








Und dann noch eine solche, rosa Schönheit.
Eigentlich nicht wahr, in der Garage wartet ein weiterer alter Raleigh Rahmen darauf aufgebaut zu werden; und dies bereits seit langer Zeit. Hier nun ein Raleigh Prima, ein edles Produkt englischer Industriekultur der Achtziger (siehe: Thatcher, Streiks, Exploited Barmy Army, Level 42) aus einer der schönsten Städte der Welt: Nottingham. Das Rad habe ich für eine nette Kollegin gekauft, die sich ein neues Rad zum Pendeln zur Arbeit wünscht, da ihr altes, sehr häßliches Alurad zunächst nicht besonders schnell war und nun durch einen Rahmenbruch noch langsamer geworden ist. Also, eigentlich kann man es nur noch schieben.
Ich mag diese Projekte, bei denen es nicht darum geht den x-ten Stahlrahmen mit teuren Komponenten in einen Epochengerechten Zustand zu versetzen. das habe ich nun oft genug gemacht, das Resultat ist eine ganze Garage voll schöner Rennräder, von denen ich das Union Fixie und das Canyon Positivo fahre und der Rest nur sporadisch bei schönem Wetter bewegt wird.
Diese Art von Rädern sind aufregender, da es wesentlich anspruchsvoller ist, es einer promovierten Frau (des.) recht zu machen, die sich für ein rosa Rad entscheidend, als einer Gruppe von Detailversessenen Klassikerfanatiker in einem unbedeutendem Radforum unserer Webgalaxie. Zum zweiten sind Auswahl und Montage von Dingen wie Schutzblechen, Lichtleitungen, umgekehrt angesteuerten Bremsen und gut aussehenden Klingeln Fragen die auch nicht einfacher zu lösen sind als die Auswahl und Montage eines Tretlagers mit korrekter Achslänge für die ideale Kettenlinie.
Auf dem Schreibtisch zur Vermessung. NOS Rahmen mit neuer Alfine S500 Kurbel. Und andersfarbiger Kettenblattschraube.
Sehr schicke Decals im Stile der Achtziger.
Ich weiß nicht, was der Sinn dieses „R“ Zeichens am Steuersatz ist, es sieht aber mächtig gut aus und muss unbedingt genutzt werden, auch wenn es bei einem Unfall schwerer innere Blutungen auslösen könnte. Ehemann der zukünftigen Besitzerin ist ohnehin Chirurg, das mitigiert die Folgen potentieller Schäden.
Alfine Kurbel mit beidseitigem Kettenschutz, dezent in Szene gesetzt durch intellektuelle Akzente.
Alle Raleigh Primas dieser Welt im Überblick bei Google. Bin gespannt was dabei herauskommen wird.
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Der passende Laufradsatz für ein Moser Leader AX Evolution. Die Campagnolo Omega 20 ist eine Schlauchreifenfelge mit 36 Löchern aus den Neunziger Jahren, ein Paar habe ich vor ein paar Wochen relativ günstig erstanden.
Die Naben sind in etwa aus der gleichen Zeitspanne, vermutlich Veloce, Mirage oder Centaur, ausgestattet für 8 Gang Kassettennaben, ebenfalls NOS und bereits seit langer Zeit in einer der vielen Kellerkisten. Dazu DT Swiss Competition Speichen hinten und DT Swiss Revolution Speichen vorne mit Messingnippel. Erstaunlich widerspenstisch beim zentrieren; letztendlich ist zumindest das Hinterrad heute fertig geworden.
Wie bekommt man eine persönliche Note in so einen Satz Laufräder? Eloxierte Nippel? Nein, diesmal nicht; lediglich die beiden Nippel rechts und links vom Ventilloch sind nicht 14, sondern 12mm hoch, um die Unwucht durch das Ventil selber zu minimieren. Also, könnte man sich doch vorstellen, oder?
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Über den Sattel hatte ich bereits geschrieben und noch mal geschrieben und dann konnte ich es nicht mehr aushalten und habe mir den Sattel gekauft. Natürlich zu dem „Einführungspreis“, ganz besonders teuer, mittlerweile gibt es den hie rund dort auch etwas billiger.
Der Cambium wurde dann auf mein Canyon montiert als Ersatz für diesen superleichten Selle Italia SLR Carbon Flow blabla, der, wie der Name schon sagt, sehr sehr leicht ist, aber auf Dauer auch sehr, sehr unbequem. Ist eigentlich mehr etwas für das typische Amateurrennen in Japn von 20 bis 30 km Dauer. Dann habe ich mit dem Canyon und dem Sattel die Festive500 in Angriff genommen und bin etwas über 600km damit gefahren. Zeit für ein Fazit.
Erstens, der Sattel sieht gut aus, sogar an einem modernen Canyon und auch nach 600 km im Winter durch Matsch, Regen und Wind. Er braucht keine Pflege und hat keinerlei Abnutzungserscheinungen. Also wesentlich einfacher als, sagen wir mal ein Brooks Colt oder ein Selle San Marco Concor aus Plüschleder der bereits bei scharfem Anschauen erbleicht.
Zweitens, ist der Sattel bequem? Ja, an sich schon, aber der bequemste Sattel ist er auch nicht. Man setzt sich auf da Teil drauf und ist erst einmal von der spürbaren Einfederung überrascht. Die Form ist aber, zumindest für mich etwas ungewohnt. Der Cambium ist breiter (162 mm), als die Sättel die ich bislang gefahren bin (120 mm),, aber das mag auch Gewöhnungssache sein. Es hat keinen Ausschnitt in der Mitte und da bin ich mir ziemlich sicher, dass ich den brauche um lange bequem fahren zu können. Am Anfang dachte ich, oh wie bequem, aber nach 30 bis 40 km nervte der fehlende Ausschnitt. Für Fahrer die so etwas ohnehin nicht brauchen könnte der Cambium aber eine gute Wahl sein.
Ich neige bei dem Cambium dazu nach vorne Richtung Sattelspitze zu rutschen, trotz des noppigen Belages, wenn der Sattel horizontal fixiert ist, da führt dazu, dass ich mich dann beim fahren willentlich nach hinten bewegen muß. Das nervt etwa, kann aber vielleicht behoben werden, wenn der Sattel etwas ehr geneigt wird.
