Archiv der Kategorie: Touren

Alle Touren an denen Freunde der Cyclitis teilnehmen.

Dörfer mit aussergewöhnlichen Namen

Morgen ist Triathlon und ich habe die Woche nicht allzu viel dafür trainiert.

Zumindestens wird am Abend vor dem Triathlon nicht gesoffen, dass ist schon einmal ein Fortschritt. Allerdings am Abend vor dem Abend vor dem Triathlon und so wachte ich heute morgen mit einer dicken Birne auf. „Betrinke Dich nur in Deinen eigenen vier Wändern“ ist eine alte Beatnik Weisheit von Jack Kerouac. Prima, man weiß wo man aufwacht, aber leider ist dann auch immer eine Menge aufzuräumen und mit einem dicken Schädel macht das alles keinen Spaß. Also, dachte ich mir, als ich so mit dickem Schädel in meinen eigenen vier Wänden herumlungerte, kannste ja auch ein wenig trainieren für morgen.

Ich dachte also, ich fahre einfach mal so los Richtung Süden auf der falschen Weserseite (der Linksweserigen) und erkunde ein paar neue Straßen und zack bin ich nach 50 km oder so wieder zu hause. Und damit das auch ein richtiges Training wird, bin ich im kleinsten Gang gefahren und habe 100 rpm getreten.. Prima, davon wird man schnell warm. Nicht prima, dass man von mittelalten Männern auf MTBs überholt wird. Zum ersten Mal bin ich über das Weserwehr gefahren, das kannte ich noch gar nicht. Man fährt darüber und kommt genau an unserer Sonntagsbank aus – praktisch! Von da aus ging es Richtung Riede und Thedinghausen und dort fand ich ein interessantes Geschäft:

Ich bin nicht ganz sicher, aber ich vermute es handelt sich um ein Bestattungsunternehmen, dass sich auf Massengräber spezialisiert hat. Mir kam dann die Idee, dass ich wieder eine Tour der komischen Ortsnamen machen könnte. Letztens, auf dem Weg nach Brauschweig kam ich durch einen Ort namens Hodenhagen der nun wegen eines Safaripraks recht berühmt ist. Aber Hogenhagen? Ich meine, OK, der Ort hat bestimmt eine Geschichte von 400 Jahren, aber wussten die verdammt noch Mal in der Zeit des dreissigjährigen Krieges nicht was Hoden sind? Und welcher Tünnes kam denn auf die Idee seine Heimat so zu nennen?

Hodenhagen liegt weit weg und so machte ich mich auf den Weg an eine andere Stätte des Grauen: Adolfshausen. Man hört den Namen und ich weiß nicht wie es anderen geht, aber sofort hat man ein Bild von dem Ort im Kopf. In meinem Fall bestand das Bild aus schneebedeckter Landschaft mit ein paar Bäumen, etwa so:

Aber hier ist ja gerade Sommer und deshalb war Adolfhausen auch ganz anders. Ich wollte eigentlich ein Foto von dem Ortsschild machen, aber es gab keins.  Oliver erzählte mir heute, dass die Ortsschilder ständig gestohlen werden. Er hatte aber dieses schöne Foto parat, was die ungefähre Lage von Adolfshausen beschreibt, 2 km vor Jerusalem aus Richtung Berlin.

Die Strassen wurden aber immer schöner und das Stück von Emtinghausen nach Heiligenfelde war wirklich gut. Und dann östlich von der B6 wurde es noch besser, weil ein wenig hügeliger. Ich glaube ich bin da schon einmal mit den Anderen gefahren, bin mir aber nicht sicher. Aber ich mag das, einfach so ziellos durch die Gegend zu fahren auf neuen Straßen die ich noch nicht kenne. Natürlich sind das nicht die Alpen oder die Berge von Chichibu, aber dafür gibt es auch viel mehr Wege und man braucht viel weniger Planung.

In Syke kam ich dann zurück in die deutsche Realität.

Das war die Schaft- und Katezenecke. Das ganze Areal ist riesig, hinten gab es auch noch Hasen, Enten, Hunde, Gänse und Hirsche. Alles schön tier-rassisch getrennt.

Von Syke ging es dann weiter nach Brinkum und Stuhr. Von Stuhr dann nach Bremen und wieder einmal bei IKEA vorbei – gibt es eigentlich einen Weg nach Stuhr ohne bei IKEA vorbei zu müssen? Ich kam dann am Flughafen aus, das war neu und dort kann man gut fahren. Meine 50 km Runden hatte sich mittlerweile auf fast 90 km ausgeweitet. Also dachte ich mir, jetzt kann ich auch noch Mal zum Überseehafen fahren und mir die Strecke vom Triathlon ansehen.

