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Festive 500. Tag 3. We hoped, you wouldn’t notice.

Es ist unmöglich 500 km in acht Tagen in Bremen zu fahren. Ohne nach Wilstedt zu kommen. Zumindest trifft man in 80% aller Fälle jemanden auf dem Weg in das Radsportmekka Norddeutschlands.

Was bisher geschah: Festive  500 Tag 1. Festive 500 Tag 2.

Interessant das es noch immer Radsportmekka heisst und nicht etwa Radsportvatikan oder Radsportberlin. Trotzdem Zeit es umzubennen, in das „Radsportwilstedt“, also demnach

Wilstedt ist das Wilstedt des Radsports ! 

Ich war früh auf dem Rad und fuhr in Richtung Kuhsiel, um dann bei Hannes vorbeizufahren; mal sehen, ob er Lust hatte ein paar Kilometer mit mir zu machen. Hatte er schon, ging aber nicht und so machte ich mich auf ganz konventionelle Art auf, nach Lilienthal und von dort aus durch Timmersloh, Heidberg und Grasdorf nach Wilstedt zu fahren. Ich hatte guten Rückenwind, als mir kurz vor Wilstedt eine Truppe undynamisch aussehender Rennradfahrer entgegenkamen, während ich im Höchsttempo dahin flog. Dabei erkannte ich Philipp, der mit seiner Mannschaft gegen den Wind kämpfte. Das würde mir auch wieder im Laufe des Tages bevorstehen – also besser nicht daran denken.

Mensch, ich könnte ja auch zu Hause bleiben, mir eine Nikolasmütze aufsetzen und auf der Rolle sinnlos durch das Wohnzimmer fahren. Oder noch besser, das gemeinsam mit vielen anderen Menschen machen und so tun, als wenn das ein Rockkonzert, oder eine spirituelle Erleuchtung wäre.

Oder noch besser, ich fliege in die Wärme, z.B. nach Saigon und nehme da an einem Draft Race (Fixierennen) teil.

Mal eine kurze Frage, gibt es in Saigon eigentlich so etwas wie eine Erdatmospäre? Also so ein Gemisch aus Stickstoff, Sauerstoff, CO2 und so das man atmen kann und, leider, etwas das einem beim fahren so etwas wie Luftwiderstand bietet? Die fahren da hinten nämlich Rennen, als wenn es keinen Luftwiderstand geben würde – ein Draft Rennen ist das jedenfalls auf keinen Fall, dazu müsste man irgendwie hintereinander fahren und nicht wie in einer Gauss’schen Glockenkurve standardverteilt über die gesamte Länge des Kurses.

Bei mir ging es weiter Richtung Bülstedt, Vorwerk und Ottersberg. natürlich fühlte ich mich, mit dem Wind im Rücken wieder großartig und dachte das würde nun ewig so weiter gehen. OK, also dann weiter Richtung Posthausen (wo das Dodenhof UFO wieder voll besetzt war) und von dort aus nach Achim/Uezen und über die Weser. Nach 80 km machte ich meine erste Pause. Cool, 80 km im Sack, was sollte da noch groß passieren?

Na klar, jetzt ging es gegen den Wind ca. 20 km zurück Richtung Bremen. Und das Wort Wind trifft es diesmal nun wirklich nicht, das war schon eher ein Taifun wie ich das seit der Noto Tour 2007 nicht mehr erlebt hatte. Damals kam ein Taifun aus Richtung der Philippinen auf Japan zu UND ich hatte am Vortrag Geburtstag und wir hatten bis tief in die Nacht getrunken und gefeiert. Am nächsten Morgen, nach vielleicht zwei, drei Stunden Schlaf fühlte ich mich zunächst großartig.Klar, ich war ja auch noch vollbetrunken. Fuhr schnell, riskant und hatte meinen Spaß.

Doch dann ging es gegen den Wind und mir ging gang, ganz schnell Puste, Selbstvertrauen und Alkohol aus. Am Ende lagen wir nur noch irgendwo in der Gegend herum.

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Hier liegt David, halb betrunken. Jerome erbrach sind ein paar Stunden später in der Toilette eines Supermarktes. Dann fuhren wir alle nach Hause.

Manchmal glauben wir, wir können Dinge einfach ignorieren und dann finden sie nicht statt oder haben nie stattgefunden. So, wie das ich mich jetzt gegen den Sturm nach Hause kämpfen musste. Dazu folgende Geschichte von David aus seiner Jugend:

Als Teenager war er in den Siebzigern zusammen mit seinen Freunden nach London gefahren und Abends sassen sie dann zusammen in einer Pizzeria, um dort zum essen. Guter Laden, sie waren mächtig beeindruckt. Alle hatten Pizza bestellt und als der Kellner ihnen ihre Gerichte brachte, fiel ihnen etwas merkwürdiges auf: Auf keiner der Pizzen war auch nur ein Hauch von Käse zu sehen.

Hm, das war komisch. War es vielleicht in London so, dass man hier Pizza ohne Käse aß? Ein neuer Trend? Was sollten Sie machen? Einfach die Pizza essen und so tun als wenn nichts gewesen wäre? Schließlich fasste sich David ein Herz, rief den Kellner und stammelte:

„Sir, I am very sorry to ask you, but we noticed something somewhat peculiar with the dishes we’ve odered. Not that we want to critize you or your excellent restaurant, it is just that …. well we thought, after thinking the issue carefully over, that perhaps something is missing …something like chesse, if you don’t mind pointing that out.“

Der Kellner antwortete darauf: „I am terribly sorry Sir, but we have ran out of cheese this evening. We hoped you wouldn’t notice.“

Irgendwie hoffte ich jetzt auch, das ich gar nicht bemerken würde, wie ich jetzt nach Hause fuhr. So war es aber überhaupt nicht, sondern echt brutal. Teilweise fuhr ich mit 12 km/h die Straße lang, strengte mich aber für 40 an. Das machte so gar keinen Spaß und ich war froh als ich in Ahausen war. Froh, und so kaputt, dass ich vor der Garage, vor der ich schon immer mal ein Foto machen wollte, ein Foto machte. Das ist das Haus, wo sie eine Giraffe halb verbuddelt haben.

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Das No! 3Rensho machte sich dieses Jahr wirklich gut. Die ShimanoSchaltung fängt aber an zu mucken, wenn sie dreckig wird. Sensibles 11-fach Zeug halt.

Und dann schleppte ich mich die letzten Kilometer Richtung Weserwehr.

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Und dann noch ein paar Kilometer nach Haue. Dusche. Couch. Fertig.

Strava

So jetzt noch die Auslösung des Rätsels von gestern. Die Frage war, aus welchem Film dieses (abgewandelte) Zitat stammt:

„Diese Maschinen drehen die Zahnräder, die die Erde in alle Himmelsrichtungen bewegen und ihr Balance und Harmonie geben.“

Zur Wahl standen, symbolisiert durch Bilder, Film Ah! „Der Mann, der die Frauen liebte“ und Film Bäh! „Rambo III“. Richtig ist natürlich Ah! und gewonnen hat der Tobi! Herzlichen Glückwunsch.

Das Zitat lautet im Original: „Die Beine der Frauen sind die Zirkel, die den Erdball in allen Himmelsrichtungen ausmessen und ihm sein Gleichgewicht und seine Harmonie geben.“ und ist aus diesem großartigen Film den ich immer wieder schaue mit der schönsten Frau der Welt, Brigitte Fossey.