Positiv finde ich, das man unter das Teil einen Topeak Satteltaschenadapter befestigen kann, dass ist bei sehr flachen Rennsatteln oft nicht möglich, so kann ich die Satteltasche mit dem üblichen Reparaturzeuch von einem Rad auf das nächste swappen und brauche nicht Extra Satteltaschen mit Klettbänderbefestigung.
Richtig leicht ist da Teil mit über 400 Gramm auch nicht, aber das finde ich persönlich nicht so wichtig. Der bleibt jetzt erst eimal am Canyon, aber an meine neue Geheimwaffe (letzte Woche gekauft) kommt doch etwas andres dran.
Natürlich glauben wir alle, dass wir mehr oder weniger frei in unserem Denken und Handeln sind. Beim spontanen Kauf von Rahmen und Rädern werden einige von uns aber durchaus von ihrem Rückgrat kontrolliert.
Es gab, so kann man in wissenschaftlichen Quellen nachlesen, einmal ein interessantes Experiment mit dem russischen Radprofi Ivan Pavlov (Teilnahme an der TdF 34-37; Giro 36). Diesem wurden, in einem wissenschaftlichem Apparat fixiert, verschiedene Typen von Rennrädern gezeigt (Bianchi, Umberto Dei , Torpado, Raleigh und was sonst so alles damals in Mode war). Es wurde dann mittels eines Mikrofons das typischen Keuchen des Entzückens mittels eines Grammophons aufgenommen und dessen Intensität bestimmt. Nach einer Weile wurden keine Rennräder mehr gezeigt, sondern nur noch von den wissenschaftlichen Assistenten über Rennräder gesprochen. Erstaunlicherweise zeigte Ivan Pavlov die gleichen Reaktionen, also Keuchen des Entzückens von vergleichbarer Intensität.
Heute geht mir das so am PC, und wenn ich irgendetwas sehe was mir gefällt (Größenordnung: Vicini, Moser Leader AX, Basso Loto oder ein paar noch nie gesehene Campagnolo Monoplaner Bremsen, dann kann es durchaus sein, das ich ein Pavlov’ches Keuchen von mir gebe. Sehe ich das Zeuch irgendwo auf Ebay, kann es schon einmal sein, dass die Maus quasi automatisch auf den „Jetzt sofort Kaufen und nie bereuen“ Knopf fährt und dann wird instiktiv abgedrückt. Auf diese Art und Weise bin ich schon in den Besitz einer Menge hübscher Rahmen gekommen, von denen die meisten dann aber leider doch zu klein, zu groß, zu rostig oder irgendwie sonst nicht ganz richtig waren.
Mit diesem Moser Leader AX Evolution ist es anders. Ich hatte den Rahmen schon einmal, auch in einer sehr schönen Lackierung, aber mit RH56 war er einfach zu klein für mich. An dem Rahmen liebe ich die offenen Rohrenden an den Ausfallenden vorne und hinten. Habe ich dann wieder verkauft. Es gibt zwar immer mal wieder Angebote auf dem WEb für diesen Rahmen, aber meistens hört das bei RH56 auf. Aber vor einigen Wochen wurde ich doch fündig. Jetzt ist das Ding erst einmal aufgebaut, wurde heute Probe gefahren und als gut befunden.
Da meiste Campa: Athena Ergos, Umwerfer und Bremsen, Chorus Kurbel, Record Schaltwerk und Mexico68 Felgen.
Bei den Brems- und Schalthüllen dachte ich mir: „Weiß kann jeder“. So passt dieser gelbe Akzent gut zum Logo auf dem Unterrohr und zur Sattelspitze. Ein gelb/blauer Selle Italis Sattel passt leider gar nicht, deshalb durch Turbomatic 2 ersetzt.
Ambrosio Vorbau 100mm mit kleinem Nitto Mod.55 Lenker, nur 38cm c-c.
Sieht aus wie Alu, ich aber Stahl.
Ist im Prinzip so erst einmal fertig und wartet auf bessere Zeiten draußen. Einzig und allein bei den Laufrädern muß noch einmal heftigst nachgedacht werden:
Campa irgendwas mit Campa Mexiko68 oder
Campa Record mit Mavic CXP30 oder
Campa Record mit Campa Omega V oder
Campa irgendwas anderes mit Omega 20?
Empfehlungen immer gerne.
Eingeordnet unter 2014, Mob, Moser Leader AX
Yep, heute zum ersten Mal unterwegs mit der Rennrad-Trainingsgruppe Bremen.
Alleine fahren macht keine Spaß; mehr Spaß macht es in der Gruppe zu fahren, auch wenn diese einen langen und irgendwie real-sozialistisch klingenden Namen mit vielen, vielen Bindestrichen hat. Ich bin mit denen noch nie gefahren, aber Philipp, Harald, Marco, Andreas und andere Radler die ich kenne sind’s und so gibt es ein gewisses Urvertrauen. Das Wetter heute morgen ist im OK’en Bereich und ich mache mich auf den Weg zum Treffpunkt um 10:00 Uhr am Dammsiel. Kurz vor dem HaW werde ich bereits von einem ganz eifrigen, vermutlichen Mitfahrer überholt. Macht nichts, es soll ja auch eine „ruhige Runde“ mit 25/26er Schnitt gefahren werden, dafür reicht das Union Fixie ja auch ganz hervorragend. Wobei man bei diesen bunt gewürfelten Gruppen ja nie so genau weiß was dann tatsächlich passiert. Ich bin auch schon einmal in einer 25/26er Gruppe gefahren, da musste ich aber die letzten zwei Stunden das Rad nach Hause schieben, um den geplanten Schnitt zu erreichen.
Am Dammsiel ist natürlich wieder keine Sau zu sehen, noch nicht mal der Eifrige. Dafür gibt es vermutlich mehrere Gründe, das Wetter, die Kälte, die Frühe der Stunde und vielleicht hat es auch irgendetwas damit zu tun, dass ich nicht am Dammsiel, sondern am Kuhsiel warte. Verdammt, ich kann mir einfach nicht merken welches Siel wo ist. Und ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass man sich für eine 50 km am Dammsiel verabredet, wo die Fahrer aus Bremen Zentrum ja bereits 15 km plus Anfahrt haben. Also doch alleine erst einmal durch das Blockland.