Das habe ich dann auch getan und schon einmal unseren Stammtisch in meiner Lieblingskneipe Krokodil reserviert für die Siegesfeier morgen. Übrigens, für die, die es nicht wissen: Das Krokodil liegt gleich neben dem Elefant, ist aber Klassen besser.

Die Strecke ist übrigens recht einfach gestrickt. Man fährt quasi bis zur Waterfront und dann wieder zurück. Vermutlich wird es sehr windig werden, und der Wind bläst dann genau gegen die Richtung raus. Aber dadurch, dass man die Richtung wechselt und zwei Runden fährt gibt es nur kürzere Stücke mit Gegenwind und Rückenwind. Technisch ist das alles nicht.

An der Weser ging es dann zurück nach Hause. Der Fan-Tag bei Werder war gerade zu Ende und so kam ich mit den Massen zuhause an. Ich hatte ganz schön dicke Beine.

War ein bißchen viel. Mal sehen, wie es morgen läuft.

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Eine Nacht im Torf

Tobi und ich hatten uns gestern am Kiosk zur gelben Gefahr zum Fahren um Mitternacht verabredet.

Tobi hat dann allerdings verletzungsbedingt abgesagt. Ich hatte auch keine große Lust mehr, nachdem ich am Tage nach Hannover gefahren war und auf dem Rückweg in den Megastau auf der Autobahn kam. Zumindestens kamen mir nun die Erfahrungen von meinem 180km Radtrip nach Braunschweig entlang der Aller zu Gute. Schwarmstedt? „Das lag doch auf dem Weg an der Aller.“ dachte ich, und schon war ich runter von der A7 und machte mich entlang kleiner Straßen entlang der Aller über Ahlden, Rethem und Westen auf den Weg nach Bremen. Beim Ortsschild „Westen“ muss ich immer (dreckig) grinsen, Hermann Grönemeyer hat ja von dem Dorf schon gesungen:

„Tief in Westen“

Obwohl ich bin mir da nie so sicher ob er

  • das Dort Westen auf dem Weg nach Bremen,
  • die Himmelsrichtung falsch dekliniert, 
  • irgendetwas in den Taschen seiner Weste sucht, oder gar
  • den amerikanischen Schauspieler Michael Weston meint.

Jedenfalls, mit einem Satz: „In Westen nichts neues“ und außerdem stellt man wieder einmal fest: „Man weiß nicht wozu es mal gut sein kann.“ Oder, wie Steve Jobs 2005 nachher sagte: „Connecting the dots.“

Danach lag ich etwas komatös zuhause auf der Couch und schaute mir den unendlichen Fluß von sportlichen Nebenereignissen aus London an. „Mist“ dachte ich, was für ein miserabler Tag, jetzt fahre ich doch noch. Und so machte ich mich auf den Weg ins Blockland.

Sowohl Tobi als auch ich besitzen jeweils zwei Megascheinwerfer von Busch und Müller die auch schon einzeln heller als tausend Sonnen sind. Mit den Dinger kann man das Weserstadion ausleuchten. Ich machte die an mein Union Fixie und mich auf den Weg zum Kiosk zur gelben Gefahr wo ich ein imaginäres Becks trank.

Und dann ging es weiter zum Kuhsiel. Es war einigermaßen warm, die Lampen funktionierten prima und mit dem Fixie im dunkeln zu fahren machte echt Spaß. Auf dem Deich war recht wenig los, aber doch mehr als ich dachte. Zum Glück hatten die Bauern dort alle ihre Hunde an der Kette aber es waren doch eine Menge LKWs (Team Milram) und Trecker unterwegs – ein echter Bauer hat halt nie Freizeit. Links und rechts schwabberte der Nebel über den Wiese und der Wümme und im Norden (Entschuldigung, muß heissen: „in Norden“) leuchtete der Himmel blutrot über Vegesack. Die alte Legende vom mörderischen Metzger aus Vegesack kam mir in den Sinn:

In Vegesack an der Weser / Campus Ring 8

da lebt der Metzger Hensen / der aus Kindern Hackfleisch macht

den Eltern gibt er sie wieder / wenn auch als Frikasse

auf diese Art und Weise / tut scheiden nicht so weh.

Kurzum, es war ein wenig einsam und gruselig. Aber die Kühe standen noch auf der Weide und waren bislang nicht von Werwölfen gerissen worden und im Hintergrund zeigte das Minarett den Weg nach Mekka unterm Vollmond.

