Tagesarchiv: 7. Juli 2012

Asphaltgestrahlte Haut und wenn der Himmel Druck macht (Etappe 6 und 7 der TdF)

1982 bis 1983 arbeitete ich als Zivildienstleistender in der Notfallambulanz des Marienhospitals in Düsseldorf.

Ich sah dort jede Menge Tote, Schwerverletzte, Alkoholiker und Drogenabhängige. Die Düsseldorfer Altstadt gehörte ebenso zu unserem Einzugsbereich wie das Gefängnis, von daher war für einen interessanten Mix an Patienten gesorgt. Ganz so spannend war es aber doch nicht, die meisten Verletzten waren halt doch Omas die sich geschnitten hatten oder das Handgelenk brachen. Und die Toten waren einfach schon tot wenn sie zu uns kamen, da war nichts mehr mit letzten Worten und großen Gesten. Meistens waren die auch schon sehr alt und starben halt zu ihrer Zeit. Drogenabhängige udn Alkoholiker hatten sich in der Regel den Verstand weggesoffen und funktionierten nur noch so gerade. Highlights dieser Zeit waren eine Nonne, die einen Verkehrsunfall mit ihrem VW Käfer hatte und wir wollten ihr alle unbedingt eine Tetanusspritze in den Arsch setzen; ein Postbeamter, der sich zu Silvester angeblich auf einen gelben Postkuli gesetzt hatte und der dann aus unerklärlichen Gründen im Darm gelandet war. Der musste um 12 Uhr operiert werden und nachher stritten sich die Ärzte darum, wer den Kuli behalten durfte. Ein Italiener aus dem Knast der Selbstmord begehen wollte und sich den Bauch aufgeschnitten hatte – ich fragte den Sanitäter was der wohl hätte und anstatt mir eine Antwort zu geben schlägt er ein Tuch vor seinem Bauch zurück und darunter ist alles offen und Gedärm quillt auf die Trage …. Aber das waren auch die Highlights, Menschen später auf der Krankenstation langsam sterben zu sehen nahm mich viel mehr mit.

Na ja, jedenfalls hatten wir ab und an Patienten mir Verbrennungen und dann gab es eine spezielle Salbe namens Betaisodona dich darauf geschmiert und dazu gab es noch ein spezielles Pflaster. Wenn ich irgendwann einmal Kinder haben sollte, so dachte ich mir, so heisst ein Mädchen dann Betaisodona und ein Junge Olekranon. Einfach sehr schöne Worte.

Gestern, bei der Tour de France, hätte eine Tonne Betaisodona nicht gereicht, um das Peloton erst zu versorgen. 25 km vor dem Ziel gab es einen massiven Crash, bei dem jede Menge Fahrer bei mehr als 70 km/h stürzten und einige aufgeben mußten. Unter anderem Ryder Hesdahl, den man noch zu den Mitfavoriten der Tour gezählt hatte.

Hier ist ein schöner Bericht von Velonews, wie Profimediziner feststellen, ob Radprofis noch bei Trost sind:

“Our doctors will examine our riders after a crash. If we think there has been a head injury you can do things like ask them to count backwards, ask them what the capital of Alabama is, ask them what their mother’s name is, where they are,” Vaughters said.
”If you can answer those questions then you are ok. If you can’t, you are out of the race.”


Wow, die Hauptstadt von Alabama … gibt es da auch Fragen für Russen, Deutsche und Franzosen oder müßte ich das nach jedem Sturz aufhören, weil ich die Hauptstadt von Alabama nicht kenne?

Nun ja. Hier ein paar Bilder für die Schadensregulierer der Versicherungen. Garmin-Sharp, soll übrigens in disen wenigen Sekunden 60.000 Euro an Radmaterial vernichtet haben.

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Tony Martin. Der Panzerwagen. Schaffte sich all dies schon an vor dem großen Sturz.

Here is what happened to my bike.

Das Rad von Tom Danielson. Ach, Carbon. Busted Carbon posted wahrscheinlich morgen 20 neue Fotos.

Wen hat es alles erwischt? Guter Bericht von Podium Cafe, die sich die Mühe gemacht habend ie Team Blogs zu scannen.