Hinter dem Dammsiel überhole ich „den reichlich eirig fahrenden Katusha-Matze“ plus eine Freund. Vermutlich auch zu spät zum Treffpunkt gekommen, aber dann doch lieber alleine weiter. Ich fahre über Wasserhorst nach Ritterhude den Berg hoch, und dann die schönen Wellen weiter bis zur Jacobs U. Ich treffe am Strassenrand einige weitere Räder aus Stahl.
Sind Fixies für die ganz harten. Also am Boden fixiert, damit das fahren noch anstrengender wird.
Irgendwie finde ich dann wieder den Weg zurück an die Lessum, überquere den Fluß am Sperrwerk und mache mich weiter auf den Weg zur Humoorlosen Kirche. Das ist eine lange und leere Sprintstrecke gegen den Wind und macht Spaß. Der blaue Himmel sieht von hier aus wie abgerissen aus. Der Eifrige kommt mir entgegen, vermutlich ist er auch total humorlos zur humoorlosen Kirche gefahren.
Die Laune ist gut, bis ich an der Kirche ankomme, die tatsächlich total humoorlos ist. Die Stimmung geht sofort in den Keller.
An dem Union Fixie sind für den Winter Pasella 700 x 28c Reifen montiert, also ist der Renner damit quasi zum Semi-Crosser mutiert. Schlimmer als in der Stadt nach Silvester, mit jede Menge Scherben kann es ohnehin nicht werden, also denke ich mir, versuche ich doch einmal den Weg rund um das Mittal Stahlwerk zu finden, von dem ich schon gehört, aber den noch nie jemand gefahren ist.
Da gibt es auch einen Feldweg, zuerst etwas matchig, aber dann ganz gut in Schuß, der als Wanderweg durch das Werderland ausgeschildert ist und am Zaun des Mittalgelände nach Nordosten führt. Das Mittalgelände ist riesig, vermutlich fast so groß wie Luxembourg. Und zu meiner Überraschung besteht es nicht aus Kohlebergen, Schlackehalden und alten, ausgedienten Hochöfen die draußen geparkt wurden, sondern aus Wiesen, Wald, Sumpf, durchzogen von Kanälen und Flüsschen. So langsam kommt auch der Humor wieder.
Nach einiger Zeit erreiche ich den Sportparksee Grambke, nicht zu verwechseln mitd em Grambker See. Wenn ich eine Ahnung gehabt hätte, dann hätte ich mich jetzt schön durch die Industriehäfen nach Hause fahren lassen können. Ich hatte aber keine Ahnung und so finde ich mich zunächst in Gröppelingen vor dem „Süpermarket“ wieder und dann in Walle vor dem Paradice wo zufällig gerade meine Tochter trainiert, die ich dort treffe. Danach dann unspektakulär weiter durch Walle zum Bahnhof und von da aus an die Weser. Kurz vor dem Bahnhof werde ich beinahe noch von einem Passat überfahren, der ohne auf den Radweg zu achten aus einem Parkplatz schiesst. Das war aber wirklich knapp diesmal.
An der Weser dann nach Hause, Slalom um die Scherben und um Fußgänger mit Hunden. 60km die Spaß gemacht haben. In der Gruppe wäre es aber doch noch besser gewesen.
Abbildung 1: Campagnolo Chorus Monoplaner 1987
Quelle: Campagnolo Chorus Katalog 1987
1. Historische Einordnung
Mitte der Achtziger Jahre hatte Campagnolo drei Komponentengruppen in seinem Produktportfolio: Die Record als qualitativ hochwertigste, und darunter die Victory und Triomphe Gruppen (Campagnolo Catalogue 18 bis, 1985). In der Record Gruppe wurden 1986 zum ersten Mal andere, als einachsige Bremsen (single Pivot) eingesetzt, die legendären und umstrittenen Delta Bremsen (Cyclyng 2012). Die Victory und Triomphe Bremsen hingegen waren noch konventionelle einachsige Bremsen, deren grundlegendes Design aus den Siebzigern stammte.
Die japanische Konkurrenz hatte technisch in den Jahren zuvor aufgeholt: Bei Shimano gab es mit der 600EX 6207 (Velobase 2007a) und 6208 (Velobase 2008) funktionell gute einachsige Felgenbremsen und die Dura Ace 7300 AX (Velobase 2007b) war das aerodynamische Gegenstück zur Campagnolo Deltabremse. Suntour hatte mit der Superbe Pro (Velobase 2007c) und der Cyclone (Velobase 2009) ebenfalls technisch gute Bremsen mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis auf dem Markt.
Campagnolo füllte 1987 die Lücke zwischen der Record und der (ab 1987: Nuovo Triomphe bzw. Victory) Triomphe Gruppe durch die Chorus Gruppe, mit der das Unternehmen Monoplaner Bremsen auf den Markt eingeführte (Campagnolo Chorus Catalogue 1987).
2. Funktionsprinzip
Monoplaner Bremsen sind einachsige Bremsen und haben zwei Bremszangen die an der Achse miteinander verschränkt sind. Der rechte Bremsarm ist in der Mitte geteilt und aus dieser Teilung ragt der Arm an dem der Zug fixiert wird. Abbildung 2 zeigt das Prinzip.
Abbildung 2: Prinzip der Monoplaner am Beispiel der Campagnolo Athena Monoplaner
Quelle: Fotos des Autors
Nach Aussage von Campagnolo hat die Konstruktion den Vorteil, besonders stabil and stromlinienförmig zu sein. Zusammen mit dem aus hochfestem Stahl gefertigten Achsbolzen und der geringen Fertigungstoleranz sollten Vibrationen beim Bremsen, insbesondere bei der Vorderradbremse vermieden werden. Der Bremskörper hat keinen Schnellverschluss, dieser ist nun in den Bremshebel integriert (Campagnolo Chorus Katalog 1987). Dieses Prinzip wird bis heute bei Campagnolo Bremsen verwendet und soll die Sicherheit erhöhen indem auch bei geöffnetem Bremsverschluss noch gebremst werden, bzw. dass auch beim Fahren der Schnellverschluss am Lenker wieder geschlossen werden kann.