An der Ritterhuder Heerstrasse bog ich nach rechts ab und fuhr dann auf der anderen Seite der Wümme wieder zurück richtig Bremen. Junge, Junge, wer hier wohnt hat sein Hause wirklich auf der falschen Seite der Straße gebaut. Da ist ja abends gar nichts los! Ich fahre da wirklich gerne, es geht ja die Legende um, dass auf dieser Wümmeseite der Straßenbelag nicht besonders toll ist – das stimmt auch für die letzten 2,5 km vor Lilienthal, aber sonst ist das die perfekte, einsame Straße. Mittlerweile stand mir der Nebel auch bis zur Halskrause. Ui, da sah man ja fast gar nichs mehr und Nebel ist auch kühler als Luft und überhaupt, was sind das für Schatten da vorne?

Also ich war eigentlich ganz froh, als ich wieder in Lilienthal an er Brücke raus kam. Von da nur noch ein paar Meter nach Hause und entspanntes Shoppen an der Aral Tankstelle. Da gibt es einen Nachtschalter, bei dem muss man sagen was man will, dann holt der Nachtwärter das aus dem Laden – VIP Service.

Nachtfahrten sind große Klasse. Das nächste Mal kann es auch gerne länger sein, aber alleine ist mir das ein wenig zu gruselig. Ich poste das nächste Mal im Forum, wer mitkommen möchte bitte melden.

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Regen in der Zone

Ein durchaus verregneter Tag heute in Diemitz. Ich wachte auf und stellte fest, dass ich immer noch erkältet war aber zumindestens war ich motivierter als gestern. Ein wenig am Laufrad geschraubt.

Novatec Bahnnaben, rot eloxiert mit no-name Felgen, silber. Aber immerhin Swiss Revolution 1.5mm Speichen und schöne Sechskantnippel um richtig Spannung auf die Speichen zu bringen. Aber auch mit diesem relativ billigen Material ist es unmöglich einen Laufradsatz für unter 150 Euro komplett mit allem (Reifen, Schläuche, Felgenband, Kassette) zu bauen. Eigentlich sollen die Dinger ja ein mein rotes Colnago, aber damit wird es quasi unverkäulich, also kaufe ich mir doch so einen dämlichen Einzig Laufradsatz für unter 100 Euro.

Nach der Arbeit kam abends kurz die Sonne raus und ich fuhr zur Schleuse und an den See.

Es ist einsam und leise hier und das tut mir wahnsinnig gut. Es ist aber nicht so wie in diesem Overlook-Hotel. Heute habe ich, glaube drei Worte mit Menschen gesprochen. Es erinnert mich ein wenig an meine Studentenzeit in Aachen; 1987 bis 1990 wohnte ich alleine auf der Maxstrasse 12. Ich hatte einen guten Freund, der mich allerdings nie besuchte oder anrief, es war immer an mir dies zu tun. Ich hatte keine Freundin, weil ich etwas eckig und sperrig war und Aachen dummerweise einen Überhang an Ingenieursstudenten hat und die waren fast alle männlich. Meine Freunde unter den Ingenieuren hießen Christian oder Klaus und ich fand sie alle langweilig, bis auf Christian Cordes. Ab und an hatte ich sinn- und belanglose Affären mit Mädels wie Rosie, Brigitte oder xxx. Ich glaube ich war sogar kurz verliebt in die Schwester von Stefan Kuchen. Die Schwester von Stefan Kuchen! Ich wünschte es gäbe Worte die Absurdität dieser Idee zu Papier zu bringen. Die Frau hatte soviel Charme wie ein Basaltsofa. Unverständlicherweise war sie Kindergärtnerin. Die von ihr betreuten Kinder sind heute knallharte Firmensanierer und voll dominante Stationsoberschwestern. Vermutlich.

Manchmal blieb ich dann eine Woche zuhause, redete mit niemanden. Zum Glück bin ich dann 1990 nach Tokyo abgehauen.

Morgen soll gutes Wetter werden, wie schön.

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Am Ende der Straße

Erster Tag in der Müritz. Wundergutes Wetter, schöne Straße und superdicke Erkältung die einfach nur nervt, nervt, nervt und mich völlig unmotiviert auf dem Sofa rumhängen läßt. Heute einmal zum Ende Der Straße gefahren. Morgen wird es auch nicht viel weiter werden, mal sehen was Sonntag geht.

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Und es war Sommer …..

Endlich. So etwas wie das Gefühl eines Sommers.
Nein, richtiger Sommer. Ok, lets call it summer.

Der Schweiß rennt nicht in Bächen aus den Poren des Trikots aber die Vögel zirpen, der Abend ist lange hell und ich bin heute zum ersten Mal im Kurzarmtrikot ohne irgendwas gefahren. Wir waren erstaunlich viele PS heute.  Gutes Tempo, gute Truppe, gute Streckenführung. Zum Abschluß Bier am Dammsiel.