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Tobi äußerte sein Bedauern, dass das Zitat nicht aus RAMBO III ist. Den Film habe ich übrigens bei seiner Premiere 1988 im Kino in Aachen zusammen mit Dirk vom „Holy War“ Fanzine aus HH gesehen und anschließend waren wir so betrunken, dass wir eine Pappfigur mit Silvester Stallone vor dem Kino klauten und damit martialische Fotos vor der Frauenkneipe „Schwarze Spinne“ in meiner Straße machten. Die Frage die sich mir stellte war, gibt es überhaupt Zitate in Rambo III. Ich meine, viel geredet wird da ja nicht.

Aber eins habe ich dann doch gefunden:

Col. Trautman: [after barely escaping the explosion of a fuel bomb dropped by a helicopter] That was close John. How are you?

John Rambo: Well done.

In diesem Sinne.man muss Silvester Stallone aber zu gute halten, dass er Regie bei diesem Film geführt hat.

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Festive 500. Tag 2. Ab in den Süden!

Eine sehr gute Idee, wenn man nicht so große Lust hat auf das Rad zu steigen, ist es im Wetterbericht die Windrichtung zu prüfen und dann mit dem Wind möglichst lange und weit rauszufahren. Das macht richtig Spaß, man denkt sich: „Boh, bin ich toll in Form“ und ratzfatz purzeln die Kilometer.

Was bisher geschah.
Natürlich weiß man im selben Moment auch, dass man das alles gegen den Wind wieder zurückfahren muss. Aber der Anschein guter Form und ignoranter Optimismus lassen dies erst einmal als „kleineres Problem“ erscheinen. Und am Ende muss man einfach zurückfahren, weil man keine Wahl mehr hat. Aber die Wahl aus dem Haus zu gehen oder zu bleiben hat man im Gegensatz dazu leider immer.

Am 1. Weihnachtstag war es so richtig windig, ein typischer bremischer Nordwestwind mit vielen Böen. Zum Glück war es trocken und auch relativ warm, so dass ausnahmsweise sogar zwei von drei bremischen Wetterbedingungen nicht erfüllt waren. Normalerweise heißt es nämlich hier:

Cold. Windy. Rainy. Pick two.

Ich machte mich auf der falschen Weserseite auf Richtung Süden. Auf dem Weg nach Hörden brach zum ersten Mal seit Tage wieder die Sonne durch die Wolken.

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On the road to Hörden I dream of the west (Yip! Yip Coyote!)

Es war wie ein Zeichen des Himmels: Wenn Sonnenstrahlen so zu sehen sind, dann denke ich nicht daran, dass sie auf die Erde fallen, sondern, dass sie von der Erde saugen – ähnlich wie die „Beamer“ in Raumschiff Enterprise. Ein paar Tage später war dann klar, wer da gerade weggesaugt wurde: Prinzessin Leia. Oder war es vielleicht doch Aghakhan Abdullayew, der berühmte Volkssänger aus Aserbeijan?

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Mann mit Hut vor Bild von Mann mit Hut

Vermutlich kennt die in der Radwelt ohnehin niemand. Wikipedia beschert uns dafür eine Liste von allen Radtoten Profis seit 1894, angefangen mit Pierre Froget, über Tony Simpson bis hin zu den 7 (sieben!) Profis die es 2016 erwischte. Dieses Jahr wurde ordentlich gesaugt.

Ich fuhr derweil weiter nach Barrien und mit einem guten Rückenwind den Krusenberg hoch (neuer PR), boh war ich gut in Form! Ich hätte nun nach Okel fahren können, hatte aber keine Lust auf Großstadt – in die Straßenschluchten dort zwischen den Hochhäusern von Banken und Versicherungen fällt ja auch keine richtige Sonne. Trotzdem:

Und sowieso: Geil ist okel!

Stattdessen fuhr ich rechts rum Richtung Syke, durch den Wald runter und gleich wieder hoch Richtung Osterholz. Bremer und Niedersachsen wissen Bescheid. Alle anderen lesen hier bitte: „Fuhr von A nach B und dann nach C.“ Das reicht zum Verständnis.

Auf der Straße Richtung Gödestorf kam mir die erste Rennradtruppe des Tages entgegen. Das ist so ein klassischer Begegnungspunkt, dort trifft man immer jemanden. Nachher bei Strava Flyby wurde mir klar, dass Jochen und Friedel (also der echte Friedel, nicht den, den ich immer Friedel nenne weil ich nicht weiß wie er heißt…..wie heißt der noch mal Silvia?) mir da gerade entgegenkamen. Aber da ich gerade so dynamisch mit viel Rückenwind unterwegs war, konnte ich die nur wie einen Schatten in meinen Augenwinkeln wahrnehmen, als die Truppe gegen den Wind einen Hügel hochkroch. Boh, war ich schnell!

Und so ging es flott weiter nach Bruchhausen-Vilsen, dem südlichsten Punkt der heutigen Ausfahrt und der Heimat vieler voller Flaschen (in München hingegen, sind die Flaschen leer, aber die Verbalakrobatik besser).

10. März 1998. Endlich Durchbruch in der deutschen Grammatik gelungen.

Jetzt, Richtung Schwarme wurde es schon ein wenig anstrengender. Aber hey, der Himmel war blau, ich war super in Form und was sollte schon passieren?  Richtung Blender und Intschde wurde es bereits deutlich anstrengender und somit langsamer. Wie üblich überquerte ich die Weser bei Daverden am Wasserkraftwerk, das ist wirklich meine Lieblingsstelle. einmal, weil man die Weser dort zwei Mal überqueren darf – zunächst die echte und dann den Kanal der daneben gebuddelt wurde – aber vor allem weil man durch halb transparente Fensterscheiben einen Blick auf die grün-getüchnte komplizierte Mechanik erhaschen kann, die den ganzen Mechanismus am laufen hält.

„Diese Maschinen drehen die Zahnräder, die die Erde in alle Himmelsrichtungen bewegen und ihr Balance und Harmonie geben.“

Wer zuerst weiß, aus welchem Film dieses Zitat ursprünglich ist, bevor es von mir redaktionell verändert wurde, soll reich aus meinem Keller beschenkt werden. Ehrlich.

Kleiner Hinweis, eines der beiden folgenden Bilder ist aus dem gesuchten Film, A oder B?

Ah!

Bäh!

Auf der richtigen Weserseite fuhr ich nun die Weser runter Richtung Achim. Es ist aber keineswegs so, dass „runter“ in diesem Zusammenhang irgendetwas wie eine Abfahrt indiziert. Flüsse fließen dummerweise schon bei ein paar Promillen Gefälle. Aus Erfahrung wusste ich auch, dass der Wind hier immer besonders heftig ist. Das Land ist komplett frei, es gibt keinen Schutz und teilweise quälte ich mich mit 12, 13 km/h weiter. Boh, was war das ätzend! Aber zumindest war es trocken. Und hinterm Deich ist die Welt auch größtenteils in Ordnung.

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Da auf dem offenen Feld zu fahren machte wenig Sinn, und so nahm ich die Landstraße nach Cluvenhagen und Etelsen. Dort machte ich nach 75 km die erste Pause und zwar bei meinem Lieblings Eiscafe Melisa. Toll – das war zu, wieso das denn? Kaum wird’s hier ein paar Grad kälter sind die Italiener schon wieder weg nach Palermo und Bilbao!

Nun gut, gegen den Wind Richtung Achim zu fahren war jetzt extrem anstrengend, ich kroch irgendwie mit 18-20 km/h vor mich hin und es dauerte endlos. In Achim fing es dann prompt auch noch an zu regnen, was die obige bremische Wetterweisheit bestätigt. Ich fuhr kurz an eine Bushalte, zog die Regenjacke an und in dem Moment wusste ich, dass ich die Festive 500 dieses Jahr auf jeden Fall zu Ende fahren würde. Ich war nun so weit, dass es mir ganz egal war wieder draußen im Regen zu fahren. Ich glaube, so etwas nennt man eine gelungene Saisonvorbereitung, denn die Saison in Bremen startet im Januar und dann ist es kalt und nass UND windig bis es April wird.

