Tagesarchiv: 4. August 2012

Eine Nacht im Torf

Tobi und ich hatten uns gestern am Kiosk zur gelben Gefahr zum Fahren um Mitternacht verabredet.

Tobi hat dann allerdings verletzungsbedingt abgesagt. Ich hatte auch keine große Lust mehr, nachdem ich am Tage nach Hannover gefahren war und auf dem Rückweg in den Megastau auf der Autobahn kam. Zumindestens kamen mir nun die Erfahrungen von meinem 180km Radtrip nach Braunschweig entlang der Aller zu Gute. Schwarmstedt? „Das lag doch auf dem Weg an der Aller.“ dachte ich, und schon war ich runter von der A7 und machte mich entlang kleiner Straßen entlang der Aller über Ahlden, Rethem und Westen auf den Weg nach Bremen. Beim Ortsschild „Westen“ muss ich immer (dreckig) grinsen, Hermann Grönemeyer hat ja von dem Dorf schon gesungen:

„Tief in Westen“

Obwohl ich bin mir da nie so sicher ob er

  • das Dort Westen auf dem Weg nach Bremen,
  • die Himmelsrichtung falsch dekliniert, 
  • irgendetwas in den Taschen seiner Weste sucht, oder gar
  • den amerikanischen Schauspieler Michael Weston meint.

Jedenfalls, mit einem Satz: „In Westen nichts neues“ und außerdem stellt man wieder einmal fest: „Man weiß nicht wozu es mal gut sein kann.“ Oder, wie Steve Jobs 2005 nachher sagte: „Connecting the dots.“

Danach lag ich etwas komatös zuhause auf der Couch und schaute mir den unendlichen Fluß von sportlichen Nebenereignissen aus London an. „Mist“ dachte ich, was für ein miserabler Tag, jetzt fahre ich doch noch. Und so machte ich mich auf den Weg ins Blockland.

Sowohl Tobi als auch ich besitzen jeweils zwei Megascheinwerfer von Busch und Müller die auch schon einzeln heller als tausend Sonnen sind. Mit den Dinger kann man das Weserstadion ausleuchten. Ich machte die an mein Union Fixie und mich auf den Weg zum Kiosk zur gelben Gefahr wo ich ein imaginäres Becks trank.

Und dann ging es weiter zum Kuhsiel. Es war einigermaßen warm, die Lampen funktionierten prima und mit dem Fixie im dunkeln zu fahren machte echt Spaß. Auf dem Deich war recht wenig los, aber doch mehr als ich dachte. Zum Glück hatten die Bauern dort alle ihre Hunde an der Kette aber es waren doch eine Menge LKWs (Team Milram) und Trecker unterwegs – ein echter Bauer hat halt nie Freizeit. Links und rechts schwabberte der Nebel über den Wiese und der Wümme und im Norden (Entschuldigung, muß heissen: „in Norden“) leuchtete der Himmel blutrot über Vegesack. Die alte Legende vom mörderischen Metzger aus Vegesack kam mir in den Sinn:

In Vegesack an der Weser / Campus Ring 8

da lebt der Metzger Hensen / der aus Kindern Hackfleisch macht

den Eltern gibt er sie wieder / wenn auch als Frikasse

auf diese Art und Weise / tut scheiden nicht so weh.

Kurzum, es war ein wenig einsam und gruselig. Aber die Kühe standen noch auf der Weide und waren bislang nicht von Werwölfen gerissen worden und im Hintergrund zeigte das Minarett den Weg nach Mekka unterm Vollmond.

An der Ritterhuder Heerstrasse bog ich nach rechts ab und fuhr dann auf der anderen Seite der Wümme wieder zurück richtig Bremen. Junge, Junge, wer hier wohnt hat sein Hause wirklich auf der falschen Seite der Straße gebaut. Da ist ja abends gar nichts los! Ich fahre da wirklich gerne, es geht ja die Legende um, dass auf dieser Wümmeseite der Straßenbelag nicht besonders toll ist – das stimmt auch für die letzten 2,5 km vor Lilienthal, aber sonst ist das die perfekte, einsame Straße. Mittlerweile stand mir der Nebel auch bis zur Halskrause. Ui, da sah man ja fast gar nichs mehr und Nebel ist auch kühler als Luft und überhaupt, was sind das für Schatten da vorne?

Also ich war eigentlich ganz froh, als ich wieder in Lilienthal an er Brücke raus kam. Von da nur noch ein paar Meter nach Hause und entspanntes Shoppen an der Aral Tankstelle. Da gibt es einen Nachtschalter, bei dem muss man sagen was man will, dann holt der Nachtwärter das aus dem Laden – VIP Service.

Nachtfahrten sind große Klasse. Das nächste Mal kann es auch gerne länger sein, aber alleine ist mir das ein wenig zu gruselig. Ich poste das nächste Mal im Forum, wer mitkommen möchte bitte melden.

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