Auf dem Weg nach Hause riesiger roter Mond über Bremen.

 

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Harzige Fotos

Schnoopy Cat war so nett und diese Fotos von der Harz Finale Tour am letzten Sonntag zur Verfügung zu stellen.

Wie bereits berichtet, kehrten wir relativ rasch nach dem wir den Weg aus Bad Harzburg gefunden hatten (Merke: Alle Wege führen nach Bad Harzburg, aber selten einer hinaus!) in ein bekanntes Restaurant am Wegesrande von Wernigerode ein.

Nein, dieser Helmtragende, schuldig blickende Hamburgeresser war nicht der Einzige der Trost in der wenig leistungsfördender Kost fand.

Glücksrad (zu diesem Zeitpunkt) war auch da.

Und auch noch einige Andere fanden Trost und Zuspruch. Doch bald ging es weiter Richtung Brocken:

Und die ersten ernsthaften Anstiege begannen. Wilde Erdbeeren, so weiß die erfahrene Geologin, gedeihen am besten an Steigungen von 10% oder mehr.

Die hemmungslose Beschäftigung mit wilden Erdbeeren führt leider dazu, dass der Rest der Truppe bei Brause und Erbsensuppe irgendwo anders wartet.

Endlich auf dem Brocken angekommen muß erst einmal am Unglücksrad gefummelt werden. Dieses wird zunächst ein Single Speed.

Dann wird der Augenblick des Triumphes über die Höhe noch einmal auf Zellulitis gebannt.

Und schon geht es wieder zurück. Unglücksrad ist mittlerweile auf No Speed umgebaut. Das ist ein gutes Training für die Einen und keins für den Anderen.

Aber Dank einer sehr geschlossenen Mannschaftsleistung bekommen wir Unglücksrad nach Wernigerode gezogen, gedrückt und gerollt.

Geschafft. Mir scheint, als wenn es noch einige nicht öffentliche Fotos aus dem Zug mit Haribotüte gibt, aber das lassen wir einmal bis zum nächsten Mal.

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Ankunft mit Stil

Bestes Fahrradanzugwetter in Bremen. Bei der Landesrektorkonferenz darf ich unser Bremer Hochschulmolekül vertreten. Mein Rad ist cooler als Dein Audi, Uni-Müller!

 

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Harz Finale : Was wirklich geschah!

Bevor heute Abend das falsche Finale angepfiffen wird, kommt hier erst einmal die wahre Geschichte des wahren Harz Finales.

Natürlich habe ich überhaupt keine Lust an einem Samstag am sechs Uhr aufzustehen. Vor allem dann, wenn die ganze Woche bei der Arbeit hart und größtenteils unerfreulich war und die Party am Donnerstag Abend schon in der 20., spätestens aber in der 36. Minute zu Ende war. Ich fuhr von der Party nach Hause durch die Straßen Bremens nach Hause und niemals irgendwann war es so still in der Stadt. Am Freitag Abend habe ich mich dann noch mit dem Fixie für eine Stunde ausgetobt, aber auch dann noch lag eine seltsame Mischung von Sommer und Melancholie meterdick hoch auf beiden Seiten der Wümme.

Der Wecker klingelte „LAUT !“ und ich hatte meine üblichen Visionen von entzündeten Sehnen, angeknacksten Knöcheln und usbekischen Geheimagenten die mich in einen handgeknüpften Teppich einrollen, auf ein Düsenkamel schmeissen und mich ab nach Taschkent  entführen. Da stellt sich alles als ein großer Irrtum raus, am Montag sitze ich bereits wieder an meinem Schreibtisch, in der Schublade ein Entschuldigungssschreiben des usbekischen Präsidenten. Jedenfalls war ich froh, das ich das ganze mit organisiert habe, die Verantwortung wiegt dann schwerer als sämtliche Unlust und das hilft mir aus dem Bett zu kommen.

Kurz vor Sieben war ich am Bahnhof und recht schnell trudelten auch Tobias (aka Tobias), Rote Sora (aka Silke), Blitzrad (today known as „Unglücksrad“) und Torsten und Karin ein. Das sollte es auch sein, aber hey, sechs starke Fahrer sind 50% mehr als ein Bahnvierer. Leider auch einer mehr als ein fünfer Niedersachsenticket. Am Bahnhof wurde noch kräftig eingekauft, denn wir alle hatten mehr oder weniger wenig gegessen. Der Regio nach Hannover war wieder nervig voll mit schweren Trekking und MTB Fahrern, so daß wir die übliche Angst um unsere Räder hatten. Am besten ist immer noch die Strategie: Abstellen, ins Abteil gehen, und setzen, Türe zu und nicht mehr darüber nachdenken. Mit ein wenig gutgemeinter Ignoranz gehen doch die meisten Probleme weg. Bei den meisten Kratzern an meinem Rad kann ich auch nicht mehr sagen wie neu die wirklich sind.