Man kann Monoplaner Bremsen schnell identifizieren, indem man auf die rechte Seite (also die Seite auf der der Zug fixiert ist) betrachtet und prüft, ob der Arm mit der Zugfixierung hinter dem rechten Bremsarm liegt. Oftmals und irrtümlich werden Campagnolo Bremsen aus dieser Epoche als „Monoplaner“ bezeichnet, wenn Sie aus der gleichen Zeit, aber aus Gruppen stammen, bei denen das Monoplaner Konstruktionsprinzip noch nicht angewendet war. So waren z.B. die Bremsen der Athena Gruppe von 1988 bis 1993 konventionelle Einachsbremsen, auch wenn die Chorus Gruppe im gleichen Zeitraum nach dem Monoplaner Prinzip konstruiert war (Campagnolo Athena Catalogue 1988).
3. Übersicht der Monoplaner Versionen und Varianten
Monoplaner Bremsen waren zehn Jahre, von 1987 bis 1997 im Angebot von Campagnolo; neben der Chorus Gruppe, wurden sie auch in den Gruppen Athena, Veloce und Mirage verwendet. In diesen letzten drei Gruppen wurden jeweils Einachsbremsen (Single Pivot) durch die Monoplaner Bremsen ersetzt; die Monoplaner Bremsen wurden dann wiederum beim nächsten Produkte Update durch Zweiachsbremsen (Dual Pivot) ersetzt. Einen Vorläufer in der Chorus Gruppe gibt es nicht, da die Chorus Gruppe 1987 neu eingeführt wurde. 1994 wurden auch die Chorus Monoplaner durch modernere Zweiachsbremsen ersetzt.
Im Folgenden werden Monoplaner Bremsen in verschiedenen Gruppen als Versionen, und verschiedene Bremsentypen innerhalb einer Gruppe als Varianten bezeichnet.
Innerhalb jeder Gruppe, mit Ausnahme der Mirage, gab es mehrere Varianten der Monoplaner Bremsen. Campagnolo führte in den Neunzigern regelmäßige Updates der Gruppen durch, diese wurden durch jährlich neu aufgelegte Kataloge dokumentiert.
Abbildung 3: Versionen und Varianten der Campagnolo Monoplaner Bremsen
Quelle: Grafik des Autors nach Campagnolo Katalogen 1987-1997
Campagnolo folgte dem Prinzip, die Technik qualitativ höherer Gruppen über die Jahre in die qualitativ darunter liegenden Gruppen zu übertragen, wie in Abbildung 3 gut zu erkennen ist. Nachdem 1994 die Chorus Gruppe, wie die höherwertige Record Gruppe mit Zweiachsbremsen ausgestattet wurde, kamen Monoplaner Bremsen als Ersatz für Einachsbremsen in der nächstniedrigen Athena Gruppe zum Einsatz. Dieses Prinzip setzte sich auch in den Gruppen Veloce und Mirage weiter fort, bis 1998 die Bremsen aller Gruppen als Zweiachsbremsen ausgeführt wurden.
Während die Unterschiede in den Varianten innerhalb einer Gruppe gut zu erkennen sind, sind die Unterschiede nachdem eine Version in eine niedrigere Gruppe „transferiert“ wurde teilweise minimal. So sind z.B. die Veloce BR-12VL von 1995 und die Mirage BR-12MI von 1996/97 quasi identisch, bis auf den Gruppenschriftzug „Veloce“, bzw. „Mirage“ auf dem linken Bremsarm. Durch die Ersatzteilkataloge von Campagnolo in diesen Jahren ist dokumentiert, dass ein Großteil der Einzelteile der Bremsen unabhängig von den Gruppen identisch ist.
Mit einer Produktionszeit von sieben Jahren wurden die Chorus Monoplaner Bremsen am längsten hergestellt und werden daher vielmals auch als die klassischen Monoplaner Bremsen bezeichnet. Die Monoplaner Bremsen der anderen drei Gruppen waren jeweils nur zwei bis drei Jahre im Angebot und sich deswegen generell seltener.
Als besondere Variante gab es die Chorus Monoplaner Bremsen BR-02CH mit „Graphite Finish“. Diese besondere Art der Oberflächenveredlung in dunklem grau-schwarz wurde bei den Komponenten der Chorus und Athena Gruppen kurzzeitig ab 1990 angeboten. Dieses Finish ist anders als das „Century Finish“, dass ausschließlich der Record Gruppe vorbehalten war (Tears for Gears, 2009).
4. Merkmale der Chorus CH-051/CH-052 Monoplaner Bremsen 1987-89
Abbildung 4: Campagnolo Chorus Monoplaner Bremse CH-051 (1987-1989)
Quelle: Fotos des Autors
Diese Monoplaner Bremsen waren die ersten auf dem Markt und wurden von 1987 bis 1989 verkauft; technisch sind sie die aufwändigsten Monoplaner Bremsen von Campagnolo und bestehen aus jeweils 29 Einzelteilen (Campagnolo Dealer Parts Catalogue 1988) Vermutlich gibt es innerhalb dieses Zeitraums keine weiteren Varianten der Bremsen; heute verkaufte Bremsen mit anderen Bremszugseinstellern, schwarzen Gummiringen der Bremszugseinsteller oder Bremsschuhen bzw. Bremsbelägen sind vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt umgerüstet worden.
Im Gegensatz zu den anderen Campagnolo Gruppen dieser Epoche, verzichtet Campagnolo auf die Gruppenbezeichnung „Chorus“ unter dem Campagnolo Schild auf dem linken Bremsarm. Sollte nicht der Gruppennamen nachträglich entfernt worden sein, sind Campagnolo Bremsen dieser Epoche ohne Gruppenbezeichnung immer aus der Chorus Gruppe.
Abbildung 5: Gruppennamenmarkierung auf dem linken Bremsarm. Oben Chorus, unten Athena
Quelle: Fotos des Autors
Da Campagnolo zu diesem Zeitpunkt noch Siebenstellige Teilenummer verwendet, ist es nicht möglich präzise zu sagen, welche der Einbauteile bei der nächsten Variation verwendet wurden. Gut unterscheidbar sind Chorus Monoplaner Bremsen dieser Variation von denen anderen Gruppen und der neueren Chorusvariante BR-02CH an den folgenden Merkmalen:
Auf der Rückseite der Bremse sind die Federn mit rundem Querschnitt am Ende nach außen gebogen and liegen auf den gelagerten Widerlagern der Bremsarme auf. Diese aufwändige Konstruktion wurde nur in den Chorus Varianten CH051/052 und BR-02CH angewendet.