Ätzende 10 km weiter durch Mahndorf und Arbergen folgten, bevor ich dann nach 101 km endlich wieder zuhause war. Der Festive 500 Aufnäher lag nun in Reichweite.

Übrigens, die Dinger werden immer kleiner habe ich gerade im Seite an Seite Vergleich festgestellt. 2016 gibt es vermutlich nur noch etwas in Briefmarkengröße.

Auf Strava

Morgen dann: Festive 500. Tage 3. Es gibt keinen Weg der nicht nach Wilstedt führt.

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Festive 500. Tag 1. Wind am Ende des Windschattens.

Im Radio lief schon wieder Last Christmas. Das musste wohl daran liegen, dass George Michael heute gestorben war. Zum Glück lebte Conny Kramer noch, sonst würde ich mir den ganzen Tag „Am Tag, als Juliane Werding starb“ anhören müssen.

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Conny Kramer

Ich besitze das erste Wham! Album, Fantastic!, habe das aber seit Jahrzehnten nicht mehr gehört. Georg Michael’s Beitrag zur Geschichte „meiner“ Popmusik ist unbedeutend und für das wenige was er geleistet hat, wurde er whamtastisch für bezahlt. Das er auch unter diesen Voraussetzungen kein glückliches Leben führen konnte ist nicht mein Problem. In den Achtzigern hätte ich übrigens nie geglaubt, dass er schwul sein könnte. Das gleiche gilt übrigens auch für Gerhard, besser bekannt als Marc Almond.

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Gerhard (FDA)

Wobei der wirklich phantastische Popsongs geschrieben hat. Besonders die 12 Inch Version von „Say hello – wave goodbye“ wird mich ein Leben lang begleiten. Das wird allerdings nicht der Song, der auf meiner Beerdigung gespielt wird, der steht bereits seit Jahren fest: „From under the covers“ gespielt von EA80, vorausgesetzt irgendeiner von diesen Nicht-Sportlern schafft es mich zu überleben.

OK. Jetzt wurde es aber Zeit die fröhliche Stube zu verlassen und sich mit wirklich harten Dingen auseinanderzusetzen: Zeit draußen im Wind zu sterben, oder wie das sonst so heißt: „Rad zu fahren“.

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Was tut man nicht alles für so einen Fetzen Stoff oder ein Stück Metall. Andere sprengten Panzer in die Luft oder ließen sich ins Bein schießen und bekamen dafür ein EK II. Heute muss man zwischen Weihnachten und Neujahr 500 km mit dem Rad zurücklegen und Rapha schickt einem dafür einen schicken Aufnäher. Das ist meine vierte Festive 500, beim ersten Mal bekam ich keinen aufnäher weil ich die Strecken nicht aufzeichnen konnte und manuelle Einträge in Strava auf Vertrauensbasis nicht akzeptiert wurden. Die Aufnäher vom letzten und vorletzten Mal liegen in einer schale auf meinem Schreibtisch und seit zwei Jahren überlege ich, was ich damit machen könnte. vielleicht kommt mir eine gute Idee, wenn ein dritter hinzukommt.

Also, ich brauchte diesen Aufnäher unbedingt, hatte aber einen ganz miesen Start, da ich am 24. 12. nicht gefahren bin. Denn an diesem Tag hatte ich ich entscheiden an dem Hüpf & Springkurs im Sportklub teilzunehmen. Leider hatte der Klub zu und so fuhr ich frustriert nach Hause und packte Geschenke für die Lieben ein. Noch besser wäre der Plan gewesen, die aufgezeichneten Kilometer aus Mallorca (wo ich eine Woche vor Weihnachten war) irgendwie mit einem neuen Datum zu versehen und in das System einzuspielen. Doch dazu fehlen mir nicht nur die technischen Fähigkeiten, sondern auch die Kilometer aus Mallorca. In einer Woche dort bin ich nicht einmal 200 km gefahren, was an dem Dauerregen vor Ort lag. Nächstes Jahr: Gran Canaria. Oder gleich Australien.

Und so sah das Wetter wirklich sehr bescheiden aus, als ich vor die Tür trat, aber es hilft ja nichts. Die Strasse war nass und nach wenigen Kilometern sah mein No! 3rensho (sprich: „Noh. San Renschoo“ obwohl eigentlich noch gar nicht viel gefahren aus wie Sau. Schönes Rad übrigens. Ich bin das fast ein Jahr nur selten gefahren da es etwas unbequem war. dann habe ich aber die Bremshebel umgebaut und jetzt geht es auch für längere Strecken, auch wenn der Selle San Marco Concor Sattel nicht wirklich bequem ist. Hingegen ist die 11-fach Shimano 105 Schaltung Zucker! Hinten schaltet die präzise und fast ohne die Hebel zu betätigen – könnte glatt elektrisch sein. Wie die vorne schaltet? Keine Ahnung, in Bremen schalte ich aus Prinzip nicht vorne, Ausnahme: Hohes C in Vegesack und Hünenberg in Uesen. Nachteilig ist diese Shimano Unart, dass man jeweils nur einen Gang runterschalten (im Sinne von großem Ritzel auf kleines Ritzel) kann. Das hat Campagnolo ja bereits seit langem im Griff, auch wenn sie dies ihren Kunden heutzutage leider (und völlig unverständlicherweise) nur in den Gruppen Chorus und besser ermöglichen.

Es ging am Bürgerpark vorbei zur kleinen Wümme und von dort aus weiter zum Dammsiel. Wegen dem doofen Wind war ich alles andere als schnell. Das änderte sich dann als ich an der anderen (richtigen!) Wümmeseite Richtung Lilienthal fuhr und dann links abbog, um über St.Jürgen den Weg nach Worpswede zu nehmen. Jetzt kam der Wind von hinten und das animierte mich dazu, meinen persönlichen Rekord auf Timeworp! zu attackieren. Da versuche ich bereits seit Jahren meine Bestzeit zu verbessern, aber das mein GPS Gerät nur in 5 Sekunden Intervallen aufzeichnet, muss ich mindestens 5 Sekunden schneller sein als das beste Mal, sonst gibt das nur wieder die alte Zeit von 1:20 min (die ich bereits drei Mal gefahren bin). Ich strengte mich also richtig an, aber zum Ende hin ging meinen Puddingbeinen so richtig der Puddingsaft aus und ich schleppte mich gerade mit dem letzten verbliebenen Schwung über den Hügel. Es reichte aber trotzdem.

Das wusste ich aber nicht, sonst hätte mich das sicherlich aufgeheitert. So fuhr ich weiter über Umbeck und Schlußdorf (großartiger Name für ein eher mittelmäßiges Dörfchen) nach Tarmstedt. Ich fühlte mich gut, wollte auf keinen Fall nach Wilstedt und fuhr geradeaus weiter Richtung Kirchtimke und bog bei Schnakenmühlen Richtung Bülstedt ab.

Dort bleib ich auf der Straße Richtung Ottersberg, sollte aber nicht mehr besonders weit kommen denn kurz vor Vorwerk merkte ich, dass ich fast keinen Luftdruck mehr im Hinterrad hatte – ein schleichender Platten. Nicht schlimm, kurz Schlauch tauschen, ich hatte ohnehin zwei dabei, aber nur einen Druckpatrone und dann weiter. Die hoffentlich letzte Panne des Jahres. Ich aß erst einmal eine Banane und machte mich dann an die Reparatur.