Garmin Sharp erwischte es von den „großen“ Teams am schlimmsten. Hier die Highlights:

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Also das war gestern, die 6. Etappe der Tour. Heute kamen einige Sportler weniger zum Start und die, die kamen hatten ne Menge Pflaster und Verband an sich,. Team Sky kam relativ ungeschadet aus dem Megacrash gestern und hatte heute so die Kraft auf dem letzten Anstieg vor dem Ziel in „La Planche des belles filles“ (erinnert mich sehr an das Konzept von Bijotani in Japan) da Feld auseinander zu schredern. Wow. Ich bn wirklich kein Fan von Sky – das ist so das Bayern München unter den Radteams für mich, aber gut sind sie und heute haben sie gezeigt wie gut. Von den großen Favoriten ist jetzt nur noch Wiggins, Nibali und Evans dabei. Einer von den dreen wird vermutlich der Tour Sieger werden und die Chancen stehen nicht schlecht für Wiggins.

Hier ist noch etwas interessantes über abspringende Ketten bei Shimano Di2:

„Whisper it but dropped chains are becoming a real problem for riders with electronic gearing. With traditional gear shifting if you drop the chain then you work the gear shifter to tease the chain back on but the electronic shifting is so fast you can’t do this the same way. It reminds me of a shoot-out in a western film where a gun jams.“

via Inner Ring

Nein,d as ist von der TdF 2012. Schöner Tour Tag heute, obwohl damit das Rennen quasi entschieden wurde.

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Regen in der Zone

Ein durchaus verregneter Tag heute in Diemitz. Ich wachte auf und stellte fest, dass ich immer noch erkältet war aber zumindestens war ich motivierter als gestern. Ein wenig am Laufrad geschraubt.

Novatec Bahnnaben, rot eloxiert mit no-name Felgen, silber. Aber immerhin Swiss Revolution 1.5mm Speichen und schöne Sechskantnippel um richtig Spannung auf die Speichen zu bringen. Aber auch mit diesem relativ billigen Material ist es unmöglich einen Laufradsatz für unter 150 Euro komplett mit allem (Reifen, Schläuche, Felgenband, Kassette) zu bauen. Eigentlich sollen die Dinger ja ein mein rotes Colnago, aber damit wird es quasi unverkäulich, also kaufe ich mir doch so einen dämlichen Einzig Laufradsatz für unter 100 Euro.

Nach der Arbeit kam abends kurz die Sonne raus und ich fuhr zur Schleuse und an den See.

Es ist einsam und leise hier und das tut mir wahnsinnig gut. Es ist aber nicht so wie in diesem Overlook-Hotel. Heute habe ich, glaube drei Worte mit Menschen gesprochen. Es erinnert mich ein wenig an meine Studentenzeit in Aachen; 1987 bis 1990 wohnte ich alleine auf der Maxstrasse 12. Ich hatte einen guten Freund, der mich allerdings nie besuchte oder anrief, es war immer an mir dies zu tun. Ich hatte keine Freundin, weil ich etwas eckig und sperrig war und Aachen dummerweise einen Überhang an Ingenieursstudenten hat und die waren fast alle männlich. Meine Freunde unter den Ingenieuren hießen Christian oder Klaus und ich fand sie alle langweilig, bis auf Christian Cordes. Ab und an hatte ich sinn- und belanglose Affären mit Mädels wie Rosie, Brigitte oder xxx. Ich glaube ich war sogar kurz verliebt in die Schwester von Stefan Kuchen. Die Schwester von Stefan Kuchen! Ich wünschte es gäbe Worte die Absurdität dieser Idee zu Papier zu bringen. Die Frau hatte soviel Charme wie ein Basaltsofa. Unverständlicherweise war sie Kindergärtnerin. Die von ihr betreuten Kinder sind heute knallharte Firmensanierer und voll dominante Stationsoberschwestern. Vermutlich.

Manchmal blieb ich dann eine Woche zuhause, redete mit niemanden. Zum Glück bin ich dann 1990 nach Tokyo abgehauen.

Morgen soll gutes Wetter werden, wie schön.

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