Abbildung 6: Federkonstruktion mit Lagern, Campagnolo Chorus CH-051/052
Quelle: Fotos des Autors
Im Gegensatz zu allen anderen Versionen der Monoplaner Bremsen, kann die spitze Mutter am vorderen Ende des Achsbolzens abgeschraubt werden. Dies macht eine zusätzliche Unterlegscheibe vor den Bremsarmen erforderlich. Dagegen ist die Halterung der Federn am Achsbolzen fest and kann nicht demontiert werden. Bei allen Monoplaner Bremsen der anderen Gruppen ist es genau umgekehrt, die spitze Mutter vorne ist fixiert und der Federhalter kann abgeschraubt werden.
Abbildung 7: Aufbau des Achsbolzens, Campagnolo Chorus CH-051/052
Quelle: Fotos des Autors
Die Bremszugsfixierung rechts ist ebenso wie der Achsbolzen aufgebaut, d.h. die spitze Mutter vor der Bremse kann entfernt werden. Damit lässt sich auch dieser Teil der Bremse komplett in seine Einzelteile zerlegen. Alle anderen Versionen der Monoplaner Bremsen haben eine wesentlich simplere, einteilige Konstruktion, die mit einem Sprengring gesichert ist. Die Bremszugfixierung wird mit einen Sechskant 4 mm gelöst, spätere Versionen sind, wie die Schrauben der Bremsschuhbefestigung mit 5 mm Innensechskant ausgestattet.
Abbildung 8: Aufbau der Bremszugfixierung, Campagnolo Chorus CH-051/052
Quelle: Fotos des Autors
An der Vorderradbremse ist am Bremsarm rechts hinter der Aufnahme des Bremszugeinstellers ein Gummistopper angebracht, damit bei extremem Lenkereinschlag der Rahmen nicht beschädigt wird. Dies ist weder bei der Hinterradbremse, noch bei anderen Versionen der Fall.
Abbildung 9: Gummistopper an der Vorderradbremse, Campagnolo Chorus CH-051/052
Quelle: Fotos des Autors
Die Bremszugeinsteller haben weiße O-Ringe und die Gravur „Campagnolo Brev. Inter.“ Dieses Merkmal ist einzigartig für die Monoplaner Bremsen der ersten Chorus Variante.
Abbildung 10: Bremszugseinsteller , Campagnolo Chorus CH-051/052
Quelle: Fotos des Autors
Als Bremsbelägen wurden eckige, schwarze Gummis verwendet, die in Bremsschuhen aus Aluminium mit weißen Plastiküberzügen über den Einfädelhilfen stecken. Die Bremsbeläge haben die Gravur: „Brev. Campagnolo“. Die Bremsschuhe können konventionell, d.h. in schmalen, geschlitzten Bremsarmen mit M6 Schrauben mit Innensechskant 5 mm fixiert werden.
Abbildung 11: Bremsschuh, Campagnolo Chorus CH-051/052
Quelle: Fotos des Autors
Ein Paar Bremsen der Chorus Monoplaner Bremsen CH051/052 wiegt 260 Gramm, ohne Bremsschuhe und Befestigungsmaterial. Für das Jahr 1990 wurden die Bremsen dann nach drei Jahren auf dem Markt leicht überarbeitet.
Mehr Informationen im Campagnolo Chorus Katalog von 1987 und im 1988 Campagnolo Dealer Parts Katalog.
5. Merkmale der Chorus BR-02CH Monoplaner Bremsen 1990-93
Die Chorus Monoplaner Bremsen der zweiten Generation, Code BR-02CH, wurden von 1990 bis 1993 produziert und lösten die erste Generation der Chorus Monoplaner Bremsen CH051/052 ab.
Abbildung 12: Campagnolo Monoplaner Chorus BR-02CH 1990-1993
Quelle: Ebay USA
Die Chorus BR-02CH Bremsen wurden mit einer Variante von 1990 bis 1993 hergestellt. Diese Variante ist die „Graphite“ Oberflächenveredlung, die optional im Campagnolo Katalog von 1990 angeboten wurde (Campagnolo Kataloge 1991, 1992 und 1993).
Abbildung 13: Campagnolo Monoplaner Chorus BR-02CH in Graphite Finish 1990
Quelle: Ebay USA
Die wesentliche konstruktive Änderung im Vergleich zu der Chorus Vorgängervariante sind die neugestalteten Bremsarme. Die unteren Enden der Bremsarme, also dort wo die Bremsschuhe befestigt werden, sind wesentlich wuchtiger und „fleischiger“ ausgeführt. Diese Form der Bremsarme wird im Allgemeinen als das „klassische Monoplanerdesign“ empfunden und wurde anschließend bei den Monoplaner Bremsen der Athena Gruppe übernommen.
Abbildung 14: Vergleich der Bremsschuhaufnahme BR-02CH links und C051/052 rechts
Quelle: Foto des Autors
Darüber hinaus führte Campagnolo weitere kleinere Updates durch; die Bremszugeinsteller sind nun mit schwarzen, statt mit weißen O-Ringen ausgestattet.
Die Bremsschuhe sind nun die gleichen wie bei der Record Gruppe, d.h. die Bremsschuhe sind an den Enden gerundet und ohne Plastiküberzüge an den Einfädelhilfen (HP Blocks).
Die Schraube zur Bremszugfixierung kann nun mit einen 5 mm Sechskant- (vorher 4 mm) und einen 9 mm Schraubenschlüssel geöffnet werden.
Abbildung 15: Chorus Monoplaner BR-02CH mit Bremsschuhen HP Blocks
Quelle: Campagnolo Katalog 1991
Durch diese Änderungen stieg das Gewicht eines Bremsenpaares leicht von 260 auf 273 Gramm an.