Es entwickelte sich ein epischer Kampf Mann gegen Reifen. Zum Glück hatte ich die besten Reifenheber der Welt dabei, gerade aus England gekommen.

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Natürlich von Campa. Funktionieren phantastisch und ich habe absolut keine Ahnung, warum das rechte Ende so geformt ist wie es ist. Tut weh in der Handfläche und soll uns wohl daran erinnern, dass nichts in der Welt umsonst ist.

Also, die eine Seite des Reifens hatte ich schnell runter. Ich kam aber nicht an den Schlauch dran, den konnte ich einfach nicht aus dem Reifen ziehen. Ich versuchte es bestimmt mit Gewalt eine Viertelstunde lang und brach mir die Fingernägel ab aber es ging einfach nicht. dann nahm ich einfach den ganzen Reifen samt Schlauch von der Felge runter. Jetzt wollte ich den Schlauch aus dem Reifen ziehen, aber selbst das kostete jede Menge Kraft, so als ob der Schlauch eine geheimnisvolle, feste Verbindung mit dem Reifen eingegangen wäre zu einem Schlauchreifen. Vielleicht ist das auch tatsächlich so, denn die Challenge Strada Reifen heißen ja auch „Open Tubulars“.

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Da kostete alles irre viel Zeit und langsam wurde es schon wieder dunkel. Als ich den Reifen aufpumpte vergaß ich prompt Handschuhe anzuziehen, als ich aus der kartusche Luft in den Reifen ließ. Im Sommer ist das kein Problem, aber im Winter wird das Ding dabei irre kalt – so kalt, dass die Haut an der Kartusche kleben bleibt und mit Gewalt abgerissen werden musste.

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Letzte Panne des Jahres in Vorwerk „Ortsmitte“.

Ich fuhr dann die klassische RCB Montagsrunde umgekehrt weiter nach Ottersberg und dann nach Quelkhorn, Fischerhude und Borgfeld. Dabei merkte ich, dass ich wohl kaum auf die angepeilten 100 km kommen würde. Also weiter im Sprühregen an der Wümme lang bis zum Dammsiel und an der kleinen Wümme wieder zurück nach Hause.

Insgesamt waren es dann 110 km und ich war völlig nass, aber an mir triefte vor Wasser, die Socken waren vermutlich fünfmal so schwer wie trocken. Erst einmal in die Badewannen, chillen und richtig gute Musik von heute hören. Das ganze noch vier Mal und dann ist Schluss.

Strava

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Diese Augen ….

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von | 7. Dezember 2016 · 00:39

Winter. Nebel. Deich.

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Nachdem sich gestern mittag so etwas wie Frühling über Bremen andeutete, kam der Winter in der Nacht mit aller Macht zurück und verpasste der Landschaft eine Dosis Schockfrost.

Zu viel gutes Essen, noch mehr guter Rotwein und viele sehr schöne Gespräche bis tief in die Nacht und den Nebel bei unseren koreanischen Freunden führten zwangsläufig dazu, dass ich mich erst spät am Sonntag auf das Rad setze, um eine kurze Tour entlang der Wümme zu fahren. Die Temperaturen waren deutlich unter Null und Rauhreif und Nebel überall. Das ist gut dachte ich, denn die Landschaft am Deich kenne ich in und auswendig, so kann ich sie nicht oder wenigstens anders sehen.

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Es war so kalt, dass sogar der Stacheldraht an den Weiden der kleinen Wümme gefroren war. Durch die begrenzte Sicht fühlte ich mich allein auf der Strasse, keine Wanderer, Landwirte oder gar Radfahrer waren zu sehen. Und die Wümmibillies waren zuhause geblieben oder hatten sich in ihren Lauben verkrochen.

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Die kleine Wümme, da wo „DeliveranceDeliverance“ gedreht wurde.

Der Nebel ist so dicht, dass man das Gefüh hat durch Gelee zu fahren. Schnell geht das gar nicht, auch nicht auf dem Wümmedeich. Kommt dennoch und überraschend ein anderer Rennradfahrer in Sicht, so stachelt das den Ehrgeiz an sich an den dranzuhängen. Wie im Sommer.

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Über kleine Umwege dann nach Haus gefahren um pünktlich zum Abschluss des Tages in und mit Shanghai zu telefonieren. Rechts der Strasse liegen gerollte Strohballen. Sie sehen aus wie Kunstrasen mit Rauhreif. Die Landschaft wurde komplett mit diesem belegt, einige Ballen sind übrig geblieben.

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Bester Hintergrund für ein „Bike leaning against something“ Foro

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Hier sind die Straßen nun auch komplett in Weiß. Prima, denke ich mir, Zeit sich wieder mal auf die Fresse zu legen und etwas komplett unvernünftiges zu tun.

Komplett unvernünftig wäre es nun noch den „Le Stra“ Kriteriumskurs zu fahren. Nach kurzem Kopfschütteln nehme ich von der Idee Abstand und fahre nach Hause. Wenn es denn unbedingt sein muss, kann ich ja dort noch etwas geistiges Stabi Training machen.

Strava

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Montag am Sonntag.

Heute absolutes Sahnewetter in Bremen, quasi wie Tokyo im Winter: Blauer Himmel, trocken und doch kalt. Aber eben nicht zu. Zeit sich den Montag zu geben.

Obwohl ich es kaum über mich bringe es zu schreiben, muss ich gestehen, dass ich das RCB Montagstraining vermisse. Sich an die Fersen der ganz schnellen Jungs zu heften, aus dem letzten Loch zu pfeifen und dann irgendwo zwischen Otterstedt und Bühlstedt abghängt zu werden, das kommt mir nun im Herbst unglaublich männlich und verwegen vor.

Nicht, dass Montagstraining irgendwie Spaß gemacht hätte – es war körperlich und psychisch  schmerzhaft. Genau wie das RCB Donnerstagstraining im Winter. Das wurde mal als „Radgymnastik in der Halle“ verkauft und soll uns fit für das Frühjahr machen. Wenn wir es überleben sollten. Aber es war diese Art von Schmerz, die einem irgendwie gut tut und die für das größere Ganze da ist.

Ich hatte deswegen heute große Lust mal wieder eine klassische RCB Montagsrunde zu fahren und machte mich auf nach Borgfeld und von dort aus weiter nach Fischerhude. ein paar vereinzelte Rennradler waren unterwegs, die Mehrzahl war wohl beim crossen.  Der Himmel war blau, es war nicht besonders windig, aber richtig schnell wurde ich nicht. Diese Woche hatte ich sehr viel in der Halle trainiert und war ein wenig müde. Selbst auf der langen gerade von Quelkhorn nach Ottersberg wurde ich nicht schneller als 45 km/h. Das ist vermutlich langsamer als der Durchschnitt im Montagstraining.

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Von Ottersberg ging es weiter über Otterstedt nach Bühlstedt und dann durch Wilstedt. weiter nach Grasdorf. Die Strecke bin ich bestimmt schon über 100 Mal gefahren, da kenne ich jeden Baum und jede Windkraftanlage. Nach 50 km war Zeit für eine kurze Pause. Hätte ich nicht machen, mir wurde sofort kalt, da ich etwas verschwitzt war und schnell auskühlte.

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Von dort aus ging es durch die Heidberger Schweiz und Timmendorf zurück nach Borgfeld. So langsam wurde es auch dunkel und kalt. Schlimm, um 16 Uhr ist der Tag quasi vorbei.