Die Stimmung war jedenfalls gut, mindestens so gut wie das Wetter. Intensivst wurde die faszinierende Routenplanung von Torsten und Karin diskutiert. Wir wollten alle auf den Brocken, zum vorletzten Mal als ich da in der Gegend war lag das Ding nämlich noch in einem anderen Staat. Das letzte Mal hatte Kaipi mich nicht gelassen. Vorher hatte der Staat uns nicht gelassen. Natürlich wollten wir auch alles auf die B4 in Bad Harzburg, vom Tour Magazin als eine der schönsten Radstraßen der Welt ausgezeichnet und wärmstens von Karin empfohlen. „Alluviale Schwemmlandschaften kreuzen sich hier mit erruptiven Granitformationen aus dem Pleistozän.“ war ihre recht einleuchtende Erklärung, der auf Anhieb niemand zu widersprechen wagte. Kreuzen ist auf jeden Fall schon mal gut. 

Natürlich durften auch Technikdiskussionen nicht fehlen bei einer richtigen Tour. Tobias z.B. hat nicht nur ein Jersey von Campagnolo (Tobias hat einen extrem verlängerten Oberkörper, so daß nur Campagnolo in der Lage ist Trikots für ihn zu fertigen die über den Bauchnabel reichen) , sondern auch alle Teile an seinem rad sind von Campganolo. Bis auf Schaltung, Bremsen, Laufräder und alles andere was Rose so an das Ding dran gebaut hat. Was Tobias aber nicht an seinem Rad hat sind Basaltfasern. Die habe nur ich, in meiner Ritchey Sattelstütze von Canyon und die sind unglaublich komfortabel! Jeder der schon einmal auf einem Basaltsofa gesessen hat, weiß wovon ich rede.

Das ist aber immer noch bequemer als eine Runde Rad auf meinem alten Cervelo Soloist S1 zu fahren. Das ist so hart, dagegen sind die Sitze der deutschen Bahn Mayonaise. Ansonsten unterhielten wir uns noch über Personen (Lance Armstrong, Balotelli, die hübsche Kassiererin bei Stadler) und ihr Eigenschaften (Arschloch, Arschloch und hübsch). Unterbrochen wurden wir von Rufen wie „Schau mal die Berge!“  „Der Brocken! Der Brocken“ Ui!“und so weiter. Und ehe wir uns versahen waren wir auch schon in Bad Harzburg, das kleine Bremen in den Bergen, wie es von seiner lokalen Bevölkerung liebevoll genannt wird. 

Datei:Bad harzburg station window.jpg

Das Bahnhofsfenster  zeigt die Stadt Bad Harzburg am 30. Januar 1933, seitdem hat sich wenig geändert, so daß wir anhand des Fensters einfach die Straße nach Braunlage finden konnten. Zum Glück hatte Torsten ja bereits alles auf seinem Garmin programmiert, den Rest hatte Karin im Kopf. Es stellte sich dann nur leider heraus, das die B4 irgendwann nach 1933 in eine 12 spurige Autostraße umgebaut worden war, auf dem Radfahrer eine Überlebenschance unwesentlich kleiner als 0,0000000000000001% haben. Pro Minute. Zum Glück hatte Torsten ja noch seinen Garmin, in dem er einfach „Braunlage“, unser Ziel eingab, und das ihm dann, während mir mehr oder minder sinnlos konzentrische Kreise durch Bad Harzburg fuhren, ausrechnete wo es lang ging. Die Tatsache, dass das Gerät eine Entfernung von 346 km angab (Angeber!) hätte uns irgendwie stutzig machen sollen. Nach einer halben Stunde kannten wir Bad Harzburg bereits recht gut und Torsten fuhr voll in ein parkendes Auto das laut Garmin nicht hätte da sein dürfen. Karin hatte die Route anhand von geologischen Formationskarten geplant und verlangte nun nach 3 km tiefen Kernbohrungen um die Position und Richtung zu überprüfen. Der Rest fuhr einfach hinterher. Das macht Spaß, wenn es einen Weg mit 50 km/h runter geht und weniger Spaß, wenn es den gleichen Weg mit 15 km/h wieder hoch geht – und man dann letztendlich immer noch am Stadtrand von Bad Harzburg steht. Der Stimmung tat aber all dies keinen Abbruch. Zum Glück trafen wir auf ein paar Bauarbeiter die uns dann den richtigen Weg nach Wernigrode zeigten. Das fanden wir dann auch ein besseres Ziel als Bad Harzburg und machten uns auf den Weg dorthin.

