschraube für das Sattelrohr. Das sieht sehr schick aus, ist aber auch sehr speziell und wehe da geht man etwas kaputt.

Die Ausfallenden sind von Tange, das Innenlager ist BSA 68mm, es gibt keine Befestigung für einen Umwerfer, sondern es muss mit einer Schelle gearbeitet werden und die Schaltzugführung ist unter dem Innenlager. Befestigungen für Flaschenhalter am Sitz- und am Unterrohr.Typischer 90er Jahre Kram halt, wobei glaube ich, manche Menschen aber auch kein Freund von Anlötumwerfer sind, da diese abgerissen werden können. OK, aber dann macht ein integriertes Schaltauge hinten natürlich auch keinen Sinn.

Die Einstellschrauben sind übrigens neu, die alten waren verbogen. Zum Glück kann man ja so etwas noch bei Rose kaufen. Alles in allem sieht der Rahmen gut durchdacht und praktisch aus – aber eben nicht unbedingt schön. Das ist eben japanische Industriekunst a la Toyota und nicht italienisches Brickel-brackel a la Pegoretti.

Die Laufräder bleiben auf jeden Fall dran, das sind uralte Shimano Naben 600EX aus den Achtzigern mit dem alten Logo, Fettschmierungsöffnung und einer 6-fachen Uniglide Kassette. Darauf sind Mavic GP4 Schlaureifenfelgen mit recht rostigen Speichen verbunden. Die Gommitalia Champion Schlauchreifen sind neu mit Tufo Band verklebt. Das ist übrigens zu breit für die Felge und die klebrige Seite schaut auf beiden Seiten heraus. Geht das auch anders oder brauche ich Kitt?

Der  Rest der Teile ist erst einmal für das erste dran, oder „toriaizu“, wie man so schön in Japan sagt. Ich will aber möglichst viel Zeug aus meinen Kisten im Keller los werden. Und überhaupt ich muss mich von meiner Gruppitis erholen. In den letzten Monaten konnte ich es einfach nicht ertragen, wenn, sagen wir mal meine Bremshebel sehr schöne Shimano 600EX (6200) waren und dann aber Golden Arrow Schalthebel  (ebenfalls sehr schön) am Rahmen pappten. Nein, dann musste ich mir unbedingt bei Ebay sauteure Shimano 6200er Schalthebel kaufen. Ich denke diese Einstellung ist zumindestens für mich etwas bescheuert und vor allem: teuer.

Also kommt dran was mir gefällt und hier bahnt sich eine wilde Mischung aus Shimano, Suntour, Campagnolo, Gipiemme und Mavic an. Plus ein paar moderne und sinnvolle Teile. Ich hoffe ich bekomme diesen wunderschönen Suntour Umwerfer zum laufen, das ist nämlich etwas tricky a er mit der Außenhülle angesteuert wird.

Zudem ist da Teil wahnsinnig massiv, so dass es einmal gerade in den Zwischenraum zwischen Sattelrohr und Reifen passt. Ein 700 x 25C kann da nicht montiert werden.

Der Lenker wird vermutlich flach und kurz werden, ein Rennlenker ginge natürlich auch wäre aber deutlich langweiliger. Aber mal sehen, das ist ja das spannende am Radaufbau, man weiß am Anfang nicht genau was am Ende herauskommt und man kann immer noch hie rund da ein wenig tauschen.

Mein erstes, richtiges Rennrad war auch ein Panasonic, ich habe das September oder Oktober 1990 in Tokyo gekauft. Es war blau, vielleicht auch ein PR4000 und mit einer Shimano 600 Trikolore ausgestattet. Leider gibt es keine Bilder und so gegen 2001 wurde es mir leider geklaut. Heul.

 

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