Ist genauso wie 1994 in Xiaolangdi, das ist ein Dorf in China wo ich und 30.000 Chinesen einen Damm bauten (dem dann das Dorf zum Opfer fiel). Als ich da 1994 hin kam gab es noch kein Camp und wir mussten zunächst in einem staatlichen Gästehaus wohnen. Da der Staat ja ein sozialistischer ist, durfte ich mir mit meinem südafrikanischen Kollegen, mit dem ich ohnehin Seite an Seite im Büro saß, auch ein Doppelbett teilen. Nach vier Monaten zogen wir dann zum Glück um in das neugebaute „Hotel“. Dort wurde der Boden Abends mit Diesel geputzt, auch heute noch, wenn ich an der Tanke stehe und Diesel rieche, bin ich geistig wieder in der Lobby von diesem Hotel.

Wo war ich? Ach ja, das Hotel war ja gerade neu gebaut worden. Als nun der Kran vor dem Hotel abgebaut werden sollte, wurde das so clever gehandhabt, dass das Ding umfiel. Und zwar genau in die Stromleitung zum Hotel. Das hatte dann zur Folge, dass es erst einmal keinen Strom mehr im Hotel gab. Und zwar im November. Arbeiten konnte man ja noch irgendwie mit dem Bleistift, Heizung und warmes Wasser wurde ohnehin mit Kohle befeuert, aber es gab eben kein Licht. Um vier Uhr nachmittags war das Leben vorbei. Man konnte noch mühsam mit der Kerze ein wenig lesen, aber das war es auch schon. Nach einer Woche gab es dann endlich wieder Strom und das Leben ging weiter.

Radetechnisch ist der Winter in Bremen genauso. Entweder ist es dunkel oder es regnet, aber irgendwie ist der Kran mal wieder umgefallen. Für das Leben, bzw. das Radfahren ist das nicht besonders hilfreich.

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Start / Zielbereich des Le Stra Kriterium Kurses heute

Ich machte noch einen Schlenker und kam dann am Kriteriumskurs bei Lestra an. Dort drehte ich 12 schnelle Runden. Jedes Mal macht mir der Kurs mehr Spaß und jedes Mal werde ich dort schneller. Strava erfasst den Kurs irgendwie nicht; noch nicht einmal 500 Meter Länge und dann auch noch ständig überkreuzend, damit kommt die Software augenscheinlich nicht zurecht. Ich freue mich schon darauf dort auch mal mit anderen Bremern zu fahren.

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Blick von den Schneiderwiesen bei Le Stra

Insgesamt 78 km heute, gar nicht schlecht für den Herbst. In Bremen.

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StravaStrava

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Pain.

Schmerz ist eine komplexe subjektive Sinneswahrnehmung, die als akutes Geschehen den Charakter eines Warn- und Leitsignals aufweist und in der Intensität von unangenehm bis unerträglich reichen kann.

Aua.

Wikipedia suggeriert, dass Schmerz per Definition etwas mindestens unangenehmes ist. Es gibt körperliche Schmerzen, die ich als extrem unangenehm empfinde. Ohrenschmerzen zum Beispiel. Zum Glück habe ich damit sehr selten zu tun. Aber einmal, zur Jahreswende 2006/2007 hatte ich im linken Ohr eine richtig dicke Ohrenentzündung, die mit viel Antibiotika behandelt werden musste. Das tat extrem weh.

Zahnschmerzen sind ebenso unerträglich. Und vermutlich eine ganze andere Reihe von Schmerzen, die ich bislang nicht kennengelernt habe.

Das Schmerzen aber immer unangenehm sind finde ich Quatsch. Muskelkater zum Beispiel mag ich irgendwie. Er gibt mir das Gefühl etwas geleistet zu haben und mich über die natürliche Bequemheitsgrenze des Körpers hinaus bewegt zu haben. Habe ich jedes Mal nach meinem Spring- und Hüpfkurs „Body Attack“. Janina, die Trainerin lässt sich jedes Mal etwas neues einfallen, um uns mit Schmerzen an Stellen zu versorgen, wo wir noch nicht einmal wussten, dass wir da überhaupt Stellen haben.

Ich gehe wirklich gerne zu diesem Kurs, er hat mich letztes Jahr fit durch den Winter gebracht und fast jedes Mal wenn ich nach einer Stunde Hüpfen und springen nach Hause komme habe ich das Gefühl ein besserer Mensch zu werden. Und alles tut weh.

Letztes Dienstag wollte ich mit dem Rad zum Hüpfen und Springen fahren. Es war bereits dunkel. es nieselte, überall lag Laub auf dem Radweg. Jedes Jahr im Herbst und Winter lege ich mich mit dem Rad ein- bis zweimal hin. Meistens bin ich irgendwie selber Schuld. Kennt noch jemand die französische Zeichentrickserie: “ Die Shadocks„? Die hatten erkannt, dass jedes Jahr eine bestimmte Anzahl von Passagierflugzeugen abstürzt. Also veranstalteten sie zu Beginn des Jahres eine große Flugshow, bei der sie genau diese Anzahl von Flugzeugen abstürzen ließen und fühlten sich so für den Rest des Jahres sicher. Genauso würde ich das auch gerne handhaben, am besten als Vereinstätigkeit: Man trifft sich, fliegt gemeinsam auf die Fresse, ein großes Ah und Aua und dann geht man einen trinken.

Es kam wie es kommen musste. Ich fuhr über das nasse Laub, sehr schnell, denn ich war zu spät und sah nicht den Absatz zwischen Rad- und Fußweg. Als ich den Absatz zu steil anfuhr kam das Vorderrad nicht hoch, glitt an der Absatzseite lang und ich fiel auf die rechte Seite und schliderte über das Laub noch ein paar Meter nach vorne.

Das tat weh, vor allem am rechten Oberschenkel, auf den ich gefallen war. Der erste Reflex bei mir ist in solchen Fällen immer der der Ignoranz: Wenn ich jetzt einfach aufstehe und weiterfahre, dann kann ich so tun, als wenn gar nichts passiert wäre und alles wird gut. Das Rad sah auch ganz OK aus, bis auf eine Narbe am Lenkerband.

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Nach dem Aufstehen tat es weh, aber ich hatte nicht als wenn ich nicht ein wenig Hüpfen und Springen probieren könnte. Und so kam ich zu spät. In der Umkleidekabine fiel mir auf, dass mein rechts Knie blutete. Das Blut war vom Knie am Schienbein runtergelaufen und bereits eingetrocknet. Weh tat es nicht, es sah aber in der Kombination mit kurzer, schwarzer Hose und orangen Socken sehr sehr männlich und cool aus. Leider war Silvia nicht da und konnte mir das bestätigen.

Oben im Kursraum wurde bereits kräftig gehüpft. Ich fühlte mich wie Bruce Willis,  der auf dem Weg zu seinem Aerobic Kurs von fiesen Terroristen angeschossen wurde, mit nackten Füssen durch Scherben laufen musste und dann in abgerissenener Kleidung, Blut überall, Schweiß auch, sich in die letzte Reihe stellt und verzweifelt versucht den Takt zu halten. Ist man erst einmal im „Flow“ (das ist neudeutsch für „Trance„) ist quasi aller Schmerz vergessen.

In den nächsten Tagen quälte ich mich durch das norddeutsche Wetter.

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Heute war es schön sonnig. Mein Sohn hatte in der Nach vorher eine Party in unserem Haus gefeiert und die Wohnung sagte mir : „Hau ab. Und wenn du wieder kommst, dann ist alles aufgeräumt. Vielleicht.“

Am Abend vorher hatte ich mein Basso Fior di Loto umgebaut. Es war vorher nicht fahrbar. jedenfalls nicht mit Spaß: Der Cinelli Vorbau klemmte den Nitto Mod. 55 Lenker nicht gut und so bestand immer die Gefahr, dass sich der Lenker im Vorbau drehte. Und die Mavic Reifen sind alles andere als pannensicher. Ach ja, und auch die Campagnolo Record Carbon Sattelstütze wirkt nicht sehr vertrauenswürdig in einem Stahlrahmen. Also Nitto Stütze eingebaut, Nitto Vorbau eingebaut und dann einmal zum Spaß die Campagnolo Proton Laufräder montiert die bereits ein paar Jahre bei mir rumliegen.