Jetzt kamen wir auch gut voran unter blauem Himmel, flockigen Wölkchen und dem Brocken auf der rechten Seite. Das Terrain ist doch ein wenig anders  als in Bremen. Es geht so rauf und runter, nicht zu viel aber ständig. Ist ein bißchen wie eine Woche im Leben wenn man älter wird. Die großen Pässe liegen hinter einem, aber es gibt zum Glück noch hier da ein wenig Aufregung im Alltag. Und schwupps waren wir in Wernigerode. Na ja, schwupps heißt nach gefühlten 24 Stunden, unsere Mägen waren leer, so daß wir zunächst einmal ein Restaurant aufsuchen mussten um etwas zu essen. Dieses Restaurant ist dafür bekannt, dass es leistungsfördernde Gesundheitskost zu günstigen Preisen verkauft. Und so machten wir uns frisch gestärkt auf den Weg nach Schierke, wo wir dann den Anstieg auf den Brocken wagen wollten.

 Blitzrad (hier noch) und Tobias in Wernigerode. Die Masse da vorne ganz hinten ist der Brocken.

 Das machte jetzt richtig Spaß. Die Anstiege wurden langsam knackiger  und das Tempo etwas langsamer. Aber raus aus der Stadt und bei so einem Wetter in der Natur – das war schon prima. Langsam ging es nun von etwa 200m auf 500m, immer schön mit Schildern am Straßenrand, so dass wir wussten wie viel wir bereits geschafft hatten. Linkerhand kam ein Parkplatz an einem Bahnhof der Brockenbahn wo wir kurz Rast machten. Karin, so stellte sich später heraus, wurde von einer Bande wilder Erdbeeren überwältigt, die sie mächtig aufhielten so dass Sie später zu uns stiess. Tja, sie fährt halt mit offenen Augen durch die Welt. WEnn man mich fragen würde, was ich auf der Fahrt nach Schierke bemerkt habe, dann würde ich vielleicht sagen „Mein Vordermann fuhr einen Conti GP4000S in schwarz“ oder „Scheiß Belag!“ Wir bewunderten dann aber trotzdem die Auswahl an Brause und Erbsensuppe und waren froh bereits gegessen zu haben.

Und dann, schwupps, waren wir in Schierke und machten uns direkt auf den Weg. Tobias und Torsten nutzten noch schnell die Gelegenheit vor dem Anstieg ihr Körpergewicht zu optimieren. Ich fuhr so vor mich hin, bis ich von Tobias überholt wurde, aber dann legte ich auch einen Zahn drauf, de Anstieg war so bei 3 bis 4% im Wald, schön kühl und das ganz machte viel Spaß. Leider ging dem Brocken dann irgendwo der Wald aus und die Anstiege wurden steiler so dass es dann wesentlich anstrengender wurde. Aber zum Glück gibt es dann zwischen durch auch wieder ein paar flache Stücke, bis man dann zu eine Bahnüberquerung der Brockenbahn kommt. Von hier aus ist es nur noch einen Kilometer bis nach ganz oben, aber leider wird der Straßenbelag wirklich mies und das Stück ist total voll mit Fußgängern. Diese sind schon recht platt vom Anstieg und nicht sehr kooperativ, so daß man sich an den steilen Rampen seinen Weg durch eine Kombination von Schotter und Hindernissen suchen muss. Und dann ist man oben. 

Für Blitzrad, in seiner jugendlichen Stärke war das alles natürlich viel zu einfach gewesen, so dass er am Ende, kurz vor dem Ziel sein Schaltwerk durch die Speichen zog um den Schwierigkeitsgrad der ganzen Geschichte zu erhöhen. Zum Glück fanden wir einen MTBler mit Kettennieter, so daß wir sein Rad auf Single Speed umbauten.

