Archiv der Kategorie: Radprojekte

Räder an denen ich gerade bastele, die aber nicht für mich bestimmt sind. Erst einmal.

Faggin Cabana: Vorstufe

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Lichtreflexe der H+Son SL42 Felgen auf dem Asphalt

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Lichtreflexe der H+Son SL42 Felgen auf dem Asphalt

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Faggin Alurahmen mit nachgerüsteter Carbongabel. H plus Son SL42 Felgen mit Bremsflanke

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Nitto Baby Bullhorn. Tektro Bremshebel mit Odyssey Slickcable Kabel (Rund- statt Birnennippel)

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Reifen vorne Conti GP 4000S in 700x23C

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Reifen hinten: WTB Thickslick in 700x25C

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Ultegra 6500 Kurbel mit 52Z Stronglight Kettenblatt – die letzte schöne Kurbel von Shimano. MKS Stream Pedale. Halflink Kette wegen vertikalen Ausfallenden hinten. Eine rote Kettenblattschraube.

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Probeweise Sella Italia Flite Sattel. Campagnolo Athena Bremse.

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Sold: Viner Black Viper

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Mein Großvater väterlicherseits murmelte in seinen späten Jahren oft, unterstützt von seiner Familie, etwas von dem „goldenen Mittelweg“. Ich weiß nicht, wie ernst er das meinte, denn sein goldener Mittelweg führte ihn in den Jahren 1941 bis 1944 nach Russland. Mein Leben ist bislang definitiv nicht auf dem Mittelweg verlaufen; allerdings finde ich das Konzept der Mitte in der Balance zwischen Aussehen, Funktionalität und Kosten kein schlechtes. Ich baue gerne Räder, die gut aussehen, nicht so viel kosten, als dass man sie nicht mehr bewegen möchte und die sehr funktional für ihre Benutzer sind.

Wie ein Aufbau wird entscheidet sich in der Regel durch den Kauf eines Rahmens, denn man gibt nicht hunderte von Euros für einen Cinelli Rahmen aus, um dann eine Shimano 105er dranzubauen und umgekehrt montiert man keine Campagnolo Deltabremsen  an eine desolate Kneipengurke für Herbst und Winter. Mein Herz gehört daher, den vielen kleinen, italienischen Herstellern von Stahlrahmen, die oft sehr gut aussehen aufgrund von Lackierung, Chrom und Details, eine gute Qualität bieten und kostengünstig zu haben sind. Zu diesen Herstellern gehört VINER.

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Vielleicht hatte Viviano Nerozzi nicht an die Globalisierung gedacht, als er 1947 anfing in Pistoia bei Florenz Rahmen und Räder zu bauen und seiner Marke den namen „ViNer“ zu geben, zusammengesetzt aus den ersten Buchstaben seines Vor- und Nachnamens. Vielen Menschen geht es vermutlich ähnlich wie mir,  wenn man den Namen zum ersten Mal hört, dann denkt man nicht an Italien, sondern an den Commonwealth, die Aussprache im Gehirn formt sich zu „Weiner“, man denkt an einen Weich- und Schwächling und schlussfolgert: „Nicht gut. warum nur, warum.“ Tatsächlich sind die Räder von Viner auf Augenhöhe mit den Daccordis, Bassos, Olmos oder Chessinis dieser Welt. Das Familienunternehmen beginnt in den Fünfzigern Rennräder zu fertigen, und steigt als Sponsor in den Profisport ein; das bekannteste Team wird Mapei (1993) , das man eigentlich mit Colnago und sehr bunten Jerseys in Verbindung bringt, seinen Ursprung aber im Eldor-Viner Team hat.

1994 stirbt Nerozzi, seine Familie betreibt das Geschäft weiter. Etwas mehr zur Geschichte kann man auf Classic Rendezvous, Vineristi und den Gebrüdern Fratelli lesen. 2013 macht Viner den Laden erst einmal dicht. Wie schade, denn bis zuletzt wurde nach eigener Aussage ausschließlich in Italien gefertigt. Oder doch nicht? Ein 2014er Katalog (Gamma-Viner) ist wieder zu finden, aber handelt es sich hier um eine genuine Fortführung, oder hat jemand die Marke gekauft und lässt in Fernost fertigen? Alles Spekulation.

Die neuen Viner Rahmen sehen nicht schlecht aus – aber zu verwechselbar mit allem anderen was heute auf dem Markt ist.

Durch Zufall, nein eigentlich nicht, durch stundenlanges surfen kam ich in den Besitz eines gelben Viner Rahmens von 1995 (Bilder von dem Rahmen hier), ein veritables Projekt, das gleich in meine Schublade passt. Ich bekomme den Rahmen sehr günstig, da die Sattelstütze nicht raus will (im Wiegetritt hat sie es sich anders überlegt) udn er einige kosmetische Macken hat. Zudem ist die Gabel auch nicht die originale und ein Teil der Decals scheint zu fehlen – und zwar der, der den Typ bestimmt.

Hier einmal ein ähnlicher Rahmen von Sulka.

Viner Pro Team Genius 1992

Der Rahmen ist an sich vorne noch top, aber in der Mitte sammelt sich der Rost. Zum Glück bekomme ich das Tretlager raus. Auf der Basis dieses Rahmens, der so sehr typisch für die Neunziger ist,

  • Rahmengröße 56 (Mitte-Mitte)
  • Goldgelbe Uni Lackierung mit dunkelblauen Schriftzügen
  • Columbus Thron Geröhr für 27,2 mm Sattelstütze
  • 1 Zoll Gewinde, Vorderradgabel sieht verdammt nach einer Giant Cadex Alugabel aus
  • Bremszugführung durch das Oberrohr
  • Schaltzugführung unter dem Tretlager
  • ITA Tretlager
  • Schalthebelsockel am Unterrohr
  • Anlötumwerfer
  • Halbschräge, kurze Ausfallenden mit integriertem Schaltauge
  • Muffen, aber keine die man ausmalen kann, keine Pantos
  • Eine schöne, ungewöhnlich(e) (schöne)  Sattelklemmung
  • Zwei Aufnahmen für Flaschenhalter

Da der Rahmen für mich zu klein ist und  das fertig aufgebaute Rad verkaufen muss, ist die Grundidee ein funktionales, modernes Rennrad zu bauen – aber auf der Basis eines schicken älteren Stahlrahmens und das Ganze für etwa €500. Also etwa:

  • Stahlrahmen, aber trotzdem leichte Komponenten
  • 2 x 10 Gänge aber doch Schalthebel am Unterrohr
  • Keine Rücksicht auf Epochen- oder Gruppenreinheit
  • Und möglichst viel verbauen, was gerade im Keller liegt (ein wie immer illussorisches Verfangen)

Farblich hat der Rahmen bereits so viel Ausstrahlungskraft, das nur eine Grundfarbe und die darf nicht bunt sein, dazu kommt. Ich finde hauptsächlich schwarz oben und silber/chrom unten einen Versuch wert.