Dann raus in Richtung Süden. Ich bin echt lahm. Auf dem Deich treffe ich einen anderen Radfahrer auf einem roten Cinelli Supercorsa; zunächst fahre ich hinterher. Thomas, Philipp und noch ein paar andere kommen wir entgegen. Ich erkenne sie erst im letzten Moment und höre nur noch „hey mob…“.  Über Weyhe geht es in Richtung Barrien. Vor mir biegt jemand von links auf den Krusenberg ein. Der ist schnell, ich schaffe es am Berg nicht aufzuholen. Aber auf der Geraden in Richtung Golfplatz komme ich näher und schließlich fahren wir gemeinsam durch den Wald runter nach Syke, wo sich unsere Wege wieder trennen.

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Basso Loto. Trennende Wege.

Das Basso fährt gut; es ist deutlich weniger schnell und deutlich härter als das Canyon. Und das Hinterrad schwimmt. Ich nehme zunächst an, dass das an den wenigen Speichen liegt und das Laufrad nicht seitenstabil ist. Später schaue ich runter und sehr, dass es schief im Rahmen hängt. Ich hatte den hinteren Schnellspanner nicht fest genug angezogen. Als das in Ordnung gebracht war, lief das Rad astrein.

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Campa Proton Hinterrad. Brutal glitzernd große Hinterradnabe. Warum dazu nur grau eloxierte Felgen?

Über Schnepke und Gödestorf geht es weiter nach Theddinghausen und dann bei Uesen über die Weser. Ich habe Angst, dass mir das Licht ausgeht und fahre die schnellste und langweiligste Strecke von Achim über Mahndorf zurück nach Bremen.

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Kein Sturz, keine Schmerzen. Keep fingers crossed. Shoe velcro crossed as well.

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Winter is coming.

Bremen, Nordwest Passage heute Morgen.

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Me & Andi Arbeit.

 

dscf3042Andi organisierte heute die jetzt vielleicht wirklich letzte schöne Tour des Sommers nach Bruchhausen-Vilsen. Viele kamen.

Also: Andi nervte mich diese Woche, weil er auf fb zwei Songs einer Gruppe gepostet hatte, an die ich zu Recht 25 Jahre nicht mehr gedacht hatte. „Me & the Heat“ – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Kirmestruppe, die am anderen Ende des musikalischen Spektrums auf Veranstaltungen wie „Magic Bike Rüdesheim“ rumdudelt. Nein, diese Hardcoretruppe bildender Künstler aus dem Bochum der Achtziger, die uns mit Songs wie „In another mood“ beschallten.

Es gab eine Zeit in den Achtzigern, da bin ich auf alle möglichen Konzerte gefahren, aber nachdem mir Martin von EA80, Me & the Heat vorspielte, habe ich auf deren Gig verzichtet. Wie überhaupt die ganze Kunstpunk/Industrial Ecke a la Trobbing Gristle, Mark Stewart & the Mafia, Swans, SPK, Cabaret Voltaire etc. für mich persönlich eine richtige Sackgasse war: Man fährt 100 Sachen und holt das letzte aus seinem alten VW Käfer raus, weil neben dir Blondie, und hinten auf den Rücksitzen die Undertones und die Specials sitzen. Dann biegt man mitgröllend und voller guter Stimmung um die Kurve und knallt gegen eine Wand von schlechter Laune, gebaut von Künstlern mit erhobenem Zeigefinger.

Leider war das Mitte der Achtziger gerade sehr trendy. Und da man fünf Jahre früher den Trend der Zeit erkannte und in den Punkrock VW Käfer stieg und dabei riesig viel Spaß hatte, war man jetzt gezwungen die Ohren offen zu halten auf der Ausschau nach dem nächsten, großen Ding. Konnte ja keiner wissen, dass es Rap und Hiphop werden sollte – wir dachten da eher an die einstürzenden Neubauten.

Jedenfalls dachte ich am Morgen an all die schwere „Kunscht“ und brachte mich in Schwung mit einigen Ohrwürmern. Also eigentlich nur einem, der mir aber nicht mehr aus dem Kopf geht. Vielleicht liegt es ja nur an meiner japanisch mutierten Genetik, aber ich kann nur warnen, wer ein paar Mal „One Night Carnival von Kishidan und Hamasaki Ayumi hört, bekommt das nicht mehr aus dem Kopf.

Visuell ist der Eindruck, den die Frisuren von Kishidan hinterlassen natürlich auch sehr verstörend.

Jedenfalls fuhr ich „Can you master, baby !!!!“ summend Richtung Erdbeerbrücke und Wehrstrasse, wo bereits eine große Truppe versammelt war. Aufgrund der Komposition der Gruppe war es relativ schnell klar, dass die vorher getroffene Ansage von Andi „Wir haben’s nicht so eilig“ relativ zu verstehen war. Langsam würde das jedenfalls nicht werden.

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Das Wetter war traumhaft, die Stimmung gut und wir fuhren die Höhenmeter ab, die der Bremer Süden so zu bieten hat. Legendäre Anstiege wie der Okeler Berg (20 Höhenmeter, die einem aber vorkommen wie 20.000), die Hölle von Falldorf, Alpe du Barbusch, Col de Berxen (bekannt aus dem Rennen Berxen-Berxen-Berxen), all dies lag heute auf unserer Strecke. Ich will gar nicht viel schreiben, war ohnehin unbeschreiblich gut, statt dessen ein paar Bilder.

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Da wir es ja nicht so eilig hatten, blieb die Gruppe gut zusammen, mit Ausnahme von jedem Ortsschild, jedem Anstieg und jeder Abfahrt. 

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Pause bei da Angelo in Bruchhausen-Vilsen

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Pistazie & Malaga

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Insgesamt war es eine gute Mischung von Tempo, Rücksicht und Ballern. Im Hinblick auf den Münsterland Giro, der nächstes Wochenende als letztes Rennen der Saison auf dem Plan steht, war das ein sehr gutes Training mit vielen Intervallen.

Es gab eine längere Pause bei „da Angelo“ in BV – das war gut, aber Melissa in Etelsen ist schon der beste Eisladen im Süden.

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Zurück an der Bank.

Auf den letzten Metern kurz vor Kühlschrank, Gin Tonic und Zigaretten reichte es dann noch für den KOM auf der Konrad Adenauer Allee.

Egal. Danke an Andi, für die Motivation am Sonntag noch einmal länger zu fahren und auch den letzten Zipfel Sommer auszunutzen. Und an die vielen netten Mitfahrer für gute und lustige Gespräche, Windschatten und Sticheln des Ehrgeizes.

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Velotörn Bremen. Teil I: World of Fixedcraft.

Anstatt schon wieder ein recht normales Rennradrennen von 100km auf der sehr langweiligen Strecke in der Überssestadt in Bremen zu fahren, entschloss ich mich beim Velotörn am Fixie Rennen teilzunehmen. 30 Runden gegen den Wind, über Kopfsteinpflaster, haarscharf an Barrieren vorbei und das Ganze auf einem scheiß-unbequemen Rad.