6. Merkmale der Athena BR-12AT und BR-22AT Monoplaner Bremsen 1994-95
1994 wurden die Monoplaner Bremsen der Chorus Gruppe durch Zweiachsbremsen ersetzt; dies war bereits vorher in der Record Gruppe geschehen. In diesem Zuge wurden die Einachsbremsen der darunter liegenden Athena Gruppe durch Monoplaner aufgewertet.
In der Athena Gruppe wurde die Variante BR-12AT nach nur einem Jahr 1995 durch die Variante BR-22AT, und gleichzeitig die Einachsbremsen der Veloce Gruppe durch die Monoplaner Bremsen BR-12VL abgelöst. Zu diesem Zeitpunkt waren damit erstmalig Monoplaner Bremsen in zwei Gruppen auf dem Markt erhältlich (Campagnolo Catalogue 1994, 1995)
Abbildung 16: Athena Monoplaner BR-22AT
Quelle: Foto des Autors
Die Athena Monoplaner Bremsen sind konstruktiv simpler als die Chorus Monoplaner Bremsen. Neben der Funktionalität scheint besondere die Vereinfachung der Produktion aus Kostengründen eine Rolle gespielt zu haben. Alle späteren Bremsen basieren auf dem Konstruktionsprinzip dieser 1994 eingeführten Athena Monoplaner Bremse BR-12AT.
Eine der wesentlichen konstruktiven Veränderungen gegenüber der Chorus Version ist, dass der Achsbolzen nun fest mit der spitzen Mutter am vorderen Ende verbunden ist und der Federhalter abgeschraubt werden kann.
Abbildung 17: Achsbolzen Chorus BR-02CH unten und Athena BR-12AT oben im Vergleich
Quelle: Fotos des Autors
Ebenso wie der Achsbolzen, ist der Bolzen der Bremszugaufnahme aus einem Stück gefertigt und mit einem Sprengring gesichert. Die Fixierschraube ist zum Öffnen mit einem 5 mm Innensechskant einer Außensechskantmutter für einen 9 mm Schraubenschlüssel ausgeführt.
In der Abbildung 18 ist eine weitere konstruktive Änderung gut erkennbar: Statt Lagern mit gebogenen Federenden, werden nun integrierte Aufnahmepunkte am Bremsarm mit geraden Federenden benutzt. Um die Leichtgängigkeit der Bremsen zu erhalten, sind die Federn mit Plastikenden umhüllt. Diese Form der Lagerung und des Federtyps wurde dann bei allen weiteren Versionen und Varianten der Monoplaner Bremsen beibehalten.
Abbildung 18: Federn und Auflager; Chorus C051/052 oben und Athena BR-22AT unten
Quelle: Foto des Autors
Es gibt drei weitere, kleinere Merkmale, an denen die Athena Version erkennbar ist: Zum einen ist unter dem Campagnolo Schild auf dem linken Bremsarm ist bei der Athena Monoplaner Bremse der Gruppenname „Athena“ aufgedruckt. Zum anderen wurden andere Bremsschuhe bzw. Bremsbeläge eingesetzt. Statt Bremsbelägen aus Gummiplastik die in Bremsschuhen aus Metall gehalten werden, sind nun Bremsschuh und Bremsbelag eine Einheit aus Gummiplastik (Typ SK3); die Befestigungsschraube wird in einen Metalleinsatz im Bremsbelag befestigt.
Die Bremsbeläge haben, im Gegensatz zu späteren Ersatzbelägen, Rillen die in unterschiedlichen Richtungen schräg zur Fahrtrichtung verlaufen und ein Muster von Dreiecken ergeben.
Abbildung 19: Neue Bremsschuhe SK3 an der Athena Monoplaner BR-22AT
Quelle: Foto des Autors
Außerdem hat der Bremszugeinsteller keine Gravur „Campagnolo“.
Schwieriger ist es Unterschiede zwischen den Bremsenvarianten BR-12AT und BR-22AT festzustellen. Vergleicht man die Campagnolo Ersatzteilkataloge 1994 und 1995 so erscheint es, als ab bei der Variante BR-12AT Federn ähnlich der ersten Chorus Version CH051/52, also ohne Plastikenden und nach außen gebogen, verwendet wurden. Bei der Variante BR-22AT wurden dann wiederum Federn wie bei der Chorus BR-02CH mit Plastikhülsen an den Federenden eingebaut.
Das Gewicht der Athena Monoplaner Bremsen entspricht mit 275 Gramm fast genau dem Gewicht der Chorus BR-02CH Version.
Abbildung 20: Aufbau der Athena Monoplaner BR-22AT
Quelle: Foto des Autors
6. Merkmale der Veloce BR-12VL und BR-22VL Monoplaner Bremsen 1995/97
Von den Veloce Monoplaner Bremsen gibt es zwei Varianten; die BR-12VL, die 1995 auf den Markt kam und die BR-22VL, die diese bereits 1996 ablöste und bis zum Ende der Monoplaner Ära 1997 hergestellt wurde. Nachdem 1996 die Athena Monoplaner Bremsen ebenso wie vorher die Chorus Monoplaner Bremsen durch Zweiachsbremsen ersetzt wurden, war nun die Veloce Gruppe die Gruppe mit der höchsten Qualität, bei der noch Monoplaner Bremsen eingesetzt wurden. Record, Chorus und Athena Gruppen benutzen bis heute Zweiachsbremsen; dies setze ein deutliches Signal in der Käuferschaft für die Überlegenheit der Zweiachsbremsen gegenüber dem Monoplaner Konzept (Campagnolo Katalog 1995, 1996 und 1997).
Abbildung 21: Veloce Monoplaner Bremsen BR-12VL (unten) und BR-22VL (oben)
Quelle: unbekannt
Die beiden Varianten der Veloce Monoplaner Bremsen unterscheiden sich erheblich voneinander. Die erste Version basiert auf der Konstruktion der Athena Bremsarme und wurde im Vergleich zu dieser mit einer neuen Achsbolzenmutter vorne, einer neuen Bremzugsaufnahmenschraube und neuen Bremszugeinstellern ausgerüstet.
Die spitzen Muttern an Achsbolzen und Bremszugaufnahme kamen nicht mehr zum Einsatz, so dass ein Element des typischen Monoplaner Designs verloren ging. Anstelle der spitzen Achsmutter wurde eine kugelförmige Plastikabdeckung verwendet die weniger wertig aussieht.
