Vorgestern: Wunderschöne Hochzeitsparty von Juliane und David. Das erste und vermutliche einzige Mal dass Teammember von Positivo Espresso heiraten werden. Gestern: Hangover und rumhängen. Langsames gewöhnen an die Realität mit zunehmend abnehmenden Dosen von Rotwein und Nikotin. Am Ende: Currywurst. Heute: Time Trial Training. Boris Bike an der Victoria Station mit meiner Kreditkarte angemietet und nach dem Buckingham Palace zweimal den Hyde Park umrundet. Total fertig. Liegestuhl geschnappt und Pause gemacht.
Während ich hier in Bremen rumhänge und der Sommer langsam auf den Bremer Saisonhöhepunkt zusteuert (Bremen Challenge: 120 km durch die Stadt fahren) sind meine alten Radbuddies in den Pyrenäen unterwegs gewesen und machen mich mit Ihren Fotos neidisch. Na wartet – bald bin ich im Harz oder sogar auf Malle!
Das sind die Distanzen, die von David und Jerome jeweils in der Serie von Audax-Brevets in Japan in dieser Woche zurückgelegt wurden.
Beindruckend, mir hätte vermutlich schon ein Zehntel gereicht. David plant dieses Jahr an zwei weiteren ultralangen Rennen teilzunehmen in den USA, der Rocky Mountain 1.200 und der Cascade 1.200. Bald ist auch das Tokyo Itoigawa Rennen, das ich auch einmal gefahren bin, aber mit 295km ist das ja wohl nicht mehr weiter erwähnenswert. Davids Ausdauer hat mich übrigens eine Menge Geld gekostet, denn ich hatte ihm versprochen für jeden gefahrenen Kilometer einen festgesetzten Betrag zu spenden.
David und Jerome, zwei alte und gute Freunde aus Japan von Positivo Espresso, haben sich am Samstag aufgemacht um innerhalb einer Woche 1.700 km von Tokyo aus in den Norden Japans und wieder zurück zu fahren. Die Tour wird vom Saitama Audax Club organisiert, dem härtesten aller Audax Clubs in Japan. Die Karte zeigt die Strecke und Entfernungen.
Am Sonnstag um 5:30 Uhr ging es in Iruma (Saitama, in der Nähe von Tokyo) los, das erste Stück führt über 600km bis nach Akita. In der Zwischenzeit dürften beide dort sein, die Updates die auf der PE gepostet wurden klingen auf jeden Fall vielvesprechend. Morgen geht es dann weiter mit 200km zum ausruhen (GA1). Gefolgt von 200, 300 und 400km Stücken um langsam wieder in Form zu kommen.
Respekt. Und bitte ab und an bei PE reinschauen. David bekommt für jeden gefahrenen Kilometer mittlerweile mehr als 400 Yen gezahlt, die einem wohltätigen Zweck in Japan zugute kommen. Bitte bei Interesse beteiligen.
Die Friedensfahrt war das Ostblock Gegenstück zur Tour de France. Und genau wie auch noch zu Zeiten des Kalten Krieges Sportler aus Osteuropa an der Tour de France teilnahmen, nahmen Teams aus dem Westen an der Friedensfahrt teil. 1962 hatte ein junger, englischer Sportler names Alan Jacob an dem Wettbewerb teilgenommen. Mehr als 40 jahre später lernte ich seinen Sohn David Jacob in Japan kennen. David, gehört neben Juliane, David und Jerome heute zu den legendären Gründungsmitgliedern von Positiv Espresso. So weit der Faden der Geschichte.
Derzeit wird von dem Sohn von Alf Butler, einen englischen Mechaniker, die Route der 1955er Freidensfahrt neu abgefahren. Juliane und david werden dabei am 4. Mai die Etappe von Leipzig nach Berlin fahren, das sind etwas über 200 km. Informationen darüber sind hier und hier zu finden. Ich würde gerne auch daran teilnehmen, allerdings habe ich einige terminliche Verpflichtungen an diesem Tag – es passt halt nicht.