Ich weiß auch nicht, warum ich mir das alles in meinem Alter noch antue. Ich könnte ja auch Samstags lange schlafen, ein Auto waschen und dabei Bundesliga im Radio hören, und dann im Garten grillen. Stattdessen mache ich mich am Samstag Morgen auf den Weg in die Überseestadt, um die Rennstrecke de Velotörns zu erkunden. Zum Glück zeigt sich Bremen an diesem Wochenende von seiner allerschönsten Seite.

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Bremen, wo die Weser wie ein richtiger Fluss aussieht (also fast so wie der Rhein)

Die Strecke führt auf der Konsul-M-Schmitt-Strasse die Weser runter, macht dann eine S-förmige Linkskurve über recht fieses Kopfsteinpflaster und läuft dann parallel über die Kaje am Hafenbecken in die entgegengesetzte Richtung. Es gibt dann wieder eine schnell durchfahrbare S-Kurve auf die Konsul-M-Schmitt-Strasse, dann ca.200 Meter Gerade zum sprinten, bevor es nach ca. 1,1 km wieder ins Ziel geht. Wäre dies eine Autorennstrecke, dann vielleicht Daytona im 18.Jahrhundert – wegen  dem Kopfsteinpflaster.

Ich habe Familie, einen Job und wenn ich mich mit dem Rad hinlege, dann dauert es eine Weile, bis wieder alles verheilt ist. Konsequenterweise hat mein Fixie Bremsen. Was aber bei diesem Rennen nicht erlaubt ist. Auch sind keine Kurbeln an nicht-Bahnrahmen mit einer Kurbelarmlänge von mehr als 165mm erlaubt. Überhaupt gibt es viele Regeln, was nicht dem kulturellen Anspruch des Rennens entspricht: „die jungen Wilden“; „Fixie-Subkultur“ etc. Es erinnert mich an eine Online-Anzeige von zwei sehr coolen Typen in Hamburg, die einen neuen Mitbewohner für ihre WG suchten. Zunächst einmal beschrieben sie sehr schön,wie locker und gechillt das Leben mit ihnen ist, um am Ende Interessenten zu bitten, Ihnen „ihr aktuelles Lieblingslied und ein polizeiliches Führungszeugnis“ zuzusenden.

Die richtige Antwort auf das Lieblingslied ist natürlich sehr simpel.

Jedenfalls hatte das zur Folge, dass ich mein japanisches Nagasawa Bahnrad reaktivieren musste, das nun seit 2 Jahren als Weihnachtsschmuckadapter an der Wohnzimmerwand verstaubt. Erst einmal andere Laufräder rein, damit wenigstens die teuren Mavic SSC überleben werden. Und dann kam ein anderer Lenker und Vorbau ran, denn dieser NJS Vorbau der an Keirin Bahnrädern quasi Standard ist bringt das Kinn knapp über die Höhe des Vorderrads. Ist man nicht rasiert, kann man nur noch maximal 20 mm Reifen montieren, sonst ist da einfach kein Platz mehr.

Wegen dem Kopfsteinpflaster hatte ich dann doch noch ein Lenkerband gewickelt, damit es ein wenig bequemer wird. Dafür opferte ich mein sehr schickes George Sorell Korkband, das ich 2011 zusammen mit David in Ravenna im Radladen Sambi gekauft hatte. So jetzt noch abnehmbare Bremsen dran, damit ich zum Rennen komme und los.

In der Überseestadt tummelte sich die Creme de la Creme des bremischen Radsportes. In  früheren Berichten habe ich immer jeden einzelnen mit Namen aufgeführt den ich kannte, heute ist das nicht mehr möglich (Sorry, Silke, Silvia, Caro, Linda, Jessica, Maren, Jörn, Andreas, Andi, Thomas, Jan, Philipp, Schnippo, Marc, Matthias, Christian, Benjamin, Tim, Harald, Didi…) Es ist ein sehr schönes Gefühl von vielen netten Menschen erkannt und gegrüßt zu werden und dazu zu gehören. Vor allem, nachdem ich vergleichsweise nach 12 Jahren Leben in Japan gerade einmal vier japanische Freunde hatte – die ich jeweils ein bis zweimal pro Jahr traf. Mit den Ausländern dort lief es wesentlich besser, das hatte nur den Nachteil, dass das japanische Haltbarkeitsdatum eines typischen Ausländers etwa drei Jahre ist – danach geht es wieder zurück in die Heimat oder in das nächste Land. Zum Gefühl der Zughörigkeit später mehr.

So standen wir also an der Rennstrecke und schauten uns das Rennen von Linda an.

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Die creme de la creme des bremischen Radsports

Linda war bei den Frauen zusammen mit den U17 Fahrern gestartet, insgesamt etwa 16 Fahrer. In den ersten Runden hielt sie sich gut im Hauptfeld, aber dann fuhren vorne 8 Fahrer das Feld zu Klump und büxten aus. Danach war sie ein wenig verloren und zu zweit oder zu dritt unterwegs und es wurde sehr anstrengend. Dementsprechend  schnell muss das Rennen gewesen sein, denn Linda ist wirklich nicht gerade langsam (das ist eine klassische Umschreibung von: „Linda ist deutlich schneller als ich.“ Von den acht blieben sieben vorne und gewannen nach 30 Runden das Rennen. Linda wurde Zweite bei den Frauen.

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Im übrigen konnte man hier wieder beobachten, dass bei großer Anstrengung nach dem Rennen die Birne rot anfängt zu glühen, und zwar nach der Formel: „Je jünger der Fahrer, desto roter die Birne.“ Ist mir bereits beim OBKM aufgefallen, wo der 70-jährige Zweite der Meisterschaft kalk-weiß war, geradezu Mumienhaft, während Linda (Kolibri) rot strahlte wie ein schmelzender Reaktorkern in Fukushima. Was aber immer noch nichts gegen Schnippo nach dem Rennen war, der rot strahlte wie ein tätowierter, russischer Mafia-Reaktor. Doch dazu später.

Darauf folgte das Derny Rennen. Ein paar Runden fährt der eine auf einem enthemmten e-Bike und der Andere hinterher, dann wurde gewechselt und es werden ein paar Runden umgekehrt gefahren. Am Start waren Schnippo und Philipp, sowie Marc und [vergessen].

Sportlich war das, na ja, aber sonst war es der Höhepunkt des Tages. Beim Wechsel mussten auch die Schuhe getauscht werden. Wir erwarteten am Streckenrand, irgendetwas in der Geschwindigkeit eines Triathlonwechsels. Stattdessen lief das ganze in erschreckender Zeitlupe ab. Schnippo und Philipp beim Wechsel zu beobachten war etwa so schnell und spannend wie die Ziehung der Lottozahlen im Fernsehn zu schauen. Und als dann  Schnippo auf dem e-Bike vor Philipp fuhr tat er das genau zwei Runden. Dann war es Philipp zu langweilig und er überholte Schnippo  auf der Zielgeraden. Denn das E-bike war nicht so richtig enthemmt – Philipp allerdings schon.

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Nachdem ich mich also gut amüsierte hatte war jetzt leider Schluss damit, denn nun musste ich auf die Strecke. Was ist bislang gesehen hatte, machte mir Angst. Da waren Fixiefahrer, die aussahen wie Simon Geschke und Frauen auf Fixies die….nun,  ebenfalls aussahen wie Simon Geschke. Andreas meinte treffend, dass das keine Radkuriere sind, sondern welche vom Radpaketdienst. Zack, vier Waschmaschinen unter den Arm und dann ab ausfahren zu den Kunden. Zum Glück gab es nur 19 davon. Und Philipp und Schnippo. Und mich. Alle fuhren auf Rahmen mit nach hinten offenen Ausfallenden; es gab viele Tätowierungen zu sehen, Piercings und Totenköpfe etc. auf den Jerseys. Da gehörte ich nun definitiv nicht rein. Erstens nicht von der Leistung, zweitens nicht vom Alter und dann auch wegen ein noch ein paar anderer offensichtlicher Mängel an Muskeln, Barthaar, Street Credibility und Geldknappheit. ich fühlte mich da sehr falsch. Wann hatte ich das letzte Mal dieses Gefühl? Vermutlich als ich 1990 versehentlich in einem heißen Quellenbad in Japan in die Damenumkleide ging, da dort keine Symbole, sondern chinesische Schriftzeichen an die Tür gemalt waren.