Im Keller habe ich noch einen schwarzen Vorbau und einen Ergolenker – das ist schone einmal modern und funktional. Schwarze Tektro RL340 Bremshebel, die haben eine große Auflagenfläche für die Hand und einen Release-Mechanismus für die Bremsen am Hebel. Das Tektrolabel wird wegradiert. Das passt auch gut mit den Campa „Super-Veloce“ Bremsen: Für diejenigen die das nicht verstehen: Das sind normale, schwarze Veloce Bremsen, bei denen das Velocelabel wegradiert wurde. Dazu eine in Deutschland seltene Dixna Stütze aus Japan mit 300 mm so dass viel Platz für Größenvariation ist. Die Stütze ist fast so teuer wie der Rahmen, hat eine sehr praktische Einschraubenfixierung, mit der man den Sattel schnell ausrichten kann – die Erstmontage  ist aber leider etwas mühsam. Dazu ein neuer Sattel, bei dem ich erst einmal alle Logos mit schwarzem Permanentmarker eingefärbt habe, damit man die nicht so sieht. Jetzt noch schwarze Bremszughüllen dran und ein schwarzes, gelochtes Lenkerband von Rose, das ich einmal probeweise gekauft habe. Das lässt sich deutlich besser wickeln, als das Fizik Microtex das auch bei sorgfältigster und aufwändigster Behandlung immer wieder Falten wirft -fast so gut wie das BBB Speed Ribbon, das ich sonst gerne verwende. Fertig – oben ist nun alles schwarz, bis auf den Stronglight Steuersatz der mit dem Rahmen kam, denn der läuft noch gut.

Nun geht es in die untere Etage. Dafür habe ich bereits eine Ergomo Karbonkurbel. Die läuft mir zum ersten Mal über den Weg, Scheint neu 2007 auf den Markt gekommen zu sein, auch irgendwie mit Leistungsmessung kombinierbar, wird aber 2015 wohl nicht mehr vertrieben. Die Logos sehen wahnsinnig hässlich aus und würden sich besser für eine Tablettenschachtel eignen. Also muss mal wieder der Radierer ran, der schon so viel von diesem Rad für einen guten Zweck (Aussehen und Leichtigkeit) wegradiert hat. Dann braucht die Kurbel auch noch ein Octalink (ISIS) Tretlager mit ITA Gewinde – die sind heute etwas selten und teuer. Ich finde ich eigentlich ganz gut, die Montage ist einfach, besser als bei Vierkantaufnahme, aber der Standard hat sich nicht durchgesetzt. Sonst hätte ich auch schon einmal öfter eine Shimano FC 6500 Kurbel verwendet, die mir von Design her sehr gut gefällt.

Da fehlt nur noch der Beipackzettel, dann hat man das perfekte Produkt aus der Pharmaindustrie.

Ich dachte für die Schaltung an ein Shimano 600er Trikolore Schaltwerk, einen Suntour Cyclone Umwerfer udn Dua Ace Schalthebel aus dem Keller. Dazu brandneue Shimano Laufräder WH-R500, kein hochklassiges Material aber dafür sehr stabil, gepaart mit einer zehnfach Kassette. Das würde dann einen sehr guten Antrieb sicherstellen. Blaue Reifen passen nicht ganz, müssen aber weg aus dem Keller.

Beim Aufbau kommt es jetzt zu den ersten Problemen; es ist einfach unvermeidlich, denn irgendetwas passt immer nicht: Das Shimano Schaltwerk hat zu wenig Kapazität und Auslenkung für 10 Gänge – maximal neun können gegriffen werden bei 52/42 vorne und 11-25 hinten. Die Zehnfachkette läuft auch rauh über die Schaltröllchen des Umwerfers, der für 7/8-fach und 3/32er Ketten ausgelegt ist. ich könnte 10-fach Röllchen reinbauen, entscheide mich aber dann doch für ein altes 10-fach Ultegra Schaltwerk, dass ich zufällig im Keller finde. Und dann ist der Suntour (2 x 8-fach) Umwerfer zu breit um zwischen Kettenblatt und Kurbelarm zu passen, wenn die Kette auf dem äußeren Blatt liegt. Da muss also leider auch ein 10-fach Umwerfer dran, und ich besorge mir einen Campa Centaur dafür.

Läuft es jetzt? Nein! Bei der ersten Probefahrt ist die Zugspannung am Schaltwerk so groß, dass die Rahmenschalthebel in ihre Ausgangsstellung zurückgezogen werden. An dem rechten Dura Ace Hebel scheinen noch so einige Teile zu fehlen, so dass ich diese wieder abbauen muss. Das ist noch nicht erledigt, aber da kommen noch andere dran.

Das Ergebnis:

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Fährt sich ausgesprochen gut und schnell: Das Rad tritt gut an und liegt stabil in den Kurven, das Gewicht liegt auch deutlich unter 10 kg. Dsa ist viel im Vergleich zu einem Karbonrad aber für ein Stahlrad ohne Fokus auf Leichtbau OK. Toll ist, dass alle möglichen Laufräder darauf passen: Campa 9 oder 10 fach genau wie Shimano. Mit ein bißchen Aufwand ist auch 7 oder 8 fach möglich (Kette, Schwaltwerk wechseln), aber dann wiederum warum sollte man das tun? Sowohl die 10-fach Campagnolo Proton und Zonda Laufräder, als auch die Campa Omega Felgen sehen super damit aus. Und meine blauen DRC Räder passen auch, ebenso wie die Toppolino Carbonteile und die Spinergy Rev. X, alles mit Shimano Rotor. Es ist eine grenzenlose Freiheit, die nicht begrenzt wird durch die verschiedenen Schaltindexierungstandards.

Es ist eine echtes, modernes Rennrad, das auch Komfort bietet durch die Bremshebel und den Ergolenker. daneben macht sich die gelbe Farbe schick, so etwas ist eben selten und heute gerade nicht in Mode – dadurch wird die Individualität unterstrichen.

Anbei noch ein paar Photos der Details:

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Dixna Stütze mit Einschraubenklemmung. Sattel für den Erstgebrauch.

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Stronglight Steuersatz. Der Silberne Fleck oben. Hier kann man auch gut das dunkle Blau des VINER Schriftzuges sehen.

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Ergolenker mit Tektro Bremshebel. Das ist nicht Epochengerechnet aber praktisch und komfortabel.

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Shimano Dura Ace Schalthebel und Campagnolo Super Veloce Bremsen friedlich beieinander.

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Sattelklemmung und Muffen mit Columbus Thron Geröhr

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Cockpit, Rose Lenkerband könnte auch Fizik sein.

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Reparto Corse : (etwa) Abteilung Strassenrennsport

Insgesamt ein sehr schöner Aufbau und ich würde mich freuen, wenn ich jemand damit glücklich machen könnte. Ich dachte an €490 Verhandlungsbasis ohne Versand.

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Viner Black Viper: Preview

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Viner Black Viper RH57

Nächstes Projekt steht als Rahmen bereit. Ziel ist es hier für unter €500 ein modernes 2 x 10 fach Rennrad zu bauen, dass sich auch vom Design her nicht verstecken muss. Der Rahmen selbst hat schon mehr erhebliches Schönheitspotential.

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Viner Rahmen aus Italien von 1995. Schönes Gelb mit nach schönerem Metallic-blauen Schriftzügen quasi überall.

 

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Und jede Menge Patina die nun geflickt wird.

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Interessante Gabel, vermutlich nicht das Original – der Schaft wurde reichlich unprofessionell gekürzt. Zusammengesteckt aus verschiedenen Materialien.

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Sattelstütze musste im Schraubstock überzeugt werden den Rahmen zu verlassen.

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Columbus Thron Rohr für 27,2 mm Sattelstütze

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Auch hier: gestückelt.

 

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Daccordi UNDZ

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Daccordi ist einer dieser kleinen Stahlrahmenhersteller in Norditalien, der es nie zu wirklicher Berühmtheit a la Bianchi, Colnago, Pinarelli, Gios oder Masi gebracht hat. Es gibt viele Daccordis in Oberitalien: Olmo, Moser, Vetta, Romani, Dancelli, Basso  und Vicini zum Beispiel. Ich liebe sie alle.