Man beachte das Fabribat der Kurbel: „Full Speed Ahead“ wurde zunächst zum „Singele Speed Ahead“ und später dann zu „No Speed Ahead“

Wir hingen dann erst einmal eine Weile auf dem Brocken rum, bis wir dann alles gerichtet hatten. Die Abfahr ging dann zunächst über den sehr miesen letzten Kilometer, aber dann wurde die Straße besser, schnell und es waren viel weniger Leute da. Ab und an nervte ein Pferdewagen, aber es machte richtig Spaß und wurde richtig schnell. Nachher im Zug zückten wir alle unsere Tachos, ähnlich wie beim Autoquartett und sagten „Maximalgeschwindigkeit: 65 km/h  erst!““ oder ähnliches. Unglücksrad, dem das alles noch nicht schwierig genug war, hatte nun die super Idee auch noch seine Kette reißen zu lassen. Zum Glück ging es aber größtenteils nur noch bergab, so das wir ihn zwischen uns nahmen und anschoben. Das klappte recht gut. Das sind immerhin fast 30 km vom Brocken bis zum Bahnhof in Wernigerode. Abwärts laufen lassen, dann wieder schieben, wir wechselten uns da immer ab, aber wir waren enorm schnell und schwupps am Bahnhof. Blitzrad aka Unglückrad aka Keinradmehr wartete dann dort auf den Zug nach Hannover und der Rest machte sich auf den Weg nach Bad Harzburg wo wir dann in den selben Zug einsteigen wollten. Zurück ging es echt fix. Also überhaupt kein Vergleich zu der Hinfahrt. Irgendwie waren wir einfach schnell und dann …. da. 

Schnell die Sachen aus dem Schließfach, die anderen gehen schon zum Gleis. Ich wollte mich noch umziehen mit frischen Sachen, da ist aber keine Toilette und auch keine Zeit. Egal, Hose runter und so steche ich einige Sekunden nackt in der wunderschönen Bahnhofshalle von Bad Harzburg bevor ich auch zum Gleis gehe. Der Zug mit Keinradmehr kommt, aber er sitzt viel zu weit vorne und in der Mitte ist der Zug getrennt, so daß wir ihn nicht bis Hannover sehen. Bei uns ist die Stimmung gut, wir haben eine Menge erlebt und Silke hat zum Glück eine Tüte Haribo dabei um uns aufzubauen.

Neben uns im Abteil ist eine Gruppe von Kindern die einen Geburstag im Zoo von Hannover gefeiert haben. Die beiden erwachsenen Betreuer geben uns die übrigen Möhren und Paprika, so daß wir langsam wieder zu Kräften kommen. Und schwupps sind wir wieder in Bremen. Im Endeffekt sind wir so um die 110 km gefahren (der Tachovergleich im Zug zeigte dann doch sehr unterschiedliche Werte an die von 110 bis 166 km/h reichten. Torsten hatte die wenigsten km da er über ein Auto gefahren war wo alle andren einen weiten Schlenker gemacht haben. Und vielleicht so um die 1.500 Höhenmeter, wenn man dem Barometer glauben darf.

Das wahre Harz Finale hat mächtig Spaß gemacht. Und in diesem Sommer noch ist dann  Harz II geplant. Die ursprüngliche Idee dabei war, daß man ohne Fahrkarte von Bremen nach Bad Harzburg kommen muß, und sich dann dort ein Rad „besorgt“ um die Tour zu fahren. Na ja, vielleicht machen wir das dann doch anders. Wie das wahre Harz Finale gezeigt hat, gibt es immer Differenzen zwischen Plan und Wirklichkeit.

 Danke an alle die dabei waren – wir werden noch in Jahren darüber sprechen. Unsere Enkel werden dann sagen „Oma/Opa, hör auf wieder vom Harz zu erzählen, das habe ich schon so oft gehört.“ Na ja, das sagte ich ja auch zu meinem Opa, der in den Vierzigern im Russland nicht zum Radfahren war. 

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Allez ! Allez ! Harzfinale !

Genau. Nächsten Samstag ist es so weit. Der Mann in Gelb wird nicht dabei sein.

Details hier

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Die Varusschlacht Teil II

Endete heute mit einem klaren Sieg der römischen Legionen. Doch alles der Reihe nach.

Manchmal entstehen aus dem Nichts Verbindungen zwischen nicht zusammenhängenden Ereignissen, die dann zusammen zu einem schönen Ganzen führen. Schönes Wetter in Bremen, die Stories von Jörg über die Schönheiten des Osnabrücker Landes (denn auch wenn er sich Jörg_hb im Forum nennt, so ist er doch so wie Marco und ich ein Zugereister in Bremen). Der Wunsch von Marco am Samstag zu fahren, meine Familie in Berlin auf der Eisbahn. Keine Lust wieder um Bremen zu fahren. Die Lust darauf etwas verücktes zu machen.

Also schrieb ich einfach an Marco, dass wir heute mit dem Forum nach Osnabrück fahren würden. Er schien etwas überrascht, stand dann aber um kurz vor 9 am Bahnhof in Bremen. Ich war zweimal in meinem Leben in Osnabrück: Einmal 1980, als in mit meiner Band EA80 dort einen Auftritt hatte in dessem Zuge die Halle dort abbrannte. Gerüchten zufolge hatte damals Tommy Stumpf vom KFC (Kriminalitäts Förderungs Club) Feuer gelegt, aber denen traute man halt damals alles zu und der KFC hat dem niemals widersprochen. Das zweite Mal war bei weitem nicht so spannend, mit unseren Studenten im letzten Jahr. Die Jugend von heute taugt halt nichts.