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Ich bin eben Rennradfahrer und fahre Radrennen. Bei so etwas habe ich keine Chance. Also nicht, dass ich sonst eine hätte. Meine Taktik war daher etwa wie die von Steven Bardbury  im Short Track bei den olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City: Hinten fahren und hoffen, das sich vorne alle auf die Fresse legen. Dann non-chalant vorbeiziehen. Nein -zu gemein, ich fuhr wieder mit meiner Standardtaktik: Versuche irgendwie zu überleben und nicht zu bescheuert auszusehen.

Aber da ich da schon einmal stand konnte ich ja ein paar Bilder machen und mitfahren.

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Und dann ging es auch schon los. Alle meine Sorgen waren umsonst, die erste Runde konnte ich echt gut mithalten! Leider stellte sich dann heraus, dass dies nur die neutralisierte Einführungsrunde war und wir am Start wieder stehen blieben. Trotzdem, eine gute Idee, um warm zu werden. Und zum Glück wurde das Rennen auch von 30 auf 20 Runden verkürzt.

Die zweite, also die nun eigentlich erste Runde, war schon deutlich schneller.  Am Anfang war es sehr nervös und ich machte mir da auch ein wenig Sorgen im Feld zu fahren, aber nach zwei Runden war ich da quasi draußen und in einer Dreiergruppe. Die Kurve mit Kopfsteinpflaster nahm irre viel Geschwindigkeit weg und es war extrem hart, dann wieder gegen den Wind zu beschleunigen. Nach 5 Runden hatte ich nur noch wenig Lust und überlegte aufzugeben. Das ist ja immer so, weil ich mich noch nicht warm gefahren habe und es dann am meisten weh tut -später wird es besser.

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Feuerwerk der Radkunst

Dann war ich mit einem der Mädels in dem Rennen zusammen. Ich wollte Sie animieren, dass wir auf die Gruppe der drei Männer vor uns auffahren. Sie sagte ja, ich machte Tempo, und als ich dann wechseln wollte blieb sie hinter mir. Für die nächsten drei Runden. Da ich alleine ohnehin nicht aufholen konnte wurde ich erst einmal wieder etwas langsamer.

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Lutscher !

In der S-Kurve zum Zielsprint drehte ich dann auf, als ich eine weitere, überrundete Fahrerin vor mir sah und setzte mich ab. An die hängte ich mich erst einmal dran und dann gab ich ihr Windschatten. Dann fuhr sie wieder vorne und erstaunlicherweise hatte sie noch gut Power und zog davon. Ehrlich gesagt lag das auch an der Technik, die fuhr die Kurven einfach viel besser als ich. Und als es dann in einer der beiden Kurven einen Sturz gab und ich langsamer wurde und die Richtung wechselte, war sie fast weg. Zwei der schnellen Fahrer waren zu schnell in die Kurve gegangen und matzten in die Barrieren.

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Erst überholen und vorweg …

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….und dann ein paar Runden später den Anschluss verlieren

Nach jeder Kurve musste ich erst einmal die Lücke wieder zu sprinten und das kostete viel Kraft. Aber jetzt war ich zumindest ganz gut dabei. Auch wenn die Spitzengruppe mich in der Zwischenzeit zwei Mal überrundet hatte. Dann sah ich kurz vor Ende Schnippo vor mir, den ich nun überrunden würde. Was er nicht wollte und ihm frische Power gab.

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Prima, mit Schnippo war das jetzt natürlich wieder viel besser und so kamen wir in die letzte Runde und dann auf die Zielgerade. Schnippo fragte mich:,“Wollen wir zusammen ins Ziel fahren, oder das ausfahren?“ „Ausfahren!“ Und so legte wir einen guten Spurt und Bike-throw zum Schluss hin. Nun hatte ich wirklich keine Lust mehr. Allerdings auch keine Bremsen, um zu stoppen.

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Am Ende wurde es ein 12.Platz von 23 Teilnehmern, von denen wiederum 17 ins Ziel kamen und sechs aufgaben (zwei glaube ich wegen Sturz). Hinter mir nur Frauen. Und Schnippo (Rennen drei). Vor mir eine Frau, und zwar die, deren Trikot so aus sah wie ein Mosaik-gefliestes Badezimmer auf den Bahamas.

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v.l.n.r : Das bahamische Badezimmer; gut getarnte Norddeutsche; meine Begleiterin für ein paar Runden am Start vor mir.

Das hat jetzt nix mit: Ich bin besser als Frauen oder so zu tun, sondern ist einfach meine Erfahrung in den typischen Platzierungen meiner Karriere: Zweitstärkste Frau.

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Hier sieht man noch einmal einen der gestürzten. Fiese Delle am Oberrohr des Standaert Rad.

Prima, ich hatte überlebt, ein Top-12 Finish und war fix und fertig.  Und neben mir glühte Schnippo. Eigentlich keine so gute Idee, denn er fährt morgen das 100 km Rennen beim Velotörn und ich die 150 km der RTF Lauenau. Und dann kam noch einer der schnellen Fixiefahrer und gab mir die Hand – eine Welle von Zusammenhalt wallte in mir auf.

Es ist übrigens keine gute Idee mit wenig gefahrenem, bzw. wenig  getestetem Gerät ins Rennen zu gehen. Der Vorbau fixierte den Lenker nicht gut und da ich fast auschließlich im Unterlenker fuhr, drückte ich im Verlauf des Rennens den Lenker nach vorne und oben. Das war am Ende sehr unbequem. Und sah auch echt scheiße aus.

Und ganz zum Schluss löste sich auch noch ein Kurbelarm vom Vierkanttretlager. Ich fuhr zu Matthias, aber der hatte auch kein passendes Werkzeug (8mm Inbus) dabei. Dafür aber Carolin Schiff, die ich fast übersehen hätte. Ich hatte Sie ja nur einmal im Rennen gesehen und war mir nicht sicher, ob sie es wirklich war. Die Beine schienen mir ein wenig dünn (vor allem nach dem was ich da im Fixie Rennen gesehen hatte), aber dann gab es auf dem Schienbein ein paar markante Narben und ich dachte ich frage sie mal, ob sie es ist. Bingo. Taktisch wollte ich nur beweisen, das ich netter bin, als dass was ich schreibe und wir unterhielten und über das, worüber sich erwachsene Menschen so unterhalten: Radrennen, Motorboote auf dem Gardasee, über die Unsinnigkeit in Bremen zu wohnen und so weiter.

Das waren ja für einen Tag mit so herrlichem Wetter recht wenig Kilometer, diese aber sehr intensiv. Insgesamt war die Veranstaltung gelungen, mit €20 auch nicht zu teuer und spaßig. Zum Glück habe im Rennen ich nicht geschmittet (Bremer Fachwort für „sich auf die Fresse legen“).

Allerdings ist da auch kein großer Unterschied zu den Bremen Challenge Veranstaltungen mit Streckenführung in der Überseestadt zu spüren. Aber trotzdem, danke für die Mühe der Organisation. Danke auch an Silke, Harald und Linda für die Fotos.

Wir sehen uns dann total platt beim RCB Montagstraining.

 

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