Mal ehrlich. Ein Rad aufbauen nach seinen eigenen Wünschen macht Spaß; man wägt ab was gut aussieht, was gut funktionieren könnte und was das dann alles kostet. Sinn macht das alles nur, wenn das Resultat dann auch gefahren wird. Aussehen ohne Funktion macht keinen Spaß. Aussehen und Funktion auf Kosten von sehr, sehr viel Geld macht auch keinen Spaß und jeder kann’s. Funktion ohen Aussehen ist auch Mist.

Und da kommen die Oberitaliener ins Spiel: Tolles Aussehen, gute Funktion und nicht teuer: Eine gute Balance, die dann auch bei der Ausfahrt Spaß macht. Daccordi wurde 1937 in einem Städtchen zwischen Florenz und Livorno gegründet. Das Unternehmen existiert heute noch als unabhängige Firma (wie z.B. auch Tommasini) , ist also nicht wie so viele italienische Rahmenbauer irgendwann einmal von einem Konzern aufgekauft worden, der dann prompt die Produktion nach Taiwan oder China verlegt oder direkt dort einkauft, und nur noch die Marke am Leben hält.

Es gibt einige markante, hochpreisige  Daccordi Modelle, zunächst fällt mir da das „Griffe“ und das „Mitico“ aus den Achtziger/Neunzigern ein. Und die 50 Jahre Edition. Auch in Bremen werden Daccordis gefahren, Torsten hat eins und das gleiche Modell fährt auch Marco, ich glaube es heißt Sansone und fällt durch die ungewöhnliche Form des Oberrohrs auf.

Ich bin mir nicht sicher warum das Teil so aussieht, es gibt bestimmt einen sehr guten Grund (15% mehr Steifigkeit bei 3,7% Gewichtseinsparung oder so), aber wenn ich das sehr, stelle ich mir immer vor, dass die Kette im Wiegetritt reist, mein Oberkörper auf das Oberrohr fällt und ich durch die Messerscharfe Form des Rahmens in exakt zwei gleichgroße Hälften gespaltet werde. Ist sozusagen klonen auf einer sehr primitiven Stufe.

Torsten hat das, soweit ich weiß, gekauft, weil er irrtümlich geglaubt hat, dass der Rahmen „Samson“ heißt, ein biblischer Held mit dem er sich sehr stark identifiziert. Karin ist seine Delilah und kleine Löwen rennen ja ohnehin zu Hauf in der Wohnung der beiden rum. Erklärt übrigens ganz nebenbei auch seinen Haarschnitt.

Die Achtziger und Neunziger sind, meiner Ansicht nach, die interesante Daccordi Zeit. Sehr schicke, mittelpreisige Rahmen, mit jede Menge Pantos, wo eine Unifork auch mal gut aussieht, ähnlich wie bei dem Moser Leader AX Evolution und megamässiger Einsatz der italienischen Nationalfarben.

Ein wichtiges Merkmal der Daccordis dieser Zeit ist, dass die Decals von sehr bescheidener Qualität waren und oftmals nicht mehr komplett vorhanden sind, ähnlich wie bei Pinarello. Vielleicht muss ich diese Aussage aber noch einmal überdenken, denn gerade auf der Suche nach einer Referenz dafür auf dem Web konnte ich so gar kein Beispiel finden.

Das Daccordi, dass ich erworben hatte war komplett und in einem bescheidenen Zustand.

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Positiv ist allerdings zunächst zu vermerken, dass das Rad anscheinend weitgehend original von 1989 komplett mit einer Shimano 6400er Trikolore Gruppe ausgerüstet war. Die Kiste war unglaublich dreckig und versypht, hatte jede Menge unnötiger Teile an sich kleben (Klingel! Tacho! Aufkleber von Head etc.!) und dazu völlig unpassende blaue Reifen. Die Farbenkombination gefiel mir gar nicht, die weißen Decals schrien mich gerade zu an „Weg mit dem schwarzen Zeuch!“ und außerdem wollte ich ohnehin etwas mit Schaltbremshebeln bauen und ohne Schalthebel am Unterrohr.

Also zunächst einmal alles auseinander nehmen und reinigen. Erstaunlicherweise war ein sehr schöner Primax Nadellager Steuersatz vorne verbaut, der war zwar auch schwarz, aber so ein Primax ist ja quasi erstens heilig, und zweitens unglaublich hoch, so dass man dann den Gabelschaft kürzen muss, was kein vernünftiger Mensch bei alten Rädern wirklich will. Die Alternative wäre ein häßlicher Spacer. Das Innenlager war auch nicht uninteresant, natürlich Shimano 600 mit ITA Gewinde, aber mit einer 68mm Achse ausgestattet – normal ist 70. Das passte zwar, aber im Hinblick auf die Zuverlässigkeit habe ich ein normales Neco Patronenlager verbaut. Die halten ewig, vor allem dann, wenn das Innenlagerrohr mal wieder irgendwelche Löcher zur Gewichtserleichterung besitzt.

Ich weiß immer noch nicht, um welches Modell es sich handelt, einen 90er Daccordi Katalog konnte ich bislang noch nicht auftreiben (einen 89er aus den USA schon, aber da ist das Rad nicht drinnen) 89 waren die Designs ähnlich, aber der Bremszug war noch offen auf dem Oberrohr montiert und es gab noch keine Unifork.

Bei Daccordi wurde er Modellname schon mal ins Tretlagerrohr geritzt, hier ein Beispiel von dem Modell „Turbo“

Bei diesem Rad steht „UNDZ“ im Tretlager pantographiert. Zuerst dachte ich entweder, die Arbeiter dort hatten Mittags schon zuviel Lambrusco gekippt und irgendeinen Quatsch da rein gehämmert. Oder hatten sich einen Spaß daraus gemacht, was wohl Sammler später daraus machen würden. Aber dann sah ich im Netz noch eine Reihe anderer komischer Pantos wie „SUUZ“ oder „ISZO“ und ich vermute mal , dass dies doch eine andere Bedeutung haben muss. Seriennummer? Die Initialien der Macher? Ein geheimer Code der Illuminaten?

Wenn etwas an dem Rad schön ist, dann ist es die Gabel vorne, man bezeichnet so etwas auch als „Unifork“, die Gabel hat keine Brücke. Ähnliche Gabeln wurden auch oft bei MTBs verbaut und sind eigentlich ein Zeichen von minderer Qualität (behaupte ich jetzt einfach mal). Aber diese Daccordi Unifork, voll verchromt, mit Panto und dann so schick geformt, dass ist eine ganz andere Qualität, das ist einfach oberitalienische Handwerkskunst, wie sie eben nur zwischen Florenz und Livorno existiert. Gleichfalls behaupte ich immer noch, dass die nicht vernünftigt Decals kleben und lackieren können.

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Unifork mit neu in rot ausgemalten Pantos. Original waren die mal gold, aber das hebt sich leider vom silber der Gabel nicht gut ab.

 

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Ist bei italienischen Produkten übrigens häufig so. Diese Welt der Unterschiede eröffnete sich mir, als mein Studienfreund Christian Cordes in den Achtzigern einmal die Motorklappe seines Opel Kadetts hochklappte und ich ein unförmiges Stück Stahl sah. Und dann klappt er die Klappe seines Fiat 128 hoch (Rallye Ausführung mit Überrollbügel und so, fuhr aber langsamer als jeder Sprinter heute) und man sah ein filigranes Stück….Kunst. Das rostete und nicht lange hielt, aber egal, hier waren noch echte, kreative Ingenieure an der Arbeit, die hohe Technik produzierten, scheiß egal ob die Kunden das fahren, warten oder reparieren konnten.