Nein, das hier ist kein Photo, daß bei einer Ausfahrt nach Syke mit einem iphone gemacht und mit Instagram bearbeitet wurde. Das ist wirklich ein altes Photo. Es zeigt Alf Butler ganz links und Alan Jacob mit Sonnenbrille direkt neben ihm bei der Tour of Tunisia 1960.
David, einer meiner ältesten Radfahrfreunde Aus Tokyo, war im Februar in seiner Heimatstadt Portland und nahm an einem Workshop über TIG-Welding teil. In diesem Seminar lernte er seinen eigenen Rahmen zu entwerfen und ann mit allen Eckenund Ösen zu schweißen. Für immer beneidenswert. Den Fortschritt des Rahmenbaus kann man sehr schön auf dem Positivo Espresso Blog nacherfolgen.
Das Rad, nun auf den Namen „Yamabushi“ (Kriegsmönch) getauft ist nun einsatzfähig. Auf dem Foto oben erfreut es sich der Kirschblüte vor Davids Haus. Sehr stimmig.
Es ist einfach fast alles. Als wir ich London waren schauten wir hoch in den blauen Himmel und sahen Zugvögel aus dem Süden nach London heimkehren und Juliane sagte: „Schau mal, die fliegen wie ein Peloton.“ Aber nun mal ernst, es gibt durchaus noch ein paar andere schöne Dinge auf der Welt. Ganz spontan würde mir jetzt gerade so, Lakritzspiralen, Mohnkuchen, Bloggen, der Film Marie Antoinette, das schwarzhaarige Mädchen aus der Tanzschule 1977 und ein Campagnolo Super Rekord Schaltwerk von 1984 einfallen. Ups, reingefallen.
Egal, also Juliane, David und ich machten uns auf um Kunst zu geniessen im Barbican. Das Barbican ist diesr Corbussierische Klotz mitten in London.
Wir kamen um Hugh Makasela zu sehen. Was, ihr kennt nicht Hugh Masakela? Den großartigen südafrikanischen Jazzmusiker und Friedensaktivisten? Ok, wikipedia wird helfen. Also ich hatte auch keine Ahnung wer er war, aber als ich ihn dann sah dann war er auch gut. Aber so ist da halt, man muß einfach mitgehen und sich von Leuten für Dinge interessieren lassen und dann wird es oft auch gut. Oder eben nicht. Aber eben diesmal schon.
Also ich fände da prima, wenn ich noch genauso fit in dem Alter wäre. Wobei ich sagen muss, dass ich mir ja wahnsinnig ungerne Musiker über Vierzig ansehen.
Aber all das ist nicht das Entscheidende. Das Etscheidende Etwas diesses Mal war, das es im Barbican eine Kunsthalle gibt, THE CURVE. Heisst so, weil das im Prinzip ein sehr langer Flur ist, der wie eine Kurve gebogen ist, so dass man das Ende am Anfang nicht sehen kann. Und ort gab es eine Ausstellung von SONG DONG, einem chinesischen Künstler mit dem Titel „Waste not“. Gr0ßartig. Also die Mutter von Song Wong hat, weil sie sich vor Armut fürchtete, eigentlich alles gesammelt und aufgehoben, was sie an Dingen in ihrem Leben bekommen hat. Fast alles billiger, chinesischer Schrott aus dem eben nicht Konsum-China der Sechziger, Siebziger etc. Und Song Dong hat diese ganzen Schrottobjekte in Gruppen geordnet und dan nin THE CURVE ausgestellt.
Man kommt also in diese Ausstellung rein und denkt: „Wow, das ist aber wirklich eine Menge Zeugs.“. Ist ja klar.
Und man geht weiter in diesen Raum, oder langen Flur rein und man sieht, dass all dies kein Ende hat. Der Flur wird länger und es kommt immer mehr Zeug.