Ich habe also überhaupt keine Ahnung wo man da Radfahren kann. Natürlich habe ich das Marco nicht gesagt. Ich habe auch nicht gesagt, daß wir vermutlich nur zu zweit sein werden. Und auch nicht, daß wir da niemals fahren. Die besten Voraussetzungen für einen spannenden Trip. Eigentlich wollte ich Marco mit zum Ort der Varusschlacht nehmen, wo wir uns dann die Hände reichen wie damals Ronald Reagan und Helmut Kohl in Bitburg auf dem Soldatenfriedhof und Dinge sagen wie: „Hey Marco, ist schon OK, das ihr Jungs vor 2003 Jahren ohne Erlaubnis da in unserem Wald rumgelaufen seit.“ Und Marco sagt dann: „Macht auch nix, dass ihr damals tausende von Römer umgebracht habt, ich komme ohnehin aus der Gegend um Neapel.“

Der Regionalexpress war nur leicht zu spät und in Osnabrück kaufte ich erst einmal eine Landkarte. Wir kamen schnell in Fahrt und fuhren raus Richtung Ostercappeln. Die Straßen waren voll mit schlecht gelaunten Autofahrern. Das ist OK, wenn man bei der EM verliert, aber wir hatten ja doch wohl gewonnen gestern.  Die Laune war eher so, als wenn gestern beschlossen wäre in Deutschland die Drachme statt dem Euro einzuführen. Wir fuhren recht zackig mit einem guten Rückenwind. Von Osercappeln ging es weiter nach Bad Essen und dann hatten wir als erste Bergprüfung den Essener Berg angesetzt. Marco ist ohnehin recht schnell; am Berg ist er allerdings das Äquivalent zu Marco  Reus während ich so Bargfredisch den Berg hoch fahre.  Also, er ist leicht und schnell und jung. Aber er wartet dann nett oben und beim runterfahren darf ich ihn dann überholen, weil ich einfach viel mehr Risiko fahre.

Von Bad Essen ging es weiter nach Melle. Das ist eine sehr schöne Strecke und in Oldendorf gibt es noch einmal einen richtig fetten Berg. Es kamen uns auch vereinzelte Radfahrer dort entgegen,aber wir waren so ziemlich die einzigen die gegen den Wind fuhren. Bis nach Wellingholzhausen. Dort gab es einen sehr schönen Kreisverkehr, auf dem wir erst einmal Pause machten. Marco ist Riesenfan der deutschen Nationalmannschaft, die er aber komischerweise immer die „Azurri“ nennt. Ich bin ja halber Italiener und und deswegen bin ich großer Fan des italienischen Fußballs. Da ich in Mönchengladbach auf Sizilien aufgewachsen bin ist mein Lieblingsspieler Boninsgena.

Heute könnte man an de Dose doch sicherlich noch ein paar DNA Spuren sichern, um das eins für allemal zu klären.

Also, wir entdeckten jedenfalls eine schöne Bank in einem Kreisverkehr und machten kurz Pause.

Dann ging es weiter nach Dissen am Teutoburger Wald. Dissen am Teutoburger Wald macht echt Spaß. Dissen in Bremen ist Mist. Über Hilter und Hardenberg kamen wir dann zurück nach Osnabrück. Insgesamt war ich froh eine Karte gekauft zu haben, sonst wären wir wie Varus da im Wald rumgetappt und hätten nicht ein noch aus gewußt.

Fazit: 3 1/2 Stunden sehr angenehmes Radfahren mit vielen Hügeln auf insgesamt 84 Kilometern. Fast 800 Höhenmeter gefahren, also soviel wie in Bremen in einem Monat. 3 1/2 Stunden im Zug, 1 1/2 Stunden hin, und dann 2 Stunden zurück mit dieser als Zug getarnten Straßenbahn namens NWB. Die Fahrt zurück war eine echte Qual. Doch da entdeckte ich auf Marcos Trikot, dass er ein Fan der holländischen Poptruppe „Gruppo Sportivo“ ist:


Obwohl die Puffy Version ist auch nicht schlecht. Ich bin ohnehin großer Puffy Fan seitdem ich sie einmal Live in Shibuya gesehen habe.

Egal, das war jedenfalls eins ehr gutes Training für das Harzfinale am nächsten Wochenende.

 

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