Das Problem hat man bei Campagnolo ja auch ständig. Bremszug an die Delta Bremsen klemmen? Kein Problem, reich‘ mir mal den 3,5 mm Innensechskantschlüssel. Den ich seitdem nie wieder gebraucht habe. Staubkappen an einer 90er Campa Record Kurbel festschrauben? Klar, vorausgesetzt man hat einen sieben Millimeter Sechskant. Zum Glück hatte mein Baumarkt einen. Und bei der aktuellen Veloce Gruppe hat die Kurbel diese Power Torque Aufnahme. Erst macht Campa ein riesen Bohai, dass ja nix über eine normales Vierkantachse geht (stimmt ja auch irgendwie für alte Räder) und dann bringen sie endlich Powertorque und Ultratorque auf den Markt. Mit Ultratorque hatte ich noch nicht das Vergnügen, aber Powertorque ist einfach wahnsinnig umständlich und von der Funktion ja eigentlich total gleich mit Shimano, Rotor etc. Und was braucht man da, um die linke Kurbel festzumachen? Einen 14er Sechskant! Zum Glück gab es den noch beim Baumarkt, ich erwischte das letzte Exemplar. Wir sonst nur im Stahlbau auf der Werft verwendet. Aber die bringen bald bestimmt noch was auf den Markt, wo man einen 21er Sechskant braucht. Die aktuelle Veloce ist echt Mist, aber da lass ich mich an anderer Stelle drüber aus.

Ich durfte ja auch mal eine Zeit damit verbringen Möbelbeschläge in Japan zu verkaufen, unter anderem von italienischen Herstellern. Ich erinnere mich da an Caimi. Das Zeuch sieht ja schön aus, aber selbst ein Profi kann das ohne zehnjähriges Training in einem Dorf zwischen Florenz und .. ist schon klar, oder?

Jetzt habe ich aber ein wenig zu viel gelästert und die Zeit aus den Augen verloren. Zeit auf die Details des Rades einzugehen.

Rahmen

Könnte man als klassisch für Anfang der Neunziger bezeichnen, aus Oria Geröhr für eine 26,8 mm Sattelstütze, also eher Mittelklasse. Gabel und Hinterbau sind verchromt, ich vermute aber dass es nicht der ganze Rahmen ist. Es gibt relativ wenig und nur wenig tiefe Fehlstellen und aus denen kann man nicht schließen, ob da überall Chrom sein sollte.

Die Gabel vorne öffnet 100 mm der Hinterbau 126 mm, verbaut sind vorne wie hinten Campagnolo Ausfallenden.

Pantos gibt es an der Gabel, an den Sattelstreben und am Tretlager (siehe oben). Der Bremszug wird mit der kompletten Hülle durch das Oberrohr geführt; die Schaltzüge laufen klasssich außen, statt derbeiden Schalthebel am Unterrohr sitzt dort nun eine Dura Ace Schaltzugführung, die die Züge von den Schaltbremshebeln aufnimmt. Die Schaltzüge laufen dann klassisch weiter unter dem Tretlager und unterhalb der Kettenstrebe. Ist daher ein Rahmen mit vielen typischen Merkmalen der späten Achtziger, frühen Neunziger. Hatte ich schon geschrieben, dass die Decals schlecht aufgeklebt sind? Und davon gibt es jede Menge, nicht nur am Steuer- und am Unterrohr, sondern auch am Oberrohr, an der Kettenstrebe  und am Sattelrohr.

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Bremsen, Schaltung und Antrieb

Im Original war eine komplette Shimano 600EX 6401 Gruppe verbaut: Bremshebel, Schalthebel, Umwerfer, Kurbel, Schaltwerk und Sattelstütze. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Zuerst mussten die Bremshebel weichen. ich hatte noch ein Paar Campagnolo Mirage 8-fach im Keller und die wurden angebaut, ja ohne recht zu wissen, wie ich das mit der Schaltung genau regeln wollte. Kurbel und Umwerfer bleiben dran, aber wie nun udn welches Schaltwerk hinten ansteuern? Kurze Diskussion im Forum. Ergebnis, Shimano 7 fach Uniglide hat Ritzelabstände von 5 mm, genau wie Campagnolo 8-fach. Ich könnte also die Original Laufräder und Kassette verwenden, vorausgesetzt, ich baue ein Campagnolo Schaltwerk ein, dass auf Mirage 8-fach passt. Also, dass bei dem Seilzug der Mirage Ergopower, genau 5 mm am Schaltwerk nach innen geht. Ich habe das mal lustigerweise mit dem Shimano 6401 Schaltwerk ausprobiert und es klappt nicht, hat einfach eine andere Geometrie, oder anderes ausgedrückt, bei gleichem Seilzug geht das Teil deutlich weniger als 5 mm nach innen, so dass die Kette  dann nicht auf dem nächsten Ritzel zum liegen kommt. Und wenn man vom kleinsten ausf das größte Ritzel schaltet, summieren sich natürlich diese Abweichungen auf.

Ich hatte aber noch ein Campagnolo Record 8-fach Schaltwerk zuhause, sieht aus wie dieses hier von Velobase aber in deutlich besserem Zustand. Man darf ja nie irgendwo behaupten, dass etwas von Campa aus der Serie „Record“ ist, vor allem wenn man sich nicht 100% sicher ist. Dann kommen gleich die Stimmen aus den Untiefen des Netzes und schreien: „Bist Du sicher, dass das ein Record Schaltwerk ist? Sieht mir eher aus wie ein 1987er Athena in der Spezialausführung für den Prinzen von Monte Cassane.“ Und schon steht man wieder als kompletter Idiot da. Hier kann ich aber zumindest behaupten, dass ich das Schaltwerk als „Record“ gekauft habe, aber vielleicht bin ich eben auch betuppt worden.

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Campagnolo Schaltwerk hinten. Der Kenner bemerkt Finish, Einstellschraube und Zugklemmschraube und kann daraus die Gruppe, das Jahr und den Namen der Monteuse herleiten.

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Vorne Shimano 600 komplett in 52/39 Abstufung hinten Campa auf Shimano Hyperglide Kassette.

 

Fazit. Schaltet ausgezeichnet, überhaupt kein Problem, auch mit der verbauten Standard KMC8 /32er Kette.

Jetzt noch mal ein Wort zu den Campa Mirage Ergopower Hebeln. Mirage ist ja nun die günstigste Campa Gruppe gewesen, echte Fantaiker fassen ja so etwas nicht an und lassen es von ihren Azubis an der Winterschlampe montieren. Tatsache ist aber, das die astrein schaltet und gut in der Hand liegt. Im Vergleich dazu sind die aktuellen 2014er Ergos der Veloce Gruppe echter Schrott. Hier ist es nicht möglich in einem Vorgang mehr als einen Gang hochzuschalten (in Richtung kleinerer Ritzel). Warum nur Campa, warum????? Das konntest Ihr doch alles schon vor 20 Jahren! Und die kleinen Schalthebel (um runter zu schalten) liegen auch nicht wirklich gut am Daumen. Die Zeit schreitet voran, aber das ist ein echter Rückschritt vom römischen Imperium ins Mittelalter.

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Campaganolo Mirage Ergopower Hebel aus dem römischen Imperium. Lenkerband Ich weiß schon, Danke.

 

Die Tricolore Komponenten haben ja so ein spezielles, graues Finish (Bremshebel, Bremsen, Schaltwerk), die Kurbel aber nicht, die ist klassisch silber und durfte deswegen dran bleiben. Die Bremsen aber mussten weg und wurden durch die älteren Shimano 600 6208 ersetzt, die schön chromig funkeln. Eigentlich fidne ich ja, dass an ein Rennrad Zweiachsbremsen gehören, aber die 600er sind so schön, da darf Aussehn mal vor Funktion kommen.