Die Bremszugeinsteller mit schwarzen O-Ringen wurden durch ein geriffeltes Rad aus Aluminium ersetzt. Diese waren nun durch einen zusätzlichen kleinen schwarzen O-Ring, der unterhalb des Bremsarms platziert wurde gegen Herausfallen gesichert.
Abbildung 22: Sicherung der Bremszugeinsteller durch schwarzen O-Ring an der Unterseite, Version BR-22VL
Quelle: Foto des Autors
Auf diese Art und Weise wurde ein Unterschied zu den höherwertigen Athena Bremsen des gleichen Jahrgangs „konstruiert“.
Ein Jahr später, 1996, wurden das Monoplaner Prinzip auch in der untersten Gruppe, der Mirage, eingeführt. In diesem Zuge kam es zu einer Neukonstruktion der Bremsarme, die dann von den beiden verbliebenen Monoplaner Gruppen, der Veloce und der Mirage übernommen wurde.
Die Bremsarme waren im Vergleich zu der Athena Version filigraner, mit weniger „Fleisch“ an den Aufnahmen der Bremsschuhe, dünner im Querschnitt und mit breiteren Langlöchern für die Aufnahme neuer Bremsschuhtypen versehen. Dies machte sich auch im Gewicht bemerkbar: Die Athena Bremsarme wiegen zusammen etwa 85 Gramm, die Veloce Arme der Variante BR-22VL hingegen nur noch 68 Gramm.
Die Bremsarme konnten die neuen Bremsschuhe der Record Gruppe aufnehmen, bei denen die Schraube im Bremsschuh integriert war und mit einer Innensechskantmutter 5 mm an den Bremsarmen befestigt wurde. Dies erforderte die Verbreiterung der Langlöcher in den Bremsarmen.
Abbildung 23: Vergleich Bremsarme Athena BR-22AT (oben) und Veloce BR-22VL (unten)
Quelle: Foto des Autors
Damit verloren die Veloce Bremsen BR-22VL das klassische Aussehen der Monoplaner Bremsen. Um einen Unterschied zu den Mirage Bremsen zu schaffen, wurden nun wieder die spitzen Muttern der Athena bzw. Chorus Gruppe und deren Bremszugeinsteller mit schwarzen O-Ringen verwendet. Die Bremszugeinsteller haben einen länger gezogenen Hals, um der Aufnahme der Bremskabelhülle mehr Platz zu bieten.
Darüber hinaus kamen bei der Veloce BR-22VL neue Bremsschuhe zum Einsatz. Die Vollgummiplastik HP Beläge der Veloce BR-12VL wurden durch neue Aluminimumschuhe mit integrierter, kurzer Einfädelhilfe und abgerundeten Kanten, sowie vorne und hinten gerundeten Bremsbelägen aus der Record Gruppe ersetzt. Der Gesamteindruck ist insgesamt höherwertiger und näher an einer Athena Monoplaner Bremse mit Ausnahme der sehr filigran geratenen Aufnahme der Bremsschuhe.
Insgesamt wurden die Bremsen leichter, ein Paar der Veloce BR-22VL Variante wiegt nur noch 248 Gramm im Vergleich zu den 275 Gramm der Athena bzw. Chorus Version.
7. Merkmale der Mirage BR-12MI Monoplaner Bremsen 1996/97
Abbildung 24: Campagnolo Monoplaner Bremse Mirage BR-12MI
Quelle: Foto des Autors
Die Mirage BR-12MI Version der Monoplaner Bremsen von Campagnolo ist die letzte Version die auf den Markt gebracht wurde. Sie wurde zeitgleich mit der Veloce BR-22VL in den Jahren 1996 und 1997 angeboten (Campagnolo Catalogue 1996, 1997).
Im Prinzip handelt es sich hier um eine Kombination aus der Veloce BR-12VL mit der typischen kugelförmigen Plastikabdeckung vorne auf dem Achsbolzen, den Bremszugeinsteller mit geriffelter Scheibe, und den filigranen Bremsarmen der BR-22VL zur Aufnahme der Innensechkantmuttern der Bremsschuhbefestigung. Die Bremsarme der Veloce BR-22VL und der Mirage BR-12MI sind konstruktiv identisch und haben unterscheiden sich nur durch den jeweiligen Gruppenname Veloce bzw. Mirage auf dem linken Bremsarm unter dem Campagnolo Schild (Campagnolo Spare Parts Catalogue 1996, 1997).
Im Gegensatz zu den Bremsen der Veloce BR-22VL wurden bei den Mirage Bremsen keine Bremsschuhe der Record Gruppe, sondern wieder Vollgummiplastik Beläge mit Metalleinsätzen, ähnlich wie bei den Athena Monoplaner Bremsen und der Veloce BR-12VL verwendet. Diese tragen die Markierung HPB Comp. in weißer Schrift auf der Außenseite und haben die charakteristischen Dreiecksmuster der Beläge.
Abbildung 25: Einzelteile der Monoplaner Bremse Mirage BR-12MI
Quelle: Foto des Autors
Mit 229 Gramm sind die Mirage Monoplaner Bremsen die leichtesten gebauten Monoplaner Bremsen.
7. Schnelle Identifikation der Monoplaner Versionen und Varianten
Anhand von zehn Merkmalen lassen sich mit einiger Sicherheit schnell die Versionen einer Monoplaner Bremse identifizieren. Dazu gehören Bremszugeinsteller und Bremsschuhe bzw. Bremsbeläge die einfach und häufig wegen Verschleiß ausgetauscht wurden. Aus diesem Grunde wird davon abgeraten diese Merkmale zur Bestimmung von Version und Typ zu benutzen. Ebenso einfach ist es den Gruppenname „Athena“ mit einem Felgenradierer zu entfernen und so eine „Chorus“ Monoplaner Bremse zu „erzeugen“. Sicherere Merkmales zur Identifizierung sind die folgenden:
+ Rollenlager zur Federaufnahme und filigrane Bremsarme: Chorus CH051/052
+ Rollenlager zur Federaufnahme und wuchtige Bremsarme: Chorus BR-02CH
+ Aufnahmepunkte für Feder und nach außen gebogene Federn, wuchtige Bremsarme:
Athena BR-12AT
+ Aufnahmepunkte für Feder, Federn mit Plastikhülsen, wuchtige Bremsarme:
Athena BR-22AT
+ Aufnahmepunkte für Feder, filigrane Bremsarme, Plastikabdeckung vorne
Veloce BR-12VL oder Mirage BR-12MI, nur am Gruppenname erkennbar
+ Aufnahmepunkte für Feder, filigrane Bremsarme, Spitze Mutter am Achsbolzen
Veloce BR-22VL
Eine noch sichere Bestimmung anhand aller Merkmale kann anhand Abbildung 26 erfolgen.