Und es nimmt und nimmt kein Ende. Und ganz am Ende steht die Holzstruktur eines kleine Hauses und man fragt sich: „Ist das das Haus der Mutter von Song Dong und hat sie darin mit all diesem Zeug gelebt?“
Und wenn das die Spur des Konsums eines Menschens in China ist, in einem Land, in dem es lnage Zeit überhaupt keinen Konsum gab, sondern eigentlich nur relative Armut, was ist dann die Spur und wie unedlich lange ist die, die wir in unserem Leben hinterlassen?
Ach so, ja, es gab dort auch zwei kaputte Radpedalen, einen häßlichen Sattel und eine Sturmey Archer Hinterradnabe in Orginalverpackung.
Also, meine Freunde David und Juliane wohnen in London, genauergesagt im Positivo Espresso Non-Euro Eurozone Headquarter Building in der Nähe der Waterloo Station. Cool, man kann quasi auf den Big Ben spucken, müsste aber ca 800m groß sein.
Jedenfalls heiraten sie bald. Und beide fahren Rad und gar nicht mal schlecht, denn bei beiden liegt der Sport in der Familie. Davids Onkel war bei den Olympischen Spielen 1952 in Melburn dabei, sein Vater ist Radsportveteran und Juliane machte die 400m Tartanbahn im Osten Deutschlands unsicher (das schöne Gesicht des Sozialismus). Also machen sie natürlich einen Radhochzeitsreise, genauer gesagt fahren sie auf der Eroica im Herbst des Jahres in der Toskana. Wenn sie diese Flitterwochen überstehen, haben sie sich gegenseitig verdient. Und für so etwas braucht man natürlich auch die passenden Räder. Also haben sie eingekauft, und da es die Hochzeitsreise ist, sind es auch ein paar sehr schöne Räder:
Hetchins Magnus Opum von 1983 mit Campagnolo 50. Geburtstagsausstattung.
Hat diese Hetchins-typischen geschwungenen Kettenstreben. Tja, eigentlich zu schade zum fahren, vor allem auf den staubigen Straßen der Toskana. Macht nichts, für den Herr gibt es dann ein Holdsworth aus den Fünfzigern:
Mit sehr ausgefallenen Bremhebeln:
Und für die Dame des Hauses gibt es 20 Kilo pures Eisenglück in Form eines Carltons.
Lustig übrigens das Engländer das Wort Workshop nicht schreiben können.
Ansonsten fahren die beiden ein recht schönes, altes Carbon TREK (ich schreibe ja normalerweise nichts gutes über TREK, aber hier mache ich einmal eine Ausnahme), ein deRosa und ein superschönes Kalkhoff.
Wen ich bei ihnen zu Besuch sind darf ich mir auch imme ein Rad aussuchen und damit fahren. 2010 habe ich innerhalb von zwei Tagen zwei Räder zerstört: Speichenbruch beim Rennrad, Vorbau beim MTB und diese Tradition konnte ich bei meinem Besuch letzte Woche fortsetzen: Sattel geklaut beim Kalkhoff. Sorry, Juliane.
Reisepass, Geld gewechselt (wie archaisch), Blumen für das Grab von Lady Di. Auf nach London.
Also, kein Bloggen und kein Radfahren, noch basteln über das Wochenende. Stattdessen Plumpudding, Chicken Massala und „Spotted Dick“. Wie London sonst so ist kann man ja bei Geoff Nicholson bestens nachlesen.
Neben dem üblichen kulturellen Rahmenprogramm (Hugh Masekela, LME, Imperial War Museum) steht am Sonntag eine Besichtigung des Olympic Parks 2012 an, inklusive Velodrome. Außerdem ein Anstandsbesuch im Positivo Espresso Non-Euro Eurozone Headquarter in der Nähe der Waterloo Station.