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Das Cockpit: Lenker, Vorbau, Steuersatz

Vorbau von 3ttt mit 110mm Länge, vermutlich Record 84; Lenker ebenso von 3ttt, Model Racing Team SL, 42cm Breite. Klassisch gekrümmt, zwei Rillen für die Verlegung von Brems- und Schaltzug auf jeder Seite. Das ganze Verpackt mit Fizik Microtex Lenkerband in weiß glänzend. Ich bin kein Freund von dem Microtex Lenkerband, es gut zu wickeln ist nicht einfach da es sich nicht richtig „zieht“ und schnell Falten wirft. Das beste Lenkerband  zum wickeln ist meiner Ansicht nach das BBB Speed Ribbon. Allerdings gibt es das nicht in weiß glänzend. Weiß glänzend muß aber an das Daccordi, nicht nur weil da so viel Chrom dabei ist sondern weil die Farbabstimmung rot/weiß/silber ist, also roter Rahmen, weiße Decals, Sattel, Lenkerband und Züge dazu chromige Komponenten.

Und glänzend muss das Lenkerband sein, damit man es leicht säubern kann, denn weiße Lenkerbänder sehen zwar gut aus aber werden auch schnell dreckig – das glänzende bekommt man schnell wieder saubergewischt. Bei den anderen geht das auch…irgendwie…dauert aber deutlich länger.

Steuersatz ist ein hoch bauender, schwarzer und heiliger Primax mit Nagellagern.

Sattel, Sattelstütze und Pedale

Hier sind ein paar Teile montiert, die ich mal an anderen Rädern angebaut hatte, die mich aber nicht richtig befriedigen. Der Sattel ist ein sehr gut aussehender Selle San Marco Regal mit weiß perforiertem Leder, aber bequem finde ich den nicht (genauso wie den Turbo und den Rolls). Da müsste also vielleicht noch etwas bequemeres in Weiß drauf. Sattelstütze ist die Original Aerostütze von Shimano 6400. Und die Pedale sind von KKT aus Japan, an sich sehr schön, haben aber den Nachteil, dass diese, wie alle alten Rennpedale, nur einseitig fahrbar sind. Von daher sind MKS Stream eine langweilige, aber funktionell gute Alternative.

Laufräder

Shimano 6401 Naben mit 7-fach Uniglide Naben. Naben sind auch sehr chromig und passend funkelnd gut zu den anderen Komponenten. Die Kassettenabstufung muss ich noch einmal nachschauen, für Bremen und Umgebung reicht das aber alle Mal. Die Felgen sind Mavic MA40 dunkelgrau eloxiert, aber an den Flanken silbern abgebremst mit grün/gelben Labeln (sogenannte Anti-Tobias Ausführung). Waren in einem guten Zustand und mussten nur ein wenig nachzentriert werden. Felgenband, Schläuche und Conti Ultrasport sind alle neu aufgezogen.

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Fazit

Habe es mal gewogen, mit Pedalen ist das ganze Teil etwas schwerer als 10kg, was für ein Mittelklasse Rennrad in dieser Größe aus den Neunzigern eher normal ist. Es fährt sich aber trotzdem zackig, nimmt gut die Beschleunigung an und hält in den Kurven die Spur, so wie das alles sein soll. Für relativ wenig Geld ein sehr schöner , aber auch gut funktionierender Aufbau.

Aussehen

Da lasse ich die Bilder sprechen:

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Bereit zur Ausfahrt.

daccordi UNDZ small

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Einen Korb bekommen: Shopping blockade runner.


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Beim Aufbauen von Rädern ist meist der Rahmen die Basis oder der Nukleus. Man kauft einen Rahmen und stellt sich vor, welche Komponenten und Laufräder gut daran passen würden. Der Rahmen ist oftmals die teuerste Investition, die nur manchmal von den Laufrädern oder der Gruppe geschlagen wird. Aber es muss nicht immer der Rahmen sein, mit dem man beginnt: Gute Ideen beginnen manchmal mit exzellenten kleinen Ideen. Dieser Aufbau begann mit einem Korb.

Ich muß gestehen, dass ich trotz aller Liebe für feine und tiefsinnige Details und Schnelligkeit Rädern mit Körbern mag. Dass muss eine unterbewußte japanische Prägung sein, denn in Japan haben quasi drei von vier Rädern mindestens einen Korb.

Ich hatte vor zwei Jahren bereits einmal ein Rad mit Korb gebaut, aber damit war ich überhaupt nicht zufrieden und habe nach und nach die Teile dafür verkauft. Das sah alles sehr schick aus, aber der verbaute Copenhagen Bike Porter ist meiner Meinung nach eine Fehlkonstruktion. Dadurch, dass der Schwerpunkt des Gepäcks weit vor der Lenkerklemmung ist, besteht nicht nur das Risiko, dass sich diese verdreht oder gar aufreisst; nein auch der Hebel ist so stark, dass jede Unebenheit auf der Strasse den Korb in unkontrollierbare Schwingungen versetzt. Man braucht also auf alle Fälle etwas wie ein Netz über dem Korb, um zu verhindern dass das Gepäck heraus katapultiert wird. Und wegen der unsicheren Lenkerklemmung fährt die Angst immer mit. Obwohl, das Teil sieht schick aus, hat etwas, was ikonische Teile wie Campa Delta Bremsen, Ofmega Mistral Kurbeln oder Cinelli Laser Rahmen eben so haben und ist jetzt erst einmal für die nächsten zwanzig Jahre eingelagert, dann wird es auf ebay oder wo auch immer verschleudert.

Aber die Idee des Korbes ließ mich nicht los und als ich zufällig bei ebay wieder Mal so ein Teil günstig erstehen konnte schlug ich zu.

Manche Leute sehen da nur Holzdielen oder eine Haufen Metallschrott. Ich aber sah die Zukunft, und die Zukunft war bullig, verchromt und relaxt. Eine Mischung aus Easy Rider, Hummer und Mad Max Teil II. Als der Korb dann zuhause ankam, konnte man schon seine Herkunft erahnen: Das musste eine Requiste aus Mad Max II gewesen sein., etwas was vielleicht in einem dieser Autos verbaut worden war.

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Ein Rad, dass ich wie ein Auto seinen Weg mit brutaler Gewalt bahnt oder dem Vorwand zum einkaufen zu fahren. Ein Rad wie ein respekteinflössender Geländewagen, aber mit völliger politischer Korrektheit.

Hummer H2 with GM Accessories - Grill, 2003, 1024x768, 3 of 6

Nun hatte ich den Korb und der Rest musste folgen. Eine gute Quelle für alle möglichen Basisteile zum Aufbau abstruser und ungewöhnlicher Räder ist „Bankrupt bike parts“ auf Ebay. Sollte ich eigentlich nicht verraten, denn das ist meine Top Secret Quelle. Bei denen hatte ich schon einmal einen pinken Raleigh Damenrahmen gekauft und auch gerade, als ich ihre Website gecheckt habe, sind wieder ein paar außergewöhnliche Dinge im Angebot.

Jedenfalls gab es bei Bankrupt Bike Parts den perfekten Rahmen zu dem Korb. Ich musste noch ein paar Tage darüber nachdenken, ob ich wirklich so bescheuert sein sollte und ein Rad um einen Korb baue, aber dann gab endlich die Vernunft nach und der Wahnsinn verschaffte sich seinen verdienten Raum. Ich mochte den Rahmen, weil er erstens total verchromt war, also aus etwa gleichen Designelementen wie der Korb bestand, recht niedrig war, so dass die Lenkerposition nicht allzu hoch ausfallen würde und ich im Gegenzug mit einer langen Sattelstütze den Fahrer über das Niveau der Lenkerstange hieven konnte. Und dann war der Ramen auch nicht so irrsinnig teuer (die Grenze für „nicht so irrsinnig teuer“ liegt exakt bei 100€).