Abbildung 26: Einzelteile der Monoplaner Bremse Mirage BR-12MI
Quelle: Eigene Darstellung
8. Seltenheit und aktuelle Preise
Im Folgenden sind typische Preise für ein Paar Monoplaner Bremsen ohne Bremshebel angegeben (Stand Januar 2014). Die Preise orientieren sich im Wesentlichen an Angeboten auf Ebay.
| Version |
Chorus |
Athena |
Veloce |
Mirage |
|||
| Variante |
CH051/052 |
BR-02CH |
BR-12AT |
BR-22AT |
BR-12VL |
BR-22VL |
BR-12MI |
|
NOS |
120 € plus |
100 € plus |
80 € plus |
80 € plus |
|||
|
Gebraucht, alle Teile Original |
60 – 90 € |
60 – 90 € |
40 – 70 € |
40 – 70 € |
|||
|
Gebraucht, teilweise Neuteile |
50 – 70 € |
50 – 70 € |
40 – 60 € |
40 – 60 € |
|||
9. Quellen
Campagnolo Catalogue 18 bis (1985): http://goo.gl/WXejiq
Campagnolo Chorus Catalogue (1987): http://goo.gl/EHMwuQ
Campagnolo Athena Catalogue (1988): http://goo.gl/ciD6i7
Campagnolo Dealer’s Part Catalogue (1988): http://goo.gl/oUOPki
Campagnolo Catalogue (1991): http://goo.gl/uL0FZx
Campagnolo Catalogue (1992): http://goo.gl/7oqInQ
Campagnolo Catalogue (1993): http://goo.gl/W7SpX3
Campagnolo Catalogue (1994): http://goo.gl/H8Lr2J
Campagnolo Spare Parts Catalogue (1994): http://goo.gl/crLvon
Campagnolo Catalogue (1995): http://goo.gl/RCsGiK
Campagnolo Spare Parts Catalogue (1995): http://goo.gl/Lf2Pag
Campagnolo Catalogue (1996): http://goo.gl/jdev8e
Campagnolo Spare Parts Catalogue (1996): http://goo.gl/0TD7U2
Campagnolo Catalogue (1997): http://goo.gl/KDBQ64
Campagnolo Spare Parts Catalogue (1997): http://goo.gl/wd6tng
Campybike Classic Era (2013): http://goo.gl/LLVhqd
Campyonly Catalogue Archive (2013): http://goo.gl/y4IvL4
Tears for Gears: Campagnolo’s Century Finish (2009): http://goo.gl/0F5Ypn
There is no I in cyclyng: Campagnolo Delta Bremsen (2012) http://goo.gl/S2C02q
Velobase Shimano BR-6207, 600EX (2007a): http://goo.gl/973OBI
Velobase Shimano BR-7300, Dura-Ace AX (2007b): http://goo.gl/AIyJIT
Velobase SunTour CB-3600, Superbe Pro Short Reach (2007c): http://goo.gl/2wtKIa
Velobase Shimano BR-6208, 600EX (2008): http://goo.gl/hk8wc9
Velobase SunTour CB-8100, Cyclone (2009): http://goo.gl/OBJII2
Eingeordnet unter 2014, Bits&Pieces, Mob, Moderne Klassik
Sind übrig und liegen seit langer Zeit in der ganz, ganz tiefen Kiste. Wer seine Felgen damit aufwerten möchte, bitte gerne ich schicke die kostenlos zu.
Eingeordnet unter 2014, Bits&Pieces, Mob, Sales
Lustigerweise bekomme ich heute über 1.000 Hits auf diesem Blog, weil ich vor Monaten einmal über Martin Kuhn, einen verrückten Deutschen, der mit einem alten japanischen Rad völlig naiv quer durch Japan gefahren ist gepostet habe. Um das gleich richtig zu stellen: Ich beneide Martin Kung für seine Naivität und die Möglichkeit Japan das erste Mal zu entdecken. In der Zwischenzeit ist Martin Kuhn so etwas wie eine Mini-Medienstar in Japan geworden und heute hat jemand drüben irrtümlich gepostet, dass dieses Blog das Blog von Martin Kuhn ist. Danke, aber falsch.
Das hat mich allerdings dazu gebracht einmal über das bloggen an sich nachzudenken. Ich habe „There is no I in cyclyng“ im Februar 2013 abgefangen, auf die Idee brachte mich eine Unterhaltung auf facebook:
„There is no I in happyness!“
„Well, there would be, if you spell it right.“
In den letzten zwei Jahren habe ich fast täglich meinen Reader (zunächst Google, heute feedly) auf bloggenswerte Beiträge im Netz gecheckt, das hat Spaß gemacht und ich habe viel gesehen und gelernt, insbesondere im Aufbau klassischer Räder. Aber es hat auch sehr viel Zeit gekostet. Und heute hat sich da eine gewisse lieblose Routine eingestellt, es gibt immer weniger was ich bloggenswert finde , nach über 2.300 Posts ist das auch nicht verwunderlich.
Zeit also 2014 etwas daran zu ändern. Ich werde weniger bloggen, nicht mehr jeden Tag etwas posten und mich darauf konzentrieren eigene Beiträge zu posten und nicht vom Netz zu re-bloggen.
Zum Abschluss hier eine Sammlung wunderschöner Anime Figuren zum Thema Rad aus Japan.
Eingeordnet unter 2014, Mob, Sex. Lies & Vids
So, und schon fertig. War ’ne Supertour, danke an Silke, Sebastian, Olli und Jörg. Konnte kaum das Hinterrrad halten.