Ich mag Komponenten und Rahmen die nicht irrsinnig teuer sind. Ich habe mir eine Menge teures Zeug gekauft, sagen wir mal z.B. eine komplette Serie von jeder Campa Monoplaner Bremse die jemals gebaut wurde, ein paar Campa Deltas (einen Satz habe ich dann wieder verschenkt), eine Campa Record Sattelstütze etc. aber es macht einfach keinen Spaß diese Teile zu verbauen und damit zu fahren. Vieles von dem Zeug ist ja auch rein design-ikonisch und die Funktion ist wie in einem Architekten-Design Haus: An den Außenwändern läuft nach dem Regen die Szuppe runter und es gibt fiese, graue Schlieren, aber der Designarchitekt konnte sein künstlerisches Gewissen nicht kleinreden und überzeugen, das überhängende Gauben eine gute Idee sind. Sattdessen sieht das Haus wie ein weißer Klotz mit schwarzen Ausschnitten aus, durch das Flachdach dringt die Feuchtigkeit nach innen und außen jauchst der Chor der Puristen: „Ikonisch! Pur! Rein!“. Oder, wie es einmal Peter Eisenmann sagte:

„Die syntaktische Bedeutung, wie sie hier definiert ist, berührt die Bedeutung nicht, die Elementen oder tatsächlichen Relationen zwischen Elementen zuwächst, sondern die Relation von Relationen untereinander.“

(nachzulesen in: Tom Wolfe „Mit dem Bauhaus leben“ Rowohlt 1986, oder zum Beispiel hier; das ist eines von den 111 Büchern, die ich mit auf die einsame Insel nehmen würde).

Was mit Eisenmann Gebäuden passiert, kann man hier sehr gut sehen, am Beispiel des Nunotani Buildings in Tokyo.

Schweifte ich etwas ab? Gut. Wo waren wir denn? Ach ja, Korb und Rahmen harmonisieren prächtig, der Rest findet sich irgendwie. Wichtig ist auf jeden Fall die Wahl der passenden Laufräder. Ich hatte nicht vor eine Schaltung zu verbauen, denn Schaltungen und deren Verkabelung stören nur die Designlinien und sind bei so einem Rad funktionell nicht notwendig. Ein Gang reicht ja wohl zum einkaufen. Also entschied ich mich für einen günstigen 26er Laufradsatz mit Shimano Kassette von Rose, Deore Naben und darauf wurden sehr bullige Schwalbe Kojaks 26 x 2,00 montiert, die dem ganzen die nötige Wucht verlangen. Der Korb mit schmalen Rennradreifen – das geht doch gar nicht. Und bitte keine zusätzliche Farbe, der Chrom muss für sich selbst sprechen und alles spiegeln was er trifft. Akzente sind OK, schwarz ist immer OK, da keine Farbe, aber bitte keine Smartieseffekte an den Laufrädern.

Auf die Kassette kam ein 18Z Ritzel, vorne ein 53er Kettenblatt an einer Sturmey Archer Kurbel (das häßliche Logo habe ich wegpoliert), so dass die Übersetzung etwas weniger als 3:1 ist – mit 26er Reifen ist das gut fahrbar. Ich teste so etwas immer an der Fußgängerbrücke um die Ecke, und wenn ich die Rampe hochfahren kann bin ich zufrieden.

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Verchromte Sturmey Racher Kurbel vorne, mit 53Z Kettenblatt und Hosenschutz. Wäre schön, wenn der auch chromig glänzen würde, aber wichtig ist erst mal die Funktion.

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MKS BM-7 Pedale, heisst das eigentlich Bärentatzen oder Bärenfalle. Auf jeden Fall sind die zweiseitig fahrbar und haben diese bullige Optik die zum Gesamtbild passt.

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Ein Schaltwerk könnte montiert werden, alles dafür da. Ebenso die Ösen für Schutzbleche und Gepäckträger.

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Günstig erworbene Singlespeed Umbauoption für die Shimano Kassettennabe. Zwei weitere Ritzel gibt es umsonst dazu. Die horizontalen Ausfallenden bieten Platz die Ritzel ohne Austausch der Kette zu montieren.

Fährt da Teil einmal los, ist es schwierig es wieder zum stoppen zu bekommen. Ich meine das Ding soll ja auch nicht stoppen, es ist ein Blockadebrecher. Es soll einfach von seinem Fahrer auf eine Umlaufbahn geschossen werden und dort kreisen. Na gut, aber Bremsen braucht man halt doch. Hier stellen sich zwei Probleme, erstens gibt es Halterungen für Cantilever oder V-Bremsen, und aufgrund der Reifenbreite hat man sowieso keine andere Möglichkeit. OK, also V Bremsen aus dem Bestand (Avid Single Digit 1 in schwarz). Und zweitens, ist die Krümmung des Lenkers etwas ungünstig. Die Bremsgriffe müssen daher relativ nah am Ende montiert werden, es bleibt deutlich weniger als normal (120 mm) Platz für den Plastikgriff. Und auch die Führung des Bremskabels ist etwas tricky. Zum Glück hatte ich noch ein paar modularisierte Bremsgriffe von Starfucker aus Japan. hatte ich im April bei Above Bike in Kawasaki gekauft und mit nach Hause genommen. Das sind Silikonringe, die man in beliebiger Anzahl hintereinanderstecken kann, so dass quasi jede Griffbreite realisierbar ist. Theoretisch könnte man auch einen Rennradlenker damit komplett verbauen, das wird aber recht teuer. Dazu dann unauffällige Tektro 750er Bremsgriffe, aber in der Canti Version, denn bei den „normalen“ FL reicht der Hebel nicht aus, um die Bremsen angemessen in Bewegung zu versetzen.

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Starfucker Silikongriffe, sechs Module (ein Set = 14 Module)

 

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Satttel ist übrigens ein Brooks Colt, Sonderedition in Raspberry. Den Colt muss man wirklich mögen – bzw. den passenden Hintern dafür haben. Für mich fühlt der sich ähnlich an wie ein Selle Italia Turbo – also wer auf einem Turbo bequem sitzt st entweder ein total harter oder hat den passenden Arsch. In habe den nicht.

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Donuts am Bremskabel nach hinten

Noch einmal ein paar Korb Bilder

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So, wie ist nun der Gesamteindruck?

Thema Eins. Frisch aus der Garage.

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Thema Zwei: Vor den roten Zacken

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Thema Drei: Vor der Villa Psycho.

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Und wie fährt es sich: Gut. Ewartungsgemäß ist das Teil nicht wirklich schnell und wendig, aber es liegt sicher in der Spur und walzt über alles rüber. Warum eigentlich Schlaglöchern ausweichen – mit dem Rad ist das nicht nötig. Ein großer Vorteil ist der kleine Rahmen. Ich kann das Rad genauso gut fahren mit meinen 1,86 m wie meine Tochter mit 1,45 m. Klar, sie hat die Hände viel höher am Lenker aber das geht auch prima.

Und dieses Rad verpasst Respekt. Kommt einem auf dem Radweg jemand entgegen macht er ziemlich sicher Platz. Vermutlich ist da Gefühl so, als wenn einem ein Hummer auf dem Radweg entgegenkommen würde. Passt. Und einkaufen kann man damit auch.

Mad Chrome

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Giant Cadex revealed: Teil 2

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Erst war’s das Wetter, dann ein Workshop am Wochenende und danach die Grippe. Ich komm‘ zu nix, weder zum Radfahren nach zum bloggen. Stattdessen eine Woche im Bett mit drei Staffeln „Breaking Bad“ als gefühltem Höhepunkt. Und „Breaking Bad“ zu schauen, wenn man krank ist, ist keine gute Idee. Oder etwa so gut wie eine Frau zum Rendezvous in den Film „Der Pianist“ einzuladen, oder gleich mit ihr einen Besuch im Parasitenmuseum in Tokyo zu machen. Heute kam die Projektarbeit meines Sohnes dazwischen, eine wissenschaftliche Arbeit im Stil von Konrad Kujau. Und danach blieb doch tatsächlich noch ein wenig Zeit an der Geschichte des Giant Cadx zu feilen:

VORNE

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1501 Giant Cadex Revealed 06Vorne bliebt an sich alles beim alten. Oh, hatte ich bereits erwähnt, dass an dieses Fixie Bremsen angebaut wurden? Das beste Preis-Leistungsverhältnis besteht meiner Ansicht nach hier bei den Campagnolo Super Veloce Bremsen, die sowohl in schwarz, als auch in silber erhältlich sind und somit quasi überall angebaut werden können, wo Reifendicke,  Schutzbleche, Gabelkronenabstand oder Gabelbohrung nicht im Weg sind. Warum hat die Super Veloce das beste Preis-Leistungsverhältnis? Nun, sie kostet als Satz so um die 35€, ist also genauso teuer wie ein Satz Veloce Bremsen, hat aber ein Super Image. Das Super Image kommt im wesentlichen daher, dass man vor der Montage den Schriftzug „Veloce“ mittels eines Felgenradierers entfernt. Im Nu hat man eine Campagnolo Bremse, die selbst der Kenner jetzt erst einmal nicht einordnen kann. Bei Shimano würde jeder sofort rufen: „Hey, warum hast Du da das „Ultegra“ wegradiert?“, aber bei einer Campabremse sollte man das möglichst nicht sagen. Weil die Campa Modellpolitik halt dermaßen konfus und zufällig ist, dass man Gefahr läuft, dass die Bremse die man gerade betrachtet eben doch eine spezielle Sonderserie zum 64. Geburtstag von Valentino Campagnolo oder einen der begehrten Veloce  Prototypen aus der Vorserie von 2009 vor sich hat und man sich nun als Nicht-Campa Kenner entlarvt hat. Peinlich. Deshalb schweigt man besser und nickt anerkennend. Daneben bremsen die Dinger gut, persönlich würde ich mir die überall dran schrauben.

Letztens ging das aber mal nicht, da ich ein Schenkelmaß von 57 mm brauchte und so kaufe ich mir eine schwarze Shimano BR-451 Bremse. Wie gewohnt fing ich an, das häßliche Shimano Logo wegzuradieren. Da fiel mir auf, dass auch die schwarze Farbe darunter wegging – das ganze Dinge war lackiert. Und deswegen kann so etwas nie eine Shimano Dura Sora werden.

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HINTEN

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… ist genau so eine Super Veloce Bermse angebaut wie vorne. Die Kabelführung ist übrigens offen, drei Ösen sind halblinksunten angebracht um das Bremskabel von vorne nach hinten zu führen.

Weiter drunter bewegt sich wie vorne ein Spinergy Laufradsatz für Drahtreifen. Damit das Ding überhaupt zum Fixie werden konnte, hat der Besitzer einen Surly Fixxer eingebaut. Das Teil ersetzt quasi die Achse und den Freilaufkörper einer herkömmlichen Shimanonabe mit eben einer fixierte Surlyachse. Kann man sich zum Beispiel hier ansehen, wenn auch nicht unbedingt nachlesen. Sehr cool und passt auch von der Ästhetik her zu dem etwas rohen, metallischen Design der Spinergy Nabe. Ist übrigens mein zweiter Spinergy Laufsatz, der erste hält bereits seit Jahren auch wenn die Gerüchte da immer etwas anderes behaupten, von wegen „Suicide Wheels“. Ich fahr den allerdings auch ganz selten…äh..eigentlich nie, na gut, also wenn ich mal die Absicht haben sollte Selbstmord zu begehen, dann fahre ich mit den Spinergy Rädern raus.

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MITTE

Die ursprünglich montierte Campa Gran Sport Kurbel gefiel mir gar nicht. Eine Super Gran Sport wäre ja OK gewesen, aber da hier? Nein. Da ist jetzt erst einmal eine teure Sugino 75 dran, aber die Toplösung ist das auch noch nicht. Es zeigt sich hier auch noch ein anderes Problemchen: Die ursprüngliche Kurbel hatte 51 Zähne vorne plus 16 hinten und da ganze wurde von einer Half-Link Kette zusammengehalten. Ich hatte dann einmal versuchsweise 18 Zähne hinten montiert, da 51/16 ein wenig sportlich für die Stadt ist. Aber selbst 2 Zähne mehr passt schon überhaupt nicht, da die Ausfallenden nicht horizontal sind und selbst mit der Halflink Kette da null Toleranz ist. So ist es jetzt erst einmal 52/16 geworden, wobei ich eine normale Kett verwendet habe, die dann auch etwas durchhängt. Das sieht auf den Photos dramatisch mies aus, fährt sich aber trotzdem noch akzeptabel gut. Trotzdem muss hier noch mal nachgebessert werden.

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Um die Kurbel herum schwirren alte Kyokuto Rennpedale. Und ganz oben thront sonnengleich ein extrem leichter Carbon Sattel. Den habe ich schon ewig und noch gekauft, als selbst diese NoName Dinger aus China nach irrsinnig teuer waren. Mittlerweile sind sie es nicht mehr, da jeder Chinese direkt nach Deutschland sendet oder das Ali Baba erledigen lässt. Es muss ber auch genau dieser Sattel sein, denn das ist der einzige der zu der Gesamtfunktion passt.

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Was soll ich sagen: Fährt sich zackig und zickig, ist einfach auch der beste Bullhornlenker den ich je hatte. War ein teurer Kauf und der noch mal richtig Geld verschlugen hat. Ich habe allerdings auch noch drei andere Fixies (Basso, Union, Nagasawa) in der Garage stehen bzw. im Wohnzimmer an der Wand hängen. Deswegen muss ich mich doch mal ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigen, das Giant Cadex wieder zu verkaufen. Das Basso und das Union sind einfach zu speziell und zu mein, die müssen bleiben; das Nagasawa ist viel zu teuer. Also, wenn einem das Giant hier richtig gut gefällt, dann würde ich mich davon trennen, ein paar Kinokarten von dem Erlös kaufen und meiner Familie in „Der Pianist“ gehen.

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Giant Cadex Revealed

Über die Weihnachtszeit hatte sich langsam und stetig eine reihe neuer Projekte im Keller angesammelt, sie nun langsam der Vollendung entgegensehen. Leider ist das Wetter nicht so, dass diese auch gefahren und fotographiert werden konnten. Heute war mir alles egal – raus auf dem Giant Cadex Revealed.

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Die Basis für diesen Aufbau war ein komplett fertiges Rad, das ich über Ebay gekauft hatte. Jemand hatte sich die Mühe gemacht einen Giant Cadex Rahmen, der im Original relativ langweilig aussieht, da er komplett lackiert ist, von allem Lack zu befreien und die sehr elegante Struktur aus Alumuffen und Carbonrohren freizulegen. Das ganze war mit Spinergy Laufrädern versehen worden, die den minimalistischen Eindruck, auf wenige Elemente fokusierten Ausdruck noch verstärkten.

Die Basis: Ein Cadex mit langweiliger Fernost Lackierung die keinem richtig weh tut.

Schon besser. So habe ich das Rad gekauft. Das hat aber Schwächen im Detail.

Das war Liebe auf den ersten Blick und hatte zugeschlagen, ohne lange zu überlegen (äh, also etwa drei Tage später). Da war jede Menge Potential und das sollte genutzt werden.

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An dem Rad waren keine Bremsen dran. OK, ich sehe ein, dass ein Fixie per Fixie-kultur Definition auch keine Bremsen haben darf. Und eigentlich sollte ich auch einen Vollbart tragen, wenn ich so ein bremsenloses Fixie fahre. Das ist mir aber alles egal; ich bin keine 22 mehr, habe eine Familie die ich ernähren muss und einen Körper, der nicht alles nahtlos wegheilt, wenn ich mich auf die Fresse lege. Aber zumindest habe ich den Ansatz eines Bartes, wenn auch nur temporär. Also Bremsen müssen dran.

An dem Rad war ein Bullhorn Lenker auf der Basis eines alten abgesägten und umgedrehten 3ttt Rennlenkers. Der liegt gut in der Hand und die Dia Compe Guidonnet Bremshebel konnten dazu passend sein, wenn sich die Form der Hebel der des Lenkers annähert. Das passt ganz hervorragend, man hat zwei Griffpositionen am Lenker zur Auswahl: Einmal können die Hände nah am Vorbau bleiben und die Bremsgriffe kurz fassen; andererseits kann man aber auch am Ende des Lenkers greifen und so noch gut das lange Ende der Bremsgriffe erreichen. Und ehrlich gesagt habe ich bislang auch so viele Tektro FL-750 und CL-750 Hebel verbaut, dass ich es langsam leid bin.

Gar nicht gefallen hat mir das schwarze, Kunstlederähnliche Lenkerband von Cincelli. Dickes Lenkerband lässt sich ohnehin bei Bullhornlenker nur schlecht vorne raus mit den Lenkerstopfen versenken und irgendeinen Farbakzent darf auch ein komplett schwarzes Rad haben. Nach einigem rumexperimentieren kam ich darauf, das rote VIVA Tape aus Japan zu verwenden. Das war mein erster Wickelversuch mit selbstklebendem Baumwollband und das Viva klebt noch einmal ganz besonders gut. Einfach ist das nicht und das Ergebnis ist auch nur mittelmässig gut geworden. Aber mal ehrlich, eine der schwierigsten und nevenaufreibenden Jobs beim Radbauen ist das perfekte Wickeln von Lenkerband.

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Giant Cadex Track Quadrat

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First Project 2015: Duell Shopping Blockade RunnerBike

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Configured for fast, extensive shopping runs.

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Three kilos of massive steel, inspired by the cars from Mad Max 2

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Honjo chrome mud guards with minimal clearence for road racing bikes. Combining them with Dura Ace AX brakes is not a good idea.

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Front view of the shopping blockade runner.

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Actually, this is a very fast frame. Which deserves better.

No, I am serious. Honestly. I just got this very nice Duell frame delivered and some other deliveries from Japan and I was looking for a quick start to assemble and test some components. But the result doesn’t ride that bad – relatively fast and extremely comfortable due to the high position of the handle bar and the upright riding position

But with this massive handle bar – basket combination I have something different in mind. As well as with the Duell frame.

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Sold: Concorde Classic Frame RH58

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Eine schöne Basis für ein Herbstprojekt.

Im Herbst 2012 hatte ich mir über einen Kontakt in Belgien zwei Concorde Classic Rahmen, den einen in RH56 und den anderen in RH58 gekauft. Die Rahmen stammen aus dem Nachlass eines belgischen Radhändlers und standen dort fast 20 Jahre im Lagerraum und staubten langsam ein. Da die Rahmenfarbe sehr modisch ist, vermute ich einmal, dass das Interesse an den Rahmen bei der Kundschaft mit den Jahren abflaute, bis sie irgendwann halbvergessen in einer schummerigen Ecke landeten, wo mein „Kontakt“ sie dann entdeckte. Mein Plan war, die Rahmen für ein Paar aufzubauen, für „Ihn“ in einer leichte sportlichen Version in RH58 und für „Sie“ etwas damenhafter in RH56.

Ich mag das Design der  Concorde Rahmen sehr. Im Vergleich zu anderen holländischen Marken wie Gazelle, Batavus, RIH, Jan van Tyl, Duell, Herwerden oder Reus spricht mich das deutlich mehr an. Das Concorde Logo und insbesondere die Farbe dieses Rahmens haben etwas von den ZACK! Comic-heften meiner Jugend.

 

Dann schlummerten die Räder bei mir etwas, denn mir fehlten die richtig guten Ideen für den Aufbau. Die Herrenversion hatte ich schließlich komplett mit Suntour Cyclone ausgestattet. Das Ergebnis war schön, aber nicht überragend schön. Einen 58erRahmen kann ich bei meiner Größe auch selber fahren, aber wenn eine gute Auswahl von besseren und schnelleren Rennrädern in der Garage steht, wird dies halt nicht getan. Und so legte ich auf der Concorde Cyclone nur wenige Kilometer zurück.

Den 56er Rahmen baute ich etwas später auf; hier wollte ich nicht eine komplette Gruppe, sondern einfach nur eine Reihe interessanter Teile verbauen. Der Concorde Twin bekam NOS Bremsen von CLB in schwarz, Modolo Schalthebel aus Plastik mit Kleeblättern und eine wunderschöne, schwarz gelochte SR Kurbel. Um diese ganze Verrückheit mit sehr individuellen Laufrädern abzurunden, kamen da dann noch radial eingespeichte (vorne und hinten!) Weco Laufräder dran. Das Ergebnis fand ich schön, aber wiederum nicht überragend. Ein 56er Rahmen ist für mich auch nicht fahrbar. 

Ich hatte dann versucht die kompletten Räder einzeln und zusammen zu verkaufen, aber da war gar kein Interesse im Markt vorhanden. Und alle Paare die ich kannte winkten ab, oft auch deswegen, weil der weibliche Teil nicht groß genug für einen 56er Rahmen war. Ansonsten ist der Rahmen natürlich Geschmackssache, man muss die Farben schon sehr mögen.

Schließlich bot sich die Gelegenheit den einen Rahmen zu verkaufen und nach und nach habe ich auch die Teile entweder an anderen Rädern verbaut oder aber verkauft. In der Garage blieb ein Gerippe stehen. Das darf nicht so sein und deshalb möchte ich mich von dem Rahmen trennen.

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DETAILS

  • Rahmengröße 58 (c-c)
  • Columbus Aelle Rohr, nicht unterverchromt
  • Bremszugführung außen am Oberrohr durch drei Ösen
  • Schalthebelsockel am Unterrohr
  • Eine Befestigung für Flaschenhalter am Unterrohr
  • Anlötadaptor für Umwerfer
  • Schaltzugführung unter dem Tretlager (ohne Führung)
  • Tretlager unten offen
  • Ausfallenden mit Justierschrauben
  • Original Herstellerplompe dabei
  • mit Stronglight Steuersatz, neu
  • mit Shimano Innenlager, neu

Allgemein ist der Rahmen in einem sehr guten Zustand, keine Dellen, keine Kratzer, nur wenige Abplatzungen des Lackes. Am Oberrohr gibt es eine Lackverfärbung die auffällig ist. Die Decals sind alle gut erhalten und vollständig. 

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In Anbetracht der besonderen Schönheit und des guten Zustandes des Rahmen würde ich gerne auf VB €190 dafür aufrufen.

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